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Literacy-Boxen als Diagnosemöglichkeit im Eingangsbereich der Grundschule und im Kindergarten

Welche Möglichkeiten Literacy-Boxen und Literacy-Center bieten

von Ted Baer (Autor)

Ausarbeitung 2015 12 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Literacy

2. Literacy-Center

3. Literacy-Box: Superhelden
3.1 Themenwahl: Superhelden
3.2 Spielinhalte
3.3 Beschreibungen und Beobachtungsmöglichkeiten
3.4 Beobachtungsbogen

4. Quellen

1. Literacy

Bevor Kinder die Schule besuchen und dort erstmals systematisch das Lesen und Schreiben lernen, sind sie bereits mit etlichen schriftsprachlichen Handlungen, Erfahrungen und Beobachtungen vertraut. Diese Zeit der ersten Erfahrungen mit Schrift und Schriftzeichen bis zur Zeit, in der Kinder das Lesen und Schreiben vollständig erlernt haben, nennt man „Emergent Literacy“ (Miller 2000) und beginnt bereits lange vor Schuleintritt. Es handelt sich also um Wissen und Fertigkeiten, die im direkten oder indirekten Zusammenhang mit Schriftsprache stehen und sich auf das Erlernen von Lesen und Schreiben in der Schule stark auswirken.

Literacy ist nur schwer anhand von bestimmten Kriterien messbar, vielmehr lassen sich lediglich anhand von bestimmten Indikatoren Beobachtungen anstellen, die auf die Existenz von sozial vermittelten Erfahrungen mit Schriftkultur hinweisen (vgl. Nickel, S.87). Als Stränge, beziehungsweise Aspekte, die bei der Beobachtung Anwendung finden, nennt Nickel (Meta-)Sprache, Schriftbewusstsein, Bücher und (frühes) Schreiben.

Literacy ist eng an die Sprach- und Metasprachentwicklung geknüpft. Im Folgenden spielt im Bezug hierauf vor allem die Ausdrucksfähigkeit in Rollenspielen oder bei Beschreibungen eine große Rolle, aber auch die Verständigung außerhalb des Spiels über das Spiel in Form der Metasprache.

Unter Schriftbewusstsein wird verstanden, dass Kinder verschiedene Symbole, wie beispielsweise Logos, aber auch Schriftzüge oder geschriebene Namen und Begriffe einem realen Objekt zuordnen können. Die Kinder sind sich also bewusst darüber, dass ein Zeichen oder mehrere Schriftzeichen eine bestimmte Bedeutung tragen.

Unter dem dritten Aspekt Bücher wird der allgemeine Umgang mit diesem Medium betrachtet. Es zeigt sich, ob Kinder von sich aus oder in Gruppen sich mit dem Medium Buch auseinandersetzen, wie sie damit umgehen und ob eine Kommunikation über das Buch, das (Vor-)Gelesene oder auch die Betrachtung entsteht.

Der letzte Strang, das Frühe Schreiben, umschließt Kritzeleien, Symbole, Schreibversuche oder sogar erste Schreibprozesse. Hier wird der Umgang von Kindern mit Schrift als Hilfs- oder Ausdrucksmittel betrachtet. Sowohl die Imitation einer Schreibarbeit, als auch die reale Schreibtätigkeit in jeglicher Form stehen im Fokus.

Da die Forschung in Deutschland sich lange Zeit nicht mit Literacy befasste, obwohl in anderen Ländern bereits verschiedene Versuche andeuteten, dass frühkindliche Literacyerfahrungen den Schriftspracheerwerb positiv beeinflussen, sind die bisherigen Forschungsergebnisse nur sehr begrenzt.

Eine Beobachtungsstudie an der Universität Koblenz-Landau befasste sich 2004 damit, ob Literacy-bezogenes Material in Lernumgebungen die Literacy-Handlungen der Kinder beeinflusste. Man orientierte sich hierbei an Morrow (2002), welcher postulierte, dass Kinder ihre Schreib- und Lesefähigkeiten erweiterten, wenn sie mit entsprechenden Materialien wie Papier, Karteikarten, Bücher oder Schreibwerkzeug konfrontiert wurden.

Morrow stellte in seiner Studie den Testgruppen schriftsprachliches Material zur Verfügung. Bei zwei der Gruppen wurde themenspezifisches Material angeboten, in diesem Fall zu einer Tierarztpraxis. Innerhalb dieser Gruppen mit themenbezogenem Material erhielt eine Gruppe Spielvorschläge von den ErzieherInnen, eine zweite nicht. Auffällig bei dieser Studie war, dass Kinder, die zwar themenbezogenes Material erhielten, aber keine konkreten Spielvorschläge erhielten, zwar im Gegensatz zu einer weiteren Kontrollgruppe ohne Materialien häufiger schriftsprachliche Tätigkeiten ausführten, aber im Vergleich zu den beiden anderen Testgruppen, welche konkrete Vorschläge erhielten, diese Tätigkeiten weniger häufig auftraten. Am effektivsten erscheinen in diesem Versuch also themenbezogene Materialien in Verbindung mit konkreten Spielvorschlägen, um die schriftsprachlichen Interaktionen und Spielvarianten zu fördern.

Die Beobachtungsstudie der Universität Koblenz-Landau glich dabei einer Testgruppe Morrowss 1990, welche Materialien zur Verfügung gestellt bekam, allerdings keine weiteren Instruktionen hierzu erhielt. Die Beobachtung zeigte deutlich, dass die Kinder sich auch Wochen nach dem Versuch öfter, länger und intensiver mit schriftsprachlichen Spielinhalten wie das Aufschreiben oder Lesen befassten als andere Kinder - allerdings in einem sehr geringen Maß. Dies lässt vermuten, dass die Bereitstellung von Material alleine nicht ausreicht, sondern - wie schon bei Morrow 1990 - eine Anregung durch beispielsweise eine Erzieherin notwendig ist.

2. Literacy-Center

Thematische Rollenspielecken, auch Literacy-Center genannt, wie Morrow (2002) sie ausführlich beschreibt, können vielfältige Literacyerfahrungen schaffen und Voraussetzungen für einen gelungenen Schriftspracherwerb schaffen. Des Weiteren eignen sich diese Center auch, um zu beobachten, welche Handlungen die Kinder in einem Spiel durchführen und inwiefern diese bereits schriftsprachliche Kompetenzen aufweisen.

Eine platzsparende Alternative zu Literacy-Centern sind sogenannte Literacy-Boxen, welche thematische Materialien beinhaltet, die zum Spiel anregen sollen. Der Vorteil dieser Boxen, im Gegensatz zu einer fest eingerichteten Rollenspielecke, liegt in der flexiblen Einsatzfähigkeit und der ökonomischen Aufbewahrungsmöglichkeit.

Literacy Boxen bringen neben der Platzökonomie noch weitere Vorteile, die sowohl im Kindergarten als auch während der Eingangsphase in der Schule ihre Berechtigung haben. Zum einen kann eine Spielumgebung angeboten werden, in welcher sich Kinder mit schriftsprachlichen Handlungen befassen. Darüber hinaus bieten Literacy Boxen (und ebenso natürlich die Center) die Möglichkeit, konkrete Spiel- und Handlungsvorschläge anzubieten. Durch die Beobachtung von Spielhandlungen und Tätigkeiten der Kinder können Aufsichtspersonen oder Lehrkräfte einschätzen, welche Erfahrungen Kinder mit Schrift gesammelt haben und wo sich unter Umständen Ansatzpunkte aufzeigen, welche man in der Gestaltung von Angeboten oder Unterricht integrieren kann.

Ein bisher noch unerwähnter Vorteil dieser Spielumgebungen besteht definitiv auch darin, dass es für die Kinder kein „Lernen“ oder „Arbeiten“ im herkömmlichen Sinne darstellt, sondern in Form von Spiel ein unbewusster Lernprozess stattfindet. Die Motivation der Kinder im Umgang mit diesen Angeboten ist also intrinsischer Natur, was einen deutlich höheren Lernerfolg und Kompetenzerwerb erwarten lässt.

Hervorzuheben sind außerdem die diversen Zugänge zur Schriftsprache, welche eine Literacy- Box bietet (vgl. Nickel). Die nachfolgend aufgeführte Beschreibung einer Literacy- Box bietet diverse solcher Zugänge zu verschiedenen Säulen der Literacy. Auch wenn es nicht möglich ist, alle eventuellen Handlungen aufzuzeigen, wird deutlich, wie vielfältig die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Materialien sein kann. Die Beschreibungen decken im Folgenden die Grundintension ab und geben diese wieder - darüber hinaus sind selbstverständlich noch andere Spielvarianten oder Handlungen denkbar.

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Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668100954
ISBN (Buch)
9783668100961
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300115
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Institut für Grundschulpädagogik
Note
Schlagworte
Grundschullehramt Schriftsprache Literacy Ausarbeitung Literacy Box Lehramt Grundschule Kindergarten Didaktik Deutsch

Autor

  • Ted Baer (Autor)

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Titel: Literacy-Boxen als Diagnosemöglichkeit im Eingangsbereich der Grundschule und im Kindergarten