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Die Sozioökonomie von Sport

Eine Einführung in die Theorie der Sportwissenschaft

Fachbuch 2015 272 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Gliederung

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1.Einleitung

2. Die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Sport
2.1. Eine Einführung in die Sportsoziologie: Sport und Gesellschaft
2.1.1. Die gesellschaftliche Perspektive der: Makroebene
2.1.2. Die organisationsinterne Perspektive: die Mesoebene
2.1.3. Die Handlungsebene im Sport: Die Mikroebene
2.1.4. Sport als soziales Handlungsfeld
2.2. Das Image des Sports als ökonomische Variable
2.3. Sport und Wirtschaft: Die Sektoren Sportökonomie und Gesund-heitswirtschaft
2.3.1. Sportökonomie und Gesundheit
2.3.2. Sportökonomie und Tourismus
2.4. Die Geschichte der Sportökonomie und Sportvermarktung
2.4.1. Sportkonsum als ökonomischer Faktor im Marketing
2.4.2. Streetball - Analyse eines Trendsports: Perspektive, Kommerzialisierung und Olympische Disziplin
2.5. Clubs als Wirtschaftsunternehmen – am Beispiel Fußball

3. Olympische Spiele der Antike, der Neuzeit und die Olympischen Jugendspiele
3.1. Die Geschichte der Olympischen Spiele
3.2. Die Panhellenische Sportfeste
3.3. Die Olympischen Spiele der Neuzeit
3.4. Die Olympischen Jugendspiele

4. Der DOSB Organisation und Sportinstitutionen
4.1. Die Organisation von Sport in Deutschland
4.2. Sportorganisationen: Institutionen, Verbände und Aufgaben-bereiche
4.3. Das Doping – Dilemma, Problematik und Prävention

5. Spitzensportler – Berufung oder Traumberuf?

6. Schlusswort

Literaturangaben und Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Internetadressen/URL, Quellenangaben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Systemische Perspektive: Subsystem Sport und Subsysteme der Gesellschaft, Darstellung: K. Damm-Volk

Abbildung 2: Verflechtung von Sport, Politik und Wirtschaft

Abbildung 3: Graphik der Handlungsfelder des Menschen nach dem Philosophen Eduard Spranger, ergänzt durch A. Fendrich in 1914;

Abbildung 4: Entwicklung der Mitgliederzahlen der Jugendlichen unter 18 im Tennis während der Erfolge Graf/Becker ;

Abbildung 5: Aggregiertes Konsummuster der SPORTINTERESSIERTEN Bevölkerung in Deutschland, „realistisches Modell“

Abbildung 6: Aggregiertes Konsummuster der SPORTLICH AKTIVEN Bevölkerung in Deutschland, „realistisches Modell“

Abbildung 7: Das Logo der DSM

Abbildung 8: Die Entwicklung der Finanzierungsform der Olympischen Spiele

Abbildung 9 : Darstellung: K. Damm-Volk nach Zahlen von http://www.sponsors.de/Vocatus-Studie 2007

Abbildung 10: Sponsoring-Volumen im Jahr 2012 in Sport, Medien, Public und Kultur

Abbildung 11: Kostenentwicklung der Übertragungsrechte bei Olympischen Spielen

Abbildung 12: Organisation der FIFA und ihrer Mitglieder und die Organisation des DFB;

Abbildung 13: Organisation der Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga

Abbildung 14: Griechische Vase mit Läufern

Abbildung 15: Die Stätten der panhellenischen Spiele

Abbildung 16: Leonidas von Rhodos

Abbildung 17: Titelblatt der Berichterstattung der ersten neuzeitlichen Spiele in Athen

Abbildung 18: Die Ringe auf der Olympischen Flagge

Abbildung 19: Titelblatt der Originalen Noten der Olympischen Hymne

Abbildung 20: Offizielles Pressephoto von YOGGL, dem Maskottchen von Innsbruck 2012

Abbildung 21: Auszuge aus dem CEP-Programm der Olympischen Jugendspiele S. 3

Abbildung 22: Organigramm des Bundesinstituts für Sportwissenschaft

Abbildung 23: Historische Entwicklung der Sportorganisation in der Bundesrepublik

1.Einleitung

Bei der Betrachtung des gesellschaftlichen Bereichs Sport sind Analysen sinnvoll, die Verflechtungen mit Psychologie, Medizin, Politik und Wirtschaft aufzeigen. Strukturierung entsteht aus Formalisierung, die es erlaubt Beziehungen zu erkennen und zu analysieren. Diese Perspektiven erlauben einen Blick auf Sportorganisation, die seine Bedeutung in erheblichem Maße mitbestimmen.

An der Geschichte des Sports sind viele kulturelle Strömungen von Völkern und Stämmen beteiligt. Gemeinsam war ihnen das Bedürfnis nach Spielen und Bewegung, das im Menschen verwurzelt ist und biologische Ursprünge hat. Die Erforschung des menschlichen Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems sind wissenschaftliche Themen, die das Phänomen Sport und Bewegung bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Dieser Teil der Evolution wird von Ethnologen, Biomechanikern, Biologen und Sportanthropologen wissenschaftlich untersucht. „Der Sport treibende Mensch steht zwar im Mittelpunkt der Sportanthropologie. Gleichwohl wäre eine nur individuelle Perspektive unvollständig. Sie ist deshalb durch soziale, historische und kulturelle Aspekte von Spiel, Sport und Bewegung zu erweitern.“ (Omno Gruppe, 2003, S. 506.)

Sport hat emotional bipolare Komponenten, die charakterisiert sind durch Sieg und Niederlage, Freude und Enttäuschung, Spannung und Erleichterung, Angst und Wut, Zuversicht und Zweifel, Status und Statusverlust, Motivation und Verzweiflung. In keinem anderen Bereich sind Emotionen stärker ausgeprägt, ist der Antagonismus, stärker.

Das intensive sportliche Training ist für Sportler eine physische und psychische Belastung und Beanspruchung, die das vegetative Gleichgewicht1 und die Physis erheblich beeinflussen. Im Sport lässt man sich auf nicht vorhersagbare Situationen ein, die extrem sein können, denn der Verlauf sportlicher Handlungen ist selten steuer- oder planbar.

Erlebnisse im Sport können belastend bis traumatisch sein oder aber einmalige Glücksmomente bescheren. Negative Erlebnisse oder ein großer sportlicher Erfolg müssen realisiert und verarbeitet werden. Sportler leben in einer permanenten Ungewissheit, ob sie ihr gesetztes Ziel erreichen werden und die Leistung erbringen können, für die sie monatelang trainiert haben. In den Medien wird nur der Wettkampf als eine kurze Zeitspanne gezeigt auf die sich alles komprimiert. Die lange Vorbereitungsphase wird ausgeblendet. Sport in den Medien ist das Abbild eines relativ kurzen Ausschnittes, eines Fragments aus einem Ganzen. Eine große Anzahl von Sportlern und Sportinteressierte lassen sich darauf ein. Daher sind auch die Theorie, Hintergründe, seine Geschichte und Entwicklung in der Zukunft von Interesse und Bedeutung. 2

Sport ist ein gesellschaftlicher Bereich des ganzen Systems mit Facetten und unterschiedlichen Dimensionen, der nur dann eingeschätzt werden kann, wenn eine kritische Sichtweise entwickelt wird. Das geflügelte Wort ...“die Kehrseite der Medaille“ hat immer aktuelle Bedeutung. Sport ist verflochten mit gesellschaftlichen Bereichen. Die Systematisierung lässt eine übersichtliche und geordnete Betrachtung zu. Die soziologische Perspektive teilt die gesellschaftlichen Bereiche in Systeme:

„Jedes dynamische System, gleichgültig, ob es sich um technische, biologische oder wie in diesem Fall soziale Systeme handelt, ist gekennzeichnet durch seinen Spezifischen Aufgabenbereich (Systemfunktion), die Art und Anzahl seiner Element und der zwischen ihnen bestehenden Verknüpfungen (Systemstruktur) seine Beziehung zu anderen Systemen (Systemumgebung), die Art und das Ausmaß der im Rahmen seiner Stabilitätsgrenzen möglichen Veränderungen und seiner Entwicklungsgeschichte und – perspektive in Abhängigkeit von den Einflüssen, denen ein System ausgesetzt war, bzw. noch ausgesetzt werden wird. (Systemgenese)“

( H. Gabler, H., Nitsch, J., Singer, R., 2000, S. 65)

Die Bereiche sind Subsysteme, die in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen und ineinander intervenieren. Die systemtheoretische Aufgabe des Sports ist eine andere als die der Wirtschaft und die der Politik. Diese Zusammenhänge und strukturelle Verflechtungen werden in Kapitel 2 und 4 erläutert.

Die soziologische Perspektive des gesellschaftliche System Sport, seiner Strukturen und Verflechtungen, erfolgt auf drei Ebenen:

Makroebene: Sport wird als gesellschaftliches Phänomen mit Verflechtungen zu anderen Systemen betrachtet.

Mesoebene: Die Ebene der Vielzahl von Organisationen und Institutionen des Sports und ihre Netzwerke.

Mikroebene: Dies ist die Handlungsebene von Sportfunktionären, Sportlern, Trainern, Sportmedizinern, Sportlehrern und Schülern. Individuelle Handlungen werden analysiert und untersucht.

Nun ist es ein Gebot der Wissenschaft das Phänomen oder den Gegenstand der betrachtet wird zu beschreiben und zu definieren.

Was bedeutet der Begriff Sport? Sport ist ein international verbreitet Begriff. Was ist unter dem Begriff Sport und Sportlichkeit zu verstehen? Der allgegenwärtige Begriff und seine Verwendung bergen eine ausufernde Begrifflichkeit von sportlich und Sportlichkeit. Eine Abgrenzung und Definition ist daher notwendig.

Es gibt eine Vielzahl von Themen, um das Phänomen des Sports zu erklären. Intention des Buches ist, Einblicke in sozioökonomische Thematiken zu vertiefen, Zusammenhänge aufzuzeigen und für zukünftige Entwicklungen zu sensibilisieren.

Dazu gehört auch, den gesundheitliche Aspekte aufzugreifen. Sportoekonomie umfasst neben der Sportvermarktung auch die Ökonomie der Gesundheit. Der Umgang mit Körper und Seele wird von Freizeit- bis in den Spitzensport thematisiert. Die Physiologie, die umfasst die chemischen und biologischen Vorgänge im Körper umfasst, wird positiv beeinflusst. Gesundheit ist ein wertvolles Gut. Die Grundlage dafür kann bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt werden. Wenn sich das Interesse am Sport früh entwickelt, stehen die Chancen gut, dass man dauerhaft aktiv - hoffentlich ohne Verletzungen - bleibt und Sport zu einem Teil des Lebens wird. Die Entscheidung das Training intensiver zu gestalten führt an Leistungssport heran. Es gibt viele Determinanten, die darauf Einfluss haben. Im Mittelpunkt steht jedoch immer der Sportler.

Das Buch stellt eine Vielzahl von Organisationsformen im Sport vor, die Sport auf allen Leistungsebenen stattfinden lässt. Spitzensport wäre ohne Organisationen nicht möglich. Sport kann privat, im Verein und oder Club ausgeübt werden. Sportvereine gehören einem Sportverband an, der wiederum ist in dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert. Diese Dachorganisation wird in Kapitel 4 vorgestellt. Die Geschichte des Sports wird geprägt durch die Geschichte der Olympischen Spiele, Inhalt von Kapitel 3.

Sport ist ein gesellschaftlicher Bereich, in dem sich ein differenziertes Berufsfeld etabliert hat. Die Entwicklung der gesellschaftlichen Sportbewegung erlaubt die Möglichkeit Sport zum Beruf zu machen. Sport bietet einen etablierten Arbeitsmarkt. Sportmediziner, Sportwissenschaftler, Sportpsychologen, Sportökonomen und Sportpädagogen sind akademisch ausgebildete Spezialisten, die an der Universität ein Studium absolviert haben und Fachwissen im Sport erlangt haben. Die Leistungsebenen im Sport erfordern linear die immer höhere Qualifikation eines Trainers und Betreuers. Je höher die Leistungsebenen sind, desto qualifizierter ist der Trainer. Im Hochleistungssport sind professionelle Spezialisten tätig, die ein Wissen und Erfahrungspotential haben, das über Jahre gewachsen ist. Es gibt viele ehemalige Spitzenathleten, die nach Beenden ihrer aktiven Laufbahn wichtige Funktionen im Sport besetzen, Sportfunktionär werden oder junge Nachwuchssportler trainieren. Es gibt ein differenziertes Berufsfeld, das in den verschiedenen Kapiteln erläutert wird.

Die Sportökonomie steht als Disziplin für die wirtschaftliche Entwicklung im Sport. Der Sportmarkt hat wirtschaftliche Strukturen und funktioniert nach Marktgesetzen. Sport kann konsumiert werden. Er ist ein Gut, das als Produkt verkauft wird. Von den 1.423 Milliarden Euro Gesamtkonsum der Haushalte waren 138,6 Milliarden für den Sport, das sind immerhin 9% (Preuss, Alfs & Ahlert 2012, S. 9). In Deutschland sind zwei große Weltkonzerne, die alles rund um den Sport bis in den Profibereich anbieten. Konsumenten kaufen Sportmedien, Karten für Sportereignisse, sportliche Kleidung und Produkte, die mit Sport werben und im Alltag zu finden sind. Sportkleidung ist modern und wird als Statement auch von Nicht-Aktiven getragen. Die Buchung einer Ski-Reise ist z. Bsp. auch Konsumieren von Sport. Der Jahresumsatz im Sport lag Anfang der 50ger Jahre bei 3,36 Mrd. DM und 1993 bei 50 Mrd. DM. Die registrierten 82.000 Vereine erwirtschaften 5-6 Mrd. DM. 15.000 Sportwirtschaftsobjekte erwirtschaften 30 Mrd. DM im Jahr. (Die Zahlen sind entnommen aus Sportwissenschaft Bd. 81).

2013 sind es lt. Bestandserhebung des DOSB 90.784 Vereine. Die Zahl der organisierten Sportler in Deutschland ist relativ konstant geblieben. Zurzeit sind ca. 34,4 % der Bevölkerung Mitglieder in einem Sportverein.

Die andere Seite in der Sportökonomie ist der Bereich Sport, indem Menschen Geld für ihre sportlichen Leistungen bekommen. Der Arbeitsmarkt Sport und der nationale und internationale Spitzensport sind die zwei Seiten des Sportmarktes. Er ist dual.3

Berufssportler sind Spitzensportler, die spezialisiert sind auf ihre Sportart. Ihre Leistung ist so herausragend, dass sie ihr Talent zum Beruf machen können. Abhängig von der Popularität der Sportart in ihrem Land können Profisportler im Fußball, im Tennis oder im Golfsport sehr gut verdienen.

Die Prämien für die Fußballnationalspieler betrugen 2014 für den Weltmeistertitel 300.000 Euro pro Spieler. Ihr Talent, das angeborene sportliche Potenzial, wurde früh entdeckt und gefördert. Und diese Fähigkeiten sind ungleichmäßig verteilt und setzen das Gleichheitsprinzip außer Kraft (vgl. A. Krüger, 2000, S. 1).

Talent, Förderung und Motivation sind die wichtigsten Faktoren im Leistungssport. Sie bilden die Basis für hochgesteckte Ziele. Ab einer bestimmten Leistungsebene wird ein Sportler vom Staat finanziell unterstützt. Er erhält ebenso Verträge von Sponsoren, für die er Werbung macht. Die staatliche Förderung erfolgt durch die Deutsche Sporthilfe. Diese Thematik wird aufgegriffen in Kapitel 4 (der DOSB und ihm nahestehende Organisationen). In dem kurzen Zeitraum, innerhalb dem ein Spitzensportler hoch bezahlte Werbeverträge erhält, kann er finanzielle Rücklagen schaffen, von der er nach seiner sportlichen Karriere leben kann.

Kostenintensive Sportarten verlangen ein größeres Budget als kostengünstige. Die Badehose kostet nur ein Bruchteil von einer Skiausrüstung. Die Investitionen von Geld für Ausrüstung und Reise sind Voraussetzung zum Ausüben von Sport, wie z.B. das Surfen oder Skilaufen. Bei einigen Sportarten ist die geographische Voraussetzung ein Muss, bei anderen genügen die Sporthallen und der Sportplatz vor Ort in der Gemeinde und Stadt.

Das Elternhaus kann ebenfalls ein Grundstein zum aktiven Sport legen. Sportlich aktive Eltern können ihre Kinder an Sport heranführen. Es wird deutlich, dass das Thema Sport sehr viele Bereiche und Facetten hat. Sport macht Sinn. Je mehr Menschen Sport treiben, desto mehr differenziert sich der Sinn.4

Es erfolgt ein Blick in die Antike auf die Geschichte der Olympischen Spiele. Das Eintauchen in die Vergangenheit des bedeutendsten sportlichen Weltereignisses unterstreicht die Bedeutung von Sport als Teil der von Gesellschaften rund um den Erdball. Viele Nationen und Völker nehmen in friedlichem Konsens an den Spielen teil. Sie akzeptieren ein gemeinsames Reglement, um sich auf friedliche und geregelte Art und Weise miteinander zu messen. Für einen sportlichen Erfolg ist es nicht bedeutend, welche Hautfarbe ein Athlet hat, welcher Religion er angehört und welche Nationalität er hat.

In welchem Alter kann mit Leistungssport und speziellem Training begonnen werden? Ausdauer, Kraft, Koordination5 und Bewegungsabläufe sind Grundvoraussetzungen im Sport. Sie bilden die Basis für die Leistungsfähigkeit in den Disziplinen. In der Sportwissenschaft wird die Thematik Leistungssport und Alter diskutiert. Es gibt unterschiedliche Meinungen und eine Vielzahl von Studien. Dem Begriff Gesundheit wird in diesem Zusammenhang ein wichtiger Stellenwert eingeräumt. Viel Training hilft nicht immer viel. Die Qualität ist entscheidend. Übermäßige sportliche Belastungen können orthopädische Erkrankungen begünstigen. Gelenke werden strapaziert, Muskeln verkürzen sich und Knochen können sich durch starke einseitige Belastungen verformen.

Es gibt Stimmen, die die Meinung vertreten, dass zwei Stunden Schulsport pro Woche nicht ausreichen. Falsche Haltung, Übergewicht und mangelnde Ausdauer können Anzeichen von Bewegungsmangel sein und zu chronischen Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Je intensiver man sich mit Sport beschäftigt, umso mehr lernt man ihn zu begreifen. Die Ambivalenz des Sports, wie A. Fendrich (1869- 1949) es formuliert „das der Sport weder gut noch böse sei - erst der Mensch mache ihn dazu“ und „Der Sport wird immer nur das sein, was der Mensch daraus macht“ ist nach E. Meinberg (2006, S. 69)6 eine zu schätzende Einsicht. Die an die Grundthese von Jean Jaques Rousseau erinnernde Aussage hinterlässt Nachdenklichkeit. Wo steht der Sport heute?

Sportliche Siege und Wissenschaft haben ein wesentliches Merkmal gemeinsam. Sie haben nur vorläufigen Charakter. Der Sportler sucht und stellt sich immer wieder dem Vergleich, die Wissenschaft muss immer wieder „erneut getestet und in neuen Zusammenhängen geprüft werden.“ (H. Kromrey, 1991, S, 15).

Aufgrund des gesellschaftlichen Stellenwerts von Sport entwickeln sich immer mehr Facetten. Sport verändert seine Strukturen, wie sich auch die Gesellschaft verändert.

Sport ist im Sinne einer Policy-Sociology auch Rezeptor von Ethik, Politik, Justiz, Medizin und internationaler Verständigung.7 Der Leitgedanke der vorliegenden Arbeit ist die wirtschaftssoziologische Betrachtung des Sports und seinem Anspruch an Autonomie, die im Leitgedanken der DOSB verankert ist.8 Als Instrument dieser Betrachtung findet die Allgemeine Systemtheorie in ihrer „interdisziplinäre Universalität“ Anwendung um soziologische Phänomene in ein Ordnungsraster zu transferieren.9

In diese Themenvielfalt taucht die vorliegende Arbeit ein und wendet sich Sport zu.

2. Die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Sport

2.1. Eine Einführung in die Sportsoziologie: Sport und Gesellschaft

Die Sportsoziologie greift Zusammenhänge im Sport mit gesellschaftlich systemrelevanten Bereichen auf. Die Sportsoziologie sieht Sport als Teil eines Gesellschaftssystems. Sport ist gesellschaftliches Gut und verflochten mit Politik, Ökonomie, Bildung und Kultur. Diese kooperierende Beziehung ist gekennzeichnet durch direkte Reaktionen der Sportorganisationen auf nationale oder internationale Ereignisse und durch Nachhaltigkeit. Die gesellschaftlichen Zusammenhänge unterliegen Wandel und Veränderung. Entwicklungen im Sport sind abhängig von seinen Funktionen und seiner Bedeutung, die geprägt ist von der Polarisierung gesellschaftlicher Systeme. Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich wie in der Politik, verändert auch Sport und Sportpolitik. Wandel in Wirtschaft bedeutet Wandel in Sport und Sportökonomie. Zusammenhänge in Systemen haben synchronen Charakter.

„Similarly a specialist who works with the growth concept – wether the crystallographer, the virologist,…., the psychologist, the sociologist or the economist- will be more sensitive to the contributions of other fields, if he is aware of the many similarities of the growth process in widely different empirical fields“10

Eine Demokratie hat ein demokratisches Sportsystem11. Die politische Stabilität eines Systems korreliert mit dem Erfolg bei Olympischen Spielen. Die Wirtschaftskraft eines Landes steht in Korrelation zur Olympiateilnahme und dem Olympiaerfolg eines Landes (vgl. K. Heinemann, 1995, S.184ff).

Durch die Verflechtungen der Bereiche untereinander findet eine Regulation statt. Es sind die Perspektiven, Korrelationen und Fragestellungen, die die Heterogenität12 des gesellschaftlichen Bereichs Sport ausmacht. Entwicklungen in Sport und Politik, Wirtschaft und Bildung und die Organisation von Sport sind reziprok verlaufende Prozesse des Angleichens an gesellschaftlichen Wandel und Veränderung. Es gibt Interventionen von Politik und Wirtschaft in den Bereich Sport. Sport ist nicht nur kompetitiver Wettkampf. Sport kann als politisches Instrument wirken. Diese Instrumentalisierung erfolgte zur Zeit des internationalen Ost-West-Konflikts von der Nachkriegszeit bis Ende der Sowjetunion 1991. In der Gegenwart tritt die Ökonomisierung des Sports in den Vordergrund. Die schnelle und massive Ausweitung wirtschaftlicher Strukturen im Sport haben die Diskussion um politische Instrumentalisierung und die damit verbundenen Entwicklungen und Problematiken dieser Thematik verdrängt.13 Es herrscht in der Sportwissenschaft Einigkeit darüber, dass die Sportbranche und ihre Beziehungen wirtschaftswissenschaftlichen Interessen folgt (vgl. Trosien, G., 2003, S. 143)

Sport hat zahlreiche Facetten. Sport hat soziale, ökonomische, politische, sozioökonomische und medizinische Funktionen. Zu Sport werden die Begriffe wie Gesundheit, Wohlbefinden, Bildung und Kultur assoziiert. Sport hat eine historische Entwicklung von der Antike bis in die Gegenwart durchlaufen. Sein Handlungsfeld wird mit Regeln und Normen strukturiert und organisiert.

Das Mittelalter (etwa 6. – 15. Jahrhundert) war gekennzeichnet durch Handel. Der Warenhandel der Völker und Kreuzzüge führten um 1100 zu einem kulturellen Austausch untereinander. Der Charakter der friedlichen Kämpfe war durch das Prinzip des miteinander Messens gekennzeichnet und entsprach schon ein wenig dem modernen Verständnis von Sport. Bereits im 9. Jahrhundert gab es das Polospiel in Persien, das seinen Ursprung im römischen Circus-Spiel hatte und schon in den Hippodromen der Antike stattfand. Überlieferungen von „Männervergleichen“ wurden in Felsritzungen und Bildsteinen gefunden. Die Disziplinen waren Reiten, Bogenschiessen, Tanz und Speerwerfen. Aufgrund nur weniger Quellen und Überlieferungen können keine Aussagen über Einflüsse der Stämme auf die Körperkultur der jeweils anderen gemacht werden. Vielmehr gab es typische regionale Besonderheiten und Formen von Wettkämpfen, wie zum Beispiel im Skilaufen und Kanufahren.

Im Mittelalter wurden in Frankreich die ersten Ritterturniere gefeiert. Ritter übten sich im Reiten, Fechten, Schießen und Ringen, um ihre Kampftüchtigkeit zu erhalten. Die Turniere erfreuten sich als „Sportevents“ großer Beliebtheit. Sie wurden durch Turniergesellschaften organisiert und mit einem Wettkampfsystem durchgeführt. In Nordeuropa, in Island, gab es „Vergleiche“ körperlicher Kraft und Geschicklichkeit. Diese teils groben Wettkämpfe werden bereits in nordgermanischen Sagen beschrieben. Die Leibesübungen und Wettkämpfe deuteten schon damals auf eine Vielfalt der Bewegungsformen hin.

An den königlichen und kaiserlichen Höfen wurden Ballspiele durchgeführt. Ein beliebtes Spiel war das jeu de paume, wobei man einen Ball mit der offenen Hand an die Wand schlug. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein Rückschlagspiel bei dem Schläger verwendet wurden. Der Vorläufer des Tennissports war geboren.14 Die sportlichen Spiele dienten der Bewegung, der Unterhaltung und des Freizeitvergnügens. In Frankreich und England etablierte sich dieser Sport weiter.

Im 16. – 17. Jh. entstanden in England, Deutschland und schließlich in ganz Europa Ballhäuser mit Zuschauerrängen. In Klöstern wurden Leibesübungen unterrichtet, die der Entspannung vom geistigen Lernen dienen sollte. Das Volk „erging“ sich im Mittelalter im Schießen mit der Armbrust und der Büchse. Es entstanden Schützenhäuser und Gilden. Diese Sportart diente auch den Schießfertigkeiten für die militärische Sicherheit von Städten. Es wurden Wettkämpfe im Ringen, Springen, Laufen und Steinstoßen durchgeführt. Für den Adel wurden Badehäuser und Fechthäuser gebaut. Akrobaten boten für ihren Broterwerb Bewegungskünste zur Unterhaltung und zum Bestaunen an. Die frühzeitliche bis mittelalterliche Sportbewegung hatte bereits viele Erscheinungsformen und Disziplinen.

Der moderne Sport ist gekennzeichnet durch Organisation, Institutionen, und internationales Regelwerk. Die Namen und Begriffe Deutscher Olympischer Sportbund, Bundesliga, Sportmannschaft, Fußball, Sportschau, Basketball, Spitzensportler, Sportverein, Doping, Fanartikel, Zuschauer, Sportförderung, Sportministerkonferenz, Olympische Spiele, populäre Sportlernamen und Schulsport sind allgegenwärtig. Zusammenhänge werden deutlich, die Sport und seine Bereiche formen. Themen zu Sportmarkt, Sportorganisationen, Spitzensportlern, physischen und psychischen Anforderungen im Leistungs- und Hochleistungssport und Fragen über Zusammenhänge von Sport, Wirtschaft und Politik sind Indikatoren für eine Vielfalt an Themen. Sport hat gesellschaftliche Funktionen. Fragestellungen dazu suchen Antworten in unterschiedlichen Wissensfeldern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Systemische Perspektive: Subsystem Sport und Subsysteme der Gesellschaft, Darstellung: K. Damm-Volk

Die Aufgabe der Soziologie ist, Gesellschaft zu untersuchen und Zusammenhänge von Phänomenen zu finden. Gesellschaftliche Bereiche sind Politik, Wirtschaft, Sport, Gesundheit, Kultur und Kunst. Soziologie untersucht Entwicklungen, stellt Prognosen für Veränderungen und erkennt Ursachen für gesellschaftlichen Wandel. Die Gesellschaft wird in Systeme mit Funktion unterteilt. Dazu muss eine Ordnung geschaffen werden: "Das Verhältnis zwischen Teil und Ganzem ist das Leitthema der allgemeinen Systemtheorien" (H. Wilke, 1991, S. 101, vgl. N. Luhmann, 1971, S. 113f).

Diese Sichtweise wird innerhalb der Soziologie und Sportsoziologie als systemisch bezeichnet. Es ist eine Bedeutungs- und Funktionszuweisung von gesellschaftlichen Bereichen. „Ein System bildet ein in sich gegliedertes einheitlich geordnetes Ganzes mit einer gewissen Abgrenzung zur Außenwelt hin“ (K. Hillmann, 1994, S.43). Diese Sichtweise baut auf der Allgemeinen Systemtheorie auf, die von dem Soziologen Niklas Luhmann (1927 – 1998) geprägt wurde und immer weiter entwickelt, modifiziert und neu angewendet wurde.15 Eine Kernthese der Systemtheorie ist, dass die Subsysteme durch eindeutige "Sinngrenzen" definiert werden (vgl. E. Buß, 1985, S. 76). 16

Das System Sport hat einen anderen Sinn als das System Wirtschaft oder das System Politik.

Wirtschaft ist ein Subsystem von Gesellschaft. Es hat die Funktion des Handelns und Tauschen von Gütern. Das System Politik hat die Funktion, Gesellschaft zu ordnen, Einfluss zu nehmen auf Forderungen, gesellschaftliche Ziele und Frieden und Macht zu gestalten.

Die Systembereiche haben Schnittstellen. Das sozioökonomische Potenzial von Sport wird durch wirtschaftliche Strukturen generiert. Sportökonomie und Sportsoziologie untersuchen diese Zusammenhänge auf verschiedenen Ebenen. Gesundheit trägt bei zum Wohlbefinden des Einzelnen. Die Gesundheit der Bevölkerung ist ein gesamtgesellschaftlicher ökonomischer Faktor, denn Gesundheit versetzt Menschen in die Lage physische, psychische und soziale Anforderungen zu bewältigen. Sport begleitet die Menschheit ewig und wird durch ihre Kreativität immer wieder neu erfunden, modifiziert und verändert. Der amerikanische Psychologe Mihaly Csikzentmihaly von der Universität Chicago hat bereits 1970 in einem Projekt untersucht, warum Sportler ihre Aktivität befriedigend finden und festgestellt, das Spielen und Sport, Angst reduzieren kann und die Kreativität des Menschen fördert.17

Die Sportsoziologie befasst sich mit der gesellschaftlichen Dimension von Sport und definiert Subsysteme: Spitzensport, Leistungssport, Freizeitsport18 und Gesundheitssport. Die systemische Betrachtung ist jedoch nicht das rigide Bild in der Realität. Diese theoretische Perspektive erlaubt Ursachen, Zusammenhänge und Entwicklungen zu untersuchen bzw. vorherzusagen. Die Begrenzung von Sportbegriffen ist ein theoretisches Konstrukt, das ein möglichst genaues Abbild der Wirklichkeit schafft. Die systemische Betrachtung von Spitzensport kennzeichnet sein signifikantes Merkmal:

Spitzensport ist eindeutig vom Gesundheitssport zu unterscheiden. Es gilt der Code win/loose: …“a subsystem’s autonomy consists in the primacy of its own central value or binary code as the evaluate standard which guides all operations within the subsystem…..Let me now specify these general concepts for modern sport! It is one of the functionally differentiated societal subsystems. Its binary code is „win/lose“(U. Schimank, 2005, S. 3).19 Schon E. Emrich (1996) wies auf die Dominanz dieses Siegescodes hin. Andere Systeme nehmen Einfluss auf Orientierungen im sportlichen System.20 Der Sportsoziologe K.H. Bette (1989, S. 277) hebt das Siegen-Wollen als rigoros ausgeprägt hervor und wertet es als Demonstration der Leistungsüberlegenheit (ebenda S. 188).

Ein Anliegen von Sportsoziologen ist, dass Sport in seiner Bedeutung reflektiert wird. Das heißt, der Begriff wird wissenschaftlich definiert und abgegrenzt, um Sport in seiner Bestimmung und Bedeutung wahrzunehmen, Einflüsse zu erkennen und Entwicklungen vorhersagbar zu machen. Die Vielfalt von Bedeutungen wofür der Begriff Sport steht, vermittelt deutlich diese Problematik. Sport ist heterogen aber nicht auf alle Meinungsgegenstände anwendbar.21 Dies ist auch nicht der Anspruch der Sportsoziologie. Das Phänomen ist jedoch in dieser Sichtweise in vielen Köpfen verankert und wird im Allgemeinen auch akzeptiert. Bei der Suche nach Begrifflichkeit und dem Eintauchen in das System Sport, wird ein kritischer Blick entwickelt. Begriffe im Sport bekommen Bedeutung und definieren einen spezifischen Gegenstand.

Sport hat besondere soziale Funktion, die eine humanistische Aufgabe erfüllt. Er ist Kommunikations- und Handlungsfeld in dem menschliche Natur und Vernunft vereinbar sind (vgl. Schwier, J. 2009, S. 2). Seine historische Entwicklung ist geprägt von Veränderungen. Wandel in Gesellschaft ist auch immer Wandel im Sport.

Im 16. Jahrhundert war das Sportspiel geprägt durch einfaches Regelwerk und rohes Miteinander. Das gemeinsame Fußballspiel der Bauern bei Festen und an Feiertagen war Ausdruck des Widerstands gegen Kirche und Obrigkeit. Fußball spielen war verboten, da es beim zu Versammlungen führte. Ein zeitgenössischer Bericht erlaubt Einbli42 Der Ausspruch hingegen „Dabei sein ist alles“ ist eine nicht korrekt überlieferte Plattitüde43, die der Vater der neuzeitlichen Olympischen Spiele nie gesagt hat.

Der Olympische Gedanke hat in der Gegenwart auch die Jugend und den sportlichen Nachwuchs erfasst. Seit 2010 finden Olympische Spiele für jugendliche Nachwuchssportler im Leistungssport statt. Die Veranstaltung wird begleitet von einer Debatte um Leistungssport im Kindes- und Jugendalter. Die ersten Sommerspiele der Jugend-Olympiade (YOG) für Sportler im Alter von 14 - 18 Jahren fanden in Singapur statt. 2012 folgten in Innsbruck die ersten Winterspiele. Der DOSB nahm mit 60 jungen Athleten und Athletinnen daran teil. Die Talentförderung in vielen Ländern hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Teilnehmende junge Athleten können Erfahrungen im internationalen Vergleich sammeln. Sie gehören zu einer Auswahl von sehr guten Nachwuchsathleten. Auch dies ist ein Fragment der Sportpolitik eines Landes. Es ist eingebaut in das Förderkonzept von teilnehmenden Nationen. Die Vision des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, durch die Olympischen Jugendspiele junge Menschen aus aller Welt für den Sport zu begeistern und die Olympischen Werte Exzellenz, Freundschaft und Respekt zu vermitteln. In einem begleitenden Programm erfolgt intensive Aufklärungsarbeit über Doping. Kommunikationsinitiativen gestartet, um Jugendliche weltweit zu erreichen (vgl. http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-jugendspiele/ueber-yog/ Seitenaufruf 16.11.2011 10.54)

Sport lebt von seiner Vielfalt und Heterogenität. Einige Sportarten wurden schon in der Zeit der Antike ausgeübt. Das Diskuswerfen, heute eine der klassischen Disziplin in der Leichtathletik, war schon in der griechischen Antike und im römischen Reich unter Julius Cäsar eine Hauptdisziplin. Ursprünglich galt die so genannte „körperliche Ertüchtigung“ dem Training und dem Verbessern der Leistung von Kriegern und Kämpfern. Der erste Marathonlauf der Geschichte war, der Lauf eines einen Boten, der eine Strecke von 42,195 km zurücklegte. Überlebt hat er diese Anstrengung nicht:

Der Geschichtsschreiber Herodot berichtet über den griechischen Boten Pheidippides, der 490 v. Chr. von Athen in zwei Tagen nach Sparta gelaufen war, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen (vergleiche hierzu Spartathlon). Daraus formten 500 Jahre danach Plutarch und Lukian von Samosata unter Berufung auf Herakleides Pontikos eine Legende, der zufolge ein Läufer sich nach dem Sieg der Athener in der Schlacht von Marathon auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht habe und dort nach der Verkündung seiner Botschaft νενικήκαμεν (transkribiert: nenikekamen) „Wir haben gesiegt“ tot zusammengebrochen sei (vgl. http://www.olympia-lexikon.de/Marathonlauf Seitenaufruf 24.04.2014 7:52).

Das Bogenschießen ist eine Disziplin, die aus ethnologischer44 Sicht von dem Jagen nach Nahrung und aus der kriegerischen Auseinandersetzung entsprang. Sie hat heute einen ganz anderen Charakter und gilt gegenwärtig als Disziplin der Ruhe und Konzentration. Bogenschießen ist ein Beispiel dafür, dass sich aus Bewegungen, die einen anderen Sinn erfüllten, Sport entwickelte mit dem friedlichen Ziel des organisierten Wettkampfes.

Erfolgreiche Athleten sind sie allgegenwertig in den Medien. Sie werden vermarktet. Ihr Bekanntheitsgrad und Beliebtheitsgrad wächst. Die Sportsoziologie greift dieses Phänomen auf und findet Erklärungen für den gesellschaftlichen Status der Sportstars. Das soziale Phänomen hat zusätzlich auch eine ökonomische Komponente. Aus dem Erfolg eines Sportidols kann sich ein Boom entwickeln, wie zum Beispiel am Beispiel des US-amerikanischen Surfers Robby Naish. Durch ihn wurde das Surfen in all seinen Varianten weltweit populär. Mit 13 Jahren wurde Naish der jüngste Weltmeister in dieser Sportart und löste damit einen weltweiten Windsurf-Boom aus. Windsurfen wurde Trendsport und etablierte sich zu einem Massensport, der einen bedeutenden Sportmarktsektor generiert hat.

Ein klassisches Beispiel für einen Sportboom in Deutschland, waren die Tenniserfolge von Steffi Graf und Boris Becker in den 90er Jahren.

Steffi Graf und Boris Becker haben bedeutende Turniere und internationale Titel gewonnen. Sie haben über einen langen Zeitraum die Weltranglisten dominiert und angeführt. Sie haben eine Tennis- und Werbewelle mit ihrem Erfolg ausgelöst. Die Werbekampagne eines Automobil – Herstellers mit Steffi Graf war ein Meilenstein in der Sportvermarktung durch Unternehmen und Konzerne mit großem Werbebudget. Viele Jungen und Mädchen wollten ihren Vorbildern nacheifern und Tennis spielen. Steffi Graf gewann Wimbledon 1991, 1992, 1993, 1995 und 1996. Boris Becker war bei seinem Wimbledon-Sieg – Wimbledon gilt als das bedeutendste traditionelle Tennisturnier der Welt - 17 Jahre alt. Der Leimener hat damit am 7. Juli 1985 Tennisgeschichte geschrieben. Den Erfolg in Wimbledon hat er 1986 gegen den Tschechen Ivan Lendl und am 1989 gegen den Schweden Stefan Edberg wiederholt. Der Tennissport erfreute sich großer Beliebtheit. Die Zahlen der Mitglieder im Jugendbereich blieben über einen langen Zeitraum relativ konstant und stiegen bis 1990 an. 1989 bis 1994 wuchs die Zahl der Mitglieder unter 18 um 70.000 Neuzugänge. Diese Zahlen gelten nur für die Spieler im Verein und erfassen nicht die Zahl der Tennisspieler, die auf privater Ebene anfingen zu spielen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier ein Zuwachs zu verzeichnen war. Deutliche Zuwächse waren ebenfalls im Erwachsenbereich zu verzeichnen.

Von 1981 bis 1994 stieg die Zahl der erwachsenen Tennisspieler und -Spielerinnen im DTB von 1.404.321 auf 2.299.553. Im Jahr 2013 sind 1.472.197 Mitglieder im DTB gemeldet. Ab dem Jahr 1994 nahm die Zahl der Mitglieder konstant ab.

Der dauernde Erfolg auf internationaler Ebene wirkte sich positiv auf die Mitgliederzahlen der unter 18 jährigen im deutschen Tennisverband (DTV) aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Mitgliederzahlen der Jugendlichen unter 18 im Tennis während der Erfolge Graf/Becker ;

Darstellung K. Damm-Volk

Quelle: http://www.dtb-tennis.de/ 29.09.2011 um 16.59/ 2.05.2014 um 17.04 und die Tabelle Mitgliederentwicklung beim Deutschen Tennis Bund e.V.1948 – 2013 Vielen Dank an Jan Beulke vom DTB

Die ökonomische Komponenten dieser Entwicklung waren gestiegene Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen, ein Zuwachs am Medieninteresse an Tennis, die Steigerung von Werbeeinnahmen und Preisgeldern und ein erhöhter Absatz von Tennisschlägern und Equipment, das verstärkt nachgefragt wurde. Diese Entwicklung ist spürbar rückläufig wenn in einer Disziplin Stars fehlen und neue Life-Style Sportarten das Interesse der Jugendlichen wecken und zur Konkurrenz für klassische Sportarten werden. Nach dem der Graf und Becker-Boom vorbei war, verlor der DTB 1996 12.000 jugendliche Mitglieder. Die Sportart verlor an Popularität und das Interesse der Medien sank.

Trendsportarten durchdringen den Sportmarkt wie eine Welle, wie in Kapitel 2.4. am Beispiel des Streetballs aufgezeigt wird. Trendsport kann selbstorganisiert sein. Die Zugehörigkeit zu einer Organisation ist nicht zwingend. Insbesondere Jugendliche kreieren neue Sportformen. Das Snowboarden, das sich neben dem klassischen Skifahren zur Trendsportart entwickelte, ist durch eine junge Generation bis zur olympische Disziplin etabliert worden.

Jugendliche Sportler können Vorbilder und Ideengeber sein. Bei Gleichaltrigen sind sie die peer-group im sozialen Umfeld. Sie finden Nachahmer bei Freunden und Mitschülern. Die Sportsoziologie bezeichnet diesen Effekt als soziale Funktion von Sport, da es für Jugendliche von Bedeutung ist, welchen Sport Freunde oder ihre Sportidole ausüben.

Sportarten werden mit neuen Bewegungsformen erweitert und kombiniert. Die Artistik des Trick-Skis erlaubt die Verbindung zu Kür- Elementen im Turmspringen oder Boden-Turnen. Durch dieses „Crossover“ der Bewegungsabläufe entwickeln sich neue Formen des Sporttreibens wie Abenteuer- und Extremsportarten.45 Wie sinnvoll oder besser formuliert: Welchen Sinn sie auch immer haben.

Während klassische Sportarten wie die Leichtathletik eine Geschichte und Tradition haben, sind Trendsportarten jung und innovativ. Sie werden mit neuem Profil aus einer Idee geboren, aus Umständen und Verhältnissen, die geprägt sind durch den Charakter einer klassischen Disziplin. Snowboarden entwickelte sich aus dem Ski-Fahren und belebte einen weiteren neuen Trend. Es ist bewegungsverwandt mit dem Kite-Surfen. Die Ähnlichkeit des Sportgeräts ist eindeutig. Das klassische Windsurfen hat wiederum maßgeblich die Sportart des Kitens mit etabliert.

„Die rasante Entwicklung des Kitesurfens begründet sich damit, dass das Kiten eine Wassersportart ist, die einerseits sehr leicht und schnell zu erlernen ist und die als Kitesurfer schon nach den ersten Erfahrungen keine Grenzen mehr gesetzt sind. Andererseits gibt es beim Kiten viele Parallelen zu anderen, modernen Board- und Schirmsportarten. Für Wake-, Skate-, oder Snowboarder, aber auch als Windsurfer, Buggyfahrer, Gleitschirmflieger oder auch Freizeit-Drachenflieger gibt es zahlreiche Fähigkeiten, die 1:1 auf das Kitesurfen übertragen werden können und das Erlernen somit stark vereinfachen.“ (Vgl. Kite-Boarding, Work- und Stylebook 2011 VDWS, S. S. 6).

Das Phänomen der Technikadaption bei neuen Sportarten ist erkennbar. Während in einer Generation das Rollschuhlaufen populär war, läuft die nachfolgende Generation Inline-Skating. Für den Absatzmarkt werden neue Ausrüstungen und Techniken entwickelt und angeboten.

Gesellschaftliche Entwicklungen und die neue Urbanität in Städten haben zu Trendentwicklungen beigetragen. Eine Sportkultur mit moderner Philosophie ist entstanden. Streetball beinhaltet in seinem Namen das Spielen auf der Straße. Die Sportart Les Parcours, in Frankreich etabliert durch David Belle46, ist eine Sportart mit einer eigenen Philosophie des Helfens und des Lernens und dem Umgang vorhandener urbaner Ressourcen. Das bedeutet Gebäude, Mauern, Straßen oder Brücken werden zum Sportgerät umfunktioniert.

Die Expansion der Sportkommerzialisierung ist ein Indiz dafür, dass Sport ein konsumierbares Gut geworden ist. Sportprodukte werden in der Freizeit verwendet. Basketballstiefel oder Laufschuhe mit dem „richtigen“ Markenlogo sind in und hip. Kapuzenpullover und Hoodies sind modische Freizeitbegleiter oder bürotauglich und in der Modeszene längst etabliert.

Sport auf privater kommerzieller Ebene wird unabhängig von Vereinen ausgeübt werden. Die kommerziellen Anbieter - Sportschulen und Sportstudios - sind Unternehmen, die mit dem Produkt Sport Gewinne erwirtschaften. Sport ist konsumierbares Gut47, das im hohen Maße nachgefragt wird. Diese Nachfrage von Aktiven und von passiv Interessierten am Sport stößt auf ein großes und breit gefächertes Angebot.48 Die Entwicklung geht einher mit neuen Möglichkeiten Sport wahrzunehmen. Die Zahl privater Sportanbieter wächst, das Angebot der Vereine hat sich erweitert. Der Anteil der mehrmals und regelmäßig sehr Aktiven hat bei den Männern in den Jahren von 1991 bis 2003 um 4% zugenommen. Bei den Frauen waren es 7 %. Im Jahr 2003 gaben 39,6 % der Frauen an ein bis mehrmals wöchentlich sportaktiv zu sein. Bei den Männern waren es 36,9 %. Der Wert der Aktivität der Frauen war das erste Mal höher als bei den Männern. Angemerkt wird, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen hohem Bildungsniveau und Intensität sportlicher Aktivität gibt. Hohe Werte auf beiden Seiten korrelieren (Zeitschrift Sportmedizin Jahrg. 57 Nr. 9, S. 229).

Die Studie von Preuss, H., Alfs, C., & Ahlert, G. (2012) „Wirtschaftliche Bedeutung des Sportkonsums in Deutschland“, durchgeführt an der Universität Mainz, Institut für Sportwissenschaften, fast den Sportkonsum in Zahlen: Die Ergebnisse der realistischen Modellrechnung ergeben für den gesamten sportbezogenen Konsum im Jahr 2012 138,6 Mrd. Davon wurden für sportaktiven Konsum 112,6 Mrd. € ausgegeben und 26 Mrd. € für Sportinteresse induziertem Konsum.

Die folgende Graphik zeigt die Segmente des Sportinteresses aufgeteilt nach Formen des Sportkonsums und ihre ökonomischen Dimensionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Aggregiertes Konsummuster der SPORTINTERESSIERTEN Bevölkerung in Deutschland, „realistisches Modell“

(Grafik entnommen aus Preuss, Alfs, Ahlert, 2012, S. 6)

(Absolute Zahlen der wichtigsten Anteile „Realistisches Modell“):

Eintritt: 10,4 Mrd. Euro

Verpflegung & Unterkunft & Barbesuch wegen Pay TV: 5,24 Mrd. Euro

Medien und Pay TV: 4,03 Mrd. Euro

Fahrten ohne Urlaub: 2,55 Mrd. Euro

Die Organisation von Sport ist verflochten mit dem Sportmarkt. Es kann sowohl ein Marktversagen stattfinden oder ein neues Segment auf dem Sportmarkt generiert werden. Die Sportarten im DOSB, haben unterschiedliche Mitgliederzahlen. Die Marktchancen für die Sportarten sind hoch, wenn sie von vielen Zuschauern nachgefragt werden bzw. wo ein breites Interesse begleitet durch die Medien vorhanden ist. Es entwickelt sich eine Regulation und Eigendynamik. Populäre Sportarten verdrängen kleinere Verbände mit geringen Mitgliederzahlen aus dem Medieninteresse, die dann aufgrund dieser Konkurrenz nicht weiter nachgefragt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Aggregiertes Konsummuster der SPORTLICH AKTIVEN Bevölkerung in Deutschland, „realistisches Modell“

(Grafik entnommen von Preuss, Alfs, Ahlert, 2012, S. 6)

Die ermittelten und dargestellten Konsummuster basieren auf der weiten Fassung der Vilnius-Definition des Sports, d.h. es sind beispielsweise auch die Ausgaben für die individuelle Organisation des Sports (z.B. Fahrtkosten) berücksichtigt. Darüber hinaus sind durch diese Definition auch alle Ausgabekategorien des Endkonsumenten enthalten, die Sport als Vorleistung benötigen, z.B. Medien und Informationstechnologie, über die Sport aus Interesse verfolgt wird. Teures Sportgerät wie z. B. Pferde (wobei Pferde keine „Geräte“ sind sondern schützenswerte Lebewesen, die gut behandelt werden sollten, Anm. d, Verf.), Boote und Motorsportgerät ist nicht berücksichtigt.

Der sportaktive Konsum und der sportinteressierte Konsum induziert die These, dass aktive Sportler auch interessierte Zuschauer im Sport sind.

Sport erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit seinen positiven und negativen Seiten. Die Begriffe Weltrekord, Weltmeister/in, Olympische Medaille, Spitzenleistung oder Sieger /in eines Gesamtwelt-Cups erzeugen Respekt und Anerkennung. Sie wecken Sympathien und Bewunderung und sie lösen Glücksmomente des Sportlers aus: "Das ist das Größte überhaupt. In der öffentlichen Wahrnehmung mag der Weltmeister-Titel und Olympiasiege wichtiger sein, aber sportlich gibt es nichts, was diesen Stellenwert hat", sagte Riesch. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier würdigte die erste deutsche Gesamtsiegerin seit Katja Seizinger 1998: "Maria hat jetzt alles geschafft, was man als große alpine Sportlerin schaffen kann. Sie hat den letzten Diamanten in ihre Krone eingesetzt." (Maria Riesch, Siegerin des Ski-Gesamtweltcup 2011 im Interview)

Quelle: http://www.sportschau.de/sp/wintersport/news201103/19/skialpin. 18.03.2011).

Die Sportsoziologie erlaubt einen differenzierten und kritischen Blick auf Sport. Die Thematisierung von Doping und Spielmanipulation sind eine Aufgabe der Sportsoziologie und der Sportmedizin. Ursachenforschung kann negativen Entwicklungen entgegenwirken. Eine weitere Thematik sind die immer mehr ausufernden Ausschreitungen mit ihren Dimensionen bei sportlichen Großveranstaltungen. Sie gipfeln in Zerstörungswut, Vandalismus und Bedrohungen von Sportlern bis zu erzwungenen Spielunterbrechungen. Sportliche Realität und Idealismus entsprechen sich nicht immer und stehen immer häufiger in Widerspruch zueinander.49 Das Überfrachten von sportlichen Werten mit gesellschaftlichen Ansprüchen sollte daher vermieden werden. Ausschreitungen bei Sportveranstaltungen erfolgen durch die Möglichkeit sich in großen Gruppen zu treffen. Die emotional aufgeheizte Atmosphäre bietet das Entladen von Frust und Wut. Die Ursachen von Ausschreitungen entwickeln sich auch in anderen sozialen Bereichen z. B. durch Arbeitslosigkeit, Bildungslücken oder extreme Überzeugungen.

Das Sportgericht des DFB (Deutscher Fußball-Verband) hat nach schweren Ausschreitungen bei Spielen, ein Exempel statuiert und den Verein Dynamo Dresden von der Teilnahme am DFB-Pokal ausgeschlossen. Dieser Ausschluss bedeute für den Verein einen Imageschaden und ökonomische Einbußen. Es wird befürchtet, dass es zu immer schlimmeren Ausschreitungen kommt. (vgl. http://www.sportschau.de/sp/fussball/news201111/24/dfb_dresden.jsp, Seitenaufruf 25.011.2011).

Die Sportsoziologie erfasst auch diese Phänomene. Negative Entwicklungen und Auswüchse im Sport sind Ausdruck von systemischen Disbalancen und konformen Siegesdruck, der durch ökonomische Strukturen und überzogenes Anspruchsdenken begünstigt wird. Die Sportgesellschaft unterliegt Veränderung. Die Dynamik von Sport komprimiert alte Ideale und Traditionen. Veränderungen im Sport müssen akzeptiert werden, solange sie nicht zu massiven Disbalancen führen. Aber auch darin kann eine Chance gesehen werden. Der Soziologe N. Luhmann bezieht sich auf Emil Durkheim und merkt an: „Aber solche Disbalancierungen, wiederum eine Hoffnung Durkheims, sind vorübergehend und erfordern irgendwann einmal eine korrektive Nachentwicklung in anderen Funktionssystemen.“ (N. Luhmann, 2004, S. 27). Daher ist es für den Sport existenziell, dass Sport gut organisiert und mit einem Regelwerk ausgestattet ist, um akzeptabel Handlungsspielräume zu schaffen, die als Leitlinien dienen.

Denn nicht das Regelwerk an sich wirkt regulativ aus sondern die Ausschöpfung der Handlungsspielräume50 und das Deuten dieser vorgegebenen Bedingungen als ethische Basis im Sport.

2.2. Das Image des Sports als ökonomische Variable

Das Ansehen des Sports in der Gesellschaft ist mehrheitlich ein positives. Sport begleitet die Menschheit ewig und wird durch ihre Kreativität immer wieder neu erfunden, abgewandelt und verändert51. Sport ist ein Begriff, der für viele Bewegungs- und Erscheinungsformen verwendet wird. Aktiver und passiver Sport sind Merkmale von modernen Gesellschaften. „Sport ist ein englisches Wort lateinisch romanischer Herkunft, - das der weltgewandte Fürst Pückler-Muskau 1828 mit der Bemerkung, es sei unübersetzbar, nach Deutschland brachte -, hat verschiedene Wurzeln.“ 52 Der Begriff ist abgewandelt von dem lateinischen Wort deportare (sich vergnügen) und in den französischen Sprachgebrauch übernommen worden. Die englische Sprache adaptierte es und formte es zu dem Wort to disport, von wo es im „19. Jahrhundert in seiner heutigen Form…in die ganze Welt exportiert wurde. Und weiter schreibt Decker: „Heute wird das Wort als interkultureller Oberbegriff überall verstanden und darf auch für frühere Kulturen Verwendung finden, ohne dass man sich dem Vorwurf des Anachronismus aussetze.“(W. Decker 1995, S. 10)

Jedes Individuum bewegt sich. Laufen, Spielen und Kommunizieren sind elementare Bedürfnisse des Menschen. Diese Grundelemente sind Basis für Sportaktivität. Fußballspielen, Basketball spielen, Badminton spielen, Wasserball spielen, Turnen, Tanzen, Laufen, Springen und Werfen. Es ist kaum vorstellbar, dass Menschen keinen Sport ausüben. Der Mensch nutzt die natürlichen Elemente, um Sport zu treiben, Abwechslung zu finden, Rekorden nachzujagen und misst sich mit seinen sportlichen Konkurrenten an Land, auf dem Wasser und in der Luft, über den ganzen Erdball verteilt.

Die gesamte Tourismusbranche lebt vom Winter- und Wassersport. Ein Wirtschaftszweig ist entstanden, der sportliche Ausrüstungen und Technik ständig verbessert und weiter spezialisiert. Ein Arbeitsmarkt ist entstanden. In der Bundesrepublik sind laut statistischen Bundesamts (destatis) im Jahr 2014 ca. 173.000 Menschen im Bereich Sportunterricht außerschulische Bildung beschäftigt. Die Beschäftigen, die eine hohe Affinität zu Sport haben (z.B. innerhalb der Sportagenturen, Sender, Medien, Rehabilitation, DOSB usw.) wird über 1. Mio. Arbeitsplätzen in Ost und in West geschätzt. Die sportinduzierte Beschäftigungszahl wird auf 1.028,8 Millionen geschätzt. Damit verdanken 3,3% der abhängig Beschäftigten ihren Arbeitsplatz dem Sport. Wichtigste Sektoren sind dabei der Infrastrukturbereich - der das Personal in Sportstätten, Sportlehrer und Trainer sowie die Verbandsfunktionäre erfasst mit 440.000 Beschäftigten, sowie das Gastgewerbe (Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe) mit rund 213.000 Beschäftigten (Angaben der Führungs- und Verwaltungsakademie Willy Weyer des DSB von 1997, S.33).

Die mediale Inszenierung durch Sportmagazine und Sportkanäle im TV wächst. Neue sportliche Rekorde auf nationaler und internationaler Ebene werden nicht zuletzt durch hochmoderne Technik generiert und Weltrekorde werden weiter verschoben. Die Grenzen scheinen noch nicht erreicht. Material und Formen für Sportgeräte sind hochspezifisch und ausgestattet mit ausgefeilter Technik. Im Spitzenbereich zählen Hundertstel- oder Tausendstel von Sekunden. Segelboote werden immer schneller und leichter. Innovative Materialien aus der Luft- und Raumfahrt werden verwendet. Für jede Sportart gibt es spezielle Schuhe, Kleidung und Equipment. Die Hersteller bringen innovative Materialien und Technik auf den Markt, die die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern und Verletzungsrisiken mindern sollen. Aus Fahrrädern sind Rennmaschinen geworden. Fußbälle haben bestimmte Flugbahnen, Schwimmanzüge werden im Kampf um Hundertstelsekunden eingesetzt. Sie haben weniger Reibung als die menschliche Haut. Es gibt Skimaterial für jede Schneeart, unterschiedliches Fahrkönnen und für individuelle körperliche Vorrausetzung. Während die Generation vor 100 Jahren auf Holzskiern die Pisten herunter jagte, ist das Angebot heute geprägt durch einen Wettbewerb im Hightech - Bereich. Dem Design sind keine Grenzen gesetzt. Das Sportgerät kann individuell gestaltet werden. Der Massenindividualismus kennt keine Grenzen.

Diese gesellschaftliche Entwicklung der Sportaktivität, das Jagen nach Rekorden und die Life-Style Mentalität betonen die Rigorosität von Sport. „Mit dem Siegeszug der sportlichen Bewegungskultur in modernen Gesellschaften wird zunehmend deutlich, dass auch im Sport die Totalität des Zweckmäßigen zu regieren beginnt“ (Schwiers, J., ebenda, S. 2). Sportlichkeit ist ein Ausdruck grenzenlosen Fortschrittdenkens und wird immer wieder neu erfunden. Sportlichkeit ist ein gesellschaftlicher Imagefaktor, der längst etabliert ist.

Sport steht für Vitalität, Leistungsfähigkeit, Modernität, Gesundheit, Exklusivität, Modernität, Dynamik, Lifestyle und Attraktivität. Dem Aspekt Life-Style messen immerhin 35% der Männer und 33% der Frauen als Motiv bei ihrer Sportaktivität Bedeutung bei (vgl. Preuss, Alfs, Ahlers, 2012, S. 4). Ein sportlich trainierter Körper wird in der Werbung verwendet als nachahmenswertes Vorbild und gilt als Schönheitsideal. Die Identifikation des Einzelnen über „seine“ Sportart ist Ausdruck des Wunsches Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren. Der Imagefaktor bietet die Möglichkeit der Selbstdarstellung. Das exklusive Golfspielen, der teure Reitsport, das klassisch-populäre Fußballspielen, das elitäre Tennisspielen sind nur einige der Sportarten, deren Images gut zu vermarkten sind. Unternehmen mit exklusivem Imageanspruch werben mit den entsprechenden sportlichen Disziplinen und entsprechendem Leistungsbereich. Die Fußballnationalmannschaft wird z. Bsp. durch einen internationalen Automobilhersteller mit exklusivem Image beworben. Sponsoring ist ein wichtiges Instrument in Kommunikationsstrategien und Werbung. Der kleine Golfball am Rückspiegel, der Aufkleber auf dem Auto, das Markenlogo auf dem Kapuzenpullover oder der Sportschuh einer bestimmten Marke sind der Kommunikationscode und Statement des Individuums für die Umwelt.

Menschen investieren immer mehr Zeit für Sport. Sportlich sein und sportlich zu wirken ist in. Sportschuhe und sportliche Kleidung sind modisches Statement für das nach Preuss, Alfs & Ahlert (2012) pro Jahr ca. 12 Milliarden Euro ausgegeben wird. Man gibt sich gern sportlich und übernimmt Begriffe und Redewendungen mit sportlichem Vokabular. Der kritische Blick genügt nicht immer. Verbalsportler gibt es zur Genüge.

Die Mode greift Sport auf. Jogginghosen und „Schlabberlook“ haben internationale Laufstege erreicht. Die Haute Couture adaptiert Bequemlichkeit der Sweat-Shirts und Jogging-Hosen. Sportmode ist auch Alltagsmode. Eine ganze Generation läuft in Turnschuhen. „Sneakers, knee pads and fanny packs? Chanel gets sporty-chic for Spring 2014” (http://www.stylelist.com/ Seitenaufruf 5.05.2014 10.00). Die nachfolgende neue Zielgruppe der Heranwachsenden findet vertraute Modeelemente in den Kollektionen. Sportmode wird veredelt und ausgehfein.

Das sportlich-elegante Polohemd ist zur klassischen Freizeitbekleidung geworden. Old School ist in. Sportmode selbst unterliegt eigenen Trends in Form und Farben. Trikots sind mal länger oder kürzer, weiter oder körperbetont. Eine Generation Jugendliche trägt Hoodies und Sportschuhe und das nicht nur weil sie bequem sind. Der Einfluss durch Gleichaltrige und Freunde ist immens. Marken sind von heute auf morgen hip und werden verstärkt nachgefragt oder sie sind plötzlich out und verschwinden vom Markt.

Für die meisten Menschen - unabhängig vom Alter - ist die Marke des Produktes wichtig. Dieses Phänomen ist gekoppelt an das Markenimage.

Das Markenimage ist der wichtigste Werbefaktor, den die Produkthersteller mit Marketingstrategien auf dem Markt kreieren. Je besser ein Image ist, desto höher sind seine Sympathiewerte und die Nachfrage bei den anvisierten Konsumenten. Es beeinflusst das Konsumentenverhalten, da es auf dem unüberschaubaren Produktmarkt Orientierungshilfe für individuelles Handeln und Konsumieren ist. Eine eindeutige Werbebotschaft, die überzeugend und glaubhaft wirkt, kann Zielgruppen erreichen und den Produktabsatz begünstigen.

Produkterlebnisse und Nähe zu dem Sportidol, das eine bestimmte Marke verwendet und bewirbt, werden vermittelt. Jede Marke muss sich auf dem Sportmarkt abheben und ein bestimmtes Profil gestalten. Dazu werden Marken- und Imagekampagnen kreiert, insbesondere von Marktführern, die umsatzstark sind und über ein entsprechendes Budget verfügen. Bekannte Marken werden als vertraute Konsumbilder wahrgenommen. Ein weiteres Marketing-Ziel ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades. Ist ein Markenimage modern oder hip, möchte die Zielgruppe ein Teil von diesem Markeimage adaptieren.

Die Markteinführung eines neuen Produkts kann erfolgreich verlaufen, wenn ein bekannter Sportler als Werbeträger eingesetzt wird. Sportler genießen eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Der Konsument vertraut auf Markenqualität, wenn ein Spitzensportler das Produkt verwendet. Der Wunsch nach etwas neuem wird als Kaufantrieb genährt. Die Neugier auf die neue Marke erwacht.

Sport ist Kommunikationsträger in der Markenwelt. Unternehmen kommunizieren mit dem Konsumenten über Werbebotschaften, der diese Information wahrnimmt, verarbeitet und in seinem Kaufverhalten für eine bestimmte Marke begeistern kann. In der Sportwerbung und im Sponsoring wird das Image von bekannten Sportlern und Sportarten auf die Marke transferiert. Dieser Synergie-Effekt funktioniert auch in umgekehrter Richtung. Ein unbekannter Sportler kann durch das Sponsoring einer bekannten Marke Aufmerksamkeit gewinnen und Potenzial assoziieren.

Sponsoring und Werbung im Spitzensport sind mit Risiken behaftet. Das positive Image eins Sportlers kann sich in kürzester Zeit in ein negatives verwandeln. Sportler, die durch Doping belastet sind, können nicht mehr als Vorbilder oder Imageträger vermarktet werden. Das positive Werbebild verlangt ein sauberes und charismatisches Image. Sportvermarktung hat eigene Gesetze und reagiert sensibel auf negative Bilder und Ereignisse im Sport. Sponsoren lösen Verträge bei negativen Einflüssen und Doping sofort auf. Beide Seiten sind Entscheidungsträger in diesem Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Der internationale Radsport ist ein Beispiel, das eine gesamte Sportart ein Negativ-Image haben kann, wenn ihre wichtigste Veranstaltung in Negativ-Schlagzeilen versinkt. Doping hat der Sportart medial und ökonomisch erheblich geschadet. In den Medien wurde ausführlich darüber geschrieben. Das Ansehen der Disziplin hat sehr gelitten. Das internationale Radrennen, die Tour de France hat stark an Zuschauer-Interesse eingebüßt durch die massiven Doping-Vorwürfe und Doping-Sperren der Teilnehmer. Radsportler verloren an Glaubwürdigkeit und Popularität und waren als Werbeträger ungeeignet. Öffentliche und private Fernsehsender weigerten sich, live von der Tour zu berichten. Das mediale Interesse am Radsport sank.

Die ökonomische Konsequenz war das Auflösen von Sponsoring- Verträgen und daran gekoppelte Zahlungen. Sponsoren wollen nicht mit Doping in Zusammenhang gebracht werden. Bei der Einnahme unerlaubter Leistung steigernder Mittel, reagieren Sponsoren und Medien schnell und beenden unmittelbar die Zusammenarbeit. Es besteht die Gefahr eines negativen Synergieeffektes für das Markenimage. Gedopte Sportler schaden nicht nur sich selbst sondern auch ihrer Sportart. Die negative Begleiterscheinung war, dass Vorurteile gegen saubere Radprofis im Raum standen.

Das positive Bild im Sport wird durch die Persönlichkeit und die sportliche Leistung des Aktiven kreiert. Der sportliche Erfolg, seine Kompetenzen und sein Engagement erhöhen seine Akzeptanz in der Gesellschaft. Unbestritten hat ein Spitzensportler einen hohen sozialen Status und genießt Wertschätzung. Er ist abhängig von den Bewertungen der Umwelt, der Menschen, die ihn umgeben und von seinem Bild in den Medien. Erfolgreiche medienpräsente Sportler haben eine Vorbildfunktion. So schnell wie Erfolge werden Skandale in Zeitung, Internet und Fernsehen publiziert und öffentlich. Der Verlust an Sympathien mindert Status und Marktwert. Für eine Vermarktung ist ein positives Bild in der Öffentlichkeit existenziell. Diese Thematik verlangt ein sensibles Gespür und begleitet den wirtschaftlichen Gedanken beider Seiten. Der sportliche Erfolg sollte immer im Vordergrund stehen, denn Sport ist ein Bereich, der in seiner Präsenz auch für sich selbst steht.53

Das Imagepotential von Sport ist seine hohe Emotionalität und das Spannungsfeld von Gewinnen/Verlieren. Jeder Wettkampf ist einmalig im Verlauf und hat ein ungewisses Ende. Sport ist ein Bereich, gekennzeichnet durch Authentizität, der den Menschen in seinen Wünschen nach

[...]


1 Der Begriff vegetativ bedeutet das Unterbewusstsein betreffend. Er umschreibt in der Medizin und Psychologie das autonome Nervensystem.

2 „Eine Lobby, wie sie mit Ausnahme der Theologie keine andere Wissenschaftsdisziplin besitzt, hat dafür gesorgt, dass sportwissenschaftliches Handeln von intensivem öffentlichem Interesse begleitet wird.“ Digel, H. (Hg.) (1995): „Sportwissenschaft heute, eine Gegenstandsbestimmung“, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S.61

3 Vgl. Krüger, A., Dreyer, A. (Hrsg.) (2004): Sportmanagement, München: Oldenbourg-Verlag

4 D. Kurz (1986): Sinngebungen, Inhalte, Angebotsformen, in: Landessportbund NRW/Der Kultusminister des Landes NRW (Hrsg.), Breitensportentwicklung Nordrhein-Westfalen, Geldern 1986, 182 – 194, S. 103

5 „Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mehren sich kritische Einwände gegen die Existenz koordinativer Fähigkeiten und es wird eher eine hohe Fertigkeitsspezifität der modernen Kontrolle angenommen.“ N. Olivier, U. Rockmann (2003): Grundlagen der Bewegungswissenschaft, Hofmann, Schorndorf, S. 147

6 Meinberg, E. (2006): Anton Fendrich: Der Sport, der Mensch und der Sportsmensch (1914), in: Court, J. Meinberg, E., (Hrsg.) Klassiker und Wegbereiter der Sportwissenschaft, Kohlhammer, Stuttgart, S. 68-85

7 Vgl. Rütten, A. (1992): Angewandte Sportsoziologie, Sportwissenschaft und Praxis, Bd. 4, Verlag, S. Nagelschmid, Stuttgart; vgl. Arbeitspapier des Präsidiums des DOSB vom 16.11.2006, Berlin

8 Dreher, C. (2005): Staatsziele im Bundesstaat am Beispiel des Sports, Dissertation, Cuvellier-Verlag, Göttingen, S. 224

9 Wilke, H. (1991): Systemtheorie, Eine Einführung in die Grundprobleme der Theorie sozialer Systeme, 3. Auflage, Fischer, New York, S. 3

10 Boulding, K.: General Systems Theory. The Skeleton of Science in: Management Science, Volume 2 April 1956, S. 197-208, hier S. 199

11 Vgl. Krüger, A., Dreyer, A. (2004): Sportmanagement, München, Oldenbourg Verlag

12 Heterogenität bedeutet Verschiedenartigkeit/Vielfalt

13 „Es hat so etwas wie ein Paradigmenwechsel (Denkweise) stattgefunden, im Sport selbst und in der sozialwissenschaftlichen Analyse des Sports, weg von der „politischen Instrumentalisierung“ hin zur Ökonomisierung“ des Sports.“ (P. Lösche, 2008, S. 26)

14 vgl. Langenfeld: Mittelalter, in: Sportwissenschaftliches Lexikon, Röthig/Prohl, u.a. (Hrsg.), 7. neu bearb. Auflage, Schorndorf, Hofmann S. 372

15 Eine spezielle Systemtheorie gibt es nicht (vgl. N. Luhmann, 2004). Die systemische Perspektive ermöglicht die geordnete strukturelle Sichtweise innerhalb der Soziologie und wissenschaftlicher Disziplinen.

16 Ludwig von Bertalanffy (1956) wendete diesen Gedanken der Allgemeinen Systemtheorie zunächst auf die Wissenschaft allgemein an. Durch die Herausbildung immer neuer wissenschaftlicher Disziplinen erhöht sich der Spezialisierungsgrad (vgl. L. v. Bertalanffy, 1956, S. 1, K. Boulding, 1965, S. 199). Verknüpfungen von Erkenntnissen werden daher immer schwieriger.

17 Vgl. auch Strittmaier, K. (1984): Spiel und Sport in der Freizeit, In: Sport in Freizeit und Umwelt, Paul Jakobi, H.-E. Rösch (Hrsg.), Mainz, Grünewald, S. 60-67 hier S. 61

18 Im Freizeitsport steht mehr der Spaß im Vordergrund mit anderen Sport zu treiben und die Gesundheit und das körperliche Training. Die Grenzen zum Leistungssport sind fließend. Hier muss man relativieren und differenzieren.

19 „Again, this does not mean that, for example, needing or making money, „making the news“, promoting one’s health or legal stipulations are irrelevant aspects of sport activity“ (U. Schimank, 2005, S. 3).

20 „Allerdings sind die Kodierungen im Sportsystem nicht durchweg binär (d. h. zwei Pole wie „gewinnen - verlieren“), was häufig übersehen wird. Weltranglisten im Tennis, die mit als Grundlage der Zuweisung von Verdienstmöglichkeiten in größeren Turnieren dienen, die Fußballmannschaft, die das Erreichen des UEFA-Cup-Platzes als Erfolg wertet usw. belegen dies.“ (E. Emrich, 1996, S. 33). Diese Perspektive lässt sich beliebig fortsetzen bei Zielformulierungen zur Teilnahme an Meisterschaften oder Olympischen Spielen.

21 „Dieses formale „anything goes“ mag im umgangssprachlichen Sprechen über Sport legitimen Charakter besitzen, wissenschaftlich erscheint es kontraproduktiv, da sprachliche Exaktheit überhaupt erst die reflektierende Abgrenzung eines Phänomens von seiner Umwelt ermöglicht.“ Anselm Seven, (2007): Abstract Dissertation ttp://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2007/seven.pdf

22 „Im Allgemeinen beginnen zwei oder mehr Gentlemen dieses Spiel, indem sie festlegen, dass sie an einem bestimmten Feiertag die Bewohner von zwei oder mehr Gemeinden an einem festgelegten Ort zusammenbringen wollen. Dabei sind die Häuser der Gentlemen die Tore in diesem Spiel oder irgendwelche Dörfer, die drei bis vier Meilen auseinander liegen. Wenn sich die Spielparteien treffen, findet kein Vergleich nach Anzahl oder Wuchs der Spieler statt. Es wird nur ein Ball empor geschleudert und die Mannschaft, die ihn fangen und mit Gewalt zum angegebenen Platz befördern kann gewinnt Ball und Sieg.“ Schwier, J. (2009): Zur Entwicklung des modernen Sports, Vorlesung Paper 2009/2010, Justus Liebig Universität Giessen, S. 4

23 J. Schwier (2009): „Zur Entwicklung des modernen Sports“, Vorlesung 2009/20010 Justus Liebig Universität Giessen, S. 4 Quelle: http://uni-giessen.de Seitenaufruf 16.03.2009

24 ebenda, S. 3

25 ebenda, S. 6

26 H. Haag: Zum Selbstverständnis der Sportsoziologie, in M. Friederici (2002) (Hrsg.): Sport, Wirtschaft und Gesellschaft, Hofmann, Schorndorf, S. 131-143, S. 133

27 Der Kabarettist Dieter Hildebrand in einem Spiegel-Gespräche (Quelle: Der Spiegel Nr. 37/1989, S. 23ff; entnommen bei: R. Waldsack (1987): Ausgewählte Aspekte des Themas „Sportkonsum“ aus ökonomischer Sicht, in Sportkonsum als Konsumsport, Stiftung Verbraucherinstitut Berlin, S. 67 – 82; S. 67)

28 Heinemann, K (1995): Einführung in die Ökonomie des Sports: Ein Handbuch, Hofmann: Schorndorf 1995, S. 27

29 Freitag, D. (2011): Die Autonomie des Sports schließt Einflussnahme nicht aus, in: Zeitschrift: Olympisches Feuer, Ausgabe n.b., S. 6

30 Quelle: http://www.bisp.de Seitenaufruf am 19.12.07

31 Aufgeführt sind die Partner des BISP (Bundesinstitut für Sportwissenschaft) die aufgrund von Verbindungen oder Zusammenarbeit unter der Thematik von Sport aufgeführt werden.

32 H. Korte beschreibt die Transformation von systemtheoretischem Ansatz zum handlungsorientiertem Ansatz. Korte, H. (2004): Soziologie, UTB Basics, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz.

N. Luhmann (2004) sieht die Systemtheorie und Handlungstheorien miteinander verknüpft. Das Zitat von Talcott Parsons „Action is system“ konstituiert die Brücke von Systemtheorie und Handlungstheorie. „Die Handlungstheorie sei eher subjektorientiert, eher individuumsorientiert, eher in der Lage, psychische, auch körperliche Zustände in die Soziologie aufzunehmen, die Systemtheorie hingegen sei eher abstrakt, vielleicht eher in der Lage, Makrostrukturen abzubilden. Die Vorstellung jedenfalls, die von einigen Handlungstheoretikern geäußert wird, ist die, dass Handlung und System unvereinbare Paradigmen sind. Wer immer das behauptet, sollte dazu gebracht werden Parsons zu lesen.“ Luhmann, N. (2004): Einführung in die Systemtheorie, Baecker, D. (Hrsg.), Carl-Auer, Heidelberg, S. 19; vgl. Scholl, A. (2002 Hrsg.): Systemtheorie und Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft, UVK Verlagsgesellschaft mbH Konstanz, S. 28, 1001ff

33 Zudem gelang die Verankerung als institutionelle Teildisziplin in Form von Sektionen in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) Ende der siebziger Jahre (Sektion Sportsoziologie) und in der Organisation der Mutterwissenschaft, der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Anfang der 80er Jahre (Sektion Soziologie des Sports) (J. Winkler, 1995, S. 2)

34 R. Gugutzer: Geistes und sozialwissenschaftliche Grundlagen des Sports, Universität Frankfurt 2009; Vorlesungsprogramm SoSe

Vgl. Prof. Dr. J. Schwier (Vorlesung und Skript SoSe 2009):Was ist Sportsoziologie?

Quelle: http://www.uni-giessen.de/~g51039/vorlesungII.htm Seitenaufruf am 16.03.2009

35 Strauss, A. (1991): Grundlagen qualitativer Sozialforschung, Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen und soziologischen Forschung, Wilhelm Fink Verlag München, S. 65

36 Zu Beginn der Industrialisierung in England und mit der Entstehung des Bürgertums wurden erste Ansätze nationalökonomischer Theorien von Adam Smith (1723-1790) verfasst. Er gilt als Vater der "Nationalökonomie". In seinem Werk "Wealth of Nations" fasste er Grundfragen der Nationalökonomie zusammen (R. Willbrandt, 1924, S. 13). Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung der Wirtschaftssoziologie ist bei Karl H. Hillmann (1988): Allgemeine Wirtschaftssoziologie, München: Vahlen zu finden. Siehe auch: G. Reinhold (Hrsg.) (1988), Wirtschaftssoziologie, München; Wien: Oldenbourg ; siehe auch Otmar Issing (Hrsg.)(1988): Geschichte der Nationalökonomie, 2. Aufl. München, Vahlen; Eugen Buß (1985): Lehrbuch der Wirtschaftssoziologie, Berlin: de Gruyter; Toni Pierenkemper (1980): Wirtschaftssoziologie: Eine problemorientierte Einführung mit einem Kompendium wirtschaftssoziologischer Fachbegriffe, Köln: Bund

Das Werk von A. Smith gilt als Gesellschaftstheorie. Eine Nationalökonomie, verstanden als eigenständige Disziplin, bestand zu der Zeit nicht. Adam Smith „ist der erste, der eine Theorie der Gesellschaft als einen sich selbstregulierenden Handlungszusammenhang beschreibt“ (E. Buß, 1985, S. 23). Triebfeder der wirtschaftlich orientierten Gesellschaft war nach Adam Smith das individuelle Streben nach Glück, das von dem sozialen Empfinden für die Gemeinnützigkeit eingegrenzt wurde. Diese Betrachtung, dass der Mensch Tendenzen zum Egoismus und zur Gemeinnützigkeit besitzt, war eine Grundthese, auf der weitere Theorien aufgebaut wurden. A. Smith legte mit seiner Theorie den Grundstein für den Begriff des homo oeconomicus. „In Puncto Egoismus versus Altruismus zum Beispiel war schon Adam Smith der Auffassung, dass wirtschaftliches Handeln darin seine Pointe hat, dass es aus egoistischen Gründen zum Altruismus motiviert, denn ich kann dem anderen nur das verkaufen, was in seinem Interesse liegt“ (A. Smith, 1776, I. Buch Kapitel 2 in: Dirk Baecker 2006, S. 19).

37 Vgl. Dahrendorf, R. (1964): Homo Sociologicus, 4. erw. Auflage, Köln: Opladen Westdeutscher Verlag

38 Spranger, Eduard (1914): Über die Stellung der Werturteile in der Nationalökonomie: in Schmollers Jahrbuch (1914); Spranger, Eduard (1950): Der ökonomische Mensch, 8. Aufl., in: Spranger, E. (1950): Lebensformen, geisteswissenschaftliche Psychologie und Ethik der Persönlichkeit, Neomarius-Verlag, Tübingen S. 145-164.

39 Fendrich, Anton (1914): Der Sport, der Mensch und der Sportsmensch, Franckh`sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart; vgl. Meinberg, E.: Fendrich, Anton (1914): Der Sport, der Mensch und der Sportsmensch, in: Court, J./Meinberg, E. (2006): Klassiker und Wegbereiter der Sportwissenschaft, Kohlhammer Stuttgart S. 68-74

40 Emrich, E.: Werte im Sport – einige soziologische Anmerkungen über Werte und Wertungen, Einleitende Bemerkungen und begriffliche Abgrenzungen, http://www.sport.uni-frankfurt.de, Seitenaufruf, 23.01.08

41 Der Begriff „Leuchttürme“ wird hier verwendet als ein Synonym für ein herausragendes Ereignis.

42 Schmieder, Jürgen (2008):“Dabei sein ist alles“, Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 6.08.2008; www.sueddeutsche.de/sport, Seitenzugriff 27.02.2011

43 Der Begriff „Plattitüde“ steht für eine häufig benutzte Redewendung ohne großen Sinngehalt.

44 Ethnologie ist der wissenschaftliche Begriff für Völkerkunde. Sie ist die Wissenschaft, die die Entwicklung von menschlichen Kulturen in der Vergangenheit und Gegenwart erforscht.

45 Kritische Worte fand dafür V. Preuss (1987) als sich Sport in einem massiven Umbruch befand und die Ökonomisierung bestehende Sportstrukturen veränderte: „Sport dient der symbolischen Darstellung richtigen und glücklichen Lebens.“ „Zum modernen Leben gehört die geeignete Sportart und die Darstellung der dafür erforderlichen Requisiten und Aktivitäten.“ „Als immens erweiterter Supermarkt präsentiert sich der Freizeitsport.“ (Preuss, V., 1987, S. 40f.) Begleitet wurde diese Entwicklung durch hohe Fluktuationsraten in Vereinen. Das bedeutet, dass Mitglieder den Verein verlassen und auf privater Ebene Sport treiben. Diese Möglichkeiten bieten zum Beispiel Sportschulen (Surfschulen) und Sportcenter (Tenniscenter).

46 Parkour ist eine unter anderem von David Belle gegründete Sportart, bei welcher der Teilnehmer – der Traceure (französisch: „der den Weg ebnet“ oder „der eine Spur legt“) – unter Überwindung sämtlicher Hindernisse den kürzesten oder effizientesten Weg von A zum selbstgewählten Ziel B nimmt. Der Begriff „Parkour“ ist eine Abwandlung des ursprünglichen französischen Wortes parcours, was Kurs oder Strecke bedeutet. Der öffentliche bzw. urbane Raum wird sich in seiner Materialität zunutze gemacht. Scheinbar festgelegte Funktionen von Material und Orten werden aufgebrochen, umgedeutet und neu interpretiert. Der Traceur überwindet alles was ihm an Hindernissen in den Weg kommt. In einer städtischen Umgebung werden Bänke, Parkanlagen, Regenpfützen, Mülltonnen, Bauzäune, Mauern, Litfasssäulen, Garagen und sogar Hochhäuser und Schluchten übersprungen oder überklettert oder als Bewegungsraum benutzt. Selbst kleine Hindernisse werden nicht verschoben, da der Sinn ist, sich in dem vorhandenen Umfeld zu bewegen. David Belle hat diese aus der von seinem Vater erlernten „Méthode naturelle“ von Georges Hébert weiterentwickelt. Laut Eigendefinition ist Parkour eine Disziplin, die Bewegungskunst und Technik verbindet und der Elemente aus der Philosophie zugrunde liegen. Anders als Akrobatik ist die Bewegungskunst des Parkour nicht auf Showeffekte beim Publikum gerichtet, sondern auf „elegante, effiziente, geschmeidige, flüssige Bewegungen“. Belle bezeichnet das klassische Parkour als kreative Kunst, die die eigenen durch Körper und Umwelt gesetzten Grenzen erkennbar macht, diese versucht zu überwinden, ohne damit andere beeindrucken zu wollen. Die Philosophie von Parkour beinhaltet, die Voraussetzungen für eine Technik abzuschätzen und dabei immer im Auge zu behalten, ob man diese Voraussetzungen erfüllt und die Situation gefahrlos meistern kann.1 Die Philosophie von Parkour ist zugleich eine künstlerische Aussage zum öffentlichen Raum. Parkour ist eine Zurückeroberung des urbanen Raumes in Zeiten seiner zunehmenden Besetzung für private und vor allem kommerzielle Zwecke, seiner zunehmenden Privatisierung. Die Philosophie umfasst den respektvollen Umgang des Traceur mit seiner Umgebung und seinen Mitmenschen. Er ist bemüht seine Umgebung intakt zu halten und ist auf das Verständnis seiner Mitmenschen angewiesen, wenn er seinen Weg geht. Er tritt Anderen offen und ohne Vorurteile entgegen Die ursprünglichen Parkourgruppen „Le Parkour“ lehnen Wettkämpfe ab, da sie nicht im Geiste dieses Sports seien. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung ist Motivation für Trainingsforschritte. Mittlerweile gibt es Wettkämpfe, das Parcouring, bei dem ein Parcours aufgestellt wird. Zu unterscheiden ist demnach zwischen den ursprünglichen Formen (samt deren Weiterentwicklung durch David Belle) und den (individuellen) Varianten anderer Traceure. Diese Ausführungn adaptieren den Artikel auf der Wikipedia-Seite im Internet von: http://de.wikipedia.org/wiki/Parkour Seitenaufruf am 26.3.2011

47 Der Begriff „Konsumgut“ ist adaptiert aus der Wirtschaftswissenschaft und wird hier wertfrei verwendet. „Sport ist kein beliebiges Wirtschaftsgut“… vielmehr handelt es sich um ein Kulturgut, das durch eine spezifische Art des Sporttreibens – etwa regelgebunden leistungs- und wettkampforientiert – durch besondere Werte – etwa Fairness, Unversehrtheit der Person, Eigenweltcharakter, Chancengleichheit – und durch eine spezifische organisatorische Verfassung – Ehrenamtlichkeit, demokratische Entscheidungsstrukturen, institutionelle Autonomie – charakterisiert ist.“ K. Heinemann (1984): Texte zur Ökonomie des Sports (Hrsg.) Schorndorf Hofmann, S. 67.

48 Die Demographie der Bundesrepublik wird bei der Untersuchung des Sportvolumens unterteilt in aktive und nicht-aktive Personen, die sportinduzierte Ausgaben tätigen: Ausgaben, die für sportliche Aktivitäten oder als Zuschauer getätigt werden. Der größte Teil der sportinduzierten Güter- und Geldströme entfällt auf die durch Freizeitsport in Anspruch genommenen Dienstleistungen. Die sportlich aktive Bevölkerung verwendet einen Teil ihres Budgets für die aktive Sportausübung und für den Kauf sportbezogener Güter. Die sportinteressierte Bevölkerung verwendet einen Teil ihres Budgets für den Sport zur Unterhaltung, angeboten durch Medien oder als Besucher von Sportveranstaltungen. Die Quantität der täglichen Artikel und Meldungen in den Medien über sportliche Höchstleistungen kann dazu führen, dass Rekorde und Titel als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Daher ist die Einschätzung von Spitzensport häufig verzerrt. Erst wenn eigene Zeiten, Weiten oder Höhen, die objektiv gemessen wurden mit Rekorden vergleicht, kann relativiert werden, was es bedeutet über 100 m unter 9 Sekunden zu bleiben oder über 2,30 m zu springen.

49 Dazu ein Zitat von dem Sportsoziologen Omno Gruppe: „Nicht nur Sportler verstoßen gegen das olympische Ethos, auch Funktionäre, Schiedsrichter und Kampfrichter tun dies und selbst die „Olympier“ auf den olympischen Höhen nehmen es mit der olympischen Moral nicht immer so genau.“ O. Gruppe in M. Krüger, 2001, S. 62

50 Vgl. F. Bockrath (2005): „Ethik und Bildung im Sport? Moralerziehung zwischen pädagogischen Ansprüchen und Möglichkeiten“, S. 10 in: Laging, R., Prohl, R. (Hrsg.): „Bewegungskompetenz als Bildungsdimension. Reprint ausgewählter Beiträge aus den dvs - Bänden 104 und 120, Hamburg Czwalina, S. 1 -29

51 „Dass Sport gesund ist und schick obendrein, das haben wir nun fast alle begriffen. Bis auf kleinen Minderheiten, die sich verstockt resistent zeigen, ist die Gesellschaft allmählich auf den sportlichen Geschmack und damit in Bewegung gekommen.“ (W. Kaschuba (1989): Sportivität: Die Karriere eines neuen Leitwertes; in: Sportwissenschaft Zeitschrift 19. Jahrgang 154- 171, S.156)

52 Jacob, Stefan (1994), S.17

53 Seven, Anselm: Zwischen Funktion und Leistung: Zur systemtheoretischen Kritik des Sportbegriffs, Elektronische Dissertation, Universität Göttingen; URLhttp://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2007/seven/seven.pdf; Seitenzugriff 27.02.2011

Details

Seiten
272
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656976943
ISBN (Buch)
9783656976950
Dateigröße
4.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299894
Note
Schlagworte
Sportökonomie Sportsoziologie Sozioökoomie des Sports Organisation von Sport moderner Sport Funktion von Sport Handlungsfeld Sport Gesundheit und Trend

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Titel: Die Sozioökonomie von Sport