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August Strindbergs „Hemsöborna“ und die Verwendung von Metaphern in der deutschen Romanübersetzung

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Skandinavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

I. DER SCHRIFTSTELLER AUGUST STRINDBERG UND SEIN ROMAN HEMSÖBORNA
1. Leben und Werke August Strindbergs
1.1 Biographische Entwicklung und Beschreibung
1.2 Abriss literarischer Schöpfungen und Stilformen
2. Kurzcharakteristik und inhaltliche Zusammenfassung zu Hemsöborna

II. VERWENDUNG VON METAPHERN IM ROMAN
1. Differenzierung von Metaphern
1.1 Die innovative Metapher
1.2 Die lexikalisierte Metapher
2. Metaphern im Diskurs sprachlicher und inhaltlicher Thematik
2.1 Die Übersetzung von Metaphern im sprachlichen Diskurs
2.2 Metaphern als Hilfsmittel inhaltlicher Plastizität

ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

QUELLENVERZEICHNIS

Einleitung

Fällt im literarischen Diskurs der Name August Strindberg, verknüpft man mit diesem sofort eine Vielfalt von Ideenströmungen und naturalistischen Darstellungen, die sich in seinen zahlreichen Dramen, Romanen und Novellen ausdrücken und widerspiegeln. Der Mann, der Schwedens Literatur im 19. Jahrhundert so nachhaltig geprägt hat, wird oft als Zentrum literarischer Analysen behandelt. Seine Werke gestalteten sich sowohl sprachlich gewandt als auch inhaltlich lebendig und von bildhafter Plastizität, nicht zuletzt unter Zuhilfenahme einer ganzen Reihe geläufiger Stilmittel. So bediente sich Strindberg bei der literarischen Ausschmückung seines Romans Hemsöborna vor allem zahlreichen Metaphern, die auf den folgenden Seiten in den Diskurs der Wissenschaft gerückt werden sollen. Anhand zweier Textpassagen unterschiedlicher deutscher Fassungen des schwedischen Romans Hemsöborna wird sowohl auf die Problematik sprachlicher Übersetzungen eingegangen als auch erörtert, inwieweit Metaphern der inhaltlichen Ausschmückung dienen können. Strindberg verwendete eine Vielzahl dieser zu analysierenden Stilmittel, um damit dem Leser die inhaltliche Imagination so einfach wie möglich zu gestalten.

Zunächst jedoch wird eine kurze biographische Abhandlung über das Leben Strindbergs sowie über seine persönliche Entwicklung und den Werdegang zum Schriftsteller aufklären. Den literarischen Schöpfungen des Schwedens werden immer wieder biographische Parallelen zugrunde gelegt. Um Strindbergs Komplexität an Charakteren also begreifen zu können, muss man sich zunächst mit dessen eigenem komplizierten Charakter auseinander setzen. Von Kind an durch das autoritäre Elternhaus geprägt, durchlief Strindberg in seinem Leben mehr als nur einen Persönlichkeitswandel. Auch Hemsöborna gibt ein Stück weit Teile seines Wesens Preis, die naturalistische, beinahe malerische Beschreibung von Landschaft und Umgebung lassen auf eine tiefe Liebe und Innigkeit zu Stockholms Schärengarten, einem Ort, an dem die Zeit ein wenig langsamer zu laufen scheint, schließen. Dem als impulsiv und emotional aufgewühlt beschriebenen Schriftsteller ist es damit nicht zuletzt gelungen, persönliche Krisen und Emotionen auf literarischer Ebene so zu seinem Vorteil umzuwandeln, dass es dem Leser durch seine bildhafte Beschreibung und Wortgewandtheit möglich gemacht ist, in eben jene Welt mit einzutauchen und den persönlichen Gedanken und Eingebungen Strindbergs zu folgen.

I. Der Schriftsteller August Strindberg und sein Roman Hemsöborna

1. Leben und Werke August Strindbergs

1.1 Biographische Entwicklung und Beschreibung

Johan August Strindberg, Sohn einer Kellnerin und eines Kaufmanns, wurde am 22. Januar 1849 als viertes von acht Kindern der Familie Strindberg in Stockholm geboren. Die instabile wirtschaftliche Lage der Geschäfte seines Vaters ließen ihn zunächst in Armut und „in einer lärmenden, ewig unruhevollen Umgebung, in der niemand Zeit findet, liebevoll auf den einzelnen einzugehen“ (Esswein, 1909, S. 9) aufwachsen. Der „abwechselnd melancholische und mutwillige Knabe“ (Esswein, 1909, S. 12) konnte sich nur schwer in die unterdrückenden Verhältnisse der autoritären Erziehung des Vaters eingliedern, was sich auch immer wieder in den autobiographischen Zügen seiner literarischen Darstellung widerspiegelt. Jedoch gerät „Strindbergs Seele [...] nicht auf Abwege, sondern sie geht die Wege jeglicher Entwicklung unter gleich niederdrückenden Verhältnissen, nur dass seine Seelendynamik in Aktion und Reaktion sich heftiger äußert, stärkere Ausschläge ergibt als bei den Durchschnittlichen“ (Esswein, 1909, S. 14).

Der rote Faden sprunghafter Entscheidungen und einer absoluten Unstetigkeit durchzieht fast sein gesamtes berufliches und privates Leben. Erst nach wechselhaften Studien gelangen ihm erste literarische Erfolge. Zunächst versuchte sich der junge Schwede ein Semester lang als Volksschullehrer, gab die Verfolgung dieses Berufszieles aber schon sehr früh auf und setzte seinen Weg als angehender Theologe fort. Sein freigeistiges und von der Naturwissenschaft geprägtes Auftreten machten einen solchen Beruf jedoch unmöglich. Strindberg nimmt daraufhin das Studium der Medizin auf, ein Metier, das näher an seine naturwissenschaftlichen Interessen ragt. Aber auch hier gelingt ihm kein berufliche Abschluss, ein nicht bestandenes Chemieexamen unterstreicht seine im Vorfeld gefasste Entscheidung nur (vgl. Esswein, 1909, S. 19f).

„Der Sprung vom Laboratorium auf die Schauspielbühne [...] wird jedem als grotesk erscheinen, der nicht Strindbergs jugendliche Illusionsfähigkeit, [...] seinen elementaren Drang nach Aussprache vor allem Volke richtig in Rechnung setzt. Am Schauspielberuf reizt den zur Aktivität Veranlagten, aber Unterdrückten, den Erregten, nach polemischen Entladungen Verlangenden vor allem die Öffentlichkeit“ (Esswein, 1909, S. 20). Jedoch erkennt er auch hier nach kurzer Dauer, dass das Theater ein ebenso abgestumpftes und alltagsbelastetes Metier ist, dem er sich durch die Wahl eines ästhetischen Berufes entsagen wollte. Weitere geisteswissenschaftliche Studien an der Universität führen zur Ernüchterung, Strindberg bleibt der „unreif exaltierte Kritiker“ (Esswein, 1909, S. 20).

Im weiteren Verlauf nimmt sich Strindberg immer mehr seiner Lieblingsbeschäftigung, der Malerei, an, deren daraus hervor gegangene Arbeiten gerne parallel zu seinen literarischen Werken betrachtet werden. „Sein künstlerisches Schaffen lässt [...] erkennen, dass er in seinen Bildern zum Teil wesentliche Gedanken und Erfahrungen zu verarbeiten versucht [...]. Insofern ist Strindbergs Malerei eng verbunden mit seinem literarischen Werk und spiegelt seine unstete, kontroverse Persönlichkeit gleichermaßen wider“ (O.N. 1). Die Malerei wird ihn fortan stetig durch sein Leben begleiten, jedoch sieht Strindberg diese nicht als seine tatsächliche Berufung sondern vielmehr als eine Freizeitbeschäftigung an. „Am allerbezeichnendsten ist die Tatsache, dass der Durchbruch Strindbergs zu seinem naturgegebenen Berufe, dem des Dichters, durch das plötzliche Einsetzen der dramatischen Erstlingsproduktion just in dem Augenblick erfolgt, da er im Leben mit der gewagten Antithese Arzt – Schauspieler die Extreme seiner Veranlagung gleichsam praktisch erprobt hatte“ (Esswein, 1909, S. 20f). Gehversuche im Journalismus gestalten sich jedoch als schwierig, da seine impulsive und überdrastische Ausdrucksform ganz im Gegensatz zu seinem Arbeitgeber steht. Trotzdem kann man Strindberg als Vorreiter all derjenigen betrachten, die „über die Tageszeitung das moderne Leben, sein vielgestaltiges Äußere und seine nicht minder komplizierte Seele für die moderne Literatur entdeckt haben“ (Esswein, 1909, S. 22).

Auch im privaten Leben gestaltete sich das Wesen Strindbergs bis zu seinem Tod im Mai 1912 in Stockholm als sehr kompliziert und impulsiv. Mit seiner ersten Frau, der Schauspielerin Siri von Essen, zeugte er zwei Töchter und einen Sohn, lies sich jedoch nach vierzehn Ehejahren von der gebürtigen Finnlandschwedin scheiden. Kaum zwei Jahre später heiratete Strindberg erneut. Auch mit seiner zweiten Frau Frida Uhl, einer österreichischen Schriftstellerin, hatte er eine Tochter, trennte sich jedoch bereits ein Jahr später von dieser. Eine letzte Ehe mit der jungen Schauspielerin Harriet Bosse, welche Strindberg seine vierte Tochter gebärd, wird ebenfalls nach drei Jahren geschieden (vgl. O.N. 3).

Strindberg wird zwar bis heute als einer der wichtigsten schwedischen Autoren genannt, seine Werke und sein Lebensstandard wurden jedoch als umstritten bezeichnet, er galt als der Autor, der „oft in persönliche Konflikte verwickelt“ (O.N. 1) war. Sein steter Sinnenwandel und sein komplizierter Charakter, die sich auch so gut in seinen literarischen Schöpfungen äußeren, schlugen sich nicht zuletzt auch in seinen drei gescheiterten Ehen nieder. Der schwedische Dichter wird nicht umsonst als ein Frauen verachtender Mann bezeichnet. Jedoch sind es genau diese einschneidenden, konstant durch sein Leben ziehenden Erlebnisse, welche seinen literarischen Werke ihren autobiographischen Zug verleihen und diese somit umso authentischer wirken lassen.

1.2 Abriss literarischer Schöpfungen und Stilformen

„Während Strindbergs Frühwerk dem Naturalismus zuzuordnen ist, gehören seine späteren Werke dem Expressionismus an“ (O.N. 1). Als einer der produktivsten Schriftsteller Schwedens schrieb dieser mehr als 60 Dramen, jeweils zehn Romane und Novellensammlungen sowie mehrere tausend Briefe, welche „alle großen Ideenströmungen, die es zum Ende des 19. Jahrhunderts gab, [umfasste]. Er erneuerte die schwedische Prosa, indem er die deklamatorische und rhetorische Sprache der älteren Prosa durch Umgangssprache und scharfe Beobachtungen direkt aus dem Alltag ersetzte. [...] Strindberg revolutionierte das Drama aber auch, indem er die Schauspieler eine natürliche Umgangssprache verwenden lies. Die Handlung in seinen Stücken bewegt sich typischerweise in einer historischen Umgebung und veranschaulicht Klassenkampf und psychologischen Stellungskrieg. Strindberg gilt als einer der Wegbereiter des modernen europäischen Theaters des 20. Jahrhunderts“ (O.N. 1). Hervorzuheben ist primär sein satirischer Roman „Das rote Zimmer“ aus dem Jahr 1879, welchem Strindbergs literarischer Durchbruch zugeschrieben wird. Im gleichen nennenswerten Kontext stehen sein autobiographischer Roman „Der Sohn einer Magd“, ebenso wie das hier behandelte „Die Leute auf Hemsö“, das Trauerspiel „Fräulein Julie“, sowie weitere Theaterstücke (vgl. O.N. 3). Inhalt und Stil der Arbeiten Strindbergs stehen in engem Kontakt zu seinen persönlichen Krisen und Leiden. Oftmals wird dabei zwischen einer naturalistischen und einen expressionistischen Phase differenziert. „Mehr noch als den Naturalismus beeinflusste Strindberg den Expressionismus durch seine späteren Werke. Nach den psychischen Krisen in den 1890er Jahren wechselte Strindberg den Fuß. [...] Er entwickelte sich vom Naturalisten zum Mystiker, vom Zweifler zum Gläubigen“ (O.N. 3).

Strindbergs Werke sind eng an seinen eigenen Weg durch das Leben verknüpft. Auch wenn seine Handlungen oft fiktiven Ursprungs sind, lassen sich in vielen Passagen autobiographische Parallelen ziehen. Den Fokus auf das Gesamtwerk des schwedischen Schriftstellers gerichtet, ist demnach nicht nur seine literarische Entwicklung nachzuvollziehen sondern vor allem auch seine biographische.

2. Kurzcharakteristik und inhaltliche Zusammenfassung zu Hemsöborna

August Strindbergs Schärenroman Hemsöborna wurde erstmals 1887 im Bonnier Verlag in zensurierter Fassung veröffentlich und trägt im Deutschen den Titel „Die Inselbauern“, „Die Hemsöer“ oder primär „Die Leute auf Hemsö“. (vgl. Mitrache, 2006, S. 15f). Ort der Handlung ist eine fiktive, in der Schären Stockholms liegende Insel „Hemsö“, welche von kaum einer Hand voll Inselbewohnern ganzjährig besiedelt ist. Protagonist des Romans ist der ursprüngliche Stadtbewohner Carlsson, welcher auf der Insel eine Stellung als Verwalter antreten soll. Herrin auf Hemsö ist die Witwe Flod, die zusammen mit ihrem Sohn Gustav, den beiden Mägden Klara und Lotte, sowie den Knechten Norman und Rundquist einen Bauernhof bewirtschaftet. Da das Anwesen nach dem Tod ihres Mannes sehr vernachlässigt wurde und sich die Neigungen ihres Sohnes Gustavs primär auf die Fischerei und die Jagd beschränken, werden Carlsson fortan die Aufgaben in der Landwirtschaft übergeben. Bereits im ersten Kapitel kristallisieren sich die Absichten des Städters heraus, mehr Macht und Ansehen auf dem Hof zu genießen als nur ein gewöhnlicher Knecht. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es Carlsson durch die Wiederaufnahme der Landwirtschaft und der Animierung der anderen Arbeitskräfte, dem Anwesen auf Hemsö zu neuem Profit zu verhelfen und die Anlage zu restaurieren. Durch die Bewirtung und Aufnahme von Sommergästen sichert er sich seine Stellung als Verwalter und genießt die Gunst und das Ansehen der Witwe Flod. Jedoch herrscht bereits von Anfang an ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen Carlsson und dem jungen Flod. Gustav durchschaut die Absichten des Verwalters, welcher nach Macht und Besitz strebt, um so in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert zu erlangen. Der Streit eskaliert, als sich Carlsson und die Witwe Flod verheiraten. Es scheint, als habe der Protagonist in diesem Moment sein Ziel erreicht. Nachdem er seiner künftigen Ehefrau vor der Hochzeit mit Liebenswürdigkeiten den Hof gemacht hat, beginnt dessen Fassade nach der Vermählung zu bröckeln. Mit einer Vielzahl an Ideen und Einfallsreichtum versucht er den jungen Gustav von dessen Mutter enterben zu lassen, deren gutmütig-naives Wesen diese Pläne vorerst auch begünstigt. Erst ein Fehltritt Carlssons, der sich einer außerehelichen Liebelei schuldig macht, öffnet der alten Frau auf dem Sterbebett die Augen. Das Verbrennen ihres von Carlsson aufgesetztem Testaments macht ihren Sohn Gustav zum Alleinerben, ehe diese dahin scheiden kann. Der Roman endet schließlich mit einer spektakulären Überfahrt auf dem zugefrorenen Meer. Während der Überführung über die See gerät der Sarg mit dem Leichnam der toten Flod in das eisige Wasser und sinkt. Carlsson und Gustav machen sich zu Fuß über das Eis auf den Weg zur Pfarrinsel. Kurz vor dem Ziel werden die beiden jedoch auf einen nahenden Schneesturm aufmerksam, der das dünne Eis zum Brechen bringen wird. Um sein Leben laufend erreicht Gustav das rettende Land, Carlssons Spuren jedoch verlieren sich im Schneesturm und sein Schicksal bleibt dem Meer überlassen. So kehrt Gustav als rechtmäßiger Erbe und Besitzer nach Hemsö zurück, Carlsson jedoch musste trotz seiner perfiden Pläne, durch die er sein Leben eine Zeit lang in günstige Bahnen lenken konnte, erfahren, dass schlussendlich nichts sicher ist außer der Tod.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668047013
ISBN (Buch)
9783668047020
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302893
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Nordische Philologie
Note
1,0
Schlagworte
Strindberg August Hemsöborna Schweden Kurzcharakteristik deutsche Übersetzung des Romans 19. Jahrhundert Verwendung Metaphern

Autor

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Titel: August Strindbergs „Hemsöborna“ und die Verwendung von Metaphern in der deutschen Romanübersetzung