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Start-ups in Berlin. Welche Chancen bietet der Großraum Berlin für Start-ups der Gesundheitswirtschaft?

Facharbeit (Schule) 2015 38 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragebogentechnik

2. Gesundheitswirtschaft in Berlin

3. Vorstellung des Start-ups der Gesundheitswirtschaft Cortrium

4. Standortfaktoren
4.1 Harte Standortfaktoren
4.1.1 Arbeitskräftepotential
4.1.2 Netzwerke und Veranstaltungen
4.1.3 Kooperationen von Start-ups mit der Wirtschaft
4.1.4 Flächenverfügbarkeit
4.1.5 Verkehr und Infrastruktur
4.1.6 Unterstützung durch Institutionen
4.1.7 Finanzierung
4.2 Weiche Standortfaktoren
4.2.1 Gründermentalität
4.2.2 Persönliche Verbundenheit zum Standort
4.2.3 Wohn- und Freizeitwert
4.2.4 Lebenshaltungskosten

5. Quantifizierung - Städte im Vergleich
5.1 Talente, Technologie, Toleranz (TTT) - Floridas Modell
5.2 Internationales Ranking des Start-up-Ökosystems Berlin
5.3 Nationales Ranking

6. Verbesserungsvorschläge und Kritik für den Standort Berlin
6.1 Abbau von Bürokratie und Erleichterungen
6.2 Finanzierung
6.3 Unterstützung durch Universitäten
6.4 Infrastruktur

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

10. Anhang [nicht enthalten]

1. Einleitung und Fragebogentechnik

„Berlin wird das Silicon Valley Europas “, sagt Dr. Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech-Gründerfonds[1].

Start-ups sind junge (jünger als 10 Jahre), wachstumsorientierte (deutliches Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum) Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell mit großem Wachstumspotenzial. Sie unterscheiden sich von klassischen Gründungen im Hinblick auf ihre Innovationsfähigkeit[2].

Berlin ist die „Hauptstadt der Start-ups“. In keinem anderen Bundesland gibt es eine derart hohe Gründerquote wie in Berlin mit 2,55 % der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren[3]. Schätzungen zufolge gibt es in der Hauptstadt 8.800 Start-ups mit rund 22.000 Beschäftigten[4]. Dabei ist eine enorme Wachstumsdynamik festzustellen. Seit 2006 ist die Anzahl der neu gegründeten Unternehmen um 8 % jährlich gestiegen[5]. Damit weist die Start-up-Branche ein enormes Zukunftspotential auf. Laut einer Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey können bis 2020 etwa 100.000 neue Arbeitsplätze (60.000 davon über den Multiplikatoreneffekt) durch Start-ups geschaffen werden, wenn die Bedingungen für Start-ups in Berlin verbessert werden[6].

Im Folgenden wird erörtert, auf welche Bedingungen Start-ups in Berlin treffen, um die Qualität des Großraums Berlin als Standort für Start-ups beurteilen zu können. Dabei gehe ich auch auf Kritikpunkte ein und liefere Lösungsansätze, wie Deutschlands Hauptstadt tatsächlich zum „Silicon Valley Europas“ werden kann.

Um dieses weitläufige Thema einzugrenzen, möchte ich mich aufgrund des limitierten Rahmens weitestgehend auf den Sektor der Gesundheitswirtschaft beziehen. Die Gesundheitswirtschaft ist neben der Digital Tech- (E-Commerce, Online, Software) und Urban Tech-Branche (Reinigungstechnik, Elektronik, Mobilität) eine der drei wichtigsten Branchen von Start-ups in Berlin.

Für eine empirische Untersuchung habe ich einen Fragebogen mit zehn Fragen entwickelt. Diesen habe ich in das Internet gestellt, sodass ich den zugehörigen Link[7] per E-Mail an 216 Start-ups, insbesondere aus dem Bereich der Gesundheitswirtschaft, gesendet habe. Hiervon haben 42 Start-ups den Fragebogen online ausgefüllt.

Weitere 58 Ergebnisse habe ich bei Veranstaltungen gesammelt. Am 25.06.2014 habe ich die „Business & Beer“-Veranstaltung der Freien Universität Berlin (FU) besucht. Außerdem nahm ich an dem von dem Pharmakonzern Bayer veranstalteten Event „Data Privacy for mHealth Apps“[8] am 02.09.2014 teil, um mit Gründern der Gesundheitswirtschaft in Kontakt zu treten. Viele weitere Ergebnisse konnte ich in Gesprächen mit Gründern bei der „Langen Nacht der Start-ups“ am 06.09.2014 erlangen. Außerdem besuchte ich am 23.09.2014 die Veranstaltung „How to pitch to investors“[9] im Telekom „hub:raum“.

Ich traf weitgehend auf Offenheit und Hilfsbereitschaft. Einige Gründer nahmen sich sogar bis zu 20 Minuten Zeit, um mit mir den Standort Berlin zu diskutieren. Einzelne Aussagen sind als Zitate eingefügt. Wenn die Unternehmen anonym bleiben wollten, ist statt dem Unternehmensnamen die Nummer ihrer Beantwortung angegeben.

2. Gesundheitswirtschaft in Berlin

Die Gesundheitswirtschaft ist eine hochproduktive, exportorientierte und weitgehend konjunkturunabhängige Branche. Die Branche ist deutschlandweit bedeutend, was sich daran erkennen lässt, dass im zweiten Quartal 2014 33 % aller Venture Capital-Beteiligungen[10] in Deutschland in die Gesundheitswirtschaft flossen[11]. Ein besonderes Merkmal der Gesundheitswirtschaft in der Hauptstadtregion ist die hohe Dichte von 24 großen Forschungseinrichtungen und Universitäten mit Forschungsschwerpunkten zur Gesundheitswirtschaft. Dazu zählen international renommierte Einrichtungen wie die Charité, Europas größtes Universitätsklinikum, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und das Deutsche Herzzentrum Berlin. Die damit verbundenen überdurchschnittlich hohen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE-Aktivitäten) sind in Europa einzigartig[12].

Der Gesundheitswirtschaftsstandort Berlin zeichnet sich durch seine hervorragende Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und klinischer Versorgung (132 Klinken) aus. Mit 201.001 Beschäftigten in Berlin (Hauptstadtregion[13]: 313.715), 4.062 Unternehmen (Hauptstadtregion: 5.922) und 12,7 Mrd. Euro Umsatz (Hauptstadtregion: 16,0 Mrd. Euro)[14] ist die Branche bedeutend für Berlin und hatte 2008 einen Anteil von 11,9 % an der Berliner Bruttowertschöpfung (gegenüber Deutschland: 10,1 %)[15]. Die Bedeutung könnte sich noch vergrößern, da Prognosen davon ausgehen, dass in der Region im Jahr 2030 mit rund 368.000 Beschäftigten eine Bruttowertschöpfung von etwa 20 Mrd. Euro erreicht werden wird[16]. Dieses Wachstum wird durch den demographischen Wandel verstärkt, da ältere Menschen überdurchschnittlich häufig auf gesundheitswirtschaftliche Leistungen angewiesen sind.

3. Vorstellung des Start-ups der Gesundheitswirtschaft Cortrium

Am 02.09.2014 habe ich mit den Gründern des Start-ups Cortrium im Rahmen einer Veranstaltung des Pharmakonzerns Bayer gesprochen. Cortrium ist ein Unternehmen, das erheblich von der Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen profitiert. Das Start-up ist aus einer Abspaltung des Nokia Research & Development Departments in Kopenhagen entstanden, sodass es sich um ein sogenanntes Spin-Off handelt. Cortrium kann die Ressourcen Nokias nutzen, um das von ihm entwickelte Gerät C3 in Massenprodution relativ günstig (50 €) produzieren zu können. Außerdem wurden die Gründer von Bayer eingeladen, ihr Produkt in Berlin im Rahmen des „Grants4Apps Programm“ von Bayer weiterzuentwickeln. In meinem Gespräch hat sich herausgestellt, dass Cortrium nicht nur von der Unterstützung durch den Accelerator[17] Bayer profitiert, sondern auch von Berlins großem Talentpool und dem Cluster von Start-ups in Berlin.

Das Gerät C3 wird auf der Brust getragen und kann mittels Elektroden unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellen, die Herzfrequenz und Hauttemperatur sowie Schlaf und Bewegung messen[18]. Die mit dem EKG gemessenen Werte sind sogenannte Vitalparameter, die die Grundfunktionen des menschlichen Körpers (Vitalfunktionen) widerspiegeln. Eine Nulllinie auf dem EKG zeigt einen Herzstillstand an, bei dem eingegriffen werden muss[19]. Die gemessenen Daten werden per Bluetooth zu einem Smartphone oder Tablet-PC übertragen. Damit kann nicht nur der Nutzer seine Vitaldaten beobachten; über die Cloud können die Daten auch an den Hausarzt weitergeleitet werden[20], der die Daten dann analysieren und eventuell notwendige Maßnahmen einleiten kann. Außerdem erleichtert der Zugang zu aktuellen und historischen Daten behandelnden Ärzten, ihre Entscheidungen schnell und fundiert zu treffen.

4. Standortfaktoren

Unter Standortfaktoren versteht man die Gesamtheit aller Faktoren, die ein Unternehmen bei der Wahl eines Standorts berücksichtigt. Unterschieden wird zwischen harten und weichen Standortfaktoren.

4.1 Harte Standortfaktoren

Harte Standortfaktoren sind gut messbare Strukturdaten über einen Ort und dessen Umgebung.

4.1.1 Arbeitskräftepotential

Berlin ist einer der größten Standorte der Wissenschaft in Europa. Insgesamt lehren, forschen, studieren und arbeiten über 200.000 Menschen an vier Universitäten, sieben Fachhochschulen, vier Kunsthochschulen, 28 staatlich anerkannten privaten Hochschulen, 21 innerstädtischen Technologieparks und Gründerzentren und 52 außeruniversitären Forschungsstätten[21]. Zwei Drittel der Absolventen bleiben in der Hauptstadt. Damit hat Berlin die höchste Forscher- und Akademikerdichte pro Kopf in Deutschland[22]. Von diesem beachtlichen Humankapital profitieren die Berliner Wirtschaft und auch die Start-ups, die häufig Fachkräfte suchen. Laut dem Deutsche Start-up Monitor 2014 planen Start-ups in den kommenden 12 Monaten durchschnittlich 10 Mitarbeiter[23] einzustellen. Dabei haben vor allem Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft großen Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern, wobei insbesondere Fachkräfte mit Berufserfahrung gesucht werden, während es genug Universitätsabsolventen gibt[24]. So waren 53 % der Mitarbeiter in Biotech- und Pharma-Unternehmen Fachkräfte und 44 % Akademiker. In der Medizintechnik waren immerhin noch 17% der Mitarbeiter Akademiker und 57 % Fachkräfte[25].

Wie wichtig das Arbeitskräfteangebot eines Standortes für Start-ups ist, zeigt sich nicht nur in dem Start-up-Barometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (ey), in dem die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern von 68 % der Start-ups als sehr wichtig eingeschätzt wurde[26], sondern auch an einer Antwort auf meinen Fragebogen. So schrieb das E-Commerce-Start-up Kiveda.de[27]:

„München war zunächst der Startstandort, allerdings ist das Skill-Angebot für E-Commerce Firmen in Berlin deutlich besser und günstiger.“

Danach hat das Start-up seinen Standort nach Berlin verlegt. Meine Umfrage ergab außerdem, dass vor allem Gründungen von Studenten keine Probleme bei der Gewinnung von Mitarbeitern haben, da sie über ihren Kontakt zu bzw. an den Universitäten Mitarbeiter vermittelt bekommen.

4.1.2 Netzwerke und Veranstaltungen

Berlin ist der Sitz des Parlaments, der Bundesregierung und der Spitzenverbände der Wirtschaft. Durch die Nähe zu diesen Entscheidungsträgern können Start-ups in Berlin ihre Forderungen leichter umsetzen. Auch wenn es keinen Verband gibt, in dem alle Start-ups Mitglied sind, ist der Bundesverband Startups e.V. mit Sitz in Berlin die größte Interessenvertretung deutscher Start-ups. Neben der Öffentlichkeitsarbeit befasst sich der Verein mit der Erarbeitung von Forderungen an die Politik sowie dem Dialog mit politischen Entscheidungsträgern.

Daneben sind die Berliner Hochschulen nicht nur Ort der Lehre und Forschung, sondern ermöglichen auch die Bildung von Netzwerken und begünstigen damit Innovationsprozesse[28]. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Kombination verschiedener Forschungsdisziplinen führen zu Innovationen. Damit muss es zu einem Austausch zwischen Start-ups, Kapitalgebern, Politik, etablierten Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Studenten kommen, um eine positive Gründungsdynamik herbeizuführen. Der Austausch kann ferner zu vertikalen und horizontalen Kooperationen führen, was wiederum zum Wissenstransfer beitragen kann[29]. Als gut vernetzter Wissenschaftsstandort bietet Berlin hierfür beste Voraussetzungen. So wirbt die Berlin Partner GmbH auf ihrer Internetseite: „Deutschlands Hauptstadt verbindet die Grundpfeiler wirtschaftlichen Erfolgs und wissenschaftlicher Innovation: Dichte, Vielfalt und Exzellenz“[30].

In der Gesundheitswirtschaft haben sich bereits mehrere Netzwerke geformt: Ein bedeutendes Netzwerk ist das 2009 gegründete Institut für angewandte Forschung e.V. (IfaF). In ihm arbeiten vier Hochschulen gemeinsam an momentan rund 30 Projekten mit der regionalen Wirtschaft. Dies führt zu einer stärkeren Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft[31]. Ein anderes Netzwerk der Gesundheitswirtschaft ist „HealthCapital“, betrieben von Berlin und Brandenburg. Beide Bundesländer bündeln alle themenbezogenen Aktivitäten und konkreten Maßnahmen der interregionalen Zusammenarbeit unter der Dachmarke HealthCapital Berlin-Brandenburg. Ferner gibt es das Medizintechniknetzwerk medtecnet-BB[32].

Veranstaltungen führen zu einer größeren Öffentlichkeit der Szene und steigern damit auch die Bekanntheit eines Standorts auf internationaler Ebene. Daneben helfen Events, die Start-ups zu vernetzen, da es bei Veranstaltungen zum Kontakt zwischen Start-ups, etablierten Unternehmen und Interessenvertretern kommt. Der Standort Berlin schneidet im Ranking des Deutschen Startup Monitor in allen Unterkategorien zum Thema Netzwerk mit dem ersten Platz ab[33]. Auch in meiner Umfrage haben 43 Prozent das Netzwerk als wichtigen Faktor der Gründung angegeben.[34]

Zu den Events gehören unter anderem: Lange Nacht der Start-ups, re:plika, HEUREKA, Entrepreneurship Summit, hy!Berlin und die Next Berlin[35]. Speziell für die Gesundheitswirtschaft werden in Berlin als Regierungssitz und Sitz vieler Spitzenverbände der Wirtschaft viele Events veranstaltet: Unter anderem der 28. Treffpunkt Medizintechnik: Biologisierte Medizintechnik, das Investor‘s Dinner, der Hauptstadtkongress 2014 Medizin und Gesundheit und viele weitere. An der Menge dieser Veranstaltungen lässt sich erkennen, wie groß das Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin ist.

Auch Wettbewerbe nehmen eine wichtige Rolle in der Szene ein. Hervorzuheben ist zum Beispiel der greentec-award[36] und der Eco12-Award[37]. Mit diesen werden Start-ups ausgezeichnet, die sich für Umweltschutz einsetzen.

4.1.3 Kooperationen von Start-ups mit der Wirtschaft

Wichtig für die Start-ups sind auch Kooperationen mit der Wirtschaft. Start-ups brauchen etablierte Unternehmen als Kunden, Partner, Investoren und Exit-Kanal[38]. Mehr Kooperationen könnten der Berliner Start-up Szene sehr helfen, da die Finanzierung bisher zu einem der größten Probleme der Start-ups zählt[39]. Eine Vernetzung zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen ermöglicht daneben die Nutzung von Synergien und den Austausch von Ressourcen, Informationen, Fachkräften und Ideen. Eine derartige Kooperation findet zum Beispiel bei dem Inkubator[40] „CoLaborator Berlin“ statt, den ich im Rahmen des Events „Data Privacy for mHealth Apps[41] “ besuchte. Dieser Campus wird betrieben von Bayer Health Care und bietet Laborräume und Know-how. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups sollen Synergieeffekte erzielt werden. Beispielsweise haben im „CoLaborator“ angesiedelte Start-ups Zugriff auf kapitalintensive Laborgeräte von Bayer. Bayer profitiert einerseits von den Innovationen und der hohen Agilität, die von den Start-ups ausgeht. Andererseits bedeutet das Wachstum der Start-ups durch die Unterstützung auch Beteiligungserträge für den Pharmakonzern, da Bayer an diesen Unternehmen beteiligt ist.

Neben dem „CoLaborator Berlin“ ist der hub:raum der Deutschen Telekom ein weiterer Berliner Inkubator. In Gesprächen mit Unternehmen beider Inkubatoren stellte sich heraus, dass Mitarbeiter/Gründer mit der Unterstützung durch die Inkubatoren sehr zufrieden sind, da sie Unterstützung bei Formalitäten, Finanzierung und Büroräumen erhalten. Ein weiterer positiver Effekt von Inkubatoren ist, dass sie Teams aus ganz Europa mit ihren Unternehmen nach Berlin bringen. Start-ups, die Tochtergesellschaften von Großunternehmen sind, können jedoch den Nachteil haben, dass sie von den langsamen Entscheidungsstrukturen des Mutterunternehmens behindert werden.

Neben Inkubatoren gibt es auch sogenannte Acceleratoren. Der Unterschied liegt darin, dass Inkubatoren eine langfristige Unterstützung anbieten, während Acceleratoren vor allem junge Start-ups (Early-Stage-Start-ups) nur für maximal vier Monate und vor allem durch Mentoring und Know-How unterstützen. Beispiele für Acceleratoren in Berlin sind der „Axel Springer Plug and Play Accelerator“ und der „Microsoft Ventures Accelerator“. Derartige Kooperationen finden jedoch noch zu selten statt, da die Berliner Start-up-Szene häufig unterschätzt wird.

Auch die Politik ist sich der Bedeutung dieser Kooperationen bewusst, wie die Antwort der CDU-Fraktion[42] auf meine Anfrage zeigt :

„Sehr geehrter Herr Farr, [...] mit jährlich etwa 40.000 Gewerbeneuerrichtungen weist Berlin eine enorm hohe Gründungsdynamik auf. Vor diesem Hintergrund wirbt die Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Frau Cornelia Yzer (CDU), regelmäßig für die Interessen der Berliner Start-up-Szene. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Senatsverwaltung dabei u.a. der Zusammenarbeit zwischen Konzernen und Start-ups [...].“

4.1.4 Flächenverfügbarkeit

Neben Laboren auf dem Gelände einer etablierten Firma sind Gründungszentren bzw. Technologieparks sehr attraktiv für Start-ups der Gesundheitswirtschaft, da diese dort relativ günstig und flexibel Laborräume mieten können. Die Nähe zu anderen Start-ups fördert die Kooperation und damit Synergien-Bildung etc. Neben den Vorteilen, die Technologieparks für Start-ups bieten, kann jedoch das Problem bestehen, dass Letztere weniger Mitgestaltungsrechte haben. So würde das Unternehmen Myelotherapeutics gerne den Umweltschutz verbessern, z.B. durch das Beziehen von Ökostrom, eine extensive Dachbegrünung sowie eine vogelfreundliche Gestaltung der Glasfassade, kann dies jedoch nicht, da der Umweltschutz am Biotech Campus Buch „ zentral koordiniert wird“[43]. In der Hauptstadtregion Berlin gibt es mehr als 17 Gründerzentren und vier Technologieparks[44]. Dazu gehören z.B. der Berlinbiotechpark, der Campus Berlin-Buch und das Zentrum für Biotechnologie und Umwelt ZBU I in Adlershof. Die Gründerzentren können auch an den Universitäten angesiedelt sein. Dabei spricht man von sog. Prä-Inkubatoren: Sie unterstützen ihre Studenten, indem sie sie beraten sowie Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Noch flexibler sind die sog. Coworking Spaces (Gemeinschaftsbüros). Dabei handelt es sich um Bürohäuser, in denen dem Mieter ein Arbeitsplatz sowie die nötige Infrastruktur wie Telefon- und Internetanschluss, Kopierer, Beamer oder ein Konferenzraum zur Verfügung gestellt werden. In Berlin gibt es mehr als 17 Coworking Spaces[45] ; das bekannteste Beispiel ist das Betahaus am Moritzplatz. Arbeitsplätze in den Gemeinschaftsbüros kosten nur etwa die Hälfte eines normalen Arbeitsplatzes. Des Weiteren gelingt der kreative Austausch besser, Unternehmen können einfach motivierte Mitarbeiter finden[46] und Investoren werden angelockt. Damit bieten Coworking Spaces neben Gründerzentren und Technologieparks gute Rahmenbedingungen für Start-ups, da sie extra auf diese ausgerichtet sind.

[...]


[1] Vgl. http://www.mckinsey.de/sites/mck_files/files/berlin_gruendet_broschuere.pdf, S. 12

[2] Vgl. https://deutschestartups.org/wp-content/uploads/2013/07/DeutscherStartupMonitor2013.pdf

[3] Siehe 8. Abbildungsverzeichnis, Abb. 2

[4] Vgl. http://www.mckinsey.de/sites/mck_files/files/berlin_gruendet_broschuere.pdf, S. 14

[5] Ebenda, S. 13

[6] Ebenda, S. 12

[7] - https://de.surveymonkey.com/s/7MC2KFD

- Ergebnisse online zu finden bei: https://de.surveymonkey.com/results/SM-C36KD3W8/

[8] Datenschutz bei mobilen Gesundheits-Apps

[9] Wie man Investoren sein Unternehmen präsentiert

[10] Zeitlich begrenzte Mittelüberlassungen in Form von Eigenkapital an das Spezialsegment der jungen Wachstumsunternehmen

[11] VC-Panel: Meiste Investments im Software-Sektor, in: VentureCapital Magazin 09/2014, S. 6

[12] Vgl. http://www.businesslocationcenter.de/gesundheitswirtschaft?closed=1

[13] Hier als Berlin und Brandenburg zusammen definiert

[14] Vgl. http://www.berlin.de/sen/wirtschaft/wirtschaft-und-technologie/konjunktur-und-statistik/wirtschafts-und-innovationsbericht/ii-wirtschaft-forschung-und-technologie-in-berlin/artikel.41571.php

[15] Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/I/Pr_C3_A4sentation_20Gesundheitswirtschaft_20WifOR,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf, S. 22

[16] -Vgl. http://www.berlin.de/wirtschaft/wirtschaftsstandort/zukunftsbranchen-cluster/life-sciences/

-gegenüber 9,6 Mrd. Euro in 2008 (Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/I/Pr_C3_A4sentation_20Gesundheitswirtschaft_20WifOR,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf, S.22)

[17] Ein Accelerator ist eine Institution, die Start-ups in einem bestimmten Zeitraum durch Coaching zu einer schnellen Entwicklung verhilft

[18] Vgl. http://cortrium.com/#our-technology-2

[19] -Hampton, John: EKG auf einen Blick. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2004

- Vgl. http://flexikon.doccheck.com/de/Todeszeichen

[20] Vgl. http://cortrium.com/#our-technology-2

[21] Vgl. http://www.ihk-berlin.de/standortpolitik/Wirtschaftsstandort_Berlin/Standortvorteile_Berlins_und_Standortvergleiche/2184314/Wissenschaftsstandort_Berlin.html

[22] Vgl. http://www.berlin.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/index.de.php

[23] Vgl. http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-14/DSM_2014_PK_Slidedeck.pdf, S. 10

[24] Gneuss, Michael: „Ein toller Standort für die Gesundheit“, in: Berliner Wirtschaft 11/2014, S. 22

[25] Vgl. http://www.uckermark.de/PDF/Feldstudie_Bildungsbedarf_der_Gesundheitswirtschaft_in_Berlin_Brandenburg_IHK_Berlin_.PDF?ObjSvrID=553&ObjID=3297&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1202456928

[26] Vgl. http://www.ey.com/Publication/vwLUAssetsPI/EY_Start-up_Barometer_2014/$FILE/EY-Start-up-Barometer-2014.pdf, S. 20

[27] Antwort des Unternehmens Kiveda (#1)

[28] Vgl. http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-14/DSM_2014.pdf, S. 52

[29] Vgl. http://www.berlin.de/sen/wirtschaft/wirtschaft-und-technologie/konjunktur-und-statistik/wirtschafts-und-innovationsbericht/ii-wirtschaft-forschung-und-technologie-in-berlin/artikel.41571.php

[30] Vgl. http://www.berlin-sciences.com/wissenschaftsstandort-berlin/

[31] Vgl. http://www.ifaf-berlin.de/

[32] Gneuss, Michael: „Ein toller Standort für die Gesundheit“, in: Berliner Wirtschaft 11/2014, S. 22

[33] Vgl. http://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-14/DSM_2014.pdf, S. 53

[34] Siehe 10. Anhang, Ergebnisse Fragebogen [nicht enthalten]

[35] Sehen, vernetzen und gesehen werden, in: Digitale Wirtschaft in Berlin 10/ 2013, S. 16

[36] Vgl. http://www.greentec-awards.com/greentec-awards.html

[37] Vgl. http://ecosummit.net/award

[38] Ein Exit ist der Ausstieg von Investoren oder den Gründern aus dem Unternehmen mit möglichst hohem Gewinn

Vgl. https://deutschestartups.org/wp-content/uploads/2014/08/Startup-Verband_zur_Digitalen_Agenda.pdf, S. 4

[39] Vgl. http://www.mckinsey.de/sites/mck_files/files/berlin_gruendet_broschuere.pdf

[40] Inkubatoren sind Einrichtungen, die Unternehmen auf den Weg der Existenzgründung bringen und sie dabei unterstützen

[41] Datenschutz bei mobilen Gesundheits-Apps

[42] Friederici, Oliver: „Unsere Antwort auf Ihre E-mail: Unterstützung von Start-ups“ (2. Juni 2014)

[43] Antwort des Unternehmens Myelotherapeutics (#2)

[44] Vgl. http://www.gruenderzentren-in-berlin.de/

[45] Vgl. http://www.coworking-news.de/coworking-verzeichnis/#berlin

[46] Coworking Space statt Garage, in: Digitale Wirtschaft in Berlin 10/ 2013, S. 12

Details

Seiten
38
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668026827
ISBN (Buch)
9783668026834
Dateigröße
7.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301204
Note
1,0
Schlagworte
Start-ups Berlin

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