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Attributionstheorie im schulischen Kontext und die hedonistische Verzerrung

von Taylor Bruhn (Autor)

Essay 2015 4 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Attributionstheorie im schulischen Kontext und die hedonistische Verzerrung

Ausgangssituation ist, dass ein Schüler in einer Klausur abgeschrieben hat. Im Folgenden sollen verschiedene mögliche Attribution für den Fall gezeigt werden, dass die Klausur a) gut und b) schlecht ausgefallen ist. Anschließend soll der Begriff „hedonistische Verzerrung“ und der mögliche Zusammenhang zum Beispiel erläuert werden.

Menschen verbinden das Ergebnis von Verhalten mit unterschiedlichen kausalen Erklärungen. Diese Attributionen können ihrerseits das Verhalten beeinflussen und verschiedene emotionale Reaktionen hervorrufen. Zu den wichtigsten kausalen Erklärungen oder Ursachenfaktoren zur Erklärung von Handlungsergebnissen zählen Begabung bzw. Fähigkeit, Anstregung, Schwierigkeit bzw. Leichtigkeit von Aufgaben und Zufall (vgl Weiner 1986). Die Klassifikation nach verschiedenen Dimnsionen kann für diese Aufgabe ausgeblendet werden.

Diese Theorie soll nun auf das vorgegebene Beispiel angewendet werden. Als erstes soll der Fall betrachtet, in welchem der Schüler abgeschrieben hat und die Klausur gut ausgefallen ist. Hierzu sollen die möglichen Ursachenfaktoren in das Beispiel eingebunden und durchgespielt werden.

Nachdem der Schüler die Klausur erhält, könnte er die gute Note auf seine Begabung zurückführen. Es ist klar, dass er abgeschrieben hat. Es handelt sich also nicht um eine eigentliche Begabung im schulischen Kontext, sondern die Begabung könnte auf seine Fähigkeit des Abschreibens oder der Anfertigung des Spickzettels zurückgehen. Allerdings scheint es abwegig, dass der Schüler tatsächlich auf diese Weise attribuiert.

Eine andere Attribution könnte im Hinblick auf den Ursachenfaktor Anstregung auftreten. Da der Schüler eine gute Note bekommen hat, könnte er dies auf seine Anstregung zurückführen, obwohl klar ist, dass er abgeschrieben hat. Beispielsweise könnte er seine Anstregung in der Anfertigung des Spickzettels sehen. Diese Attribution erscheint aber erneut unwahrscheinlich. Dem Schüler sollte klar sein, dass das Anfertigen eines Spickzettel und das Abschreiben an sich keiner großen Anstregung bedarf. Vielmehr müsste ihm klar sein, dass er die gute Note unrechtmäßig erworben hat. Ob ihm das allerdings bewusst ist, ist eine andere Frage (siehe hedonistische Verzerrung).

Der nächste Ursachenfaktor Schwierigkeit bzw. Leichtigkeit der Aufgabe kann ebenfalls auftreten. So könnte der Schüler seine gute Note darauf zurückführen, dass die Aufgaben zu leicht waren und mit Hilfe seiner Notizen ein gutes Ergebnis erziehlen konnte, obwohl er beispielsweise sonst keine allzu guten Noten bekommt. Es ist aber fraglich, ob ein Schüler in der Realität so attribuieren würde. Schüler gucken sich natürlich vorher die Aufgaben an und entscheiden dann, ob ihr Spickzettel zum Einsatz kommt. Wenn er nun die Aufgaben als leicht einstuft, ist es eher unwahrscheinlich, dass er es noch für nötig hält, abzuschreiben. Das Risiko, erwischt zu werden, steht dann in keiner Relation mehr zum Vorteil, der sich durch das Abschreiben ergibt. Falls der Schüler die Aufgaben aber als zu schwierig empfand, könnte das in seinen Augen die Nutzung von nicht erlaubten Notizen legitimieren.

Der Ursachenfaktor Zufall kann hier zum Teil ausgeblendet werden. Der Schüler wird keinen Zufall als Ursache seiner guten Note vermuten, wenn er den Spickzettel mit allen nötigen Informationen versehen hat. Als Zufall bzw. Glück kann lediglich die Tatsache angesehen werden, dass der Schüler bei entsprechend großem Spickzettel nicht erwischt wurde. Falls er nur das wichtigste aufgeschrieben hat, kann es Zufall bzw. Glück sein, wenn auch die passenden Fragen in der Klausur gestellt werden.

Zusammenfassend kann sagen, dass viele der hier vorgestellten Attributionen eher unwahrscheinlich erscheinen. Dies ist der Tatsche geschuldet, dass Schüler normalerweise eine gute Note lediglich auf das Abschreiben an sich zurückführen. Der Erfolg des Abschreibens wird den Schüler vermutlich dazu veranlassen, auch in Zukunft dieses Verhalten beizubehalten.

Als nächstes soll der Fall betrachtet werden, in dem der Schüler abgeschrieben hat und die Klausur schlecht ausgefallen ist.

Der Schüler könnte die schlechte Note auf seine fehlende Begabung zurückführen. Er hat also eine schlechte Note bekommen, obwohl er abgeschrieben hat. Beispielsweise könnte der Schüler denken, dass seine fehlende Begabung im Anfertigen von Notizen und dem Selektieren von Wesentlichem zu dieser Note geführt haben.

Bezüglich der Anstregung könnte der Schüler davon ausgehen, dass diese nicht gereicht hat. Das Abschreiben hat nicht den erwünschten Erfolg gebracht und die schlechte Note führt der Schüler so auf mangelnde Anstrengung zurück. Vermutlich denkt er sich dann, dass er doch besser richtig gelernt hätte.

Allerdings könnte der Schüler den Grund für seine schlechte Note bei anderen Umständen suchen. So könnte er den Grund für die schlechte Note bei der Schwierigkeit der Aufgaben sehen. Für ihn scheint es dann so, dass die Klausur selbst mit einem Spickzettel nicht machbar gewesen sei.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656952770
Dateigröße
354 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298799
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
Schlagworte
Attributionstheorie Schule Erziehung Didaktik hedonistische Verzerrung Schüler Pädagogik Hedonistik Attribution Theorie Modell RWTH

Autor

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    Taylor Bruhn (Autor)

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