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Scheidung, Trennung und Hochstrittigkeit. Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen in der Beratung

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Scheidung, Trennung und Hochstrittigkeit
2.1 Einleitende Informationen
2.2 Hochstrittigkeit
2.3 Folgen für Kinder und Jugendliche
2.4 Gesetzliche Grundlagen von Trennung und Scheidung
2.5 Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen in der Beratung

3. Fazit

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Für alle Menschen sind Beziehungen von grundlegender Bedeutung. Nicht nur die Qualität von Freundschaften, sondern auch die von Partnerschaften, Ehen und familiären Beziehungen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des menschlichen Lebens. „Sie beeinflusst die persönliche Gesundheit und Lebensqualität sowie auch das gesellschaftliche Klima.“[1] Oftmals kommt es aber zu Trennung und Scheidung, was für alle beteiligten Familienmitglieder eine hohe emotionale Belastung bedeutet.[2] Für die Partner ist eine Trennung einerseits ein einmaliges kritisches und einschneidendes Lebensereignis, andererseits aber auch ein langer, schmerzhafter und psychologisch komplexer Prozess[3], welcher vielfältige Anpassungsleistungen und Neuorientierungen aller Beteiligten abverlangt[4]. Insbesondere für die Kinder ist eine konflikthafte elterliche Trennung nicht selten eine „massive Irritation“[5], welche verbunden ist mit Verunsicherungen sowie mit kurz- und langfristigen Folgen und Entwicklungsrisiken[6]. Für sie ist es ein Ereignis, welches sie nicht beeinflussen können, aber dennoch bewältigen müssen.[7]

Im Folgenden wird daher der Frage nachgegangen, was professionelle Beratung in hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsangelegenheiten leisten kann, um diese gravierenden Folgen für Kinder und Jugendliche vermeiden bzw. vermindern zu können. Zunächst werden einige einleitende und statistische Informationen zu Scheidung und Trennung gegeben. Anschließend wird der Begriff der Hochstrittigkeit genauer erläutert sowie die kurz- und langfristigen Folgen und Entwicklungsrisiken für Trennungs- und Scheidungskinder dargestellt. Nach der Darlegung gesetzlicher Grundlagen der Beratung in Trennungs- und Scheidungsfällen werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Beratung in diesen Angelegenheiten Kindern und Jugendlichen helfen kann, die Belastungen besser zu verarbeiten, um das Risiko für mögliche Entwicklungsrisiken zu vermindern. In einem abschließenden Fazit wird auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen in der Beratung bei elterlichen Trennungen und Scheidungen eingegangen.

2. Scheidung, Trennung und Hochstrittigkeit

2.1 Einleitende Informationen

Etwa seit den 1960er Jahren ist ein stetiges Ansteigen der Scheidungsraten zu vermerken. Derzeit beträgt das Scheidungsrisiko gut 50 %, wobei die Scheidung häufiger von Frauen eingereicht wird.[8] Von Scheidungen und Trennungen nichtehelicher Lebensgemeinschaften sind in Deutschland jährlich etwa 200.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Ungefähr 8 – 10 % aller Scheidungen bzw. Trennungen sind von Hochstrittigkeit geprägt.[9]

2.2 Hochstrittigkeit

In den letzten Jahren wurde die Scheidungs- und Trennungsberatung zunehmend von besonders strittigen und konflikthaften Klienten und Klientinnen aufgesucht.[10] Unter hochstrittigen Trennungen bzw. Scheidungen versteht man Trennungen und Scheidungen, welche durch langjährige und hartnäckige Auseinandersetzungen der getrennten Eltern[11] sowie durch umfassende juristische Streitigkeiten[12] geprägt sind. Oft geht es bei diesen um die Kontaktregelung oder den Aufenthalt der Kinder.[13] Merkmale hochkonflikthafter Trennungen sind insbesondere divergierende Einschätzungen zwischen den Eltern. Diese sind nicht in der Lage, die Situation der Kinder sowie deren Interessen angemessen wahrzunehmen.[14] Wenn die Konflikte der Eltern eskalieren und es zu lang andauernder Hochstrittigkeit kommt, ergeben sich für die Kinder sehr große Belastungen[15], deren kurz- und langfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche im anschließenden Abschnitt ausführlicher erläutert werden.

2.3 Folgen für Kinder und Jugendliche

Mit einer Trennung oder Scheidung sind für die Kinder große Anpassungsleistungen gefordert. Es bilden sich neue Familienkonstellationen, möglicherweise ändert sich die Schule bzw. der Kindergarten oder gar der Wohnort und in der Folge auch der Bekannten- und Freundeskreis. Zwar sind diese Veränderungen für Kinder sehr schmerzhaft, dennoch wäre der Verbleib in einer konflikthaften Familie viel schlimmer.[16] Davon abgesehen besteht in der Forschung Einigkeit darüber, „dass Kinder geschiedener Eltern emotional und verhaltensmäßig auffälliger sind und mehr schulische Probleme aufweisen als Kinder, die in vollständigen Familien aufwachsen.“[17] Das Ausmaß und die Dauer der Auswirkungen für die von Trennung oder Scheidung betroffenen Kinder sind jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig.[18] Dazu zählt u.a. das Alter, das Geschlecht, die kognitiven Leistungen des Kindes[19], das Temperament[20] sowie die Fähigkeit der Eltern, „ihre Konflikte […] konstruktiv und zukunftsorientiert zu bearbeiten“[21]. Es gibt aber auch Kinder, welche über eine eindrucksvolle Resilienz gegenüber diesen frühen Belastungen verfügen. Des Weiteren ist eine späte Heilung dieser frühen Verletzungen nicht ausgeschlossen.[22]

Kurzfristige bzw. unmittelbare Folgen einer Scheidung können sehr gut an Altersstufen demonstriert werden: Erfolgt eine Trennung bei Kindern unter 6 Jahren, sind oft psychosomatische Störungen, eine erhöhte Weinerlichkeit, eine Regression auf frühere Entwicklungsstufen oder Schuldgefühle zu erkennen.[23] Zwischen 6 und 10 Jahren kommt es nicht selten zu Rückzug, Konzentrationsstörungen, Aggressionen oder zum Loyalitätskonflikt – das Kind möchte beide Elternteile wieder vereinen.[24] Im Alter von 10 bis 12 Jahren ergreifen die Kinder häufig Partei für den Elternteil, bei dem sie leben und möchten überdies 'Partnerersatz' sein. Oftmals kommt es jedoch auch zur Verachtung den Eltern gegenüber.[25] Als Effekte elterlicher Trennung äußern sich im Jugendalter vielmals Bindungsängste, Verletzbarkeit, Suchtverhalten, Depressionen oder das Ablösen vom Elternhaus.[26]

Obwohl viele Kinder ca. zwei Jahre nach der elterlichen Trennung eine bessere Anpassung aufweisen, sind dennoch teilweise ernste Schwierigkeiten zu beobachten, welche Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter haben.[27] Zu den langfristigen Folgen zählen u.a. ein erhöhtes Risiko zu psychischen Erkrankungen, delinquenten Verhaltensweisen, Suizidgefahr sowie ein niedriges Selbstwertgefühl.[28] Neben internalisierenden Effekten (z.B. Depressivität, Rückzug, usw.) sind somit auch externalisierende Verhaltensprobleme (z.B. Aggressivität, Delinquenz, usw.) zu beobachten.[29] Scheidungen haben überdies auch Auswirkungen auf spätere Beziehungen: Da Scheidungskindern oft das Vertrauen in Beziehungen fehlt, sind sie häufig nicht fähig, Beziehungen verbindlich und langfristig zu führen. Zudem ist eine niedrigere Heirats- und eine höhere Scheidungsrate zu feststellbar.[30]

[...]


[1] Franz / Karger 2013, S. 7.

[2] Vgl. ebd., S. 7f.

[3] Karger 2013, S. 52.

[4] Vgl. Schlack 2013, S. 123.

[5] Hutter o.J., S. 2.

[6] Vgl. Franz / Karger 2013, S. 7f.

[7] Vgl. Pokorny 2011, S. 82.

[8] Vgl. Karger 2013, S. 44.

[9] Vgl. Franz 2013, S. 80.

[10] Vgl. Walper / Fichtner / Normann 2013, S. 7.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Bröning 2013, S. 21.

[13] Vgl. Walper / Fichtner / Normann 2013, S. 7.

[14] Vgl. Weber 2013, S. 179.

[15] Vgl. ebd., S. 180.

[16] Vgl. Berk 2005, S. 456.

[17] Staub / Felder 2003, S. 39.

[18] Vgl. Pokorny 2011, S. 82.

[19] Vgl. ebd., S. 82ff.

[20] Vgl. Berk 2005, S. 454.

[21] Schlack 2013, S. 123.

[22] Vgl. Böhm 2013, S. 166.

[23] Vgl. Pokorny 2011, S. 83.

[24] Vgl. ebd., S. 84.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd., S. 84f.

[27] Vgl. Berk 2005, S. 455.

[28] Vgl. Levnaic 2011, S. 89.

[29] Vgl. Weber 2013, S. 183f.

[30] Vgl. Hutter o.J., S. 12.

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668000544
ISBN (Buch)
9783668000551
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302011
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Scheidung Trennung Hochstrittigkeit Kinder Beratung

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Titel: Scheidung, Trennung und Hochstrittigkeit. Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen in der Beratung