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Ethnolekt in Deutschland. Die Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar

Facharbeit (Schule) 2015 15 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der Ethnolekt
2.1.1 Was ist ein Ethnolekt? - Formen des Ethnolekts
2.2 Türkendeutsch – Beispiel eines Ethnolekts
2.2.1 Definition Türkendeutsch
2.2.2 Historie der Türken in Deutschland
2.2.3 Linguistische Phänomene des Türkendeutsch
2.3 Analyse der Comedysequenzen und dessen Ergebnisse
2.3.1 Analyse der 1. Sequenz (Hakan holt sich Geld)
2.3.2 Analyse der 2. Sequenz (Hakan beim Arzt)
2.3.3 Ergebnisse – spricht Hakan Türkendeutsch?

3 Fazit zur Facharbeit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Fast täglich ist man mit den verschiedensten Sprachvarietäten konfrontiert, die einem überall und in vielen Bereichen begegnen. Praktisch niemand lebt in Räumen, in denen das reinste Hochdeutsch – wie es zum Beispiel an den Schulen gelehrt wird – zum Ausdruck kommt. Es gibt regionsspezifische Dialekte, Regiolekte, Soziolekte und auch Ethnolekte, die sich allesamt vom Standarddeutsch in gewissen Punkten unterscheiden.

Lebt man in Großstädten oder wirtschaftlichen Ballungszentren, so fällt meist eine Sprachvarietät ganz besonders und intensiv auf: Das sogenannte Türkendeutsch als Ethnolekt der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland.

Von dieser speziellen Sprachvarietät soll die Facharbeit handeln. Aufgrund der Aktualität dieses Themas – die Historie und die damit verbundene Entwicklung der Sprachvarietät Türkendeutsch kann man noch als sehr jung und aktuell bezeichnen – kann es als äußerst interessant und spannend empfunden werden.

Das Ziel der Arbeit ist eine umfassende Ausarbeitung des Türkendeutsch anhand von Definitionen und bestimmten Merkmalen, die diese Sprachvarietät der Literatur nach aufweist. Abschließend folgt eine Analyse von zwei Sequenzen der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar, in der die vom Komiker Yanar verwendete Sprache auf das Türkendeutsch hin untersucht werden soll.

Die Facharbeit ist methodisch aufgebaut, um eine bessere Strukturierung und Nachvollziehbarkeit zu ermöglichen. Die Arbeit lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen: Der erste Abschnitt ist die Einleitung, der die Thematik einleitet. Den zweiten Abschnitt bildet der Hauptteil, in dem das Türkendeutsch als Ethnolekt definiert werden soll und Merkmale dieser Sprachvarietät aufgelistet werden. Es folgt die angesprochene Analyse. Im dritten Abschnitt soll ein Fazit zur Facharbeit gezogen werden.

Vor jedem Unterpunkt der drei genannten Abschnitte befinden sich wiederum Einleitungen, die den Einstieg in den neuen Schwerpunkt des jeweiligen Abschnittes erleichtern sollen. Bei der Recherche nach Literatur bezüglich des Themas sind zwei Studienarbeiten aufgefallen, auf die sich im zweiten Abschnitt dieser Facharbeit größtenteils bezogen werden soll. Beide Arbeiten befassen sich mit dem Türkendeutsch, wobei eine auch die Sprache zweier türkischstämmiger Komiker untersucht. Von der Struktur sowie Inhalt erwiesen sich beide Arbeiten als äußerst hilfreich. Im Bezug auf die Historie der Türken in Deutschland erwies sich eine Quelle der Bundeszentrale für politische Bildung als besonders informativ.

2. Hauptteil

Der Hauptteil wird den größten Teil der Facharbeit darstellen. In ihm soll das sogenannte Türkendeutsch - oder oftmals auch Kanak Sprak genannt – anhand von Sequenzen der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar erläutert werden.

Dabei soll zunächst verschiedene Literatur herangezogen werden, die die Grundlagen der Sprachvarietät Türkendeutsch erläutert. Der historische Hintergrund sowie linguistische Charakteristika sollen die Ausarbeitung des Themas Ethnolekt in Deutschland – am Beispiel von Sequenzen der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar begleiten und so eine anschließende Analyse eben jener Sequenzen möglich machen.

In der Analyse sollen die erarbeiteten Grundlagen des Türkendeutschen wieder aufgegriffen werden, um anhand der vorliegenden Comedy-Sequenzen die Frage zu klären, ob man bei der von Kaya Yanar verwendeten Sprache von Türkendeutsch sprechen kann, und welche Merkmale diese aufweist.

2.1 Der Ethnolekt

Um sich gut in die Thematik einzufinden, ist es von Nöten, zunächst einige Begrifflichkeiten näher zu erläutern. Vor allem der Begriff Ethnolekt wird in der Facharbeit zunächst häufig von Bedeutung sein und so ist es wichtig, diesen zu definieren.

2.1.1 Was ist ein Ethnolekt? - Formen des Ethnolekts

Ein Ethnolekt ist der Definition nach ein Sammelbegriff für gewisse sprachliche Varianten und Sprechstile, die von den Sprechern einer gewissen ethnischen (und sprachlichen) Minderheit innerhalb eines bestimmten Sprachraumes gesprochen werden. Der Sprachstil dieser Minderheit kann für diese als charakteristisch eingestuft werden.1

Laut dem deutschen Germanisten Prof. Dr. Peter Auer sollte man zudem noch verschiedene Formen des Etholekts unterscheiden. So gebe es zunächst den sogenannten primären Ethnolekt. Dieser sei die Form eines Ethnolekts, die man als die ursprüngliche ansehen könne und von der jeweiligen sprachlichen Minderheit gesprochen werde.

Vom primären Ethnolekt habe man dann den sekundären Ethnolekt zu unterscheiden. Diese zweite Form werde teilweise gezielt durch Medien eingesetzt und versuche die primäre Form zu imitieren und sogar noch zu verschärfen. Diese sekundäre Form sei somit oftmals auch bei Komikern zu finden. Die dritte Form – der tertiäre Ethnolekt – sei laut Auer die Folge aus dem sekundären Ethnolekt. Dabei würden auch Jugendliche, die nicht zu der jeweiligen sprachlichen Minderheit gehörten oder mit dieser in Kontakt ständen, durch die Medien so stark beeinflusst, dass sie die jeweilige Sprechweise/ die Merkmale des jeweiligen Ethnolekts in ihr eigenes Sprachrepertoire mit aufnähmen.2 3

2.2 Türkendeutsch – Beispiel eines Ethnolekts

Nachdem nun die allgemeine Definition des Ethnolekts sowie dessen unterschiedliche Formen erläutert wurden, soll das Thema der Facharbeit etwas differenziert werden. So soll das Hauptaugenmerk nun auf das Beispiel eines deutschen Ethnolekts gerichtet werden – das Türkendeutsch.

Dabei wird schematisch vorgegangen, sodass am Ende dieses Teils ein ausführlicher Überblick über das Türkendeutsch gewährleistet ist.

2.2.1 Definition Türkendeutsch

Begonnen werden soll wieder mit einer verallgemeinernden Definition.

Das Türkendeutsch – oftmals Kanak Sprak genannt – ist die informelle Bezeichnung für einen bestimmten sprachlichen Stil oder Jargon, der meist von türkischstämmigen Jugendlichen gesprochen wird, die der zweiten oder dritten Einwanderergeneration in Deutschland angehören.4

Dabei ist der letzte Aspekt von besonderer Bedeutung, den das Türkendeutsche unterscheidet sich teilweise deutlich von dem sogenannten Gastarbeiterdeutsch der 50er Jahre, sowie von der allgemeinen deutschen Jugendsprache. Man kann das Türkendeutsch also nicht ohne Weiteres als Sprachstil aller Türken in Deutschland und als Sprachstil aller Jugendlichen in Deutschland bezeichnen.

Dann sind noch zwei übergeordnete Charakteristika des Sprachstils von Bedeutung, nach denen man das Türkendeutsch auch als Soziolekt und Regiolekt identifizieren kann.

Unter einem Soziolekt verstehe man eine Sprachstil, der für eine sozial definierte Gruppe charakteristisch sei. Im Fall Türkendeutsch seien die Jugendlichen mit dieser sozialen Gruppe in Verbindung zu setzen. Ebenfalls sei das Türkendeutsch oftmals eine Sprache unterer sozialer Schichten. Anhand dessen könne man den Sprachstil durchaus auch als Soziolekt kennzeichnen.5

Außerdem könne man das Türkendeutsch auch als Regiolekt bezeichnen, da es primär an bestimmten Orten/ in bestimmten Stadtvierteln, also in bestimmten Regionen gesprochen werde.6

Die Einordnungen nach Soziolekt und Regiolekt sind für das bessere Verständnis der Sprachvarietät Türkendeutsch an dieser Stelle sinnvoll.

2.2.2 Historie der Türken in Deutschland

Zu der Erarbeitung der Sprachvariation Türkendeutsch, ist es hilfreich und nötig, sich kurz mit der Historie der türkischen Minderheit in Deutschland zu befassen und diese in Phasen einzuteilen, um die Entwicklung des Türkendeutsch einordnen zu können.

Mit dem deutschen Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg begann eine Phase, in der die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften stetig stieg. Die Bundesregierung reagierte auf den Aufschwung mit dem Abschluss von Anwerbeabkommen mit anderen Staaten. 1961 wurde diese Art Abkommen mit der Türkei unterzeichnet.

In der Folge kamen viele ausländische Arbeitskräfte in die Bundesrepublik, mit denen lediglich die Nachfrage der Wirtschaft gestillt werden sollte und, die – dem allgemeinen Konsens nach – nur vorübergehend in Deutschland leben würden. Die Anwerbepolitik der Bundesregierung fand allgemein Zustimmung in der Öffentlichkeit.

Es folgte die Rezession 1966/67, in der viele Türken zunächst – aufgrund mangelnder Arbeit – in ihr Heimatland zurückkehrten. Mit einem erneuten wirtschaftlichen Aufschwung kamen viele jedoch letztendlich in die Bundesrepublik zurück.

Mit dem Anwerbestopp im Oktober 1973 waren 2,6 Millionen Ausländer in Deutschland beschäftigt, die trotz weiterer Rezessionsphasen nun nicht mehr in großen Gruppen in ihr Heimatland zurückkehrten.

Nach und nach kamen auch die Familien der Gastarbeiter in die Bundesrepublik nach und bauten sich nun eine Existenz auf.

Aufgrund von Rationalisierung wurden mit der Zeit jedoch überproportional viele Türken arbeitslos. Die Arbeitslosenquote unter der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland lag bei 25,5 Prozent (Stand: 2005). In der Folge machten sich viele Türken in Deutschland selbstständig, um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken.

Seit den 1970er Jahren bilden die türkischen Staatsangehörigen mit 26 Prozent die größte Gruppe der in Deutschland lebender Ausländer. Dabei leben diese vornehmlich in den industriellen Ballungszentren und Großstädten. Aus anfänglich Gastarbeitern sind also letztendlich Einwanderer geworden.7

2.2.3 Linguistische Phänomene des Türkendeutsch

Um eine spätere Analyse der Sequenzen der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar durchführen zu können, müssen zunächst linguistische Phänomene und Charakteristika des Türkendeutsch aufgestellt werden. Dazu soll in Kategorien vorgegangen werden, die eine bessere Strukturierung dieses Abschnittes ermöglichen.

Zuerst werden die lexikalischen Charakteristika des Türkendeutsch angeführt, dann wird auf die sogenannte Morphologie eingegangen, die einen Teilgebiet der Grammatik darstellt8, und schließlich werden noch die syntaktischen Auffälligkeiten geschildert.

[...]


1 Ethnolekt. 12. Februar 2015. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnolekt. Stand 06.03.15.

2 Lachmann, Anne: Besonderheiten der Varietät „Türkendeutsch“ - am Beispiel der gesprochenen Sprache der Komiker Erkan und Stefan. Norderstedt (Grin) 2009, S. 5.

3 Ethnolekt. 12. Februar 2015. Stand 06.03.15.

4 Kanak Sprak. 20. Januar 2015. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kanak_Sprak. Stand 06.03.15.

5 Lachmann 2009, S. 4.

6 Ebd., S. 4-5

7 Königseder, Angelika/ Schulze, Birgit: Türkische Minderheit in Deutschland: Geschichtlicher Rückblick. 25.10.2011. URL: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/anwerbeabkommen/43259/tuerkische-minderheit. Stand 23.02.2015.

8 Morphologie. 04. März 2015. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Morphologie_%28Linguistik%29 Stand 15.03.2015.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656943563
ISBN (Buch)
9783656943570
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298241
Institution / Hochschule
Kreisgymnasium Halle
Note
1,0
Schlagworte
Türkendeutsch Kanak Sprak Ethnolekt

Autor

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Titel: Ethnolekt in Deutschland. Die Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar