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Entrepreneurship. Wie Unternehmer unternehmerische Gelegenheiten identifizieren

Analyse kognitiver Verzerrungen und des Einflusses von Emotionen auf Entscheidungsfindung

Seminararbeit 2015 22 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung und Motivation

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Entrepreneur
2.2 Unternehmerische Gelegenheit

3. Unternehmerische Gelegenheiten
3.1 Prozess der Identifizierung und Ideenfindung
3.2 Bewertung durch kognitive Verzerrungen und Emotionen
3.2.1 Glaube an das Gesetz der kleinen Zahlen
3.2.2 Kontrollillusion
3.2.3 Bewertungstheorie

4. Entwicklung und Einführung des iPhone

5. Kritik

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prozess der Identifizierung unternehmerischer Gelegenheiten

Abbildung 2: Arten der Suche von unternehmerischen Gelegenheiten

Abbildung 3: Kognitive Bewertung unternehmerischer Gelegenheiten

Abbildung 4: Kognitive Bewertung mit Emotionen von unternehmerischen Gelegenheiten

1. Einleitung und Motivation

Mit dem Wiener Börsencrash 1873 und dem Ende der industriellen Revolution, fand auch die Ära der Gründerzeit in Deutschland ihr Ende.1 Nicht selten hatten deutsche Firmengründungen einen hoch spekulativen Charakter zugunsten der Gründer von Aktiengesellschaften und zum Leidwesen von Investoren, denen vorab jegliche Mitbestimmung entzogen wurde.2 Nach der Krise durchlitten Länder wie Frankreich und Großbritannien starke wirtschaftliche Stagnationen, während hingegen Deutschland einem rapiden Wirtschaftswachstum entgegen blickte. Vom technologischen Standpunkt waren Frankreich und Großbritannien gleichauf mit Deutschland. Was aber den Unterschied in den Wirtschaftswachstumsraten machte, war ein anderer Grund: Der Entrepreneur.3

Die Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen, wie unternehmerische Gelegenheiten durch Unternehmensgründer identifiziert werden, ähnlich wie es nach dem Gründerkrach in Deutschland der Fall war. Darüber hinaus werden mögliche kognitive Verzerrungen und der Einfluss von Emotionen analysiert, die den Unternehmer in seiner Entscheidungsfindung unbewusst beeinflussen können. Zur besseren Lesbarkeit werden in der vorliegenden Arbeit die Begriffe „Unternehmer“ und „Unternehmensgründer“ synonym für „Entrepreneur“ genutzt.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Entrepreneur

Als einer der ersten Wissenschaftler nutze Cantillon den Begriff Entrepreneur und legte damit den Grundstein für spätere Forschungen rund um das Thema Unternehmensgründungen. Größere Aufmerksamkeit erlangte das Forschungsgebiet jedoch erst, nachdem Say 1816 mit dem Buch „Catechism of political Economy“ untersuchte, wie Reichtum entsteht, verteilt und verzehrt wird.4,5 Bis heute gibt es keine einheitliche Definition und wissenschaftliche Theorien divergieren stark voneinander, weshalb in dieser Seminararbeit ausschließlich renommierte Thesen verwendet werden.6

Say betrachtet den Entrepreneur als einen ökonomischen Agenten, der alle Produktionsmittel bestehend aus der Arbeit, dem Kapital und dem Land vereint und durch sein Produkt Werte schafft. Die geschaffenen Werte decken seine Kosten, die zur Produktion des Gutes vonnöten sind und bescheren ihm überdies Gewinne, die er einbehalten kann.7 Interdisziplinäre Qualitäten wie Ausdauer, Urteilsvermögen sowie ein grundlegendes Wissen über allgemeine Zusammenhänge und die Betriebswirtschaft gelten als Voraussetzung für einen erfolgreichen Entrepreneur. Ebenso muss er die Bedeutung seines Produktes, die potentielle Nachfrage und die benötigten Produktionsmittel abschätzen können.8

In der modernen Wirtschaftstheorie ist der Entrepreneur eine Person, die sich auf die Entscheidungsfindung spezialisiert hat, um einen komparativen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern zu erlangen. Durch eine asymmetrische Informationsverteilung auf die Individuen und unterschiedliche Ansichten der Individuen, kommt es zu Vorurteilen in der Entscheidungsfindung des Entrepreneurs und Chancen werden unterschiedlich wahrgenommen. Unter der Prämisse, dass Ressourcen knapp sind, ist er versucht, diese zu seinem Vorteil umzuverteilen und ihre Allokation zu optimieren. Werden Institutionen außer Acht gelassen, handelt es sich beim Entrepreneur um eine private Unternehmung in einem Marktsystem.9

2.2 Unternehmerische Gelegenheit

Ist es dem Entrepreneur möglich, unter dem Ausnutzen einer Situation, Güter, Dienstleistungen, Rohstoffe oder Methoden zur Organisation einzuführen und zu einem höheren Preis zu verkaufen als die Produktion gekostet hat, spricht man von einer unternehmerischen Gelegenheit.10 Auch wenn der Prozess der Wahrnehmung einer Gelegenheit eher subjektiver Natur ist, handelt es sich bei der Gelegenheit per se um ein objektives Ereignis, welches nicht allen Individuen bekannt ist. So stellte beispielsweise die Entdeckung des Telefons neue Möglichkeiten der Kommunikation zur Verfügung, unabhängig davon, ob diese Gelegenheiten wahrgenommen wurden.11 Die Situation muss für den Gründer nicht nur glaubwürdig erscheinen, sondern auch machbar, damit er geneigt ist, auf Basis seiner Informationen zu handeln. Unternehmerische Gelegenheiten haben dadurch einen großen Einfluss auf die Absicht eines Individuums, als Entrepreneur tätig zu werden.12

„The entrepreneur always searches for change, responds to it, and exploits it as an opportunity.“.13 Drucker betrachtet die unternehmerische Gelegenheit nicht aus Sicht des Entrepreneurs, sondern sieht es als eine extern gegebene Möglichkeit an, die es gilt auszunutzen. Unterschieden werden kann dabei zwischen drei verschiedenen Kategorien von Gelegenheiten:

- die Innovation von neuen Technologien durch das Schaffen von neuen Informationen
- das Ausnutzen einer Markt-Ineffizienz, bedingt durch Informationsasymmetrien
- die Reaktion auf Kosten- und Nutzenänderungen im Gebrauch von Ressourcen, herbeigeführt durch politische, regulatorische und/oder demographische Veränderungen.14

Der Vorgang, in welchem unternehmerische Gelegenheiten ausfindig gemacht, bewertet und schließlich ausgenutzt werden, wird gemeinhin als Entrepreneurship bezeichnet.15

3. Unternehmerische Gelegenheiten

3.1 Prozess der Identifizierung und Ideenfindung

Auch wenn Innovationen möglich sind, Markt-Ineffizienzen bestehen oder Marktveränderungen beispielsweise durch ein Politikwechsel herbeigeführt werden, so müssen diese Situationen erst erkannt werden, um sie auszunutzen zu können. Der Entrepreneur kann nur Gewinne generieren, wenn ihm die Existenz und Wertigkeit einer solchen unternehmerischen Gelegenheit bewusst sind. Wie bereits erwähnt wurde, sind unternehmerische Gelegenheiten nicht für alle Individuen gleich sichtbar. Der Grund dafür ist eine ungleiche Auffassung gegenüber der Existenz und Wertigkeit einer möglichen unternehmerischen Gelegenheit.16

Warum aber entdecken manche diese Gelegenheiten und andere nicht? Betrachtet man die Ausgangslage, gibt es zwei Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, eine unternehmerische Gelegenheit zu identifizieren, signifikant erhöhen. Zum einen sind das der Besitz von Informationen, die benötigt werden, um die Gelegenheit zu identifizieren und zum anderen die kognitiven Fähigkeiten des Individuums. Jeder Mensch hat einen unterschiedlichen Bestand an Informationen und Wissen, was die Fähigkeit, Gelegenheiten wahrzunehmen, unterschiedlich beeinflusst. Diese Wissens- und Informationsbestände bilden ein mentales Muster, welches dem Entrepreneur als Rahmen zur Identifizierung von neuen Informationen dient. Alleine ist der Informationsvorsprung jedoch nicht ausschlaggebend für die Identifizierung, da ebenso die Mittel-Zweck- Beziehungen in Betracht gezogen werden müssen. Auf der kognitiven Ebene liegt der Fokus daher auf der Entdeckung von neuen Mittel-Zweck-Beziehungen, geschaffen durch die oben genannten Veränderungen im Markt. In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur sind die Mittel-Zweck-Beziehungen nicht eindeutig definiert, jedoch lässt sich festhalten: Ohne Mittel-Zweck-Beziehungen scheitern Investoren, kommerzielle Möglichkeiten zu entdecken.17 Wenn den Informationen (Mittel) nicht ein wertgenerierender Nutzen zugesprochen werden kann (Zweck), wird eine potentielle unternehmerische Gelegenheit nicht entdeckt.

Wie wird die unternehmerische Gelegenheit entdeckt? In den meisten Fällen ist die Identifizierung ein langwieriger und weniger ein einfacher, inspirativer Prozess. Soziale, kulturelle und technologische Aspekte, kombiniert mit der Vision des Individuums, haben großen Einfluss auf den Identifizierungsprozess.18 Unter der Vision versteht man die Voraussicht des Entrepreneurs, dass sich für das neue Produkt die gewünschte Nachfrage zum kostendeckenden Preis einstellt.19 Unternehmensgründer sehen ihre Unternehmung dabei als eine Entwicklung ihrer persönlichen Intuition. Nimmt man Bezug auf eine Art von unternehmerischen Gelegenheiten, den Innovationen, ist der Grad der Innovation weniger ausschlaggebend für die Entdeckung, als der Wissensstand des Individuums. Bildung oder vorangegangene Arbeitserfahrungen erhöhen den Wissensstand und damit die Entdeckungswahrscheinlichkeit.20 Die Charakterzüge des Gründers, seine fachspezifischen Fähigkeiten, der persönliche Wille, der Kontext in dem sich die Idee befindet und die Werte des Entrepreneurs sind ebenso die Basis für eine erfolgreiche Identifizierung.21 Abbildung 1 systematisiert den Prozess der Identifizierung von unternehmerischen Gelegenheiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prozess der Identifizierung unternehmerischer Gelegenheiten Quelle: Eigene Darstellung

Gibt es Unterschiede bei der Suche zu Nicht-Unternehmern? Das Modell impliziert eine konkrete Suche des Entrepreneurs nach einer Idee und unterstellt ihm eine gewisse Motivation, als Unternehmer tätig zu werden. Für den Entrepreneur erfüllt die nonverbale Suche eine größere Funktion als die verbale Suche (Abbildung 2). Unter der nonverbalen Suche fällt u.a. das „sich-Gedanken-machen“ über neue Geschäftsideen in der Freizeit sowie das Lesen von Zeitungen und Magazinen, wobei die verbale Suche eine Ideenfindung durch Konversationen mit Mitmenschen beinhaltet. Vergleicht man bei der Suche den Entrepreneur mit einem Manager, zeigt sich deutlich, dass Manager vermehrt auf Quellen wie Freunde, Familie, Kollegen, Kunden oder Berater zurückgreifen. Indes geht der Entrepreneur weitläufiger und breitgefächerter auf die Suche. So stöbert dieser z.B. durch Patentveröffentlichungen oder nutzt Fremde, denen er im Flugzeug oder Zug begegnet als Informationsquelle, um sich Ideen zu verschaffen. Erfolgreiche Entrepreneure haben allerdings eine ausgeprägte Aversion gegenüber einer Suche mittels Konversationen, Freunde, Familie oder auch Medien. Durch den steigenden Erfolg des Unternehmens vermehren sich Geschäftskontakte und Geschäftsideen sind einfacher durch das neue Umfeld zu erfassen. Aber auch bedingt durch die Tatsache, dass sich in dem neuen Unternehmen ein ökonomischer Erfolg eingestellt hat, ist der Unternehmer gezwungen, nun andere Qualitäten anzuwenden, um den wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern. Die Suche nach neuen Geschäftsideen verliert für ihn an Bedeutung. Mit zunehmender Berufserfahrung als Unternehmensgründer steigt der Glaube an sich selbst und der Entrepreneur ist weniger auf die Informationen von anderen angewiesen, was die Suche ebenso abflachen lässt. Für Manager haben ökonomische Zielgrößen, wie der Gewinn und die potentiellen Marktanteile, größere Bedeutung, Entrepreneure legen den Fokus hingegen auf folgende Implementierungsfaktoren:

(1) Wer ist bei der Gründung involviert und wie hoch ist deren Risikobereitschaft?
(2) Welche Rolle spielt die Regierung bei der Gründung, welche Unterstützung gibt es?
(3) Wie hoch ist das anfängliche Investment?
(4) Wenn Fremdkapital benötigt wird, woher kommt das Kapital?

Beide haben gemein, vorsichtig zu handeln, wenn die Ideen nicht bewiesen oder unbegründet erscheinen.22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arten der Suche von unternehmerischen Gelegenheiten Quelle: In Anlehnung an Kaish & Gilad

3.2 Bewertung durch kognitive Verzerrungen und Emotionen

Die Entscheidung, ob es sich bei einer Idee um eine unternehmerische Gelegenheit handelt, bedarf einer Beurteilung des empfundenen Risikos unter komplexen und unsicheren Situationen. Je nachdem, wie hoch der Entrepreneur das Risiko einschätzt, wird die Bewertung positiv oder negativ ausfallen.23 In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss von zwei kognitiven Verzerrungen, den Glauben an das Gesetz der kleinen Zahlen und der Kontrollillusion, sowie vier emotionalen Zuständen auf die Bewertung untersucht.

3.2.1 Glaube an das Gesetz der kleinen Zahlen

Am Beispiel eines Casinospielers lässt sich die Problematik vom Glauben an das Gesetz der kleinen Zahlen illustrieren: Der Spieler ist fälschlicherweise der Annahme, dass der Abweichung in die eine Richtung, eine Abweichung in die andere Richtung folgen muss. Kommt bei drei Münzwürfen dreimal hintereinander die Kopfseite, ist der Spieler im Irrglauben, die Wahrscheinlichkeit für die Zahlseite sei gestiegen. Statistisch gesehen bleibt die Wahrscheinlichkeit aber bei 50 Prozent, Kopf oder Zahl zu erhalten. Man spricht in diesem Fall von einer Tendenz zur Selbstkorrektur.

[...]


1 Vgl. Horn, G.A., Gründerjahre (URL).

2 Vgl. Autorenkollektiv, Gründung (URL).

3 Vgl. Drucker, P. F., Innovation and Entrepreneurship (1985), S. 14.

4 Vgl. Casson, M., The Entrepreneur (1982), S. 19.

5 Vgl. Say, J., Catechism of Political Economy (1816).

6 Vgl. Gartner, W. B., “Who is an Entrepreneur?” Is the Wrong Question (1989), S. 47.

7 Vgl. Say, J., Catechism of Political Economy (1816), S. 26-29.

8 Vgl. Cole, A. H., An Approach to the Study of Entrepreneurship (1946), S. 3-4.

9 Vgl. Casson, M., The Entrepreneur (1982), S. 20-21.

10 Vgl. Casson, M., The Entrepreneur (1982), S. 223 ff..

11 Vgl. Shane, S./Venkkataraman, S., The Promise of Entrepreneurship (2000), S. 220.

12 Vgl. Krueger, N., The Impact of Prior Entrepreneurial Exposure (1993), S. 7.

13 Vgl. Drucker, P. F., Innovation and Entrepreneurship (1985), S. 25.

14 Vgl. Shane, S./Venkkataraman, S., The Promise of Entrepreneurship (2000), S. 220.

15 Vgl. Fueglistaller, U. et al., Entrepreneurship (2004), S. 21.

16 Vgl. Hayek, F., The Use of Knowledge in Society (1945), S. 519-530.

17 Vgl. Shane, S./Venkkataraman, S., The Promise of Entrepreneurship (2000), S. 221-222.

18 Vgl. Long, W./McMullan, W.E., Venture Opportunity Identification Process (1984), S. 567-591, zitiert nach: Moreno, J.d.J., Opportunity Identification (2008), S. 4-5.

19 Vgl. Kaish, S./Gilad, B., Characteristics of Opportunities Search (1991), S. 47.

20 Vgl. Long, W./McMullan, W.E., Venture opportunity identification process (1984), S. 567-591. zitiert nach: Moreno, J.d.J., Opportunity Identification (2008), S. 4-5.

21 Vgl. Herron, L./Sapienza, H.J., Initiation of New Venture Launch Activities (1992), S. 55.

22 Vgl. Kaish, S./Gilad, B., Characteristics of Opportunities Search (1991), S. 49-58.

23 Vgl. Keh, H. T. et al., Opportunity Evaluation (2002), S. 125-140.

Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668011366
ISBN (Buch)
9783668011373
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302744
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Schlagworte
entrepreneurship unternehmer gelegenheiten eine analyse verzerrungen einflusses emotionen entscheidungsfindung

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Titel: Entrepreneurship. Wie Unternehmer unternehmerische Gelegenheiten identifizieren