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Der Fall Chile. Hegemonie und Imperialismus in einem postkolonialen System

Ausarbeitung 2015 12 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Hegemonie (Ashcroft)
2.2 Imperialismus (Ashcroft)
2.3 Dominotheorie

3 Fallanalyse: Chile
3.1 Historischer Abriss
3.1.1 Kandidatur und Wahlsieg Allendes
3.1.2 Project FUBELT
3.1.3 Radikalisierung und Putsch
3.1.4 Operation Condor
3.2 Gründe für die Unterstützung der Diktatur
3.3 US-amerikanische Hegemoniebestrebungen: Unterstützer und Widersacher

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im 20. Jahrhundert wurde Chile, wie die meisten anderen lateinamerikanischen Länder auch, eine Zeit lang durch eine rechtsgerichtete Militärdiktatur beherrscht.

Bereits seit 1963 hatte der US-amerikanische Geheimdienst CIA (Central Intelligence Agency) diverse Operationen durchgeführt, um die Wahl des Sozialisten Salvador Allendes zum Präsidenten zu verhindern. Zunächst handelte es sich laut einem offiziellen Bericht des Church Committees (SonderKomitee des US-Senats zur Untersuchung der Verstrickung der USA in den Putsch) hierbei um eine Art Propagandakrieg, welcher sich jedoch innerhalb des folgenden Jahrzehnts zu weitreichenderen Operationen entwickelte.

Bevor 1973 die Regierung Allendes durch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte und späteren Vorsitzenden der Militärjunta bzw. Präsidenten General Augusto Pinochet und dessen Verbündeten in einem Putsch gestürzt wurde, hatten die USA bereits Schritte unterschiedlicher Art gegen das bis dahin sozialistische Chile eingeleitet: Auf vorangegangene Enteignungen und Verstaatlichungen im wirtschaftlichen Bereich (unter anderem auch von US-amerikanischen Firmen), reagierten die USA mit wirtschaftlichen Sanktionen und auch vom geplanten Putsch soll die CIA bereits einige Tage im Voraus gewusst haben.

Der damalige Außenminister der USA Kissinger wurde verdächtigt, den Putsch aktiv unterstützt zu haben. In einem telefonischen Bericht Kissingers an den USPräsidenten Nixon fielen bezüglich des Vorwurfs folgende Worte: "We didn't do it. I mean we helped them. [Garbled] created the conditions as great as possible." (Kornbluh, 2004)

Demnach waren die USA zwar nicht aktiv und direkt am Putsch beteiligt, jedoch an einem Ausgang wie jenem 1973 interessiert, um dafür zu sorgen, dass ihre Hegemonialstellung in der Welt bzw. in dem Falle in Chile ausgebaut wurde.

Das Hegemoniestreben der Vereinigten Staaten von Amerika konnte in einem postkolonialen System, wie dem Chiles in den 1970er Jahren, erfolgreich sein, da diese innerhalb Chiles zunächst durch rechte Oppositionelle und später durch den chilenischen Geheimdienst und die Geheimpolizei DINA (Dirección de Inteligencia Nacional) unterstützt wurden.

Im Folgenden werde ich untersuchen, wie die USA eine solche Macht auf die Geschehnisse in Chile ausüben konnten, welche Mittel sie einsetzten und welche Gründe sie für ihre Operationen hatten.

2 Theoretische Grundlagen

Um die Thematik genauer analysieren zu können, bedarf es zunächst der Klärung einiger Definitionen.

2.1 Hegemonie (Ashcroft)

Nach Ashcroft beschreibt der Begriff Hegemonie die Vorherrschaft eines Staates innerhalb eines Bündnisses. Sie ist die Kraft einer herrschenden Klasse, andere davon zu überzeugen, dass ihre Interessen den Interessen aller entsprechen. Hegemonie wird jedoch nicht durch Zwang oder Überzeugung erreicht, sondern subtiler und durch umfassendere Macht über Wirtschaft und Staatsapparate, wie zum Beispiel Bildung oder Medien. (Ashcroft & Griffiths & Tiffin, 1998.)

2.2 Imperialismus (Ashcroft)

Der Begriff Imperialismus wird meist in Verbindung mit Kolonialismus verwandt. Abgesehen von diesem Fall hat er jedoch auch in postkolonialen Systemen eine Bedeutung. Im Imperialismus versucht eine Nation oder Volksgruppe politischen oder wirtschaftlichen Einfluss beispielsweise in einem Nachbarstaat zu erlangen. Diese Bestrebungen können sich bis hin zur Beherrschung einer fremden Nation entwickeln oder zur Eingliederung einer Nation in den eigenen Machtbereich führen.

Ziel des Imperialismus ist meist der Aufbau oder die Aufrechterhaltung eines asymmetrischen politischen oder wirtschaftlichen Verhältnisses.

"In its most general sense, imperialism refers to the formation of an empire, and, as such, has been an aspect of all periods of history in which one nation has extended its domination over one or several neighbouring nations" (Ashcroft & Griffiths & Tiffin, 1998.)

2.3 Dominotheorie

Der Begriff Dominotheorie wurde von Vertretern der USA während des Kalten Krieges etabliert. Der Grundgedanke ist eine Kettenreaktion von als Katastrophen empfundenen Ereignissen. Das Schicksal des ersten Steines determiniert hierbei das Schicksal des benachbarten usw. (Kohl, 2001; Kohl, 2001: 36)

Die USA gingen zu dieser Zeit von einem Expansionsstreben der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) und deren kommunistischer Ideologie aus. Der Dominotheorie zufolge würde sich der Kommunismus also unaufhaltsam ausbreiten. Um dem entgegenzuwirken, richteten die USA ihre Außenpolitik der Rollback-Strategie entsprechend aus.

3 Fallanalyse: Chile

3.1 Historischer Abriss

3.1.1 Kandidatur und Wahlsieg Allendes

1979 wurde Salvador Allende als Kandidat der sozialistischen Unidad Popular (UP) zum Präsidenten Chiles gewählt und löste seinen Vorgänger, den Christdemokraten Frei, ab. Während seines Wahlkampfes hatte Allende unter anderem versprochen, die Kupferminen und das Bankwesen zu verstaatlichen, um der großenteils verarmten Bevölkerung aus ihrer prekären Lage verhelfen zu können. Die USA hatten diesen Vorhaben mit Besorgnis entgegen gesehen, denn auch einige große US-amerikanische Unternehmen hatten Firmenstandorte in Chile. Aus diesem Grund unterstützten amerikanische Unternehmen, die CIA und die US-Regierung Allendes konservativen Gegenkandidaten im Wahlkampf mit etwa 2 Millionen US-Dollar. (Sater, 1990.)

Nach der Wahl gab Präsident Nixon der CIA den Befehl, den Amtsantritt zu verhindern, was trotz einiger Bemühungen scheiterte: Der Generalstabschef René Schneider wurde unmittelbar vor der Abstimmung im Nationalkongress von durch die CIA mit Waffen ausgerüsteten rechtsextremen Gruppe ermordet - dennoch wurde Allende mit 153 von 188 Stimmen zum neuen Staatsoberhaupt gewählt.

3.1.2 Project FUBELT

Nachdem Allende zum Staatspräsidenten gewählt worden war, weiteten die USA ihre Geheimdienstaktivitäten in Chile aus: Project FUBELT, welches bereits vor den Wahlen gestartet wurde, war eine geheime Operation der CIA, welche zur Destabilisierung der Regierung dienen und Voraussetzungen für einen Putsch schaffen sollte. Ein Teilziel war es, eine wirtschaftliche Krise zu verursachen. (Hanhimäki, 2004)

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Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656976042
ISBN (Buch)
9783656976059
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300146
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Romanisches Seminar
Note
1.0
Schlagworte
Spanisch Kulturwissenschaften KuWi Uni Mainz Romanisches Seminar Einführung Ausarbeitung Hausarbeit Lateinamerika Militärdiktatur Chile 20. Jahrhundert Pinochet Desaparecidos Operation Kondor

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Titel: Der Fall Chile. Hegemonie und Imperialismus in einem postkolonialen System