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Mystische Atmosphäre in "Masashi Action Machine". Analyse einer Aufführung des japanischen Tanztheaters

Essay 2015 5 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Szenenanalyse
Szene I
Szene II
Szene III
Szene IV

Schluss

Einleitung

Die vorliegende Analyse bezieht sich auf die Aufführung Masashi Action Machine, welche in mehrere voneinander unabhängige Akte gegliedert gewesen ist. Sie fand am 28. Januar 2015 um 19:30 Uhr im Stadttheater Amberg statt. Dieses japanische Tanztheater baut auf den Grundsatz „Western style and Japanese soul“ auf, der fernöstliche Tanzkultur und westliche Jazzdance-Elemente in beeindruckender Art und Weise vereint. Besonders die Begriffe Akrobatik, Humor, Kreativität und Poetik lassen sich mit ihm verbinden. Für die Choreografie sind Masashi Mishiro und Kumiko Sakamoto verantwortlich gewesen, die zugleich (seit 1990) Gründer dieses außergewöhnlichen Ensembles sind.[1] Da die Aufführungsanalyse auf wenige Seiten limitiert ist, wird nur auf einen der Akte eingegangen, denn er weist eine besondere mystische, fantasievolle und wandelfreudige Atmosphäre auf. Darum soll geklärt werden, mit welchen Mitteln dies erzeugt wurde. Der Begriff der Atmosphäre lässt sich hierbei im Groben wie folgt definieren: Die Wahrnehmung einer emotionalen Beeinflussung durch die vorherrschende Stimmung der unmittelbaren Umwelt (z. B. Klänge, Farben, Lichtstärke, Bewegungen, Mimik, Tempo). Dadurch können Gefühle wie Glück, aber auch Melancholie, Verärgerung oder Angst hervorgerufen werden. In unserem Fall geschieht dies beim Rezipienten, wenn er die Theateraufführung besucht und daran teilnimmt, indem er mit seiner Wahrnehmung in die ihm dargebotene Atmosphäre im übertragenen Sinne eintaucht.[2]

Im Folgenden wird also die Atmosphäre des ersten Akts der Aufführung Szene für Szene beleuchtet – insgesamt sind es vier Stück. Der erste Akt ist nämlich bezüglich des zu analysierenden Aspekts meiner Meinung nach am interessantesten gewesen. Mittels ausgefeilten, pantomimischen Tanzbewegungen wurde hier eine kurze, jedoch komplexe Geschichte erzählt, die man als Zuschauer so zu Beginn der Aufführung nicht erwartet hätte – vor allen Dingen nicht ich, weil es meine erste Erfahrung in Sachen Tanztheater gewesen ist.

Szenenanalyse

Szene I

In der ersten Szene herrscht weitestgehend eine äußerst positive, freundliche und glückselige Atmosphäre vor, denn trotz des zum Zeitpunkt der Aufführung vorherrschenden Winters, wird hier sofort das Gefühl eines warmen Frühlingsanfangs kreiert. Dies wird zum einen durch das schlichte, jedoch helle Bühnenbild hervorgebracht, das lediglich aus einem violetten Hintergrund besteht, welcher mit einem rosafarbenen Kirschblütenmuster ausgestaltet ist – das Erblühen der Kirschblütenbäume markiert in Japan für gewöhnlich den Anfang des Frühlings. Zum anderen tragen die sechs ausschließlich weiblichen, lächelnd dreinschauenden Akteure Kimonos in den Farben Blau und Rosa, während sie zunächst mindestens eine Minute lang stillstehend auf der Bühne verteil rot-gelbe Regenschirme drehen, sodass bei konzentrierter Betrachtung ein hypnotisierender Effekt beim Zuschauer entsteht. Anschließend beginnt die Hälfte der Mädchen, die friedliche Hintergrundmusik mit langsamen Tanzelementen zu untermalen, wobei diese keine akrobatischen Elemente enthalten, sondern eher Harmonie statt Hektik vermittelt sollen, was die aktuelle Atmosphäre noch weiter unterstützt.

Allerdings wandelt sich die Atmosphäre zum Ende der Szene hin total, als das bunte Bühnenbild schlagartig verschwindet, das Licht gedämpft wird und die vorher eher ruhige Musik in eine hektische umschwenkt. Es tritt ein neuer Akteur auf den Plan, der zugleich mehr oder weniger die Rolle des Protagonisten innehat: ein Mann mit Zopf und schwarz-roter Kleidung. Dieser tötet in einem schockierenden Akt der Brutalität ein Mädchen nach dem anderen mit seinem Schwert, bevor sich die Szene schließlich auflöst.

Szene II

Die zweite Szene ist von der Atmosphäre her weder freundlich, noch brutal, sondern eher rätselhaft, denn sie beginnt mit einer langsamen Violinenmusik. Mittels spinnenartigen Bewegungen (also auf allen Vieren) schleicht der Protagonist förmlich über den Boden der Bühne. Schlussendlich erhebt er sich irgendwann, um ein imaginäres Netz zu spinnen, bei dem er sich viel Zeit lässt. Als er sein Werk vollendet hat, sucht er fieberhaft etwas auf dem Boden, der offenbar aus Sand zu bestehen scheint – den man sich allerdings natürlich im Geiste dazu denken muss. Diesen Sand lässt er minutenlang immer wieder durch seine Hände gleiten, ohne jedoch zu einem Fund zu kommen, was nur noch mehr Rätsel aufwirft.

[...]


[1] Vgl. Stadttheater Amberg: Masashi Action Machine, http://www.stadttheater-amberg.de/index.php?id=1510 [abgerufen am: 06.03.2015].

[2] Vgl. Shouten, Sabrina: Sinnliches Spüren: Wahrnehmung und Erzeugung von Atmosphären im Theater, Berlin 2007, S. 11 f.

Details

Seiten
5
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668020467
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303531
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Theaterwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
mystische atmosphäre masashi action machine analyse aufführung tanztheaters

Autor

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Titel: Mystische Atmosphäre in "Masashi Action Machine". Analyse  einer Aufführung des japanischen Tanztheaters