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Nachhaltiger Tourismus in Kanada - Wunsch oder Wirklichkeit?

Ein neues Paradigma veranschaulicht am Beispiel der staatlichen Nationalparkpolitik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 27 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Definitionen und Abgrenzung der Begrifflichkeiten
2.1. Sanfter Tourismus
2.2. Ökotourismus (Ecotourism)
2.3. Nachhaltiger Tourismus (Sustainable Tourism)
2.4. Kanadische Großschutzgebiete

3. Kanadisches Verständnis von Großschutzgebieten (GSG)
3.1. Historische Entwicklung
3.2. Paradigmenwechsel in der Nationalparkpolitik
3.3. Touristische Bedeutung kanadischer GSG
3.4. Nachhaltigkeitskonzept der Parks Canada Agency
3.5. Zonenkonzept am Beispiel des Nationalpark Banff

4. Fallstudien
4.1. Banff and Lake Louise Tourism Bureau (www.banfflakelouise.com)
4.2. The Great Canadian Ecoventures (www.thelon.com)

5. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wichtige Großschutzgebiete in Kanada

Abbildung 2: Suggested influence of various external groups on park management over time

Abbildung 3: The changing emphasis in park roles over time

Abbildung 4: Zonen des Nationalpark Banff

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Jahr 2002 erwirtschaftete Kanada 5,25% seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch Tourismus[1]. Somit stellt Tourismus einen vergleichsweise bedeutende Wirtschaftsfaktor für Kanadas dar, vergleichbar mit z.B. dem Gesundheitswesen oder der Bauindustrie. Nimmt man die Export-Basis-Theorie[2] als ökonomische Ausgangssituation, ist davon auszugehen, dass die Basisindustrie Incoming Tourismus eine besonders hohen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung der kanadischen Volkswirtschaft besitzt. Das Statistische Bundesamt Kanadas Statcan bewertete jedoch den Incoming Tourismus in seiner ökonomischen Bedeutung niedriger als den Binnentourismus. Dieser generiert etwa zwei Drittel der Gesamtwertschöpfung[3] im Tourismus. Etwa 83% der touristischen Aufenthalte über 24 Stunden entfallen auf kanadischen Binnentourismus (absolut etwa 92,1 Millionen Reisen im Jahr 2002)[4]. Im pro Kopf Vergleich entfallen aber höhere Summen auf den Übersee- bzw. Intrakontinentaltourismus (vor allem aus den USA)[5].

Die Tourismusbranche sieht sich aber weitreichenden Veränderungen gegenüber. Neben den klassischen Problemen der Branche[6] sieht sich die Industrie der wachsenden Terrorangst konfrontiert. Zusätzlich ist eine Veränderung der Reisetrends beobachtbar. Neue Segmentierungskriterien[7] verändern die Aufgabenfelder der Unternehmen, während die soziologische, ideologische und gesellschaftspolitische Kritik am sog. Harten Tourismus (Massentourismus) das Reiseverhalten weltweit beeinflussen.

Die einzigartige ökologische Vielfalt Kanadas stellen in diesem Zusammenhang ein Potential dar, auf diese Entwicklungen zu reagieren. Moderne Formen des Tourismus, so z.B. Ökotourismus oder Nachhaltiger Tourismus sollen in der vorliegenden Arbeit definiert, analysiert und ökonomisch bewertet werden. Durch welche operationalisierbaren Kriterien ist Ökotourismus erkenn- bzw. bewertbar? Welche Chancen und Umsetzungsstrategien ergeben sich für Kanada und im besonderen für das kanadische Nationalparksystem? Hierzu soll auch im Detail auch auf die Historie und Entwicklung des kanadischen Nationalparksystems eingegangen werden. Im letzten Teil der Arbeit soll anhand einiger Fallstudien die tatsächliche Umsetzung dieser neuen Tourismusformen analysiert werden. Hat sich der Tourismus nachhaltig verändert, oder wird Ökotourismus als Sigel ohne Internalisierung ökologischen Kriterien im Sinne eines Etikettenschwindel verwendet?

2. Definitionen und Begrifflichkeiten

2.1 Sanfter Tourismus

Hans-Magnus Enzensberger stellte schon 1979 fest: „Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet“. Die Erhaltung der touristischen Destinationen erfolgt also aus der pragmatischen Begründung einer ökonomischen Nutzbarkeit. Hier gilt es einen Ausgleich zwischen Übernutzung und `optimaler Ausbeutung´ zu finden. Kann es überhaupt einen Grad der optimalen Nutzung einer Region geben? Hieraus ergibt sich das Doppelziel ökologisch/ökonomisch ausgeglichener Destinationspolitik. Schutz vor dem Tourismus als Grundlage eines Schutzes für den Tourismus[8]. Entstanden durch die Kritik am sog. Harten Tourismus (Massentourismus) und seinen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Schattenseiten entwickelte sich die Konzeptidee sanfter Tourismus. Unter diesem Begriff wird heute Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit, eine optimale Wertschöpfung und eine neue Reisekultur im Tourismus verstanden[9]. Die Realisierungskonzepte des sanften Tourismus sollen vor allem über qualitatives Tourismuswachstums gesichert werden. Es geht also nicht darum eine Destination durch intensivere touristische Nutzung zu bearbeiten, sonder vielmehr durch z.B. Diversifizierung und Qualitätssteigerung erhöhte Zahlungsbereitschaft der Kunden zu generieren.

2.2 Ökotourismus (Ecotourism)

Ökotourismus ist ebenso kein scharf abzugrenzender Begriff. Generell geht es hier vielmehr um die reine ökologische Verträglichkeit der touristischen Inwertsetzung. Kriterienmerkmale sind in diesem Zusammenhang:

- ein möglichst geringer Eingriff in den Naturhaushalt
- ein geringer Landschaftsverbrauch
- geringe Veränderungen des natürlichen Landschaftsbildes und
- die Erhaltung der naturnahen Kulturlandschaft[10].

Ansonsten divergieren die Definitionen des Ökologischen Tourismus/Ecotourism. Während die Ecotourism Society, 1991 eher auf verantwortungsvolle Reisen zur Konservierung der Umwelt und Sicherung des Wohlfahrtsniveau der örtlichen Bevölkerung abstellt, geht die World Tourism Organisation (WTO)[11] in ihrer Definition stärker auf das Genusserlebnis ein[12]. Umwelt dient hier vor allem als Bewunderungsobjekt und soll gesichert werden, um nachfolgenden Generationen die Chance zu bieten von ihr zu lernen. Beide Organisationen sind der Meinung das Ökotourismus nur in unzugänglichen bzw. unerschlossenen Regionen stattfinden kann, da eine Massenbearbeitung diesen Werten antithetisch gegenüberstünde.

2.3 Nachhaltiger Tourismus (Sustainable Tourism)

Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt durch die Diskussion über die „(Lokale) Agenda 21“ vielzitiert und fehlgedeutet/fehlverwendet worden. Die Brundtland Kommission definierte Nachhaltigkeit 1987 als:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusätzlich darf keine regionale Diskriminierung der Nutzung von natürlichen Ressourcen stattfinden[13]. Im Sinne des Tourismus wurde von der World Conference of Sustainable Tourism auf Lanzarote, 1995 die Charta for Sustainable Tourism ratifiziert, die 18 Eckpunkte des Nachhaltigem Tourismus definiert, von denen die wichtigsten Punkte nachfolgend aufgeführt werden:

- Sicherung der ethische, soziale und ökologische Verträglichkeit für die Bewohner eines Zielgebietes. Jede touristische Aktion hat das Ziel das Wohlfahrtsniveau für alle Menschen zu erhöhen.
- Nachhaltigkeit und somit Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes wird über einen integrierten Managementprozess und kontinuierliche Evaluation erzielt.
- Tourismus muss in seiner ökonomischen Zielsetzung das fragile Gleichgewicht der Umwelt beachten und sich diesem Anpassen.
- Tourismus darf die kulturelle Identität und Tradition der Einwohner nicht verändern, sondern sollte sich für die Erhaltung dieser proaktiv einsetzen.
- Die Entwicklungskonzepte des Tourismus müssen über enge Kooperation und Koordination mit allen relevanten Akteuren (vor allem auf kommunaler Ebene) abgesichert werden. Die Regierungen sollten alle hierauf ausgerichteten Aktivitäten unterstützen und fördern
- Bewahrung der Umwelt vor und für den Tourismus (vgl. 2.1 Sanfter Tourismus) durch quantitative Planung.
- Regionalitätsprinzip im Sinne der Nutzung regionaler Potentiale (z.B. regionale Zulieferer, Produkte etc.) soll angewendet werden.
- Verteilung des Tourismus in zeitlicher und quantitativer Sicht über das gesamte Jahr, um besonders schützenswerte Regionen zu entlasten.
- Vermarktungsunterstützung von nachhaltigen touristischen Angeboten durch die (lokale) Regierung.
- Aufbau von Informationsplattformen und Netzwerken zur Kommunikation von Wissen, Erfahrungen und Forschung von nachhaltigen Touristischen Konzepten.
- Unterstützung des ÖPNV und von Reiseformen, die nichterneuerbare Ressourcen in geringem Maße in Anspruch nehmen[14].

„Nachhaltiger Tourismus ist von den Grundsätzen der Erklärung von Rio über Umwelt und Entwicklung und den Empfehlungen der Agenda 21 geleitet. Er muss soziale, kulturelle, ökologische und wirt­schaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig".

Quelle: Forum Umwelt und Entwicklung, 1999

Das vielfältige Zielsystem Nachhaltiger Tourismus wird z.T. durch (supra-) nationale/regionale Zertifizierungsprozesse abgesichert[15]. Generell lässt sich aber sagen, dass der Begriff des Nachhaltigen Tourismus kein feststehender Begriff ist, sonder vielmehr ein diffuser/emotionaler Ausdruck einer naturkonservierenden, nicht anthropozentrischen Philosophie. Trotz- oder gerade deswegen hat das Umweltbundesamt einen detaillierten Kriterienkatalog zur Orientierung hierzu veröffentlicht[16].

[...]


[1] Eigene Berechnung nach Statistics Canada, http://www.statcan.ca/english/Pgdb/prim03.htm in Verbindung mit http://www.statcan.ca/english/freepub/13-009-XIB/13-009-XIB2004001.pdf, S.XVI, 22.08.2004.

[2] Vgl. Export Basis Konzept z.B. in Bathelt/Glückler 2002, S. 75f.

[3] Touristischer Anteil des BIP 2002: $ 52,1 Mrd. vgl. http://www.statcan.ca/english/freepub/13-009-XIB/13-009-XIB2004001.pdf, S.XVI, 22.08.2004.

[4] Vgl.Statistics Canada, http://www.statcan.ca/Daily/English/031006/d031006b.htm, 22.08.2004.

[5] z.B. durch länger Aufenthalte, vermehrte Nutzung von Hotel- und Gastronomiebetrieben usw.

[6] Nicht Lagerfähigkeit der Dienstleistung; uno actu Prinzip; starke Konjunkturabhängigkeit.

[7] geographische Quellgebietssegmentierung vs. Segmentierung nach psychografischen Kriterien (Affinity Groups) vgl. z.B. Meffert 2000, S.181.

[8] Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyeumwelt.htm, 15.07.2004.

[9] Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyesanft.htm, 15.07.2004.

[10] Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyeumwelt.htm; 15.07.2004.

[11] Nichtregierungsorganisation, bestehend aus 144 Ländern und Regionen, sowie 350 Unternehmen des öffentliche und privaten Sektors. Ziel ist die Vermarktung und Entwicklung des Tourismus zur Erreichung von Frieden, sozialem Verständnis, ökonomischen Zielen sowie Handelsausweitung.

[12] Vgl. World Tourism Organisation, www.world-tourism.org/isroot/wto/pdf/1250-1.pdf, 22.08.2004.

[13] Sustainable Development Forum e.V. Forum für Nachhaltige Entwicklung Universität Passau, http://www.sd-forum.de/nachhaltigkeit/main.html, 22.08.2004.

[14] Vgl. Charta for Sustainable Tourism, http://www.insula.org/tourism/document.htm, 10.08.2004.

[15] Vgl. z.B. European eco-Label for tourist accomodation services, http://europa.eu.int/comm/environment/ecolabel/index en.htm,, 23.08.2004 oder The Ecotourism Portal http://www.ecotourism.cc/, 26.08.2004.

[16] weitere Informationen unter: Nachhaltiger Tourismus – Beitrag der Tourismusanbieter, http://www.umweltbundesamt.de/nachhaltiger-tourismus/index.htm; 10.08.2004.

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638311090
ISBN (Buch)
9783638650373
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29644
Institution / Hochschule
Universität Trier – Wirtschaft und Sozialgeographie
Note
1,0
Schlagworte
Nachhaltiger Tourismus Kanada Wunsch Wirklichkeit Oberseminar

Autor

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Titel: Nachhaltiger Tourismus in Kanada -  Wunsch oder Wirklichkeit?