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Bilanzierung und Bewertung der Finanzinstrumente nach HGB und IFRS

Seminararbeit 2015 14 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Gang der Untersuchung

2. Grundlagen der Finanzinstrumente
2.1. Portfolio der Finanzinstrumente
2.2. Exklusivität der Aktien

3. Bilanzierung und Bewertung der Aktien
3.1. Zusammenhang von Bilanzierung und Bewertung
3.2. Bilanzierung und Bewertung der Aktien nach HGB
3.3. Bilanzierung und Bewertung der Aktien nach IFRS

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Zielsetzung

Die zunehmende Dynamisierung und Globalisierung der Märkte haben die finanziellen Aktivitäten der Unternehmen ebenso wichtig für die Unternehmen werden lassen wie das eigentliche Kerngeschäft. Ausgegebene oder erworbene Finanzinstrumente gewinnen dadurch für die Unternehmen immer mehr an Bedeutung.[1]

Der ständige Wandel im Bereich der Finanzinstrumente bringt dazu immer neue Normen mit sich, die stark politisch geprägt sind.[2] In der nationalen und internationalen Rechnungslegung wird die Darstellung finanzwirtschaftlicher Aktivitäten immer wichtiger, da durch aussagekräftige Informationen günstige Konditionen bei der Kapitalaufnahme erreicht werden sollen.[3] Die Bewertung der Bilanzposten beeinflusst somit die Aussagefähigkeit der Bilanz.[4]

Ziel dieser Arbeit ist die Gegenüberstellung der Bilanzierung und Bewertung nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (im Folgenden: HGB) und den International Financial Reporting Standards (im Folgenden: IFRS).

1.2. Gang der Untersuchung

Kapitel 2 beginnt mit den theoretischen Grundlagen der Arbeit. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich dabei aufgrund der umfangreichen Gesetze und Standards auf die Erst- und Folgebewertung von Finanzinstrumenten am Beispiel der Aktien.

Es erfolgt demnach zunächst eine Definition der Finanzinstrumente im Allgemeinen und daraufhin die Abgrenzung der Aktien.

Im darauffolgenden Kapitel wird anhand eines Beispiels zunächst die Bilanzierung und Bewertung der Aktien nach HGB dargestellt. Im Anschluss erfolgt, ebenfalls anhand eines Beispiels, die Darstellung der Bilanzierung und Bewertung nach internationaler Rechnungslegung.

Die Arbeit endet in Kapitel 4 mit dem Fazit.

2. Grundlagen der Finanzinstrumente

2.1. Portfolio der Finanzinstrumente

Vertragsverhältnisse, die bei einem Unternehmen zu einer finanziellen Verbindlichkeit (financial liability) oder einem Eigenkapitalinstrument (equity instrument) führen und simultan bei einem anderen Unternehmen zu einem finanziellen Vermögenswert (financial asset) führen, werden in IAS 32.11 als Finanzinstrumente (financial instrument) bezeichnet.[5]

Darunter fallen alle vertraglichen Ansprüche und Verpflichtungen, die auf den Austausch von Eigenkapitalinstrumenten oder Zahlungsmitteln gerichtet sind.[6]

Finanzielle Verbindlichkeiten sind Vertragsverhältnisse, die dazu verpflichten, Finanzinstrumente austauschen zu müssen oder finanzielle Vermögenswerte abzugeben.[7]

Eigenkapitalinstrumente verbriefen einen Anspruch am Unternehmen nach Abzug aller Schulden. Bezugsrechte (warrants) aus Kapitalerhöhungen fallen ebenfalls unter diese Definition der Eigenkapitalinstrumente.[8]

Finanzielle Vermögenswerte umfassen Eigenkapitalinstrumente anderer Unternehmen, flüssige Mittel sowie das Recht finanzielle Vermögenswerte zu erhalten und diese austauschen zu können.[9] Es sind also Vermögenswerte, die weder immaterieller noch dinglicher Natur sind.[10]

Beispiele für Finanzinstrumente sind unter anderem:

Zahlungsmittel und deren Substitute,

Rückkaufvereinbarungen, Wertpapierleihe- und Wertpapierpensionsgeschäfte,

Forderungen und Schulden aus Lieferungen und Leistungen,

kurz- und langfristige Bankkredite,

Anleihen und Schuldverschreibungen (börsennotiert und nicht börsennotiert),

Eigenkapitaltitel (börsennotiert und nicht börsennotiert).[11]

Im Gegensatz zu der bisher erfolgten internationalen Abgrenzung des Begriffs der Finanzinstrumente handelt es sich im deutschen Bilanzrecht dabei um einen unbestimmten Rechtsbegriff.[12] Die rasante Entwicklung des Finanzmarktes erfordert daher keine ständige Anpassung der Definition des Begriffs der Finanzinstrumente.[13]

2.2. Exklusivität der Aktien

Aktien verbriefen in einer Aktienurkunde ein Mitgliedschaftsrecht an einer Aktiengesellschaft (im Folgenden: AG).[14] Der Aktionär wird Mitinhaber des Gesellschaftsvermögens, da er Teilhaber am Aktienkapital ist. Aktien garantieren weder Kursgewinne noch Dividenden, weshalb sie auch als Risikopapiere bezeichnet werden. Der Emittent hat verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für die ausgegebenen Aktien bezüglich

der Form (Nennwert-/Stückwertaktien),

der Gewährung von Rechten (Stamm-/Vorzugsaktien),

der Übertragbarkeit (Namens-/Inhaberaktien).[15]

Nennwertaktien zeichnen sich durch einen Nennwert aus, der auf einen festen Geldbetrag lautet. Das in der Satzung der AG festgeschriebene Grundkapital ergibt sich aus der Multiplikation der Anzahl der emittierten Aktien mit dem Nennwert der Aktien.

Die Urkunde der Stückaktie hingegen lautet nicht auf den Nennwert, sondern auf die Stückzahl der Aktien.[16]

Stammaktien garantieren dem Aktionär die satzungsmäßigen und gesetzlichen Rechte. Vorzugsaktien hingegen sind unter anderem hinsichtlich der Gewinnverteilung oder des Liquidationserlöses im Insolvenzfall mit Vorrechten ausgestattet.[17] Im Regelfall werden die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht emittiert.[18]

Namensaktien werden in das Aktienregister der AG auf den Namen des Aktionärs eingetragen. Da der Aktionär nicht verpflichtet ist, sich in den Aktienregister eintragen zu lassen, gelten nur eingetragene Personen als Aktionäre. Dem Unternehmen sind die Aktionäre dadurch namentlich bekannt, wodurch Mitteilungen zu Hauptversammlungen direkt übermittelt werden.[19]

Inhaberaktien lauten auf den jeweiligen Inhaber. Ein Eigentumswechsel ist formlos durch Einigung und Übergabe möglich.[20]

Aktien sind in die Kategorie der Eigenkapitalinstrumente einzuordnen, da sie zum Erhalt für die Zukunft beschlossener Dividenden berechtigen.[21]

3. Bilanzierung und Bewertung der Aktien

3.1. Zusammenhang von Bilanzierung und Bewertung

Bilanzierung ist die Aufnahme von Schulden, Vermögensgegenständen und sonstigen Posten in der Bilanz eines Unternehmens. Es wird unterschieden zwischen dem Bilanzansatz dem Grunde nach und dem Bilanzansatz der Höhe nach.[22] Der Bilanzansatz dem Grunde nach fragt, ob ein Posten in der Bilanz anzusetzen ist. Der Bilanzansatz der Höhe nach klärt, mit welchem Betrag der Posten in der Bilanz anzusetzen ist.

Der Bilanzansatz der Höhe nach nennt sich demnach Bewertung.[23]

Finanzielle Vermögenswerte sind zu bilanzieren und bei der erstmaligen Erfassung zu bewerten.[24] Besteht somit für einen Posten in der Bilanz Ansatzpflicht oder Ansatzwahlrecht, ist zu entscheiden, mit welchem Betrag der jeweilige Posten anzusetzen ist.[25]

3.2. Bilanzierung und Bewertung der Aktien nach HGB

Finanzinstrumente in Form von Aktien sind nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (im Folgenden: HGB) zu bilanzieren.[26] Zunächst ist jedoch eine Differenzierung zwischen der Zuordnung der Aktien zum Umlauf- bzw. Anlagevermögen vorzunehmen. Aktien werden dem Umlaufvermögen zugeordnet, wenn sie nicht dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb dauerhaft zu dienen. In allen anderen Fällen sind die Aktien dem Anlagevermögen zuzuordnen.[27]

Die Bewertung der Aktien des Umlaufvermögens erfolgt nach dem strengen Niederstwertprinzip. Der Ausgangspunkt dafür sind die Anschaffungskosten.[28]

Bei der Folgebewertung wird bei Anwendung des Niederstwertprinzips der niedrigere Zeit- oder Stichtagswert angesetzt, sofern dieser unter dem Buchwert des vorhergegangenen Abschlussstichtages liegt.[29] Bis zu den ursprünglichen Anschaffungskosten der Aktie kann eine Wertaufholung bei steigenden Börsenkursen erfolgen.[30]

Der aus der Wertaufholung resultierende Ertrag darf jedoch erst mit der Realisierung durch einen Umsatz in der GuV angesetzt werden.[31]

Das nachfolgende Beispiel soll die Erläuterungen verdeutlichen:

Ein Unternehmen kauft am 01.10.Y1 Aktien eines börsennotierten Konzerns in Höhe von 900€. Die mit dem Kauf verbundenen Transaktionskosten betragen 3€. Die Anschaffungskosten betragen somit 903€.

Verbuchung des Kaufs:

Zum Bilanzstichtag 31.12.Y1 ist der Wert der Aktien voraussichtlich dauerhaft auf 85% (903€ x 85% = 767,55€) der Anschaffungskosten gefallen. Die Abschreibung der Wertpapiere nach dem Niederstwertprinzip ist Pflicht. Danach ergibt sich:

Am Bilanzstichtag des Folgejahres ist der Tageswert dauerhaft auf 1400€ gestiegen. Dadurch ergibt sich rein rechnerisch ein Zuschreibungspotential von 632,45€ (1400€ - 767,55€ = 632,45€).

Da die Höhe der maximalen Zuschreibung auf die ursprünglichen Anschaffungskosten beschränkt ist, darf jedoch nur bis zu der Grenze von 903€ hinzugeschrieben werden.[32]

Den Ausgangspunkt bei der Bewertung und Bilanzierung der Aktien im Anlagevermögen bilden der Ertragswert und der Wiederbeschaffungswert.[33] Dauerhafte Wertminderungen sind laut § 253 Abs. 3 S. 3 HGB genau wie im Umlaufvermögen als Abschreibungen zu erfassen. Ein Abschreibungs-Wahlrecht besteht bei voraussichtlich nicht dauerhaften Wertminderungen laut § 253 Abs. 3 S. 4 HGB. Wertaufholungen sind genau wie bei den Wertpapieren des Umlaufvermögens lediglich bis zur Höhe der Anschaffungskosten möglich.[34]

3.3. Bilanzierung und Bewertung der Aktien nach IFRS

Sobald ein Unternehmen eine Aktie erwirbt und dadurch Vertragspartei wird, sind Aktien in der Bilanz anzusetzen.[35] Der neue IFRS 9 regelt den Ansatz und die Bewertung dieser finanziellen Vermögenswerte. Das IASB hat den 01.01.2018 als verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt für diesen Standard festgelegt.[36] Bis dahin gelten die Bestimmungen des IAS 39 weiter.[37]

[...]


[1] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 182.

[2] Vgl. Ruhnke, K., Simons, D. (2012), S. 487.

[3] Vgl. Torabian, F. (2010), S. 1.

[4] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 11.

[5] Vgl. Grünberger, D. (2014), S. 117.

[6] Vgl. Ruhnke, K., Simons, D. (2012), S. 488.

[7] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 184.

[8] Vgl. Grünberger, D. (2014), S. 187.

[9] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 184.

[10] Vgl. Haßlinger, M. (2010), S. 119.

[11] Vgl. Kirsch, H. (2013), S. 119.

[12] Vgl. Breckheimer, I. (2010), S. 5.

[13] Vgl. Torabian, F. (2010), S. 65.

[14] Vgl. Esskandari, M., Franck, S., Künnemann, U. (2012), S. 592.

[15] Vgl. Sparkassen RatgeberService Vermögensanlage (2014), S. 35.

[16] Vgl. Bieg, H., Kußmaul, H. (2011), S.87.

[17] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., Rathgeber, A. (2014), S. 402.

[18] Vgl. Sparkassen RatgeberService Vermögensanlage (2014), S. 35.

[19] Vgl. Becker, H. P. (2013), S.160.

[20] Vgl. Pape, U. (2011), S. 82.

[21] Vgl. Christian, D. (2013), S. 68.

[22] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 38.

[23] Vgl. Hares, C. (2010), S. 9.

[24] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 186f.

[25] Vgl. Ruhnke, K., Simons, D. (2012), S. 299.

[26] Vgl. Schmitz, F., Huthmann, A. (2012), S. 87 Rn. 108.

[27] Vgl. Torabian, F. (2010), S. 76f.

[28] Vgl. Schmitz, F., Huthmann, A. (2012), S. 88 Rn. 111.

[29] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 55.

[30] Vgl. Scheffler, E. (2013), S. 80.

[31] Vgl. Schmidt, M. (Hrsg.), Auer, B., Schmidt, P. (2012), S. 337.

[32] Vgl. Schmidt, M. (Hrsg.), Auer, B., Schmidt, P. (2012), S. 337f.

[33] Vgl. Torabian, F. (2010), S. 77.

[34] Vgl. Schmitz, F., Huthmann, A. (2012), S. 87 Rn. 110.

[35] Vgl. Christian, D. (2013), S. 69.

[36] Vgl. Gehrer, J., Krakuhn, J., Schüz, P. (2014), S. 385.

[37] Vgl. Grünberger, D. (2014), S. 118f.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656965411
ISBN (Buch)
9783656965428
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300140
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Neuss früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Finanzstrumente IFRS HGB Aktie Bilanzierung Bewertung

Autor

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