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Die Entstehung der Neuen Frauenbewegung in Ostdeutschland

Essay 2003 7 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Die Entstehung der Neuen Frauenbewegung in Ostdeutschland

Bereits im Jahre 1949 wird in der ersten Verfassung der DDR die Gleichberechtigung von Mann und Frau verankert[1]. Dies bedeutete für die ostdeutschen Frauen, dass jegliche sozioökonomischen Hauptursachen für die Diskriminierung der Frau beseitigt schienen, da den Frauen das Recht auf Arbeit, sowie eine gleiche Bezahlung gewährleistet wurde. So blieb der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), der im Jahr 1947 gegründet wurde, auch bis zur Wende der einzige offizielle Frauenverbund. Wie kam es allerdings dazu, dass trotz der formal gegebenen Gleichberechtigung von Frau und Mann, Anfang der 80er Jahre eine neue Frauenbewegung entstand und sich zu diesem Zeitpunkt eine Vielzahl nichtstaatlicher Frauengruppen zusammenschlossen? Dazu muss als erstes geklärt werden, ob die Lebensstruktur der Frau bis zum Zeitpunkt der neuen Frauenbewegung tatsächlich eine Gleichberechtigte war oder, ob ihnen zu einem früheren Zeitpunkt lediglich nicht die Möglichkeit gegen war, sich gegen den Staat und für ein neues Frauenbild aufzulehnen.

Von Anfang an wurde in der DDR das Idealbild der Frau der BRD kritisiert. Im Gegensatz zur BRD, in der die Frau als Hausfrau und Mutter agieren sollte, sah die DDR dies als den Auslöser für Diskriminierung und Unterdrückung. Hier sollten die Frauen in den Arbeitsprozess miteinbezogen werden, so dass vor allem in den 50er Jahren, in denen Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufschwung dringend benötigt wurden, Kampagnen ausgetragen wurden um Frauen anzuwerben.[2] So wurde auch das Anwerben von Frauen zur Erwerbstätigkeit in der Produktion zur Hauptfunktion des Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD). Die zweite Funktion des DFD’s war außerdem die Propaganda von SED-Parteiansichten[3], da die Führungspositionen des DFD’s von SED-Mitgliedern besetzt war, so dass eine gegen-parteiische Tätigkeit im DFD überhaupt nicht möglich war.

Um das neue Idealbild der Frau in der DDR voranzutreiben wurden zahlreiche Gesetze und politische Maßnahmen durchgesetzt, die das Gleichheitsgefühl der Geschlechter tatsächlich bestärkte. So wurde zum Beispiel der Mutterschutz erweitert und die Möglichkeiten für Kinderbetreuungen ausgeweitet. Außerdem wurden Frauen nach dem Mauerbau verbesserte Möglichkeiten geboten ihre Qualifizierungen nachzuholen, so dass beispielsweise Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen, insbesondere in technischen Berufen geschaffen wurden, außerdem wurden Frauensonderklassen an Fachschulen und das Sonderstudium an Hochschulen für Frauen eingerichtet. Außerdem erfolgten Anfang der 70er Jahre eine Reihe von sozialpolitischen Maßnahmen, die es Frauen erlauben sollten Mutterschaft und Arbeit besser zu vereinbaren, dies erfolgte aufgrund der sinkenden Geburtenrate Ende der 60er Jahre. So erhielten Frauen von dort an beispielsweise ein bezahltes Babyjahr, sowie einen bezahlten Haushaltstag. Außerdem wurde die Arbeitszeit von Müttern verkürzt, sie hatten das Recht auf Freistellung zur Pflege kranker Kinder und erhielten zusätzlich eine Geburtenbeihilfe von 1000 Mark pro Kind. Zudem wurde ihnen das Recht zur freie Schwangerschaftsunterbrechung bis zur 12. Woche zugesprochen, für das schon die Frauenbewegung um 1900 kämpfte.

Trotzdem zeigten die neuen Gesetze nicht die intendierte Wirkung, so dass Mütter meist trotzdem nicht in Führungspositionen aufsteigen konnten. Bis 1988 waren nur 2,5% der Führungspositionen von Frauen besetzt.[4] Außerdem stellten sich die Maßnahmen als Nachteil für ältere Frauen bzw. Frauen ohne Kinder dar, welche die Arbeit der Mütter im Babyjahr oder Krankheitsfall der Kinder, ohne Entgeld verrichten mussten. So wurden die Gesetze, die, die Lebensqualität der Frauen verbessern und ihnen eine Gleichstellung mit dem Mann durch sozioökonomische Maßnahmen ermöglichen sollten, lediglich zur partiellen Verbesserung für Mütter, nicht aber für Frauen im Allgemeinen. So dass deutlich wurde, dass es sich hierbei lediglich um eine patriarchale Gleichberechtigung handelte, welche zwar formell für Frauen gemacht war, diese aber weiterhin eingrenzte und immer noch in die Rolle der Mutter und Hausfrau neben dem Beruf drängte, welches zu noch größeren Belastungen für die Frau führte. Diese patriarchale Gleichberechtigung erlaubte es den Frauen nicht aus der Mutterrolle auszubrechen und Teile des Familienmanagements an den Mann zu übergeben, so dass die Frau lediglich ökonomische Vorteile erhielt nicht aber Vorteile sozialer Natur. Die Rolle des Mannes hatte sich seit der Einführung der neuen Gesetze nicht geändert, der Mann ging immer noch seiner Arbeitstätigkeit nach, hatte aber keine weiteren häuslichen Pflichten, so dass der Staat weiterhin von einem traditionellen Männer-Frauen Verhältnis und einer traditionellen Arbeitsaufteilung ausgingen.

So wuchs die Unzufriedenheit der überbelasteten Frauen, so dass sich Anfang der 80er Jahre mehrere inoffizielle Frauengruppen zusammenschlossen. Da diese nicht-staatlich waren, mussten sie sich privat oder in der Kirche treffen, weil dies zwar als öffentlicher, aber gleichzeitig als nicht-staatlicher Raum galt. Die Anzahl der Frauengruppierung stieg noch mehr an, als die DDR, am 25. März 1982, ein neues Wehrdienstgesetz verabschiedete, welches im Falle des Verteidigungsfall auch Frauen in den aktiven Wehrdienst miteinbeziehen wollte. Dies führte letzten Endes zur Gründung des Vereins „Frauen für den Frieden“, die erste größere überregionale Mobilisierung von Frauen, die auch an die Öffentlichkeit trat. Nicht nur durch Öffentlichkeitsarbeit sondern ebenso durch das Verteilen von Flugblättern verschafften sie ihrer Meinung Gehör. Die Gruppe organisierte Frauentreffen und Vorträge, in denen auch Themen, wie beispielsweise die Stellung der Frau in der Kirche und in der Gesellschaft, die Rolle der Frau in Schulbüchern, Gewalt gegen Frauen, Friedenspolitik und Friedenserziehung, diskutiert wurden. Daraufhin schlossen sich mehr und mehr Gruppen zusammen, so zum Beispiel der „Erste Weibliche Aufbruch“ (kurz EWA), die vor allem für eine neue Frauenpolitik kämpften oder aber die „Lila Offensive“ (kurz LILO), die vor allem gegen die patriarchalische Unterdrückung kämpfte[5].

[...]


[1] „Mann und Frau sind gleichberechtigt und haben die gleiche Rechtsstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens. Die Förderung der Frau, besonders in der beruflichen Qualifizierung ist eine gesellschaftliche und staatliche Aufgabe.“ (Verfassung der DDR, Artikel 20, Absatz 2)

[2] Nave-Herz, Rosemarie 1997:63

[3] Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)

[4] Cordes et.al 1998:104

[5] Nave-Herz, Rosemarie 1997:67

Details

Seiten
7
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783656956136
ISBN (Buch)
9783656956143
Dateigröße
365 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299193
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Demokratischer Frauenbund Deutschlands DFD Ostdeutschland Frauenbewegung DDR Frauenbund

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