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Was ist und was will die Geistesgeschichte? Hans-Joachim Schoeps

Seminararbeit 2002 13 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Hans Joachim Schoeps Biographie

Was ist und was will die Geistesgeschichte?

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Hans-Joachim Schoeps Biographie.

Hans-Joachim Schoeps wurde am 30. Januar 1909 als Sohn einer jüdischen Arztfamilie in Berlin geboren. Seinen Lebensweg hat Schoeps schon 1956 in seinem Erinnerungsbuch „Die letzten 30 Jahre“ beschrieben. Er studierte in Heidelberg, Marburg, Berlin und Leipzig, promovierte dort 1932 zum Dr.phil. bei Joachim Wach, der am Lamprechtschen Institut für Universalgeschichte in Leipzig einen Lehrstuhl für Religions- und Geistesgeschichte innenhatte. 1933 legte Schoeps das Staatsexamen in den Fächern Deutsch, Geschichte, Religionskunde ab. Zum Referendardienst wurde er in Berlin im Sommer 1933 jedoch nicht zugelassen: er sei Jude und käme für den Lehrberuf nicht mehr in Frage.

Er gründete den „Deutschen Vortrupp – Gefolgschaft deutscher Juden“, der sich aus jungen Menschen der Jugendbewegung zusammensetzte, die in der Hitlerjugend nicht gleichschaltbar waren. Gleichzeitig eröffnete er ein Bucherverlag (Vortrupp-Verlag) in Frankfurt am Main, später Berlin. 1934 veröffentlichte er eine Broschüre, ohne wissenschaftlichen Anspruch, die das in Frage gestellte Deutschtum der deutschen Juden vertrat und gegen die Dissimilationspolitik der Nationalisten stand. Sie enthielt in "Sklavensprache“ eine scharfe Kritik des Nationalsozialismus. In seinen Rückblicken erzählt Schoeps die Verfolgungen, die ihm das eingetragen hat. 1970 hat er das Buch unter dem Titel „Bereit für Deutschland“ erneut herausgegeben. Er geriet mit dem Machthabern des Dritten Reiches in Konflikt und musste im Dezember 1938 nach Schweden emigrieren. Schoeps verlor seine Eltern im deutschen KZ, trotzdem kehrte er nach dem Kriege nach Deutschland zurück.

Seit 1947 hat Hans-Joachim Schoeps als Herausgeber der Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, als Historiker und Publizist in zahlreichen Büchern, Editionen, Zeitungsartikeln, Zeitschriftenaufsätzen, Vorträgen und Ansprachen in der Öffentlichkeit gewirkt.

Er habilitierte sich in Marburg, erhielt im Jahre darauf die Berufung auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Religons- und Geistesgeschichte der Universität Erlangen und wurde 1950 ordentlicher Professor für Religions- und Geistesgeschichte.

Seit Erreichen der Altersgrenze nimmt Schoeps die Geschäfte seines Lehrstuhls für „Religions- und Geistesgeschichte“ nur noch vertretungsweise wahr, weil sich das Bayerische Kultusministerium bisher nicht entschließen konnte, den Lehrstuhl institutionell weiterführen.

Am 8. Juli 1980 ist Professor für Religions- und Geistesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Alter von 71 Jahren gestorben.

Was ist und was will die Geistesgeschichte ?

Der Schrift, von Hans-Joachin Schoeps, „Was ist und was will die Geistesgeschichte?“ mit dem Untertitel „Zur Theorie und Praxis der Zeitgeistforschung“, 134 Seiten stark, erschien 1959 im Musterschmidt -Verlag Göttingen.

In diesem Schrift hatte er programmatisch Theorie und Praxis der Zeitgeistforschung dargestellt. Er hat auch darauf hingewiesen, dass es eine Fülle zweitrangiger, dennoch aber höchst gewichtiger literarischer Dokumente gibt, in denen sich die faktische Wirksankeit der großen Ideen aber auch Einflüsse von anderer Seite, die das Bildungswesen gestaltet haben, widerspiegeln.[1]

„ Das Thema der Geistesgeschichte lautet: Der Zeitgeist und seine Wandlungen. Der Geist einer Zeit kommt in allen Manifestationen des geistigen Lebens zum Ausdruck: Weltanschauungen, Lebensformen, Stilprägungen und Geschmacksbildungen. Alle Gebiete des Lebens: Staat, Recht, Wirtschaft, aber ebenso Kunst, Philosophie, Religion werden vom Zeitgeist beeinflußt.“[2]

Geschichtsverständnis bei Schoeps hört sich so an: „Ein wirklicher Historiker hat nie ein anderes Ethos als dies, die reine und unverfälschte Wahrheit erkennen und vermitteln zu wollen , wie es denn nun unverfälschte Wahrheit erkennen und vermitteln zu wollen, wie es denn nun eigentlich gewesen ist. Das ist seines Amtes, so sieht es wenigstens die Schule Leopold von Rankes an. Ich glaube aber nicht, dass aus der Geschichte lernen kann, wie man es nächste Mal machen oder nicht machen soll. Das ist, scheint mir, ein falscher Maßstab, denn die Geschichte ist keine Lehrmeisterin, die probate Rezepte mitteilt. Allerdings halte ich es für unerlässlich, dass ein Volk mit seiner Vergangenheit ins reine kommt und seine Geschichte mit allen ihren Aktiv- und Passivposten übernimmt.“[3]

Schoeps schreibt:“ Der Geistesgeschichte geht es aufgabengemäß um den Querschnitt durch die jeweilige geschichtliche Situation als Solche, in der Akteure in die offene Zukunft hinein agieren, während der normale Historiker stets klüger ist als die Akteure dort und damals, weil er ja schon weiß, wie die Entscheidungen gefallen sind und wie alles zuletzt geworden ist.“[4]

Als Vater der Geistesgeschichte nennt Schoeps Wilhelm Dilthey, der das geschichtliche Leben aus sich selbst heraus zu verstehen hatte, um den geistigen Gehalt einer Zeit aus allen überhaupt erschließbaren Quellen heraus zur Darstellung zu bringen.[5]

Dilthey bestimmt die Aufgabe der historischen Analysis: „ Es ist die Aufgabe der historischen Analysis, in den konkreten Zwecken, Werten, Denkungsarten die Übereinstimmung in einem Gemeimsamen aufzufinden, das die Epoche regiert. Eben durch dieses Gemeinsame sind dann auch die Gegensätze bestimmt, welche hier obwalten. So hat also jede Handlung, jeder Gedanke, jedes gemeinsame Schaffen, kurz jeder Teil dieses historischen Ganzen seine Bedeutsamkeit durch sein Verhältnis zu dem Ganzen der Epoche oder des Zeitalters. Und wenn nun der Historiker urteilt, so stellt er fest, was der Einzelne in diesem Zusammenhang geleistet hat, wiefern etwa sein Blick und sein Tun schon hinausreichte über ihn. – Die geschichtliche Welt als ein Ganzes, dies Ganze als ein Wirkungszusammenhang, dies Wirkungszusammenhang als wertgebend, kurz: schaffend, dann das Verständnis dieses Ganzen aus ihm selbst, endlich die Zentrierung der Werte und Zwecke in Zeitaltern, Epochen in der Universalgeschichte – dies sind die Geschichtspunkte, unter denen der anzustrebende Zusammenhang der Geisteswissenschaften gedacht werden muß.“[6]

[...]


[1] Begründungen einer Pädagogik in Spiegel der Zeitgeistforschung, in Bildungsmodelle und Geschichtlichkeit. Hamburg1967 S.170

[2] Schoeps, Hans-Joachim: Was ist und was will die Geistesgeschichte?, in Bildungsmodelle und Geschichtlichkeit. Hamburg 1967 S.170

[3] Töpner, Kurt: Hans-Joachim Schoeps 70, in Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte.1979 (Band 31) S.4

[4] Schoeps Hans-Joachim: Was ist und was will die Geistesgeschichte, in Knoll, Joachim H.:Zeitgeistforschung – Erziehungswissenschaft – Erwachsenenbildung. Hans-Joachim Schoeps zum 70. Geburtstag, in Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte. 1979 (Band 31) S.67

[5] Schoeps, Hans-Joachim: Was ist und was will die Geistesgeschichte?, in Bildungsmodelle und Geschichtlichkeit. Hamburg 1967 S.171

[6] Schoeps, Hans-Joachim: Was ist und was will die Geistesgeschichte?, in Bildungsmodelle und Geschichtlichkeit. Hamburg 1967 S.171-172

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638315142
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30196
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2
Schlagworte
Geistesgeschichte Hans-Joachim Schoeps Seminar Pädagogische Hermeneutik

Autor

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Titel: Was ist und was will die Geistesgeschichte? Hans-Joachim Schoeps