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Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung

Hausarbeit 2009 36 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zwangsverheiratung oder arrangierte Ehe?
2.1 Die arrangierte Ehe
2.2 Definition und Formen von Zwangsverheiratung
2.3 Fließende Übergange zwischen verschiedenen Formen der Eheschließung

3 Rechtliche Möglichkeiten der Regulierung
3.1 Strafrecht
3.2 Aufenthaltsrecht
3.3 Zivilrecht
3.4 Staatsangehörigkeitsrecht

4 Politik: Zuwanderungsbegrenzung im Namen der Bekämpfung von Zwangsheirat?
4.1 Politischer Diskurs: Der Nationale Integrationsplan
4.2 Realisierung: Aufenthaltsgesetz und Richtlinienumsetzungsgesetz
4.3 Normativer Anspruch, Kulturpluralismus und Menschenrechte

5 Die Debatte um Zwangsverheiratung aus soziologischer Perspektive

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Dokumentenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

‚Wir riefen Arbeitskräfte – und es kamen Menschen‘ lautet ein vielzitierter Satz von Max Frisch in Bezug auf die italienischen Gastarbeiter in der Schweiz. Damit wird zunächst auf die unrealistische Erwartung seitens der Anwerbestaaten hingewiesen, Menschen könnten je nach Bedarf völlig beliebig und folgenlos hin- und hergeschoben werden. Diese Fehlerwartung betrifft zunächst die Dauer des Aufenthalts, die Nichtbeachtung der Entwicklung einer ethnisch geprägten Infrastruktur sowie der Tendenz zum Familiennachzug infolge des Anwerbestopps. Dieser Satz ist aber auch für das Thema der vorliegenden Arbeit von Bedeutung, insofern Zuwanderung unter anderem das Aufeinandertreffen unterschiedlicher und zum Teil gegensätzlicher Wertevorstellungen bedingt. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Begriffe Zwangsverheiratung bzw. Zwangsheirat im Türkischen[1] in dieser Form anscheinend gar nicht gebräuchlich sind, was bereits auf eine unterschiedliche Wahrnehmung des Sachverhalts hindeutet[2].

Die Debatte über Zwangsheirat[3] und häusliche Gewalt in Migrantenfamilien wurde ausgelöst durch die bundesweite Kampagne der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes im Jahr 2003 unter dem Titel ‚Stoppt Zwangsheirat‘[4]. Besonderen Nachdruck gewann die Diskussion aber durch die allgemein als Ehrenmord verstandene Bluttat an Hatun Aynur Sürücü am 7. Februar 2005 in Berlin[5].

Hatun Sürücü war deutsche Staatsbürgerin kurdischer Herkunft. Sie wurde im Alter von 23 Jahren an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof vor ihrer Wohnung durch mehrere Kopfschüsse getötet. Der Verdacht fiel auf Hatuns Brüder, da sie selbst bereits im Vorfeld der Tat bei der Polizei Anzeige wegen Morddrohungen seitens derselben erstattet hatte. Für die vorliegende Analyse sind besonders die Reaktionen von Bedeutung, die dieser Vorfall ausgelöst hat. Der Fall Hatun war keineswegs der erste seiner Art. Besondere Empörung rief jedoch die offenkundige Billigung des Mordes durch drei Acht-Klässler der Thomas-Morus-Oberschule in Berlin-Neukölln hervor, die das Geschehene im Rahmen einer Unterrichtsdiskussion sinngemäß wie folgt kommentierten: „Die hat doch selbst Schuld. Die Hure lief rum wie eine Deutsche“[6]. Zahlreiche Stellungnahmen und Initiativen wie Mahnwachen und Demonstrationen waren die Folge. Hauptakteure waren hierbei Politiker, Frauenrechtlerinnen und –organisationen sowie türkische Verbände. Aus soziologischer Sicht ist hierbei zumindest hypothetisch davon auszugehen, dass neben aufrichtiger Bestürzung je auch andere, akteurspezifische Motivationen zu diesem Engagement beigetragen haben; diese sollen im Lauf der vorliegenden Analyse wenigstens teilweise noch genauer beleuchtet werden.

Im Juni 2008 wurde schließlich eine Gedenktafel vor dem Haus angebracht, in dem Hatun gelebt hatte. Auf der Tafel ist in türkischer und deutscher Sprache zu lesen, dass Hatun Sürücü ermordet worden sei, „weil sie sich Zwang und Unterdrückung ihrer Familie nicht unterwarf, sondern ein selbstbestimmtes Leben führte“[7].

Auf politisch-rechtlicher Ebene gab es diesbezüglich eine lange Diskussion, welche auf die Anhebung des Nachzugsalters für Ehegatten von bisher 18 Jahren auf 21 Jahre zielte. Kritiker hielten die geplante Maßnahme zur Verhinderung von Zwangsehen nicht nur für wirkungslos, sie äußerten vielmehr verfassungsrechtliche Bedenken[8].

Unabhängig vom Ergebnis der Diskussion ist diese Beobachtung der Debatte um das Nachzugsalter insofern bedeutsam, als daran sichtbar wird, dass aus politischer Sicht vor allem die im Rahmen des Ehengattennachzugs erfolgenden grenzüberschreitenden Zwangsverheiratungen als problematisch registriert werden. Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es daher, gerade dieses Phänomen gründlicher zu beleuchten.

Allseits bemängelt wird das Fehlen von Daten und Analysen zum Thema der Zwangsehe[9]. Der Mangel an fundiertem Material erhöht die Gefahr von Pauschalisierungen und der Instrumentalisierung von Zwangsehe zu politischen Zwecken.

Falsch ist zudem die verbreitete Annahme, dass Zwangsverheiratungen auf den islamischen Kulturkreis beschränkt seien[10]. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema führt vielmehr zu dem Ergebnis, dass der Religion in diesem Zusammenhang relativ geringe Bedeutung zukommt bzw. dass sie allenfalls zur Legitimierung des Tatbestands missbraucht wird[11].

Diese kurzen Hinweise lassen die Komplexität der Thematik bereits erahnen. Vor diesem Hintergrund möchte die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten zu einer differenzierteren Sichtweise[12] des Phänomens der Zwangsverheiratung (Kapitel 2). In einem zweiten Schritt geht es darum, die Möglichkeiten rechtlicher Regelungen vor dem Hintergrund des aus den Grund- und Menschenrechten erwachsenden normativen Anspruchs in ihrem Für und Wider darzustellen (Kapitel 3). Kapitel vier skizziert demgegenüber die politische Auseinandersetzung zum Thema in ihrem Spannungsverhältnis zu den genannten normativen Erwartungen und schließt mit Überlegungen zur Fundierung des universalen Geltungsanspruchs der Menschenrechte. Vor diesem Hintergrund wird in Kapitel fünf aus soziologischer Sicht nach einer Erklärung für die fortwährende Diskrepanz zwischen normativem Anspruch und politischer Handhabung gefragt. Die Ursache hierfür wird in der empirischen Unvereinbarkeit nationalstaatlicher Verfasstheit der Politik mit dem universalen Anspruch der Grund- und Menschenrechte identifiziert. Auf dieser Grundlage wird in Kapitel sechs ein Fazit als Beitrag für weitere Diskussionen formuliert.

2 Zwangsverheiratung oder arrangierte Ehe?

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, gibt es den Begriff der Zwangsverheiratung im Türkischen anscheinend nicht. Es handelt sich demnach um eine Zuschreibung von außen, welche zunächst die Wahrnehmung der Individuen eines westlich geprägten soziokulturellen Bezugsrahmens widerspiegelt. Die Antwort des Instituts für islamische Religionspädagogik[13] lässt zudem vermuten, dass es auch den Begriff der arrangierten Ehe im Türkischen in dieser Form nicht gibt. Dass der durch diesen Terminus bezeichnete Sachverhalt als traditionell vollzogene Ehe beschrieben wird, deutet darauf hin, dass es auch innerhalb der Herkunftsgesellschaft der MigrantInnen andere Formen der Eheschließung gibt, die es ursprünglich so nicht gegeben hat.

Im Bemühen um eine Definition von Zwangsverheiratung im westlich geprägten Kontext kommt jedenfalls auch der Begriff der arrangierten Ehe zum Tragen. Zwangsverheiratungen und arrangierte Ehen werden in der öffentlichen und politischen Diskussion, aber auch von AutorInnen mit wissenschaftlichem Anspruch oft pauschalisierend gleichgesetzt: „Zwischen einer arrangierten Ehe und einer Zwangsehe gibt es für mich keinen wesentlichen Unterschied, das Ergebnis ist dasselbe“[14], und: „Zwangsheirat und arrangierte Ehen gehören verboten“[15]. Verständlich wird diese Gleichsetzung vor dem Hintergrund, dass Zwangsverheiratungen stets in der äußeren Form arrangierter Ehen auftreten. Diese Tatsache berechtigt jedoch keineswegs zur umgekehrten Schlussfolgerung, wonach arrangierte Ehen grundsätzlich als Zwangsehen zu verstehen wären. Die undifferenzierte Verwendung dieser Kategorien führt zur Stigmatisierung der unter uns lebenden türkischstämmigen Bevölkerung und stellt deren eheliche Beziehungen unter den Generalverdacht der Zwangsehe. Eine Abgrenzung der beiden Begriffe ist daher trotz fließender Grenzen dringend erforderlich.

2.1 Die arrangierte Ehe

Wie aus dem bisher Gesagten hervorgeht, betrachte ich Zwangsverheiratung als Sonderfall der arrangierten Ehe. Deshalb bietet es sich an, den Blick zunächst auf die arrangierte Ehe zu richten. Unter den AutorInnen, die sich mit diesem Thema befassen, überzeugt besonders Gaby Straßburger durch die feinen Differenzierungen, die sie in ihrem Text vornimmt[16]. Zur leichteren Gegenüberstellung bezeichnet Straßburger die westlich-moderne Ehe als selbst organisierte Ehe. Selbst organisierten Ehen geht in aller Regel einen Kennenlernphase voraus, die zum Teil noch durch die Verlobung klar in zwei Etappen unterteilbar ist. In Bezug auf Dauer und Gestaltung dieses Kennenlernzeitraumes sind der Phantasie der Beteiligten kaum Grenzen gesetzt. Eine vergleichbare Gestaltungsvielfalt besteht auch bei arrangierten Ehen, wobei der Zeitraum vor der Heirat deutlicher gegliedert ist. Kennzeichnend ist hierbei sowohl die Beteiligung der Eltern und Verwandten am Entscheidungsprozess als auch die freie Zustimmung bzw. Ablehnung seitens der potentiellen Partner.

Straßburger entwirft einen idealtypischen Phasenablauf einer arrangierten Ehe anhand des konkreten Beispiels einer türkischstämmigen Frau[17]. Das Ergebnis zeigt einen Ablauf von vier Phasen[18] vor der Eheschließung mit je offenem Ausgang. Ob der Annäherungsprozess fortgesetzt wird, hängt ganz wesentlich von der Zustimmung der potentiellen Eheleute ab.

„Letztendlich weist die Existenz zahlreicher nicht weiterverfolgter Anbahnungsversuche darauf hin, dass – anders als oft vermutet – arrangierten Ehen nicht unbedingt eine geringe Auswahl an Optionen zugrunde liegt und dass es zudem immer wieder Gelegenheiten gibt, aus dem Prozess auszusteigen.“[19]

Die Zustimmung der zukünftigen Partner wird jedoch den traditionellen Kommunikationsregeln entsprechend nur durch Andeutungen und – besonders von Seiten der Braut – keinesfalls verbal signalisiert[20].

Straßburger betont, dass die Übergänge von arrangierten Ehen zu selbst organisierten Ehen mehr und mehr verschwimmen, indem zum Beispiel eine oder mehrere Phasen der traditionellen Eheschließung übersprungen werden oder einer aktiven Rolle der potentiellen Eheleute mehr Raum gegeben wird. So gibt es beispielsweise den Fall, dass die beiden Partner sich bereits kennen und ihre Entscheidung zur Ehe getroffen haben, diese aber vor den Eltern zunächst verheimlichen, um ihnen ein „symbolisches Veto“[21] zuzugestehen und sie so nachträglich in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen, um auf diese Weise den kulturellen Code des Respekts nicht zu verletzen.

Auf dieser Grundlage können die wesentlichen Merkmale einer arrangierten Eheschließung wie folgt zusammengefasst werden: Es handelt sich hierbei um einen kollektiven Entscheidungsprozess, der die Präferenzen aller Beteiligten berücksichtigt und dessen Kommunikationsverläufe entsprechend einer klaren, soziokulturellen Codierung oftmals auf subtile, nonverbale Weise erfolgen.

2.2 Definition und Formen von Zwangsverheiratung

Eine auf europäischer Ebene vergleichende Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es kein einheitliches Konzept von Zwangsheirat gibt: „’Forced marriage‘ is thus not a term with legal content and it is defined differently in different countries“[22]. Demgegenüber sind sich die AutorInnen des deutschen Sprachraums insgesamt weitgehend darin einig, dass eine Zwangsehe dann besteht, wenn zumindest ein Ehepartner[23] gegen seinen Willen zur Ehe gezwungen wurde[24]. Für eine präzisere Definition schließe ich mich der Formulierung von Schubert und Moebius an:

„Eine Zwangsheirat liegt vor, wenn mindestens einer der Eheschließenden durch eine Drucksituation zur Ehe gezwungen wird und mit seiner Weigerung kein Gehör findet oder es nicht wagt, sich zu widersetzen, weil Eltern, Familie, Verlobte und Schwiegereltern mit unterschiedlichsten Mitteln Druck auf sie oder – eher selten – auf ihn ausüben. Die Druckmittel reichen von emotionaler Erpressung und psychischem Druck, über physische und sexuelle Gewalt, Einsperren, Entführen und – in drastischen Fällen – bis hin zu sogenannten Ehrenmorden.“[25]

Bielefeldt und Follmar-Otto suggerieren darüber hinaus, arrangierte Ehen mit Minderjährigen grundsätzlich – also auch ohne Androhung bzw. Anwendung von Gewalt – als Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht und damit als eine Form von Zwang zu werten[26].

Bei dem Versuch einer Typisierung machen Schubert und Moebius drei Formen aus: Zum einen die sog. Import-Bräute, bei denen junge Frauen aus dem Herkunftsland mit Männern in Deutschland verheiratet werden; als zweite Form die Heiratsverschleppung oder Ferienheirat, bei der in Deutschland aufgewachsene MigrantInnen während eines Ferienaufenthalts im Heimatland verlobt und verheiratet werden, und schließlich die Verheiratung einer in Deutschland lebenden Frau mit einem Mann im Herkunftsland zum Zweck des Erhalts eines gesicherten Aufenthaltsstatus‘ in Folge des Ehegattennachzugs[27].

Auffällig ist an dieser Kategorisierung, dass es sich bei allen Formen um grenzüberschreitende Zwangsverheiratung handelt, ohne dass dies gesondert thematisiert würde. Mirbach, Müller und Triebl stellen diesen Formen in ihrem an Hamburger Einrichtungen gerichteten Fragebogen die Zwangsheirat innerhalb Deutschlands noch voran[28]. Eben diese Kategorie wies im Jahr 2005 in Hamburg die höchste Zahl der Ratsuchenden auf (53 von 192 Beratungsfällen). Diese Zahl ermöglicht allerdings noch keine direkte Schlussfolgerung darüber, ob es mehr inländische oder mehr grenzüberschreitende Zwangsverheiratungen gibt. Gerade bei den sog. Heiratsverschleppungen ist die Möglichkeit zur Wahrnehmung des Beratungsangebots ja äußerst eingeschränkt, wobei die Zahl (42 Fälle) dennoch erstaunlich hoch war.

[...]


[1] Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die vorliegende Arbeit aus Gründen der Kompaktheit auf den türkischen Kontext fokussiert, wenngleich das Phänomen der Zwangsverheiratung durchaus nicht auf dieses Umfeld beschränkt ist. Dass Zwangsehe in Deutschland dennoch als vorwiegend türkisches Problem wahrgenommen wird, hängt vor allem damit zusammen, dass die Türken in Deutschland die Mehrheit der Zuwanderer bilden.

[2] Auf eine telefonische Anfrage beim Institut für Islamische Relgionspädagogik in Osnabrück vom 22.12.2008 erhielt ich folgende Mail: „[…] es gibt im Türkischen keinen festen Begriff für Zwangsheirat. Für die Verheiratungen, bei denen das Einverständnis der Eltern, Großfamilie und Verwandten sowie die Tradition mitprägend sein können, verwendet man das Wort. ‚töre evliliği‘ (traditionell vollzogene Ehe)“.

[3] Die Begriffe Zwangsverheiratung, Zwangsheirat und Zwangsehe werden in der vorliegenden Arbeit weitgehend undifferenziert eingesetzt, da die unterschiedlichen Nuancierungen – Zwangsverheiratung unterstreicht die Rolle der externen Akteure, Zwangsheirat den Moment der Vermählung und Zwangsehe die Phase ab der Heirat – für die Zielsetzung kaum relevant sind.

[4] Vgl. Karin Schubert; Isabella Moebius (2006), S. 34. Die Debatte knüpft an die allgemeine Diskussion über häusliche Gewalt an, welche ebenfalls durch Frauenorganisationen und Juristinnen in den 80er Jahren angestoßen wurde und zu einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel beitrug. Der Staat weiß sich fortan nicht nur in seinem eigenen Handeln den Menschenrechten verpflichtet, sondern hat die Aufgabe, deren Beachtung – eben auch auf privater Ebene – zu garantieren. Damit nimmt der Staat in Bezug auf die Menschenrechte eine positiv gewährleistende Funktion wahr. Dieser Wandel äußert sich in der Schaffung zahlreicher Gesetze zum Schutz der Opfer (vgl. ebd.; vgl. auch Heiner Bielefeldt; Petra Follmar-Otto (2007), S. 11).

[5] Vgl. Susanne Benöhr-Laqueur; Sanem Karakocogullari (20.06.2007).

[6] Ebd.

[7] Tsp / ddp (11.06.2008).

[8] Auf die diesbezügliche Diskussion und das entsprechende Ergebnis wird in Kapitel vier näher eingegangen (vgl. S. 23). Das entsprechende Gesetzesvorhaben wurde so nicht umgesetzt.

[9] Vgl. z.B. Ralph Göbel-Zimmermann; Manuela Born (2007), S. 54; 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Dezember 2007), S. 89; Ekrem Senol (09.08.2007); Deutscher Caritasverband (08.05.2006), S. 6.

[10] Vgl. hierzu Ralph Göbel-Zimmermann; Manuela Born (2007), S. 54.

[11] Gewalt gegenüber Frauen wird aus Unwissenheit häufig generalisierend mit dem Koran begründet, vgl. Ahmet Toprak (2005), S. 167.

[12] Eine detaillierte Betrachtung des Phänomens der sog. Ehrenmorde würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Die Ausführungen von Toprak können die vorliegende Arbeit in diesem Punkt jedoch sehr gut ergänzen (vgl. Ahmet Toprak, S. 149-162).

[13] Vgl. Einleitung, S. 3.

[14] Necla Kelek (2006): Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland. Köln: Kiepenheuer und Witsch, S. 221, zitiert nach Gaby Straßburger (2007), S. 69.

[15] Ebd., S. 224, zitiert nach Gaby Straßburger (2007), S. 69.

[16] Vgl. Gaby Straßburger (2007). Die Notwendigkeit einer Unterscheidung von arrangierter Ehe und Zwangsheirat wird von zahlreichen Autoren unterstrichen, vgl. zum Beispiel Karin Schubert; Isabella Moebius (2006), S. 34; Ralph Göbel-Zimmermann; Manuela Born (2007), S. 54; Heiner Bielefeldt; Petra Follmar-Otto (2007), S. 13; Deutscher Caritasverband (08.05.2006), S. 2.

[17] Vgl. Gaby Straßburger (2007), S. 72-75.

[18] Die Initiative bei der Partnersuche liegt auf der Seite des Mannes (Phase 1). Zu den Akteuren gehört hierbei zunächst der Mann selbst; verhält er sich passiv, macht sich die Familie auf die Suche nach einer passenden Braut im Bekanntenkreis. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass im vorliegenden soziokulturellen Bezugsrahmen zur Ehe keine Alternativen wie Ehelosigkeit oder gleichgeschlechtliche Partnerschaft bestehen. Die Seite der Frau verhält sich in dieser Phase reaktiv, ihre Hauptaufgabe besteht darin, als irrelevant betrachtete Avancen von vornherein abzulehnen. Die zweite Phase besteht in familiären Vorstellungsbesuchen, bei der in der Regel die Seite des Mannes die Familie der Frau besucht. Die Heiratskandidaten sind dabei anwesend, kommen aber nicht zu Wort. Das Thema Heirat wird hierbei auch nicht offen angesprochen, dennoch sind alle im Bilde. In einer dritten Phase kommt es schließlich zum Heiratsantrag. Die Seite der Frau signalisiert hierbei nur, dass der Antrag als solcher wahrgenommen wurde. Es wird erwartet, dass die Familie der Braut mit der Antwort zögert, da sie hierdurch das Ansehen der Braut und der Familie selbst stärkt. Sie nimmt sich Zeit, um Erkundigungen über den Bräutigam, dessen Freunde, finanzielle Lage und dergleichen einzuholen. In dieser Phase können sich die potenziellen Ehepartner auch treffen und ihre Vorstellungen zur Beziehungsgestaltung austauschen, meist im Beisein von Anstandspersonen, die sich in diskreter Entfernung aufhalten. Auch zu diesem Zeitpunkt kann das Ehearrangement ohne Ehr verlust von beiden Seiten abgebrochen werden. Im Erfolgsfall beginnen an dieser Stelle die Heiratsverhandlungen und -zeremonien (Phase 4). In dieser Etappe geht es um die Aushandlung des jeweiligen finanziellen Beitrags zu Aussteuer, Hochzeitsfeier oder Hausstandsgründung. Auch in dieser Verhandlungsphase kann der Heiratsprozess noch scheitern.

[19] Gaby Straßburger (2007), S. 76.

[20] Vgl. ebd., S. 77.

[21] Ebd., S. 76.

[22] Edwige Rude-Antoine (2005), S. 21.

[23] Entgegen der weit verbreiteten Wahrnehmung sind, wenngleich in weit geringerer Zahl, zum Teil auch Männer Opfer von Zwangsverheiratung.

[24] Vgl. 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Dezember 2007), S. 90; Ralph Göbel-Zimmermann; Manuela Born (2007), S. 54. Ähnlich auch die Definition von Amnesty International, vgl. Necla Kelek (2006), S. 233.

[25] Karin Schubert; Isabella Moebius (2006), S. 34. Ähnlich die Definition des Caritasverbandes, vgl. Deutscher Caritasverband (08.05.2006), S. 3.

[26] Vgl. Heiner Bielefeldt; Petra Follmar-Otto (2007), S. 13. Hierunter fällt u.a. eine Großzahl sog. Imam-Ehen, die jedoch in Deutschland keine rechtliche Wirkung haben, vgl. Deutscher Caritasverband (08.05.2006), S. 4.

[27] Vgl. Karin Schubert; Isabella Moebius (2006), S. 34.

[28] Vgl. Thomas Mirbach; Simone Müller; Katrin Triebl (2006), S. 27.

Details

Seiten
36
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656959717
ISBN (Buch)
9783656959724
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299468
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)
Note
1,0
Schlagworte
Zwangsheirat Zwangsverheiratung Migrationsrecht Migration Zuwanderungsbegrenzung Soziologie Zwangsehe Ausländerrecht Migrantinnen Menschenrechte Unterdrückung der Frau arrangierte Ehe normativ Integration Gleichberechtigung Gender Gewalt

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Titel: Zwangsverheiratung in Deutschland im Spannungsfeld von Politik, Recht und normativer Erwartung