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Migration und Bildung: Ungleiche Bildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund?

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Migration und Bildung
2.1 Die Migrationssituation
2.2 Entwicklung der Migration
2.3 Bildungschancen der Kinder mit Migrationshintergrund
2.4 Ursachen der Ungleichheit

3.) Abschlussdiskussion

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Wie der Titel schon nahe legt, werde ich mit dieser Arbeit der Frage nachgehen, wie sich die Partizipation von Kindern mit Migrationshintergrund am deutschen Bildungssystem gestaltet.

Zunächst werde ich die Situation und Zusammensetzung der Migranten näher erläutern, da dies für das Verständnis des Themenkomplexes von besonderer Bedeutung ist. Auch werde ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der Migration geben, da sich die Situation der Migranten in den letzten Jahren stark gewandelt hat.

Später werde ich dann die Situation der Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem erläutern und aufzeigen das diese auch heute noch stark benachteiligt sind. Worin die Ursachen dieser Benachteiligung liegen werde ich im letzten Abschnitt des Hauptteiles beleuchten.

Den Schluss bildet nochmals ein kurzer Überblick und ein Ausblick auf mögliche Maßnahmen um die Situation der Migranten zu verbessern.

Die wichtigste Grundlage dieser Arbeit wird die internationale Vergleichsstudie PISA darstellen, da sie die neuste und umfangreichste Untersuchung in diesem Themenkomplex momentan ist.

Bei der Suche nach Informationen zu diesem Thema konnte wurde sehr schnell deutlich wie schnell sich die Migrationssituation gewandelt hat.

Die ersten Untersuchungen stammen aus den 1970er und 80er Jahren. Die damalige Situation ist mit der heutigen nur noch in Teilen vergleichbar wie ich auch später aufzeigen werde. In den 90er Jahren lässt sich in der Fachliteratur zu diesem Komplex relativ wenig finden und erst mit der PISA- Studie ist die Fragestellung der sozialen Ungleichheit im Bildungswesen wieder erneut in den Fokus der Forschung gerückt worden.

Dennoch hoffe ich, in dieser Arbeit die Situation der Migranten für den Leser anschaulich und verständlich zu machen.

2.) Migration und Bildung

2.1 Die Migrationssituation

Schaut man in einem Fremdwörterbuch unter Migration nach, so ist dort zu lesen dies sei die Wanderung von Individuen oder Gruppen im geographischen oder sozialen Raum.

Eine solche Beschreibung umfasst damit alle wandernden Bevölkerungsgruppen bzw. Personen. Somit ist eine Familie die innerhalb einer Stadt umzieht genauso unter diesen Begriff zu fassen wie ein Asylbewerber aus einem afrikanischen Land. Ja selbst die Auf- und Absteiger innerhalb von sozialen Gruppen würden mit dieser Definition erfasst. Da eine solche Definition nahezu jeden Menschen innerhalb der Bundesrepublik umfassen würde muss man den Begriff etwas einschränken. In den meisten Untersuchungen und auch im alltäglichen Sprachgebrauch beschränkt man sich daher auf die Immigranten, also diejenigen, die von außerhalb in die Bundesrepublik zugewandert sind. Und auch hier wird oftmals nochmals differenziert in EU Bürger und andere Ausländer.

Aber der Begriff der Migration ist nicht nur sehr weit gefasst, er schließt gleichzeitig auch diejenigen aus, die bereits vor Ort wohnen und eben keine Wanderung im Sinne dieser Definition unternehmen, aber durchaus z.B. noch als Ausländer gelten.

In dieser Arbeit werde ich den Begriff des Migranten überwiegend in seiner umgangssprachlichen Form, also vor allem für Ausländer und andere Zugereiste, aber auch für hier lebende Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund benutzen. Da es von Studie zu Studie aber unterschiedliche Definitionen bezüglich der Untersuchungsgruppe (Migranten, Ausländer, usw.) gibt, werde auch ich zwischen den Begriffen wechseln müssen.

Egal ob man nun den Begriff des Ausländers, des Gastarbeiters, des Zuwanderers oder des Migranten benutzt, jeder dieser Begriffe hat bestimmte Schwächen in seiner eigentlichen und streng gefassten Bedeutung und man sollte sich immer bewusst vor Augen führen von welcher dieser Gruppen nun momentan die Rede ist.

2.2 Entwicklung der Migration

Die ersten Untersuchungen zur schulischen Integration von Migrantenkinder stammen, wie bereits erwähnt, aus den 1970er Jahren. Es ist allerdings sehr schwer die damalige mit der heutigen Situation zu vergleichen.

In Deutschland begann die Einwanderung in der Zeit des Wirtschaftswunders in den 1960er Jahren. Allerdings erreichte der Ausländeranteil 1967 gerade mal 3%. Auch ging man noch zu dieser Zeit davon aus, dass die Gastarbeiter das Land sehr schnell wieder verlassen würden, gleichzeitig war man aber froh über ihr kommen und begrüßte den Zuzug ausdrücklich. 1973 erließ die Bundesregierung unter dem Eindruck der Ölkrise und der steigenden Arbeitslosigkeit den bis zum Jahre 2000 gültigen Anwerbestopp. Dies führte zwar zu einer Verringerung der ausländischen Arbeitsnehmer, jedoch stieg die ausländische Wohnbevölkerung weiter an. Die deutsche Gesellschaft stand nun vor der neuen Herausforderung die Fremden in die Gesellschaft zu integrieren, da es sich zunehmend abzeichnete das ein nicht geringer Teil der Gastarbeiter dauerhaft in Deutschland bleiben wollte. Rainer Geißler bezeichnet dies als die „stille Metamorphose vom Gastarbeiter zum Einwanderer“ (Geißler 2002, 288). Der immer stärkere Zuzug von Flüchtlingen und Arbeitsemigranten und auch das Ausbleiben der erhofften Rückkehr der Gastarbeiter führte in der öffentlichen Diskussion zu einem Stimmungswechsel. Wurde 1972 noch die zweimillionste Gastarbeiterin freudig empfangen so kam es Ende der siebziger Jahre zu einem „Rennen nach einer Begrenzungspolitik“ (Meier-Braun 1995, 17 zit.n. Geißler 2002, 288), die politisch Verantwortlichen sollten Lösungen finden um die zunehmende Einwanderung einzugrenzen. Diese „Abwehrphase“ wandelte sich in den 1990er Jahren zu einer „Akzeptanzphase“ (Geißler 2002, 289). In der öffentlichen Diskussion wurde nun auch die Bundesrepublik als ein Einwanderungsland anerkannt und man sucht seither nach geeigneten Mitteln um langfristig die Zuwanderung zu steuern und mit ihren Folgen fertig zu werden.

Aber nicht nur die Einstellung gegenüber den Migranten hat sich im Laufe der Jahre geändert, sondern auch die Zusammensetzung und die Größe dieser Minderheit unterlag im Laufe der Zeit einer deutlichen Veränderung.

Wie bereits erwähnt, lag der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 1967 bei ca. 3%. Bis 1983 stieg dieser bis auf ca. 6% an und steigerte sich in den folgenden zehn Jahren nur sehr vorsichtig auf etwas über 7%. Ab den 90er Jahren konnte wieder ein deutlicher Anstieg des Ausländeranteils beobachtet werden der seinen Höhepunkt 1995 mit 10,6 Prozent der Wohnbevölkerung erreichte.

Dieser Ausländeranteil von ca. 10% ist aber keinesfalls gleichmäßig über das Gebiet der Bundesrepublik verteilt, so konzentrieren sich die Migranten überwiegend in den westlichen Großstädten. 1996 wies Frankfurt am Main mit 28% den höchsten Ausländeranteil auf, gefolgt von Offenbach mit ebenfalls 28% und Stuttgart mit 27%. Auch innerhalb der einzelnen Städte gibt es starke Differenzen zwischen den jeweiligen Stadtteilen, meistens konzentrieren sich die Migranten in wenigen Vierteln.

Werfen wir nun ein Blick auf die verschiedenen Nationalitäten der Ausländer.

1980 stammte fast ein Drittel aller Ausländer aus der Türkei, gefolgt von der ehemaligen Republik Jugoslawien mit 14,2% und Italien mit 13,9%. Diese Anteile haben sich bis zum Jahr 2000 leicht verändert. Zwar bilden die Türken mit 27,4% aller Ausländer noch die mit Abstand stärkste Gruppe, aber dennoch hat ihr Anteil leicht abgenommen. Ebenfalls prozentual leicht abgenommen hat der Anteil der Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 12,1% und Italien mit 8,5% aller Ausländer. Es lässt sich insgesamt eine Zersplitterung der Nationalitäten erkennen.

Wie schon bei der Erklärung des Begriffes des Migranten ist auch der Begriff des Ausländers genauer zu betrachten. Als Ausländer zählen nur diejenigen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Mit dem Wechsel der Staatsangehörigkeit ist aber keineswegs ein Wechsel der Kultur verbunden. Die PISA Studie betrachtet daher Jugendliche mit Migrationshintergrund und definiert dies so, dass mindestens ein Elternteil im Ausland geboren sein muss. Die meisten amtlichen Statistiken hingegen sprechen lediglich von Ausländern und erfassen somit nur diejenigen die keinen deutschen Pass besitzen.

Nach der Statistik des deutschen PISA Konsortiums ergibt sich daher eine leicht andere Verteilung als die amtliche Ausländerstatistik aufweist, dies nicht nur aufgrund der eben ausgeführten unterschiedlichen Definitionen, sondern auch aufgrund der unterschiedlichen Grundgesamtheit. In der amtlichen Ausländerstatistik werden die Ausländer prozentual zur gesamten Bevölkerung oder zur Wohnbevölkerung gemessen, die PISA Studie hingegen spricht vom Anteil der Jugendlichen im Alter von 15 Jahren mit Migrationshintergrund prozentual zum Schüleranteil (selbstverständlich auch im Alter von 15 Jahren). Es ergibt sich für ganz Deutschland ein Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund von 21,8%. Wie bereits weiter oben ausgeführt, verteilen sich diese aber nicht gleichmäßig über die Bundesrepublik. In den alten Ländern liegt der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund daher bei 26,6% und in den neuen Ländern bei 3,6%. In den Städten über 300.000 Einwohner lassen sich Migrantenanteile um die 40% feststellen, so liegt der durchschnittliche Anteil in Großstädten bei 36,1%. (Deutsches PISA Konsortium 2002, 247). Diese unterschiedlichen Zahlen machen die verschiedene Verteilung und die schwierige Vergleichbarkeit beispielsweise einer ostdeutschen Kleinstadtschule mit einer westdeutschen Großstadtschule deutlich. Eine weitere Schwäche der amtlichen Ausländerstatistik wird deutlich wenn man das Geburtsland des Vaters bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund betrachtet. Bei der Betrachtung der Ausländeranteile konnte festgestellt werden das die Türken mit knapp einem Drittel deutlich vor allen anderen Nationen vertreten waren. Da hier aber das Staatsbürgerschaftsrecht die Grundlage darstellt werden z.B. viele sogenannte Spätaussiedler nicht als Ausländer erfasst. In der Statistik des deutschen PISA- Konsortiums machen die 15-Jährigen mit Migrationshintergrund dessen Vater in der ehemaligen Sowjetunion bzw. Polen geboren ist aber mit 34,5% nun die größte Gruppe aus. Mit 15,7% folgt dann erst die Gruppe derjenigen, deren Vater in der Türkei geboren ist (PISA 2002, 247).

Was aber bedeuten nun diese verschiedenen Herkunftsnationalitäten vor allem im Bezug auf die zu erwartende Schulkarriere der Kinder?

Um dieser Frage nachzugehen muss man sich die verschiedenen Einwanderungsgruppen betrachten die man in der Bundesrepublik unterscheiden kann.

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Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638311083
ISBN (Buch)
9783638748506
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29643
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Migration Bildung Empirische Analyse Sozialstruktur Deutschlands PISA Ausländer

Autor

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