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Analyse der Chancen und Risiken von Cat-Bonds

von Richard Heinke (Autor)

Seminararbeit 2015 24 Seiten

Ratgeber - Recht, Beruf, Finanzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Merkmale und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Cat-Bonds
2.1 Marktentwicklung und Marktteilnehmer
2.2 Emissionswege
2.3 Arten der Zins-und Tilgungszahlung
2.4 Trigger-Mechanismen

3 Chancen und Risiken von Cat-Bonds
3.1 Einkommensschwache Länder
3.2 Emittenten
3.3 Investorensicht

4 Fazit

Internetverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits seit den 1950er Jahren ist eine unumstrittene Klimaerwärmung beobachtbar. Ihre

Ausprägung zeigt sich in dem Rückgang der Eisschilde in Grönland und der Antarktis, dem damit einhergehenden Anstieg des Meeresspiegels, sowie in der Erwärmung der Atmosphäre und der Zunahme der Treibhausgase.1

Neben den allgemeinen Ausprägungen lassen sich immer häufiger auftretenden Na- turkatastrophen, wie das Seebeben der Stärke 9,1 im Jahr 2004 in Indonesien (rund 220.000 Tote), die Erdbeben in Kaschmir (2005: 73.300 Tote), Sichuan (2008: 87.550 Tote), Haiti (2010: 300.000 Tote), Sendai (2011: 28.000 Tote) oder Neapel (2015: 7.500 Tote) erkennen.2 Diese fordern nicht nur immer wieder zahlreiche Menschenleben, sondern sorgen in den Ort- schaften für Verwüstung und erschwerte Lebensbedingungen, wie Beispielsweise der Hurri- kan Katrina, der 2005 einen wirtschaftlichen Schaden von 125 Mrd. USD verursachte.3 Gerade für einkommensschwächere Länder stellt die wachsende Zahl an Naturkata-strophen eine außerordentliche Belastung dar, weshalb der Umgang mit ihnen an Bedeutung gewinnt.4 Neben den Möglichkeiten in Früherkennungs- und Absicherungsmaßnahmen zu investieren, besteht des Weiteren die Notwendigkeit, die Kosten für die Schadenbeseitigung abzusichern. Die bis dato genutzte Lösung der klassischen Rückversicherung erfuhr in den 90er Jahren, aufgrund einer Häufung von Großschadenereignissen eine enorme Verknappung ihrer Rückversicherungskapazität. Das war der Auslöser für die Suche nach weiteren Mög-lichkeiten, die Absicherungskapazitäten zu erweitern.

Eine Antwort, die immer noch bestand hat, stellte die Verbriefung von Naturkatastro- phen in sogenannte Katastrophenanleihen (engl. Catastrophe-Bonds; kurz: Cat-Bonds) dar. Durch diese Variante konnten versicherungstechnische Risiken erstmals an die Kapitalmärkte transferiert werden und dessen Finanzkapazitäten somit zusätzlich genutzt werden.5

Im Folgenden sollen die Funktionsweisen und Gestaltungsmöglichkeiten der CatBonds, sowie dessen Markt analysiert werden, um daraus die Chancen und Risiken für einkommensschwache Länder und weitere Marktteilnehmer abzuleiten. Das abschließende Fazit soll die Ergebnisse auswerten und einen Ausblick für den Cat-Bond-Markt geben.

2 Merkmale und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Cat-Bonds

Das Folgende Kapitel 2 dient zur genauen Erforschung der Merkmale und Ausgestaltungs- möglichkeiten von Cat-Bonds, um anhand dieser im Kapitel 3 die Chancen und Risiken des Instrumentes für einkommensschwache Länder und die weiteren Marktteilnehmer abzuleiten.

Dafür empfiehlt es sich im Abschnitt 2.1 den Markt der Cat-Bonds zu untersuchen, um die Interessenten dieses Instrumentes heraus zu kristallisieren und im Fazit einen Aus- blick geben zu können. Folgend befasst sich das Kapitel 2.2 mit den Emissionswegen und die letzten beiden Unterkapitel mit den Arten der Zins- und Tilgungszahlung, sowie mit den einzelnen Trigger-Mechanismen.

2.1 Marktentwicklung und Marktteilnehmer

Die Entwicklung des Cat-Bond-Marktes hatte ihren Ursprung in den Jahren 1992-1994 mit der Zulassung des Terminhandels für Katastrophenrisiken an der US-Terminbörse und mit dem Beginn der „Hard-Market-Phase“, die nach dem Auftreten des Hurrikans Andrew begann.6 Diese Phase begünstigte durch die angespannte Lage des Versicherungsmarktes, die sich aus einer Häufung von Großschadenereignissen in einem geringen Angebot und hohen Marktpreisen wiederspiegelte, zusätzlich die Verbreitung der Cat-Bonds.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der Katastrophenereignisse gemessen in Mrd. USD in dem Zeitraum von 1970-2013. Quelle: Swiss Re (Hrsg.) (2014), S. 7.

Die in Abbildung 1 erkennbare Häufung von Katastrophenschäden in dem Zusammenhang mit den zurückgehenden Rückversicherungskapazitäten sorgte dafür, dass im Dezember 1996 der erste Cat-Bond für 68,5 Mio. USD emittiert wurde und im Jahr 1997 weitere 948,2 Mio. USD folgten.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Übersicht des jährlich emittierten Risikokapitals im Vergleich zum ausstehenden Risikokapital von Cat-Bonds in den Jahren 1997-2014.

Quelle: Guy Carpenter (Hrsg.) (2014), S. 2.

Auch die Katastrophenschäden der Folgejahre, wie der Hurrikan Katrina im Jahr 2005, sorgten für den vermehrten Gebrauch von Cat-Bonds bzw. für den ersten Höhepunkt im Jahr 2007 als 7,19 Mrd. USD emittiert wurden. Ein deutlicher Einbruch des Cat-Bond-Marktes gab es, ausgelöst von der Finanzkrise, im Jahr 2008. In den Folgejahren erholte sich der Markt aber ersichtlich, sodass im Jahr 2014 ein weiterer Höchstwert von 8,03 Mrd. USD an emittierten Risikokapital erreicht wurde.

Der bedeutendste Markt für Cat-Bond-Transaktionen ist der US-Markt. Die Aufteilung der emittierten 8,03 Mrd. USD im Jahr 2014 erfolgte mit 79% zugunsten der Cat-Bond- Arten US-Wind und US-Erdbeben.9 Gefolgt werden diese durch Japanese Perils (10%), Health und Other NatCat (jeweils 5%) und Europe Wind (1%).10

Aufgrund des Jahr für Jahr wachsenden neu emittierten und ausstehenden Risikokapitals, erwartet das Unternehmen Guy Carpenter & Company LLC allerdings eine beginnende Marktsättigung.11

Aufgrund des untersuchten Marktes von Cat-Bonds und dessen elementaren Sinn - dem Transfer von versicherungstechnischen Risiken auf den Kapitalmarkt, lassen sich im Folgenden die Marktteilnehmer klassifizieren.

Als Herausgeber von Cat-Bonds können alle Institutionen auftreten, die Träger von versicherungstechnischem Risiko sind und dieses an den Kapitalmarkt abgeben wollen.12 In der Praxis sind dies zu großen Teilen Erst-bzw. Rückversicherern, gefolgt von Banken und Unternehmen. Das auch Staaten, wie in der Einleitung angedeutet, das Interesse besitzen, sich mittels Cat-Bonds vor Naturkatastrophen und den damit verbundenen Kosten zur Wie- derherstellung der Infrastruktur zu schützen, bewies Mexiko im Jahr 2009 mit der Emission eines 290 Mio. USD Cat-Bonds zur Absicherung von Hurrikans und Erdbeben.13 Von den 29 emittierten Cat-Bonds im Jahr 2014 bestanden die Zedenten zu 83 Prozent Erstversicherungen (24mal) und zu 17 Prozent Rückversicherungen (5mal).14

Auf der Seite der Erwerber befinden sich alle Institutionen, die mittels des Kapital- marktes einen finanziellen Gewinn erzielen möchten. In der Praxis sind dies Fondgesellschaften, private Investoren, Money Managern, Banken, Rück- und Erstversicherungen.15 Auf die Motive der einzelnen Marktteilnehmer wird vertieft im Kapitel 3 im Zuge der Chancen und Risiken von Cat-Bonds eingegangen.

2.2 Emissionswege

Die Emission von Cat-Bonds kann direkt, wie auch indirekt erfolgen. Bei der direkten Emis- sion von Cat-Bonds tritt der Risikoträger bspw. der Erstversicherer als Emittent auf und plat- ziert seine Anleihe direkt am Kapitalmarkt.16 Dies hat für den Risikoträger allerdings den Nachteil, dass seine Katastrophenanleihe, aufgrund des vorhandenen Insolvenzrisikos und dem damit einhergehenden Ausfallrisikos für die Investoren, von den Rating-Agenturen schlechter bewertet wird, als bei der indirekten Emission.17 Dies hat entscheidenden Einfluss auf den zu zahlenden Zins und auf die Refinanzierungskosten des Emittenten, da Anleihen in der Bilanz als Fremdkapital auftreten und zur Verschlechterung der Eigenkapitalquote führen (gilt nur solange CAT-Bonds nicht in Form von Genussrechten ausgegeben werden).18

Deshalb nutzen die Risikoträger hauptsächlich die indirekte Emission, bei der eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, kurz: SPV) gegründet wird.19 Diese ist nach entsprechender Prämienzahlung bereit, das Risiko zu verbriefen und die Anleihe am Kapi- talmarkt zu platzieren. Durch die Veräußerung von Schuldverschreibungen generiert das SPV eine Rückversicherungsmarge, die bei Eintritt des definierten Schadenereignisses an den Si- cherungsnehmer (sog. Sponsor) ausgezahlt wird.20 Die Anlagen der Investoren und die Ver- sicherungsprämie übergibt das SPV an eine Treuhandgesellschaft, die dieses in Kapitalanla- gen mit hoher Bonität und kurzer Laufzeit anlegt.21 Des Weiteren ist das SPV ebenfalls ein eigenständiges Unternehmen und seine Tätigkeit nur auf das Ausführen einer bzw. weniger Transaktionen beschränkt.22 Somit steht das Risikokapital jederzeit kurzfristig zur Verfügung und das Insolvenzrisiko des SPV bzw. das Insolvenzrisiko des Sponsors in Verbindung mit dem Ausfallrisiko des Anlegers ist sehr gering. Als weiteren Sicherheitsmechanismus besteht bei der indirekten Emission die Möglichkeit eines SWAP-Geschäftes, um sich ebenfalls ge- gen Zinsschwankungen (Zins-SWAP) oder dem Ausfall-und Verlustrisiko des Wertpapieres (Total Return Swap) abzusichern.23

Sollte das vorher definierte Schadenereignis innerhalb der Laufzeit eintreten, reduzieren sich die Zins- und Rückzahlungsansprüche der Anleger je nach Ausgestaltung unterschiedlich stark, maximal aber auf 0. In diesem Fall übernimmt die SPV die Entschädigungszahlung an den Sponsor. Tritt das vorher definierte Schadenereignis jedoch nicht ein bzw. nach Ende der Laufzeit erhalten die Anleger Ihr eingesetztes Kapital zuzüglich Verzinsung (orientiert sich am LIBOR) zurück.24 Insgesamt würden im Jahr 2014 alle 29 emittierten CatBonds durch eine solche Zweckgemeinschaften emittiert, sodass davon auszugehen ist, dass diese die direkte Emission nahezu vollkommen abgelöst hat.25

2.3 Arten der Zins-und Tilgungszahlung

Wie im dem Punkt 2.2 erkennbar, sind die wesentlichen Charakteristika bei einer CAT-Bond- Emission genauso wie bei Anleihen, die Laufzeit, die Nominale und der Kupon. Deren Aus- gestaltungsmöglichkeiten hängen jeweils von ihrer Kopplung an das versicherungstechnische Risiko ab. Dieses Risiko kann jeweils an das Nominale, den Kupon, oder in Kombination an beide gekoppelt sein.26

Ist das versicherungstechnische Risiko an das Nominale gekoppelt (Principal at Risk), ist der Rückzahlungsanspruch bedingt. Die Kopplung kann:

-teilweise erfolgen, das heißt ein bestimmter Teil des Rückzahlungsanspruchs ist von dem Eintritt des Risikoereignisses abhängig
-teilweise und gestaffelt erfolgen, das heißt die gestaffelten Risikobestandteile be- stimmen den Rückzahlungsanspruch in Abhängigkeit von dem Risikoeintritt -vollständig erfolgen, das heißt der gesamte Rückzahlungsanspruch ist von dem Ein- tritt des Risikoanspruches abhängig27

Neben diesen Varianten besteht des Weiteren die Möglichkeit des „Principal- Protected-Bonds“, bei dem der Anleger einen unbedingten Rückzahlungsanspruch erhält und zumindest sein eingezahltes Kapital, unabhängig vom Eintritt der Katastrophe, am Laufzeitende zurück erhält.28

Ist das versicherungstechnische Risiko an den Kupon gekoppelt (Coupon at Risk),

kann der Zinszahlungsanspruch ebenfalls bedingt und unbedingt gestaltet werden, wobei ein unbedingter Zinszahlungsanspruch nur in Kombination mit einem bedingten Rückzahlungsanspruch zweckmäßig ist.29 Die Kopplung des versicherungstechnischen Risikos kann demzufolge wieder teilweise, teilweise und gestaffelt oder vollständig erfolgen.30

Dadurch bestehen die Möglichkeiten eine Mindestverzinsung zu gewähren, die in Abhängigkeit vom Eintritt des Risikos durch eine Bonusverzinsung erhöht wird oder die Un- terteilung des CAT-Bonds in mehreren Tranchen mit unterschiedlich hohen Risiken und un- gleichen Ansprüchen auf Zins- und Tilgungszahlungen. Auch hinsichtlich des Emissionsdatums, der Risikoperiode und der Laufzeit des CAT-Bonds sind die Kupons und Nominale in einer Tranche individuell gestaltbar.31 Somit kann es vorkommen, dass bei einem unbedingten Rückzahlungsanspruch das Kapital des Anlegers noch 10 Jahre gehalten wird, obwohl die Naturkatastrophe bereits eingetreten und der Zinsanspruch verfallen ist.

Neben der Ausgestaltung der Zins- bzw. Tilgungszahlung muss des Weiteren die vor- her vertraglich festgelegte Bezugsgröße, das versicherungstechnische Risiko, klar definiert sein. Die dafür möglichen Auslösemechanismen (engl. Trigger) werden im Folgenden Kapi- tel näher betrachtet.

[...]


1 Vgl. IPCC (Hrsg.) (2013), S. 2 und S. 17 (siehe Internetverzeichnis).

2 Vgl. Statista (Hrsg.) (2015a), 1. Abschnitt im Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).

3 Vgl. Statista (Hrsg.) (2015b), 1. Abschnitt im Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).

4 Vgl. Rössner (20010), S. 1, sowie Umweltbundesamt (Hrsg.) (2008), S. 4.

5 Vgl. Mahul (2001), S. 656, sowie Swiss Re (Hrsg.) (2012), S. 18.

6 Vgl. Berge (2005), S. 53 f, sowie Handelsblatt (Hrsg.) (2003), 2. Abschnitt im Hauptframe (siehe Internetverzeichnis) und Greiser (2010), S. 37.

7 Vgl. Abbildung 1, sowie Greiser (2010), S. 37.

8 Vgl. Abbildung 2, sowie Swiss Re (Hrsg.) (2012), S. 1.

9 Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2014), S. 8.

10 Vgl. ebenda.

11 Vgl. Guy Carpenter (Hrsg.) (2014), S. 2.

12 Vgl. Träumer (2011), S. 50.

13 Vgl. Michel-Kerjan (2011), S. 3 (siehe Internetverzeichnis).

14 Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2014), S. 11-12.

15 Vgl. Swiss Re (Hrsg.) (2012b), S. 11 (siehe Internetverzeichnis).

16 Vgl. Träumer (2011), S. 50, sowie Strube (2001), S. 53.

17 Vgl. Vgl. Träumer (2011), S. 50.

18 Vgl. Träumer (2011), S. 53.

19 Vgl. Nguyen (2007), S. 275, sowie Strube (2001), S. 53-54.

20 Vgl. Koletschka (2004), S. 84.

21 Vgl. ebenda, sowie Träumer (2011), S. 52.

22 Vgl. Träumer (2011), S. 53.

23 Vgl. ebenda.

24 Vgl. Koletschka (2004), S. 85.

25 Vgl. Munich Re (Hrsg.) (2014), S. 11-12.

26 Vgl. Strube (2001), S. 54 f.

27 Vgl. Czerny (2007), S. 11, sowie Pensa (2004), S. 13-15 (siehe Internetverzeichnis).

28 Vgl. J.P. Morgan (Hrsg.) (2007), S. 3 f (siehe Internetverzeichnis).

29 Vgl. Greiser (2010), S. 32.

30 Vgl. Czerny (2007), S. 12.

31 Vgl. Czerny (2007), S. 12.

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668022799
ISBN (Buch)
9783668022805
Dateigröße
814 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303936
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Berlin früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
analyse chancen risiken cat-bonds

Autor

  • Richard Heinke (Autor)

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Titel: Analyse der Chancen und Risiken von Cat-Bonds