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Organisierte Schuld von Hannah Arendt

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Hannah Arendt
1. Biographie Hannah Arendt

III „Organisierte Schuld“ von Hannah Arendt
1. Mitwisserschaft/ Mittäterschaft
2. Gleichsetzung zwischen Deutschen und Nationalsozialisten seitens der Alliierten
3. Trennung zwischen Schuldigen und Unschuldigen
4. Integration in den Verwaltungsmassenmord
5. Idee der Menschheit

IV Ergebnisse

V Anhang
1. Abkürzungsverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Völkermord im Dritten Reich ist ein Gebiet, das in jeder Geisteswissenschaft erforscht wird. Die Erklärung des Genozids und die damit verbundenen Diskussionen um Schuld und Unschuld der Deutschen sind dabei die zentralen Fragen, die auch in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erzeugen. Der Bau des Holocaust- Mahnmals in Berlin verweist auf die Aktualität der Thematik.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Essay „Organisierte Schuld“ von Hannah Arendt. Es soll untersucht werden, in wieweit das deutsche Volk – nach Meinung Arendts – Mitwisser und Mittäter an den KZ- Untaten war. Auf die Gleichsetzung zwischen Deutschen und Nationalsozialisten seitens der Alliierten, sowie auf die Existenz einer möglichen Teilungslinie, die Schuldige von Unschuldigen distanziert, soll ebenfalls eingegangen werden. Hieraus ergibt sich die Frage, wie die Deutschen zu Komplizen des Völkermordes wurden. Zusätzlich wird Hannah Arendts Idee der Menschheit vorgestellt. Der Schwerpunkt wird auf die Erklärung gesetzt, wie normale Bürger in den Genozid verwickelt wurden, da unter diesem Aspekt die Spitzenthese Arendts am besten klar wird.

Als Literaturgrundlage für diese Arbeit dient, wie oben bereits erwähnt, der Aufsatz „Organisierte Schuld“ von Hannah Arendt.

Die Arbeit ist thematisch aufgebaut. Das zweite Kapitel der Arbeit gibt eine Biographie Arendts. Im dritten Kapitel wird die „Organisierte Schuld“ der Deutschen (Mitwisserschaft/ Mittäterschaft, Gleichsetzung zwischen Deutschen und Nazis seitens der Alliierten, Trennung zwischen Schuldigen und Unschuldigen, Integration in den Verwaltungsmassenmord, Idee der Menschheit) untersucht. Der Schlussteil (4. Kapitel) stellt die Ergebnisse der Untersuchung dar. Nach dem Schlusswort sind Anmerkungen und Literaturverzeichnis vorzufinden.

II. Hannah Arendt

1. Biographie Hannah Arendt

Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover geboren. Ihre Jugend verbrachte sie in Königsberg. Seit 1924 studierte sie Philosophie, Theologie und Griechisch in Marburg, Freiburg und Heidelberg. 1928 folgte die Dissertation bei Karl Jaspers[1] in Heidelberg mit einer Arbeit über den Liebesbegriff bei Augustin. Nach kurzer Haftstrafe gelangte die Jüdin 1933 nach Paris. Im Mai 1941 floh Arendt nach New York. Nach Gastprofessuren unter anderem in Princeton, Harvard und Columbia lehrte sie ab 1963 als Professorin an der Chicago University. Von 1967 an wirkte sie an der New School for Social Research in New York. Ihre wichtigsten Veröffentlichungen sind unter anderem „Die verborgene Tradition. Sechs Essays“ (1948), „The Origins of Totaliarianism“ (1951), „Vita activa“ (1958) und „Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil“ (1963). Arendt starb am 4. Dezember 1975 in New York.

Der im November 1944 in Amerika verfasste[2] Essay „Organisierte Schuld“ „wurde geschrieben im Bewußtsein der Zeit, das ein Bewußtsein des jüdischen Schicksals war“[3].[4]

II. „Organisierte Schuld“ von Hannah Arendt

1. Mitwisserschaft/ Mittäterschaft

Bis zum Beginn der militärischen Niederlagen für Nazi- Deutschland im zweiten Weltkrieg wusste nur eine kleine Gruppe aktiver Nazis und eine geringe Anzahl von Antifaschisten über die KZ- Untaten Bescheid[5]. „Alle anderen – ob Deutsche oder Nichtdeutsche – hatten die verständliche Neigung, einer offiziellen, von allen Mächten anerkannten Regierung eher zu glauben als Flüchtlingen, die als Juden oder als Sozialisten ohnehin verdächtig waren“[6]. Da das Hitler- Regime die Vorgänge in den Konzentrationslagern leugnete und die Verbreitung der sogenannten „Greuelmärchenpropaganda“ unter Strafe stellte, wurde das deutsche Volk von den Verbrechen in den Konzentrationslagern ferngehalten[7]. Stattdessen wurden nur erprobte SS- Angehörige aus verschiedenen Nationen zum Terror rekrutiert[8].

[...]


[1] Karl Jaspers, Philosoph und Psychiater, geboren in Oldenburg (Oldenburg) am 23. Februar 1883, gestorben in Basel am 26. Februar 1969; wurde 1916 Professor der Psychologie in Heidelberg, 1922 Professor für Philosophie ebenda, 1948- 61 Professor für Philosophie in Basel. Vgl. Artikel „Jaspers, Karl“, in: Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden 11, Mannhein19 1990, S. 135 f.

[2] Vgl. Arendt, Hannah, Organisierte Schuld, in: Arendt, Hannah, Die verborgene Tradition. Sechs Essays, Frankfurt 1976, S. 35.

[3] Dies., Organisierte Schuld, in: Arendt, Hannah, Die verborgene Tradition. Acht Essays, Frankfurt 1976, Vorwort.

[4] Vgl. Schmitz, Matthias, Art. „Arendt, Hannah“, in: Metzler Philosophen Lexikon. Dreihundert biographisch- werkgeschichtliche Porträts von den Vorsokratikern bis zu den Neuen Philosophen, Stuttgart 1989, S. 34- 38.

[5] Vgl. Arendt, Hannah, Organisierte Schuld, in: Arendt, Hannah, Die verborgene Tradition. Sechs Essays, Frankfurt 1976, S. 36.

[6] Ebd. S. 36 f.

[7] Vgl. ebd. S. 36 f.

[8] Vgl. ebd. S. 37.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638316675
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30403
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Philosophisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Organisierte Schuld Hannah Arendt Proseminar

Autor

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Titel: Organisierte Schuld von Hannah Arendt