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Trauma und Feindbild. Führen traumatische Erlebnisse zu vermehrten Feindbildern?

Seminararbeit 2015 12 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Traumatisches Erlebnis
2.2 Feindbild
2.3 Vorurteil

3 Funktion von Feindbildern

4 Abwehr und Verdrängung vom Trauma durch Feindbilder

5 Vom Trauma zum Feindbild

6 „Opfer-Täter“-Umkehr

7 Gesellschaftliche und historische Beispiele

8 Zusammenfassung

9 Quellen

1 Einleitung

„Wenn es den Juden nicht gäbe, müssten wir ihn halt erfinden. Der Jude sitzt immer in uns. Aber es ist leichter ihn in leiblicher Gestalt zu bekämpfen als den unsichtbaren Dämon.“ sagte Hitler 1941 in einem Interview. Dieses Zitat zwingt einen zu der Annahme, dass Hitler sehr wohl ein gutes Verständnis davon hatte, dass seine antisemitische Propaganda auf einem erdachten Feindbild basierte. (Berghold, 20141 )

Es beschreibt, dass der Selbsthass (den unsichtbaren Dämon) der Deutschen sie so empfänglich für ein großes Feindbild machte und somit Hitler es ermöglichte ein Volk durch die Verbreitung des Antisemitismus bedingungslos hinter sich zu vereinen.

Auch neuere Forschungen zu Feindbildern beschreiben dies. Arno Gruen schreibt zu diesem psychologischen Mechanismus von Feindbildern in „Der Fremde in uns“. Er beschreibt wie der Mensch dazu neigt, die Dinge, welche er an sich selbst nicht ausstehen kann auf eine beliebige Gruppe, die sich gerade als Feindbild eignet zu projizieren und dann dort zu hassen, zu diskriminieren und unter Umständen sogar aktiv zu bekämpfen, um sich selbst von der eigenen Schuld zu erleichtern und das Gewissen zu beruhigen. (Gruen, 20002 )

Somit zeugt ein gepflegtes Feindbild also von mangelnder Selbstreflexion und der Unfähigkeit die eigenen Fehler eingestehen zu können.

Traumatische Erfahrungen sorgen nun wiederum dafür, Introspektion und Selbstreflexion erheblich zu erschweren. Dies kommt durch die Verdrängung des traumatischen Erlebnis und dem Hang dazu sich selbst als Schuldig zu sehen für das was einem widerfahren ist.

In Folge dessen wird die eigene Mitschuld mit bestimmten Charakteristika verknüpft, welche dissoziativ abgelehnt werden und nun aber einen Ausdruck suchen. Dieser Ausdruck äußert sich nun häufig in einer Projektion dieser Eigenschaften und einem resultierenden Abstoßen des als Projektionsfläche dienenden. (Berghold, 20143 )

Dies ist der schnelle und einfachere Weg um zu einer psychischen Entlastung oder Erleichterung des Gewissens zu kommen. Die Scheu vor Introspektion führt dann somit zu Feindbildern.

Diese Arbeit soll nun einen Zusammenhang von traumatischen Erlebnissen und Feindbildern näher darlegen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass zu diesem Thema hier nur ein Einblick gegeben werden kann und keine vollständige Analyse. Zu weiterer Arbeit mit diesen Themen soll angeregt werden.

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Traumatisches Erlebnis

Trauma ist ein Ereignis im Leben einer Person, welches ein Ereignis sein kann, das die Person durch ein direktes Beobachten persönlich betreffen oder aber auch durch ein indirektes Beobachten intensiv bedroht. Es handelt sich dabei um eine Bedrohung der Gesundheit, der körperlichen Integrität und somit des eigenen Lebens. Ein traumatisches Erlebnis verursacht starke Gefühle von Grauen, Schrecken und Hilflosigkeit. Ein Trauma wird als eine Belastungsstörung klassifiziert und kann in der direkten Folge zu einer Akuten Belastungsstörung(ABS) führen (i.d.R. im 1. Monat nach dem Ereignis). Welche ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung bedeutet. Bei traumatischen Erlebnissen und einer folgenden ABS kommt es zu einem Herabsetzen der Wahrnehmung und Gefühlen wie Depersonalisation und Derealisation. Auch kommt es zu teilweisen oder vollständigen Amnesien über das traumatische Ereignis. (Karl, A. & Maercker, A. 20114 )

2.2 Feindbild

Ein Feindbild sind negative Vorurteile die sich auf eine bestimmte Gruppe (definiert durch Ethnie, Staaten oder Ideologien u.ä.) beziehen. Es ist dabei möglich, dass diesen Vorurteilen zwar ein wahrer Kern zu Grunde liegt, jedoch wird dieser stark übertrieben. Ein Feindbild zeugt also von einer stark negativ verzerrten Wahrnehmung. Es ist also ein, von einer Gruppe schlecht Denken, ohne eine ausreichende Begründung dafür zu haben. Mit dem Feindbild geht häufig eine Entmenschlichung des „Feindes“ einher. Diese Entmenschlichung dient dann als Rechtfertigung für Gewaltakte und Vernichtungsakte gegen die von dem Feindbild betroffene Gruppe. (Sommer, 20045 )

2.3 Vorurteil

Der deutsche Begriff des Vorurteils hatte ursprünglich eine positive Bewertung. Und zwar war ein Vorurteil für einige Philosophen (Descartes, Leibniz, Kant) eine eingeborene Wahrheit; „a priori“ Wissen. Nur im englischen gibt es schon lange den negativen Begriff des Vorurteils: „prejudice“. In dieser Arbeit bezieht sich das Vorurteil auf diesen negativ belegten Begriff („prejudice“). Bei diesem spricht man von einem einzelnen Urteil, welches übertrieben negativ über eine Gruppe (durch Ethnien, Staaten, Ideologien o.ä. definiert.) urteilt. (Horkheimer, 19616 ). Vorurteile stehen in einem Zusammenhang mit Feindbildern, da Feinbilder meist auf einer Ansammlung von Vorurteilen beruhen. Auch nach außen hin präsentiert sich ein Feindbild unter anderem durch die Äußerung von Vorurteilen.

Berghold beschreibt drei zentrale Elemente von Vorurteilen: Verachtung, Schwarz-Weiß Denken und eine Angst vor Bedrohung. So beinhalten Vorurteile i. d. R., dass die Zielgruppe der Vorurteile als verächtlich abgestempelt wird und ihr Macht, Grausamkeit und Gefährlichkeit zugeschrieben wird.

Weiterhin ist ein Schwarz-Weiß-Denken essentiell für vorurteilsbelastete Weltbilder.

Diese Elemente unterliegen alle psychologischen Funktionen, welche es den Personen erlauben an ihren Vorurteilen und Weltbild festzuhalten. (Berghold, 20117 )

3 Funktion von Feindbildern

Feindbilder entstehen aus einigen verschiedenen Gründen. Vor allem aber entstehen sie auf Grund ihrer psychologischen Funktionen.

Auf der individuellen Ebene sorgt ein Feindbild für ein positiveres Selbstbild, eine Verminderung von psychischem Aufwand und gibt eine Erklärung sowie eine Rechtfertigung für die in einem selbst entstehenden Ängste und Gewalt.

Ein Feindbild involviert ein sich zu einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen. Man selbst kann sich nun durch das Feindbild und die Abwertung einer anderen Gruppe mit der „guten“ oder „besseren“ Gruppe identifizieren und sich von der „schlechten“ oder „bösen“ Gruppe abgrenzen.

Dadurch erlebt man eine Aufwertung des Selbstbildes. Es kommt also zu einem positiveren und idealisierten Selbstbild.

Durch das sich anschließen an eine Gruppe und das Übernehmen derer Welt und Wertevorstellungen muss nun keine eigene eventuell abweichende Meinung mehr gesucht werden und die Mühe zur eigenen Identitätsfindung entfällt. Man sollte allerdings beachten, dass es in manchen politischen Situationen sogar gefährlich sein kann sich eine eigene Meinung zu bilden.

Auch entfällt durch das Feindbild ein schwerer Blick nach innen, da entstehende Ängste und Gewalt erklärt und gerechtfertigt werden. Das schlechte Gewissen, welches durch diese Gewaltphantasien entsteht, wird durch die Entmenschlichung der Zielgruppe und die Täter-Opfer Umkehr beruhigt. (Sommer, 20048 )

Auch auf der gesellschaftlichen Ebene haben Feindbilder gewisse Funktionen. So implizieren nach Gert Sommer Feindbilder Fehlinformationen mit denen die öffentliche Meinung manipuliert wird. Dies kann in einer Diktatur zum Beispiel durch direkte Zensur der Medien erreicht werden.

Durch die Etablierung eines Feindbildes kann so auch die Bedeutung des Militärs für das Volk erhöht werden und militärische Aktionen können leichter als notwendige Handlungen legitimiert werden. (Sommer, 20049 )

Generell dient ein Feindbild zur Ablenkung. Ähnlich wie auf der individuellen Ebene kann sich auch eine ganze Gesellschaft mit einem Feindbild beschäftigen und somit andere Probleme aus den Augen verlieren. Gleichzeitig wird das Selbstbild der Gesellschaft oder Gruppe aufgewertet.

Auch wird der Zusammenhalt gesteigert, da gute Zusammenarbeit wichtig wird um gegen den „Feind“ vorzugehen. (Nolting, 199210 ) Sämtliche Opposition wird unterdrückt und diffamiert. (Sommer, 200411 )

[...]


1 Berghold, J. (2014). Einführung in die Sozialpsychologie. Lehrveranstaltung an der Alpen Adria Universität. Klagenfurt.

2 Gruen, A. (2000). Der Fremde in Uns. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.

3 Berghold, J. (2014). Einführung in die Sozialpsychologie. Lehrveranstaltung an der Alpen Adria Universität. Klagenfurt.

4 Karl, A. & Maercker, A. (2011). Posttraumatische Belastungsstörung: Klassifikation und Diagnostik. In M. Perrez & U. Baumann.(Hrsg.), Lehrbuch Klinische Psychologie (s. 970 ff). Bern: Hans Huber Verlag.

5 Sommer, G. (2004). Feindbilder. In G. Sommer & A. Fuchs.(Hrsg.), Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt – und Friedenspsychologie. (s. 303 ff). Weinheim, Base, Berlin: Beltz Verlag.

6 Horkheimer, M. (1961, 20. Mai). Über das Vorurteil. Frankfurter Allgemeine Zeitung.

7 Berghold, J. (2011). Vorurteile auf individueller Ebene. In Sir Peter Ustinov Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen (Hrsg.), Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen. Schwalbach: Wochenschau Verlag.

8 Sommer, G. (2004). Feindbilder. In G. Sommer & A. Fuchs.(Hrsg.), Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt – und Friedenspsychologie. (s. 303 ff). Weinheim, Base, Berlin: Beltz Verlag.

9 Sommer, G. (2004). Feindbilder. In G. Sommer & A. Fuchs.(Hrsg.), Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt – und Friedenspsychologie. (s. 303 ff). Weinheim, Base, Berlin: Beltz Verlag.

10 Nolting, H. P. (1992). Kein Feindbild ohne Selbstbild. In G. Sommer et al. (Hrsg.), Feindbilder im Dienste der Aufrüstung (S. 71–81). Marburg: AMW für Friedens- und Abrüstungsforschung.

11 Sommer, G. (2004). Feindbilder. In G. Sommer & A. Fuchs.(Hrsg.), Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt – und Friedenspsychologie. (s. 303 ff). Weinheim, Base, Berlin: Beltz Verlag.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656942610
ISBN (Buch)
9783656942627
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296348
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Schlagworte
Psychologie Trauma Feindbild Feindbilder Traumata traumatische Erfahrung Sozialpsychologie Vorurteil Vorurteile Seminar Seminararbeit PEGIDA Gesellschaft Nazidiktatur Nazi

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Titel: Trauma und Feindbild. Führen traumatische Erlebnisse zu vermehrten Feindbildern?