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"The Simpsons". Probleme der englisch-deutschen Übersetzung von Humor und Witz

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die verschiedenen Themengebiete
2.1 Der Untersuchungsgegenstand: Humor und Witz
2.1.1 Begriffsklärung: Humor
2.1.2. Begriffsklärung: Witz
2.1.3 Humor- und Witzforschung
2.2 Der Korpus: The Simpsons
2.2.1 Begriffsklärung: Zeichentrickserien beziehungsweise Filme
2.2.2 Mündlichkeit oder Schriftlichkeit?
2.2.3 Wer oder was sind The Simpsons?
2.3 Translation beziehungsweise Übersetzungswissenschaft
2.3.1 mögliche Probleme bei der Übersetzung
2.3.2 Umgang mit Problemen
2.3.3 Witz und Mehrdeutigkeit
2.3.4 Übersetzung von Film und TV

3. Hauptteil: Der Witz
3.1 Ambiguität
3.2 Bruch und Paradox des Doppelbruchs
3.3 Das Isotopie-Disjunktions-Modell (IDM)
3.3.1 Einführung
3.3.2 Schematische Darstellung
3.3.3 Morins drei Funktionen
3.3.4 Darstellung des IDM an Hand eines Beispiels

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Diese Hausarbeit setzt sich mit der Problematik des Übersetzens von Witzen an Hand von Beispielen der englisch-deutschen Übersetzung der Zeichentrickserie „The Simpsons“ auseinander. Sie wurde im Sommersemester 2012, im Rahmen des Kurses „Literarische Texte im Alltag“ verfasst.

Mein Ziel war es, mich mit einem Gegenstand im Bereich Humor und Witz zu be- schäftigen. So kam ich zur Frage der Übersetzbarkeit. Da Witz ein „kulturelles Phänomen“1 sei, habe ich mich letztlich dazu entschlossen, die Problematik seiner Übersetzung auch an Hand eines „Kulturprodukt[es]“2, nämlich The Simpsons, zu untersuchen. Dieses multidisziplinäre Thema betrifft linguistische Witzforschung, Translations- beziehungsweise Übersetzungswissenschaft sowie die Filmwissen- schaften.

Mir war von Anfang an klar, dass, auf Grund des beschränkten Umfangs dieser Arbeit, die Frage nur lauten kann, wie stark man an dieser Aufgabe scheitert. Ich sah mich vor die Wahl gestellt einige Beispiele im „fast luftleeren Raum“ linguistisch zu analysieren oder vorrangig den Versuch zu unternehmen, einen theoretischen Grundstock zu errichten, von dem aus man sich auf festem Boden an die weitere Analyse machen kann. Da es mir wenig sinnvoll erschien aufs Geratewohl „loszuanalysieren“, entschied ich mich für letzteres.

Diese Arbeit versteht sich somit eher als theoretischer Ausgangspunkt oder Wegbereiter einer zukünftigen, vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Thema.

Mir erschien ein Aufbau didaktisch sinnvoll, bei dem zunächst auf Untersuchungs- gegenstand (Humor und Witz), verwendeten Korpus (The Simpsons) und Überset- zungsproblematik eingegangen wird. Nach einer kurzen Einführung in diese Berei- che setze ich mich mit der Witztheorie, insbesondere Attardos (strukturalistischem) Isotopie-Disjunktions-Modell, das ich anschließend an Hand eines Beispiels darzustellen versuche, auseinander.

Bei der Transkription der Beispiele habe ich mich an der von Kotthoff verwendeten Notationskonvention für die Gesprächsforschung3 orientiert. Ein Erklärung dieser Notation sowie weitere Ergänzungen sind im Anhang zu finden.

2. Einführung in die verschiedenen Themengebiete

2.1 Der Untersuchungsgegenstand: Humor und Witz

2.1.1 Begriffsklärung: Humor

Die Auseinandersetzung mit „Humor“ erweist sich als komplex. So scheint es nicht die eine anerkannte Definition zu geben. Attardo weist in „Linguistic Theories of Humor“ bereits in seiner Einleitung auf die „Impossible Definition“ hin. So würden die verschiedenen Definitionen angeblich diverse Schwachstellen aufweisen. Eine Definition von Humor, sowie eine Unterteilung beispielsweise in Humor und Komik, falle laut Attardo aber auch deshalb so schwer, da viele Fachrichtungen eigene Begriffsbestimmungen und Einteilungen vornehmen würden. Der kleinste gemein- same Nenner scheint darin zu bestehen, dass Humor Lachen hervorruft.4

Kotthoff spricht vom „Phänomenbereich des Nicht-Ernsten“, für den sie die „Termini Spaß, Humor und Scherzkommunikation gleichermaßen als Oberbegriffe“ verwendet.5 Da ich mich mit dem Witz (engl. joke) auf eine Subkategorie beschränke, ist Kotthoffs breite Definition hierfür völlig ausreichend.

2.1.2. Begriffsklärung: Witz

Röhrich nennt den Witz „die wichtigste und lebendigste Gattung der Volkserzäh- lung“6. Der Witz gipfele in einer Pointe und ziele „in jedem Fall auf das Lachen“.7 Seine Kürze „und damit die leichte Einprägsamkeit“ hätten wesentlich zur Beliebt- heit dieser Gattung beigetragen.8

Der Witz umfasst alle Lebensbereiche, die privaten und intimsten ebenso wie die öffentlichen, die beruflich-sozialen wie religiösen und politischen. Witz berührt alle Arten von menschlichen Schwächen. [...] Nichts ist zu heilig, nichts zu verschwiegen, da[ss] es nicht zum Gegenstand des Lachens werden könnte.9

Bei dem Begriff Witz mag man zwar zunächst an die mündliche Überlieferung eines Standardwitzes ohne bekannten Autor10, wie „Ein Amerikaner, ein Russe und ein Deutscher sitzen zusammen...“11, denken, doch dies ist nur eine Art von Witz.

2.1.3 Humor- und Witzforschung

Mit Humor hätten sich bereits Plato und Aristoteles oder auch Freud befasst.12,13 Attardo nennt zahlreiche Untersuchungen aus dem 20. Jahrhundert, die allerdings alle keine spezifisch lingusitische Perspektive einnehmen würden.14 Diesen Standpunkt vertritt auch Kotthof. So sei mit der „empirischen Erforschung dieser Humorpraxis erst in den letzten Jahren“ begonnen worden.15

Eine Untersuchung der humoristischen Subkategorie Witz sei laut Rörich „zwischen philosophischer Ästhetik, Psychologie, Literaturwissenschaft und Folkloristik angesiedelt“16. Demnach hätten mehrere Wissenschaften „ihren gleichbleibenden Anteil an einer differenzierenden Erforschung“.17

2.2 Der Korpus: The Simpsons

2.2.1 Begriffsklärung: Zeichentrickserien beziehungsweise -filme

Im Unterschied zu Comics, wie man sie beispielsweise in der Zeitung findet, würden bei Zeichentrickfilmen „die Einzelbilder nicht räumlich nebeneinander angeordnet“, „sondern zeitlich hintereinander auf dieselbe Fläche projeziert“.18

2.2.2 Mündlichkeit oder Schriftlichkeit?

Wendet man die Kategorisierung von Kniffka und Siebert-Ott an, die sich auf Koch/Oesterreicher berufen, kommt man zu dem Ergebnis, dass The Simpsons als „scripted TV show“19 zwar in der Kategorie Medium als phonisch einzuordnen sind, aber konzeptionell schriftlich sind. Die konzeptionelle Schriftlichkeit dieser und anderer Zeichentrickserien und -filme beruht unter anderem auf geplanten Dialogen und einer reflektierten Auswahl der verwendeten Register.20

2.2.3 Wer oder was sind The Simpsons?

The Simpsons sind eine Zeichentrickserie, die vom Leben der fünfköpfigen amerikanischen Mittelklassenfamilie Simpson, bestehend aus Vater Homer, Mutter Marge und den Kindern Bart, Lisa und Maggie, handelt.

Diese „umfassendste[n] Gesellschaftssatire, die das US-Fernsehen je hervorgebracht hat“21, laufe seit 1989 auf dem amerikanischen Sender Fox.22 Damit sei sie die „longest running scripted show in television history“.23 Seit 1991 werde sie in Deutschland ausgestrahlt.24

Welche gesellschaftliche Präsenz The Simpsons haben, zeigt sich unter anderem darin, dass 1992 der damaligen US-Präsident George H. Bush die Amerikaner in einer Rede dazu aufrief, sich mehr an den Waltens und weniger an den Simpsons zu orientieren.25

Es gibt mittlerweile auch verschiedene deutsche wissenschaftliche Beiträge, die sich mit dem „Kulturprodukt“26 The Simpsons auseinandersetzen.27

2.3 Translation beziehungsweise Übersetzungswissenschaft

Translation, also „Übersetzen und Dolmetschen“28, sei ein „intertextueller, interlingualer und interkultureller Textproduktionsvorgang“29.

Da es sich bei der Übersetzung einer Zeichentrickserie jedoch nicht um Dolmetschen handelt, setze ich mich im Folgenden lediglich mit dem Teilbereich Übersetzungswissenschaft auseinander.

[Die Übersetzungswissenschaft] beschäftigt sich mit dem Prozess des Übersetzens, d. h. dem Prozess, der von einem geschriebenen ausgangssprachlichen Text (AS-Text) zu einem geschriebenen zielsprachlichen Text (ZS-Text), der Übersetzung, führt.30

2.3.1 mögliche Probleme bei der Übersetzung

Koller nennt verschiedene Probleme, die beim Übersetzen auftreten können. Die- se würden strukturelle Eigenschaften und sprachliche Normen von Ausgangs- (AS) und Zielsprache (ZS), individuelle Textmerkmale des Originaltextes, Verstehensvoraussetzungen der Leser/Hörer oder Übersetzungsnormen und -theorien betreffen.31

Wenngleich die „sprachlich-textuelle Dimension“ „nur ein Aspekt [ist], unter dem die Übersetzung gesehen werden kann“, so sei sie doch „ein zentraler Aspekt“.32

2.3.2 Umgang mit Problemen

Umgang mit kommunikativer Differenz

Nach Koller gebe es zwei idealtypische „Übersetzungshaltungen“, um die Aufgabe des kulturellen Unterschiedes von Kommunikationsgemeinschaften zu bewältigen: die transferierende Übersetzung und die adaptierende Übersetzung. Während die transferierende Übersetzung versuche, kulturspezifische AS-Elemente als solche im ZS-Text zu vermitteln, ersetze die adaptierende Übersetzung AS-Textelemen- te, die spezifisch in der AS-Kultur verankert sind, durch Elemente der ZS-Kultur. Demnach werde bei der transferierenden Übersetzung versucht, kulturspezifische AS-Elemente als solche im ZS-Text zu vermitteln, wohingegen die adaptierende Übersetzung versuche den AS-Text im ZS-Kontext zu assimilieren.33

Dies lässt sich an Beispiel 1 verdeutlichen:

Lisa: OH: (-) äh (-) ich hab nur an nen Witz gedacht, den ich in Hermanns Kopf gesehen hab.34

Fehlende „Verstehensvoraussetzungen“35 können bei der transferierenden Übersetzung dazu führen, dass der Empfänger in der ZS-Kultur die Aussage nicht nachvollziehen kann.36

So war zumindest mir nicht bekannt, dass es in den 90er Jahren eine amerika- nische Fernsehserie namens „Herman's Head“, zu Deutsch „Hermanns Kopf“, gab. Eine adaptierende Übersetzung, mit der Ersetzung durch eine in Deutschland bekannte Serie, wie der Sesamstraße, oder eine transferierende Übersetzung mit einer Ergänzung wie „Ich hab nur an einen Witz gedacht, den ich in der Serie Hermans Head gesehen hab.“ wäre an dieser Stelle möglicherweise passender gewesen.

Umgang mit der Sprachkontaktsituation

Auch im Umgang mit den in AS und ZS verschiedenen sprachlich-stilistischen Gegebenheiten und Möglichkeiten gebe es zwei idealtypische Übersetzungsmethoden: die sich einpassende Übersetzung und die verfremdende Übersetzung. Die sich einpassende Übersetzung sei eine „verdeutschende Übersetzung“, während, durch die Bemühung sprachlich-stilistische Strukturen des AS-Textes „durchscheinen“ zu lassen, bei der verfremdenden Übersetzung „(im Extremfall) eine eigene Übersetzungssprache entstehen kann“.37

Laut Combrinck, dem verantwortlichen Synchronregisseur von The Simpsons, ziele man auf „eine deutsche Adaption“ ab.38 Es handelt sich somit um eine sich einpassende Übersetzung.

2.3.3 Witz und Mehrdeutigkeit

Koller geht auch auf zwei Felder von Mehrdeutigkeit ein. Demnach gebe es eine lexikalische Mehrdeutigkeit (bestehend aus der morphologischen Mehrdeutigkeit innerhalb eines Paradigmas, der Wortarten-Mehrdeutigkeit und der syntaktischen Mehrdeutigkeit) und eine grammatische Mehrdeutigkeit.39 Dies werde jedoch durch Berücksichtigung „der situativ bedingten Bedeutungs- und Interpretationsvarianten“ weiter verkompliziert.40

Da die Textbedeutung des Witzes „gerade in seiner nicht aufgelösten Mehrdeutigkeit“ liegt, würden „daraus ganz besondere Übersetzungsprobleme“ resultieren.41 Röhrich spricht sogar davon, dass der Witz „an das Material einer bestimmten Sprache gebunden und darum meist unübersetzbar“42 sei.

Minimalvoraussetzung einer „erfolgreichen“ Übersetzung von Witzen ist zweifellos, dass der Übersetzer sie überhaupt versteht. Dies zeigt sich an Beispiel 2.

[...]


1 Lutz Röhrich: Der Witz. Seine Formen und Funktionen. München 1980, S. 2.

2 Michael Czogalla: Behind the Laughter. „Die Simpsons“ im Kontext der amerikanischen Populärkultur. Marburg 2004, S. 119.

3 Helga Kotthoff: Spass verstehen. Zur Pragmatik von konversationellem Humor. Tübingen 1998, S. 15-17.

4 Salvatore Attardo: Linguistic Theories of Humor. Berlin 1994, S. 3-5.

5 Helga Kotthoff: Vorwort. In: Scherzkommunikation. Beiträge aus der empirischen Gesprächsforschung. Hrsg. von Helga Kotthoff. Opladen 1996, S. 7-17, hier S. 9.

6 Röhrich: Der Witz, S. 1.

7 ebd., S. 6.

8 ebd., S. 8.

9 ebd., S. 2.

10 ebd., S. 6

11 ebd., S. 11

12 Attardo: Theories of Humor, S. 18-22.

13 Kotthoff: Scherzkommunikation, S. 10.

14 Attardo: Theories of Humor, S. 15.

15 Kotthoff: Scherzkommunikation, S. 7.

16 Röhrich: Der Witz, S. 3.

17 ebd.

18 Handbuch Translation. Hrsg. von Mary Snell-Hornby et al.. Tübingen 1998, S. 266.

19 ABOUT THE SHOW. Online verfügbar unter: www.thesimpsons.com/#/about. Zuletzt geprüft am 29.09.2012.

20 Gabriele Kniffka und Gesa Siebert-Ott. Deutsch als Zweitsprache. Lehren und Lernen. 2. Auflage. Paderborn 2009, S. 18-20.

21 Alexander Menden: Die Gagkiller von ProSieben. Online verfügbar unter: http://www.zeit.de/2001/11/200111_m- simons.xml/. Zuletzt geprüft am 29.09.2012.

22 Jon Lewis und Penny Stempel: Cult TV. The Comedies. London 1998, S. 218.

23 ABOUT THE SHOW. Online verfügbar unter: www.thesimpsons.com/#/about. Zuletzt geprüft am 29.09.2012.

24 Carina Schierz: „Die Simpsons“, Springfield und die USA. Was wirklich hinter der gelben Kleinstadt steckt. Marburg 2010, S. 27.

25 Czogalla: Behind the Laughter, S. 5.

26 ebd., S. 119.

27 siehe hierzu: Michael Czogalla: Behind the Laughter. „Die Simpsons“ im Kontext der amerikanischen Populärkultur. Marburg 2004. und Carina Schierz: „Die Simpsons“, Springfield und die USA. Was wirklich hinter der gelben Kleinstadt steckt. Marburg 2010.

28 Snell: Translation. 1998, S. 37.

29 ebd., S. 53.

30 Werner Koller: Einführung in die Übersetzungswissenschaft. 8. Auflage. Tübingen 2011, S. 5.

31 ebd. S. 9.

32 ebd. S. 10.

33 ebd., S. 54 f.

34 Simpsonsfolge 75 „Keine Experimente”. Siehe Anhang

30 Koller: Übersetzungswissenschaft. 2011, S. 9.

36 ebd., S. 55.

37 ebd.

38 Alexander Menden: Die Gagkiller von ProSieben. Online verfügbar unter: http://www.zeit.de/2001/11/200111_m- simons.xml/. Zuletzt geprüft am 29.09.2012.

39 Koller: Übersetzungswissenschaft, S. 135 ff.

40 ebd., S. 145.

41 ebd., S. 146.

42 Röhrich: Der Witz. S. 41.

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656967002
ISBN (Buch)
9783656967019
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300392
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
Schlagworte
Humor Simpsons Übersetzen Witz

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Titel: "The Simpsons". Probleme der englisch-deutschen Übersetzung von Humor und Witz