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Die Entwicklung der österreichischen Minderheiten im kurzen 20.Jahrhundert

Die Kärntner Slowenen und die Burgenland-Kroaten in der Zwischenkriegszeit

Seminararbeit 2015 31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Kärntner Slowenen
1.1 Die Zeit in der Ersten Republik
1.1.1 Die Erneuerung ihres politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens
1.1.2 Die slowenische Geistlichkeit und die katholische Kirche
1.1.3 Die Sozialstruktur der slowenischen Volksgruppe
1.1.4 Verhandlungen über eine Kulturautonomie
1.2 Die Zeit im autoritären Ständestaat

2. Die Burgenland-Kroaten
2.1 Die Zeit in der Ersten Republik
2.1.1 Der Kroatische Kulturverein
2.1.2 Das kroatische Schrifttum und Zeitungswesen
2.1.3 Die Entwicklung des kroatischen Vereinswesens und Schulwesens
2.1.4 Die Sozialstruktur der kroatischen Volksgruppe
2.2 Die Zeit im autoritären Ständestaat

3. Resümee: Assimilation vs. Politik

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Kultur und Sprache sind untrennbar miteinander verbunden: Je vielfältiger bzw. bunter die Sprachenlandschaft ist, umso anspruchsvoller und vielfältiger gestaltet sich das Kulturleben. Das Individuum wird in einer bilingualen, zweisprachigen Gesellschaft im alltäglichen Leben aufgrund des Gebrauchs zweier unterschiedlicher Sprachen geistig mehr gefordert als in einer monolingualen, einsprachigen Gesellschaft. Daher kann Zweisprachigkeit nur von Vorteil sein, was auch die folgenden Gedanken zu untermauern versuchen: ÄAndrerseits beschleunigt die Zweisprachigkeit die allgemeine geistige Entwicklung, fördert die Flexibilität und das analytische Sprachverständnis. Und jede, wenn auch noch so geringe Anstrengung in Richtung Zweisprachigkeit trägt dazu bei, daß das Toleranzverhalten und die Anpassungsfähigkeit vergrößert werden.“1

Die Kulturgeschichte der Kärntner Slowenen hängt eng mit ihrer politischen Geschichte und mit der Herausbildung des slowenischen Nationalbewusstseins zusammen. Während sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit ihrem Zentrum Klagenfurt das gesamtslowenische literarische Schaffen noch maßgebend mitbestimmten, sind sie seit dem Jahre 1920 vom übrigen slowenischen Sprachgebiet politisch getrennt. Trotz des starken Germanisierungsdrucks über Jahrzehnte hinweg und der Trennung vom übrigen slowenischen Volk hat die Volksgruppe in Kärnten bis zum heutigen Tag ihre Existenz bewahren können, obwohl ein verstärkter Rückgang des slowenischsprachigen Bevölkerungsanteils nicht zu übersehen ist.2 Die Nationalität des slowenischen Volkes wird von einer Tradition getragen, die sich auf eine 14 Jahrhunderte lange Geschichte im Land beruft und deren historisches Bewusstsein an vorderster Stelle steht. Dieses historische Bewusstsein basiert in der Tradition der Herzogseinsetzung in slowenischer Sprache, die bis zum Jahre 1414 gepflegt wurde, und der stark ausgeprägte Katholizismus bei den Slowenen geht auf die Christianisierung der Karantaner zurück, die der Heilige Modestus von Maria Saal aus begonnen hat. Demokratisches Bewusstsein manifestierte sich auch in den Bauernaufständen, an denen sowohl die slowenischen Bauern Kärntens als auch die deutschen teilgenommen haben. Besonders während des Befreiungskampfes gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten war die Opferbereitschaft der Kärntner Slowenen besonders groß. Wenn sie Äheute so konsequent auf ihre im Artikel 7 des

Staatsvertrages verankerten Rechte pochen, dann auch deshalb, weil diese Rechte ihren Ursprung im Beitrag des slowenischen Volkes zur Niederringung von Nazismus und Faschismus haben. Die Verdienste der Kärntner Slowenen für die Befreiung und das Wiedererstehen der Republik Österreich sind historische Tatsachen“3.

Als ein großer Nachteil für die kroatische Volksgruppe im Burgenland erwies sich der Umstand, dass die historische Weichenstellung für die Entwicklung der einzelnen Orte im verhältnismäßig dicht besiedelten westungarisch-österreichischen Grenzraum schon lange vor ihrer Ankunft erfolgte. Daher hatte keine einzige der von den Kroaten besiedelten Ortschaften die Chance, jemals eine überörtliche Bedeutung als Wirtschaftszentrum oder als kultureller Mittelpunkt zu erlangen. Daher blieb das Dorf für die Burgenland-Kroaten sowohl der gesellschaftliche als auch der kulturelle Mittelpunkt und bildete die Grundlage ihres Volkslebens.4 Da aber alle Gesellschafts- und Kulturimpulse in der Regel von den Städten ausgehen, blieben die kroatischen Siedler in ihren Dörfern in der Zeit bis zu ihrer Orientierung auf die bestehenden wirtschaftlichen und kulturellen Zentren von den herrschenden Zeitströmungen vor Ort unberührt. Aufgrund des Fehlens von eigenen Wirtschaftszentren und der geringen Zahl der Handwerker in den kroatischen Dörfern konnte auch kein eigenes Zunftwesen entstehen. Im Zeitalter des Barock erlebten die Laienfrömmigkeit und damit das Bruderschaftwesen einen neuen Aufschwung. Dabei spielten die Kroaten als verlässliche Stützen der Gegenreformation im westungarischen Raum eine wichtige Rolle. Sie stellten eine Zeit lang den Großteil der in diesem Gebiet seelsorgerisch wirkenden Priester, wobei geistliche Berufe damals die einzige Möglichkeit waren, wodurch die Kroaten eine höhere Bildung erlangen konnten.5

Nach der Angliederung des Burgenlandes an Österreich änderte sich die Vereinssituation bei den Burgenland-Kroaten grundlegend, da die national gesinnten Schulmeister nach Vorbild der Deutschen des Landes die kulturellen Aktivitäten in die nationale Richtung steuerten. So gaben die Kroaten dem Motto oder Wahlspruch auf der Fahne der jeweiligen Gesangsvereine eine nationale Färbung. Auch die kroatischen Priester begannen mit Vereinsgründungen, so entstanden in fast allen kroatischen Orten katholisch-kroatische Burschen- und teilweise auch Mädchenvereine nach dem Vorbild des Reichsbundes der katholisch- deutschen Jugend Österreichs.6 Ab dem Jahre 1921 entstanden auch in den kroatischen Gemeinden zahlreiche Vereinigungen, deren Zielsetzung keine nationalen Ambitionen aufwies. Dazu zählten auch die parteipolitischen Vereinigungen bzw. deren Ortsgruppen sowohl in den sozialdemokratisch dominierten als auch in den überwiegend christlich-sozial orientierten bäuerlichen kroatischen Gemeinden. Abschließend ist noch zu erwähnen, dass im Leben der konservativen kroatischen Kulturvereinigungen die kroatische Umgangssprache dominierte, während hingegen in den sozialdemokratisch orientierten kroatischen Gemeinden bei den kroatischen Kulturveranstaltungen sich die deutsche Sprache fast ausnahmslos durchsetzte. Diese politische Polarisierung im Kulturleben der kroatischen Volksgruppe hält teilweise noch bis heute an.7

1. Die Kärntner Slowenen

Nach der Volksabstimmung hatte sich die Lage der Kärntner Slowenen gegenüber jener in der Monarchie wesentlich verschlechtert, da die neuen nationalstaatlichen Grenzen die engen Verbindungen mit den Slowenen im neuen südslawischen Staat unterbrachen. Als ethnische Minderheit innerhalb eines überwiegend deutschsprachigen Staates war ihre Hauptaufmerksamkeit der Sicherung ihrer nationalen Existenz gewidmet, die wegen der führenden politischen Kräfte Österreichs gefährdet war. Nach der Volksabstimmung wurde die, nach dem Ersten Weltkrieg kurz unterbrochene, Germanisierung wieder aufgenommen. Der Vertrag von St. Germain mit seinen Minderheitenschutzbestimmungen reichte keineswegs aus, um die Slowenen als Volksgruppe zu schützen. Im Vergleich mit dem Nationalitätenrecht in der Monarchie Österreich-Ungarn, in welcher zumindest alle Volksgruppen auf dem Papier gleichberechtigt waren, zeigte der Vertrag von St. Germain Nachteile wie z.B. das Fehlen von Garantien für den Bestand der Volksgruppen, da die ethnische Vereinheitlichung Österreichs nicht behindert werden sollte.8

Viele begannen aufgrund des politischen Drucks, sich von der slowenischen nationalen Bewegung zu distanzieren und vollzogen somit unbewusst den ersten Schritt zur Aufgabe ihrer slowenischen Muttersprache und Eigenart. ÄSie beugten sich endgültig dem deutschnationalen Druck, weil sie sich und ihren Kindern die

Nachteile der Zugehörigkeit zur slowenischen Volksgruppe ersparen wollten. Stets war die Beeinträchtigung des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens der Slowenen eine unabdingbare Voraussetzung für die Eindeutschung eines Teiles der Volksgruppe. Die Geschichte der Ersten Republik ist dafür ein Beispiel.“9 In den 1920er Jahren wurde in wissenschaftlichen Kreisen die Theorie der sog. Windischen geboren, welche den Kärntner Slowenen ihre Nationalität aberkennen und deren Sprache zur Mischsprache degradieren wollte. Deutschnationale Wissenschaftler griffen den Begriff Windisch auf, um damit die vorwiegend deutschnational orientierten sog. deutschfreundlichen Kärntner Slowenen zu bezeichnen, die nämlich allein den Ausgang der Volksabstimmung entschieden hätten. Von diesen wurden die vorwiegend katholisch-konservativ orientierten sog. Nationalslowenen, die sich zu ihrer nationalen Eigenheit bekannten, scharf abgegrenzt und zu Feinden Kärntens erklärt. Somit war die Spaltung der slowenischen Volksgruppe in zwei Gruppen politisch bedingt und entsprach den deutschnationalen Interessen des Landes. Diese pseudowissenschaftliche Theorie diente nun fortan als politisches Instrument der Eindeutschung, jedoch wurde die Existenz eines sog. windischen Mischvolkes von der Sprachwissenschaft immer in Abrede gestellt.10

1.1 Die Zeit in der Ersten Republik

1.1.1 Die Erneuerung ihres politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens

Während der Habsburgermonarchie konnten sich die seit 1861 entstehenden slowenischen Vereine und Genossenschaften in gesamtslowenischen Zentralverbänden zusammenschließen, und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts integrierten sich schließlich auch die Organisationen der Kärntner Slowenen in die zentralen politischen und wirtschaftlichen Verbände mit Sitz in Laibach. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie mussten die in der Republik Österreich zur nationalen Minderheit gewordenen Kärntner Slowenen ihre politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Organisationen neu aufbauen, jedoch behinderten die Behörden die Wiedererrichtung des slowenischen Vereinswesens. ÄEin beträchtlicher Teil der Kärntner Slowenen ließ sich unter dem zunehmenden deutschnationalen Druck nicht mehr auf slowenischer Seite organisieren und wandte sich den anderen politischen Parteien und Vereinigungen zu.“11 Im März 1921 konnte schließlich der ÄPolitische und Wirtschaftliche Verein für die Slowenen in Kärnten“ (Politično in gospodarsko društvo za Slovence na Koroškem) erneut konstituiert werden, nachdem die organisatorische Trennung von der slowenischen Volkspartei in Laibach beschlossen worden war. Sein Organ war das kulturpolitische Wochenblatt Koroški Slovenec, welches in Wien herausgegeben werden musste und von März 1921 bis April 1941 erschien. Scharf politisch bekämpft wurde der slowenische politische Verein vom Landbund, von der Großdeutschen Partei und besonders vom Kärntner Heimatdienst (ab dem Jahre 1924 Kärntner Heimatbund).12 Wahlpolitisch traten die Kärntner Slowenen bei Nationalrats- und Landtagswahlen als ÄKärntner Slowenische Partei“ (Koroška slovenska stranka) auf, bei den Gemeinderatswahlen auch unter verschiedenen Listenbezeichnungen. Sie blieb bei allen Nationalrats- und Landtagswahlen sowie ihre Listen bei den Gemeinderatswahlen mit einem Stimmenanteil zwischen 5 bis 6% immer unter dem Prozentsatz, der für die slowenische Minderheit in den ohnehin problematischen Volkszählungsergebnissen ausgewiesen wurde. Lediglich bei den ersten Wahlen zur Landwirtschaftskammer im Jahre 1932 erreichte ihr ÄBauernverband“ beachtliche 13,5% und somit drei von 24 Mandaten.13 Gegen die deutschnationale Politik im Lande machte der Koroški Slovenec mobil, indem er unter anderem in einer Ausgabe des Jahres 1927 titelte: ÄSlowenen und Sloweninnen! Wieder ist uns die Gelegenheit gegeben, sich dem erfolgreichsten Anlass zu bedienen, dass wir die Stimme für unsere Rechte erheben. Der Stimmzettel in der Hand ist die beste Waffe für die Unterstützung und Erlangung unserer Forderungen. (…) Deswegen beharren wir auf den bisherigen Weg und gehen wieder selbstständig in den Wahlkampf.“14

Bei der Neugründung des slowenischen Vereins waren sich die politischen Vertreter nach der Herauslösung aus den gesamtslowenischen politischen Strukturen der Notwendigkeit der nationalen Sammlung bewusst. ÄUm möglichst viele Angehörige der Volksgruppe anzusprechen, bemühte sich die Organisation, das nationale Bewußtsein und den Kampf um die nationale Gleichberechtigung über die immer stärker werdenden weltanschaulichen Gegensätze zu stellen.“15 Trotzdem setzte sich die katholisch-konservative weltanschauliche Richtung immer mehr durch. Daher sahen die slowenischen Industrie- und Landarbeiter ihre Interessen von den Sozialdemokraten besser vertreten, während sich die wirtschaftlich besser situierten Slowenen dem liberalen Landbund anschlossen, der vorwiegend die großbäuerlichen Interessen zu vertreten versuchte. Innerhalb der slowenischen politischen Organisation bildeten sich zwei Strömungen: Die liberale Richtung hielt kritische Distanz zur Kirche, während die von Geistlichen geführte katholisch- konservative Richtung in engster Verbindung zur Kirche stand. Der erforderliche Zusammenhalt der slowenischen nationalen Kräfte verhinderte eine stärkere weltanschauliche Differenzierung innerhalb der politischen Organisation.16 ÄNach der Auflösung des Politischen und wirtschaftlichen Vereins 1934 übernahm der Slowenische Kulturverband die Rolle als zentrale, politische Organisation der Kärntner Slowenen.“17

Die Erneuerung des slowenischen kulturellen Lebens gestaltete sich noch schwieriger, da sich die Abwanderung eines großen Teils der slowenischen Elite sowie die Unterbrechung des gesamtslowenischen Kulturaustausches nach der Volksabstimmung besonders nachteilig auswirkten. Im März 1922 konnte der ÄSlowenische christlichsoziale Verband“ (Slovenska krščansko socialna zveza) als Dachverband der örtlichen Bildungsvereine mit der Zielsetzung, in jeder Pfarre einen katholischen Bildungsverein einzurichten, wiederbelebt werden. ÄDiese Bildungsvereine waren die eigentliche Massenorganisation der Kärntner Slowenen. Sie unterhielten Bibliotheken, veranstalteten Vortragsabende und pflegten Chorgesang und Laienspiel.“18 Gemeinsam mit dem ÄSlowenischen Schulverein“ (Slovensko šolsko društvo) konzentrierte sich dieser Dachverband auf das slowenische Schulwesen und den slowenischen Sprachunterricht. Aufgrund der Vernachlässigung des slowenischen Sprachunterrichtes in den utraquistischen Schulen wurden private Slowenisch-Kurse eingerichtet, jedoch endeten alle Versuche, die slowenischen Privatschulen wiederzubeleben, im Jahre 1925 erfolglos.19 ÄZweifellos ist es den katholischen Bildungsvereinen zu danken, daß die Kärntner Slowenen in der für sie überaus schwierigen Zeit nach der Volksabstimmung nicht noch stärker dezimiert wurden.“20

Zur Zeit der Habsburgermonarchie gab es auch schon ein slowenisches Genossenschaftswesen in Kärnten, das ihre Dachorganisation in Laibach hatte. Nach der Lösung vom gesamtslowenischen Genossenschaftsverband galt es im Jahre 1921 eine neue genossenschaftliche Zentralorganisation zu gründen. Daher schlossen sich 33 Genossenschaften zum ÄVerband Kärntner Genossenschaften“ (Zveza koroških zadrug) zusammen und im Jahre 1924 gab es bereits 45 slowenische Genossenschaften. Wegen starker Konkurrenz der deutschen Genossenschaften sowie behördlicher Schikanen verlor der slowenische Verband im Jahre 1934 beinahe seine Eigenständigkeit. Die Tätigkeit der slowenischen Genossenschaften war für die slowenische Volksgruppe von großer Bedeutung, da die deutschnationalen Parteien, insbesondere der Landbund, sie über die Kredit- und Subventionspolitik zu schwächen versuchten. Die effektivste Organisation der Kärntner Slowenen in der Zwischenkriegszeit war der im Jahre 1932, als schließlich auch in Kärnten die Landwirtschaftskammer eingerichtet wurde, gegründete ÄBauernbund“ (Kmečka zveza), der bei den Kammerwahlen gut abschnitt. Er zog als drittstärkste Fraktion in die Kärntner Landwirtschaftskammer ein, und nur in diesem Gremium war die slowenische Volksgruppe angemessen vertreten. Insgesamt stellte jedoch die Entwicklung des slowenischen Verbandswesens in der Zwischenkriegszeit im Vergleich zur Zeit der Monarchie wegen den ungünstigen politischen Rahmenbedingungen sowie dem Fehlen einer breiten Führungsschicht einen Rückschritt dar.21

1.1.2 Die slowenische Geistlichkeit und die katholische Kirche

Auch im kirchlichen Bereich stand man nach der Volksabstimmung vor einem Neuanfang, da die bedeutendste religiös-kulturelle Organisation der Kärntner Slowenen, die Hermagoras-Bruderschaft (Mohorjeva družba), samt Druckerei nach Slowenien übersiedelt war. Somit hatte man in der Zwischenkriegszeit keine eigene Druckerei und vermochte auch keine eigene Verlagstätigkeit zu entfalten. Erst im Jahre 1947 konnte die Hermagoras-Bruderschaft wieder nach Klagenfurt zurückkehren und die verlegerische Tätigkeit erneut aufnehmen. Weil viele slowenische Geistliche nach der Volksabstimmung aufgrund ihrer nationalpolitischen Haltung Kärnten verlassen hatten, kamen die kulturellen Aktivitäten des slowenischen Klerus sehr schleppend in Gang. So begann ein Kreis von slowenischen Priestern ab dem Jahre 1926 die Kirchenzeitung Nedelja herauszugeben, die als wichtigste religiöse slowenische Zeitschrift noch heute erscheint. Außerdem war Bischof Adam Hefter stets darum bemüht, der slowenischen Volksgruppe Verständnis für ihre schwierige Lage entgegenzubringen und ihr jene Hilfe zukommen zu lassen, welche sie als Minderheit benötigte. So hatte er trotz des Protestes des Kärntner Landesschulrats die Herausgabe eines slowenischen und slowenisch-deutschen Katechismus für den Religionsunterricht durchgesetzt.22

1.1.3 Die Sozialstruktur der slowenischen Volksgruppe

Die soziale Situation der Kärntner Slowenen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts von mehreren Abhängigkeiten und Benachteiligungen charakterisiert: Im wirtschaftlichen Bereich waren die Kleinbauern, Landarbeiter und Tagelöhner vom deutschen Großgrundbesitz, Industrie- und Handelsbürgertum, im staatlich administrativen Bereich sowie im Gerichtswesen von einer deutsch-orientierten Beamtenschaft, in der Landespolitik von der deutsch-freiheitlichen Landtagsmehrheit und im schulischen Bereich von der zunehmend die deutsche Unterrichtssprache forcierenden utraquistischen Schule abhängig. Trotz eines regen slowenischen Vereinswesens blieb die Sozialstruktur der slowenischen Volksgruppe gemäß Volkszählung 1910 in wesentlichen Bereichen unvollständig.23 Demnach arbeiteten ca. 70% der slowenischen Berufstätigen in der Land- und Forstwirtschaft, 12% in Industrie und Gewerbe, knappe 4% im öffentlichen Dienst sowie Militärdienst, etwa 3% in Handel, Verkehr und Gastgewerbe und über 10% waren Berufslose. Die Rückständigkeit der sozialen Gliederung der slowenischen Volksgruppe zeigt sich im Vergleich zu allen Berufstätigen Kärntens deutlich. So waren die Kärntner Slowenen stark überproportional bei den Pächtern, Taglöhnern und mithelfenden Familienmitgliedern in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei den Bauern selbst vertreten, stark unterproportional hingegen bei allen Angestellten, den Beamten, den Selbstständigen und Arbeitern in Handel, Verkehr und Gastgewerbe, den Lehrlingen und auch bei den Dienstboten. Die Unvollständigkeit ihres Sozialkörpers verdeutlicht sich noch darin, dass sie weder als Großgrundbesitzer, Industrieller oder Großhändler vertreten und auch unter den Freiberuflern bzw. unter der höheren Beamtenschaft nur sehr vereinzelt anzutreffen waren. Daher kam der

Großteil der slowenischen Führungselite aus dem geistlichen Stand, verstärkt durch einige Persönlichkeiten unter den größeren Bauern, den Gewerbetreibenden und Gastwirten, den Händlern und Kaufleuten. Dem deutschen Bürgertum gelang es, fast alle aus dem Bauerntum aufstrebenden und nach sozialem Aufstieg drängenden Angehörigen der slowenischen Volksgruppe in seinen Gesellschaftsbereich einzubeziehen. Außerdem halfen Landespolitik und Landesverwaltung nach, kein nationalbewusstes slowenisches Bürgertum als Konkurrenz aufkommen zu lassen.24

In der Zwischenkriegszeit erfolgten nur relativ geringe gesellschaftliche Veränderungen, und anhand der Volkszählung 1934 sowie der gewerblichen und landwirtschaftlichen Betriebszählung des Jahres 1930 kann die Sozialstruktur der slowenischen Volksgruppe für diese Periode zwischen 1920 und 1938 nachgezeichnet werden: etwa zwei Drittel lebten von Land- und Forstwirtschaft; ca. ein Fünftel von Gewerbe und Industrie; ihr Anteil im öffentlichen Dienst sowie Militärdienst ist gegenüber 1910 zurückgegangen; und ihr Anteil im Handel, Verkehr und Finanzen ist seit 1910 nur geringfügig gestiegen. Im Jahre 1934 lebte demnach in fast allen slowenischen Mehrheitsgemeinden mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Land- und Forstwirtschaft, nur wenige hatten einen Anteil von mehr als 20% an industriell und gewerblich tätiger Bevölkerung und lediglich eine einen Anteil über 10% im Handel und Verkehrswesen. ÄAls Besonderheiten in der beruflich-sozialen Ordnung unter den Kärntner Slowenen (…) dürfen daher das starke hberwiegen der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgruppen (…), die geringe Vertretung der slowenischen Arbeitnehmer im Handel und Verkehr und die Unterrepräsentanz in der Beamten- und Angestelltenschaft hervorgehoben werden.“25 Auch änderte sich in der slowenischen Führungsschicht nur wenig, so stand der slowenische Klerus nach wie vor in vorderster Reihe der Vertretung aller Lebensinteressen der slowenischen Volksgruppe.26 Neben den kleinen ÄIntelligenzgruppen an Pfarrern, Lehrern und Freiberuflern waren im weiteren Sinn auch noch die reicheren slowenischen Bauern (…) und die Angestellten der slowenischen Sparkassen und Genossenschaften zur Führungsschicht zu zählen“27. So war der slowenische Sozialkörper auch noch im Jahre 1934 einigermaßen unvollständig: Die Kärntner Slowenen waren in den Gruppen der Großgrundbesitzer, der Industriellen und der Großkaufleute überhaupt nicht vertreten, stellten in der Gruppe der Freiberufler nur einige wenige Vertreter und waren in der Gruppe der höheren Beamtenschaft sowie der leitenden Angestellten so gut wie nicht präsent.28 Die Ergebnisse der Wahlen zu den diversen Körperschaften dokumentieren mehr als deutlich die soziale Gliederung der slowenischen Volksgruppe, aber auch Äihre breite national-politische Fundierung in der Gruppe der Mittel- und Kleinbauern, Keuschler und Häusler. Dagegen gelangen den deutschen Parteien, vor allem dem Landbund unter den besser situierten Bauern der Region Völkermarkt (…) und der Sozialdemokratie unter den Land- und Industriearbeitern (…) immer wieder beachtliche Einbrüche in die slowenische Wählerschaft.“29

Für die Gesamtentwicklung der slowenischen Volksgruppe in der Ersten Republik Äergibt sich daher das Resümee, daß sie in meist schwieriger Wirtschaftslage mangels ausreichend differenzierter Sozialstruktur (…) trotz gut entwickeltem kulturellem und genossenschaftlichem Vereinswesen (…) keine Verbesserung ihrer nationalpolitischen Situation“30 erreichte. Die wesentlich vom slowenischen Klerus geprägte katholisch-konservative Gesellschaftspolitik vergrößerte die soziale Kluft zu den sozialistisch sowie liberal orientierten Volksgruppenangehörigen, sodass viele Industrie- und Landarbeiter, mittlere Bauern und soziale Aufsteiger ihre Interessen in Gemeinschaft mit der Mehrheitsbevölkerung wahrzunehmen begannen. Die gesellschaftliche Assimilation in der Zwischenkriegszeit basierte daher auf gezielten Germanisierungsmaßnahmen landespolitisch einflussreicher Organe und Gruppen gegenüber sozial meist abhängigen Minderheitsangehörigen.31

1.1.4 Verhandlungen über eine Kulturautonomie

Aufgrund der antislowenischen Politik des Heimatschutzverbandes, auf dessen Anregung der Landbund, die Christlichsoziale Partei, die Großdeutsche Partei und die Nationalsozialisten eine Einheitsliste für die Landtagswahlen des Jahres 1923 aufgestellt hatten, versuchten die Sozialdemokraten die Minderheitenfrage einer politischen Lösung zuzuführen. Auf ihre Initiative hin wurde seitens zweier Landtagsausschüsse in den Jahren von 1925 bis 1930 über Schulfragen und eine sog. Kulturautonomie für die Kärntner Slowenen verhandelt, jedoch behinderten die deutschnationalen Parteien die Verhandlungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Der von allen deutschen Landtagsparteien im Landtag eingebrachte Gesetzesentwurf einer Kulturautonomie des Jahres 1927 basierte auf den Gedanken der kulturellen Selbstverwaltung, in dem der slowenischen Volksgruppe das Recht auf eigenständige sowie eigenverantwortliche Regelung ihrer kulturellen Angelegenheiten und insbesondere das Recht auf Gründung eines slowenischen Schulwesens zugestanden werden sollte. ÄDer slowenischen Volksgemeinschaft sollten jene Kärntner angehören, die sich durch Eintragung in einen nationalen Kataster zu ihr bekannten.“32 Die Grundlage der Kulturautonomie beruhte somit auf dem Bekenntnisprinzip und bestätigte die durch die Volksabstimmung bestärkte politische Intention einer Spaltung der slowenischen Volksgruppe in einen sog. deutschfreundlichen und einen sog. nationalbewussten Teil. Daher konnten die slowenischen politischen Vertreter dieser politischen Lösung nicht zustimmen, die einen großen Teil der slowenischen Volksgruppe endgültig der Germanisierung preisgegeben hätte.33

Der wichtigste Verhandlungsgegenstand war die Schulfrage, in welcher die slowenischen Vertreter auf ein Entgegenkommen der Landespolitik hofften, um der Anlegung eines nationalen Katasters eventuell zustimmen zu können. Jedoch lehnten die deutschnationalen Parteien die Auflösung des utraquistischen Schulwesens und seine Umformung in ein autonomes Minderheitenschulwesen entschieden ab. Die Sozialdemokraten und Christlichsozialen waren immerhin insofern zu Zugeständnissen bereit, indem sie die Möglichkeit prüften, zumindest einen Teil der utraquistischen Schulen als Minderheitenschulen der slowenischen Volksgruppe zu überlassen. Die Verhandlungen scheiterten aber daran, dass die Sozialdemokraten nach einer Aufgliederung des Kärntner Schulwesens in einen deutschen und slowenischen Teil zulassen wollten, Kinder in deutschen Schulen, falls notwendig, anfangs auf Slowenisch zu unterrichten. Somit wäre assimilierungswilligen slowenischen Eltern ermöglicht worden, ihre Kinder problemlos in eine deutsche Schule zu schicken. Im Jahre 1930 scheiterten schließlich alle Verhandlungen über eine Kulturautonomie, da unter diesen Bedingungen die Kärntner Slowenen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Schwäche, ihrer wenig differenzierten Sozialstrukturen sowie ihres schwach ausgeprägten nationalen Bewusstseins nicht in der Lage gewesen wären, Autonomierechte in

Anspruch zu nehmen. Außerdem wollten deutschnationale Kräfte die Kulturautonomie geradezu als Instrument einer weiteren Spaltung der slowenischen Volksgruppe einsetzen.34

1.2 Die Zeit im autoritären Ständestaat

In den Jahren des autoritären Ständestaates (1934-1938) hofften die Kärntner Slowenen nach dem Motto des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg - Ägut katholisch, gut slowenisch und gut vaterländisch“35 -, eine Verbesserung ihrer kulturellen Lage im Lande zu erreichen. Die slowenische politische Führung nahm an, dass dieses Regime die gemeinsamen Ideale christlicher Politik verwirklichen werde und Äder Ständestaat in der Lage sein werde, den in Kärnten herrschenden Deutschnationalismus einzudämmen und die Auswirkung seiner antislowenischen Politik rückgängig zu machen“36. Im Jahre 1934 erfolgten einschneidende Umorganisationen im politischen Vereinswesen, unter anderem die Auflösung des ÄPolitischen und Wirtschaftlichen Vereins für die Slowenen in Kärnten“, aber slowenische Funktionäre wurden in die Vaterländische Front eingebunden, und der ÄSlowenische Kulturverein“ konnte im Jahre 1937 ein reges kulturelles Leben konstatieren. Zwar gab es keinen slowenischen Vertreter im Ständerat, aber immerhin drei Abgeordnete im Landtag und 15 slowenische Gemeindeverwalter in durchwegs slowenischen Mehrheitsgemeinden. Der Wunsch der slowenischen politischen Führung, im Rahmen der ständestaatlichen Verfassung einen autonomen nationalen Organismus zu bilden, wurde jedoch nicht erfüllt: So kam es in den Jahren 1935 bis 1937 weder zu einer Neuregelung der Minderheitenschulfrage wie z.B. für die kroatische Volksgruppe im Burgenland noch zu einem meritorischen Eingehen auf die sozialen Forderungen der slowenischen Volksgruppe. Mit einem Bundesgesetz des Jahres 1937 konnte die autoritäre Ständeregierung wegen der nach wie vor politisch führenden deutschnationalen und zunehmend zum Nationalsozialismus neigenden Kreisen in Kärnten lediglich versuchen, eine für die Landwirtschaft schädigende Abwanderung von Kärntner Slowenen einzudämmen und den bäuerlichen Besitz durch besondere behördliche Maßnahmen zu festigen.37 Wegen der Nähe der slowenischen politischen Führung zum autoritären Regime war die slowenische Arbeiterschaft zum größten Teil in der Sozialdemokratie organisiert, und jene slowenischen Arbeiter, die ihre nationale Identität bewahren wollten, näherten sich der seit dem Jahre 1933 illegalen Kommunistischen Partei an, die sich im Gegensatz zur Sozialdemokratie für das Recht der Kärntner Slowenen auf nationale Selbstbestimmung aussprach. So bereitete ein Kreis slowenischer Arbeiter aus der Umgebung von Eisenkappel im Jahre 1935 die Herausgabe einer illegalen kommunistisch orientierten slowenischen Zeitung vor, die den Kärntner Slowenen einen neuen politischen Weg weisen sollte.38 Auch die großen Hoffnungen in eine Reformierung des bestehenden zweisprachigen Schulwesens zugunsten der Minderheit konnten zum größten Teil nicht erfüllt werden. Der im Jänner 1934 vorgelegte Reformvorschlag für das utraquistische Schulwesen hatte die Erlernung beider Landessprachen zum Ziel, jedoch beharrte die Kärntner Landesschulverwaltung bei der Zulassung zu diesen Schulen auf dem Bekenntnisprinzip. Auch ein Vermittlungsversuch von Bundeskanzler Schuschnigg im Jahre 1936 bewirkten keine Veränderungen. Im Jahre 1937 wurde im Unterrichtsministerium ein Entwurf eines Bundesgrundsatzgesetzes ausgearbeitet, nach dem das muttersprachliche Prinzip stärker berücksichtigt werden sollte. Auch dieses Gesetzesvorhaben konnte nicht realisiert werden, sodass sich an den Schulverhältnissen für die Kärntner Slowenen nichts änderte. Die durchaus positiven Absichten der autoritären Regierung in Wien, den Kärntner Slowenen in einigen wesentlichen Fragen wie z.B. der Schulfrage entgegenzukommen, konnten politisch in Kärnten wegen seinen lebendigen deutschnationalen Traditionen und der starken illegalen nationalsozialistischen Bewegung nicht durchgesetzt werden.39

2. Die Burgenland-Kroaten

Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Zusammenbruch der Monarchie Österreich-Ungarn im Herbst 1918 bewirkten auch für die Dörfer und Städte des westungarischen Grenzraumes tiefgreifende Veränderungen. So war das Selbstbestimmungsrecht der Völker für die deutschen und kroatischen Bewohner an der Westgrenze Ungarns von besonderer Aktualität, denn die Frage der Staatszugehörigkeit dieses Raumes war mit dem Zerfall der Donaumonarchie plötzlich akut geworden. Für die Mehrheit der Menschen dieses Gebietes, vor allem Wanderarbeiter und Bauern, war es eine Existenzfrage, ob sie weiterhin bei Ungarn bleiben und durch eine dichte Grenze von Österreich abgeschnitten werden sollten. Daher entstanden in den Oktober- und Novembertagen 1918 spontane, breit angelegte Anschlusskundgebungen an Österreich, und zwar nicht nur in den deutschen, sondern teilweise auch in den kroatischen Gemeinden. So ergab sich bald unbemerkt eine Spaltung der Kroaten in zwei Lager: Die Wanderarbeiter bzw. Nebenerwerbslandwirte des Nordens wandten sich immer mehr (schon aus Gründen des beruflichen Aufstieges) der deutschen Sprache zu und waren entschieden proösterreichisch orientiert. Die Kroaten des mittleren und südlichen Burgenlandes hingegen waren Bauern und blieben weiterhin ihrer kroatischen Muttersprache treu, wobei sie in ihrer Haltung von einem überzeugten Katholizismus geprägt waren. Unter dem Einfluss der Pfarrer waren sie ungarntreu.40 Die Frage des Anschlusses an Österreich war es schließlich, welche die bisher kaum ins Gewicht fallende, politisch verschiedene Orientierung plötzlich stark hervortreten ließ. Im November 1918 konstituierte sich im Burgenland ein Deutscher Volksrat für Westungarn, der eine Autonomie für Deutsch-Westungarn mit weitester wirtschaftlicher Öffnung nach Österreich anstrebte. Er forderte auch die Kroaten auf, sich schon in Hinblick auf die gemeinsamen wirtschaftlichen und sozialen Ziele anzuschließen. Dies führte dazu, dass in Westungarn ein deutscher Gau mit eigener Gesetzgebung und Verwaltung eingerichtet wurde. Schließlich konnte sich auch unter der Federführung einer Gruppe proungarischer Intellektueller ein Kroatischer Volksrat konstituieren, der sich als Motto die Liebe zur Muttersprache und Treue zum ungarischen Vaterland auf das Banner schrieb.41

2.1 Die Zeit in der Ersten Republik

Inzwischen hatten die alliierten Siegermächte in Paris den Bemühungen Österreichs bzgl. einer Angliederung des Burgenlandes Rechnung getragen und im Juli 1919 diesen Wunsch zugestimmt. Bei den Verhandlungen um die Grenzziehung in Westungarn hatten gerade die Kroaten indirekt eine nicht unbeträchtliche Rolle gespielt, nämlich im sog. tschechischen Korridorplan. So hatte der tschechoslowakische Außenminister Edvard Benesch einen Plan vorgelegt, der einen slawischen Korridor im Bereich Westungarns vorsah, welcher der Tschechoslowakei eine direkte Verbindung mit dem SHS-Königreich bringen sowie einen Zugang zu deren Adriahäfen und damit zu den Weltmeeren erschließen sollte.

ÄDieser Plan, der schon beträchtliche Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in tschechischen und kroatischen Zirkeln aufgetaucht war (…) stützte seine Ansprüche auf die kroatischen Sprachinseln in Westungarn, denen sozusagen Brückenfunktion in diesem Projekt zugedacht war.“42 Er scheiterte jedoch wegen der heftigen Ablehnung Italiens sowie in weiterer Folge durch die Vertreter Großbritanniens und der USA, doch sollte er später immer wieder als ÄGespenst“ in der sog. Kroatenfrage auftauchen. Im Vertrag von St. Germain des Jahres 1919 kamen die westlichen Teile der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg (aus der Endsilbe der Komitate entstand der Name des neuen Bundeslandes Burgenland) an die Republik Österreich, und damit nicht nur der größte Teil des deutschen Siedlungsgebietes, sondern auch die meisten kroatischen Dörfer dieses Raumes. In Ungarn protestierte man vehement gegen den drohenden Verlust Westungarns und hoffte dabei auf die kroatische Minderheit. Es gelang bald, eine Reihe von Pfarrern aus dem mittleren Burgenland für eine aktive proungarische Bewegung zu gewinnen. In Predigten, Versammlungen, aber auch in Artikeln agitierten nun diese gegen den Anschluss an Österreich, wobei deren Angriffe aber auch gegen jene Gemeinden im Norden des Landes geführt wurden, die sich dem Deutschtum angenähert und die liberalen Schulgesetze genützt hatten, um nicht die kroatische, sondern die deutsche Unterrichtssprache einzuführen.43

2.1.1 Der Kroatische Kulturverein

Im September 1920 traf sich die kroatische Intelligenz aus allen Teilen Westungarns in Ödenburg, die als Hauptstadt des künftigen Burgenlandes vorgesehen war. ÄAlle begrüßten mit Begeisterung den Gedanken, einen Bildungs- und Kulturverein zu gründen, der die westungarischen Kroaten erfassen und ihre Interessen vertreten sollte.“44 Daher wurde der ÄKroatische Kulturverein“ (Hrvatsko kulturno društvo) gegründet und als feste nationalpolitische Organisation der Burgenland-Kroaten etabliert. Allerdings versuchten die Kroaten auch, ihre nationalen Rechte gegenüber den Ungarn abzusichern. Diese Vertretung der Kroaten wurde von den ungarischen Behörden nicht nur anerkannt, sondern von diesen auch in den Kampf um Westungarn eingespannt. Als der Vertrag von Trianon endgültig in Kraft trat und die Interalliierte Militärkommission den 28. August 1921 als Tag der Übergabe des Burgenlandes an Österreich festlegte, entschloss sich die Führung des Kroatischen Kulturvereins in einem Memorandum an die Entente, den Verbleib der kroatischen Volksgruppe bei Ungarn zu erbitten. ÄAls nun die Interalliierte Grenzbestimmungskommission im Frühjahr 1922 vor der heiklen Aufgabe stand, den genauen Grenzverlauf zwischen Österreich und Ungarn festzulegen, entschloß sich diese, dem vermeintlichen Wunsch der Kroaten folgend, zu einer Vorgangsweise, in der sie in umstrittenen Grenzabschnitten die kroatischen Dörfer bei Ungarn beließ, deutsche aber zu Österreich gab, (…) [so] verblieben über 10.000 Kroaten bei Ungarn, was eine schmerzliche Schwächung der Minderheit im Burgenland bedeutete.“45 Nach der Landnahme durch Österreich musste sich der Kulturverein wegen den neuen politischen Verhältnissen auflösen, noch bevor er seine Tätigkeit entfalten konnte. Andererseits warteten mehrere tausend Kroaten im Exil in Niederösterreich, der Steiermark und Wien auf den endgültigen Anschluss ihrer Heimat an Österreich. Das Venediger Protokoll vom Oktober 1921 brachte schließlich ein Ende der sich schon drei Jahre hinziehenden Burgenlandfrage. Als Kompromiss wurde für die Stadt Ödenburg und Umgebung eine Volksabstimmung über die Staatszugehörigkeit angeordnet, die jedoch für Österreich verloren ging.46 Als das Burgenland als neues Bundesland der Republik Österreich eingegliedert wurde, hatte man wie in vielen anderen Bereichen auch auf dem Gebiet der Schule die alten, bisher geltenden Schulgesetze in Kraft belassen. Die Christlichsoziale Partei unterstützte die konfessionellen Schulen, während die Sozialdemokraten und die liberalen Großdeutschen das österreichische Reichsvolksschulgesetz vom Jahre 1869 mit der staatlichen Volksschule auch auf das Burgenland ausdehnen wollten. Das Hauptproblem kam aber aus der Bevölkerung selbst, denn für sie war eine möglichst gute Beherrschung der deutschen Sprache eine entscheidende Frage, war doch das berufliche Fortkommen wesentlich damit verbunden. Der Klerus stand diesen Bestrebungen der Öffnung der Schule sehr ablehnend gegenüber. ÄSo bekam der burgenländische Kulturkampf, bei dem es in erster Linie um die Frage des Einflusses der Kirche in Politik und öffentlichem Leben überhaupt ging, eine starke nationalpolitische Facette.“47

Obwohl während der Zeit der gesamten Ersten Republik von staatlicher Seite kaum politischer Druck auf die kroatische Minderheit im Burgenland ausgeübt wurde, und die Kirche sogar eine starke Stütze des Kroatentums bildete, gab es viele Fakten, die langsam aber umso nachhaltiger eine fortschreitende Anpassung an die Mehrheit brachten. Trotzdem dauerte es sieben Jahre, bis man den notwendigen Gedanken zur Gründung eines kulturpolitischen Vereins in Österreich wieder aufnahm, der die kroatische Volksgruppe vertreten sollte. So kam es im Jahre 1928 zu Sitzungen eines Vorbereitungskomitees, in denen man Ädie Statuten erörterte und billigte. Die Burgenländische Landesregierung genehmigte diese Satzungen, die dann in den beiden damals erscheinenden kroatischen Wochenzeitungen ‚Hrvatske Novine‘ und ‚Naš Glas“ (Unsere Stimme) veröffentlicht wurden.“48 Im August 1929 kam es schließlich zur Konstituierung des ÄKroatischen Kulturverein im Burgenland“ (Hrvatsko kulturno društvo u Gradišću) und es stellte sich nun die Frage, ob diese Vereinigung die Spaltung in ein katholisches und ein sozialistisches Lager überbrücken werde können. Während der Kroatische Kulturverein diese Chance politisch nur unvollkommen wahrnehmen konnte, entwickelte er sich im kulturellen Bereich bis zum Ende der Ersten Republik zum wesentlichsten Faktor der kroatischen Volksgruppe im Burgenland.49

2.1.2 Das kroatische Schrifttum und Zeitungswesen

Schon während der ungarischen Zeit war den gebildeten Kroaten bewusst, dass eine Volksgruppe ein eigenes Zeitungswesen in ihrer Muttersprache unbedingt benötige, da ein eigenes Schrifttum das Nationalgefühl stärkt und über politische und kulturelle Ereignisse informiert. Erst im Jahre 1923 gelang es mit Hilfe junger kroatischer Intellektueller in Wien eine kroatische Wochenzeitung auf längere Dauer herauszugeben. Die Zeitung Hrvatske Novine setzte sich zum Ziel, Äohne Hilfe der politischen Parteien oder der Kirche im Volk den Geist des Kroatentums und das Volksbewußtsein zu pflegen, die Leser über die wichtigsten politischen Ereignisse in der Heimat und in der Welt zu unterrichten“50. Diese Zeitung wurde aufgrund des großen Einsatzes des jungen Schriftstellers und Redakteurs Ignaz Horvath zu einer Schule für die Formung der burgenlandkroatischen Schriftsprache. Mit der Unterstützung der Lehrerschaft, des Klerus und der volksbewussten kroatischen Bauern gelang es ihr, einen großen Leserkreis zu erreichen. Weil jedoch die Einkünfte kaum die Ausgaben deckten und um die Herausgabe weiterhin gewährleisten zu können, lehnte sich die Hrvatske Novine seit dem Jahre 1927 an die führende Christlichsoziale Partei an, die durch finanzielle Zuschüsse ihren Weiterbestand sicherte und sie als Gegenorgan zur kroatischen Zeitung der Sozialdemokratischen Partei instrumentalisierte.51 Die zweite kroatische Wochenzeitschrift Naš Glas stand von Beginn ihres Erscheinens im Jahre 1923 an Äim Dienste der Politik und der Ideologie der Sozialdemokratischen Partei“52. Ihre Aufgabe bestand in erster Linie im politischen Kampf für die Interessen der kroatischen Arbeiterschicht und Bauernschaft, die dadurch in Gegensatz zur Hrvatske Novine geraten musste, da deren Mitarbeiter durchwegs der Christlichsozialen Partei nahe standen. ÄObwohl sich diese Blätter für verschiedene gesellschaftliche Systeme und verschiedene wirtschaftliche Fragen einsetzten, trennte sie in erster Linie die Meinungsverschiedenheit über die Rolle der katholischen Kirche im öffentlichen Leben.“53 Die Sozialdemokraten verlangten die Beseitigung der konfessionellen Volksschulen und die Einrichtung von Volksschulen nach dem Reichsvolksschulgesetzes des Jahres 1869. Gegen diesen Verlust an kirchlichem Einfluss auf die Erziehung der Jugend hatte sich die Kirche natürlich widersetzt, und daher schrieb die Hrvatske Novine im Sinne der katholischen Kirche. Nach der Gründung des Kroatischen Kulturvereines nahm die Zeitung Naš Glas als politisches Organ der Sozialdemokratie an, dass der neugegründete Kulturverein Äwegen der Annäherung seiner Mitarbeiter an die Christlichsoziale Partei und an die Kirche eine Organisation im Dienste der Kirche und dieser Partei sein und deshalb der Sozialdemokratischen Partei feindlich gesinnt wäre54. Daher kam es zu einer medialen Polemik innerhalb der kroatischen Volksgruppe und weil die Burgenland-Kroaten nach der Angliederung des Burgenlandes an Österreich ihre politische Heimat in den beiden Großparteien des Landes fanden, sind die Auswirkungen dieser damals begonnen Zweiteilung der Volksgruppe bis zum heutigen Tage nicht überwunden worden.55

2.1.3 Die Entwicklung des kroatischen Vereinswesens und Schulwesens

Der erste kroatische Studentenverein wurde im Jahre 1929 gegründet (Rodobran), der schon ein Jahr später zu einer großen Vereinigung aller kroatischen Studenten des Burgenlandes, von Wien und Wiener Neustadt heranwuchs. In der Zeit der Ersten Republik kam es auch zu Gründungen der ersten Tamburizzavereine. Dieses Volksinstrument wurde aus Jugoslawien importiert und erlebte eine Renaissance bei den Burgenland-Kroaten. Außerdem hatte fast jede größere kroatische Ortschaft ihren Gesangsverein, die regelmäßig einmal im Jahr ein Treffen veranstalteten. ÄDabei wurde das Kroatentum überall betont und der ganzen Veranstaltung ein nationaler Charakter gegeben.“56 Neben den Gesangsvereinen wurden ÄBurschen- und Mädchenvereine“ nach der Art des österreichischen ÄReichsbundes“ gegründet, welche ihre Aufgabe in erster Linie in der heimattreuen und religiösen Erziehung der Jugend sahen. ÄAlle diese Vereine wirkten bewußt an der Einigung der burgenländischen Kroaten und an der Hebung ihres Volksbewußtseins. Nur selten nahmen sie an den Festlichkeiten der deutschsprachigen Nachbarortschaften teil und blieben meist unter sich.“57 Die Zeit der Ersten Republik kann als der romantisch-nationale Aufbruch unter den Burgenland-Kroaten bezeichnet werden, der viel Begeisterung und nationales Selbstbewusstsein mit sich brachte. Außerdem versuchte Lorenz Karall mit der Gründung einer ÄEigenständigen kroatischen Partei“ (Samostalna hrvatska stranka) die Interessen aller Burgenland-Kroaten in Österreich zu vertreten. Bei der Wahl des Jahres 1923 bekam die Kroatische Partei aber zu wenige Stimmen, um wenigstens ein Mandat zu erreichen, und damit war der Traum von einer eigenen politischen Vertretung ausgeträumt. Bei den Wahlen des Jahres 1927 ging sie in der Christlichsozialen Partei auf und Karall wurde ihr Abgeordneter im burgenländischen Landtag.58 ÄSo waren die burgenländischen Kroaten in beiden großen österreichischen Parteien vertreten, was einerseits zur politischen Integration der Kroaten im politischen Leben Österreichs führte, andererseits den Keim der nationalen Uneinigkeit in sich trug.“59

Im Burgenland übernahm die Republik Österreich im Jahre 1921 die ungarische Schulstruktur, in welcher die Volksschulen in zwei verschiedene Kategorien eingeteilt waren: einerseits die staatlichen Volksschulen, andererseits die konfessionellen sowie privaten Volksschulen. ÄDas Land Burgenland übernahm die staatlichen Schulen (mit Deutsch als Unterrichtssprache bzw. Kroatisch als Unterrichtsfach), die konfessionellen Schulen (mit Kroatisch als Unterrichtssprache bzw. Deutsch als Unterrichtsfach) betreute weiterhin die Kirche mit der jeweiligen Gemeinde. Der ‚Schulstuhl‘ der Gemeinde hatte eine gewisse Autonomie und konnte auch weiterhin die Lehrer wählen und bestimmen, in welcher Sprache unterrichtet werden müsse.“60 Daher stand der Ortsschulrat in der vordersten Kampflinie zur Verteidigung der kroatischen Sprache, und die Burgenland-Kroaten verteidigten die konfessionellen Schulen als ihre wesentliche Autonomie sowie Teil ihrer nationalen Integration. ÄDahinter stand natürlich auch die Auseinandersetzung um die Einflußnahme auf die Besetzung der Lehrerposten, da die konfessionell- kroatische Schule über den ‚Schulstuhl‘ (= Ortsschulrat) vom Patronatsherrn und Pfarrer kontrolliert werden konnte.“61 Aufgrund dieses Schulwesens entstand unter den beiden Großparteien eine Grundsatzdiskussion, in der die Christlichsoziale Partei entsprechend ihrer Ideologie für die konfessionellen Schulen mit einem starken Mitspracherecht der kirchlichen Obrigkeit eintrat, während die Sozialdemokraten jegliche kirchliche Beeinflussung ablehnten und die Ausdehnung des Reichsvolksschulgesetzes von 1869 forderten. ÄDie Landesgesetzgebung vom Jahre 1924 führte auch im Burgenland die achtjährige Schulpflicht ein und bestimmte zugleich, daß in allen kroatischen Schulen Deutsch als Pflichtfach in der Dauer von fünf Wochenstunden in jeder Klasse unterrichtet werden müsse.“62

Außerdem erhielt der Bezirksschulinspektor den Auftrag, in den Minderheitenschulen den Deutschunterricht streng zu kontrollieren. Weil diese Mehrleistung der kroatischen Lehrer nicht honoriert wurde, schränkten viele den Unterricht in Kroatisch ein, was die Landesschulbehörde nicht im Geringsten störte. ÄEine gewisse Germanisierungstendenz zeigt auch eine Verfügung aus dem Jahre 1925, wonach an der Oberstufe der Pflichtschulen der Unterricht durch die Lehrer nur in deutscher Sprache zu erfolgen habe.“63 Im Jahre 1926 beschloss der Nationalrat die weitgehende Anpassung des burgenländischen Schulwesens an das Reichsvolksschulgesetz, woraufhin die katholische Kirche des Burgenlandes heftig protestierte. Erst nach langen Verhandlungen konnte die Bundesregierung im Jahre 1929 die kroatischen Minderheitsschulen wieder einführen, jedoch ging die Zahl der kroatischen Volksschüler stetig zurück.64 Als größtes Problem stellte sich jedoch das Fehlen von kroatischen Schulbüchern heraus. Daher begann die kroatische Lehrerschaft allein auf sich gestellt die notwendigen Unterlagen für den Unterricht zusammenzustellen, wobei ein Teil der Lehrerschaft in den gemischtsprachigen Gemeinden gleich von Anfang an die deutschen Schulbücher übernahm.65 Die Anwendung verschiedener Schultypen erfolgte nicht nach bestimmten Kriterien, sondern kam aus der Willensbildung zwischen Schulerhalter, Lehrer und der örtlichen Bevölkerung zustande. Das burgenländische Landesschulgesetz des

Jahres 1937 setzte einige verbindliche Normen und brachte eine Gleichstellung der konfessionellen Schulen mit den staatlichen, wobei nun das Land allein die Bezahlung der Lehrkräfte übernahm. Dieses Schulgesetz wurde von den Burgenland-Kroaten Äals Erfolg und Möglichkeit begrüßt, mit dem muttersprachlichen Unterricht eine erste Voraussetzung für echte Volksbildung zu schaffen“66. Die Frage aber, wer die Lehrer zu wählen und anzustellen hatte, wurde nicht klar geregelt. Dadurch kam es in den gemischtsprachigen Gemeinden zum Kampf zwischen den beiden Volksgruppen, wobei die deutsche meist die Oberhand behielt, sodass nur deutschsprachige Lehrer in den Schulen eingestellt wurden. Der erste kroatische Schulinspektor trat im Herbst 1937 seinen Dienst an und bekam die Aufgabe zugewiesen, den Unterricht in Kroatisch zu kontrollieren. Obwohl er einem Bezirksschulinspektor gleichgestellt war, hatte er aber nur einen geringen Einfluss, da die von ihm vorgenommene Beurteilung nicht ausschlaggebend war.67

2.1.4 Die Sozialstruktur der kroatischen Volksgruppe

Zur Zeit der Monarchie Österreich-Ungarn war der Sozialkörper der Burgenland- Kroaten ein höchst unvollständiger: ÄKein Großgrundbesitzer hatte Kroatisch als Muttersprache angegeben, kein Richter, kein Notar, kein Rechtsanwalt, kein Bürgerschul- und Gymnasiallehrer, kein Arzt oder Apotheker, auch kein Privatingenieur oder Redakteur.“68 Die schmale kroatische Intelligenzschicht wurde vor allem aus Pfarrern und Volksschullehrern gebildet, ergänzt durch niedere öffentliche Beamte sowie einige mittlere Angestellte in Handel, Gewerbe und Industrie. Die breite Schicht bildete sich vor allem aus Klein- bzw. Kleinstbauern, dörflichen Handwerkern, Landarbeitern sowie Hilfsarbeitern in Gewerbe und Industrie. Die Intelligenzschicht war fast ausschließlich an ungarischen Bildungseinrichtungen ausgebildet worden und daher war ihre Haltung nach dem Ersten Weltkrieg hinsichtlich einer Angliederung des mehrheitlich deutschsprachigen Westungarns an Österreich durchwegs gespalten. Während der kroatische Klerus vorwiegend für einen Verbleib bei Ungarn eintrat, war die überwiegende Mehrheit der kroatischen Bauern sowie Industriearbeiter und Wanderhändler für eine Angliederung an Österreich, da sie in den letzten Jahrzehnten vor dem Zerfall der Habsburgermonarchie unter ungarischer Herrschaft sozial und kulturell benachteiligt worden waren.69

In den 1920er Jahren gelang es den Burgenland-Kroaten, ihre Sozialstruktur zu modernisieren und an die Sozialstruktur der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit des Burgenlandes anzunähern. ÄGeordnet nach Erwerbssektoren stellten die Kroaten nur noch wenig mehr an Bauern und Landarbeitern als der Bevölkerungsschnitt, waren in Gewerbe und Industrie bereits überdurchschnittlich vertreten und lagen in Handel, Verkehr, Geld- und Versicherungswesen nur knapp unter dem Durchschnitt der Landesbevölkerung (…). Lediglich im Bereich öffentlicher Dienst und freie Berufe waren die Kroaten noch deutlich unterrepräsentiert und erreichten nur die Hälfte des Anteils der Gesamtbevölkerung des Burgenlandes.“70 Die kleinen südburgenländischen Ortschaften waren schon in der Zwischenkriegszeit am stärksten von der Assimilation betroffen, da die relative rückständige Sozialstruktur sowie die große Entfernung zu städtischen Zentren keineswegs assimilationshemmend wirkten, während die großen kroatischen Industriegemeinden sowie Agrargemeinden im nördlichen Burgenland weder Abwanderungs- noch Assimilationsverluste hinzunehmen hatten, trotz ihrer Lage im unmittelbaren Einflussbereich deutschsprachiger Städte. Daher spielten neben der Größe einer Ortschaft, seiner Funktion als Gemeinde, Pfarre sowie Schulstandort auch die Wirtschafts- und Sozialstruktur eine ebenso große Rolle für die Integration und Assimilation.71 Die Ausweitung der Sozialstruktur bewirkte eine Differenzierung der politischen Führungsschicht der Burgenland-Kroaten: ÄZwar führten zahlenmäßig noch immer die Lehrer und Pfarrer, als drittstärkste Gruppe die Bauern selbst, aber nun begannen auch Juristen (Rechtsanwälte, Notare) und Redakteure in den Vordergrund zu treten, in den Reihen der Sozialdemokratie auch Vertreter der Arbeiterschaft.“72 Der im Jahre 1929 zur Vertretung der rechtlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der kroatischen Volksgruppe geschaffene ÄKroatische Kulturverein“, der vor allem von Lehrern und Pfarrern geführt wurde und überparteilich konzipiert war, konnte die politisch-ideologische Spaltung der Volksgruppe nicht zuletzt aufgrund der Schulfrage überwinden.73

2.2 Die Zeit im autoritären Ständestaat

Als im März 1933 Bundeskanzler Engelbert Dollfuß mit Hilfe von Notverordnungen den Weg zur Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie und zu einer autoritären Regierungsform einschlug, begrüßten die Vertreter der Burgenland- Kroaten diesen Schritt als den einzigen möglichen Weg, den Staat aus der wirtschaftlichen und sozialen Krise herauszuführen, und man schloss sich in dieser Haltung auch der Vaterländischen Front an. Während zur Zeit des Bürgerkrieges in den meisten anderen Bundesländern, besonders in Wien, schwere, blutige Kämpfe tobten, hatte im Burgenland die Regierung schon nach wenigen Stunden die Lage unter Kontrolle. Als Forderung verlangten die Kroaten die Erhaltung ihrer nationalen Eigenständigkeit in Kirche und Schule, die von der Regierung Dollfuß auch gewährt wurde. Die Vertreter der christlich-sozialen Mehrheit der kroatischen Volksgruppe stiegen zu neuen Funktionen auf: Vier Burgenland-Kroaten wurden in den ständischen Landtag berufen, einer in den Staatsrat. Bundeskanzler Dollfuß versicherte ihnen anlässlich der 400-Jahr-Feier, dass Äauch die Eigenart des kroatischen Volkes in Österreich geschützt und gewahrt werden“74 soll. Tatsächlich wurde den Burgenland-Kroaten auch in der Schulfrage die schon seit mehr als einem Jahrzehnt diskutierte Frage der Bestellung eines eigenen kroatischen Schulinspektors gewährt. Außerdem wurde im Jahre 1937 ein neues Schulgesetz erlassen, in dem das Minderheitenschulwesen klar geregelt und die konfessionelle Schule beibehalten wurde. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Burgenland-Kroaten dem Ständestaat und der Regierung Dollfuß und Schuschnigg loyal zur Seite standen, ging diese ganz offensichtlich auf die Wünsche der Burgenland-Kroaten in einem Ausmaß ein, wie bisher noch keine Regierung.75

Obwohl die kulturelle und politische Partizipation für die Mehrheit der Burgenland- Kroaten durchaus als zufriedenstellend zu bezeichnen gewesen wäre, waren nicht alle Burgenland-Kroaten für den Ständestaat, da Agrarabsatzkrise und Massenarbeitslosigkeit in den 1930er Jahren zu einer Verschlechterung der sozialökonomischen Verhältnisse führten. So darf es nicht verwundern, dass auch in burgenländischen Dörfern mit kroatischer Mehrheit die NS-Propaganda Fuß zu fassen begann.76 Daher stieg auch in den kroatischen Gemeinden, insbesondere in den Arbeitergemeinden, wo es in den Jahren 1934/35 mehr Arbeitslose als Beschäftigte gab, die Zahl der Anhänger der zu dieser Zeit illegalen nationalsozialistischen Partei. Viele junge Arbeiter aus dem Kreis der Sozialdemokratie traten in die SA oder SS ein. Deshalb sah sich die Hrvatske Novine zu Beginn des Jahres 1938 veranlasst, vor einen Äneuen Feind“ zu warnen, der sich Äin Gestalt eines nationalsozialistischen Agitators in die kroatischen Dörfer bzw. Reihen einzuschleichen trachtet“, um die Jugend zu verwirren und zu gegen das Vaterland gerichtete Taten zu verleiten.77 Das anfangs gute Verhältnis zwischen dem NS-Regime und den Burgenland-Kroaten änderte sich jedoch schon bald, als nämlich die Schulfrage in den Mittelpunkt des Interesses rückte. Zahlreiche deutschnational gesinnte Eltern benützten nun den politischen Umschwung und veranstalteten in einigen Gemeinden spontane Unterschriftenaktionen für einen verstärkten Deutschunterricht. Gleichzeitig mit der Einschränkung der kroatischen Unterrichtssprache wurden auch kroatische Lehrer in deutsche Gemeinden versetzt. Die Reaktion der kroatischen Bevölkerung blieb nicht aus, und schon bald bemerkte man vor allem bei den Bauern eine gewisse passive Resistenz.78

3. Resümee: Assimilation vs. Politik

Das größte Problem, mit dem beide Minderheiten zu kämpfen haben, ist deren starke Assimilierung in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Den Assimilierungsprozess beschreibt folgendes Zitat recht passend: ÄDie Assimilation ist ein Prozess mit dem Inhalt der Anpassung, wobei jeder Mensch bestrebt ist, sich neuen Lebensbedingungen anzupassen bzw. sich zu akklimatisieren. Die negativen Aspekte der Assimilation für eine ethnische Minderheit sind die Aufgabe des eigenen Volkstums, Verlust der eigenen Sprache, Tradition und Geschichte. Ein Assimilierungsprozess kann durch natürliche und sozialpolitische Kräfte ausgelöst, beschleunigt aber auch gebremst werden.“79 Während gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Kronland Kärnten noch etwa 100.000 Slowenen (Volkszählung 1890) gezählt wurden, reduzierte sich diese Zahl bis zur Zwischenkriegszahl aufgrund der Assimilation in den Städten und Märkten sowie in den Industrie- und Fremdenverkehrsgemeinden in Südkärnten deutlich. Nach Schätzungen seitens der Kirche gab es in den 1920er Jahren etwa 66.000 Slowenen, wobei sich bei der Volkszählung des Jahres 1923 nur etwa die Hälfte zum Slowenischen bekannte.80

Im Falle der Burgenland-Kroaten ging die Bevölkerungszahl von etwa 60.000 Kroaten zur Zeit der Monarchie auf etwa 45.000 Kroaten in der Zwischenkriegszeit zurück, was nur im geringen Maß auf Assimilationsvorgänge als vielmehr auf Auswanderung zurückzuführen ist.81

ÄDie gesellschaftliche Entwicklung der österreichischen Volksgruppen im 20. Jahrhundert war und ist von vielen Komponenten menschlichen Zusammenlebens bestimmt; der Einfluß politischer, sozialer, ökonomischer, kulturell-geistiger und psychologischer Faktoren ist jeweils sehr unterschiedlich zu gewichten.“82 Sowohl in Kärnten als auch im Burgenland versuchten viele Minderheitenangehörige individuell einen sozialen Aufstieg zu schaffen, teils durch Assimilation, teils durch unterschiedliche Strategien für die kollektive Auseinandersetzung mit der Mehrheit. Als im Jahre 1921 ein Großteil Deutschwestungarns zu Österreich kam, verstärkte sich die Tendenz bei den Burgenland-Kroaten, ihre Interessen unter dem Schutz des katholischen Klerus durchzubringen, dessen Mehrheit den Verbleib im konservativen Ungarn vorgezogen hätte. Ein nicht unerheblicher Teil der Burgenland-Kroaten Äprofilierte sich bald als treue Klientel der katholischen Kirche wie auch des politischen Konservatismus in Österreich“83. Die Sozialdemokraten wurden nicht zuletzt aus deutschnationalem Reflex bald zu Befürwortern der Assimilation, und den volkstumstreuen Burgenland-Kroaten unterstellte man wie in Kärnten den nationalbewussten Slowenen eine Art von ÄLandesverrat“. Das wichtigste Instrument für das katholisch-konservative Lager im Burgenland war das Schulwesen, indem die Minderheitensprache benutzt wurde, um die Minderheit Äsoweit als möglich vom gesamtgesellschaftlichen und -staatlichen Kommunikationszusammenhang abzukoppeln“84. Daher sah die Sozialdemokratie nicht nur in den Konservativen ihre Gegner, sondern auch in der Minderheitensprache selbst. In dieser politisch-sozialen Auseinandersetzung wurde die Minderheit instrumentalisiert, ihre spezifische Situation zweitrangig und ihre Modernisierung von beiden Seiten gebremst. Während es den Konservativen um die Erhaltung ihrer Macht unter Aufopferung der Zukunft der Burgenland-Kroaten ging, waren die Sozialdemokraten der Ansicht, den sozialen Aufstieg ihrer Schichten nur um den Preis der Aufgabe der Identität der Minderheit erlangen zu können. Sie wurden damit zu Verfechtern der Assimilation und setzten die Verbesserung der eigenen Lebenssituation mit der Aufgabe der kroatischen Identität gleich, während in Kärnten die Gleichsetzung des sozialen Aufstiegs mit der Aufgabe der slowenischen Identität über die Parteigrenzen hinaus der Fall gewesen ist.85 Der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Entwicklung, ethnischer Identität und Assimilation war in Kärnten seit der Jahrhundertwende und insbesondere in der Zwischenkriegszeit durch die deutschnationale Politik bedingt, welche die sozial noch wenig differenzierten und ihrer Ethnizität nur regional bewussten Slowenen nicht nur durch den Mobilisierungsprozess vom slowenischen Dorf in die deutsche Stadt, sondern auch mittels gezielter wirtschaftlicher sowie sozialer Maßnahmen im slowenischen Dorf selbst zu assimilieren versuchte. Dieser Assimilierungsprozess in der Zwischenkriegszeit war vergleichsweise schwach gegenüber dem seit der Mitte der 1950er Jahre beschleunigten Assimilationsprozess aufgrund des raschen wirtschaftlichen Aufschwungs in den urbanen Gebieten. Diese verstärkte Assimilierung wegen der Freisetzung der Arbeitskräfte aus der zunehmend mechanisierten Landwirtschaft lässt somit auf die scheinbar stringente sozialpsychologische Gleichsetzung von Tätigkeiten im sekundären sowie im tertiären Sektor in deutschsprachiger Umgebung mit Verlust der slowenischen regionalen Volkskultur und des slowenischen Nationalbewusstseins schließen.86 Weil die Kärntner Slowenen sich außerhalb der Familie überwiegend der deutschen Sprache zu bedienen haben, laufen sie Gefahr, ihre nationale Identität und Kultur zu verlieren. Die öffentlichen Einrichtungen des gemischtsprachigen Gebiets verwenden fast ausschließlich die deutsche Sprache und die slowenische ist nur auf einige wenige gesellschaftliche Bereiche beschränkt. Als überwiegendes Kommunikationsmittel ist es noch in der Familie, im ländlichen Arbeitsbereich und in der Kirche in Gebrauch. Daher sind viele Kärntner Slowenen ohne höhere Schulbildung nicht mehr in der Lage, die slowenische Sprache in differenzierter Weise im außerfamiliären und nichtdörflichen Lebensbereich zu verwenden. Diese relative Bedeutungslosigkeit außerhalb der Familie ist für manche leider noch immer ein Grund, ihre Muttersprache auch in der Familie, im Umgang mit der heranwachsenden Generation, zu Gunsten des Deutschen aufzugeben. Es ist zu hoffen, dass die junge slowenische Intelligenz in der Volksgruppe ein neues Verständnis für die Erhaltung der Sprache als ein zentrales Kulturgut entwickelt und somit die Tendenz der Assimilierung stoppt. Dieser Assimilierungsprozess läuft in zwei Phasen ab: In der ersten geht allmählich das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur eigenen Volksgruppe verloren und in der zweiten wird dann schließlich die Sprache gewechselt. Dieser Prozess, der früher mehrere Generationen gedauert hat, läuft heutzutage in der Informationsgesellschaft wegen der allgemeinen Verbreitung des Deutschen als Verkehrssprache viel schneller ab. Die slowenische Minderheit in Kärnten wird ihre Existenz auf Dauer nur behaupten können, wenn es ihr gelingt, diesen lang andauernden historischen Prozess der Assimilation abzubremsen bzw. zu stoppen.87

Das Minderheitenproblem im Burgenland wurde offenbar auch von einem großen Teil der Burgenland-Kroaten nicht als ein sprachliches, sondern als ein soziales Problem gesehen. ÄJe differenzierter eine Gesellschaft wird, umso mehr situative Identitäten hat der Mensch. Integriert in eine einheitliche Gesamtidentität werden diese Teilidentitäten am häufigsten, aber keineswegs immer, durch ethnische Zugehörigkeit.“88 Im Burgenland Äblieben die kroatischen Kleinbauern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in ihrer Dorfgemeinschaft als Zentrum der Gruppenidentifikation praktisch unbehelligt von fremden Einflüssen, auch wenn sie diese selbst von der Wander- und Saisonarbeit ins Dorf mitbrachten“89. Die Pfarrer und Lehrer im kroatischen Dorf konnten in der Zwischenkriegszeit relativ problemlos die traditionelle Volkskultur aufrechterhalten und gezielt pflegen. ÄEin Assimilationsprozeß mit Sprach- und Kulturwechsel war daher nur in Verbindung mit der Arbeitsaufnahme in der außerdörflichen Industrie festzustellen.“90 Als aber ab Mitte der 1950er Jahre der Großteil des kroatischen Kleinbauerntums zu Pendlerarbeitern wurde, so begannen sie Anpassungseinflüssen gegenüber empfänglich zu werden und bewirkten im kroatischen Dorf selbst einen Kulturwechsel. Außerdem führte die notwendige Vollmechanisierung und Marktorientierung unter den Vollerwerbsbauern zum Wandel der Produktionsformen, der eine Anpassung an die neuen, von der Mehrheitsbevölkerung bestimmten Lebensformen erzwang. Ideologiepolitische Auseinandersetzungen gefährdeten innerhalb der Volksgruppe zunehmend ein gemeinschaftliches und ethnisches Gruppenbewusstsein, und von den

Massenmedien ausgehende assimilatorische Einflüsse konnten sich immer stärker unter den Burgenland-Kroaten verbreiten.91

Im Burgenland hat es die konservative Minderheitenführung im Vergleich zu Kärnten bis heute nicht geschafft, neben einer kulturellen sowohl eine wirtschaftliche als auch politische Organisation aufzubauen, und daher sehen aber selbst viele ethnisch bewusste Burgenland-Kroaten ihre Alltagsinteressen besser bei jenen vertreten, die ihr ethnisches Verschwinden fördern. Jedoch kann sich eine ethnische Minderheit ohne institutionelle Vollständigkeit auf Dauer nicht erhalten. Periphere Identität kann bei Minderheiten zu zwei möglichen Strategien führen: einerseits zur Distanzierung von der eigenen Herkunft und in der Folge zur Assimilation, andererseits zu einer bewusst ethnischen Betonung der Minderheit in Form von Organisationen, welche die wichtigsten Bereiche des Lebens abdecken, d.h. neben dem kulturellen vor allem auch den politischen sowie wirtschaftlichen Bereich. Im Vergleich zu den Kärntner Slowenen fehlt den Burgenland-Kroaten eine institutionelle Vollständigkeit praktisch zur Gänze, und daher fühlen sich viele politisch eher von den assimilationswilligen Sozialdemokraten vertreten, ethnisch- kulturell jedoch vom konservativen Kroatischen Kulturverein. Die Sprachpolitik führte sowohl im Burgenland als auch in Kärnten zu einer Beschleunigung des Assimilationsprozesses, wobei die Burgenland-Kroaten schon seit Jahrhunderten vom kroatischen Mutterland getrennt sind, und daher weichen ihre Sprachvarianten sehr stark von der Standardvariante des Kroatischen ab. Erst viel zu spät wurde der Aufbau einer einheitlichen burgenlandkroatischen Schriftsprache in Angriff genommen, sodass heute die Sprachenfrage eine Konfliktzone bildet, die kaum mehr befriedigend aufzulösen ist. Der slowenischen Minderheit in Kärnten ist wenigstens dieses Problem erspart geblieben, da sie ja immer schon mit dem Mutterland verbunden gewesen ist und somit sich die Frage nach einer eigenen Schriftsprache nie stellte. Hinsichtlich der Definition der eigenen Identität ist das Muster im Burgenland dasselbe wie in Kärnten: ethnisch bewusste Burgenland- Kroaten sehen sich wie nationalbewusste Slowenen vorrangig als Österreicher, während sich die assimilationswilligen Kroaten viel stärker als ÄBurgenländer“ bzw. die assimilationswilligen Slowenen als ÄKärntner“ sehen.92

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen:

- Hrvatske Novine

- Koroški Slovenec

Literatur:

- Karall, Demeter / Geosits, Stefan: Das Pendlerwesen - Assimilation. In:

Geosits Stefan (Hg.), Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986, S. 311-320.

- Inzko, Valentin (Hg.): Geschichte der Kärntner Slowenen. Von 1918 bis zur

Gegenwart unter Berücksichtigung der gesamtslowenischen Geschichte. Klagenfurt 1988.

- Reiterer, Albert F.: Zwischen Wohlstand und Identität. Ethnische

Minderheiten und Modernisierung. Die Burgenland-Kroaten. Wien 1990.

- Schlag, Gerald: Die Kroaten im Burgenland 1918-1945. In: Geosits Stefan

(Hg.), Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986, S. 171-221.

- Schreiner, Bela: Das Schicksal der burgenländischen Kroaten durch 450

Jahre. Eisenstadt 1983.

- Szucsich, Franz: Das Vereinswesen der burgenländischen Kroaten. In:

Geosits Stefan (Hg.), Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986, S. 222-237.

- Suppan, Arnold: Die österreichischen Volksgruppen. Tendenzen ihrer

gesellschaftlichen Entwicklung im 20. Jahrhundert. Wien 1983.

- Vlasits, Josef: Die Sprache der burgenländischen Kroaten. In: Geosits Stefan

(Hg.), Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986, S. 254-267.

[...]


1 Vlasits, Sprache, S. 265.

2 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 213.

3 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 206.

4 Vgl. Szucsich, Vereinswesen, S. 222.

5 Vgl. ebd., S. 223.

6 Vgl. Szucsich, Vereinswesen, S. 224f.

7 Vgl. ebd., S. 225f.

8 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 70f.

9 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 77f.

10 Vgl. ebd., S. 78-81.

11 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 82.

12 Vgl. ebd., S. 81ff.

13 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 165.

14 Koroški Slovenec, 30.03.1927 (Jg.7 / Nr.13), S.1 (Übersetzung des Autors): ÄSlovenci in Slovenke! Zopet je nam dana prilika, poslužiti se najuspešnejše priložnosti, da dvignemo glas za naše pravice. Glasovnica v roki je najboljše orodje za podporo in dosego naših zahtev. (…) Vsled tega vstrajamo na dosedanji poti in gremo spet samostojno v volilni boj.“

15 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 83.

16 Vgl. ebd., S. 83f.

17 Suppan, Volksgruppen, S. 164.

18 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 85.

19 Vgl. ebd., S. 84f.

20 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 86.

21 Vgl. ebd., S. 86f.

22 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 89ff.

23 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 138.

24 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 140f.

25 Ebd., S. 159.

26 Vgl. ebd., S. 154-159.

27 Ebd., S. 162.

28 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 162.

29 Ebd., S. 165.

30 Ebd., S. 168.

31 Vgl. ebd., S. 168.

32 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 92.

33 Vgl. ebd., S. 92f.

34 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 94ff.

35 Suppan, Volksgruppen, S. 167.

36 Inzko, Kärntner Slowenen, S. 96.

37 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 167f.

38 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 96ff.

39 Vgl. ebd., S.98ff.

40 Vgl. Schlag, Kroaten, S. 171f.

41 Vgl. ebd., S. 172f.

42 Schlag, Kroaten, S. 176.

43 Vgl. ebd., S. 178f.

44 Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 36.

45 Schlag, Kroaten, S. 181.

46 Vgl. ebd., S. 182ff.

47 Ebd., S. 193.

48 Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 37.

49 Vgl. Schlag, Kroaten, S. 195ff.

50 Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 39.

51 Vgl. Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 38ff.

52 Ebd., S. 41.

53 Ebd., S. 41.

54 Ebd., S. 41f.

55 Vgl. ebd., S. 41f.

56 Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 46.

57 Ebd., S. 46.

58 Vgl. ebd., S. 45ff.

59 Ebd., S. 47.

60 Ebd., S. 48.

61 Suppan, Volksgruppen, S. 108.

62 Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 49.

63 Ebd., S. 49.

64 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 109f.

65 Vgl. Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 48ff.

66 Suppan, Volksgruppen, S. 112.

67 Vgl. Schreiner, Burgenländischen Kroaten, S. 51.

68 Suppan, Volksgruppen, S. 99.

69 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 98ff.

70 Ebd., S. 106.

71 Vgl. ebd., S. 106f.

72 Ebd., S. 113.

73 Vgl. ebd., S. 113f.

74 Suppan, Volksgruppen, S. 114.

75 Vgl. Schlag, Kroaten, S. 201ff.

76 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 114f.

77 Siehe Hrvatske Novine, 22.01.1938, zit. nach Suppan, Volksgruppen, S. 115.

78 Vgl. Schlag, Kroaten, S. 203-209.

79 Karall/Geosits, Pendlerwesen, S. 316.

80 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 42f.

81 Vgl. ebd., S. 35f.

82 Ebd., S. 213.

83 Reiterer, Identität, S. 51.

84 Ebd., Identität, S. 52.

85 Vgl. Reiterer, Identität, S. 51f.

86 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 213.

87 Vgl. Inzko, Kärntner Slowenen, S. 223ff.

88 Reiterer, Identität, S. 53.

89 Suppan, Volksgruppen, S. 214.

90 Ebd., S. 214.

91 Vgl. Suppan, Volksgruppen, S. 214f.

92 Vgl. Reiterer, Identität, S. 54ff.

Details

Seiten
31
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783956875120
ISBN (Buch)
9783668005402
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Geschichte
Erscheinungsdatum
2015 (Juni)
Note
1,00
Schlagworte
Kärntner Slowenen Burgenland-Kroaten Minderheiten Zwischenkriegszeit

Autor

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Titel: Die Entwicklung der österreichischen Minderheiten im kurzen 20.Jahrhundert