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Das Bild der modernen Familie. Ein Erklärungsversuch auf Basis der Rational-Choice Theorie und des Kommunitarismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung und Erklärung des Familienbildes auf Basis der RC-Theorie
2.1 Veränderungen von familiären Begriffen
2.2 Verlusttendenzen der Familie und ihre gesellschaftliche Auswirkung
2.3 Entwicklungstendenzen der Familie

3 Familie im Blickwinkel des Kommunitaristischen Ansatzes
3.1 Das subjektive Empfinden des Individuums in Bezug auf die Gesellschaft und Familie
3.2 Das I und We Paradigma in Bezug zur Familie und der Gesellschaft

4.. Wegweisende Optionen für die Familie als Funktionssystem

5.. Literaturverzeichnis
5.1 Primär Literatur
5.2 Sekundär Literatur
5.3 Internetquellen

6.. Abbildungsverzeichnis 19

l.Einleitung

„Über weite Bereiche der Menschheitsgeschichte lebten die Menschen in kleinen Gruppen zusammen, die sehr stark durch familiäre Strukturen geprägt waren [...] die Bewältigung der alltäglichen Aufgabenstellungen [...] geschah mit Hilfe der Familie.

In den letzten hundert Jahren hat sich der [...] Prozess des Funktionsverlustes der Familie beschleunigt [...] Im Zuge [...] eines Individualisierungsprozesses verlor und verliert die Familie als Prägeanstalt und Handlungsort an Bedeutung. Erziehungs-, Pflege und Versorgungsaufgaben, [...] wurden aus der Familie herausgenommen und an übergeordnete gesellschaftliche Einrichtungen delegiert.“ (Tamara K. Hareven, Michael

Mitterauer:1994:10 - 11)

Anhand dieser Einleitung möchte ich den Themenrahmen spannen. Ich möchte in meiner Ausführung den Funktionswandel der deutschen Familie von Beginn der vorindustriellen Zeit bis zur heutigen Moderne skizzieren. Darlegen möchte ich meine Argumentationen anhand verschiedener Rational-Choice Theorien. Ich werde darauf eingehen, was unter dem Begriff Familie zu verstehen ist und welche strukturellen, gesellschaftlichen und individualistischen Entwicklung in der Geschichte der Familie zu der heutigen modernen Neudefinierung des Begriffs führten. Des weiteren werde ich auf die gesellschaftlichen Sachverhalte eingehen die zu einem Strukturverlust und -wandel der klassischen Familie beitrugen. Als Erklärungsansatz werde ich mich hierfür weitgehend auf den Individualisierungsprozess Anfang der 60er Jahre bis in die heutige Zeit stützen. Darauffolgend zeige ich auf, wie sich die Familie in ferner Zukunft auf theoretischer Grundlage entwickeln wird oder kann. Weiterhin möchte ich die Familie mithilfe des kommunitaristischen I and We Paradigmaansatzes von Amitai Etzioni untersuchen und aus ihr grundlegende Regeln hervorheben, die das Zusammenleben in einer Familie unabdingbar machen und weshalb eine Atomisierung des Individuums schädlich wie auch sinnlos für die Gesellschaft als Kollektivkörper ist. Zusätzlich möchte ich auf die zukünftigen Optionen und Möglichkeit des Familienbegriffs und ihrer Einbindung unter Rational Choice Bezügen und dem I and We Paradigma eingehen. Zum Schluss werde ich noch ein persönliches Fazit ziehen.

2.Entstehung und Erklärung des Familienbildes auf Basis der RC-Theorie

2.1 Veränderungen von familiären Begriffen

Um die Veränderung der Familie zu klären, muss der Begriff der Familie näher definiert werden. Sie ist eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau die einen gemeinsamen Haushalt zusammen mit mindestens einem Kind führen. Durch diese Verbindung erstreckt sich ein eigenes Sozialsystem zwischen anderen verwandtschaftlichen Haushalten. Außerdem ist die Familie generationsdifferenziert.

Für die Gesellschaft erfüllte die Familie besondere Funktionen. Ein Erklärungsansatz liefert hier die Theorien des rationalen Handels.

Nach dem Badewannenmodell von Coleman[1] sichert die Familie die biologische Reproduktion von Humanvermögen: Sie ist ausserdem eine intergenerative

Unterstützungs- und Solidaritätsinstanz. Auf der Mikroebene erfüllte die Familie die Funktion der emotionalen Stabilisierung in Krisenzeiten. Sie ist zudem eine Bildungs- und Erziehungsinstanz. Zur besseren Erklärung hilft folgende Grafik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Badewannenmodell

Doch auch menschliche Werte wie Hilfe, Unterstützung und Geborgenheit waren wichtige soziale Funktionen. Die Hauptaufgabe hierbei war der Austausch unterschiedlicher Ressourcen untereinander, was zu höherer subjektiver Wertschätzung führen sollte. In der Familie fand eine Kooperationsbeziehung statt. Dieses System war von Reziprozität gekennzeichnet. Die Familie war in der vorindustriellen Zeit eine Arbeitsorganisation gewesen die alle eben genannten Indikatoren miteinander vereinte.

Zu Zeiten der Industrialisierung im 19 Jahrhundert, wo es keine sozialstaatliche Absicherung von Arbeitsplätzen und Rente gab, war die Familie der Grundbaustein eines gesicherten Lebens im höheren Alter. Rational-Choice-theoretisch betrachtet stellten die Kinder ein Investitionsgut da, dass langfristig einen Nutzen für die eigene Lebenssicherung darstellte. Die Familie bot aber nicht nur dem arbeitenden Vater in der Fabrik eine Absicherung seiner Rente. Sie war eine Instanz für nachhaltiges Humankapital. um die florierende Wirtschaft aufrechtzuerhalten hatte. Deswegen Bestand von Seiten des Staates wie auch vieler Betriebe ein reges Interesse daran die Familie als Gemeinschaft zu schützen.

Staat und Industrien, sowie diverse Hilfsorganisationen sorgten für den Erhalt dieser Struktur. Der wirtschaftliche Wohlstand auf Seiten des Arbeitnehmers und Arbeitgebers brachte beide Parteien in gegenseitige Abhängigkeit zueinander. Ein Arbeitnehmer hatte sich aber mehr um seine Stelle zu sorgen als der Arbeitgeber, so dass ein Ungleichheitsverhältnis beziehungsweise eine Ausbeutung der Arbeiter die Folge dessen war und die Abhängigkeit zu Ungunsten der arbeitenden Klasse ausfiel. Die fehlende staatliche Absicherung und das Fehlen von Gewerkschaften unterstützte den zusammenhalt der Familie, die sich gegenseitig Halt und Unterstützung gaben. Feste Strukturen und Rollenzugehörigkeit erleichterten hierbei die Arbeitsteilung. Das klassische Bild des arbeitenden Mannes war also ein Konstrukt der temporalen sozialen Gegebenheiten. Doch da Institutionen und Organisationen temporalen Veränderungen ausgesetzt sind, änderte sich allmählich auch die Struktur der Familie.

Schon in der Zeit der Industrialisierung setze ein Zersetzungsprozess der Familie ein.

Durch die immer höhere Nachfrage nach Arbeitskräften und durch die menschenunwürdigen Bezahlungen erweichte sich die patriarchalische Struktur durch diesen Einfluss immer mehr. Von Zeit zu Zeit erhielt die Familie eine immer größere

Funktion als Verbraucher für die Industrien. Kinder und Frauen mussten Arbeiten gehen wodurch das spätere Zusammenkommen untereinander zu einem tieferen Zusammenhalt untereinander führte. Nach dem harten Arbeitstag erfüllte das dadurch das Bedürfnis nach Geborgenheit.

Gegen Ende der 1960er Jahre vollzog sich ein neuer tiefgreifender Wechsel in den bis dahin typischen Schemata familiärer Planung. Durch den nachfolgenden Jahrgang verzögerte sich die Heirat. Kinder waren seltener, erst später oder in extremen Fällen gar nicht erwünscht. Die staatliche Absicherung stieg parallel mit dem Wohlstand. Paradoxerweise müsste sich durch den steigenden Wohlstand auch die Fertilität erhöhen. Dies war aber nicht der Fall. Grund dafür war auch die Entkopplung von Sexualität mit der Geburt eines Kindes. Sex war nicht mehr länger ein Privileg für die Kindergeburt.

Die Entkopplung führte zu einem neuen Lebensgefühl. Die so gewonnene Möglichkeit und der Zugriff auf Bildung führten, u.a. ,bei der neuen Generation zu längerer Kinderlosigkeit. Stellen wir fest: Längere Bildungszeit, erhöhter Wohlstand, institutionelle Freiheiten und hohe Wahlmöglichkeiten vermochten also die Gründung einer Familie zu verzögern. Dieses Phänomen ist eng verkuppelt mit dem Individualisierungsprozess. Die Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeiten, sowie die der Einfluss des Globalisierungsprozesses erhöhte die intergenerationale sowie intragenerationale Mobilität zusätzlich. Das Stichwort des allgemeinen Wandels ist hier Mobilität. Die Welt wird schneller. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Dieses Gefühl mündete in die postmaterialistische Auffassung das nur noch immaterielle Werte eine Ehe zusammenhalten. Scheidungen und gescheiterte Partnerschaften sind das Ergebnis psychologischer Unstimmigkeit oder keiner einstimmigen Homogenität.

Familie diente also damals als eine Instanz der Präferenzsicherung. Wie verhalten sich die Dinge heute?

[...]


[1] James Samuel Coleman (* 12. Mai 1926 in Bedford, Indiana; f25. März 1995 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Soziologe. Vertreter des methodologischen Individualismus der Schule des rationalen Handels

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656947899
ISBN (Buch)
9783656947905
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Erscheinungsdatum
2015 (April)
Note
1,7
Schlagworte
bild familie erklärungsversuch basis rational-choice theorie kommunitarismus

Autor

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