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Standortwettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit von Städten und Regionen

Seminararbeit 2013 38 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung

2 Bestandteile des Standortwettbewerbs
2.1 Standortfaktoren im Wettbewerb
2.1.1 Harte Standortfaktoren
2.1.2 Weiche Standortfaktoren
2.2 Ziele des Standortwettbewerbs
2.3 Herausforderungen im Standortwettbewerb
2.4 Strategien des Standortwettbewerbs
2.4.1 Passive Instrumente
2.4.2 Aktive Instrumente

3 Praxisbeispiel Wirtschaftsstandort Region Leipzig
3.1 Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Region Leipzig
3.2 Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Region Leipzig
3.3 Potentiale für den Standort Leipzig
3.4 Clusterstrategie als Anker des Standortwettbewerbs
3.4.1 Automobil & Zulieferungscluster
3.4.2 Standortwahl BMW Leipzig
3.4.3 Standortfaktoren, die für Leipzig sprechen
3.5 Auswirkungen auf die Region Leipzig

4 Schlussbemerkung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Städte und Regionen befinden sich in einem stärker werdenden Wettbewerb. Dabei geht es auf der einen Seite um die Folgen des demographischen Wandels und auf der anderen Seite um die Ansiedlung neuer Unternehmen in einem immer stärker vernetzten wirtschaftlichen Umfeld. So hat die Globalisierung bereits große Veränderungen in Bezug auf das tägliche Leben bewirkt. Nicht nur die bessere Erreichbarkeit, sondern auch das erweiterte Warenangebot und die einfachere Kommunikation zeigen, wie sehr sich die Auswirkungen für viele Menschen in positiver Form bemerkbar machen. Doch sind es nicht nur Vorteile die eine weltweite Verknüpfung der Menschen, Standorte und Länder mit sich bringen. Gerade die Arbeitsplatzfrage stellt eine große Herausforderung der Globalisierung dar. Günstige Fachkräfte aus dem Ausland oder auch ganze Produktionsverlagerungen in Länder mit günstigeren Arbeitskräften sind für viele Arbeitnehmer zu einer „Gefahr“ geworden, der sie sich ausgesetzt sehen. Im Gegensatz dazu bieten die Möglichkeiten, die mit einer Senkung der Transportkosten und der dadurch möglichen Verlagerung eines Produktionsstandortes an fast jeden Ort der Welt einhergehen, für Unternehmen große Potentiale.[1]

Dieser Ansatz zeigt, dass der Wettstreit um die Ansiedlung von Unternehmen durch die Globalisierung auf eine neue Ebene angehoben wird. Daraus ergibt sich sowohl für Länder, als auch für Städte eine wachsende Konkurrenz durch die neue Internationalität des Wettbewerbs.[2] Dieser Wettstreit bezieht sich auf mobile Produktionsfaktoren und die damit verbundenen Wachstums- und Beschäftigungschancen für die Region. Die Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Welt als Land oder auch als Stadt gegenüber anderen Regionen, verlangt dabei nach einem gezielten Konzept. Instrumente wie das Standortmarketing und genau auf die Bedürfnisse der Nachfrager ausgerichtete Strategien spielen dabei eine erhebliche Rolle.[3]

Eine genaue Problemstellung und daraus folgende Ziele dieser Arbeit, die sich aus dem beschriebenen Sachverhalt ergeben, werden zur Erläuterung in den folgenden Punkten genauer dargestellt, um das Thema einzugrenzen. Des Weiteren wird der Gang der Untersuchung beschrieben, um eine Übersicht über die Vorgehensweise bei der Bearbeitung zu geben.

1.1 Problemstellung

Die Problemstellung der Arbeit greift die Auswirkungen der Globalisierung für eine Stadt auf. Dafür wurden zwei Fragestellungen erarbeitet, anhand derer die Ziele der Arbeit abgeleitet werden und die weitere Vorgehensweise abgesteckt wird. Die erste Fragestellung beschäftigt sich mit den Standortfaktoren, die im Wettbewerb um Unternehmen mit dem Bezug auf die Stadt Leipzig wichtig sind und gerade durch die wachsende Konkurrenz an Bedeutung gewinnen.

Welchen Herausforderungen in Bezug auf die Ausprägung der Standortfaktoren ergeben sich für die Stadt Leipzig?

Unternehmen sehen sich heutzutage einer Vielzahl an Möglichkeiten bzw. Standorten für die Produktion ihrer Güter gegenübergestellt. Städte als potentielle Produktionsstandorte sollten sich daher damit beschäftigen, welche Standortfaktoren für die Unternehmen bedeutsam sind. Demgegenüber stehen Standortfaktoren, die beispielsweise wichtig für die Bindung von Humankapital sind, aber nur indirekte Auswirkungen auf die Unternehmen haben.[4] Da sich diese Arbeit jedoch überwiegend auf die Ausrichtung des Wettbewerbs auf Unternehmen bezieht, soll der Fokus auf den erstgenannten unternehmensspezifischen Standortfaktoren liegen.

Ausgehend von den aufgeführten Standortfaktoren, die den Wettbewerb Leipzigs mit anderen Städten und Regionen bestimmen, kann eine Stadt auch durch gezielte Strategien den nachhaltigen Erfolg als Wirtschaftsstandort erhalten. Auf diesen Sachverhalt bezieht sich die zweite Fragestellung dieser Arbeit:

Welche Instrumente des Standortwettbewerbs nutzt die Stadt Leipzig, um für Unternehmen einen attraktiven Standort darzustellen?

Das Instrumentarium, welches den Städten zur Verfügung steht, bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten, um den Unternehmen die eigene Stadt als potentiellen Standort vorzustellen. Interessant ist dabei besonders die Umsetzung und Anpassung an die jeweils vorliegenden Bedürfnisse der Unternehmen. Denn gerade durch diese Anpassung legt sich eine Stadt oder Region auch auf einen bestimmten Weg fest. Eine Ausrichtung auf einen spezifischen Industriezweig beispielsweise ist eine sehr langfristige Maßnahme, deren nachträgliche Änderung ebenfalls viel Zeit in Anspruch nimmt. Ob die Stadt Leipzig sich durch die gewählten Instrumente und die dadurch eingeschlagene Richtung gut positionieren konnte ist eine weitere Frage, die anhand des Praxisbeispiels zu beantworten ist.

1.2 Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist es, die Theorie des Standortwettbewerbs auf das gewählte Praxisbeispiel, den Standort „Region Leipzig“ zu übertragen. Dazu sollen die im zweiten Abschnitt der Arbeit theoretisch erarbeiteten Standortfaktoren auf ihre Ausprägung in Leipzig untersucht werden. Fallen die so ermittelten Ergebnisse negativ aus, gilt es die dadurch entstehenden Herausforderungen zu benennen, um einen Ausblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt geben zu können. Gleiches kann auch durch die Analyse der genutzten Instrumente abgeleitet werden. Diese sollen dazu ebenfalls zuerst theoretisch dargestellt werden, um sie dann in Bezug auf ihrer Anwendung am Standort Leipzig zu zeigen. Daraus lässt sich ein umfassendes Bild über den Standortwettbewerb und vor allem über die weitere Wettbewerbsfähigkeit erstellen. Um im Ergebnis dann zu einer Prognose für den weiteren Verlauf zu kommen, ist es wichtig auch die bisherige Entwicklung des Standortes darzustellen.

1.3 Gang der Untersuchung

Die Vorgehensweise bei der Untersuchung der beschriebenen Fragestellungen ist in zwei Hauptpunkte unterteilt. Der Abschnitt 2. der Arbeit gibt einen Überblick über den theoretischen Stand, der aktuell zu dem Thema Standortwettbewerb gegeben ist. Hierbei werden die Standortfaktoren und die Instrumente im Wettbewerb besonders hervorgehoben. Darüberhinaus werden die Ziele, die Regionen oder Städte zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit haben erläutert und Herausforderung für die Erreichung genannt. Diese theoretische Herleitung dient dem weiteren praxisbezogenen Verlauf der Arbeit. Hier wird sich maßgeblich auf den Standortwettbewerb der Region Leipzig konzentriert. Aspekte wie die Ansiedlung der Automobilindustrie werden dabei näher beleuchtet. Welche Standortfaktoren eine essentielle Rolle im Allgemeinen und für die Region Leipzig im Speziellen spielen wird hervorgehoben. Die Instrumente, welche die Region einsetzt um den Industriezweig der Automobilbranche für ihren Standort zu gewinnen, werden herausgearbeitet. Der aktuelle Stand von Leipzig im Wettbewerb mit anderen Regionen soll betrachtet werden und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Stadt und ihres Umlandes geben.

2 Bestandteile des Standortwettbewerbs

Im Standortwettbewerb treten Städte als Anbieter eines Umfeldes für die Niederlassung von Unternehmen auf. Damit stehen die Unternehmen im Gegensatz zu ihrem sonst betriebenen Produktwettbewerb mit anderen Unternehmen, auf der Nachfragerseite für beispielsweise Fläche, Arbeitskräfte und das Image des gefragten Standortes.[5] Auch wenn diese beiden Wettbewerbsformen klar voneinander abzugrenzen sind, gibt es bei genauerer Betrachtung des Standortwettbewerbs eine Vielzahl von Übereinstimmungen und Angleichungen. So ist es gerade die schnell wachsende Standortkonkurrenz, die Städte dazu bringt das Instrumentarium des Marketings immer weiter auszureizen, um sich gut für den Standortwettbewerb zu positionieren.[6] In den folgenden Punkten soll daher der aktuelle Standortwettbewerb, wie er aktuell zwischen den Städten auftritt, charakterisiert werden. So sollen die verschiedenen Standortfaktoren erläutert, die Ziele und Herausforderungen benannt und die Instrumente, die in diesem Konkurrenzkampf genutzt werden, genauer beschrieben werden.

2.1 Standortfaktoren im Wettbewerb

Die Standortwahl verändert sich im 18. Jahrhundert in Europa grundlegend. Mit Einsetzen der Industrialisierung kommt es erstmals dazu, dass Orte mit einem bestimmten Rohstoffvorkommen für die sich bildenden Produktions- und Industrieunternehmen besonders wichtig sind. Weiterhin sind Energievorkommen durch die Mechanisierung und Automation von besonderer Bedeutung. Da solche Standorte nur in begrenzter Anzahl vorhanden sind und sich auch in der Größe der Vorkommen unterscheiden, kommt es bei den besonders positiv zu bewertenden Standorten zu einer ersten Agglomeration. Das bedeutet, dass sich Produktionsstätten mit gleichen Bedürfnissen an denselben Orten niederlassen und dadurch eine räumliche Ballung erzeugen. Da sich durch die fortlaufende Entwicklung der Industrie weitere spezifischere Branchen bildeten, stieg auch die Zahl an Eigenschaften, die ein Ort aufweisen musste. Dies ist in der Ausdifferenzierung der Unternehmen und den damit einhergehenden erweiterten Bedürfnissen begründet.[7]

Ein Standort lässt sich daher als ein aus einer Vielzahl an Eigenschaften zusammengesetztes Konstrukt beschreiben.[8] Diese Eigenschaften wurden bereits 1909 von Alfred Weber als „Standortsfaktoren“ bezeichnet. Dieser definierte einen Standortfaktor als „seiner Art nach scharf abgegrenzten Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort, oder auch generell an Plätzen bestimmter Art vollzieht.“[9] In seiner Arbeit „Reine Theorie des Standortes“ geht Weber besonders auf die Transportkosten, Arbeitskosten und Kostenvorteile durch Agglomeration ein. Dadurch entwickelt er ein Modell, welches die wirtschaftliche Standortwahl anhand der drei genannten Faktoren erklärt. Die Standortwahl einer wirtschaftlichen Unternehmung fällt dementsprechend auf den Ort, der die günstigsten Merkmale aufweisen kann.[10]

Diese Faktoren, die einen Standort charakterisieren, können unterschiedlich kategorisiert werden. In dieser Arbeit sollen sie, wie in der Literatur üblich (siehe Abbildung 1), in die zwei Hauptgruppen nach harten und weichen Standortfaktoren unterteilt werden.[11] In den folgenden Punkten sollen diese näher erläutert werden. Dazu wird nicht auf alle Standortfaktoren explizit eingegangen. Viel mehr soll ein Überblick für den weiteren praxisbezogenen Verlauf der Arbeit in Abschnitt 3. gegeben werden.

2.1.1 Harte Standortfaktoren

Harte Standortfaktoren sind die Eigenschaften eines Standortes die gut quantifizierbar sind. Des Weiteren sind sie über die besondere Relevanz der Fakten zu charakterisieren. Das bedeutet, dass eine Standortentscheidung nach den messbaren Daten ausgerichtet wird. Diese Daten werden nicht durch eine Einschätzung bewertet oder eingeordnet.[12] Die unter anderen bereits von Weber genannten Standortfaktoren Transportkosten, Arbeitskosten und Grundrente sind Beispiele für harte Standortfaktoren. Weber bezeichnet diese Gruppe als generelle Faktoren und grenzt sie damit von den speziellen Faktoren, die sich auf einzelne Industriebetriebe beziehen, ab. Jedoch sind auch diese speziellen Standortfaktoren mit Beispielen wie der Verfügbarkeit von fließendem Wasser oder dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft gut quantifizierbar und zählen damit zu den harten Standortfaktoren.[13] Die erst genannten Beispiele für generelle Faktoren sind in ähnlicher Form auch von Grabow et al. aufgezählt worden. In dieser Studie werden sie, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, als Verkehrsanbindung, Flächenverfügbarkeit und Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte aufgeführt.[14]

Weitere Beispiele für die harten Standortfaktoren wie aus Abbildung 1 zu entnehmen ist, sind die Nähe zu Zulieferern, die Nähe zu den Kunden, die Verwaltungsflexibilität und auch die steuerlichen Rahmenbedingungen einer Stadt oder Region. Weiterhin können auch Subventionen für einen Standort sprechen. Diese Standortfaktoren unterscheiden sich dabei in der Stärke der Mittelbarkeit für die Relevanz, die sie auf die Geschäftstätigkeit ausüben und der Möglichkeit, sie gut oder schlecht zu quantifizieren. Es wird deutlich, dass der Übergang zwischen harten und weichen Standortfaktoren oft fließend ist und es auf die subjektive Wahrnehmung des Betrachters ankommt. Ein Beispiel für diesen unklaren Übergang stellen besonders die Schulen dar. Sie sind nach ihrer Anzahl gut quantifizierbar, jedoch in ihrer Qualität der Bildung nur subjektiv bewertbar.

Abbildung 1: Harte und weiche Standortfaktoren

Quelle: Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 65.

2.1.2 Weiche Standortfaktoren

Der Begriff der weichen Standortfaktoren wird nicht einheitlich definiert und unter verschiedenen Aspekten angewandt. Vor den 1980er Jahren wurden diese Faktoren unter anderem als außerökonomische Faktoren oder persönliche Präferenzen bezeichnet.[15] Grabow et al. definieren diese Art der Standortfaktoren in ihrer Arbeit 1995 als entweder schwer messbar oder als bestehende Fakten, die durch Einschätzungen verdrängt oder verändert werden. Weiterhin gibt es eine Unterteilung der weichen Standortfaktoren in diejenigen, die direkte Auswirkungen auf das unternehmerische Handeln haben und solche, die nur auf die Beschäftigten der Unternehmen Einfluss haben. Die daraus folgenden Typen sind weiche unternehmensbezogene Faktoren und weiche personenbezogene Faktoren.[16]

Grundsätzlich sind die weichen Standortfaktoren von geringerer Bedeutung als die harten Standortfaktoren. Dies belegt auch die Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik. In der 1995 durchgeführten Untersuchung wurde festgestellt, dass nur 20 Prozent der Unternehmer die weichen Standortfaktoren bei einer Standortentscheidung berücksichtigen. Darüberhinaus stellen sie auch bei den Unternehmern, die sie stärker in ihre Entscheidungen mit einbeziehen, kein Kriterium dar, das alleine genommen als Entscheidungsgrundlage dient.[17] Weiterhin gibt es weiche Standortfaktoren, die zwar messbar sind, jedoch erst durch die subjektive Einschätzung ihre Wertigkeit erhalten. Gerade bei diesen Faktoren fällt es den Städten schwer, die richtige Ausrichtung für die weitere Entwicklung im Standortwettbewerb zu finden.[18] Als Beispiel hierfür wäre das kulturelle Angebot der Stadt Leipzig zu nennen. So können die kulturellen Einrichtungen wie Museen, Theater und verschiedenste Veranstaltungen anhand ihrer Anzahl zwar gemessen werden. Jedoch liegt erst durch die Einschätzung des Entscheiders (bspw. Unternehmen bei einer Standortentscheidung) über die Qualität eine richtige Bewertung vor.

Weitere Beispiele für die weichen Standortfaktoren sind die Mentalität der Bevölkerung, das soziale Klima einer Stadt, das Stadtbild, der Freizeitwert und die schulischen Ausbildungsmöglichkeiten. Darüberhinaus stellt auch das Image einer Region einen nicht quantitativ messbaren, aber wichtigen weichen Standortfaktor dar.[19] Dies lässt sich auch am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main und dem ausgedehnten Bankensektor nachvollziehen. Es ist anzunehmen, dass die Ansiedlung vieler Banken und der Börse das Image der Stadt geprägt hat und weitere Banken dadurch in ihrer Entscheidung über einen neuen Standort in Frankfurt am Main beeinflusst wurden.

2.2 Ziele des Standortwettbewerbs

Ziele des Standortwettbewerbs von Städten und Regionen sind vor allem das Wirtschaftswachstum, Innovationen, der Wohlstand und die Attraktivität als Arbeits- und Investitionsstandort zu steigern. Darauf aufbauend soll die Ansiedlung neuer Unternehmen in der Region gefördert werden. Damit sollen übergeordnet die Sicherheit, das Einkommen und die Beschäftigtenzahl in einer Region gesteigert und verbessert werden.[20] Die Zielgröße „Einkommen“ beinhaltet dabei das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und das Wirtschaftswachstum. „Beschäftigung“ bezieht sich auf die Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit in einer Region. Die „Sicherheit“ unterteilt sich in soziale Sicherheit, also die Transferempfänger je Einwohner und die innere Sicherheit, die sich auf nicht aufgeklärte Straftaten je Einwohner bezieht.[21] Kotler ergänzt weitere Komponenten, die im Standortwettbewerb unabdingbar sind. Zum einen sieht er eine attraktive Stadtgestaltung als wichtigen Faktor an, der die ästhetischen Qualitäten einer Stadt zur Geltung bringt. Das moderne Stadtbild setzt die Erhaltung und Mischung von historischen Bauwerken, städtebaulichen Merkmalen und Neubauten, sowie das Umweltbewusstsein im Städtebau in den Vordergrund. Im Wettbewerb um Investitionen spielt die Stadtgestalt eine zentrale Rolle, da sich in ihr die Entscheidungen widerspiegeln, welche die weitere Entwicklung eines Standorts beeinflussen.[22]

Als weiteren essentiellen Punkt führt Kotler die Entwicklung und Sicherung der Infrastruktur, also die Mobilität von Menschen, Informationen und Gütern, auf. Zum einen steigert ein gutes Infrastrukturnetz die Lebensqualität der Menschen, zum anderen fördert sie die wirtschaftliche Produktivität der Region, womit die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Standorten einhergeht.[23]

Ziele des Standortwettbewerbs sind es diese Kategorien in der eigenen Region so zu verbessern und auszubauen, dass sie mit anderen Regionen konkurrieren kann. Mittel und Instrumente müssen taktisch eingesetzt werden, um hochwertige Arbeitskräfte, Industrie- und Gewerbeansiedlung für sich zu gewinnen und Innovationen zu fördern. „Denn letztendlich führen Innovationen zu Neuerungen, zu wirtschaftlichen Erfolgen und zu Nachhaltigkeit in einer Region, damit mittel- bis langfristig zu Beschäftigung und Einkommen.“[24]

Stärken und Schwächen, ebenso wie Chancen und Risiken eines Standortes mittels einer SWOT-Analyse herauszuarbeiten hilft dabei die Zukunftsaussichten eines Standorts besser zu beurteilen. Geeignete Strategien und Maßnahmen können so gezielt eingesetzt werden um den Standort wettbewerbsfähiger zu gestalten.[25]

2.3 Herausforderungen im Standortwettbewerb

Die Städte und Regionen sind einer Reihe von Herausforderungen gegenübergestellt. Mäding zählt die folgenden drei Herausforderungen als die wichtigsten auf:

- Globalisierung und ihre Folgen
- Demographischer Wandel und seine Folgen
- Klimawandel und seine Folgen[26]

Für den Standortwettbewerb ist die Globalisierung und die dadurch ausgelösten Veränderungen jedoch die wichtigste Herausforderung. Gerade durch sie kommt es zu einer Verstärkung der Standortkonkurrenz der Städte und Regionen.[27] Die Globalisierung lässt sich als die Zunahme von internationalen Wirtschaftsbeziehungen beschreiben, woraus sich in den letzten Jahrzehnten ein immer dichter werdendes wirtschaftliches Netzwerk gebildet hat. Besonders die verringerten Transportkosten haben Auswirkungen auf den Wettbewerb von Standorten, so ist die Produktion nicht mehr von der Nähe zu den Rohstoffen abhängig, sondern gerade das Arbeitskräftepotential und damit einhergehend auch die Lohnkosten werden wichtiger.[28] Dies hat oftmals gerade für Deutschlands Städte und Regionen die Folge, dass Unternehmen ihre Produktionsstandorte in andere Länder verlagern. Hierbei werden besonders Länder in Mittel- und Osteuropa bei sehr arbeitsintensiven Produktionsaufgaben bevorzugt.[29]

Durch diesen Strukturwandel der internationalen Wirtschaft und die damit weiter einhergehende Globalisierung des Wirtschaftens sind diverse Auswirkungen auf die Städte und Regionen abzuleiten. Wie in Abbildung 2. zu sehen ist, sind der bereits genannte verstärkte Standortwettbewerb durch die internationale Konkurrenz und die zunehmende Bedeutung der wissensorientierten Standortfaktoren zwei bedeutende Auswirkungen auf die Regionen. Dementsprechend lassen sich diese Auswirkungen auch direkt als Herausforderungen für deutsche Städte im internationalen Wettbewerb ansehen. Es ist die Aufgabe der Städte und Regionen sich durch geeignete Maßnahmen der Herausforderung Standortwettbewerb zu stellen und vor allem die wissenschaftliche Innovation und Bildung zu fördern. Gerade durch dieses Bündel an Standortfaktoren können sich Deutschlands Städte gegenüber anderen Ländern mit günstigeren Lohnniveaus absetzen und einen Standortvorteil generieren. Diese Maßnahmen müssen jedoch fest in der Politik verankert sein. Die Anforderungen gelten dementsprechend nicht nur für die Regionalpolitik der einzelnen Region und den dort vertretenen lokalen Akteuren, sondern auch für diejenigen Akteure, die sich mit der raumbezogenen Wirtschaftspolitik auseinandersetzen. Folglich gelten die Herausforderungen, die durch die Globalisierung des Wirtschaftens bestehen, auch für die EU, die Länder und Bundesländer und deren Vorgaben bezüglich der Wirtschaftspolitik.[30]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auswirkungen der Globalisierung des Wirtschaftens

Quelle: Blume, Kommunen im Standortwettbewerb, 2003, S. 20.

[...]


[1] Vgl. Schlecht, Verschärfte Standortkonkurrenz, 1999, S. 12 f.

[2] Vgl. Bräuninger/Stiller, Städte im Standortwettbewerb, 2006, S. 1.

[3] Vgl. Steinruecken/Jaenichen/Kuchinke, Standortwahl, 2005, S. 379.

[4] Vgl. Steinruecken/Jaenichen/Kuchinke, Standortwahl, 2005, S. 379.

[5] Vgl. Eickhof, Globalisierung, 2003, S. 369.

[6] Vgl. Steinruecken/Jaenichen/Kuchinke, Standortwahl, 2005, S. 379.

[7] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 73.

[8] Vgl. Balderjahn, Standort-Marketing, 2000, S. 40.

[9] Weber, Reine Theorie des Standorts, 1909, S. 16.

[10] Vgl. Brockfeld, Regionen im Wettbewerb, 1997, S. 32 f.

[11] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 63.

[12] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 65.

[13] Vgl. Weber, Reine Theorie des Standorts, 1909, S. 18 f.

[14] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 65.

[15] Vgl. Brockfeld, Regionen im Wettbewerb, 1997, S. 59.

[16] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 14.

[17] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 18.

[18] Vgl. Brockfeld, Regionen im Wettbewerb, 1997, S. 61.

[19] Vgl. Grabow/Henckel/Hollbach-Grömig, Weiche Standortfaktoren, 1995, S. 65.

[20] Vgl. Dietrich, Ansiedlungsförderung, 1998, S. 11.

[21] Vgl. Berthold/Kosturkova/Müller, Die Bundesländer im Standortwettbewerb, 2010, S. 15.

[22] Vgl. Kotler/Haider/Rein, Standort-Marketing, 1994, S. 131 ff.

[23] Vgl. Ebenda.

[24] Koschatzky, Innovative Impulse, 2003, S. 83.

[25] Vgl. Kotler/Haider/Rein, Standort-Marketing, 1994, S. 113.

[26] Vgl. Mäding, Heinrich, Strategische Regionsbildung, 2012, S. 108.

[27] Vgl. Sautter, Regionale Cluster, 2004, S. 66.

[28] Vgl. Eickhof, Globalisierung, 2003, S. 369.

[29] Vgl. Schubert, Wirtschaftspolitische Herausforderungen, 1999, S. 214.

[30] Vgl. Blume, Kommunen im Standortwettbewerb, 2003, S. 65.

Details

Seiten
38
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656967507
ISBN (Buch)
9783656967514
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300196
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Stadtmanagement
Note
1,7
Schlagworte
Standortwettbewerb Stadtplanung Stadtmanagement Urban Planning City Planning Leipzig Standortfaktor

Autor

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Titel: Standortwettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit von Städten und Regionen