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"Die Sorgen und die Macht" von Peter Hacks. Darstellung und Auflösungsansätze ökonomischer Widersprüche des sozialistischen Systems

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Stück „Die Sorgen und die Macht“
2.1 Entstehung
2.2 Inhalt

3. Dargestellte Widersprüche
3.1 Der gesellschaftliche Grundkonflikt
3.2 Die Rolle des Individuums im Rahmen des gesamtgesellschaftlichen Konfliktes
3.2.1 Widerspruch im Verhalten der Figuren
3.2.2 Moralisches Ideal Hacks‘
3.2.3 Begründung der Widersprüche

4. Auflösung der Widersprüche
4.1 Einführung des qualitativen Wettbewerbes
4.2 Tatsächliche Auflösung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Werk „Die Sorgen und die Macht“ des DDR - Schriftstellers Peter Hacks. Im Drama geäußerte Widersprüche innerhalb des sozialistischen Systems sowie deren werksimmanent dargebotenen Lösungs- möglichkeiten sollen an Hand des dargestellten Verhaltens der Charaktere in ihrer Bedingtheit durch gesellschaftspolitische Konstanten auf Individualebene beleuchtet werden.

„Der Zweck der Kunst ist nicht Nachricht über die Wirklichkeit. Der Zweck der Kunst ist Nachricht über eine Haltung, die man der Wirklichkeit gegenüber einnehmen kann. Die Abbildung der Wirklichkeit ist das Mittel, und der Zweck […] ist, eine Haltung anzubieten; hier schlägt die Sache um in Politik.“

(Hacks, 1972, S. 337f.)

In Folge dessen soll herausgearbeitet werden, wie die ökonomischen Widersprüche des sozialistischen Systems nach Hacks einzuordnen und aufzulösen sind und wie die politische Haltung, die das Drama dadurch anbietet, somit konkret ausgestaltet ist.

2. Das Stück „Die Sorgen und die Macht“

2.1 Entstehung

Mit „Die Sorgen und die Macht“ schreibt Hacks 1959 (die Arbeit bezieht sich im Folgenden auf die zweite überarbeitete Fassung von 1962) sein erstes Produktions- stück. Der unmittelbare Aktualitätsbezug der Thematik, der sich später nur noch in dem Stück „Moritz Tassow“ finden lässt, fügt sich in die Forderungen des DDR - Literaturprogramms „Bitterfelder Weg“. Bei diesem geht es darum, vor allem den Arbeitsalltag des Proletariats inhaltlich in das Zentrum der Literatur zu rücken, um die Kluft zwischen den Klassen zu überwinden (vgl. Kroll, 2003, S.44), also ein „enges Bündnis unter Führung der Arbeiterklasse zwischen Arbeitern, Genossenschaftsbauern und Kulturschaffenden“ (Koch, 1964, S.8) herzustellen. Mit Hilfe von Illusion, Emotion und persönlicher Identifikation soll der Rezipient zu sozialistischem Denken bewegt werden. Dazu bedarf die Handlung eines Charakters, der, vor allem durch Wirken der sozialistischen Partei (vgl. Hager, 1963, S.868), sozialistisches Verhalten entwickelt und dem Rezipienten damit als Vorbild dient (vgl. Redeker, 1963, S.78f.; Zimmermann, 1984, S.168).

Bereits vor der Entstehung des Stückes hatten im Zuge von Aktivistenbewegung und „Neuem Kurs“ in der DDR Veränderungen des ökonomischen Systems stattgefunden. Statt, wie bisher, durch vollständige Gewinnabführung an den Staat finanzielle Unabhängigkeit der Betriebe von ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, sollte nun durch die Einführung verschiedener Prämien Anreiz zur Erhöhung der Arbeitsleistung gegeben werden. Damit wollte die Regierung eine höhere Rentabilität der Betriebe erwirken und dazu beitragen, dass Arbeitnehmer ein stärkeres sozialistisches Bewusstsein entwickeln (vgl. Zimmermann, 1984, S.160).

Die Auswirkungen dieser Politik greift Peter Hacks in seinem Stück „Die Sorgen und die Macht“ auf, indem er sich daraus ergebende Widersprüche, wie zum Beispiel die Reduktion der Produktqualität auf Kosten der Quantität, beleuchtet. Damit ist der Inhalt des Stückes keineswegs fiktiv. Zu nennen ist in diesem Rahmen vor allem auch ein offener Brief aus dem Jahr 1958, welcher Hacks als inhaltliche Basis für das Stück dient. In dem Brief beklagen einige Stahlarbeiter die Unmöglichkeit der quantitativen Planerfüllung in ihrer Fabrik, da sie qualitativ unzureichenden Brennstoff geliefert bekämen (vgl. Jäger, 1986, S.1).

2.2 Inhalt

Ein kurzer Handlungsabriss von „Die Sorgen und die Macht“ erfolgt bereits im Prolog des Stückes. Thematisiert werden die wechselseitigen ökonomischen Beziehungen zwischen zwei Unternehmen im Kontext des sozialistischen Systems.

Die Handlung ist von Oktober 1956 bis Januar 1957 angesiedelt. Einer Brikettfabrik gelingt es, die Planvorgaben der Regierung zu übertreffen, wobei sie jedoch qualitativ minderwertige Briketts produziert. Dies hat zur Folge, dass eine Glasfabrik, deren Maschinen mit jenen Briketts beheizt werden, den Plan ihrerseits nicht erfüllen kann, die Löhne der dortigen Arbeiter sind unterdurchschnittlich.

Ein Mitarbeiter der Brikettfabrik, Max Fidorra, verliebt sich in die Glasarbeiterin Hede Stoll, wodurch sein Willen geweckt wird, sich für eine Verbesserung der ungleichen Verhältnisse einzusetzen. Es wird im Folgenden ein qualitativer Wettbewerb innerhalb der Brikettfabrik ausgeschrieben, der dazu führt, dass die Glasfabrik, die nun auf qualitativ hochwertige Briketts zurückgreifen kann, floriert, während die Brikettfabrik an der quantitativen Erfüllung der Planvorgaben scheitert, da die Erhöhung der Qualität die Geschwindigkeit des Produktionsprozesses beeinträchtigt.

Am Ende des Stückes fordern die Arbeiter der Brikettfabrik so die Beendigung des qualitativen Wettbewerbes. Max Fidorra hingegen, der sich, mittlerweile verarmt, nicht in der Lage zu einer Beziehung mit einer reicheren Frau sieht, setzt sich für die Aufrechterhaltung des Wettbewerbes ein, indem er Vorschläge zur technischen Verbesserung der Produktion leistet, durch die er sowohl Qualität als auch Quantität zu sichern gedenkt.

3. Dargestellte Widersprüche

In dem Stück verweist Hacks auf verschiedene Weise auf vorherrschende ökonomische Widersprüche, indem er die Figuren des Stückes und ihr individualspezifisches Verhalten im Kontext dieser darstellt (vgl. Jäger, S. 12). Diese Widersprüche und die im Stück von Hacks dargebotenen Auflösungen derer sollen im Folgenden genauer beleuchtet werden.

3.1 Der gesellschaftliche Grundkonflikt

Dem Stück zu Grunde liegt der Widerspruch zwischen durch Planvorgaben geforderter Quantität und der für den Sozialismus ebenfalls notwendigen Qualität der Produktion, also der Konflikt zwischen wertmäßiger, betriebsegoistischer Produktion (gefördert durch individuelle Prämien) und Gebrauchswert des entstehenden Produktes im Interesse des Gemeinwesens. Dieser Widerspruch ist dem ökonomischen System, aus bereits erläuterten Gründen, inhärent. Im Stück wird er an Hand der Brikettfabrik dargestellt, die nicht in der Lage ist, die Briketts in der für das betriebliche Funktionieren der Glasfabrik notwendigen Qualität zu produzieren, wenn sie gleichzeitig den Plan einhalten will.

Die Form des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen beiden Fabriken wird bereits am Anfang des Stückes durch einen Brief der Glasfabrik an den Betriebsleiter der Brikettfabrik Melz verdeutlicht.

MELZ: […] liest […] Bitte versteht doch, Kollegen, daß wir nicht produzieren können, wenn ihr uns hier drangebt.

(Hacks, 1962, S. 92)

Innerhalb des sozialistischen Systems besteht für die Glasfabrik keine freiheitliche Möglichkeit zur Ausübung von ökonomischem Druck auf die Brikettproduzenten, es kann lediglich an deren sozialistisches Bewusstsein appelliert werden (vgl. Jäger, S.16).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783956872372
ISBN (Buch)
9783668003613
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301617
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
sorgen macht peter hacks darstellung auflösungsansätze widersprüche systems
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Titel: "Die Sorgen und die Macht" von Peter Hacks. Darstellung und Auflösungsansätze ökonomischer Widersprüche des sozialistischen Systems