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Hatte Cezannes Kunst einen Einfluss auf den Schreibstil von Gertrude Stein?

Seminararbeit 2001 13 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Biographien
2.1. Paul Cézanne
2.2. Gertrude Stein

3. Hatte Cézannes Kunst einen Einfluss auf Steins Schreibstil

4. Bibliographie

1. Einleitung

Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede lassen sich zwischen Gertrude Steins literarischem Werk und Paul Cézannes Malerei erkennen oder herleiten? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen dem Wirken der beiden unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten? Ist ein Vergleich so eigentlich möglich? Im Verlauf dieser Hausarbeit werde ich versuchen, diese Fragen zu beantworten.

2. Biographien

2.1. Paul Cézanne

Am 19. Januar 1839 wurde Paul Cézanne als ältester Sohn von drei Kindern in Aix-en- Provence geboren. Er besuchte ab 1852 das Collège Bourbon, wo er sich mit Emile Zola und Jean-Baptiste Baille anfreundete. Emile Zola war der erste, der in Cézanne ein Genie erkannte, er war aber auch der erste, der ihn ein „gescheitertes Genie“ nannte. Schon damals, im zarten Alter von 13 Jahren, litt Cézanne unter Wutausbrüchen und Depressionen, was den Umgang mit ihm erschwerte. Als er die Schule beendet hatte, nahm er, auf Wunsch seines Vaters, ein Jurastudium auf, welches er allerdings im Jahre 1862 endgültig abbrach und sich in dem Landgut Jas de Bouffan, welches der Vater Louis-Auguste Cézanne 1895 erworben hatte, ein Atelier einrichtete.

1861 folgte Cézanne erstmalig dem Ruf Zolas und ging im April nach Paris. Da er sich in Paris bald langweilte, kehrte Cézanne bereits im Herbst 1861 nach Aix zurück, begann in der Bank seines Vaters zu arbeiten, aber gleichzeitig auch wieder in der Aixer Zeichenschule Unterricht zu nehmen. Im November 1862 ging er, mit einem monatlichen väterlichen Wechsel von 150 Francs, erneut nach Paris. Er arbeitete bis 1864 regelmäßig an der Académie Suisse, wo er mit Pissaro, Monet und Renoir zusammentraf. Zu diesem Zeitpunkt wurde er zum ersten Mal von der Ecole des Beaux- Arts abgelehnt und so stellte er u. a. mit Manet, Pissaro und Whistler im „Salon der Zurückgewiesenen“1 aus. Damals malte er noch „dämonisch-expressive Bilder in wildem Schleuderstilª.2 Ab August 1866 war er dann wieder zuhause in Aix, wo er anfing, sich mit Freilichtmalerei zu beschäftigen. Drei Jahre später lernte er die elf Jahre jüngere Hortense Fiquet kennen, mit der er eine Beziehung einging. Sie wurde sein geduldigstes Modell. In endlosen Sitzungen entstanden ungefähr 40 Porträts von ihr, die sie meist als strenge und verschlossene Frau mit groben Gesichtszügen zeigen. Doch auch diese Beziehung brachte Cézanne nicht die erwünschte Befreiung von Einsamkeit und sexueller Not. Er hatte gehofft, durch diese Verbindung seine Scheu vor Frauen, seine panische Angst vor Berührungen sowie sein Misstrauen den Menschen gegenüber überwinden zu können. Doch er konnte sich zeit seines Lebens nicht von seinen Ängsten befreien. Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1871) ging Cézanne abermals nach Paris und legte seine dunkelfarbig-expressive Sturm- und Drangphase endgültig ab.

Im Jahr 1872 wurde sein Sohn Paul geboren und die kleine Familie siedelte nach Auvers-sur-Oise über. Dort arbeitete Cézanne eng mit Pissaro zusammen, von dem er sich viel für seinen eigenen Malstil aneignete. Überhaupt hat er viel von den Impressionisten gelernt, doch trennte er sich künstlerisch schnell wieder von ihnen, da die Beseitigung klarer Umrisse und der Vorrang der Farbe vor der Zeichnung bei Cézanne und bei den impressionistischen Malern ganz augenscheinlich nicht dieselbe Bedeutung hatten.3 Bei einer Gruppenausstellung der Impressionisten 1874, an der Cézanne teilnahm, erregten seine Bilder (z.B. Eine moderne Olympia) großes Aufsehen. Drei Jahre später nahm er wieder an der Impressionistenausstellung teil und provozierte erneut heftige Anfeindungen der Kritiker.

Nach fast zehn Jahren Geheimhaltung der Beziehung zu Hortense, erfuhr Cézannes Vater doch von dieser Liaison und seinem Enkel Paul. Daraufhin kürzte er seinem Sohn die monatliche Unterstützung um die Hälfte, so dass Cézanne sich gezwungen sah, seinen Jugendfreund Emile Zola um finanzielle Hilfe zu bitten.

Nachdem dieser dann allerdings sein Buch L ´Œ uvre veröffentlicht hatte, in dem es um einen gescheiterten Künstler geht, kam es zum Bruch mit Cézanne, der Hortense inzwischen geheiratet hatte, obwohl er diese schon lange nicht mehr liebte. Aber er wollte für seinen Sohn Paul, den er vergötterte, eine rechtliche Grundlage schaffen.

1890, im Alter von 51 Jahren, erkrankte Cézanne an Diabetes, was den, ohnehin diffizilen, Umgang mit ihm noch schwieriger machte. Er wurde immer schüchterner, empfindlicher und misstrauischer. Sein letzter längerer Aufenthalt in Paris fand 1898/99 statt. Danach kehrte er nach Aix zurück, ¹um dort die Natur zu finden, die seinem Genie am bestenª4 entsprach.

Er begann eine Religion zu praktizieren, die mit Furcht vor dem Leben und dem Tod einherging. Diese Religiosität war durch das Bedürfnis motiviert gewesen, sein Leben in andere, fremde Hände zu legen.5

1899 verkaufte Cézanne den Landsitz Jas de Bouffan, bezog eine kleine Stadtwohnung in Aix und stellte eine Haushälterin ein, während Hortense und der kleine Paul vorwiegend in Paris lebten. Oberhalb von Aix, am Chemin de Lauves, kaufte er sich ein weiteres Grundstück und richtete sich dort sein Atelierhaus ein. Im selben Jahr (1902) starb sein ehemaliger Jugendfreund Emile Zola, während Cézanne, aufgrund seiner Krankheit, immer unzugänglicher und schwächer wurde.

Im Herbst 1906 geriet Cézanne beim Malen im Freien in ein Gewitter, dem er mehrere Stunden ausgesetzt war. Dabei fing er sich eine Lungenentzündung ein, an der er wenig später, am 22. Oktober, im Alter von 67 Jahren starb.

2.2. Gertrude Stein

¹Ger trude Stein, die Mutter der Avantgarde, produzierte früh, seit dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, eine Ästhetik der Abweichung, der semantischen Subversion, der Dekonstruktion tradierter Strukturen. Etwa durch nicht inhaltlich orientierte Lautmalerei, durch Provokation des Absurden, Evokation von Subtexten oder Perversion formal vorgegebener Elemente.ª6

Gertrude Stein wurde am 3. Februar 1874 in Allegheny, Pennsylvania, geboren. In ihrer Kindheit zog die Familie oft um: von Wien, über Passy bei Paris bis schließlich zurück in die USA nach Baltimore und Oakland. Zu diesem Zeitpunkt war Gertrude Stein sechs Jahre alt. Als die Eltern starben, wurde der älteste Bruder Michael der Vormund für die Geschwister Leo und Gertrude, die in diesen Jahren beste Freunde wurden. 1892 ging Leo nach Harvard, während Gertrude und ihre Schwester Bertha wieder bei der Familie ihrer Mutter in Baltimore wohnten. Ein Jahr später im Herbst, als Gertrude 19 Jahre alt war, nahm sie das Studium der Philosophie in Harvard Annex, dem Frauencollege, auf. Neben Philosophie studierte sie dort Geschichte, Volkswirtschaft, Französisch und Deutsch. Außerdem besuchte sie den Kurs ¹English compositionª, für den sie jede Woche Aufsätze ¹in einem eindringlichen Stil und unter Missachtung sy ntaktischer Regelnª7 schrieb. Ihr sonst sehr geduldiger Lehrer verzweifelte regelmäßig bei der Korrektur ihrer Arbeiten. Auch während ihrer Studienzeit verband sie eine innige Freundschaft mit ihrem Bruder Leo. 1895 beendete dieser sein Studium in Harvard und ging mit seinem Cousin Fred Stein auf Weltreise. Gertrude blieb in Harvard und konnte sich mit voller Konzentration ihrem Studium widmen. Nach Leos Rückkehr begann dieser ein Biologiestudium an der John Hopkins School of Medicine in Baltimore. Gertrude folgte ihm, um an derselben Universität ein Medizinstudium aufzunehmen. Während dieses Studiums führten Gertrude und Leo ihren ersten gemeinsamen Haushalt. Leo war in dieser Geschwisterfreundschaft das intellektuelle und Gertrude das gesellschaftliche Zentrum.8 Als Leo 1900 sein Studium abbrach und nach Europa ging, schwand auch Gertrudes Interesse an der Medizin sehr schnell.

Und so zog Gertrude 1902 ebenfalls nach Europa zu Leo, der zu dieser Zeit gerade in Florenz weilte. Sie verbrachten den Sommer zusammen in England, bevor sie sich im Herbst eine gemeinsame Wohnung am Bloomsbury Square mieteten. Im Dezember zog Leo nach Paris. Er hatte gerade sein erstes Ölgemälde gekauft, welches den Beginn einer ¹legendären Sammlungª9 kennzeichnen sollte. Als Gertrude im Frühjahr 1903 nach einem Amerikaaufenthalt wieder nach Europa zurückkehrte, zog sie zu Leo in die Rue de Fleurus und begann dort mit der Arbeit an The Making of Americans. Leo führte Gertrude in einen Kreis ein, der für sie ¹Nährboden für ihre eige nen literarischen Ambitionenª10 wurde. Durch ihre Bilderkäufe und ihren ungewöhnlichen Geschmack wurden die Steins sehr bekannt und so kamen immer mehr Leute, um die große Bildersammlung zu sehen. Im November 1905 stellte Leo Gertrude den damals noch völlig unbekannten Künstler Pablo Picasso vor und die beiden freundeten sich an.

[...]


1 Becks-Malorny, Ulrike: Paul Cézanne - Wegbereiter der Moderne. Köln. 1995, S. 94

2 Ebd., S. 94

3 vgl. Merleau-Ponty, Maurice: Der Zweifel Cézannes. in: Boehm, Gottfried (Hrsg.): Was ist ein Bild?. München. 1994, S. 43

4 Ebd., S. 40

5 vgl. Ebd., S. 40

6 Vetsch, Florian: Werde wilder, wilder Füller, in: die tageszeitung, 24. Juli 2001, S. 17

7 Sabin, Stefana: Gertrude Stein. Reinbek bei Hamburg 1996, Neue Welt - Alte Welt, S. 21

8 vgl. Ebd., Neue Welt - Alte Welt, S. 26

9 Ebd., Neue Welt - Alte Welt, S. 29

10 Ebd., Paris,Frankreich, S. 33

Details

Seiten
13
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638314879
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30163
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Theaterwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Hatte Cezannes Kunst Einfluss Schreibstil Gertrude Stein Einführung Dramaturgie

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