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Der politische La Fontaine am Beispiel der Löwenfabeln

Hausarbeit 2004 14 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Forschungslage

2.Der politische La Fontaine: Hintergründe

3.Die Löwenfabeln: Eine allgemeine Typologisierung

4. Die politischen Löwenfabeln
4.1.Definition: Die politischen Löwenfabeln La Fontaines
4.2 La Fontaines Haltung gegenüber Louis XIV
4.3 La Fontaine und die Kriegspolitik

5.Inhaltliche und formale Analyse der Fabel "Le Lion s’en allant en guerre

6.Fazit / Schlussbemerkungen

7.Bibliographie
7.1. Primärliteratur
7.2 Sekundärliteratur

1.Einleitung:

1.1 Einführung in das Thema:

Jean de La Fontaine war ein Mensch, der sich sehr gut mit den sozialen und politischen Umständen seiner Zeit auskannte. Zeit seines Lebens interessierte er sich für die zeitgenössischen Geschehnisse und verkehrte in literarischen und politisch engagierten Kreisen: Nach der Verhaftung seines Mäzens Fouquet trat er in die Dienste der Herzogin von Orléans. Nach ihrem Tod wird Mme de la Sablière, Unterhalterin eines führenden Salons in Paris, seine Förderin. 1683 wird er in die „Académie Française“ gewählt, außerdem war er mit wichtigen Persönlichkeiten aus literarischen Kreisen in Paris befreundet.[1].

Das zentrale Thema dieser Arbeit werden die 3 politischen Löwenfabeln La Fontaines sein. Ich werde dabei die politischen Themen aufgreifen, die La Fontaine anspricht und genauer betrachten, wie diese dem Leser vermittelt werden.

Das erste Kapitel bietet einen Überblick über die politischen und gesellschaftlichen Umstände der Zeit, in der La Fontaine lebte. Zudem gibt es ein Einblick in die sozialen Kreise, in denen La Fontaine verkehrte, ein genaueres Bild von dem Menschen (nicht dem Dichter) La Fontaine. Dabei werden die Motive untersucht, die La Fontaine veranlasst haben, sich politisch zu äußern und zu engagieren. Diesem folgt der Versuch einer Typologisierung der Löwenfabeln in ihrer Gesamtheit mit darauffolgendem Schwerpunkt der politischen Löwenfabeln. Die folgenden Fabeln sind genau dieser Gruppe zuzuordnen und werden im Weiteren besprochen: „Le Lion“ (11, I), L’Âne vêtu de la peau du Lion“ (5, XXI) und „Le Lion s’en allant en guerre“ (5, XIX).

Im Folgenden geht es um die Frage, was Politik ist und wodurch sich die politischen Löwenfabeln als solche qualifizieren. Zwei wichtige Aspekte werden im nächsten Punkt näher betrachtet: Daraus resultiert in Kapitel 4 also eine genaue Untersuchung der Haltung La Fontaines gegenüber dem König, unter Berücksichtigung des historischen und biographischen Kontextes , sowie eine Untersuchung der Haltung La Fontaines gegenüber der zeitgenössischen Kriegspolitik. All dies soll nur auf den politischen Löwenfabeln La Fontaines basieren.

Im Anschluss wird die Fabel „Le Lion s’en allant en guerre“ inhaltlich näher betrachtet, dieses Mal unter Berücksichtigung der in Punkt 2 und 3 bearbeiteten Aspekte. Ich werde 2 Auslegungen dieser Fabel vorstellen: Zum einen diejenige, die von Jürgen Grimm und Jürgen Stackelberg in ihren Werken verbreitet werden und zum anderen die Interpretation, die ich im Laufe meiner Arbeit mit diesem Thema erarbeitet habe.

1.2 Forschungslage:

In der literaturwissenschaftlichen Forschung hat der politische La Fontaine einen hohen Stellenwert, allerdings wird das Thema meist nur unter Teilaspekten (z.B. der König, die Handelsfabeln, die Kriegsthematik) in einzelnen Kapiteln von Werken besprochen, die La Fontaine bzw. seine Fabeln in ihrer Gesamtheit untersuchen, wie z. B. bei Jürgen Grimm und Jürgen Stackellberg.[2] Vollständige Werke, die sich ausschließlich mit der Thematik der Politik in den Löwenfabeln befassen, gibt es wenige, wie zum Beispiel die von George Couton und Pierre Boutang[3]. Des Weiteren gibt es noch Aufsätze wie der von Wogue[4], die Aufschluss über den politischen La Fontaine in den Löwenfabeln geben. Über das präzise Thema dieser Hausarbeit gibt es konkret keine Literatur.

2. Der politische La Fontaine: Hintergründe

Ludwig XIV wird 1643 im Alter von vier Jahren König von Frankreich. Die Regentschaft übernehmen die Königinmutter Anna von Österreich zusammen mit dem leitenden Minister Kardinal Jules Mazarin bis 1661. Mit dem Tode Mazarins in dem selben Jahr, beginnt die Regentschaft Ludwigs XIV.

Durch seinen Onkel Jannart gelangt La Fontaine 1658 in die Kreise Nicolas Foucquets, dem Finanzminister Louis XIV. 1659 nimmt Fouquet ihn, wie schon vorher Corneille, Perrault und Molière auf seinem Schloss in der Grafschaft Vaux auf, wo er die Aufgabe des Hofdichters übernimmt.

Am 17. Juli 1661 veranstaltet Fouquet in Vaux ein Fest zu Ehren des Königs. 3 Wochen später lässt Louis XIV Fouquet verhaften. Abgesehen davon, dass La Fontaine ein Anhänger Foucquets war, stand La Fontaine nun ohne finanzielle Mittel da. Er wird bloßgestellt, weil er nicht für sich selbst aufkommen kann. Das Machtkalkül, das der König an den Tag legt, indem er sich feiern lässt, um dann einige Tage später den Gastgeber verhaften zu lassen, der bei ihm in Ungnade gefallen war, spiegelt sich oft in den Fabeln wieder (Bsp. La Génisse, la Chèvre et la Brebis, en société avec le Lion (1, VI)). Es ist auch bekannt, dass La Fontaine sich für den gestürzten Fouquet in seiner „Élégie aux Nymphes de Vaux“ und seiner „Ode au Roi“ einsetzte, was aber nichts bewirkte. Grimm vermutet, dass die Verhaftung seines Mäzens Fouquet und die darauffolgende Einsetzung Colberts der Auslöser für La Fontaine war, seine Fabeln zu schreiben. La Fontaine war in seinen Fabeln vor allem ein politischer Autor, der sich sehr für die Ereignisse seiner Zeit interessierte:

Unter Louis XIV werden der Feudal – und der Hochadel nach und nach entmachtet. Die Fronde[5] hingegen kämpft gegen die wachsende Macht des Königs an. Die Franzosen um 1650 hofften durch die Fronde, den Absolutismus[6] abzuschaffen, aber vor allem die Politik zu erneuern[7]. Nach Couton pflegen auch die Fabeln Gewohnheiten zu haben, die sehr denen der Fronde ähneln.

„La fable a des habitudes frondeuses, ou au moins irréverencieuses.»[8]

Nachdem die Fronde niedergeschlagen wurde, bilden die „Samedis de Mlle de Scudéry“ den geistigen und künstlerischen Mittelpunkt der Elite, woraufhin sich eine Salonkultur entwickelt. Der Salon von Mme de La Sablière ist wissenschaftlich orientiert und deshalb besonders beliebt und inspirierend für seine Besucher. La Fontaines Fabeln wären ohne den Salon von Mme de La Sablière undenkbar.[9]

Die Salons stehen literarisch und politisch in Konkurrenz zum dem Hof, deshalb will die Kulturpolitik sie ausschalten. Die Autoren, die wie La Fontaine aus dem Bürgertum stammen, verfügen über eine gute Bildung, leben aber dennoch zumeist in Armut. Das Mäzenatentum (wie es bei La Fontaine und Fouquet war) sichert ihnen ein kleines Einkommen. Durch seine Fabeln ist es La Fontaine möglich, seine Weltanschauung einem breiten Publikum zu präsentieren. In seinen Préfaces und Widmungen zu den Fabeln verteidigt und rechtfertigt er die Verwendung von Tieren, um Menschen darzustellen: «Je me sers d’Animaux pour instruire les Hommes» (À M. le Dauphin, Zeile 6) und «Les Animaux sont les Précepteurs (Lehrer) des Hommes dans mon ouvrage» (À M. le Duc de Bourgogne, s. 331). Die Fabeln sind auf der einen Seite moralisierend, auf der anderen Seite durch die Tierdarsteller amüsant und interessant für das Publikum. Der Löwe beispielsweise hat Charakteristika, die sowohl Menschen, als auch Tieren zu eigen sind. In seinen insgesamt 245 Fabeln, die er zwischen 1664 und 1694[10] schreibt, zeigt er skeptische Distanz gegenüber dem Hof und der Politik. Im Salon von Mme de La Sablière lernt La Fontaine die Philosophie von Epikur kennen, die Gassendi wieder aufgenommen hatte. In den Fabeln sind alle Themen vertreten, mit denen sich La Fontaine beschäftigt hat, z. B. Aufgaben und Grenzen der Monarchie, die Willkür des Herrschers, Krieg, Eroberungspolitik und Friedenssehnsucht. La Fontaine wird von Radouant nicht als jemand gesehen, der sich selbst darstellen will, sondern vielmehr jemand, in dem die Geschichte seiner Zeit steckt.[11] Eine grundlegende Idee La Fontaines ist: „L’humanité ne se distingue guère dans son comportement de l’animalité.»[12] Der Mensch ist für La Fontaine ein Tier unter Seinesgleichen, das dem Gesetz des Dschungels unterliegt und ihm nicht entkommen kann. Diese pessimistische Sicht der Welt, wird in all seinen Fabeln sichtbar.

[...]


[1] Vgl: http://www.bautz.de/bbkl/l/La_Fontaine.shtml

[2] Stackelberg, Jürgen. Die Fabeln La Fontaines. München: Fink, 1995. und Grimm, Jürgen. Le Pouvoir des Fables. Paris: Papers on French Seventeenth Century Literature, 1994

[3] Boutang, Pierre. La Fontaine politique. Paris: Éditions J.- E. Hallier/ Albin Michel 1981 und Couton, Georges: La Politique de La Fontaine. Paris: Société d’Édition «Les belles Lettres», 1959

[4] Wogue, J. «Les idées politiques et sociales de La Fontaine», in Revue bleue 71, 1933, S. 529- 533 und 558-562.

[5] „Die Fronde war ein Bündnis des Adels, des Parlaments und des Volkes gegen den Absolutismus im Frankreich des 17. Jahrhunderts.“aus: http://de.wikipedia.org/

[6] „ Unter Absolutismus versteht man eine Herrschaftsform, in der der Herrscher – hier Louis XIV uneingeschränkte Macht in seinem Land besitzt und "legibus absolutus", das heißt "losgelöst von den Gesetzen" regieren kann. Es besteht keine Gewaltenteilung.“aus: http://de.wikipedia.org

[7] Couton, Georges: La Politique de La Fontaine. Paris: Société d’Édition «Les belles Lettres», 1959. S.112

Zu dieser Zeit ist die städtische Verwaltung nicht die Reinste und La Fontaine misstraut jedem, der in jeglicher Machtposition steht. In der Fronde sehen die Franzosen das Versprechen, das Königreich wieder in Ordnung zu bringen und die Politik zu reformieren.

[8] Couton, Georges: La Politique de La Fontaine. Paris: Société d’Édition «Les belles Lettres», 1959, S. 108

[8] Couton, Georges: La Politique de La Fontaine. Paris: Société d’Édition «Les belles Lettres», 1959. S.112

[9] Vgl: Grimm,Jürgen.“Das klassische Jahrhundert“ in:ders.(Hg.), Französische Literaturgeschichte, Stuttgart: Metzler 1999. S. 141 „Die Salons sind freigeistig und weisen schon ins 18. Jahrhundert.“

[10] Vgl: Grimm,Jürgen.“Das klassische Jahrhundert“ in:ders.(Hg.), Französische Literaturgeschichte, Stuttgart: Metzler 1999S.!64

[11] Vgl: Grimm, Jürgen. La Fontaines Fabeln, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1976 (Erträge der Forschung)

[12] Vgl: Couton, Georges: La Politique de La Fontaine. Paris: Société d’Édition «Les belles Lettres», 1959. S.105

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638313322
ISBN (Buch)
9783638848312
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29953
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2
Schlagworte
Fontaine Beispiel Löwenfabeln Fabeln Jean

Autor

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