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Fragebogenentwicklung

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kognitionspsychologische Grundlagen der Befragung

3. Formulierung der Items
3.1.1. Typen von Items
3.1.2. Spezielle Items
3.1.2.1. Demographische Items
3.1.2.2. Kontrollitems
3.1.2.3. Freie Items
3.1.3. Arten von Fragen
3.1.3.1. Offene
3.1.3.2. Geschlossene
3.1.3.3. Halb-offene
3.1.4. Formulierung von Fragen und Antworten

4. Skalen

5. Aufbau des Fragebogens

6. Filter

7. Layout

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Ausarbeitung werde ich die Entwicklung eines Fragebogens als ein Instrument einer sozialwissenschaftlich-empirischen Methode – der Befragung – darlegen. Dabei geht es sowohl um die inhaltliche wie auch um die formelle Ausgestaltung, die bei der Entwicklung des Fragebogens aufs Engste miteinander verknüpft sind.

Vor der Entwicklung eines Fragebogens müssen zunächst unterschiedliche andere vorbereitende Schritte durchlaufen werden. So steht ganz am Beginn des Prozesses – wie bei anderen Forschungsvorhaben auch – die Definition des Forschungsziel. Was soll die Befragung überhaupt bezwecken? Wo liegt das Erkenntnisinteresse. Danach sollte der in der wissenschaftlichen Literatur vorhanden Forschungsstand ermittelt werden, um zu der Formulierung von Hypothesen zu kommen. Da die meisten Hypothesen „komplexe wissenschaftliche Konstrukte“[1] darstellen, d.h. aus nicht real messbaren Dingen bestehen, müssen die Hypothesen operationalisiert werden. Nach diesen vorbereitenden Maßnahmen – die hier nur in aller Kürze aufgezählt wurden – kann mit der Planung des eigentlichen Erhebungsinstrument begonnen werden.

2. Kognitionspsychologische Grundlagen der Befragung

Die Befragten müssen bestimmte Aufgaben innerhalb einer Befragung lösen. Sie müssen:

1.) die gestellte Frage verstehen
2.) relevante Informationen aus dem Gedächtnis abrufen
a) bei Einstellungsfragen: eine bereits gebildete Meinung aus der Erinnerung abrufen oder relevante Informationen abrufen, die es erlauben, ein Urteil zum Befragungsgegenstand zu bilden
b) bei Verhaltensfragen: relevante Ereignisse erinnern, sie gegebenenfalls zu datieren, eventuell die Zahl der relevanten Ereignisse bestimmen oder sie zu schätzen
3.) auf der Basis dieser Informationen ein Urteil bilden
4.) dieses Urteil gegebenenfalls in ein Antwortformat einpassen
5.) gegebenenfalls ihr „privates“ Urteil vor der Weitergabe an den Interviewer „editieren“[2]

Diese Suche nach der richtigen Information folgt bestimmten Regeln. So ‚suchen’ Menschen nur so lange in ihrem Gedächtnis, bis sie meinen genug Informationen zu haben, um sich ein Urteil bilden zu können. Dabei beruht dieses Urteil zumeist auf den Informationen die dem Befragten zuerst ins Gedächtnis kommen. Dabei können Informationen chronisch oder situativ verfügbar sein. „Chronisch bedeutet, die Information ist im Gedächtnis leicht verfügbar […]; situativ bedeutet, die Information kommt nur unter bestimmten Bedingungen in Erinnerung.“ Dies sollte bei der Anordnung der Items berücksichtigt werden.

Weiterhin glaube die Befragten, dass – trotz der speziellen Situation des Interviews – die Grundregeln der kooperativen Kommunikation[3] gelten, nach der, der Forscher alles tue, „um informativ, der Wahrheit folgend, bedeutungsvoll und zielgerichtet sowie eindeutig, oder besser: unzweideutig zu sein.“[4] Dies ist vor allem bedeutsam bei der Verwendung von Antwortskalen. Befragte gehen in der Regel davon aus, dass Skalen sinnhaft konstruiert worden sind. Es werden gleich mehrere Informationen aus der Skala gezogen: so wird der Wertebereich zum einen als Bezugsrahmen für eigene Antworten genutzt; zum anderen werden aus der eigenen Platzierung Informationen über die relative Häufigkeiten ihres Verhalten verglichen zu dem Verhalten anderer entnommen; und schließlich werden Skalen bei nicht eindeutigen Formulierungen als Interpretationshilfe herangezogen.

3. Formulierung der Items

Items sind die einzelnen Aufgaben bzw. Einheiten in einem Test; sie bestehen demnach aus Fragen und zulässigen Antwortmöglichkeiten. Dies bedeutet, dass nur zulässige Antworten (auch bei frei formulierten Antworten muss vorher definiert werden, welche Antwortkategorien bei der Auswertung möglich sind) registriert werden, alle anderen Antworten werden als „irrelevant“[5] betrachtet und nicht bearbeitet.

Typen von Items

Borg unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Funktionstypen von Items:

1.) Messfunktion: Items sollen quasi eine „wissenschaftliche“ Messung von Meinungen, Einstellungen und Gefühlen erlauben. Dafür muss die Messung reliabel und valide sein. Dieses Konzept entstammt der klassischen Testtheorie und soll für genaue und stabile Messungen sorgen. Dabei fragt die Reliabilität nach der Intersubjektivität, also der Zuverlässigkeit von Messungen. Der Begriff der Validität oder der Gültigkeit fragt dementgegen „ob ein Messinstrument tatsächlich misst, was es zu messen vorgibt.“[6] Hier stellt sich also die Frage nach der Angemessenheit der Messungsmethode.

Für sozialwissenschaftlichen Umfragen stellt dies die wichtigste Funktion dar; Borg unterscheidet allerdings für Mitarbeiterbefragungen (MAB’s) noch zwei weitere Funktionen.

2.) Transportfunktion: Items dieser Art sollen helfen, bestimmte Themen im Unternehmen zu ‚platzieren’, um eine Diskussion über diese Tatbestände anzuregen. Vormals bezeichnete Borg diese Items als ‚trojanische Pferde’. „Das beschreibt die Absicht dieser Items, eignet sich aber wenig für den praktischen Sprachgebrauch, weil damit fälschlicherweise nahegelegt wird, dass hier jemand hintergangen […] werden soll.“[7]

3.) Aktionsfunktion: Diese Items sollen – durch ihrer Ergebnisse – eine stärkere Einbindung der Mitarbeiter in Folgeprozesse des MAB’s ermöglichen. Vornehmlich wird hier ein Dialog angestrebt, der zur Entwicklung von produktivitätssteigernde Maßnahmen führen soll.

[...]


[1] In der Smitten, Susanne: Einführung in die empirische Sozialforschung – Grundbegriffe und Methoden. Münster 2003

[2] Porst, Rolf: Im Vorfeld der Befragung: Planung, Fragebogenentwicklung, Pretesting. Mannheim 1998, S.22

[3] Grundregeln der (kooperativen) Kommunikation (nach H.P. Grice):

Maxim of Quantity: Make your contribution as informative as is required, but not more informative than is required.

Maxim of Quality: Try to make your contribution one that is true. That is, do not say anything you believe to be false or lack adequate evidence for.

Maxim of Relation: Make your contribution relevant to the aims of the ongoing conversation.

Maxim of Manner: Be clear. Try to avoid obscurity, ambiguity, wordiness, and disorderliness in your use of language.

[4] Porst, Rolf: Im Vorfeld der Befragung: Planung, Fragebogenentwicklung, Pretesting. Mannheim 1998, S. 22

[5] Borg, Ingwer: Führungsinstrument Mitarbeiterbefragung, Göttingen 2000, S. 83

[6] Porst, Rolf: Praxis der Umfrageforschung. Stuttgart [u.a.] 2000, S. 46

[7] Borg, Ingwer: Führungsinstrument Mitarbeiterbefragung, Göttingen 2000, S. 92

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638316231
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30342
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Instiut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Fragebogenentwicklung Sekundäranalysen Bevölkerungsumfragen

Autor

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Titel: Fragebogenentwicklung