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Krafttraining im Schulsport und dessen praktische Umsetzung

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Krafttraining mit Kindern - Relevanz, Chancen und Vorbehalte

2. Motorische Entwicklung
2.1 Zentrales Nervensystem
2.2 Aktiver Bewegungsapparat
2.3 Passiver Bewegungsapparat

3. Arten der Kraft und ihre Relevanz für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen
3.1 Maximalkraft
3.2 Kraftausdauer
3.3 Schnellkraft

4. Grundsätze für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter
4.1 Krafttraining in Bezug auf die einzelnen Entwicklungsphasen

5. Belastungssteuerung im Schulsport
5.1 Belastungssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden

6. Konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung
6.1 Spielerisches Krafttraining
6.2 Zirkeltraining ohne oder mit einfachen Geräten
6.2.1 Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
6.2.2 Übungen mit einfachen Geräten
6.3 Übungen mit Krafttrainingsgeräten

7. Fazit

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Krafttraining mit Kindern - Relevanz, Chancen und Vorbehalte

In Bezug auf Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen bestehen einige Vorurteile.

Häufige Bedenken, die Gegner eines Krafttrainings mit Kindern und Jugendliche äußern, sind die Verletzungsgefahr für den wachsenden Organismus, ein Verlust der Beweglichkeit und eine geringe Effektivität auf Grund des zu geringen Muskelwachstums. Die Gefahr der Schädigung des kindlichen Körpers birgt das Krafttraining insbesondere bei einer fehlerhaften Ausführung der Kraftübungen. Es kann dabei zu Schädigungen am passiven Bewegungsapparat kommen, da die Knochen von Kindern und Jugendlichen aufgrund der geringeren Kalkeinlagerungen elastischer sowie weniger druck- und biegefest sind. Der passive Bewegungsapparat von Kindern und Jugendlichen ist damit weniger belastbar als der eines Erwachsenen (vgl. Weineck, 2007, S. 586). Um Schäden zu vermeiden, sind einige Grundsätze zu beachten, auf die wir in Punkt 4 näher eingehen werden.

Inzwischen werden allerdings von vielen Sportwissenschaftlern die positiven gesundheitlichen Effekte eines optimal durchgeführten Krafttrainings in den Vordergrund gestellt (vgl. Zahner, 2003a, S. 10). Krafttraining zielt auf die wirkungsvolle Entwicklung funktioneller und struktureller Muskeleigenschaften um das erforderliche Kraftniveau für Bewegungsleistungen zu gewährleisten. Aus diesem Grund sind Kraftfähigkeiten Grundlage für menschliche Bewegungen. Die Bedeutung für ein Krafttraining im Kinder- und Jugendalter ergibt sich aus weiteren Notwendigkeiten (vgl. Weineck, 2007, S. 583 und Martin u.a., 1999, S. 329).

Heutzutage sind etwa 50 bis 65% der Schülerinnen und Schüler haltungsschwach, viele haben bereits Haltungsschäden und es gibt eine Zunahme von übergewichtigen Kindern. Daraus können Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Arthrose oder Osteoporose entstehen, die erst nach Jahrzehnten in Erscheinung treten. Neben ungünstiger Ernährung, können diese aus mangelnder Bewegung, und den dadurch fehlenden Anreizen für die Muskulatur sich zu entwickeln, resultieren. Außerdem sinkt mit ansteigendem Fettanteil die sportmotorische Leistungsfähigkeit, vor allem in den Bereichen die die Muskelkraft, Schnelligkeit und die Ausdauer beanspruchen. Aus diesen Gründen ist ein gezieltes altersgemäßes Krafttraining zur Prophylaxe gegen Haltungsschäden und zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit bzw. zur Leistungsoptimierung unbedingt erforderlich (vgl. Weineck, 2007, S. 583). Bei Kindern, die ein angemessenes Krafttraining durchführen, ist parallel zum gesteigerten Kraftniveau ein verbessertes Bewegungsverhalten in allen Sportarten festzustellen. Durch die hinzugewonnene Kraft werden die Bewegungen dynamischer, fließender und präziser (vgl. Weineck, 2007, S. 584).

Zur Zeit des kindlichen Wachstums reagiert der Bewegungsapparat besonders sensibel auf (Kraft-) Trainingsreize, dies sollte zur Verbesserung der allgemeinen Grundlagen für die spätere Entwicklung ausgenutzt werden (vgl. Weineck, 2007, S. 583f.).

An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass es beim Krafttraining mit Schülern im Allgemeinen nicht um größere Muskeln geht, sondern um effizientere. Das heißt, dass Kraftzuwächse nicht durch Hypertrophie (Muskelwachstum), sondern durch neuronale Anpassung erreicht werden soll (vgl. Zahner, 2003a, S. 10).

2. Motorische Entwicklung

Zunächst ist festzuhalten, dass Kraft ein Leben lang trainierbar ist. Allerdings hängt die Trainierbarkeit stark vom biologischen Alter des Menschen und somit von den Entwicklungsphasen, die er durchläuft, ab. Um einschätzen zu können, welche Art der Kraft in welchem Alter besser trainierbar ist, ist es wichtig zunächst einen Überblick über die Motorische Entwicklung in Bezug auf Kraft zu geben.

Die Entwicklung der Kraft ist im Wesentlichen von der Entwicklung des Muskel- und Nervensystems abhängig (Schmidtbleicher, 1994, S. 130).

2.1 Zentrales Nervensystem

Die Entwicklung des Zentralen Nervensystems folgt zum einen einem genetischen Bauplan. Dieser sorgt für die Entwicklung von Nervenzellen und deren Vernetzung. Des Weiteren basiert die Entwicklung, vor allem von Nervenfasern und Synapsen, auf Erfahrungen, die abhängig von Wahrnehmung, Probieren und Übungslernen sind (Martin, D. u.a., 1999, S. 49ff).

Das Gehirn hat bis zum 6. Lebensjahr 90 – 95% seiner endgültigen Größe erreicht. Die Nervenzellen des Zentralen Nervensystems werden in den ersten 3 Lebensjahren besonders intensiv vernetzt (Weineck, 1998, 266).

2.2 Aktiver Bewegungsapparat

Die kindliche Muskelzelle unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von der eines Erwachsenen. Der Muskel wächst grundsätzlich durch Hypertrophie (Erhöhung des Durchmessers) und nicht durch Hyperplasie (Vermehrung der Zellen). Die Anzahl der Myofibrillen in den einzelnen Muskelfasern erhöht sich in den ersten 3 Lebensjahren auf das 4 – 5fache, bis zu 7. Lebensjahr sogar auf das 15 – 20fache (Martin, D. u.a., 1999, S. 45).

Die Muskulatur von Neugeborenen besteht zum größten Teil aus ST-Fasern. Die restlichen Fasern sind noch nicht ausdifferenziert. Im Alter von 11 bis 13 Jahren besteht die Skelettmuskulatur zu 60 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 10% aus ST-Fasern. Der Anteil an ST-Fasern ist bei Jungen höher als bei Mädchen (Martin, D. u.a., 1999, S. 46).

Das Verhältnis von Muskel- zu Körpermasse beträgt bei der Geburt 20 – 23%. Der Anteil der Muskelmasse wächst kontinuierlich und steigt in der Pubertät bei Jungen auf durchschnittlich 41,8%, bei Mädchen auf 35,8% (Weineck, 1998, S. 264). Dies ist auf die verstärkte Ausschüttung von Sexualhormonen zurückzuführen.

Mädchen und Jungen befinden sich bis zur Pubertät etwa auf dem gleichen Leistungsniveau. Mit dem Beginn der Pubertät, werden die Unterschiede in der Trainierbarkeit zunehmend größer. Während im Alter von 11 Jahren die Leistungsfähigkeit der Mädchen noch 90% der der Jungen entspricht, nimmt dieser Wert kontinuierlich ab. Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren liegen nur noch bei 60 – 65% des Maximalkraftniveaus der Männer (Schmidtbleicher, 1994, S. 132).

Verschiedene Studien (z.B. Diekmann/Letzelter) haben gezeigt, dass im frühen Schulkindalter besonders Schnellkraft gut trainierbar ist. Bei regelmäßigem Training (1 – 2 Mal pro Woche) steigt die Kraftleistung gegenüber der Kontrollgruppe signifikant an. Darüber hinaus sind diese Trainingszugewinne über einen längeren Zeitraum konstant, auch wenn in diesem Zeitraum nicht trainiert wird (Schmidtbleicher, 1994, S. 135).

2.3 Passiver Bewegungsapparat

Das Skelettsystem der Kinder und Jugendlichen ist, im Vergleich zum Erwachsenen, weniger belastbar. Das liegt daran, dass die Knochen aufgrund der Mehreinlagerung von weicherem organischem Material zwar biegsamer, aber geringer zug- und druckfest sind. Die Sehnen und Bänder sind nicht ausreichend zugfest. Auch das Knorpelgewebe und die Wachstumsfuge sind bei starken Druck- und Scherkräften gefährdet (Weineck, 1998, S. 262). Allerdings ist auch eine gewisse Belastung nötig, damit sich der passive Bewegungsapparat richtig entwickeln kann.

Was dies nun für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen bedeutet, wird im Folgenden erläutert.

3. Arten der Kraft und ihre Relevanz für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen

Im Folgenden möchten wir die Hauptformen der Kraft definieren und erläutern welche Rolle sie in einem Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen spielen. Auch wenn sie in der Realität nie in ihrer abstrakten Reinform, sondern in Kombinationen auftreten, erscheint uns diese Unterteilung sinnvoll, da im Hinblick auf die Trainierbarkeit bei Kindern und Jugendlichen deutliche Unterschiede bestehen.

Dabei sollte man bedenken, dass sich die verschiedenen Manifestationsformen der Kraft stets unter dem Aspekt der allgemeinen und speziellen Kraft betrachten lassen. Da im Sportunterricht die sportartunabhängige Kräftigung aller Muskelgruppen im Vordergrund steht, werden sich unsere Beschreibungen auf die allgemeine Kraft beschränken.

3.1 Maximalkraft

„Die Maximalkraft stellt die höchstmögliche Kraft dar, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag“ (Weineck, 2007, S. 237). Sie ist vom physiologischen Muskelquerschnitt, von der intermuskulären Koordination sowie von der intramuskulären Koordination abhängig.

Für das Krafttraining im Kindesalter ist Maximalkrafttraining kaum relevant. Aus sportmedizinischer Sicht ist es aufgrund des geringen Testosteronspiegels vor der Pubertät ineffektiv und wegen des ungefestigten Binde- und Stützsystems, vor allem der noch nicht geschlossenen Wachstumsfugen, zu risikoreich und daher unangebracht (Weineck, 2007, S. 392). Eine Möglichkeit, die Maximalkraft auch im Kindesalter zu schulen, sind Spielformen wie z.B. die Zieh- und Schiebekämpfe oder Raufspiele, die wir in Punkt 6.1 vorstellen. Es findet zwar auf Grund der oben beschriebenen Gründe keine Hypertrophie statt, jedoch führen koordinative Anpassungen in dieser Altersphase zu Verbesserungen der Maximalkraft.

Erst in der Pubertät gewinnt Maximalkrafttraining an zusätzlicher Relevanz und es können sonstige Formen des Maximalkrafttrainings sinnvoll eingesetzt werden. In dieser Altersphase zeigen sich hohe Zuwachsraten in der Entwicklung der Maximalkraftfähigkeit, die auf reifungsbedingte Änderungen des Hormonhaushaltes zurückzuführen sind, welche die Muskelhypertrophie positiv beeinflussen. Bei einem Training mit Jugendlichen sollte man jedoch unbedingt bedenken, dass der Anstieg der Maximalkraft in der Pubertät bei Jungen deutlich stärker ausfällt als bei Mädchen.

3.2 Kraftausdauer

Die Kraftausdauer kann als Ermüdungswiderstandsfähigkeit bei lang andauernden Kraftleistungen angesehen werden (vgl. Weineck, 2007, S. 242). Bei Kraftausdauerleistungen spielen zwei Merkmale eine Rolle, zum einen die Bewältigung einer Last, sie ist abhängig von der Maximalkraft, zum anderen die Dauer der Lastbewältigung, sie ist abhängig von den Stoffwechselleistungen der Muskulatur (vgl. Martin, 1999, S. 108).

Im Schulkindalter sollte lediglich ein Kraftausdauertraining mit geringen Wiederständen und hoher Wiederholungszahl (aerobes Kraftausdauertraining) eingesetzt werden. Da auf Grund der geringen anaeroben Kapazität bei Kindern ungünstige Voraussetzungen für statische Muskelarbeit gegeben sind, sollte ein Kraftausdauertraining in jedem Fall mit dynamischen Formen realisiert werden. Zur Schulung der Kraftausdauer bietet sich in besonderer Weise das Zirkeltraining an (siehe 6.2).

3.3 Schnellkraft

Die Schnellkraft beinhaltet die Fähigkeit des Nerv- Muskelsystems, den Körper, Teile des Körpers oder Gegenstände mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen (vgl. Weineck, 2007, S. 238). Da sich Schnellkraftfähigkeiten in Bewegungsvollzügen äußern und diese in hohem Maße wechselwirkend von Schnellkraftfähigkeiten abhängen, werden sie häufig im Sinne ihrer Ausprägungswirkung als Sprintkraft, Wurfkraft und Sprungkraft bezeichnet (Martin, 1999, S. 112). Die Schnellkraft besitzt von den vorgestellten Arten der Kraft für ein Krafttraining im Schulsport die höchste Relevanz. Bei schnellkrafttrainierenden Kindern entwickelt sich die Schnellkraft in Schüben mit großen Zuwachsgipfeln in den Trainingsabschnitten und Zuwachstälern in den dazwischen liegenden Trainingspausen. Da die Trainingsgewinne nicht vom Ausgangsniveau abhängig sind und in einer erneuten Trainingsphase in gleichem Umfang wiederholbar sind, besitzt das Schnellkrafttraining für das frühe, sowie das späte Schulkindalter als auch für die puberale Phase große Bedeutung und sollte im Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen höchste Beachtung finden. Die Trainingsgewinne sind zudem weitgehend stabil und gehen selbst in neunmonatigen trainingsfreien Intervallen nicht wieder verloren (vgl. Martin, 1999, S. 113).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass beim Krafttraining mit Kindern zwei Inhaltsgruppen des Krafttrainings schwerpunktmäßig im Zentrum stehen sollten. Zum einen ist dies die kindgemäße und altersadäquate Schulung der Schnellkraft. Sie ist in allen Altersklassen gut trainierbar und unter anderem durch die hohen Zuwachsraten von Wurf- und Sprungleistungen im frühen Schulkindalter zu begründen (vgl. Marten, 1999, S. 334). Zum anderen sollte das funktionale (phrophylaktische) Krafttraining als zweite Inhaltsgruppe des Krafttrainings mit Kindern im Zentrum stehen, das der allgemeinen Kräftigung der Schulter-, Rumpf-, Hüft und Beinmuskulatur und des gesamten Halte- und Stützapparates sowie der Prophylaxe und dem Ausgleich muskulärer Dysbalancen dient.

4. Grundsätze für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter

Im Allgemeinen sollte bei der Auswahl, Dosierung und Anwendung von Hilfsmitteln die geringere Belastbarkeit der Knochen berücksichtigt werden (vgl. Weineck, 2007, S. 586).

Einer der obersten Grundsätze für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen ist die risikolose Ausbildung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Fehlbeanspruchung des Bewegungsapparates, besonders im Bereich der Wirbelsäule, müssen vermieden werden. Die Kraftschulung im Kinder- und Jugendalter dient der Allgemeinausbildung und sie sollte vielseitig und abwechslungsreich gestaltet werden, so dass alle Muskelgruppen beansprucht werden. Es ist besonders wichtig das Training zu kontrollieren und darauf zu achten, dass die Übungen von den Kindern korrekt ausgeführt werden um das Verletzungsrisiko zu minimieren und um spätere Dysbalancen zu vermeiden. Dazu gilt, dass das Krafttraining wohldosiert sein sollte, also nur soviel Krafttraining wie nötig durchführen und keine maximalen Lasten einsetzen. Hinter scheinbar harmlosen Übungen verbergen sich vor allem dann Gefahren, wenn sie regelmäßig und einseitig durchgeführt werden (vgl. Weineck, 2007, S. 586f.).

Außerdem sollten ausreichende Pausenlängen zwischen den Übungen und Serien eingehalten werden, da bei Kindern ein erhöhter Energiestoffwechsel gegeben ist und damit eine längere Wiederherstellungszeit im Vergleich zu Erwachsenen vonnöten ist. (vgl. Weineck, 2007, 606f.)

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Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656979173
ISBN (Buch)
9783656979180
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301580
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Schlagworte
Training Schulsport Übungen Praxis

Autor

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Titel: Krafttraining im Schulsport und dessen praktische Umsetzung