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Wortbildung im Französischen. Morphologie und Wortbildungsverfahren

Hausarbeit 2014 22 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Morphologie

II. Wortbildungsverfahren
1. Komposition
2. Präfigierung
3. Suffigierung
4. Parasynthese
5. Wortkürzungen
6. Konversion

III. Wortneubildungen und Unterricht

Résumé

Literatur

Einleitung

In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, welche Wortbildungsverfahren in der französischen Sprache verwendet werden, wie produktiv sie sind und welche semantische Funktion sie haben.

Zunächst wird im Allgemeinen die Morphologie beschrieben, um den Bereich der Wortbildung zu kontextualisieren. Denn so Geckeler (20033: 103): „Von den Produkten her gehört die Wortbildung zur Lexik, von den Verfahren her teilweise zur Morphologie. Weithin ist aber heute die von vielen vertretene Auffassung akzeptiert, dass die Wortbildung ein eigenständiger Bereich der Sprache neben Morphologie (als Formenlehre), Grammatik (als Funktionslehre der Morpheme, vorwiegend der Flexionsmorpheme) und Syntax (als Satzlehre) ist, die ihre Produkte der Lexik zur Verfügung stellt.“ So müssen auch die Nachbardisziplinen Grammatik und Syntax in diesem Zusammenhang kurz betrachtet werden, da diese eng miteinander verbunden und nicht autonom sind. Anschließend sollen die einzelnen Wortbildungsverfahren vorgestellt werden. Hierbei werden zuerst die Komposition und dann die verschiedenen Derivationsverfahren wie Präfigierung, Suffigierung und Parasynthese sowie die Wortkürzungen und die Konversion vorgestellt.

Vorab muss jedoch noch bemerkt werden, dass es sehr unterschiedliche Affixlisten sowie Betrachtungsweisen der Wortbildungsverfahren gibt, so dass hier nur ein Ausschnitt aufgezeigt werden kann. Besonderes Augenmerk sollen daher die produktivsten, bekanntesten und in ihrer semantischen Funktion wichtigsten Wortbildungsverfahren erhalten. Diese für die Wortneuschöpfungen wichtigen Wortbildungsprozesse sollen im dritten Teil dieser Arbeit zusammengefasst werden und hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit im Unterricht besprochen werden. Zum Abschluss dieser Arbeit gibt es noch ein Résumé in französischer Sprache, das die wichtigsten Punkte zusammenfasst.

I. Morphologie

Die Morphologie ist die Lehre der sprachlichen Formen und unterteilt sich in die Flexions- und Wortbildungslehre. Sie beschäftigt sich mit der Struktur der Wörter. Untersuchungsgestand der Morphologie sind die Morpheme. Sie sind die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache als System und lassen sich durch Segmentierung komplexer Wörter ermitteln. Stein (20103: 30): „Morphem kann auf zwei Arten definiert werden:

- Ein Morphem ist die kleinste Phonem- oder Graphemfolge, die eine Bedeutung hat.
- Ein Morphem ist die kleinste grammatikalisch relevante Phonem- oder Graphemfolge.“

Schpak-Dolt (20062: 9) erklärt, dass Morpheme ihrerseits noch unterteilt werden, so: „(...) führt man zwei Abstraktionsebenen ein und unterscheidet zwischen Morph und Morphem. Dann kann man sagen: die Morphe veul-, voul-, veuill- gehören zum selben Morphem; dieses Morphem nennen wir {voul-}. Außerdem gehören zu diesem Morphem noch veu- und voud- wie in veux und voudras. Statt "gehören zu demselben Morphem" sagt man auch "sind Allomorphe desselben Morphems" oder "sind Varianten desselben Morphems".“ Ein Morphem umfasst also mehrere Morphe, die aufgrund ihrer Bedeutung und Funktion diesem Morphem zugeordnet werden können. Die Allomorphe sind dabei Morphe unterschiedlicher Form, aber derselben Funktion, die zu einem Morphem zusammengefasst werden. Ein Morphem kann mehrere Allomorphe haben, es kommt aber auch vor, dass ein Morphem nur ein einziges Allomorph hat. Hätte jedes Morphem nur ein Allomorph, so wäre die Unterscheidung von Morph und Morphem überflüssig. Außerdem gibt es Nullmorpheme, das sind Morpheme, deren einziges Allomorph -Ø ist. Man spricht daher auch von Nullallomorphen. Stein (20103: 32): „Als Nullallomorph bezeichnet man eine unhörbare oder unsichtbare Form, die man nur aus Gründen der Parallelität zu anderen Analysen annimmt.“ Das bedeutet, dass man insbesondere bei der Pluralbildung, bei der kein graphisches oder phonisches Zeichen an ein Morphem angefügt wird, davon spricht, dass die Pluralmarkierung, da sie unsichtbar ist, ein Nullallomorph ist.

Zusammenfassend kann man wie Felixberger/Berschin (1974: 52) festhalten: „Das Morphem ist eine Einheit des Systems, die Realisation von Morphemen in der parole heißen Morphe, phonematisch verschiedene Morphe eines Morphems Allomorphe.“

Morpheme werden zudem nach ihrer Stellung im Satz in freie und gebundene Morpheme unterschieden. Hier wird der Bezug zur Syntax und Grammatik deutlich. Freie Morpheme können alleine als Wort auftreten, während gebundene Morpheme immer an ein anderes Morphem gebunden sind. So kann amour alleine stehen, -eux muss aber immer gebunden werden, wie in amoureux. Außerdem unterscheidet man Morpheme nach ihrer Funktion in lexikalische und grammatische Morpheme. Stein (20103: 31): „Häufig bezeichnet man die grammatikalischen Morpheme einfach als Morpheme und die lexikalischen Morpheme als Lexeme.“ Lexeme verweisen auf Dinge in der realen Welt und tragen lexikalische Bedeutung. Sie sind meist freie Morpheme. Lexeme bilden die Stämme oder Wurzeln der Worte und stellen sozusagen das Grundinventar der Wörter einer Sprache dar. Grammatische Morpheme, also meist gebundene Morpheme, tragen grammatische Bedeutung und verändern Wörter gemäß der grammatischen Regeln. Diese Morpheme werden weiterhin in derivative und flexive Morpheme unterteilt. Die Derivationsmorpheme verändern die Wortklasse und werden bei der Wortbildung behandelt und die Flexionsmorpheme stellen die Bedeutung der Worte dar und unterliegen der Flexionslehre. Diese Morpheme heißen auch Affixe. Sie werden an Basislexeme angehängt und können nicht alleine stehen. Schpak-Dolt (20062: 27): „Ein Affix ist ein gebundenes, grammatisches, reihenbildendes Morph bzw. Morphem. Eine Wurzel ist ein Morph(em), das kein Affix ist, d.h. das wenigstens eines der drei Kriterien nicht erfüllt.“ So gibt es Flexionsaffixe, die an den Verbstamm wie fin- oder finiss- angehängt werden und damit die Person sowie Singular oder Plural definieren. So gelten vous als auch -ez in vous chantez als Markierungen für die 2.P.Pl.. Derivationsaffixe hingegen werden bei der Präfigierung und Suffigierung behandelt und dienen der Wortbildung.

Im Bereich der Flexionslehre wird die Deklination, die sich auf die

Formveränderung von Substantiven, Adjektiven und Determinanten bezieht und die Konjugation, die nur die Verben betrifft, behandelt. Nach Stein (20103: 29) ist es die Aufgabe der Flexionslehre: „(..) Regelmäßigkeiten zu erkennen und ein Inventar der Bestandteile von Wörtern aufzustellen.“ Es werden also die einzelnen Morpheme auf ihre Funktion im Satz hin untersucht, was die Schnittstelle der Morphologie zur Syntax und Grammatik verdeutlicht. Felixberger/Berschin (1974: 63): „Flexionsmorpheme haben satzkonstituierende Funktion, sie sind also Elemente der Grammatik und nicht des Lexikons. Flektierte Wörter sind im Gegensatz zu Wörtern, die auf einen Wortbildungsprozess zurückgehen, in einer Äußerung nicht durch einfache Wörter ersetzbar.“ Ein Wort besteht entweder aus einem einzigen Morph, dann ist es ein monomorphematisches Wort, oder aus mehreren Morphen. Also centre oder centr-al, centr-al-isme, centr-al-is-er, d é -centr-al-is-er. Besteht ein Wort aus mehreren Morphen, ist es ein komplexes oder mehrgliedriges Wort. Ein Wort kann als Element eines Satzes, also in seiner grammatischen Funktion, oder als Element des Wortschatzes, also in seiner lexikalischen Funktion, verstanden werden. Das grammatische Wort ist dabei die sprachliche Form zwischen deren Teile fast nichts eingeschoben werden kann und bei der die Reihenfolge kohärent ist. Also la laiti è re ist nicht gleich la i è relait. Das lexikalische Wort ist hingegen die maximale Menge von grammatischen Wörtern, deren Stamm morphemisch gleich ist und die im gleichen Flexionsschema stehen. Das grammatische Wort unterliegt der Flexion, während bei der Wortbildung die lexematische Funktion der Wörter betrachtet wird.

II. Wortbildungsverfahren

Bei den Wortbildungsverfahren unterscheidet man zunächst zwischen der Komposition und der Derivation. Die Komposition ist eine Addition mehrerer Lexeme, während die Derivation eine Ableitung ist, die sich aus einem Basislexem und einem oder mehrerer Affixe zusammensetzt. Die Derivate sind die Resultate der verschiedenen Ableitungsverfahren, sie können ihre Wortart verändern oder erhalten. Affixe können Präfixe, Suffixe oder Infixe sein. Die verschiedenen Derivationsverfahren heißen Präfigierung, Suffigierung und Parasynthese. Außerdem gibt es Wortkürzungen und die Konversion oder auch Nullsuffigierung genannt. Die Komposition steht dabei hierarchisch gesehen über der Derivation, da die Derivate zu Elementen der Komposition werden können (jardinier-fleuriste).

II.1. Komposition

Bei der Komposition geht es um die Zusammenfügung von flektierten Wörtern (rendez-vous) und/oder Wortstämmen zu einem neuen Wort oder Wortstamm (sous+estim = sousestimer). Es werden zwei oder mehr Lexeme zu komplexen Wörtern zusammengesetzt. Bsp.: auto- é cole, passe-partout, cr é me à raser. Komposita sind dabei von syntaktisch gebildeten Wortgruppen abzugrenzen, d.h. es muss untersucht werden, ob sich eine Wortgruppe als ein Wort verhält. Dies lässt sich u.a. bei der Pluralbildung und dem grammatischen Verhalten im Satz überprüfen. So würde auto- é cole im Plural zu auto- é coles, anders als l ’ auto de l ’é cole, das zu les autos de l ’é cole wird. Weiterhin wird zwischen endozentrischen und exozentrischen Komposita unterschieden. Dies bedeutet, dass Wörter Köpfe bzw. Determinanten haben. In den romanischen Sprachen sind die Wörter meist linksköpfig: homme-grenouille, uomo rana, hombre rana. Im Deutschen bedeutet dies ‚Froschmann’ und ist ein rechtsköpfiges Wort, da es sich hier um einen Mann und keinen Frosch handelt. Der Kopf eines Kompositums ist nämlich das Determinatum, also das Glied, welches durch ein anderes, den Determinans, bestimmt wird. Doch nicht bei allen Komposita kann ein Kopf ermittelt werden. Diese Komposita ohne Kopf, nennt man exozentrisch oder auch Kopulativkomposita. Bei den Kopulativkomposita haben im Gegensatz zu den Determinativkomposita beide Kompositionsglieder semantisch den gleichen Rang, wie bei boulangerie-p â tiesserie. Hier handelt es sich sowohl um eine Konditorei als auch um eine Bäckerei. Bei den französischen Komposita handelt es sich meist um sogenannte „mot- tandem“, also eine Zusammensetzung aus zwei Wörtern, wie taxi- camionnette. Auch wenn weitere Ausdehnungen wie compositeur- pianiste-chef d ’ orchestre möglich sind, sind sie eher selten. Thiele (19852: 68): „Die Schreibung mit Bindestrich ist vorherrschend und kann als Ausdruck für das additive Verhältnis zwischen den Konstituenten gelten. So ist es nicht verblüffend, dass in manchen Fällen eine Umstellung der Konstituenten möglich ist, ohne dass die Bedeutung des Kompositums verändert wird: bracelet-montre = montre-bracelet, auditeur-lecteur = lecteur-auditeur, bar-épicerie = épicerie-bar u.a.“ Hier ist zu bedenken, dass Sprecher des Französischen diese Komposita aufgrund der gewohnten Linksköfigkeit semantisch doch möglicherweise anders auffassen. Dass also eine é picerie-bar mehr als é picerie aufgefasst wird, während eine bar- é picerie in der Wahrnehmung eher eine Bar ist. Diese Komposita setzen sich alle aus zwei Substantiven zusammen und sind mit einem Bindestrich verbunden, was deutlich macht, dass sie als ein Wort gelten. Andere Substantivkomposita werden aus Substantiv + Präposition + Substantiv gebildet, wie machine à é cricre oder brosse à dents. Hier verbindet die Präposition à die beiden Elemente zu einem Wort, ebenso bei der Bildung Substantiv + Präposition + Infinitiv, also cr è me à raser oder salle à manger. Die Kompositabildungen mit Präposition sind am produktivsten. Dazu stellt Helfrich (1993: 22) fest: „Bildungstypen werden als ‚produktiv’ bezeichnet, wenn sie die Fähigkeit zur Wortneubildung besitzen.“ Zur Form lässt sich feststellen, dass es bei Adjektiv + Substantiv beaux-arts und Substantiv + Adjektiv, also sang- froid, sowie bei den Komposita aus Verb + Adverb (passe-partout) oder Verb + Verb (laissez-passer) Bindestrichschreibungen gibt.

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Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668023949
ISBN (Buch)
9783668023956
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304040
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Romanisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Wortbildung Morphologie

Autor

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Titel: Wortbildung im Französischen. Morphologie und Wortbildungsverfahren