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Wie erreiche ich einen hohen Anteil an Lernzeit? Unterrichtsbeispiele mit hohem Anteil an echter Lernzeit

Praktikumsbericht (Schule) 2015 12 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Gymnasium Xxxxx

2. Echte Lernzeit

3. „Wie erreiche ich einen hohen Anteil an Lernzeit?“
Unterrichtsbeispiele mit hohem Anteil an echter Lernzeit

4. Reflexion

5. Literaturverzeichnis

1. Das Gymnasium Xxxxx

Das Gymnasium Xxxxx wurde 1998 gegründet und war die vierte weiterführende Schule nach der Realschule, der Hauptschule und der Förderschule in der Gemeinde Xxxxx. 90 Schülerinnen und Schüler (SuS) hatten zunächst Räumlichkeiten im Schulzentrum (Realschule und Hauptschule) zur Verfügung gestellt bekommen. Im Jahr 2000 zog die Schule in das Gebäude der ehemaligen Grundschule ein. In den folgenden Jahren wurden die Räumlichkeiten renoviert und z.T. ausgebaut. Heute umfasst die Schule vier Trakte, eine Sporthalle mit Veranstaltungs- und Musikraum, sowie eine Cafeteria. 66 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten 740 SuS, davon werden 107 SuS voraussichtlich 2015 ihr G8-Abitur machen. Wenngleich das Gymnasium keinen Schwerpunkt in den Naturwissenschaften oder anderen Bereichen bildet, ist das Angebot sehr vielseitig. Neben diversen Sprachzertifikaten gibt es AGs in Musik, Sport und Theater, sowie viele Teilnahmemöglichkeiten an Schülerwettbewerben in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften.

Ich habe das Gymnasium Xxxxx für mein Unterrichtspraktikum gewählt, da ich zum ersten Abiturjahrgang 2007 gehöre und die Entwicklung der Schule seither nicht mitverfolgt habe. Die Rückkehr nach acht Jahren hat mir den Perspektivwechsel von der Schülerrolle zur Lehrerrolle ermöglicht. Dabei konnte ich die hervorragende Entwicklung der Schule feststellen und einige positive Veränderungen wahrnehmen. Die Schule ist mit Medienwagen, drei Computerräumen und Beamern mit DVD- Playern im gesamten Oberstufentrakt , sehr modern ausgestattet und bietet den SuS viele Möglichkeiten ihr Schulleben aktiv mitzugestalten. Der Einstieg in den Schulalltag wurde mir durch einige bekannte Gesichter erleichtert. Meine ehemaligen Lehrer erwiesen sich als sehr hilfsbereite und kompetente Ratgeber. Die ausbildungsbeauftragte Lehrerin hat mir einen Stundenplan mit den Fächern Englisch und Philosophie zusammengestellt, der 20 Wochenstunden umfasste. Bereits in der ersten Woche habe ich diesen Stundenplan um sieben weitere Stunden erweitert, nachdem ich weitere Lehrerkollegen um Erlaubnis gebeten habe, ihren Unterricht zu besuchen. Ganz neu waren hier für mich die Erfahrungen im Unterrichtsfach Praktische Philosophie, das ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Unterricht erlebt hatte. Insgesamt habe ich drei Englischlehrer und drei Philosophielehrer begleitet und dabei die Stufen 7 - 12 besucht und z.T. unterrichtet. Außerdem wurde ich darum gebeten, bei einem Elterngespräch zu vermitteln. Eine türkischstämmige Schülerin der 5. Klasse besucht das Gymnasium mit einer Hauptschulempfehlung und ein erstes Gespräch mit den Eltern blieb erfolglos, auch aufgrund von Problemen in der Sprachverständigung. Somit konnte ich einen ersten Eindruck vom Ablauf eines Elterngesprächs erhalten und mit meinen Türkischkenntnissen wesentlich zum Erfolg des Gesprächs beitragen. Im Anschluss an das Gespräch habe ich ein sehr positives Feedback seitens der Lehrerschaft und der Schulleitung bekommen und wurde darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig und hilfreich weitere Qualifikationen und Zertifikate für die Bewerbung auf eine Lehrerstelle sein können.

2. Echte Lernzeit

Im Laufe meiner ersten Woche konnte ich etwas Auffälliges bei allen Unterrichtsbesuchen feststellen: der hohe Anteil an organisatorischen Aufgaben. Jeder Lehrer sieht sich zu Beginn des Unterrichts mit diversen Problemen konfrontiert, die den Beginn verzögern können: durch die Anwesenheitskontrolle, die Entgegennahme und Überprüfung von Entschuldigungen, Ausflüge organisieren, Klärung von Problemen der SuS oder Hausaufgabenkontrolle. Außerdem haben oftmals SuS in den letzten fünf Minuten des Unterrichts bereits begonnen, ihre Schulsachen einzupacken, damit sie mit dem Pausengong pünktlich den Raum verlassen konnten. Nicht der Lehrer oder der Gong beendete hier den Unterricht, sondern die SuS. Die Frage, die sich aus diesen Beobachtungen ergibt, lautet: wie viel echte Lernzeit bleibt im Unterricht übrig und wie erreiche ich einen hohen Anteil an echter Lernzeit? Im Folgenden möchte ich zunächst den Begriff der „echten Lernzeit“ genauer definieren. Dabei werde ich beschreiben, wie man viel Lernzeit erreicht und was alles Einfluss auf die Lernzeit haben kann. Zur Veranschaulichung werde ich einige Beispiele aus meinen Unterrichtsbesuchen nennen. ach Hilbert Meyer hat „Lernzeit“ einen entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg. Das gilt sowohl quantitativ als auch qualitativ. Dabei muss man unterscheiden zwischen im Unterricht verbrachter Zeit und „echter Lernzeit“. Mit Ausnahmen gilt sicher, wer länger zur Schule geht, lernt auch mehr. Aber viel interessanter ist für meine Forschungsfrage die Aussage, wer intensiver arbeitet, lernt mehr. Als zukünftiger Lehrer ist es eine Herausforderung, den SuS viel Zeit zu gewähren, die sie aktiv nutzen können. Während meines Praktikums habe ich Störfaktoren beobachten können, die nicht zur echten Lernzeit gehören und von Meyer ebenfalls benannt wurden.

Das sind u.a.

organisatorische Aufgaben wie das Einsammeln von Kopiergeldern, Disziplinierungsmaßnahmen, Zeitverbrauch durch mangelhafte Vorbereitung des Lehrers oder der Schüler, Abschweifungen des Lehrers oder der Schüler, Zeitaufwand für Tests und Leistungskontrollen, usw.[1]

Definitionen von echter Lernzeit zielen oftmals auf die von SuS tatsächlich aufgewendete Zeit, um das angestrebten Ziele zu erreichen. Dabei können auch lehreraktive Unterrichtsphasen von SuS aktiv genutzt werden und somit echte Lernzeit bedeuten. Hilbert Meyer zählt einige Indikatoren für echte Lernzeit auf, wie z.B. aktive Lernphasen und erholsame Pausen, wenige Disziplinstörungen, keine Langeweile, usw. Außerdem nennt er Maßnahmen, mit denen der Anteil an echter Lernzeit erhöht werden kann, u.a. durch Pünktlichkeit, durch Auslagerung von Organisationskram oder durch Konzentrationsübungen (vgl. Meyer: Was ist guter Unterricht? S.40).

Vereinzelt konnte ich diese Indikatoren und Maßnahmen auch bei meinen Unterrichtsbesuchen erkennen. Während ein Englischlehrer meistens erst das Lehrerzimmer verließ, nachdem es bereits zum zweiten Mal geklingelt hatte, konnte somit der Unterricht nur verspätet beginnen. Im Gegensatz dazu ist einer der Philosophielehrer i.d.R. bereits vor dem ersten Gong in den Klassenraum geeilt, sodass er die Gelegenheit hatte, ein Tafelbild oder den Klassenraum vorzubereiten. Lehrer, die ihre Klasse sehr gut kennen, haben die Anwesenheit der SuS während der Einzelarbeitsphasen kontrolliert und ggfs. bei einzelnen SuS nachgefragt. Ein weiterer Lehrer hat den „Organisationskram“ immer in die 5- Minuten Pause zwischen seinen Doppelstunden ausgelagert. Die Englischlehrerin einer 8. Klasse hat gerne Übungen zur Schüleraktivierung initiiert, bei denen z.B. alle SuS aufstehen mussten, um ein Vokabelspiel zu spielen.

Im Hauptteil dieses Praktikumsberichts möchte ich mich mit den positiven Beispielen beschäftigen und zeigen, mit welchen konkreten Maßnahmen Lehrer den Anteil an Lernzeit erhöhen. Dafür werde ich Unterrichtsbesuche darstellen, bei denen ich der Meinung bin, dass es der Lehrperson besonders gut gelungen ist, Störfaktoren zu beseitigen, SuS ihre Lernzeit aktiv nutzen zu lassen und dadurch eine hohe Qualität der Lehre zu erreichen.

[...]


[1] Meyer, Hilbert (2004): Was ist guter Unterricht? Mit didaktischer Landkarte- Berlin: Cornelsen Scriptor, S. 39.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668038134
ISBN (Buch)
9783668038141
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302968
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Erziehungswissenschaft - Psychologie
Note
1,7
Schlagworte
Schule Gymnasium Praktikum Bericht Universität Pädagogik Lernzeit

Autor

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