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Das Unterrichten von Wirtschaftspädagogik an einer Wirtschaftsschule. Ein Praktikumsbericht

von Lorraine Möller (Autor) Carla Seipel (Autor)

Praktikumsbericht / -arbeit 2012 29 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erfahrungsbereich berufliche Schule und Beruf
1.1 Beschreibung der Praktikumsschule
1.2 Beschreibung und Reflektion des Arbeitsalltags einer Lehrkraft
1.3 Vergleich der Praktikumserfahrung mit der eigenen Schulzeit

2. Erfahrungsbereich Erziehung

3. Erfahrungsbereich Kommunikation und Interaktion

4. Erfahrungsbereich Unterricht
4.1 Dokumentation und Reflektion einer Hospitationsstunde
4.2 Dokumentation und Reflektion einer eigenen Lehreinheit

5. Erfahrungsbereich Diagnose und Beratung

6. BWL in Wissenschaft, Schule und Praxis
6.1 Exposé
6.2 Kriterienkatalog
6.3 Vergleich Schulbuchwissen und Wissenschaftswissen
6.4 Praktische Relevanz des Lehrbuchthemas
6.5 Transformationsentwurf für eine Lerngruppe
6.6 Reflexion meines Lernprozesses

ANHANG
Unterrichtsmaterialien zur Aufgabe 6.5

1. Erfahrungsbereich berufliche Schule und Beruf

1.1 Beschreibung der Praktikumsschule

Im Rahmen meines dreiwöchigen Unterrichtspraktikums habe ich die Y-Schule besucht.

Die Y-Schule ist eine berufsbildende Schule und hat ihren Schwerpunkt im wirtschaftlichen Bereich. Sie umfasst hierbei die Schulformen der Berufsfachschule I und II, die höhere Berufsfachschule mit drei verschiedenen Fachrichtungen, sowie das Wirtschaftsgymnasium. Jede der genannten Schulformen unterrichtet in Vollzeit. Die Schule betreut ca. 800 Schüler1, was von der Zeit im Schuljahr abhängt, da beispielsweise die Schüler der höheren Berufsfachschule zwei Wochen vor Ferienbeginn schon ihre letzten Prüfungen haben. Auch die Schüler des Wirtschaftsgymnasiums, welche das Abitur im Mai schreiben, fehlen dann. Das Kollegium umfasst 80 Lehrkräfte, davon sind 3 Referendare. Außerdem hat die Schule einen Ordnungsdienst, sowie einen eigenen Schulsanitätsdienst. Die Schule verfügt darüber hinaus über eine eigene Sporthalle und einen Kiosk, welcher sich im Foyer der Schule befindet.

Im Rahmen der Berufsfachschule I können die Schüler eine berufliche Grundbildung erwerben. Insofern die Schüler die BF I erfolgreich und mindestens mit einem Notendurchschnitt von 3,0 abgeschlossen haben, bekommen sie die Möglichkeit, an der darauf aufbauenden BF II einen Realschulabschluss zu erwerben. Darüber hinaus kann man die höhere Berufsfachschule (HBF) besuchen, sofern man über einen qualifizierten Sekundarabschluss I verfügt. Zur HBF gehört außerdem ein 8-wöchiges Betriebspraktikum, welches Pflicht ist und auch bewertet wird. Wenn man sich für die HBF entscheidet, kann man zwischen drei Fachrichtungen wählen, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt beinhalten. So gibt es die Fachrichtung „Organisations- und Officemanagement“, „Rechnungslegung und Controlling“ sowie „Fremdsprachen und Bürokommunikation“. Nach bestandener Prüfung sind die Schüler „staatlich geprüfte/r kaufmännische/r Assistent/in“ in der jeweiligen Fachrichtung und haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit zugleich das Fachabitur zu erlangen. Wird im ersten Jahr der HBF das Unterrichtsfach Physik als Wahlpflichtfach belegt, so hat man die Möglichkeit die Fachhochschulreife zu erwerben. Allerdings muss dann, statt dem zweimonatigen Praktikum, ein halbjähriges Betriebspraktikum absolviert werden. Als Äquivalent hierzu wird auch eine abgeschlossene Berufsausbildung anerkannt.

1.2 Beschreibung und Reflektion des Arbeitsalltags einer Lehrkraft

Im Folgenden soll nun zur Eingrenzung auf zwei Leitideen eingegangen werden. Zunächst soll geklärt werden, welche Aufgaben für einen Lehrer Im Schulalltag anfallen und welchem Tätigkeitsfeld diese zugeordnet werden können. Als zweites sollen dann besondere Herausforderungen einer Lehrkraft im Alltag betrachtet werden. Meine Beobachtungen beziehen sich auf die Z-Realschule, die ich im OP1 besucht habe.

Dem großen Tätigkeitsfeld „Unterricht“ können einige Kernaufgaben zugeschrieben werden, dazu gehört: die Vor- und Nachbereitung von Unterricht, dessen Durchführung, eine didaktische methodische Wissensvermittlung an die Schüler, das Erstellen von Klassenarbeiten und die Korrektur dieser, sowie die langfristige Planung von Unterrichtseinheiten in Anlehnung an angestrebte Kompetenzentwicklung der Schüler. Im zweiten wichtigen Tätigkeitsfeld „Erziehung“ fallen viele unvorhersehbare und besondere Herausforderungen an. Dazu gehört zum Beispiel das Unterstützen leistungsschwacher Schüler, der Umgang mit Störungen im Unterricht, sowie angemessener Umgang mit Konfliktsituationen. Zum Bereich „weitere Tätigkeiten“ kann hier noch die Organisation von AG’s, das Führen von Gesprächen mit Eltern oder Betrieben und die konsequente Vertretung von Regeln in der Schule genannt werden.

Die besonderen Herausforderungen eines Lehrers beginnen oft schon vor dem Klassenraum. Oft erlebt man als Lehrer hier schon Unruhe und Konflikte unter den Schülern. Auch während des Unterrichts tritt das Fachliche an vielen Stellen in den Hintergrund und die Erziehung rückt in den Vordergrund. Hierbei wird mir klar, dass eine fachliche Kompetenz bei weitem nicht ausreicht, um Lehrer zu werden. Es erscheint genauso wichtig mit Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen, Geduld und einem Gerechtigkeitssinn ausgestattet zu sein.

Fazit: Schon beim Perspektivenwechsel Student →Lehrer wird für mich eindeutig, dass ein Lehreralltag weit mehr Arbeitszeit in Anspruch nimmt als die zu unterrichtenden 25 Stunden und somit durchaus mit einem 8 stündigen Arbeitstag vergleichbar ist. Außerdem ist mir durch das Praktikum bewusst geworden, wie wichtig auch der „erzieherische“ Aspekt im Alltag eines Lehrers ist. Hier bereitet uns angehende Lehrer die Uni leider sehr unzureichend auf die Realität vor. Wünschenswert wären hier zum Beispiel thematische Seminare, wie zum Beispiel konkretes Handeln in Konfliktsituationen oder Umgang mit Störungen.

1.3 Vergleich der Praktikumserfahrung mit der eigenen Schulzeit

Ich entschied mich noch während meiner Ausbildung als Bankkauffrau, den Beruf des Lehrers zu erlernen, da mich vor allem die Vielfältigkeit des ganzen Systems und des damit verbundenen Unterrichts reizte. Am Gymnasium fehlte mir oft der Bezug zur Praxis, was an der Y-Schule nicht mehr der Fall war. Durch meine Praktika, die ich im Rahmen meines Studiums absolviert habe, ist es mir möglich geworden, den Perspektivenwechsel vom Schüler zum Lehrer einzunehmen.

Anfangs fand ich es sehr ungewohnt und schwierig im Unterricht auf Methoden und die Gestaltung des Lern-Arrangements zu achten. Häufig fand ich mich in den ersten Tagen des OP1 noch in der Schülerrolle, da ich mich im Unterricht vor allem auf die fachlichen Aspekte konzentrierte. Mit zunehmender Praktikumszeit und auch vor allem im OP3 fiel es mir leichter, den Unterricht in Phasen zu gliedern und auf konstruktivistische Aspekte hin zu beobachten.

Als Schüler1 denkt man häufig, dass der Lehrer keine fünf Minuten auf die Unterrichtsvorbereitung verwendet habe. Doch aus meiner jetzigen Perspektive kann ich dies verneinen. Ich habe durch meine Praktika und vor allem durch die vielen Gespräche mit den Lehrern gelernt, was beispielsweise ein strukturiertes Arbeitsblatt ausmacht. In meinem OP3 habe ich schließlich auch für eine meiner Unterrichtsstunden selbst Arbeitsblätter entwerfen müssen. Allein das Zusammenstellen der entsprechenden Informationen und deren rechnerische Richtigkeit im Fach Rechnungswesen, aber auch das Einbetten in eine Situation, durch welche die Schüler einen Realitätsbezug erlangen sollten, hat viele Stunden in Anspruch genommen.

Die weitaus wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass man nicht nur einmal seinen Unterricht vorbereitet und für jede Klasse, die gleichen Dinge wieder 1:1 einsetzen kann. Auch dies ist etwas, was man als Schüler glaubt. Ich kann nach meinen bisherigen Praktikumserfahrungen sagen, dass jede Klasse ihr eigenes Lernverhalten hat und von daher keine Unterrichtsstunde in zwei verschiedenen Klassen exakt gleich verläuft. Doch ich finde, dass gerade dies eine der großen Herausforderungen des Lehrerberufs darstellt: Sich immer wieder neu auf eine Klasse einzustellen und bereits verwendete Materialien zu überdenken und zu verändern.

2. Erfahrungsbereich Erziehung

Regeln und Rituale innerhalb der Schule darstellen

Im Rahmen meines OP1, in welchem ich an der Z-Realschule hospitiert habe, konnte ich neben dem Unterricht auch die Regeln und Rituale der Schule kennen lernen.

Rituale sind Handlungen, die immer den gleichen Ablauf haben und eine symbolische Wirkung für die Betroffenen haben. Das von mir am häufigsten wahrgenommene Ritual, dem sich Lehrer bedienen, ist die Klasse zu Beginn des Unterrichts aufstehen zu lassen. Vorrangig dient es der gemeinsamen Begrüßung, jedoch stecken weitere Vorteile dahinter: Es zeigt den Schülern an, dass der Unterricht beginnt und somit alles, was nicht mit dem Unterricht zu tun hat vom Tisch und aus dem Kopf zu verschwinden hat. Es hat eine hohe Integrationswirkung da jeder beteiligt ist, hilft bei der Strukturierung der Stunde und stabilisiert das soziale Miteinander. Die Schüler scheinen an dieses Ritual gewöhnt zu sein, stehen von sich aus auf und freuen sich auf die gemeinsame Begrüßung.

Auch die Regelungen von Ordnungsdiensten und Tafeldiensten ist wichtig im Alltag. Hier lernen die Schüler Verantwortung zu übernehmen für ihnen aufgetragene Bereiche. Jeder Schüler muss so aktive Teilnahme an der räumlichen sozialen Umwelt zeigen. Durch den Ordnungsdienst in Gruppen wird zusätzlich die soziale Kompetenz geschult, weil sie auf diese Weise lernen sich in einer Gruppe Aufgaben aufzuteilen und am Ende ein gemeinsames Ergebnis haben. Diese Regelungen werden von den Schülern weniger freiwillig wie das gemeinsame Begrüßen angenommen, jedoch pflichtgemäß erfüllt.

An dritter Stelle möchte ich hier noch die Gesprächsregeln in Form von Plakaten oder großen Karteikarten nennen, wie sie in den Klassenräumen an den Wänden zu finden sind. Diese Regeln erleichtern die gemeinsame Kommunikation und den respektvollen Umgang miteinander. Die Regeln werden mit den Schülern erarbeitet und gut sichtbar im Klassenzimmer aufgehängt. Somit werden die Schüler stets daran erinnert, dass sie sich gegenseitig zuhören und aussprechen lassen. Besonders gut gefiel mir ein Plakat neben der Tafel in einer 8.Klasse, auf dem stand, dass Lehrer und Schüler gleichermaßen das Recht auf störungsfreien Unterricht haben. Die Plakate unterstützen insgesamt das Durchsetzen und Beibehalten von vereinbarten Regeln.

3. Erfahrungsbereich Kommunikation und Interaktion

Beschreibung einer Konfliktsituation im schulischen Kontext

Im Rahmen meines OP3 an der Y-Schule habe ich eine Konfliktsituation in einer 11.Klasse erlebt.

Die Klasse hatte bereits eine 4-stündige Arbeit hinter sich und es handelte sich um die letzte Stunde an diesem Tag. Die Schüler sind recht unruhig als ich mit dem Lehrer den Klassenraum betrete. Nach etwa einer halben Stunde klingelt das Handy eines Schülers und die Konfliktsituation entsteht. Die in der Schulordnung festgeschriebene und von den Schülern, bzw. den Eltern unterzeichnete Regelung sieht vor, dass der Lehrer das Handy in Verwahrung nimmt und nach der Stunde im Sekretariat abgibt. Dort kann es sich der Schüler am Ende des Schultages abholen. Des Weiteren gibt es einen Vermerk im Klassenbuch. Da es allerdings die letzte Stunde ist, und diese Maßnahme auch eine erzieherische Wirkung haben soll, will die Lehrkraft das Handy erst am nächsten Tag zurückgeben. Der Schüler protestiert sehr lautstark auf diese Ankündigung und wird sehr wütend. Darüber hinaus scheint es sich bei dem anrufenden um seinen „Chef“ zu handeln, für den er neben der Schule arbeitet. Der Lehrer entgegnet ihm darauf, dass er „hauptberuflich Schüler“ sei und er so etwas außerhalb des Unterrichts zu klären habe. Nach diesem kurzen Wortgefecht, bei welchem der Lehrer stets sachlich geblieben ist und sich an die Hausordnung gehalten hat, kommt der Schüler vorerst zur Ruhe und gibt sein Handy ab.

Nach der Stunde eilt der Lehrer zügig zum Sekretariat, um sich mit der Schulleitung über das weitere Vorgehen abzusprechen, da er bis dato nicht wusste ob diese Maßnahme, sprich das Einbehalten des Handys über Nacht, überhaupt erlaubt ist. Allerdings stimmt die Schulleitung zu. Kurz darauf trifft auch der Schüler im Sekretariat ein, um sich sein Handy wieder abzuholen. Es folgt ein weiteres Streitgespräch zwischen Lehrer und Schüler, wobei der Schüler wieder persönlich und laut wird. Der Lehrer bleibt auch hier wieder souverän und erklärt dem Schüler mit ruhigen Worten, dass er sich am nächsten Morgen sein Handy abholen könne. Schließlich gibt der Schüler wütend auf und verlässt hastig die Schule.

Diese Situation betrachtend fällt auf, dass man als Lehrer stets souverän reagieren muss, auch wenn man in einem Streitgespräch von Schülern persönlich angegriffen wird.

4. Erfahrungsbereich Unterricht

4.1 Dokumentation und Reflektion einer Hospitationsstunde

Im Rahmen meines dreiwöchigen Orientierungspraktikums, habe ich verschiedene Klassen der Y-Schule besucht. So war ich beispielsweise in einer 12. Klasse mit VWL Leistungskurs. Es handelte sich um eine Doppelstunde. Das Thema der Stunde war „Einkommensverteilung in Deutschland“, ein sehr praxisnahes und interessantes Thema für die Schüler, da einige von ihnen bereits Nebenjobs haben um für den Führerschein oder ein Auto zu sparen. Die Schüler und die Lehrerin kennen sich bereits seit Beginn der 11.Klasse.

Nach der Begrüßung schreibt die Lehrerin das Thema an die Tafel und beginnt mit einer Brainstorming Methode. Die Schüler erhalten den Auftrag, Fragen an das Thema „Einkommensverteilung“ verbal zu formulieren, während die Lehrerin die Fragen an der Tafel festhält. Hierbei wir zum einen die Neugier der Schüler geweckt und zum anderen regt es die Schüler dazu an, zu überlegen was sie über das Thema schon wissen und was sie gerne wissen würden. Ich empfinde den Einstig als sehr gelungen und bin beeindruckt von der Menge der Fragen, die bei den Schülern auftauchen.

Als nächstes werden die Schüler in drei Gruppen aufgeteilt. Da es sich insgesamt um 15 Schüler in diesem VWL Leistungskurs handelt, finden sich jeweils 5 zusammen. Die Lehrerin übergibt nun den Auftrag, dass jede Gruppe eine Haltung zu diesem Thema einnehmen soll, und hierzu Vor- und Nachteile herausarbeitet. Diese werden dann auf einer Folie festgehalten und am Ende präsentiert. Die erste Gruppe nimmt die Perspektive „Leistungsprinzip“ ein: wer mehr leistet, soll mehr verdienen. Die zweite Gruppe hat das „Gleichheitsprinzip“ einzunehmen: jeder soll gleich viel Geld in Deutschland bekommen. Die dritte Gruppe hat schließlich das „Bedarfsprinzip“ gezogen: wer weniger hat, soll auch mehr finanzielle Hilfe bekommen. Die Schüler haben nun 60 Minuten Zeit um in ihrer Gruppe pro und contra Argumente zu sammeln und diese auf einer Folie zu notieren. Anschließend präsentiert jede Gruppe vor dem Plenum am Overhead-Projektor ihre Ergebnisse. Die anderen haben dann auch die Möglichkeit, noch weitere Aspekte zu ergänzen oder auch welche zu kritisieren.

Nachdem sich die Schüler durch die Präsentationen einen Überblick verschaffen konnten über alle drei Prinzipien mit ihren Vor- und Nachteilen, wählt die Lehrerin für die letzten 10 Minuten einen Stuhlkreis als Ausstieg.

Die Lehrerin stellt nun zunächst die Frage, wie es den Schülern dabei ergangen ist, eine Perspektive einnehmen zu müssen, die womöglich überhaupt nicht der eigenen Meinung entspricht. Hierbei erzählen einige, dass es schwierig war, Vorteile zu erarbeiten für das „Gleichheitsprinzip“, wenn man selber eher der Meinung ist, dass jeder nach Leistung bezahlt werden sollte. Es sei aber insgesamt eine interessante Erfahrung gewesen, eine andere Perspektive einnehmen zu können und sich auf diese einzulassen.

Als letzter Impuls wird nun der Gedanke in den Stuhlkreis gegeben, was denn wäre, wenn wir in Deutschland kein Leistungsprinzip hätten, sondern schon ab morgen jeder das gleiche verdienen würde. Auch hier wird nun seitens der Schüler nachdenklich und angeregt diskutiert. Und auch zurückhaltende Schüler beteiligen sich nun an der spannenden Diskussion.

Die Stunde schließt, indem die Lehrerin noch einen Ausblick auf die nächste Stunde gibt und hier auch noch einmal Bezug zur Frage „Welche Rolle trägt der Staat bei der Einkommensverteilung?“ aus der Brainstorming-Phase nimmt. Sie erklärt, dass es Möglichkeiten seitens des Staates gibt, um in die Einkommensverteilung einzugreifen. Hausaufgabe der Schüler ist es, sich darüber mit dem Schulbuch oder auch dem Internet zu informieren.

Ich habe aus dieser Doppelstunde sehr viel für mich mitgenommen. Zunächst die Brainstorming-Methode, bei denen die Schüler Fragen an das Thema formulieren durften. Dann die Möglichkeit unterschiedliche Perspektiven zur Thematik einzunehmen und für und gegen diese Argumente zu entwickeln. Auch der Stuhlkreis am Ende zur gemeinsamen Reflexion und Diskussion passte sehr gut zur Lerngruppe und dem Inhalt. Ich habe vielen Ideen und Impulse aus dieser Stunde mitgenommen und in meinem persönlichen Teil des Praktikumsberichts festgehalten. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dieses Konzept bei einer anderen Klasse selbst auszuprobieren.

4.2 Dokumentation und Reflektion einer eigenen Lehreinheit

4.2.1 Lerngruppenanalyse der eigenen Lehreinheit

Die Lerngruppe StA befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zum/zur Steuerfachangestellten/er. Die Ausbildung findet dual an 2 Tagen in der Berufsschule und 3 im Betrieb statt. Das Fach Rechungswesen wird von Herrn L. wöchentlich montags zweistündig unterrichtet. Zum Zeitpunkt dieser Ausarbeitung besteht die Klasse aus 22 Schülern im Alter von 18-41 Jahren, davon 5 Jungen und 17 Mädchen. Das Durchschnittsalter beträgt 25,7 Jahre. Die Lerner bringen unterschiedliche Schulabschlüsse und Vorkenntnisse mit. So gibt es 6 Schüler mit Abitur, 10 mit Fachabitur, 5 mit Realschulabschluss und einen Schüler mit Hauptschulabschluss. Weiterhin gibt es eine Schülerin mit abgeschlossener Berufsausbildung zur Erzieherin und einen Schüler, der bereits einige Semester Jura studiert hat. In der Lerngruppe befinden sich 4 Schüler mit Migrationshintergrund.

Insgesamt handelt es sich bei der StA um eine leistungsstarke Klasse, es gibt 3 hervorstehende Leistungsträger im Unterricht und weiterhin insgesamt 12 von 22 mit guten bis sehr guten Zeugnisnoten im Fach Rechnungswesen.

Ich nehme die Klasse als engagiert, kommunikativ und aufgeweckt wahr und registriere einen respektvollen Umgang miteinander. Die Schüler sind damit vertraut, im Team zusammen zu arbeiten und nehmen das Angebot hierfür gerne an. Da die Teambildung häufig per Zufall durch ein Kartenspiel bei Herrn L. arrangiert wird, sind es die Schüler gewohnt in wechselnder Zusammensetzung Arbeitsaufträge zu lösen.

[...]


1 Zur Verbesserung der Lesbarkeit wird in dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Diese impliziert aber immer auch die weibliche Form.

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668012691
ISBN (Buch)
9783668012707
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302664
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Wirtschaftspädagogik
Note
1,7
Schlagworte
unterrichten wirtschaftspädagogik wirtschaftsschule praktiumsbericht

Autoren

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Titel: Das Unterrichten von Wirtschaftspädagogik an einer Wirtschaftsschule. Ein Praktikumsbericht