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Stottern als Redeflussstörung. Begriffsklärung, Ätiologie, Diagnostik, Therapie

Seminararbeit 2015 18 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung

3 Häufigkeit und Formen

4 Ätiologie

5 Entwicklungsphasen und Symptome des Stotterns
5.1 Phasen nach Froeschels
5.2 Symptome nach Natke

6 Stottertherapie: Mini-Kids Programm

7 Fazit

8 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Es gibt in der Sprachbehindertenpädagogik unterschiedliche Sprach- und Sprechstörungen, die klassifiziert werden. Diese Hausarbeit handelt im kurzen von der Thematik des Stotterns. Das Stottern gehört zu den Redeflussstörungen. Zu den Redeflussstörungen zählt auch das Poltern.

Diese Hausarbeit stellt einen Überblick dar, zunächst angefangen in Kapitel 2 mit den unterschiedlichen Begriffsdefinitionen des Stotterns.

Das Kapitel 3 umfasst die Häufigkeit und die Formen des Stotterns, hierbei werden die verschiedenen Ausprägungen erklärt.

Wodurch Stottern verursacht wird, wird in Kapitel 4 vier in Kürze dargestellt.

Die Entwicklungsphasen nach Froeschels und die inneren und äußeren Symptome werden in Kapitel 5 erklärt. Dieses Kapitel ist bedeutsam, da die beschriebenen Symptome bereits Anzeichen sind, um einen Stotterer zu diagnostizieren.

Kapitel 6 beinhaltet das Mini-Kids Programm, ein direktes Therapiekonzept, welches die Verfasserin exemplarisch ausgewählt hat.

Dieses Kapitel ist umfangreich, da es wichtig ist, sich mit einem Programm intensiver zu beschäftigen.

Ein Fazit erfolgt abschließend in Kapitel 7. In diesem wird Bezug genommen auf die zentrale Fragestellung der Arbeit.

Diese Hausarbeit soll einen Einblick in die Erkenntnisse des Stotterns geben, welche bis jetzt in der Wissenschaft gesammelt worden sind.

Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit ist daher folgende:

Welche Erkenntnisse wurden in der Wissenschaft bis heute gesammelt?

Die Beantwortung der zentralen Fragestellung wird anhand mehrerer Teilfragestellungen gegliedert:

1) Welche Definitionen von Stottern werden in der Fachliteratur unterschieden?
2) Inwieweit wird das Stottern differenziert?
3) Welche Faktoren begünstigen ein Stotterverhalten?
4) Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

2 Begriffsklärung

In der Fachliteratur gibt es unterschiedliche Definitionen zum Stottern. Nach Wirth ist „Stottern eine zeitweise auftretende, willensunabhängige, situationsabhängige Redeflußstörung (!) oft nicht bekannter Ursache, die durch angespanntes, stummes Verharren in der Artikulationsstelle (tonisches Stottern), Wiederholungen (klonisches Stottern), Dehnungen sowie Vermeidungsreaktionen (Wortvertauschungen, Satzumstellungen) charakterisiert ist. Synonym werden die Begriffe Balbuties (balbus, römischer Beiname für stotternde Menschen), Dysphemie, Spasmophemie und Laloneurose verwendet.“1

Eine weitere Definition befindet sich im Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie. Dort ist Stottern „eine auffallend häufige Unterbrechung des Sprechablaufs. Er ist charakterisiert durch ein plötzliches Stocken vor einem Wort, einer Silbe oder einem Phonem. Es kommen Verzögerungen, Dehnungen und Verkürzungen bei der Aussprache einzelner Buchstaben vor sowie Wiederholungen von Wort- und Satzteilen.“2

Nach Becker ist Stottern, die klonische oder klonische Unterbrechung der Rede. Bei der Redeunterbrechung handelt es sich zunächst nur um ein besonderes auffälliges Symptom für verschiedene Zustände (z. B. als Folge von Hirntraumen). Stottern ist dann eine eigenständige Sprachstörung, wenn es sich dominant um eine funktionelle reaktive Störung handelt, die den Neurosen zugeordnet wird.3

Nach Motsch, ehemaliger Professor für Heilpädagogik, ist Stottern die beobachtbare Unterbrechung der Rede durch Wiederholungen von Lauten oder Wörtern und / oder durch beobachtbare Schwierigkeiten beim Aussprechen einzelner Laute.4

Nach Damste ist Stottern das – was einer macht – um nicht zu stottern.5

Natke definiert Stottern als Redeflussstörung oder Sprechablaufstörung, bei der es nicht nur gelegentlich, sondern auffallend häufig zu Unterbrechungen im Redefluss kommt. Ein Stotterer weiß genau, was er sagen will, ist aber im Augenblick des Stotterns unfähig, die für die Umsetzung des sprachlichen Inhaltes erforderlichen Artikulationsbewegungen fließend auszuführen.6

Werden die Definition betrachtet ist festzustellen, dass Stottern eine Durchbrechung des Redeflusses ist. Meistens hat ein Stotterer Pausen in seiner Laut-, Silben- oder Satzproduktion, die er eigentlich nicht in seinem Sprechablauf berücksichtigt. Es tritt plötzlich auf. Es kann festgestellt werden, dass heute keine Definition existiert, die die Gesamtheit des Stotterns berücksichtigt.

Auf der Internetseite ist Stottern eine „komplexe erworbene komplexe hochgradig vernetzte Sprechstörung mit neurotischen Anteilen. Es wird aber auch eine neurologische Disposition angenommen.“7

In der ICD 10 trägt das Stottern die Nummer F98.5. Stottern befindet sich in der Rubrik F98, andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend.8

Weitere Störungen der Redefähigkeit sind das Poltern und der Mutismus. Poltern ist im Gegensatz zum Stottern ein zu schnelles und überhastetes Sprechtempo mit Wiederholungen, Auslassungen oder Vertauschungen von Silben, Wortteilen und Wörtern.

Mutismus ist in Abhängigkeit von Personen und Situationen völliges Unterlassen des Sprechens bei normaler Sprachentwicklung.9

3 Häufigkeit und Formen

Stottern tritt bei fünfjährigen Jungen in etwa fünf Prozent und bei gleichaltrigen Mädchen mit einer Häufigkeit von rund zwei Prozent auf.10 Warum Jungen häufiger von Stottern betroffen sind als Mädchen konnte noch nicht eindeutig erforscht werden. Das hängt damit zusammen, dass die Jungen generell anfälliger für Sprech- und Sprachstörungen als Mädchensind. Mädchen haben immer noch eine bessere sprachliche Begabung. Nach Wirth sind vier Prozent der Kinder betroffen, davon sind 75 % Jungen.11

Des Weiteren werden unterschiedliche Formen von Stottern festgestellt.

Das klonische Stottern wird charakterisiert durch kurze, rasch aufeinanderfolgende Kontraktionen der Sprechmuskulatur. Es kommt zu typischen Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern, denen beim endgültigen Aussprechen der Wörter Wortdehnungen folgen können (zum Beispiel da-da-da-da-di-di-di).12

Weitere Beispiele für das klonische Stottern sind:

(z.B. „B—B—B—Butterbrot“), Silbenwiederholungen (z.B. „Ich möchte gerne ein „Bu—Bu—Bu—Butterbrot mit Schmalz“ und Wortwiederholungen (z.B. „Ich möchte—Ich möchte—Ich möchte gern ein Butterbrot“).

Im Gegensatz zum klonischen Stottern, das sich in Wiederholungen beim Sprechbeginn äußert, tritt das tonische Stottern durch Blockierungen beim Sprechablauf in Erscheinung.

Der Sprecher verkrampft und blockiert das Sprechen, auch äußerlich das Gesicht beziehungsweise den Unterkiefer. Der Stotterer bleibt im Wort stecken. Als letztes gibt es auch eine Misch oder auch kombinierte Form des Stotterns, das beide Komponenten aufweist.

Stotterer erleben Angst und Frustration und vermeiden Situationen, in denen sie sprechen müssen. Desgleichen vermeiden Stotterer Sprechanlässe, daher kann die psychosoziale Entwicklung mitunter gestört werden.

Überdies gibt es weitere Einteilungen, wonach sich Stottern differenzieren lässt. In der Fachliteratur unterscheidet man das idiopathische Stottern, welches in der Kindheit auftritt und ohne offensichtlichen Anlass (idiopathisch = selbstständig) entsteht und das erworbene Stottern. Das erworbene Stottern wird unterteilt in das neurogene Stottern (bei organischen Hirnerkrankungen) und das psychogenes Stottern (bei psychiatrischen Erkrankungen).13

Ein Großteil der Stotterer weist auffällige organische Befunde am Gehirn.14

4 Ätiologie

Warum Menschen Stottern konnte bisher noch nicht ganz erforscht werden. Die alte Ursachen war, dass „Kinder denken schneller als sie sprechen“. Diese Aussage wurde widerlegt.

Aristoteles, griechischer Philosoph, führte das Stottern auf eine fehlerhafte Zunge zurück.

Heute gibt es mehrere Ansätze, die das Stottern erklären lässt. So ist festzustellen, dass als eine Ursache familiäre Dispositionen eine Rolle spielen. Die Anlage zum Stottern wird vererbt, ob das Stottern allerdings hervortritt hängt von „inneren und äußeren Bedingungen“15 ab. Eine Studie hat ergeben, dass bei 30 Prozent der Stotterer, auch stotternde Verwandte hat, besonders väterlicherseits. „In Zwillingsuntersuchungen hat der zweite diszygotische (zweieiige) Zwilling ein Stotterrisiko von 32 Prozent, der zweite monozygote (eineiige) Zwilling eines von 77 Prozent. Geschwister eines Menschen mit Stottern haben nur ein Risiko von 20 Prozent.“16 Es wird daher auch von einem familiären Sprachschwächetypus gesprochen. Es handelt sich um eine angeborene, meist erblich bedingte Sprachgestaltungsschwäche. Immerhin soll der familiäre Sprachschwächetypus mit einer Häufigkeit von 28 Prozent auftreten.17 Allerdings ist ebenfalls festzuhalten, dass Stottern eine Krankheit ist, keine Angewohnheit. Stottern wird in der Fachliteratur als multidimensionales Problem betrachtet, d.h. es gibt mehrere Ursachen für dieses Phänomen.

5 Entwicklungsphasen und Symptome des Stotterns

5.1 Phasen nach Froeschels

Das Stottern beginnt im Normalfall in der frühen Kindheit. Der Stotterbeginn ist bei der Mehrheit der Kinder meistens zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensjahr, also in der Zeit der Sprachentwicklung.18

Man versuchte mithilfe von Befragungen den genauen Zeitpunkt des Stotterns herauszufinden, dagegen sind solche Untersuchungen nicht immer wahrheitsgetreu, da eine hohe Fehleranfälligkeit der Erziehungsberechtigten zu erwarten ist. In seltenen Fällen setzt das Stottern mit den ersten Worten des Stotterers ein, ist dies der Fall wird das Stottern oftmals mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit in Verbindung gebracht. Beispiele sind Körperverletzungen, Misshandlungen oder plötzliches Erschrecken. Ganz selten beginnt das Stottern im Erwachsenenalter, welche auf Hirnverletzungen oder Kriegs- und Unfalltraumata zurückzuführen sind.19

[...]


1 Wirth, 2000, S.471

2 Reinecker (Hrsg), 2003, S.399

3 Vgl. Becker, 1982.

4 Vgl. Motsch, 1983.

5 Vgl. Damste, 1987.

6 Vgl. Natke, 2000.

7 http://uni-protokolle.de/Lexikon/Stottern.html (Letzter Zugriff: 05.01.2015)

8 Vgl. http://www.icd-code.de/icd/code/F98.-.html(Letzter Zugriff: 05.01.2015)

9 Vgl. Netzwerk Sprache, 2011, S.5.

10 Remschmidt, 2011, S. 185.

11 Wirth, 2000, S.471.

12 http://www.sprachheilpaedagogik.de/stottern/stottern/stottern/symptome.html (Letzter Zugriff: 05.01.2015)

13 Vgl. von Suchodoletz, 2013, S.40.

14 Vgl. http://www.onmeda.de/krankheiten/stottern_poltern_stammeln-ursachen-1388-4.html (Letzter Zugriff: 05.01.2015)

15 Wirth, 2000, S.473.

16 Wirth, 2000, S.473.

17 Kaschade u.a., 1996, S.47.

18 Seeger, 1988, S.77.

19 Vgl. Fiedler, 1994, S.25f.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656968566
ISBN (Buch)
9783656968573
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300633
Note
1,0
Schlagworte
Stotter Stottern Überblick Stottern Redefluss Störung

Autor

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Titel: Stottern als Redeflussstörung. Begriffsklärung, Ätiologie, Diagnostik, Therapie