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Die Jagd in der Frühen Neuzeit. Veränderungen, Probleme und Gegenmaßnahmen der Bauern

Hausarbeit 2013 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Jagd
Die Jagd in der Frühen Neuzeit: Veränderungen und Neuheiten

Probleme der Jagd in der Frühen Neuzeit
Welche Probleme entstanden in der Frühen Neuzeit mit der Jagd
Analyse der Probleme und Gegenmaßnahme der Bauern

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Diese Arbeit handelt von der Jagd in der Frühen Neuzeit und den Problemen, die mit der Jagdleidenschaft einhergingen. Die Jagd stellte in der Frühen Neuzeit eine Gemeinschaftsaktivität dar, an der mehrere Stände teilnahmen. Dadurch war die Jagd einer der größten Vergnügen und Lieblingsbeschäftigungen an den Fürstenhöfen, und diente unter anderem auch als sportliche Übung. Mit dem Beginn der Frühen Neuzeit kam es jedoch im Gegensatz zum Mittelalter zu einigen Veränderungen und Neuheiten bei der Jagd, die wiederum zu größeren Problematiken führten. Diese Hausarbeit stellt einen Bezug zu diesen Veränderungen her und beschreibt die damit aufkommenden Konflikte. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Probleme, die durch die Jagd in der Frühen Neuzeit entstanden, zu beschreiben und zu analysieren.

Zunächst werde ich den Begriff der Jagd genauer betrachten und die unterschiedlichen Veränderungen und Neuheiten im Jagdwesen in der Neuzeit kurz darstellen. Anschließend werde ich die dadurch entstandenen Auseinandersetzungen beschreiben und analysieren. Dabei werde ich mich auf die im Anhang befindliche frühneuzeitliche Quelle beziehen, die im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht. Bei dieser Quelle handelt es sich um die 12 Artikel, die im Zuge des deutschen Bauernkrieges im Februar/März 1525 verfasst wurden, um die Forderungen der Bauern zu artikulieren und mit der Bibel argumentativ zu unterlegen. 1 Ich werde mich speziell auf den vierten Artikel beziehen, der die Forderungen der Bauern bezüglich der Jagd und des Jagdrechtes dokumentiert. Daraufhin werde ich kurz erläutern, inwiefern die Bauern sich gegen diese entstandenen Probleme gewehrt haben und ob sie mit ihren Handlungen Erfolg hatten. Auch hier werde ich mich wieder auf die 12 Artikel beziehen, die die Forderungen der Bauern erläutern. Abschließend werde ich die wichtigsten Ergebnisse dieser Hausarbeit im Fazit noch einmal zusammenfassen und eine Schlussfolgerung ziehen. Diese Hausarbeit wird dabei nicht auf die übrigen Artikel der Bauernbewegung eingehen. Darüber hinaus werde ich nicht auf die weitere Entwicklung des Konfliktes zwischen den Bauern und Landherren eingehen, sondern mich lediglich mit den Problemen der Jagd in der Frühen Neuzeit, den Widerstand der Bauern und das Resultat daraus befassen.

Um diese Hausarbeit zu konzipieren, werde ich unterschiedliche Literatur betrachten, sowie Ansichtsansätze und Kritikpunkte analysieren.

Die Jagd

Die Jagd in der Frühen Neuzeit: Veränderungen und Neuheiten

Mit dem Beginn der Frühen Neuzeit entwickelten sich im Gegensatz zum Mittelalter zahlreiche Veränderungen und Neuheiten im Jagdwesen. Besonders die Veränderungen in der Gesellschaft und im Kriegswesen führten zu einschneidenden Reformationen im Jagdwesen. Beispielsweise wurde in Bezug auf die Waffenarten das Schießgewehr in der Frühen Neuzeit erfunden und kam nicht nur im militärischen Sektor zum Einsatz, sondern auch im Jagdwesen. Die Jagd stellte also nicht nur eine freizeitliche Aktivität dar. Sie entwickelte sich darüber hinaus zu einem militärischen Training, um den Umgang mit den neuerlichen Waffen zu erlernen und zu perfektionieren. Dabei traten Tugenden, wie das Reitgeschick, welches im Mittelalter noch zu den erlernenden Fähigkeiten bei der Jagd zählte, in den Hintergrund. 5 Abgesehen von der militärischen Bedeutung der Jagd, stellte sie auch eine exklusive Standesbeschäftigung des Adels dar, vergleichbar mit der Standesrepräsentation im Mittelalter.6 Damit war die Ausübung der Jagd in der Frühen Neuzeit hauptsächlich dem Adel vorbehalten. Also stellte die Jagd für den Adel ein Statussymbol dar, bei dem die Adligen um bedeutende Trophäen wetteiferten und stets ihre Konkurrenten übertreffen wollten.7 Die grundlegende Bedeutung der Jagd, als Nahrungsbeschaffung, verliert immer mehr an Wert. An dessen Stelle trat die Jagd als Gemeinschaftsritual.

Weiterhin änderte sich jedoch auch das Bild der Jagd als frauenfeindliche Männerangelegenheit. In der Frühen Neuzeit wurden auch vielfach Edelfrauen bzw. adlige Frauen an der Jagd beteiligt.8 Besonders beliebt bei den Edeldamen war die Beizjagd mit einem Greifvogel.9 Darüber hinaus entstand die Einteilung in hohe und niedere Jagd, aufgrund der Unterteilung zwischen hohem Adel und niederem Adel. Daran anknüpfend wurde auch das Wild in Hochwild und Niederwild unterteilt.11 Des Weiteren wurde die im Mittelalter festgelegte Ordnung der Bannforste in der Frühen Neuzeit aufgehoben. Diese Ordnung beruhte darauf, dass nur in diesen markierten Bannforsten gejagt werden durfte, um das Wild vor der Ausrottung zu bewahren und die Wälder vor der Rodung zu schützen. Darüber hinaus dienten die sogenannten Bannforste aber auch militärisch-politischen Zwecken, indem diese als Militärgrenzen benutzt wurden.12 Da jedoch in der Frühen Neuzeit diese Bannforste aufgehoben wurden, bedeutete das, dass im gesamten Territorium des fürstlichen Landesherren gejagt werden durfte.13 Anzuführend ist dabei aber, dass nur der jeweilige Landfürst in seinem Territorium das Jagdrecht besaß und nicht beliebig über die Territoriums Grenzen hinaus jagen durfte. Dieser Unterschied zum Mittelalter wird aus dem Abschnitt aus Zedlers Universallexikon deutlich, bei dem es heißt, dass jeder Mensch ohne Genehmigung des jeweiligen Fürsten über die Grenzen hinaus jagen durfte. Dabei bezieht sich dieser Textausschnitt auf die Zeit der Römer und des Mittelalters und stellt somit einen einschneidenden Unterschied zu der Frühen Neuzeit dar.14 Die Frühe Neuzeit hat somit zu einigen Veränderungen und Neuerungen, im Gegensatz zum Mittelalter, im Jagdwesen geführt, die zu etlichen Problemen geführt haben, mit denen sich das nächste Kapitel beschäftigt.

Probleme der Jagd in der Frühen Neuzeit

Welche Probleme entstanden in der Frühen Neuzeit mit der Jagd

Der vierte Artikel, der während der deutschen Bauernkriege verfasst wurde, stellt die übertriebene Jagdleidenschaft der Fürsten als großes wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem der Bauern dar. Er beklagt den Entzug des Jagdrechts, den Entzug des Rechts auf Fischfang und er beschreibt die Beschwerden der Bauern über die ausgedehnten Wildschäden. Diesbezüglich steht dieser Artikel stellvertretend als Beschwerde der Bauern über die Jagd, welche in der Frühen Neuzeit betrieben wurde. Darüber hinaus führte diese Jagdleidenschaft zu weiteren Problemen, die nicht explizit in diesem Artikel erwähnt sind, ich aber im Folgenden beschreiben werde. Zu Beginn sind die bereits in der frühneuzeitlichen Quelle beschriebenen Wildschäden zu nennen. Das Wild hat in der Frühen Neuzeit die Samen und die Frucht auf den Feldern gefressen und zertreten, was den Feldertrag der meisten Bauern stark minderte. 15 Dies führte dazu, dass zahlreiche Bauern ohne Ernte dastanden und die Arbeit von Wochen, wenn nicht sogar Monaten um Sonst war. Der Grund für diese Wildschäden war der übermäßige Wildreichtum. "Die Jagdherren sahen es als ihr ureigenes Recht an, diese außerordentlich hohen Wildbestände zu unterhalten, das Wild also zu hegen und für seine Vermehrung zu sorgen."16 Daher mussten viele Bauern über die Nacht ihr eigenes Feld bewachen, um Zerstörung zu vermeiden, was wiederum dazu führte, dass sie am darauf folgenden Tag aufgrund der Übermüdung nur eingeschränkt arbeiten konnten.17

Darüber hinaus mussten aber auch viele Bauern ihre eigene Arbeit niederlegen um ihren Fürsten als Treiber bei der Jagd zu dienen.18 Dies führte ebenfalls dazu, dass viele Bauern keine Zeit aufwenden konnten, um sich um ihre eigenen Felder zu kümmern, wodurch diese keinen akzeptablen Ertrag abwerfen konnten.

Aufgrund der Einteilung des Wildes in Niederwild und Hochwild war es den Bauern untersagt sich an dem Wild ihres Herren zu vergreifen. "Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Jagd nach wie vor fürstliches und aristokratisches Privileg. Die noble Jagd galt als Ausdruck höfischer Lebensart und als standesgemäßer Zeitvertreib der Elite."19 Aufgrund des Bevölkerungswachstums und des damit verbundenen Anspruch von Grundbedürfnissen, machte dieses Privileg den Bauern zu schaffen, da aufgrund der zerstörten Felder die Nahrungsproduktion rückläufig war und die Bauern keine Nahrungsmittel aus der Jagd und des Fischfanges für sich beanspruchen durften.20 Dieses Jagdverbot wurde bei einem Vergehen mit harten Strafen geahndet, was die Bauern in einen Gesetzeskonflikt brachte, da sie sich aufgrund der Nahrungsknappheit des Öfteren an dem Wild ihres Landherren vergriffen.21 "So klagen die Nürnberger Bauern darüber, dass schon geringfügige Vergehen gegen das Wild mit Folterung, Blendung oder Verkrüppelung bestraft werden." 22 Daran wird deutlich, dass die Bauern allein bei kleinen Vergehen eine übertriebene und brutale Strafe zu erwarten hatten. Die sogenannten Jagdkampagnen führten zu weiteren Härten. Eine Jagdkampagne ist vergleichbar mit einer Reise durch das eigene Territorium mit verschiedenen Erholungsstopps an bestimmten Stationen. Meist wurden als solche Stationen Klöster und leistungsstarke Bauernhöfe benutzt. In diesem Zusammenhang machte gerade diesen die Jägeratzung zu schaffen. "Sie bedeutet, dass der Jagdherr, sein Jagdpersonal und die bei der Jagd verwendeten Pferde und Hunde während eines Jagdzuges beherbergt und verköstigt werden mussten."23 Dies bedeutete, dass die Bauernhöfe und Klöster den gesamten Jagd Zug kostenfrei versorgen mussten, was dazu führte das meistens die gesamten Vorräte aufgebraucht wurden und die Einrichtungen deshalb nicht mehr in der Lage waren sich selbst zu versorgen.

[...]


1 s. Abb. 1.

5 Vgl.: Rösener, Werner (2004): Die Geschichte der Jagd: Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit, Düsseldorf, S. 281.

6 Wolter, Harald (1997): Aspekte der höfischen Jagd und ihrer Kritik in Bildungszeugnissen des Hochmittelalters, in: Rösener, Werner (Hg.): Jagd und höfische Kultur im Mittelalter, Göttingen, S. 537.

7 Vgl.: Bieberstein, Johannes Rogalla von (1998): Adelsherrschaft und Adelskultur in Deutschland. 3. überarb. und wesentlich erw. Auflage, Limburg, S. 269-271.

8 Vgl.: ebd. S.274.

9 s. Abb. 2.

11 Vgl.: http://www.planet-wissen.de/sport_freizeit/jagd/geschichte_der_jagd/ (Aufruf am 02.09.13; 15:57 Uhr)

12 Nieß, Walter (1974): Die Forst- und Jagdgeschichte der Grafschaft Ysenburg und Büdingen vom ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit, Büdingen, S. 17.

13 Vgl.: http://www.diegilde-rpg.de/fnz_jagd.php (Aufruf am 02.09.13; 16:00 Uhr)

14 s. Abb. 3.

15 Vgl.: Rösener, Werner (2004): Die Geschichte der Jagd: Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit, Düsseldorf, S. 256.

16 ebd. S. 274-275.

17 Vgl.: ebd. S. 256.

18 Vgl.: ebd. S. 256.

19 Franke, Birgit (2000): Jagd und landesherrliche Domäne. Bilder höfischer Repräsentation in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, in: Martini, Wolfram (Hg.): Die Jagd der Eliten in den Erinnerungskulturen von der Antike bis in die Frühe Neuzeit, Göttingen, S. 189-191.

20 Elze, Reinhard/Konrad Repgen (Hg.) (2003): Studienbuch Geschichte: Eine europäische Weltgeschichte. Band 2, Stuttgart, S. 7.

21 Vgl.: Rösener, Werner (2004): Die Geschichte der Jagd: Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit, Düsseldorf, S. 256.

22 ebd. S. 256.

23 ebd. S. 270.

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668018617
ISBN (Buch)
9783668018624
Dateigröße
7.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303092
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
10 Punkte
Schlagworte
veränderungen jagd frühen neuzeit probleme gegenmaßnahmen bauern

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