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Der Held in "Roman De Cape et d’Épée" und "Les Trois Mousquetaires"

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Held im roman de cape et d’épée
2.1 Der Begriff des Helden
2.2 Der roman de cape et d’épée
2.3 Die Rolle des Helden im roman de cape et d’épée

3. Der Held in les trois mousquetaires
3.1 D’Artagnan
3.1.1 Aussehen
3.1.2 Eigenschaften
3.1.3 Entwicklung
3.2 Athos, Porthos und Aramis
3.3 Konzeption des Helden

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliographie

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird das Thema des Helden in einem roman de cape et d’épée im Hinblick auf Alexandre Dumas les trois mousquetaires behandelt. Hierfür wird zunächst der Begriff des Helden bestimmt und der roman de cape et d’épée als Sonderform des historischen Romans definiert. Des Weiteren wird die Rolle des Helden in dieser Form des Romans vorgestellt, damit anhand der Protagonisten von les trois mousquetaires geprüft werden kann, ob Dumas seine Helden in ähnlicher Weise konzipiert. Neben der Analyse des Auftretens und der kennzeichnenden heroischen Eigenschaften des d’Artagnan, werden seine Herkunft, seine Werte, seine Liebschaften und Freundschaften sowie sein beruflicher Werdegang betrachtet.

Außerdem werden seine Gefährten Athos, Porthos und Aramis kurz vorgestellt und bezüglich der Merkmale eines Helden untersucht.

2. Der Held im roman de cape et d’épée

2.1 Der Begriff des Helden

Im Folgenden wird der Helden-Begriff definiert, der in dieser Arbeit verwendet wird.

«Homme qui, par son courage, sa magnanimité, son génie, accomplit des choses grandes ou périlleuses; se dit particulièrement de ceux qui s’illustrent par leurs exploits guerriers […]»[1]

Gemäß der Definition des Dictionnaire du Grand Siècle ist ein Held jemand, der mithilfe seines Mutes, Großmutes und seines Geistes große und gefährliche Dinge vollbringt. Zusätzlich besitzt er bestimmte Vorzüge und Fähigkeiten, besonders im kriegerischen Bereich.[2] Welche expliziten Fähigkeiten und Tugenden den Helden im roman de cape et d’épée ausmachen, wird unter Punkt 2.3 dargestellt.

Als Synonym für den Helden ist «grand homme»[3] angegeben und der literarische Held ist zudem mit dem Protagonisten gleichzusetzen: «Principal acteur dans une aventure […]»[4]

2.2 Der roman de cape et d’épée

Der roman de cape et d’épée ist eine Form des historischen Romans und weist daher einen historischen Rahmen auf, in den das Geschehen eingebettet ist.[5] Diese Form des Romans spielt meist im 17. oder 18. Jahrhundert in Frankreich, zu einer Zeit, in der der Mantel ein übliches Kleidungsstück war und der Edelmann üblicherweise einen Degen bei sich trug.[6]

Neben dem Helden, der gegen Ungerechtigkeiten kämpft, und der ‚Giftmischerin‘, die Intrigen plant, sind die Liebe, das Abenteuer, das Duell, der Hinterhalt, der Ausritt und die Reise zentrale Motive, die im roman de cape et d’épée vorkommen.[7]

2.3 Die Rolle des Helden im roman de cape et d’épée

Der typische Held im roman de cape et d’épée ist ein hübscher, fröhlicher und humorvoller junger Mann, der viel Mut besitzt und mit einer Gruppe von Freunden, die ihn beschützen, Abenteuer erlebt. Er ist nicht nur uneigennützig und hilfsbereit, sondern auch schlau und gerissen.[8]

Zum Erscheinungsbild des Helden gehört der Degen, mit dem er all seine Gegner besiegt. Des Weiteren erwartet der Leser Tugenden wie Disziplin, Beharrlichkeit und Beherrschung vom Helden des roman de cape et d’épée.[9]

Im Laufe der Geschichte macht der Held eine Entwicklung durch, die ihn reifer werden lässt, und er wird vom Jugendlichen zum Erwachsenen.[10]

Als Vorbild wurden häufig Adelige gewählt, die allerdings weniger bekannt waren; die großen historischen Persönlichkeiten agieren dagegen eher im Hintergrund und treiben die Handlung der Protagonisten voran.[11] Der Held selbst ist kein reicher Mann, bewegt sich aber aufgrund seiner Herkunft in hohen gesellschaftlichen Kreisen und repräsentiert die Werte der Aristokratie, da er im Dienst mächtiger Personen des Königreichs steht.[12]

3. Der Held in les trois mousquetaires

3.1 D’Artagnan

Die fiktive Figur d’Artagnan basiert auf Charles de Batz-Castelmore, der von etwa 1613/1615 bis 1673 lebte und ca. 1635 der Garde der französischen Musketiere beitrat.[13] Im Folgenden werden die Eigenschaften des fiktiven d’Artagnan hinsichtlich der des Helden im roman de cape et d’épée untersucht.

3.1.1 Aussehen

Alexandre Dumas vergleicht seinen Helden d’Artagnan zunächst mit don Quichotte, der ebenfalls auf seinem Pferd sitzend loszieht, um Abenteuer zu erleben. Anstatt einer Rüstung trägt d’Artagnan eine mit Federn geschmückte Baskenmütze, die, in Kombination mit seiner muskulösen Statur, auf seine Herkunft aus der Gascogne hinweist.[14] Außerdem trägt er einen Degen bei sich und wird beschrieben als «trop grand pour un adolescent, trop petit pour un homme fait»[15]. Als er aus seiner Heimat fortgeht, hält sich d’Artagnan, ähnlich wie don Quichotte, bereits für einen Helden. Durch diesen Vergleich wird d’Artagnan von Dumas deutlich abgewertet, da es sich bei don Quichotte um die Parodie eines ritterlichen Helden handelt.[16]

Allerdings ist d’Artagnan in les trois mousquetaires mit ca. 18 Jahren noch deutlich jünger als don Quichotte.[17] Er ist attraktiv und sein Aussehen lässt vermuten, dass er intelligent und raffiniert ist: «Visage long et brun; la pommette des joues saillante, signe d’astuce; […] l’œil ouvert et intelligent; le nez crochu, mais finement déssiné; […]»[18]

3.1.2 Eigenschaften

Neben seinem Auftreten machen auch die Eigenschaften, die ihm von Dumas zugeschrieben werden, deutlich, dass es sich bei d’Artagnan um den Helden handelt. Bereits zu Beginn stellt der junge Mann aus der Gascogne sein Selbstvertrauen unter Beweis, indem er seine Heimat verlässt, um sein Glück in Paris zu suchen.[19] Doch der stolze und temperamentvolle d’Artagnan gerät noch vor seiner Ankunft das erste Mal mit einem Unbekannten aneinander und verliert so sein Empfehlungsschreiben.[20] Durch sein offensives Verhalten schafft er es in kürzester Zeit, von den Musketieren Athos, Porthos und Aramis zu einem Duell herausgefordert zu werden.[21]

Als die Wachen des Kardinals diese Duelle jedoch verhindern, zeigt d’Artagnan seine Beharrlichkeit und kämpft Seite an Seite mit den Musketieren. Obwohl Porthos und die anderen den Jungen nicht als einen von ihnen betrachten und Jussac ihm die Chance gibt, sich zurückzuziehen, bleibt d’Artagnan standhaft und entschlossen:

«-Mais vous n’êtes pas de nôtres, dit Porthos.

-C’est vrai, répondit d’Artagnan; je n’ai pas l’habit, mais j’ai l’âme. Mon cœur est mousquetaire, je le sens bien, monsieur, et cela m’entraîne.

-Écartez-vous, jeune homme, cria Jussac, qui sans doute à ses gestes et à l’expression de son visage avait deviné le dessein de d’Artagnan. Vous pouvez vous retirer, nous y consentons. Sauvez votre peau; allez vite.

D’Artagnan ne bougea point.»[22]

Zudem erweist sich d’Artagnan, der aufgrund seines Alters zunächst von den Musketieren «Mais tous trois pensaient à la jeunesse de d’Artagnan et redoutaient son inexpérience.»[23], und dann von Jussac «Furieux d’être tenu en échec par celui qu’il avait regardé comme un enfant […]»[24] immer wieder unterschätzt wird, als sehr geschickt mit dem Degen.

Die Intelligenz und den Scharfsinn des jungen Mannes erleben seine Gefährten beispielsweise auf ihrer Reise nach England:

«-Mais pourquoi cet homme s’est-il attaqué à Porthos plutôt qu’à tout autre? demanda Aramis.

-Parce que, Porthos parlant plus haut que nous tous, il l’a pris pour le chef, dit d’Artagnan.

-J’ai toujours dit que ce cadet de Gascogne était un puits de sagesse, murmura Athos.»[25]

Auf dieser Reise stellt sich außerdem eine weitere seiner Tugenden heraus. Da d‘Artagnan England als Einziger erreicht und der Königin schließlich rechtzeitig die Diamanten überbringt, beweist er das Durchsetzungsvermögen eines Helden.[26]

Trotzdem funktionieren die Musketiere auch als Einheit, zum Beispiel im Kampf, sehr gut: «-Messieurs, dit Athos, pas de double emploi, je vous prie; visez bien chacun votre homme. […] Les quatre coups de fusil ne firent qu’une détonation, et quatre hommes tombèrent.»[27]

Eine der ersten Tugenden, die der Leser mit einem typischen Helden assoziiert, ist sicherlich der Mut. D’Artagnan lässt keine Zweifel an seiner Tapferkeit, da er sein Leben ohne zu Zögern für die Ehre der Königin[28] oder den Schutz von Mme Bonacieux[29] aufs Spiel setzt.

Diese Hingabe für Frauen kann allerdings auch zur Schwäche des Helden werden, denn auch was Milady betrifft reagiert d’Artagnan sehr naiv und beeinflussbar, sodass er sie beinahe vor dem Tode bewahren will.[30]

Zum Ende des Romans offenbart d’Artagnan überdies die Bescheidenheit eines Helden, denn er möchte zunächst einen der Musketiere dazu bringen, den Schein anzunehmen, der ihn zum Leutnant der Musketiere machen soll.[31]

[...]


[1] Pierre Larousse (Hg.): Grand dictionnaire universel du XIXe siècle. Paris 1873, Artikel: héros.

[2] Vgl. Pierre Larousse (1873) ­̶̶ héros.

[3] Pierre Larousse (1873) ­̶̶ héros.

[4] Pierre Larousse (1873) ­̶̶ héros.

[5] Vgl. Gabrielle Chamarat: „Au fil du texte“, dans: Victor Hugo: Notre Dame de Paris. Édition revue et augmentée par Gabrielle Chamarat. Paris: Pocket ²2013, S.595-641, hier S.XXXIX.

[6] Vgl. http://www.raco.cat/index.php/UllCritic/article/viewFile/207683/285542, (Zugriff : 15.03.15).

[7] Vgl. Alexandre Dumas: Les Trois Mousquetaires. Collection dirigée par Hélène Potelet et Georges Décote. Paris: Hatier 2005, S.33,42,43,74,105.

[8] Vgl. http://www.lemondededartagnan.fr/SITE/FRA/cape_roman.htm, (Zugriff : 15.03.15).

[9] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.85.

[10] Vgl. http://www.lemondededartagnan.fr/SITE/FRA/cape_roman.htm, (Zugriff : 15.03.15).

[11] Vgl. http://www.larousse.fr/encyclopedie/divers/film_roman_de_cape_et_d%C3%A9p%C3%A9e/30490, (Zugriff : 15.03.15).

[12] Vgl. http://www.lemondededartagnan.fr/SITE/FRA/cape_roman.htm, (Zugriff : 15.03.15).

[13] Vgl. Claude Schopp: „Personnages des romans de Dumas“, dans: Alexandre Dumas: Les Mousquetaires. Les Trois Mousquetaires. Vingt ans après. Édition établie par Claude Schopp. Paris: Laffont 1991, S.LXXXIX.

[14] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.11.

[15] Alexandre Dumas (2005), S.11.

[16] Vgl. http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/don_quijote.htm, (Zugriff: 16.03.15).

[17] Vgl. http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/don_quijote.htm, (Zugriff: 16.03.15).

[18] Alexandre Dumas (2005), S.11.

[19] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.11-18.

[20] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.18.

[21] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.25.

[22] Alexandre Dumas (2005), S.26.

[23] Alexandre Dumas (2005), S.27.

[24] Alexandre Dumas (2005), S.28.

[25] Alexandre Dumas (2005), S.39.

[26] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.45.

[27] Alexandre Dumas (2005), S.78-79.

[28] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.39.

[29] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.97.

[30] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.110.

[31] Vgl. Alexandre Dumas (2005), S.120-121.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668016866
ISBN (Buch)
9783668016873
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303221
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
3,0
Schlagworte
held roman cape trois mousquetaires

Autor

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