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Rechtsextremismus. Welche Ursachen und Lösungen gibt es?

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffbestimmung
2.1 Rechtsextremismus als Phanomen
2.2 Abgrenzung zu anderen Phanomenen

3. Ursachen
3.1 Individualisierungstheorie
3.2 Der „Autoritare Charakter“

4. Lösungsstrategien
4.1 Ebene der Padagogik und der Bildung
4.2 Ebene der Medien

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auch wenn die Epoche des Nationalsozialismus zu Ende ist, zeichnet sich in der heutigen Gesellschaft Rechtsextremismus ab, der sich unter anderem an Wahlergebnissen oder Gewaltvorfallen in der Gesellschaft widerspiegelt. Ebenso haben empirische Studien ein enormes Ausmaß von fremdenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Orientierungen nachgewiesen, wobei die Ergebnisse der Einstellungspotentiale in der Bundesrepublik bis zu 40 Prozent reichen. Das Thema „Rechtsextremismus“ ist also höchst aktuell und brisant.

Diese Arbeit beschaftigt sich mit Ursachen und Lösungsstrategien des Rechtsextremismus. Es wird zunachst eine Begriffsbestimmung dargeboten, um dann den Rechtsextremismus als Phanomen zu beleuchten. Anschließend wird dieser von anderen Phanomenen, die unter den selben Begriff fallen und synonym verwendet werden, abgegrenzt.

Das darauffolgende Kapitel behandelt die Ursachen von Rechtsextremismus. Aufgrund des geringen Umfangs dieser Arbeit werden lediglich zwei mögliche Gründe für die Entstehung erlautert. So wird eine in der Ursachenforschung prominente Theorie zur Erklarung von rechtsextremen Einstellungen, die Individualisierungstheorie nach Heitmeyer, beschrieben. Daraufhin wird der „Autoritare Charakter“, welcher von Erich Fromm konzipiert wurde, vorgestellt, womit der zweite mögliche Auslöser vorgestellt wird.

Der dritte Teil der Arbeit widmet sich Lösungsstrategien und Maßnahmen gegen Rechtsextremismus. Auch hier werden wieder zwei Konzepte vorgestellt, wobei das Erste die Ebene der Padagogik und der Bildung darstellt. Hier werden Praventionsmaßnahmen bei Kindern in Form von frühkindlicher Förderung in den Fokus genommen. Das zweite Konzept beschaftigt sich mit der Ebene der Medien, wobei die Möglichkeiten der Massenmedien und deren Rolle bei der Bekampfung von Rechtsextremismus betrachtet werden.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Rechtsextremismus als Phanomen

Allgemein lasst sich sagen, dass unter dem Begriff des Rechtsextremismus Personen, Organisationen und Bestrebungen verstanden werden, welche versuchen die demokratischen Grundrechte einzuschranken oder gar abzuschaffen. Dies geschieht meist durch Gewaltandrohung oder -anwendung gegen sozial Benachteiligte oder Minderheiten, die sich „aufgrund phanotypischer Merkmale wie Hautfarbe, Körperbau und Haarbeschaffenheit, der Herkunft, weltanschaulichen, religiösen, oder auch sexuelle Orientierung nach [unterscheiden]“1. Ziel des Rechtsextremismus ist es also die von der Norm abweichenden Personengruppen „auszugrenzen, auszuweisen oder im Extremfall auszurotten“2. Rechtsextremismus steht für eine Ideologie, die andere Phanomene menschenfeindlicher Einstellungen miteinbezieht. Darunter fallen unter anderem Antisemitismus, (extreme) Formen von Nationalismus bzw. die Verherrlichung der nationalsozialistischen Vergangenheit und Autoritarismus3. Auf eine genauere Abgrenzung wird im spateren Verlauf dieser Arbeit noch eingegangen.

Um Rechtsextremismus als Phanomen besser verstehen und nachvollziehen zu können, ist es sinnvoll zwischen Verhalten und Einstellungen zu unterscheiden4. Dies ermöglicht das Betrachten dieser beiden Aspekte auf individueller Ebene, da aus rechtsextremistischen Einstellungen durch eine konkrete Handlung rechtsextremes Verhalten entstehen kann. Aus latentem Rechtsextremismus kann also manifester Rechtsextremismus resultieren5. Es ist allerdings wichtig zu erwahnen, dass nicht jeder rechtsextrem eingestellte Mensch seine Weltsicht und die damit verbundene Meinung auslebt bzw. in die Tat umsetzt. Falls dies jedoch geschieht, wird zwischen systemkonformen und systemfeindlichem Verhalten unterschieden. Unter ersterem wird beispielsweise „die Wahl einer rechtsextremistischen Partei, die Teilnahme an (legalen) politischen Aktionen, die Mitarbeit oder Mitgliedschaft in einer (nicht verbotenen) rechtsextremistischen Organisation verstanden“6. Bei dieser Betrachtungsweise muss allerdings beachtet werden, dass sich der Rechtsextremismus trotzdem gegen das demokratische System richtet und sich die Rechtsextremisten lediglich aufgrund der damit einhergehenden Sanktionen des Staates rechtens verhalten. Systemfeindlich waren Gewalt, Terror, die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole oder die Leugnung des Holocausts7.

Weiterhin kann man die Verhaltensweisen in zielgerichtetes politisches Verhalten und Protestverhalten unterscheiden8. Das zielgerichtete politische Verhalten verfolgt die Abschaffung des demokratisch-pluralistischem Systems und ist bestrebt politische Macht im Staat zu erlangen, um einen völkischen Nationalstaat zu errichten. Das Interesse an Macht und die damit verbundenen Ziele werden als Ideologie dargestellt, wobei diese als Rechtfertigung dieser Machtinteressen dargestellt werden9. Das Protestverhalten hingegen beschreibt keine langfristigen politischen Motive, sondern dient als Mittel die eigene Unzufriedenheit und Hilflosigkeit auszudrücken. Der auf einem ungeordneten, unechtem rechtsextremistischen Weltbild basierender Protest zeigt sich durch das Ausleben von Aggression und Provokation der Umwelt. Dies geschieht durch einzelne Personen oder kleinen Gruppen, welche auf sozial unerwünschte Weise, wie beispielsweise dem Zeigen provokanter Symbole oder Vandalismus, handeln. Die rechtsextremistische Kultur bzw. Szene bewegt sich durch die sich untereinander verbindenden Normen, Werte und Stile zwischen dem zielgerichteten politischem Verhalten und dem Protestverhalten10.

Bevor es allerdings zu rechtsextremen Verhalten kommt, muss eine rechtsextreme Einstellung vorangehen. Hierunter fallen Rassismus und Antisemitismus, Nationalismus, Autoritarismus, Sozialdarwinismus sowie die Verharmlosung, Leugnung oder Legitimierung der Shoah11. Genauere Ursachen hierfür werden im Verlauf dieser Arbeit behandelt. Laut wissenschaftlicher Definition lasst sich die rechtsextreme Einstellung bzw. das rechtsextreme Denken in sechs Dimensionen einteilen: die Befürwortung einer rechtsautoritaren Diktatur, Chauvinismus, Auslanderfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und die Verharmlosung des Nationalsozialismus. Personen, auf die alle sechs Dimensionen zutreffen, leben ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, welches je nach Studie auf 8 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung zutrifft. Diese Zahl ist aufgrund von fehlenden Normen bei der Messung von rechtsextremistischen Einstellungen sehr ungenau12. Wichtiger als die Frage nach dem Anteil der Personen mit geschlossenem rechtsextremen Weltbild ist die Tatsache, dass einzelne Dimensionen dessen in großen Bevölkerungsteilen akzeptiert werden. Hierfür ist beispielsweise die Auslanderfeindlich-keit mit 26,7 Prozent nennenswert13.

Es könnte der Eindruck erweckt werden, dass Rechtsextremismus lediglich ein Problem des Gesellschaftsrandes ist14. Dies ist jedoch nicht der Fall, sondern Rechtsextremismus reicht bis in die Gesellschaftsmitte und ist in allen Bevölkerungsgruppen, Bundeslandern und Generationen zu finden. Jedoch ist die Anfalligkeit für rechtsextremistische Einstellungen in Ostdeutschland anderthalbmal so hoch, wie in Westdeutschland. Des weiteren sind Frauen genauso anfallig, wie Manner und die altere Generation besitzt ein höheres Potential rechtsextreme Einstellungen aufzuweisen als die Jüngere15. Rechtsextremisten bemühen sich also Anschluss in der Mitte der Gesellschaft zu finden, wobei sie bundesweit und sogar international agieren. Dazu gibt es verschiedene Organisationsformen wie Parteien, Freie Kameradschaften, kriminelle Banden, Musikgruppen, Unternehmen und einzelne Aktivisten. Aus diesem Grund sollte man bei der Rede von Rechtsextremismus auch von einer sozialen Bewegung sprechen. Sozial meint hierbei jedoch lediglich die soziologische Klassifizierung und keineswegs das Eintreten für Rechte von Minderheiten16.

Allgemein lasst sich festhalten, dass es sich beim heutigen Rechtsextremismus hauptsachlich um ein Phanomen der Unterschicht handelt. Des weiteren sind vor allem Arbeitslose, Arbeiter, Rentner und Personen in prekaren Lebenslagen zu beachten, die besonders oft rechtsextremistisches Denken vorweisen17.

2.2 Abgrenzung zu anderen Phanomenen

Da es für den Begriff Rechtsextremismus „keine allgemein anerkannte Definition und schon gar keine Theorie des Rechtsextremismus“18 gibt, ist der Begriff unklar. Generell lasst sich allerdings sagen, dass alle Bestrebungen als extrem gelten, „die gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Gerichtes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintrachtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben“19. Merkmale der rechtsextremistischen Ansicht sind Nationalismus, Rassismus, ein autoritares Selbstverstandnis sowie die Ideologie der Volksgemeinschaft. Grund für die Bevorzugung dieses Begriffes ist also die Gemeinsamkeit, die alle Bestrebungen vereinen. Trotz dieses Definitionsversuches bleiben Unklarheiten bestehen und er liefert lediglich eine Orientierungshilfe20. Dennoch ist stets die Rede von einem politischen Phanomen und einer Ideologie, die sich unter anderem durch Extremismus, Faschismus, Totalitarismus oder Neofaschismus kennzeichnet. „Bei dem so definierten Begriff von Rechtsextremismus handelt es sich um die gedankliche und ideelle Konstruktion, die verschiedene Elemente (Ethnozentrismus usw.)

[...]


1. Butterwegge 1996, S. 27.

2. vgl. ders., S. 27.

3. vgl. Koopmans 2000, S. 9.

4. vgl. Molthagen 2006, S. 26.

5. vgl. Stöss 2007, S. 153.

6. Stöss 2007, S. 153.

7. vgl. ders., S. 154.

8. vgl. Stöss 2007, S. 155ff.

9. vgl. ders., S. 30.

10. vgl. ders., S. 174f.

11. vgl. ders., S. 61

12. Stöss 2005, S. 61 ff.

13. vgl. Decker, Brahler, S. 43.

14. vgl. Klönne, S.286.

15. vgl. Decker, Brahler, S. 47.

16. vgl. Gensing, S. 63.

17. vgl. Stöss 2007, S.60ff.

18. Stöss 2007, S. 14.

19. ders., S. 17.

20. vgl. Heiland, Lüdemann, S. 10f.

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668020979
ISBN (Buch)
9783668020986
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303774
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
vorurteile menschenfeindlichkeit rassismus antisemitismus ursachen lösungen individualtheorie phänomen autoritärer Charakter pädagogik bildung medien

Autor

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Titel: Rechtsextremismus. Welche Ursachen und Lösungen gibt es?