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Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste und Anforderungen an die Soziale Arbeit

Studienarbeit 2013 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste

2 Barrieren für die Zugänglichkeit zu und in sozialen Diensten

3 Ziele interkultureller Öffnung sozialer Dienste

4 Institutionenentwicklung

5 Anforderungen an die Soziale Arbeit
5.1 Anfangsanalyse
5.2 Interkulturelle Personalentwicklung
5.3 Interkulturelle Organisationsentwicklung
5.4 Interkulturelle Qualitätsentwicklung
5.5 Umsetzung der interkulturelle Öffnung anhand des PDCA-Zyklus

6 Kritische Aspekte und offene Fragen

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis

0 Einleitung

Interkultureller Öffnung sozialer Dienste zielt darauf ab, die Nutzung sozialer Regeldienste für Menschen mit Migrationshintergrund genauso selbstverständlich und erfolgreich werden zu lassen wie für einheimische deutsche Bürger. Dafür ist es notwendig, Zugangsbarrieren abzubauen und interkulturelle Kompetenzen zu verstärken. Die soziale Arbeit muss auf ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt reagieren, um dazu beizutragen, dass auch Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen können.

Dies soll der Konsens der hier vorliegenden Arbeit sein. Was versteht man überhaupt unter einer interkulturellen Öffnung der sozialen Dienste, von welchen Zugangsbarrieren kann man hierbei sprechen, welche Ziele soll(t)en verfolgt werden und inwiefern kann die soziale Arbeit dem entsprechen? Da der Prozess der interkulturellen Öffnung eine enorme Bandbreite an Fakten und dergleichen umfasst, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich im Folgenden nur auf wesentliche Kennaspekte, sowie auf die Umsetzung der interkulturellen Öffnung einzelner sozialer Institutionen, beschränkt wird.

1 Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste

Die interkulturelle Öffnung sozialer Dienste ist zu einem dominierenden Thema fachlicher Diskussionen unter anderem im sozialen Bereich, Gesundheitswesen und in der Altenhilfe geworden. Was als Kritik an sozialen Diensten begonnen hat, ist inzwischen zu einer Forderung an die Gesellschaft insgesamt und damit an alle dazugehörigen Institutionen geworden.

Die Entstehung des Paradigmas der interkulturellen Öffnung ist ein Ergebnis der zu Beginn der 80er Jahre entstehenden kritischen Reflexion der Ausländerpädagogik und Ausländersozialarbeit sowie deren Institutionalisierung. Während sich die Ausländerpädagogik und die Ausländersozialarbeit sich besonders für die zugewanderten bzw. in der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsenen Migranten einsetzten, zielte die Kritik der Institutionalisierung eher auf den ausgrenzenden Charakter einiger Einrichtungen und auf Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund ab. (vgl. Schröer 2007)

Der Begriff interkulturelle Öffnung wird seit vielen Jahren zunehmender und ganz selbstverständlich verwendet, ohne dass jeweils klar ist, was damit eigentlich gemeint ist und was damit erreicht werden soll. Zwischen Wissenschaft und Praxis besteht weitgehend die Einigkeit, dass der Begriff 'interkulturell' das alltägliche Leben und Arbeiten beinhaltet und nicht nur auf die ästhetische Dimension beschränkt ist. In diesem Verständnis wird Interkulturalität nicht nur auf das Verhältnis von Deutschen und Migranten beschränkt sondern sie steht allumfassend für das Verhältnis zwischen verschiedenen Lebensformen und beinhaltet weiterhin unter anderem alle Unterschiede im Geschlecht, Alter, Religion, körperlicher Ausstattung und sexuellen Orientierungen.

Als zweiter Bestandteil steht der Begriff 'Öffnung'. Dieser Begriff wird als bekannt vorausgesetzt und zeigt auf, was für wen geöffnet werden soll. Denkt man darüber nach, wird ersichtlich, dass 'Öffnung' auch 'Geschlossenheit' voraussetzt.

'Geschlossenheit' beinhaltet bewusste oder unbewusste Ausgrenzungsmechanismen, somit sind Konflikte vorprogrammiert und es kann Gewinner und Verlierer geben. 'Öffnung' ist ein aktiver Prozess und beinhaltet eine bewusste Strategie. Zusammenfassend, kann man sagen, dass Interkultureller Öffnung ein bewusst gestalteter Prozess ist, welcher Lern- und Veränderungsprozesse zwischen unterschiedlichen Menschen und Lebensweisen ermöglicht. Durch diesen sollen Zugangsbarrieren und Abgrenzungsmechanismen abgebaut und Anerkennung ermöglicht werden. (ebd.)

2 Barrieren für die Zugänglichkeit zu und in sozialen Diensten

Durch kritische Analysen der Organisationsstruktur sozialer Dienste, welche für die Versorgung von BürgerInnen zuständig sind, wurde auffällig, dass es viele Barrieren für die Zugänglichkeit zu Dienstleistungen für Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Dadurch werden diese Menschen von der Nutzung der Angebote abgehalten.

Solche Zugangshindernisse für Migranten sind unter anderem eigene Diskriminierungserfahrungen, strukturelle Diskriminierung, Sprachbarrieren, fehlende Information über Angebote, Ängste vor ausländerrechtlichen Konsequenzen, Stolz, Zurückhaltung, Skepsis und die Komm-Struktur und bürokratische Arbeitsweise, welche in Deutschland nicht selten ist. Jedoch wird zunehmend erkennbar, dass diese Barrieren nicht allein auf der Seite der Migranten zu finden sind, auch deutsche Fachkräfte haben Zugangsschwierigkeiten in Bezug auf die Migranten. Diese sind unter anderem, ethnozentrische Missverständnisse und Vorurteile, Fremdheitsängste und Verunsicherung, Stereotypisierung, Gleichbehandlung von Ungleichen, dass Beharren auf eingespielte Wissens- und Handlungsroutinen sowie der fehlenden interkulturellen Kommunikationskompetenz. Diese Struktur, samt ihren gesamten Ausschließungen soll durch die interkulturelle Öffnung verändert werden. Um dies zu erreichen, sind Aus-, Fort- und Weiterbildungen unerlässlich. Damit soll ein qualifiziertes Personal sichergestellt werden. Weiterhin muss angestrebt werden, Fachpersonal mit Migrationshintergrund einzustellen. Somit fühlen sich die Migranten durchaus besser verstanden und aufgehoben und können somit auch offener für Angebote werden. (ebd.)

3 Ziele interkultureller Öffnung sozialer Dienste

Scheinbar unumstritten ist interkulturelle Öffnung zu einer anerkannten Denkweise geworden. Sie hat sich inzwischen zu einem Gesellschaftsverändertem Konzept entwickelt, da es schon längst nicht mehr und nur um soziale Dienste sondern vielmehr um Ziele in allen Bereichen und Ebenen geht. Nach verschiedenster Literatur lassen sich die Ziele der interkulturellen Öffnung folgendermaßen zusammenfassen. Es soll eine Gleichstellung von Migranten auf allen Ebenen und in allen Arbeitsgebieten von Organisationen erfolgen.

Dadurch soll das Gleichbehandlungs- und Gerechtigkeitspostulat des Grundgesetzes eingelöst werden und eine Anerkennung von Gleichheit und Verschiedenheit in einer multikulturellen Gesellschaft erfolgen. Es soll eine kritische Reflexion zwischen den unterschiedlichen kulturellen Lebenswelten und des Machtgefälles zwischen Organisations- und Verwaltungskulturen erfolgen um einen Abbau bzw. einen Ausgleich dieser Asymmetrien zu erreichen. Eine interkulturelle Orientierung soll als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen der sozialen Arbeit bei öffentlichen und freien Trägern etabliert werden. Es soll nach einem Ressourcenorientierten Ansatz gearbeitet werden, bei welchem die kulturelle Vielfalt als Chance verstanden wird und sogleich Abstand genommen werden von dem Defizitansatz, nach dem Menschen mit Migrationshintergrund als vorwiegend problematisch gesehen und verstanden werden. Weiterhin soll eine höhere Effektivität und Effizienz der sozialen Dienste erworben werden, eben durch die interkulturelle Orientierung. Beispielsweise beim Hilfeplanverfahren wäre es durchaus möglich eine höhere Effektivität zu erzielen, wenn man kulturelle Hintergründe erfassen kann um diese als Ressourcen zu verwenden aber auch um daraus resultierende Stärken der jeweiligen Personen zu erkennen um diese dann gezielt einzusetzen. Ein weiteres Ziel ist der Abbau bestehender Hemmschwellen zu sozialen Diensten, in dem benachteiligende Ethnisierungsprozesse verhindert werden, Personal mit Migrationshintergrund eingestellt wird und das in allen Beschäftigungsbereichen, Funktionen und auf allen Ebenen. Auch soll eine Vermittlung interkultureller Kompetenzen stattfinden. Hierzu gehören unter anderem das Wissen über Migrationsprozesse und Integrationsfragen, sowie die Einsicht der Notwendigkeit produktiver Gestaltung kultureller Pluralität. Ein letztes Ziel wäre unter anderem die Selbstreflexiven Lernund Veränderungsprozesse bei Gruppen, Organisationen und Individuen. (vgl. Schröer, 2007)

4 Institutionenentwicklung

Die Institutionsentwicklung bzw. Institutionalisierung interkultureller Öffnung orientiert sich an Transformationsprozessen in den Institutionen der Einwanderungsgesellschaft. Diese sollen dem kulturellen Pluralismus Rechnung tragen und die Inklusion von Menschen mit Migrationshintergrund in die Institutionen wie Bildungs-, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, voranbringen. In den „Empfehlungen zur interkulturellen Öffnung sozialer Dienste", welche Barwig und Hinz- Rommel vorgelegt haben, wird diese mit der Einwanderungssituation und der weiteren zu erwartenden Zuwanderung begründet. Es wird angenommen, dass ein zunehmender Bedarf an Informations-, Beratungs- und Betreuungseinrichtungen für alle Zuwanderungsgruppen entstehen wird und somit wird eine Integration spezifischer Angebote für ZuwanderInnen in das allgemeine Angebot angeraten. Aufgrund der Verschiedenheit der Zuwanderungsgruppen sollte eine größere Flexibilität der bestehenden Einrichtungen angestrebt werden. Die Bedingungen hierfür werden jedoch als nicht besonders günstig betrachtet. Dies ergibt sich aus der unzureichenden Vorbereitung auf interkulturelle Arbeit während der Ausbildung, denn Interkulturelle Kompetenz gehört nicht zu den professionellen Standards der Mitarbeiter in den sozialen Diensten. Die Entwicklungsperspektive ist jedoch eine ganzheitliche Arbeit und ein Neuarrangement des Verhältnisses zwischen den Diensten und zwar auf der Basis von Integration, Vernetzung und Kooperation. Die Voraussetzungen hierfür wären jedoch eine verbesserte Kooperation zwischen Wohlfahrtsverbänden, Selbsthilfeeinrichtungen und den Kommunen.

Weiterhin muss die Institutionalisierung der Interkulturellen Öffnung durch Initiativen und Leistungen auf verschiedenen Ebenen gefördert werden. Solche Ebenen sind beispielsweise die Politik, die Träger, die Mitarbeiter aber auch die gesamten Ausbildungsinstitutionen. Gerade von der Politik wird eine bessere gesetzliche Regelung erwartet, welche eine gleichberechtigte Inanspruchnahme sozialer Dienste für ZuwanderInnen ermöglichen. Die Einrichtungen und ihre TrägerInnen müssen entsprechende organisatorische Strukturen und Rahmenbedingungen für eine interkulturelle soziale Arbeit schaffen. Diese sollten durch spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten der MitarbeiterInnen gekennzeichnet sein. Weiterhin muss eine Öffnung der Einrichtungen auch für MitarbeiterInnen anderer ethnischer Herkunft geschehen.

Eine strukturelle Verankerung des ‚Interkulturellen‘ in der Dienststelle, den Trägerstrukturen sowie in der Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung ist unabdingbar. Als besonders wichtig erachtet man die nachhaltige Qualifizierung des Personals, die regelmäßige Erörterungen mit dem Thema und die Evaluation.

Von allen MitarbeiterInnen, egal ob deutschen oder anderer Herkunft, erwartet man, dass sie sich „interkulturelle Qualifikationen" aneignen und im Bezug darauf kontinuierlich an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Die Interkulturelle Öffnung lässt sich nicht auf die Einstellung von Fachkräften mit Migrationshintergrund oder aber auf die Vermittlung interkultureller Qualifikationen der MitarbeiterInnen herabsetzten. Sie stellt vielmehr einen komplexen Organisationsentwicklungsprozess dar, der sowohl von den Trägern als auch von den Mitarbeiter/innen gewollt, von außen begleitet, gestützt und regelmäßig überprüft werden muss. Die Motivierung und Beteiligung der MitarbeiterInnen am Reformprozess ist deshalb sehr bedeutsam. Um eine Institutionenentwicklung zu erreichen ist es sehr ausschlaggebend, dass Interkulturelle Öffnung zu den Standards eines jeden sozialen Dienstes gehören. (vgl. Expertise Interkulturelle Öffnung soz. Dienste)

5 Anforderungen an die Soziale Arbeit

Nach der Betrachtung des Bisherigen, insbesondere der Ziele der interkulturellen Öffnung sozialer Dienste, stellt sich nun die Frage welche konkreten Anforderungen an die Soziale Arbeit gestellt werden. Um eines der Hauptziele noch einmal aufzugreifen, soll die Soziale Arbeit in allen ihrer Bereiche bei den öffentlichen und freien Trägern eine interkulturelle Orientierung etablieren. Dies sollte so erfolgen, dass schließlich eine Gleichstellung von Migranten auf allen Ebenen und in allen Arbeitsgebieten von Organisationen erreicht wird. Aber wie genau kann solch ein interkultureller Öffnungsprozess aussehen? Da die Beantwortung dieser Frage an eine enorme Bandbreite von Kriterien gebunden ist, soll es in den folgenden Ausführungen daher nur um die wesentlichen Aspekte eines interkulturellen Öffnungsprozesses gehen. Um Missverständnissen vorzubeugen, soll es nicht nur um die Soziale Arbeit als ein Ganzes gehen, sondern im Wesentlichen um die Abläufe in einzelnen Institutionen auf ihrem Weg der interkulturellen Öffnung.

5.1 Anfangsanalyse

Im ersten Schritt ist es unerlässlich eine genaue Erhebung des aktuellen Ist-Zustandes vorzunehmen. Diese Anfangsanalyse sollte sich auf vier Dimensionen beziehen: auf die normative, institutionelle, sozialräumliche und instrumentelle Dimension. Bei der normativen Dimension soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern sich die entsprechende Institution überhaupt dem interkulturellen Paradigma verpflichtet fühlt. Hierbei müssen Antworten auf verschiedenste Fragen gefunden werden. Die zentrale Frage hierbei ist, ob die interkulturelle Orientierung und Öffnung als Querschnittsaufgabe definiert ist. Also inwieweit das Leitbild der Institution Aussagen zur anerkannten Verschiedenheit und zur anerkannten Gleichheit macht. Ebenso auch, inwieweit das Leitbild der Institution eine Partizipation als eine handlungsleitende Vorstellung eingeführt hat (vgl. Beck/Schmidt (Hrsg.) 2008: S. 168). Im Konsens geht es also darum zu klären, inwiefern die Institution zur Umsetzung der interkulturellen Öffnung verpflichtet ist.

Bei der institutionellen Dimension geht es um die Frage, ob sich die Strukturen der sozialen Dienstleistungserbringung für Menschen mit Migrationshintergrund öffnen (lassen).

„Spezifische Themen hierbei sind die Analyse möglicher Zugangsbarrieren, die migrationssensible Veränderung von Prozessen und Leistungen der Organisation sowie die kultursensible Ausrichtung von Organisations-, Personal- und Qualitätsentwicklung“ (ebd.). Sozusagen geht es also um den Abbau von Zugangsbarrieren, um Personalentwicklung und migrationssensible Gestaltung der Angebote (vgl. Behrens 2011: S.60). Die dritte, die sozialräumliche Dimension, bezieht sich auf die Vernetzung einer Institution bzw. Organisation mit ihrer sozialräumlichen Umgebung. Es wird also auf die Kooperation mit anderen Einrichtungen und die Berücksichtigung nicht offizieller Strukturen (z.B. nachbarschaftliche Netzwerke) geschaut (vgl. ebd.). Demnach erfolgt also in dieser Dimension eine Analyse des jeweiligen Sozialraumes. Nur dadurch kann es möglich sein, soziale Dienstleistungen überhaupt erst migrationssensibel anbieten zu können. In der letzten, der instrumentellen, Dimension geht es um die Frage, ob Steuerungsinstrumente zielgerichtet für die interkulturelle Öffnung genutzt werden. „Dafür müssen Antworten auf Fragen gefunden werden wie: Werden Verwaltungsreformprozesse, Reformprozesse der Verbände oder einrichtungsbezogene Qualitätsentwicklung mit interkulturellen Zielsetzungen verbunden? Werden die Instrumente der Neuen Steuerung wie Kontraktmanagement, Zielvereinbarungen, Produktbeschreibungen, Berichtswesen, Monitoring für die interkulturelle Öffnung genutzt?“ (Schröer 2007: S. 85). Es geht also um die Frage, inwieweit organisationsinterne Steuerungsprozesse interkulturelle Fragestellungen mit aufgreifen (vgl. ebd.).

Diese Anfangsanalyse, also eine Betrachtung der vier Dimensionen, ist ein essentieller Schritt für den interkulturellen Öffnungsprozess. Die in Anlage 1 aufgeführten Fragestellungen können für die Bestandsaufnahme etwaiger Ressourcen einer Institution sehr hilfreich sein.

Im weiteren Verlauf einer interkulturellen Öffnung gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Wenn eine Einrichtung mit der Umsetzung eines Konzeptes zur interkulturellen Öffnung beginnen möchte, können unterschiedliche Vorgehensweisen und Instrumente in Frage kommen. Um eine interkulturelle Öffnung in die Praxis umzusetzen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Wege für einen Träger: Entweder möchte der Träger seine gesamte Einrichtung interkulturell ausrichten oder ein Projekt mit interkulturellem Schwerpunkt einführen (vgl. Der Paritätische Hamburg e.V. 2009: S. 17). „Aufgrund der Komplexität des Themas und der unterschiedlichen Trägerstrukturen sollte jede Einrichtung individuell entscheiden, welcher der beiden Wege zu einer erfolgreichen Umsetzung führt“ (ebd.).

Begriffe, welche im Zusammenhang mit Methoden und Instrumenten des weiteren Prozesses der interkulturellen Öffnung genannt werden sind: Leitbildentwicklung, Zielentwicklung, Bestandsaufnahme (s.o.), Führungsverantwortung (top-down), Interkulturelle Kompetenzvermittlung, Prozessmanagement, Mainstreaming und Controlling.

Erwartungsgemäß gibt es hier kein allgemein gültiges Vorgehen - in der Literatur lässt sich keine (deutlich) einheitlich zu verfolgende Vorgehensweise erkennen. Thematisiert werden jedoch immer drei wesentliche Elemente: interkulturelle Personalentwicklung, interkulturelle Organisationsentwicklung und interkulturelle Qualitätsentwicklung. Im Folgenden soll sich daher auf diese drei Elemente beschränkt werden.

5.2 Interkulturelle Personalentwicklung

Häufig wird die persönliche Qualifizierung des Personals als Voraussetzung interkultureller Öffnung gesehen, weil es Fragen der (fehlenden) Kompetenz sind, die zunächst auf die Notwendigkeit von Veränderung hinweisen. Schaut man noch einmal ein paar Jahre zurück, wird deutlich, dass die erste Reaktion auf diesen Bedarf Fortbildungsveranstaltungen waren, die eher die Defizitperspektive1 verstärkt und Stereotypisierungen, sowie Kulturalisierungen erzeugt haben. Schaut man auf die heutige Zeit, scheint dies weitgehend überwunden zu sein - interkulturelle Fortbildungen heute reflektieren Ethnisierungs- und Kulturalisierungsfallen und berücksichtigen dabei Machtasymmetrien und Dominanzstrukturen. Allerdings steht hinter der Terminologie zu interkulturellen Trainings kein fest umrissenes Konzept, vielmehr ist es ein Sammelsurium für unterschiedliche Angebote einzelner Trainer und Organisationen für verschiedene Zielgruppen (vgl. Schröer 2007: S. 46ff.). Es sind inzwischen Rahmenbedingungen und Standards2 entwickelt worden, die (bei entsprechender Beachtung) eine erfolgreiche Vermittlung interkultureller Kompetenz3 ermöglichen (vgl. Schröer: S. 6). „Es geht im Wesentlichen darum, ein Bewusstsein zu erlangen über Einstellungen, Verhaltensweisen und Werte durch die (selbst-)kritische Reflexion des Eigenen und Fremden, Wissen zu vermitteln über Ursache und Geschichte der Arbeitsmigration, über die Rolle und den Status von Minderheiten und die aktuelle Migrationspolitik, sowie Handlungskompetenz zu erwerben durch geeignete Kommunikations- und Konfliktstrategien“ (ebd.).

Von hoher Bedeutung für den Erfolg solcher Maßnahmen sind aber auch die strukturellen Bedingungen, unter denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen können. Individuelle Weiterbildungen laufen erwartungsgemäß immer dann ins Leere, wenn sich nicht zugleich die Organisation verändert und die Anwendung der gelernten Inhalte unterstützt. „Damit werden

[...]


1 „Die erste Reaktion auf einen 'besseren Umgang mit Ausländern' waren Fortbildungsveranstaltungen wie 'Länderkunde' oder 'soziokulturelle Hintergründe der Türken'“ (Schröer 2007: S. 49).

2 Die in Anlage 2 aufgeführten Qualitätsstandards interkultureller Trainings können für Veranstalter bzw. Initiatoren dieser Trainings sehr hilfreich sein und somit auch zu einer erfolgreichen Vermittlung interkultureller Kompetenz führen.

3 Es wurden 3 Handlungsschritte für den Erwerb interkultureller Kompetenz entwickelt, welche in Anlage 3 aufgeführt sind.

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656969082
ISBN (Buch)
9783656969099
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300562
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1,0
Schlagworte
Interkulturelle Soziale Arbeit Öffnung sozialer Dienste Anforderungen

Autor

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Titel: Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste und Anforderungen an die Soziale Arbeit