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Darstellung der wichtigsten Reformen der Zweiten Spanischen Republik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte der Zweiten Republik

3. Die wichtigsten Reformen
3.1 Die Agrarreform
3.2 Die Militärreform
3.3 Die Trennung von Kirche und Staat
3.4 Die regionalen Forderungen

4. Zusammenfassung

5. Bibliografie

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars “Civilización” werde ich mich in dieser Hausarbeit mit den wichtigsten Reformen der Zweiten Spanischen Republik beschäftigen. Um den Umfang der Hausarbeit nicht zu sprengen, lege ich den Schwerpunkt auf die vier Reformen, die meiner Meinung nach zu den bedeutendsten zählen. Dazu gehören die Agrarreform, die Militärreform, die Trennung von Kirche und Staat sowie die regionalen Forderungen der Regionen Katalonien, Galizien und dem Baskenland.

Ich werde zunächst einen kurzen historischen Überblick über die Vorgeschichte der Zweiten Spanischen Republik geben, die die wichtigsten Akteure und die schlechte wirtschaftliche sowie politische Situation des spanischen Staates zu diesem Zeitpunkt beschreibt.

Anschließend werde ich mich im Hauptteil ausführlich mit den vier genannten Reformen beschäftigen. Diese Reformen entstanden in der Zeit der Zweiten Republik, die am 14. April 1931 ausgerufen wurde und erst mit der Beendigung des Bürgerkrieges am 1. April 1939 ein Ende fand.

Diese Epoche lässt sich in zwei unterschiedliche Phasen einteilen. Die erste Phase bezeichnet die Reformjahre 1931-1933 und markiert die wichtigste Etappe auf dem Weg zur Modernisierung Spaniens. Der zweite Abschnitt beschreibt die Jahre 1934 und 1935, die als „Schwarzes Doppeljahr“ bezeichnet werden, da es in diesem Zeitraum zu einer Einstellung der bis dahin umgesetzten Kirchen- und Agrarreformen kam.

Abschließen werde ich meine Arbeit mit einer persönlichen Stellungnahme, in der ich die Einführung der verschiedenen Reformen beurteile und ihre Bedeutung für die Zweite Republik und den Verlauf des Bürgerkriegs aufzeige.

Ich werde mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich auf die Ansätze von Beevor, Herold-Schmidt, Schauff und Collado Seidel stützen, die nach meiner Auffassung zu den zentralen Werken bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik zählen. Meine Ergebnisse stützen sich zudem auf die Darstellungen von Tuñón de Lara, Vilar und Bernecker.

2. Vorgeschichte der Zweiten Republik

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kam es zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen Lage und zu sozialen Spannungen innerhalb des Landes. Hinzu kam die hohe Zahl an Arbeitslosen, die kontinuierlich anstieg.1 Im ganzen Land gab es Aufstände und Erhebungen, vor allem in Barcelona kam es zu Konfrontationen zwischen Anarchisten und Arbeitgebern. Die Unzufriedenheit des Militärs wurde immer größer und so kamen zu den Konflikten in Barcelona die Misserfolge in Marokko hinzu. Eine Operation in der Nähe Melillas endete 1921 mit einer Niederlage des spanischen Heeres im sogenannten Rif-Krieg gegen Abd-el-Krim.2 Das „Desaster von Annual“ war ein weiterer schwerer Rückschlag für die Spanier, nachdem sie erst im Jahre 1898 ihre letzten Kolonien (Kuba, Puerto Rico, Philippinen) im Spanisch-Amerikanischen-Krieg an die USA verloren hatten.3

„Von einer öffentlichen Diskussion befürchteten interessierte Kreise Schaden für das Ansehen von Militär und Krone sowie eine Verstärkung der gegen die Armee gerichteten Volksstimmung, die sich zuvor schon in Rebellionen und Befehlsverweigerungen gezeigt hatte. Dem kam Miguel Primo de Rivera4 mit seinem Putsch zuvor und versetzte dem Restaurationsregime den Todesstoß.“5 Er besetzte Barcelona und erklärte am 13. September 1923 den Ausnahmezustand.6 Zwei Tage später wurde er von König Alfonso XIII.7 zum Vorsitzenden des Militärdirektoriums ernannt. Die Kommunisten und die Arbeitergewerkschaft CNT (Confederación Nacional del Trabajo) riefen vergeblich zum Generalstreik auf. Primo de Rivera löste die Cortes sowie die Stadt- und Gemeinderäte auf und ersetzte diese durch Juntas de Asociados, Versammlungen der wichtigsten Steuerzahler. Die kooperative Haltung der Sozialisten und der UGT (Unión General de Trabajadores), die später das Monopol für die Vertretung der Arbeitnehmer innehatte, trugen zur Beruhigung der sozialen Lage enorm bei.8

Die Militärdiktatur Primo de Riveras beruhte auf einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein, das den direkten Kontakt zum Volk suchte, und einer Ideologie, die die traditionellen Werte Spaniens betonte. Primo wollte mit seiner Diktatur drei langjährige Probleme lösen: Die Marokkofrage, die Konflikte in Barcelona und den katalanische Separatismus.9 Spanien konnte sich im Frühjahr 1926 mit der Hilfe Frankreichs entscheidend gegen Abd-el-Krim durchsetzen, der Krieg wurde ein Jahr später endgültig beendet. Durch Mithilfe der Polizei und des Militärs wurde auch das Problem der Gewaltwelle in Barcelona beendet. Primo de Rivera hatte Katalonien eine Autonomie versprochen und sich so ihre Unterstützung gesichert. Daher ging er zunächst nur gegen die radikale nationalistische Linke vor und drängte einen großen Teil ins Exil. Bereits im Jahre 1923 waren die katalanische Flagge und der offizielle Gebrauch der Regionalsprache auf Druck der Armee und des Königs, zwei Jahre später auch die Predigt in katalanischer Sprache, verboten worden.10

1925 und 1926 sind als die besten Jahre der Diktatur beschrieben worden. Denn ab 1928 zerbrach zunächst der Sozialpakt zwischen Arbeitgebern, UGT und Diktatur. Die katholischen Gewerkschaften störte die Bevorzugung der UGT. Daher distanzierten sie sich zusammen mit einem Großteil des politischen und sozialen Katholizismus.11 Neben dem König, dessen Unterstützung seit Ende 1926 schwand, distanzierte sich auch die Armee. Viele Intellektuelle bezogen, teils im Exil, Stellung gegen die Diktatur Primo de Riveras. Unter ihnen angesehene Schriftsteller und Philosophen wie Miguel de Unamuno und Ortega y Gasset.

Im Januar 1929 kam es zu einem Umsturzversuch, an dem die Republikaner sowie die Vertreter der CNT beteiligt waren, mit dem Ziel den König abzusetzen und die verfassungsgebende Cortes einzuberufen. Der Putsch (pronunciamiento) scheiterte allerdings kläglich. Durch die Studentenbewegung gelang die Mobilisierung der Öffentlichkeit und der Konflikt zwischen traditionellen und modernen Werten verschärfte sich zunehmend. Bevor es zu einem erneuten Putsch kam, trat Primo de Rivera am 30. Januar 1930 von seinem Amt zurück.12 Die Diktatur wurde fortan als eine „konservativ-autoritäre Herrschaft“ bezeichnet, „die in einigen Bereichen eine partielle Modernisierung in Gang setzte und damit die Basis für die Mobilisierung der Massen in der Zweiten Republik legte.“13

General Dámaso Berenguer14 wurde am 30. Januar 1930 von König Alfonso XIII. zum Regierungschef ernannt, der eine Rückkehr zur Verfassung vor 1923 und damit die Rettung der Monarchie erreichen sollte, was ihm aber nicht gelang.15 Durch die Verwicklung des Königs in die Diktatur distanzierten sich immer weitere Kreise von ihm ab und die Gewerkschaften erhielten einen starken Zulauf. Im Sommer 1930 schlossen sich republikanische und regionalistische Gruppen im Pakt von San Sebastián zusammen, um Alfonso XIII. durch einen Putsch zu stürzen. Den Regionen Katalonien, Galizien und dem Baskenland wurden die Autonomie versprochen. Doch der Umsturzversuch scheiterte. Es kam zum Einbruch des Außenhandels und die Arbeitslosenzahl stieg auf ca. 33% an. Am 12. April 1931 setzte man Kommunalwahlen an, die mit dem Sieg der Linken endeten. In vielen Städten wurde die Republik gefordert, die am 14. April 1931 ausgerufen wurde. König Alfonso XIII. ging ins Exil nach Frankreich.16

3. Die wichtigsten Reformen

Die Republik spiegelte den Enthusiasmus und die großen Hoffnungen auf Veränderung wider, die nun von den Bürgern erwartet wurden. Doch die internationalen Umstände waren zu keinem Zeitpunkt ungünstiger als jetzt. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise führten vielerorts zu sozialen Erschütterungen. Dies bedeutete, dass der ohnehin geringe Spielraum zur Finanzierung von Reformen immer enger wurde. So wuchs der Unmut auf beiden Seiten der „Zwei Spanien“. Während die Rechte sich um die Bewahrung von Privilegien bemühte, war die Linke in ihren Hoffnungen enttäuscht worden.17 Die nationalistischen Kräfte der Rechten traten geschlossen auf und vereinigten sich in drei Extremen: „Sie waren rechts, zentralistisch und autoritär zugleich. Die Republikaner hingegen stellten ein Gemisch unvereinbarer Strömungen dar, deren Vertreter sich gegenseitig mit Misstrauen beäugten. Zentralistischen und autoritären Kräften, darunter besonders den Kommunisten, standen Regionalisten und Libertäre gegenüber.“18

Am 15. April wurden Wahlen durch die provisorische Regierung ausgeschrieben, die mit einem Erfolg der Linken endete. Von nun an nahm die neue Regierung unter Ministerpräsident Manuel Azaña19 ein Reformprogramm in Angriff, um die dringendsten Probleme des Landes anzugehen. Zu den grundlegenden Veränderungen gehörten die Militärreform, die strikte Trennung von Kirche und Staat sowie das Problem der regionalen Autonomien. Das Hauptanliegen der Sozialisten war neben einer neuen Verfassung die Landreform.20

Schon während der Diktatur hatte die UGT eine eigene Landarbeitergewerkschaft, die FNTT (Federación Nacional de Trabajadores de la Tierra), gegründet und damit auf eine Verbesserung der sozialen Lage durch Umverteilung des Bodens gedrängt.21 Die gesellschaftlichen Eliten hingegen lehnten die Forderungen nach politischer Partizipation und Verbesserung der sozialen Lage grundsätzlich ab und erkannten auch keinerlei Bedarf an neuen Reformen. „So zeigte sich für die Epoche der Restauration in Spanien eine deutliche Dichotomie zwischen dem Fortbestand einer aus dem Ancien Régime herübergeretteten Gesellschaftsstruktur und den gesellschaftlichen Entwicklungen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert; eine Situation, die bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges keine grundlegende Veränderung erfahren sollte.“22

[...]


1 Herold-Schmidt, Hedwig: Vom Ende der Ersten zum Scheitern der Zweiten Republik (1874-1939). In: Schmidt, Peer/Herold-Schmidt, Hedwig (Hgg.): Geschichte Spaniens. Stuttgart 2013, S. 387; Beevor, Antony: Der Spanische Bürgerkrieg. München 2006, S. 26; Schauff, Frank: Der Spanische Bürgerkrieg. Göttingen 2006, S. 13.

2 Beevor 2006, S. 33; Herold-Schmidt 2013, S. 388.

3 Collado Seidel, Carlos: Der Spanische Bürgerkrieg. Geschichte eines europäischen Konflikts. München 2006, S. 19; Beevor 2006, S. 24.

4 Diktator von 1923-1930, Vater von José Antonio Primo de Rivera. Collado Seidel 2006, S.23, 43.

5 Herold-Schmidt 2013, S. 389.

6 Beevor 2006, S. 34; Herold-Schmidt 2013, S. 390.

7 1902 als 16jähriger König, musste 1931 ins Exil fliehen. Herold-Schmidt 2013, S. 376, 400.

8 Herold-Schmidt 2013, S. 391, 395.

9 Herold-Schmidt 2013, S. 392.

10 Herold-Schmidt 2013, S. 393-394.

11 Herold-Schmidt 2013, S. 395.

12 Collado Seidel 2006, S. 25; Herold-Schmidt 2013, S. 396-397.

13 Herold-Schmidt 2013; S. 397-398.

14 Ministerpräsident ab 1930, Rücktritt bereits ein Jahr später. Schauff 2006, S. 22.

15 Beevor 2006, S. 36; Schauff 2006, S. 22.

16 Herold-Schmidt 2013; S. 398-400; Collado Seidel 2006, S. 25-26.

17 Bernecker, Walther Ludwig: Spanische Geschichte. Von der Reconquista bis heute. Darmstadt 2002, S.156; Herold-Schmidt 2013; S. 401.

18 Beevor 2006, S. 11-12.

19 Mitglied der republikanischen Linken, 1931 Kriegsminister, 1931-33 Ministerpräsident. Verantwortlich für Militärreform und Trennung von Staat und Kirche. Collado Seidel 2006, S. 29.

20 Collado Seidel 2006, S. 28; Herold-Schmidt 2013; S. 401-402; Schauff 2006, S. 24.

21 Bernecker 2002, S.162; Schauff 2006, S. 24-25; Maurice, Jacques: La reforma agraria en España en el siglo XX (1900-1936). Madrid 1978, S. 21.

22 Collado Seidel 2006, S. 18.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656961963
ISBN (Buch)
9783656961970
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299475
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
darstellung reformen zweiten spanischen republik

Autor

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