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Motivation aus biopsychologischer Perspektive

Essay 2015 24 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Rahmenmodell der Lern- und Leistungsmotivation

2. Selbstbestimmungstheorie der Motivation

3. Implizite und explizite Motive

4. Weitere motivationale Tendenzen

5. Neuronale Korrelate der Depression

6. Motivation und Entwicklung

7. Bedeutung der Motivation im Prozess der Selbstregulation im Kontext der heil- pädagogischen Tagesstätte

8. Lässt sich Motivation beeinflussen?

9. Kompensationsmodell als Basis für Mitarbeiterführung

10. Literaturverzeichnis

1. Das Rahmenmodell der Lern- und Leistungsmotivation

Fertigen Sie eine Grafik an, welche die zentralen Aussagen im Rahmenmodell der Lern- und Leistungsmotivation (also nicht das gesamte Modell) visualisiert. Erklären Sie entlang Ihrer Modellgrafik die Bedingungen, unter denen Ihre Motivation zur Anfertigung dieses Berichts zustande gekommen ist.

Person-interne Überzeugungen Umwelt-Merkmale wertbasierende erwartungsbasierende langfristige situationsspezifische Erfolgserwartung persönlicher Wert eigene Darstellung situationsspezifische Motivation Die aktuelle Motivation ist abhängig von der Person selbst und der sie umgebenden Umwelt. Dies impliziert, dass man nicht für alle Handlungen im gleichen Maße motiviert ist. Bei den Person-internen Überzeugungen unterscheidet man zwischen wertbasierenden und erwartungsbasierenden Überzeugungen (vgl. Dresel/Lämmle 2011a). Meine wertbasierenden Überzeugungen, bezüglich des Verfassens dieses Berichts, bestehen darin, dass ich ein gewisses Interesse an Motivationsprozessen habe und daher dieses Seminar weiterhin belegen möchte. Dies verpflichtet mich wiederum auch zum Schreiben dieses Berichts. Weiterhin habe ich die Zielorientierung, das Seminar gut zu bestehen und die Leistungspunkte dafür zu erhalten. Dabei werde ich von dem Bedürfnis angetrieben, meinen bisher sehr guten Schnitt, auch halten zu können. Bei den erwartungsbasierenden Überzeugungen spielt das eigene Selbstkonzept eine große Rolle, da dieses die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und somit auch die Erfolgserwartungen miteinander abwiegt (vgl. ebd.). Ich selbst habe bezogen auf das Studium, ein recht positives Selbstkonzept, da ich bisher gute Leistungen erbracht habe und meist positives Feedback auf meine Arbeit erhielt.

Dadurch habe ich die Erwartung an mich selbst, dass ich nun auch diese Aufgabe gut meistern werde. Die Lern- und Leistungsmotivation ist aber auch von der Umwelt, die die Person umgibt und ganz besonders von der spezifischen Situation selbst, abhängig. Dabei kann man die Merkmale der Umwelt in langfristige und situationsspezifische Merkmale untergliedern. Die langfristigen Umwelt-Merkmale setzen sich aus einem Zusammenspiel der Erwartungen der Bezugspersonen, sowie der Beziehungsqualität zur Bezugsperson und einer Bezugsnormorientierung zusammen (vgl. Dresel/Lämmle 2011a). Bezogen auf das Schreiben dieses Berichts umgibt mich eine positive Umwelt. Ich habe bisher keine schlechten Erfahrungen mit unserem Dozent gemacht und auch nicht mit der Universität im Allgemeinen, was für eine gute Beziehungsqualität sorgt. Ich bin auch frei von Druck, von Seiten meiner Eltern. Allerdings wird der Dozent sicher von mir erwarten, dass ich meine Aufgaben stets sorgfältig erledige, deshalb möchte ich dieser Erwartung auch gewissenhaft nachkommen. Die situationsspezifischen-Umwelt-Merkmale beziehen sich auf die Interessantheit der Situation, auf eigene Handlungsmöglichkeiten und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung, sowie Fähigkeits-Rückmeldungen (vgl. Dresel/Lämmle 2011a, S. 80 - 93). Meine spezifische Situation ist durch den Seminar-Kontext gekennzeichnet. Das Seminar ist sehr ansprechend und lebendig gestaltet, weshalb es für mich persönlich interessant ist und ich das Seminar auch gerne besuche. Den Schwierigkeitsgrad schätze ich, auf Grund des hohen Grades an Selbstwirksamkeit, mittel bis hoch ein. Dennoch fühle ich mich im Seminar nicht allein gelassen, da durch relativ enge Handlungsvorgaben (präzise Arbeitsaufträge), Sicherheit erzeugt wird. Nun entsteht eine Wechselwirkung all dieser Komponenten, woraus sich die aktuelle situationsspezifische Motivation ergibt. Diese setzt sich aus der Erfolgserwartung und dem persönlichen Wert der spezifischen Handlung zusammen. Die Erfolgserwartung beschreibt die subjektive Einschätzung der Selbstwirksamkeit und auch die subjektive Erwartung, das Ergebnis einer Situation überhaupt selbst mitbestimmen zu können (vgl. ebd.). Meine persönliche Erfolgserwartung ist mittel bis hoch, da ich über ein positives Selbstkonzept verfüge. Der persönliche Wert einer Handlung beschreibt, welchen Wert eine konkrete Tätigkeit für das Individuum hat, also durch welchen Anreiz sie gekennzeichnet ist. Der Wert kann für eine Person so hoch sein, dass sie intrinsisch motiviert ist, da die Handlung selbst als belohnend wahrgenommen wird. Ist man extrinsisch motiviert, so liegt der Wert der Handlung in deren Folgen. Dabei muss man zwischen selbstbestimmt und fremdbestimmt extrinsischer Motivation differenzieren.

Fremdbestimmt extrinsische Motivation entsteht, wenn man auf Grund eines Belohnungs- bzw. Sanktionierungssystems nur so handelt, um belohnt bzw. nicht bestraft zu werden. Bei der selbstbestimmt extrinsischen Motivation liegt der Wert durchaus überwiegend innerhalb der Person selbst. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Handlungsfolgen vom Individuum als persönlich relevant eingestuft werden. Selbstbestimmt extrinsisches Handeln ist oftmals motiviert durch die Instrumentalität der Handlung für die Erreichung anderer persönlicher Ziele, was aber auch positive und leistungsfördernde Effekte auf eine Lernsituation haben kann (vgl. Dresel/Lämmle 2011a, S. 80 - 93). Dies bedeutet also zusammenfassend, dass ich für das Schreiben dieses Berichts durchaus eine hohe Motivation habe. Diese ist allerdings nicht intrinsischer, sondern selbstbestimmt extrinsischer Natur, da das Bestehen dieses Seminars, als positive Folge der Bearbeitung dieser Aufgaben angesehen wird. Ich möchte in meinem Studium weiterkommen, dies habe ich mir als persönliches Ziel gesetzt. Und dies ist nur durch das erfolgreiche Bestehen mehrerer Seminare, wie auch diesem, möglich.

2. Selbstbestimmungstheorie der Motivation

Fassen Sie kurz zusammen, was genau Baumeister & Vohs (2007) unter Selbstregulation verstehen. Veranschaulichen Sie anhand einer erfundenen Beispiels (oder einer eigenen Erfahrung) welche Rolle die Motivation im Prozess der Selbstregulation spielen kann. Gehen Sie dabei auf das Phänomen der „Ego Depletion“ ein.

Jeder Mensch besitzt Triebe und Impulse, welche auf die reine Befriedigung aufkommender Bedürfnisse, ausgerichtet sind. Die Selbstregulation hilft dem Menschen dabei, seine eigenen Triebe zu unterdrücken. Dies ermöglicht es dem Menschen, Kontrolle über eine Situation zu haben, was uns zu einer flexiblen und anpassungsfähigen Spezies macht. Für den Prozess der Selbstregulation werden kognitive Ressourcen benötigt und auch aufgebraucht, was für den Mensch als Anstrengung empfunden wird. Dies impliziert auch, dass diese kognitiven Ressourcen nur begrenzt vorhanden sind, jedoch in der Regel niemals vollkommen ausgeschöpft werden, da immer ein Teil der Ressourcen als Vorrat aufbewahrt wird. Sind allerdings gleich mehrere Motivationen gleichzeitig vorhanden, so muss das Individuum zwischen ihnen entscheiden, was oftmals zu Entscheidungskonflikten führt. Um diese lösen zu können, ist der Prozess der Selbstregulation nötig. Je schwerer und größer aber die Entscheidung ist, desto größer ist auch der motivationale Konflikt, was wiederum, durch die Anregung innerer Prozesse, große kognitive Ressourcen verbraucht. Diesen Zustand nennt man auch „Ego Depletion“ Man könnte diese Phase auch als „Erschöpfung“ bezeichnen, welche je vom Grad der Anstrengung, die eine bestimmte Situation vom Menschen erfordert hat, abhängig ist. In diesem Erschöpfungszustand ist nur eine verminderte Selbstregulation möglich. Allerdings kann beispielsweise ein motivationaler Anreiz (bspw. in Form einer Belohnung) dem Effekt entgegenwirken. Der Mensch muss ständig zwischen konkurrierenden Situationen entscheiden, deshalb braucht man die Selbstregulation, um aufkommende Impulse zu unterdrücken (vgl. Baumeister, Vohs, 2007, S. 115 - 128).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese kleine Grafik soll kurz visualisieren, wie die oben erklärten Begriffe zueinander stehen. Motivation und Selbstregulation scheinen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander zu stehen. Einerseits braucht der Mensch Motivation, um sich selbst regulieren zu können, andererseits (vor allem bei extrinsisch motivierten Tätigkeiten) ist Selbstregulation notwendig, um langfristige Motivation aufrechterhalten zu können. Die Selbstregulation verbraucht wiederum kognitive Ressourcen, was zu einem Zustand der Erschöpfung („Ego Depletion“) führt. So schließt sich auch der Kreis, denn durch bspw. einen Anreiz, kann man dem Zustand des Ego Depletion entfliehen und wieder zu neuer Motivation finden.

Ich selbst habe ganz besonders die letzten Monate erfahren, welch wichtige Rolle die Motivation im Prozess der Selbstregulierung spielt. Ich habe neun Kilogramm abgenommen und dafür war eine gehörige Portion Selbstregulierung notwendig, da ich eigentlich kein von Natur aus sportlich motivierter Mensch bin. Wenn man abnehmen möchte, steht man vor einer ganzen Reihe konkurrierender Situationen und die eigenen Bedürfnisse melden sich stärker denn je. Nun ist es dringend erforderlich, trotz allem, die Kontrolle über die Situation zu behalten. Dies führt zu unzähligen Entscheidungskonflikten. Beispielsweise gilt es zu entscheiden, ob man seinem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung nachkommt und den Abend auf der Couch verbringt, oder ob man raus in die Kälte geht und joggt. Um sich auch wirklich aufzuraffen, ist unbedingt Motivation erforderlich. Oder auch wenn es darum geht, eine Packung Chips aufzureißen, oder erst einmal aufzustehen und Gemüsesticks zu schneiden, ist eine große Portion Selbstregulation gefordert. Diese ständige Selbstkontrolle und das Ändern der Lebensgewohnheiten, erfordert eine Menge kognitiver Ressourcen, was dann sehr schnell als anstrengend empfunden wird. Man ist dann im wahrsten Sinne des Wortes körperlich und auch kognitiv erschöpft und befindet sich in der Phase der Ego Depletion. Nun braucht man also wieder dringend einen motivationalen Anreiz, um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Das Gute ist, es gibt in einer solchen Situation tausende Möglichkeiten, um sich wieder zu motivieren. Sei es durch ein nettes Kompliment, oder durch das Genehmigen eines Schokoladenstücks, oder einfach nur dadurch, sich das eigene Ziel vor Augen zu halten. Eines ist sicher: Nur durch die Motivation selbst, war es auch möglich, diese lange, anstrengende Phase des ständigen Selbstregulierens durchzuhalten.

3. Implizite und explizite Motive

Reflektieren Sie auf Basis unserer Sitzungen sowie der Einstiegsliteratur zu impliziten und expliziten Motiven die Quellen Ihrer eigenen Motivation (was treibt mich im Leben an). Welche expliziten Motive verfolgen Sie im Zusammenhang mit Ihrem Studium und wo vermuten Sie implizite Motive im Hintergrund Ihres bewussten Tuns? Wo vermuten Sie Koalitionen und wo Konflikte beider Motivgruppen? Stellen Sie kurz eine Konzeptidee für einen selbst ausgedachten Test dar, der das von Ihnen vermutete implizite Motiv für eine außenstehende Person sichtbar machen würde.

Motive beschreiben, welchen Handlungen ein Individuum große Bedeutung zumisst, bzw. wonach das Individuum strebt. Die Motivation gibt hingegen an, wie groß die aktuelle Handlungsanstrengung in einer konkreten Situation ist. Dies bedeutet auch, dass Motivation und Motive in ein und derselben Situation nicht identisch sein müssen. Es gibt eine Menge menschlicher Motive, wie z. B. das Leistungsmotiv, das Machtmotiv, das Affilationsmotiv und das Intimitätsmotiv (vgl. Brunnstein 2010, S. 237 - 255). Wenn ich nun über die Quellen meiner eigenen Motivation reflektieren soll, so würde ich sagen, dass ich, vor allem im Privaten, durch das Affilationsmotiv angetrieben werde. Mein Leben ist geprägt von dem Wunsch nach sozialem Anschluss, dies zeigt sich vor allem darin, dass ich sehr bestrebt bin, alte Freundschaften zu pflegen, aber auch auf neue Menschen offen zuzugehen. Ich würde mich daher explizit als extravertiert beschreiben. Außerdem motiviert mich das Intimitätsmotiv dazu, meine Partnerschaft zu pflegen und für regelmäßige Begegnungen zu sorgen. Deshalb ist es für mich auch selbstverständlich in stressigen Zeiten, dennoch Zeit für Gemeinsamkeiten einzuräumen.

Bezogen auf das Studium würde ich sagen, dass ich explizit, also bewusst, durch ein Leistungsmotiv angetrieben werde. Ich selbst erachte gute Leistungen im Studium als essentiell für mein späteres Leben und messe meinen Leistungen daher einen großen Stellenwert zu. Meine Leistung wird vor allem durch extrinsische Anreize, wie konkrete Vorgaben und die Leistungsbewertung, gesteigert. Da sich explizite Motive besonders deutlich in Alltagsaktivitäten (Routinen) zeigen, stehen sie der Messung von Persönlichkeits-Eigenschaften recht nahe. Ich würde mich selbst, bezogen auf das Studium, als sehr strukturiert und organisiert beschreiben, was meinen Alltag nachhaltig prägt. Das bedeutet, dass ich im Laufe meiner Jugend für mich selbst entschieden habe, dass Leistung für mich wichtig ist. Ich möchte Stolz für meine Leistungen empfinden können und somit wiederum in mein Selbstkonzept übernehmen, dass ich durchaus fleißig bin. Auch generell bin ich eher eine erfolgsorientierte Person, die auf Grund eines guten Fähigkeitsselbstkonzepts, hohes Vertrauen in ihre Kompetenzen genießt. Dies bedeutet auch, dass ich Misserfolge im Studium generell meiner fehlenden Anstrengung zuweise. Ich vertrete eine optimistische Sichtweise, welche besagt, dass Anstrengung auch belohnt wird. Vor allem hierbei kann man sehr deutlich den engen Zusammenhang zwischen den expliziten Motiven und dem eigenen Selbstkonzept erkennen. Doch wenn ich beginne, über meine impliziten Motive zu reflektieren, so überkommt mich das Gefühl, dass ich bezogen auf das Studium eigentlich gar nicht nur leistungsorientiert bin. In meiner Erziehung habe ich niemals Leistungsdruck erfahren und vielmehr die Werte vermittelt bekommen, dass gerade Familie, Geborgenheit und Harmonie die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind. Deshalb denke ich, dass sich auch im Studium, mein Affilationsmotiv deutlich zeigt. Ich bin nicht an die Universität gekommen, um alleine „mein Ding durchzuziehen“. Vielmehr bin ich ungern allein und immer auf der Suche nach sozialem Anschluss und gegenseitigem Austausch.

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Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656948605
ISBN (Buch)
9783656948612
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298548
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
Schlagworte
Rahmenmodeel Lern- und Leistungsmotivation Selbstbestimmungstheorie Motivation Implizit explizit Motiv motivationale Tendenzen neuronale Korrelate Depression Motivation und Entwicklung Selbstregulation heilpädagogische Tagesstätte Kompensationsmodell Mitarbeiterführung

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