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Die gesellschaftliche Diskriminierung der häuslichen Arbeit und ihre globalen Folgen

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Unsichtbaren

Einleitung

1 Arbeitsteilung und die damit einhergehende Differenzierung zwischen öffentlichem und privatem Bereich

2 Die private Lücke und der globale Markt

3 Global Caredrain

4 Die Situation der Haushaltshilfen
4.1 Ein geschichtlicher Rückblick
4.2 Die prekäre Datenlage
4.3 Die Anwerbung der Haushaltshilfen
4.4 Die Wohn- und Arbeitsbedingungen der Migrantinnen

5 Die Normalisierung eines normativen Skandals: Illegale Beschäftigung im privaten Bereich

6 Die Unlösbarkeit eines gesellschaftlichen Paradoxes

Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

DIE GESELLSCHAFTLICHE DISKRIMINIERUNG DER HÄUSLICHEN ARBEIT

Die Unsichtbaren

Wir singen Euch von unscheinbaren
fremden Frauen in mittleren Jahren
mit Kopftuch und tiefschwarzem Haar
die mit immer freundlichen Mienen
feinen Herren und Herrinnen dienen
so wie das auch früher schon war

Nach Europa um Geld zu verdienen
um der drückenden Not zu entrinnen
hat sie sich ein Ticket gekauft
dort hin wo sie keiner erwartet
von La Paz oder Delhi gestartet
als Muslimin oder getauft

Von den Kindern zu Haus’ fortgerissen werden die sie bald kaum noch vermissen trotz Briefen und telefonier’n

und dafür muss sie sich benutzen

lassen nicht nur zum Pflegen und Putzen
und wagt nicht einmal sich zu wehr’n

Wegen fehlender Ausweispapiere
in der Wohnung gehalten wie Tiere
versteckt, illegal, unsichtbar
und ist sie nicht mehr wie ein Besen
zu gebrauchen wird sie ausgewiesen
und das nach dem dreizehnten Jahr

Die Herrschaften, die sie besessen

haben, werden sie bald schon vergessen als hätte sie nie existiert

und über die Grenze in Stunden

ist sie aus dem Bewusstsein verschwunden wohin auch ihr Schicksal sie führt

Wir sangen Euch von wunderbaren

starken Frauen, von den Unsichtbaren
die nie in den Schlagzeilen steh’n
die zwischendurch in Augenblicken
ihre Tränen im Winkel verstecken
wenn sich die Gedanken verlier’n...

(Kowald 2007)

Einleitung

Nahezu unbeachtet entwickelt sich im privaten Bereich seit Jahren ein Beschäfti- gungszweig, welcher inzwischen sowohl auf Grund der zahlenmäßigen Bedeutung als auch vor dem Hintergrund weitreichender Illegalität hohe gesellschaftliche Relevanz impliziert. Es handelt sich um das Comeback der Haushaltshilfen, einem Phänomen, welches durch seine Internationalisierung im Kontext des globalen Ungleichgewichts das Verhältnis zwischen Klassen und Ethnien tangiert sowie die Genderproblematik in einer neuen Weise fortschreibt. Die angesichts des wachsenden Unterstützungsbe- darfs in häuslichen Alltagsaufgaben in Verbindung mit der anhaltenden Zuwande- rungsbegrenzung entstehende Schattenwirtschaft lässt seitens der mit diesem Bereich konfrontierten Hilfsorganisationen den Ruf nach gesetzlichen Regelungen zur Ver- besserung der rechtlichen Situation der Betroffenen laut werden. In diesem Zusam- menhang wird die Politik oft vorschnell und undifferenziert für beliebige gesellschaft- liche Missstände verantwortlich gemacht, welche häufig strukturelle Ursachen haben, die nur zum Teil durch politisches Handeln beeinflussbar sind. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, im Anschluss an eine Beschreibung des Phänomens in seinen vielfälti- gen Facetten diese strukturellen Zusammenhänge herauszuarbeiten, um auf diese Weise eine solidere Basis für die diesbezügliche Debatte zu schaffen.

Im Anschluss an eine skizzenhafte Darstellung der Entstehung der hauswirt- schaftlichen Lücke im privaten Bereich (Punkt 1) werden unter Punkt 2 und Punkt 3 deren globale Auswirkungen beschrieben. Punkt 4 artikuliert die Situation der moder- nen Haushaltshilfen in ihren verschiedenen Dimensionen. In Punkt 5 beleuchte ich die Normalisierung der Diskrepanz zwischen dem normativem Anspruch und den empiri- schen Gegebenheiten, aus welchem sich die Kritik gegenüber der Politik ableitet. Punkt 6 dient der Darstellung des strukturellen Dilemmas, das den Rahmen für die Auseinandersetzungen bildet und dennoch oft unbeachtet bleibt. Ein kurzes Fazit run- det die Studie ab.

1 Arbeitsteilung und die damit einhergehende Differenzierung zwischen öffentlichem und privatem Bereich

Um die mit dem Phänomen der häuslichen Schattenwirtschaft (vgl. Lutz 2002: 162) verbundene Problematik besser einordnen zu können, ist ein Blick auf die im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts erfolgte Arbeitsteilung hilfreich. Während die Produktionsweise der mittelalterlichen Ständegesellschaft dadurch gekennzeichnet war, dass ein Individuum alle zur Herstellung eines Produkts notwendigen Arbeits- schritte beherrschte und dieses sozusagen im Alleingang herstellen konnte, besteht das Charakteristikum moderner Erzeugnisse darin, dass sie arbeitsteilig gefertigt wer- den. Im Kontext dieser Veränderung wird Arbeit zu einem Medium1 (vgl. Bommes / Tacke 2001). Dies wiederum hat zur Folge, dass die Herstellung eines Produkts auf verschiedene Individuen verteilt werden kann, die in der Regel keiner besonderen Qualifikation bedürfen. So wird die Voraussetzung geschaffen für die Entstehung großer Produktionsstätten, welche die Verlagerung der Produktion aus dem häusli- chen Bereich in gesonderte Fabriken und Betriebe mit sich bringt. Damit vollzieht sich eine insbesondere mit Blick auf das Genderverhältnis folgenreiche Differenzie- rung zwischen öffentlichem und privatem Bereich, welche von Friedrich Schiller in seinem berühmten „Lied von der Glocke“ folgendermaßen beschrieben werden kann:

Der Mann muss hinaus
Ins feindliche Leben,
Muss wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muss wetten und wagen,
Das Glück zu erjagen. [...]
Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise, [...]
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer.2

Die Bemühungen um die Emanzipation der Frau machen deutlich, dass die angespro- chene Differenzierung zunehmend im Sinne einer hierarchischen Geschlechterord- nung begriffen wird.3 Diese Wahrnehmung hat ihren Ursprung hauptsächlich darin, dass die zumeist von Männern außer Haus verrichtete Arbeit durch Geld als generali- siertem Leistungsausgleichsmittel (vgl. Bommes / Tacke 2001: 75) kompensiert wird, ein Sachverhalt, der vor allem in Familien vor dem Hintergrund der anfallenden Haus- und Erziehungsarbeit zu einer finanziellen Abhängigkeit der Frau und damit indirekt zu einer Geringschätzung der im häuslichen Bereich anfallenden Aufgaben führt. Die öffentliche Thematisierung dieser Asymmetrie hat wohl auch aus diesem Grund nicht, wie erwartet, die gleichmäßige Verteilung der Hausarbeit zwischen den Geschlechtern bewirkt. Vielmehr hat die im Zuge der Emanzipation gesteigerte Er- werbstätigkeit der Frauen eine Lücke bei der Bewältigung alltäglicher Notwen- digkeiten hinterlassen.4 Umgekehrt sind mit den finanziellen Möglichkeiten durch die häufigen Doppelverdienste auch die Anforderungen im privat-häuslichen Bereich ge- wachsen. Dieser Tatbestand soll im nächsten Abschnitt näher beschrieben und in Be- zug gesetzt werden zu den damit verbundenen Implikationen auf der Ebene des globalen Arbeitsmarktes.

2 Die private Lücke und der globale Markt

Der durch die doppelte Berufstätigkeit von Lebenspartnern verursachten Lücke im privaten Haushalt wird auf vielfältige Weise begegnet, es kommen unbezahlte und bezahlte Akteurinnen zum Einsatz, von den Großmüttern über die Babysitterinnen aus der Nachbarschaft bis zu den Haushaltshilfen, welche zunehmend aus dem Ausland kommen (vgl. Rerrich 30.05.2007). Die Beschäftigung von Männern in diesem Be- reich stellt die Ausnahme dar. Damit wird die ursprüngliche Genderasymmetrie in neuer Weise fortgeschrieben. Gleichzeitig führt diese Entwicklung zu einer Differen- zierung unter den Frauen selbst, nämlich zwischen berufstätigen, privilegierten Frau- en auf der einen Seite und der recycelten Kategorie der Dienstmädchen5 auf der anderen.

Die steigende Nachfrage im häuslichen Bereich hat jedoch neben der Berufstä- tigkeit der Frauen auch noch andere Ursachen. Zum einen sind, wie erwähnt, die Qua- litätsstandards mit den Möglichkeiten mitgewachsen, „angefangen vom täglich fri- schen Hemd bis zu den hell gefliesten Bädern mit ihren Hochglanzarmaturen“ (Rerrich 30.05.2007). Zudem hat sich die pro Person verfügbare Wohnfläche seit 1950 fast verdreifacht.6 Auch die zunehmende Haltung von Haustieren erfordert Zeit und Pflege (vgl. Lutz 2002: 167). Die Kinderbetreuung sowie die häusliche Pflege von Familienangehörigen kann bei den vorhandenen Konstellationen ebenfalls immer weniger durch Eigenleistung erfolgen. Der Vergrößerung der Wohnfläche steht au- ßerdem eine Verringerung der Personen pro Haushalt gegenüber. Mehr-Generationen- Haushalte sind deutlich seltener geworden, Ein- und Zweipersonenhaushalte haben erheblich zugenommen (vgl. Rerrich 30.05.2007). Die durch die demographische Entwicklung bedingte steigende Zahl älterer Menschen führt ebenfalls zu einem wachsenden Hilfebedarf, dessen Finanzierung durch das insgesamt gestiegene Ein- kommen gerade dann möglich wird, wenn die in Anspruch genommene Hilfe bezahl- bar bleibt. Eben in diesem Punkt bietet das globale Angebot gegenüber dem Binnenmarkt neue, nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Demgegenüber existieren im Inland keine bezahlbaren, bedarfsgerechten Dienstleistungsangebote (vgl. Heubach 2002: 169).7

Die hier beschriebene Situation hat angesichts der weltweiten Ungleichverteilung der zur Lebensführung notwendigen Ressourcen bei gleichzeitiger Globalisierung des Arbeitsmarktes eine Art Sogwirkung zur Folge, welche vor allem Frauen aus Osteu- ropa und den so genannten Drittstaaten u.a. dazu veranlasst, nach Deutschland zu migrieren, um durch die Beschäftigung in einem deutschen Haushalt den Lebensun- terhalt für sich und die Familie im Herkunftsland zu verdienen. Rerrich bezeichnet diese Frauen deshalb wohl zu Recht als Global Players bzw. cosmobile Putzfrauen (vgl. Rerrich 30.05.2007). Die weltweite Feminisierung der Migration steht in engem Zusammenhang mit dem wachsenden Bedarf der Industrienationen im häuslichen Be- reich.

Die Migration dieser Frauen und Mütter hat über die lebensgeschichtliche Di- mension einzelner Individuen hinaus auch Auswirkungen auf das Kommunikations-und Konsumverhalten in den Herkunftsländern, eine Erscheinung, die Helma Lutz als Transnationalisierung von Lebensstilen interpretiert (vgl. Lutz 2002: 175-176). Die generalisierte Zuschreibung einer quasi-natürlichen Vorherbestimmung der Frau für häusliche Arbeit und Diskretion schreibt die Genderproblematik auf internationaler Ebene fort und macht die Migrantinnen zu Pionieren globalisierter Wirtschaftsbezie- hungen (vgl. ebd.: 171). In diesem Sinne stellt Gender als Determinante für Wander- bewegungen und diesbezügliche Netzwerke auch für die Migrationsforschung eine Herausforderung dar, die bislang weitgehend vernachlässigt wurde.

3 Global Caredrain

Auf den ersten Blick scheinen die Migrantinnen das traditionelle Rollenverständnis der Frau, deren Tätigkeitshorizont auf das häuslich-familiäre Umfeld begrenzt ist, fortzuschreiben. Ihre Fähigkeit, Haushaltsarbeiten kompetent erledigen zu können, wird ebenso wenig in Frage gestellt. Diese Vorstellungen hängen u.a. mit der generalisierten Zuschreibung von Armut und Bildungsferne gegenüber Frauen aus traditi onsverbundenen Ländern zusammen.

Offenbar wird dieses Klischee auch nicht erschüttert, wenn plötzlich eine junge Frau wie Carmen8 vor der Tür steht und um eine Stelle als Putzfrau nachfragt - im Gegenteil. Anstatt sich irritiert zu fragen, wie es eigentlich kommt, dass eine angeblich so traditionelle Frau wie sie ihren vermeintlich auf das Haus beschränkten Aktionsradius verlassen konnte, um vom anderen Ende der Welt allein nach Europa aufzubrechen, geht man selbstverständlich davon aus, dass sie sich schon auf alles Häusliche verstehen wird (Rerrich 30.05.2007).

Wie hier bereits angedeutet wird, handelt es sich bei den Migrantinnen um selbstbewusste und mutige Frauen und Mütter, welche zudem häufig eine berufliche Qualifikation mitbringen.9 Vor diesem Hintergrund impliziert die Abwanderung die- ser Frauen aus den Herkunftsländern einen so genannten Braindrain, d.h. die Subtrak- tion einer gebildeten Schicht. Obgleich die erworbenen Qualifikationen im Aufnahmeland in die Arbeit im Haushalt „in Form von Schlüsselqualifikationen wie Belastbarkeit, soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Frustrationstoleranz“ (Rerrich 30.05.2007) eingehen, bedeutet die Anstellung im Haushalt faktisch eine Bildungsverschwendung (Brainwaste). Grund dafür ist der Sachverhalt, dass die Ar- beit als Haushaltshilfe in Deutschland weit besser bezahlt ist als die Arbeit im eigenen Beruf im jeweiligen Herkunftsland. Rerrich erwähnt in diesem Zusammenhang, dass der Gesundheitsminister von Sambia darauf hingewiesen habe, dass im größten Krankenhaus des Landes 700 Schwestern fehlten.

„Das Krankenhaus arbeite mit 50 Prozent Unterkapazität beim Pflegepersonal, und eine Schwester müsse bis zu 40 Patienten versorgen. Rund 2 000 Krankenschwestern aus Sambia würden sich derzeit in Großbritannien aufhalten, wo die meisten von ihnen in Privathaushalten arbeiten“ (ebd.).

Auch eine geplante Gehaltserhöhung brächte keine Aussicht auf Erfolg, da die Bezahlung der Krankenschwestern niemals mit dem Verdienst von Haushaltshilfen im Ausland mithalten könne (vgl. ebd.). Für die Herkunftsländer der Migrantinnen ist deren Abwanderung insofern ein zweischneidiges Schwert, als sie einerseits die für den Fortschritt wichtigen Leute ans Ausland verlieren, andererseits jedoch von deren Rücküberweisungen profitieren.

Mindestens ebenso gravierend wie das angesprochene Phänomen des Braindrain ist der Tatbestand des Caredrain. Tatsächlich handelt es sich bei den modernen Haus- haltshilfen häufig um Mütter, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben, um mit dem Verdienst die Existenz und die Zukunft ihrer Kinder zu sichern. Die Haushalts- arbeit in der Ferne wird als vorübergehende Tätigkeit angesehen, die ständig vom Traum der Rückkehr begleitet ist, welche sich jedoch aus den verschiedensten Grün- den oftmals jahrelang hinauszögert. Die Kinder der Migrantinnen wachsen indes bei Verwandten oder in Internaten auf, oder sie werden ebenfalls durch eine bezahlte Kinderfrau betreut. Auf diese Weise entsteht eine Kettenbetreuung (Carechain, vgl. Lutz 2002: 177). Die Mutter tritt hierbei vor allem als Geldgeberin für die materiellen Notwendigkeiten der Familie und die Ausbildung der Kinder auf.

[...]


1 „Allgemein bezeichnen Medien ein Substrat für Formbildungen, durch die sie zugleich erzeugt und reproduziert werden“ (Bommes / Tacke 2001: 73). Arbeit wird demnach durch die Zerlegung in einzelne Arbeitsschritte zu einem Medium für stets neue Formbildungen.

2 Zitiert nach Rerrich 30.05.2007 (Auslassungen im Original).

3 Rerrich spricht von geschlechtshierarchischer Arbeitsteilung, vgl. ebd.

4 Lotte Rose sieht in diesem Phänomen zu Recht „ein ungelöstes, bislang erfolgreich privatisiertes strukturelles Problem - nämlich die Frage der Organisation der individuellen Reproduktion“ (Rose 2007).

5 Rerrich bezeichnet diese Kategorie als die „neue ‚heimliche weibliche Dienstbotenklasse‘“ (Rerrich 30.05.2007, innere Anführungszeichen im Original).

6 „Und solche Durchschnittswerte verdecken, dass viele gut verdienende Menschen noch deutlich größere Wohnungen haben - wobei die zahlreichen Zweitwohnungen und Wochenendhäuser gar nicht eingerechnet sind“ (ebd.).

7 Dennoch nehmen die einheimischen Pflegeeinrichtungen die wachsende Beschäftigung ausländi- scher Haushaltshilfen vielfach als Konkurrenz war. Betroffen seien vor allem die ambulanten Pflegedienste, bei welchen die Nachfrage ständig zurückgehe. In den Pflegeeinrichtungen mache sich die Anwesenheit der Haushaltshilfen dadurch bemerkbar, dass pflegebedürftige Menschen erst dann zur Betreuung in ein Heim gegeben werden, wenn es nicht mehr anders geht, wodurch sich die Einrichtungen mehr und mehr zu Sterbeheimen entwickelten. Vor dem Hintergrund die- ses Konkurrenzverhältnisses wird den privaten Haushaltshilfen häufig mangelne Professionalität vorgeworfen. Werner Ballhausen, der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, lässt diesen Vorwurf jedoch nicht gelten. Aus seiner Sicht darf man „die Tätig- keit der Osteuropäerinnen nicht an der Leistung professioneller Dienste messen, sondern müsse dies mit dem Engagement von Familienangehörigen vergleichen“ (Sattler 2005). Befürchtungen seitens der öffentlichen Pflegedienste bestehen auch in Bezug auf die anstehende Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie zum 28.12.2009, welche die „Unterstützungsdienste im Haushalt wie etwa Hilfeleistungen für ältere Menschen“ einschließt (vgl. Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L 376/36 vom 27.12.2006, Nr. 33). Seitens aktueller gesetzlicher Regelungen ist die Beschäf- tigung einer Haushaltshilfe zu Pflegediensten weder vorgesehen noch erlaubt, eine Anstellung ist nur zur Entlastung bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten gestattet (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2009b: 2).

8 Carmen ist der kodierte Name für eine junge Frau aus Ecuador, die in München arbeitet.

9 „Unter ihnen befinden sich Lehrerinnen, Studentinnen, Juristinnen, Ärztinnen oder Kranken- schwestern“ (Lutz 2002: 170).

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656958512
ISBN (Buch)
9783656958529
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299495
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)
Note
1,0
Schlagworte
Haushalthilfen Diskriminierung Globalisierung Arbeitsmarkt Caredrain Illegalität Migration Gesellschaft Soziologie

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Titel: Die gesellschaftliche Diskriminierung der häuslichen Arbeit und ihre globalen Folgen