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Spitzenleistungen dank Mentalem Training. Was wir von der Sportpsychologie lernen können

Studienarbeit 2015 28 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themeneinführung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Sportpsychologie und Mentales Training
2.1 Begriffserklärung „Sportpsychologie“
2.2 Mentales Training und Ziele
2.3 Flow-Zustand

3 Leistungssteigerung im Sport
3.1 Mentale Voraussetzungen nach Eberspächer
3.2 Ergründung der individuellen Bedürfnisse durch Befragung
3.3 Verfahren von Mentalem Training
3.3.1 Selbstgesprächsregulation
3.3.2 Rationalisierungstechnik und Aufmerksamkeitsveränderung
3.3.3 Systematische Knotenpunkte bilden
3.3.4 Visualisierung
3.3.5 Entspannung

4 Wirkung von Mentalem Training
4.1 Feld-Studie: A Field Test of the Influence of Pre-Game Imagery on Basketball Free Throw Shooting
4.2 Studie: Imagined Action Aren`t Just Weak Action: Task Variability Promotes Skill Learning in Physical Practice but Not in Mental Practice

5 Transfer des Mentalen Trainings in andere Lebensbereiche
5.1 Chirurgie
5.2 Management und Führung
5.3 Überwindung von Prüfungsangst
5.4 Andere Bereiche

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Optimales Spannungsniveau herstellen (Quelle: Vgl. Draksal 2007 c, S. 67)

Abbildung 2: Verwandelte Freiwürfe beim Basketball (Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Post et al. 2010 f, S. 7)

Abbildung 3: Verwandelte Freiwürfe von Neueinsteigern beim Basketball (Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Post et al. 2010 h, S. 8)

Abbildung 4: Verbesserung beim Putten im Golf durch verschiedene Trainingsvarianten (Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Coelho et al. 2012 e, S. 1762.)

1 Einleitung

1.1 Themeneinführung

Mit steigender Tendenz wird im Sport zur Leistungsoptimierung auf die Erkenntnisse und Methoden aus der Psychologie zurückgegriffen. Häufig wird dazu das mentale Training angewendet, das eine Sportlerin oder einen Sportler dabei unterstützt, die eigene Leistung zu verbessern und im entscheidenden Moment voll auszuschöpfen sowie sich bewusst in einem Flow-Zustand zu versetzen, in dem jegliche psychische und physische Ablenkung ausgeblendet wird und ein Gleichgewicht zwischen der Anforderung und der Bewältigungskompetenz herrscht. Überwiegend wird das mentale Training eingesetzt, um eine Beschleunigung des Erlernens von neuen Bewegungsabläufen zu erreichen, um Gefühlszustände wie zum Beispiel Angst zu regulieren und um die Selbstwirksamkeit zu steigern. Die Erkenntnisse der zahlreichen Untersuchungen aus den 1970er Jahren und auch spätere Untersuchungen bestätigen die Wirksamkeit von mentalem Training. Am größten ist die Wirkung dann, wenn das mentale Training mit einem praktischen Training kombiniert wird (vgl. Meyer/Hermann 2011 a, S. 36). Doch wie genau funktioniert das Mentale Training und welche Verfahren stehen zur Anwendung bereit? Was kann das Mentale Training leisten und beinhaltet es Gefahren? Diesen Fragen widmet sich die Verfasserin der hier vorliegenden Referatsausarbeitung. Dabei stützt sie sich auf die Erkenntnisse aus der Sportpsychologie und zeigt das psychische Geschehen im Grenzbereich der normalen Leistungsfähigkeit auf.

1.2 Ziel der Arbeit

Das Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Sportpsychologie bezogen auf das Mentale Training und dessen Verfahren vorzustellen. Am Beispiel des Sports wird aufgezeigt, wie eine Sportlerin oder ein Sportler die eigene Leistung durch Mentales Training steigern kann und in welche Bereiche das Mentale Training transformiert werden kann.

1.3 Aufbau der Arbeit

Nach der Themeneinführung und dem Ziel dieser Arbeit im ersten Kapitel wird in Kapitel zwei erklärt, was unter der „Sportpsychologie“ und dem „Mentalen Training“ zu verstehen ist und welche Ziele dieses hat. Des Weiteren wird der Flow-Zustand erläutert. Das dritte Kapitel widmet sich der Leistungssteigerung im Sport. Hier werden die mentalen Voraussetzungen zur Erbringung von Hochleistungen nach Prof. Eberspächer aufgeführt sowie eine Befragungssystematik vorgestellt, die dabei unterstützt, die spezifischen Bedürfnisse einer Sportlerin oder eines Sportlers zu ergründen. Dieses Kapitel schließt mit der Erörterung einiger Verfahren zum Mentalen Training. Im vierten Kapitel folgt anhand von zwei Studien eine Prüfung der Wirksamkeit von Mentalem Training und in Kapitel fünf wird der Transfer des Mentalen Trainings in andere Lebensbereiche dargelegt. Das Kapitel sechs ist eine kurze Zusammenfassung.

2 Sportpsychologie und Mentales Training

2.1 Begriffserklärung „Sportpsychologie“

Die „Sportpsychologie“ ist ein Spezialgebiet der Psychologie, welches sich aus der angewandten Psychologie und aus der Sportwissenschaft zusammensetzt (vgl. Thomas 1995, S. VII). Während die angewandte Psychologie sich mit der Anwendung und den Anwendungsproblemen von psychologischen Erkenntnissen befasst, (vgl. Tewes/Wildegrube, 1992, S.21) analysiert und erklärt die Sportwissenschaft die äußeren Bedingungen des Sporttreibens und der sportlichen Betätigung von Individuen und Gruppen (vgl. Gullich/Krüber 2013, S. 14). In der Sportpsychologie werden die psychischen Vorgänge und Phänomene im menschlichen Organismus vor, während und nach dem Sporttreiben untersucht (vgl. Arnold et al. 1980 a, 2151). Die Erkenntnisse aus der allgemeinen Psychologie und die Resultate aus der eigenen Forschung der Sportpsychologie werden genutzt, um die Leitungspotenziale einer Sportlerin oder eines Sportlers vollkommen auszubilden und die Sportlerin oder den Sportler dazu zu befähigen, die persönliche Bestleistungen im entscheidenden Moment zu erbringen (vgl. Arnold et al. 1980 b, 2152). Ein Ansatz der Sportpsychologie ist, Sportlerinnen und Sportlern bei der Entwicklung gezielter kognitiver und verhaltensbezogener Eigenschaften zu helfen, die zur Verbesserung der physischen Fähigkeiten beitragen. Die Sportpsychologie beschäftigt sich insofern mit der Beseitigung von Barrieren und mit der Förderung von mentalen Kompetenzen, durch die Sportlerinnen und Sportler ihren Erfolg steigern können (vgl. Edgette/Rowan 2007 a, S. 12).

2.2 Mentales Training und Ziele

Der Begriff „Mentales Training“ bezeichnet das planmäßige und bewusste Wiederholen von Handlungen oder Bewegungsabläufen in der Vorstellung, ohne das die in Gedanken durchgeführten Aktivitäten aktiv ausgeführt werden. Diese Technik wird häufig im Hochleistungssport angewandt und hilft der Sportlerin oder dem Sportler dabei, seine Höchstleistung im richtigen Moment zu erbringen (vgl. Mayer/Hermann 2011 b, S. 8).

Im Sport geht es im Prinzip immer darum, die individuelle Leistung zu optimieren. Das große übergeordnete Ziel des Mentalen Trainings in der Sportpsychologie, nämlich dass eine Sportlerin oder ein Sportler die Kompetenz erlangt, die eigene Leistung zu professionalisieren und im richtigen Augenblick zu erbringen, setzt nach der Auffassung von Williams voraus, dass ein konkretes und realistisches Ziel angestrebt wird (vgl. Williams 2010 a, S.10).

Das spezifische Ziel von Mentalem Training richtet sich nach den jeweiligen individuellen Bedürfnissen einer Sportlerin oder eines Sportlers. Häufig entwickeln sich die Bedürfnisse aus der persönlichen Situation heraus. Genau wie in anderen Lebensbereichen, gleichen oder ähneln sich die psychisch bedingten Schwierigkeiten im Sport mit denen von Menschen, für die es zum Beispiel ein Problem darstellt, vor einem großen Publikum eine freie Rede zu halten oder ein erfolgreiches Verkaufsgespräch zu führen. Die individuellen Barrieren zur Bewältigung dieser Anforderungen sind oft auf kognitive Prozesse zurückzuführen. Sie können durch ein kontinuierliches gezieltes Training reduziert oder sogar überwunden werden (vgl. Edgette/Rowan b, S. 12-13). „Mit dem Mentalen Training lassen sich kognitive Fertigkeiten erlernen, verändern und verbessern.“ (Eberspächer 2007 a, S. 17).

Viele Sportlerinnen und Sportler setzen sich zum Ziel, Gefühle wie Anspannung und Angst vor oder während eines Wettkampfs besser regulieren zu können. Eine Schlüsselfunktion dazu bietet das positive Selbstgespräch, dass durch Mentales Training geschult werden kann. Ein positives Selbstgespräch kann die Wahrnehmung oder die Bewertung einer Situation bewusst verändern und ermöglicht es, die Empfind-ungen und Einstellungen gezielt zu steuern (vgl. Williams 2010 b, S. 311). Die Ausrichtung der Gedanken unterstützt das Erreichen von Erfolgen oder Misserfolgen, da die jeweiligen Gendanken im Organismus Reaktionen auslösen, die das Verhalten beeinflussen. Dies wird ersichtlich, wenn zum Beispiel jemand als besonders nervös oder gelassen wahrgenommen wird. Weiterhin liegt in der gedanklichen Vorstellungs-kraft ein großer Nutzen, weil durch sie neue Bewegungsabläufe und Techniken im Sport schneller erlernt werden können, soweit die Aktivitäten in der Vorstellung immer wieder praktiziert werden (vgl. Draksal 2007 a, S. 12). Ein nächstes Ziel des Mentalen Trainings ist, die Konzentration, im entscheidenden Moment auf das Wesenliche zu richten und zu beschränken, so dass alle Stöergedanken, wie zum Beispiel die Probleme in der Familie pertu auszublendet werden. Diese Fähigkeit ist wichtig, um sich bewusst in einen Flow-Zustand versetzen zu können. Um leichter in den Flow-Zustand zu kommen - der im nächten Kapitel ausführlich beschriebeen wird - ist es hilfreich, sich eine Situation vorzustellen, in der das Flow-Erlebnis schon mal erreicht worden ist (vgl. Draksal 2007 b, S. 66).

2.3 Flow-Zustand

Unter dem Begriff „Flow-Zustand“ ist ein Zustand zu verstehen, in dem die volle Aufmerksamkeit eines Individuums auf das Wesentliche gerichtet und beschränkt ist. Die Handlungen laufen während des Flow-Zustands automatisch aufeinanderfolgend und auf dem höchsten Leistungsniveau ab. Köper und Geist sind Eins! Eine Sportlerin oder ein Sportler erreicht diesen Zustand zum Beispiel dann, wenn es ihr oder ihm gelingt, während eines Wettkampfs alle Störfaktoren gedanklich auszublenden und sich hundert Prozent auf den Kampf zu konzentrieren (vgl. Meyer 2011, S. 9; Williams 2010 c, S. 171). In diesem Moment ist die Sportlerin oder der Sportler sich zwar der eigenen Handlung bewusst, aber nicht ihrer beziehungsweise seiner selbst (vgl. Eberspächer 2012, S. 12). Nach dem Wettkampf wird der Flow-Zustand häufig als „ganzheitliches Gefühl“ oder „einheitliches Fließen“ erinnert (vgl. Frester/Wörz 1997, S. 17). Die Fähigkeit, im entscheidenden Moment alle psychischen und sozialen Störfaktoren auszublenden, kann mit dem Mentalen Training geübt werden.

Durch das Mentale Training kann eine Sportlerin oder ein Sportler die Fähigkeit erlangen, im richtigen Moment ein ideales innerliches Spannungsniveau herzustellen. Dieses Spannungsniveau ist der optimale Aktivierungsgrad zur Erbringung von Höchstleistungen. Während des Flow-Zustands ist eine Sportlerin oder ein Sportler weder zu müde oder zu gehemmt, noch zu nervös oder zu hektisch. Die innere Stimmung und die Konzentration sind positiv und befinden sich in einem idealen Gleichgewicht. In diesem Moment wird nur die gegenwärtige Situation wahrgenommen. Die Abbildung 1 veranschaulicht den optimalen Aktivierungsgrad im Flow-Zustand, indem sie ihn mit dem Strom vergleicht, der durch eine Glühlampe fließt (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Optimales Spannungsniveau herstellen
(Quelle: Vgl. Draksal 2007 c, S. 67)

Die Abbildung 1 verdeutlicht den optimalen Aktivierungsgrad zwischen der Anspannung und der Entspannung und befähigt zur Erbringung von Höchstleistungen. Im Wettkampf soll eine Sportlerin oder ein Sportler hell strahlen. Wenn die Stromstärke zu niedrig ist, bleibt sie oder er unscheinbar und hinter ihren oder seinen Möglichkeiten zurück. Steht die Sportlerin oder der Sportler hingegen zu sehr „unter Strom“, besteht die Gefahr, dass die Lampe durchbrennt und plötzlich nicht mehr funktioniert. Dieses Beispiel zeigt, dass ein wenig Stress durchaus erwünscht ist, weil er aktiviert und befähigt. Ist der Stress jedoch zu hoch, kann er hemmen und begünstigen, dass die Leistungsfähigkeit stark abfällt. Die Erlangung der optimalen Spannungs-Balance in einer Situation, in der Höchstleistung gefordert wird, kann trainiert werden. Die Verfahren des Mentalen Trainings beinhalten hierzu ein hohes Potenzial (vgl. Draksal, M. 2007 d, S. 67). Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden zunächst die mentalen Grundvoraussetzungen zur persönlichen Leistungssteigerung und anschließend wichtige Verfahren des Mentalen Trainings aufgeführt.

3 Leistungssteigerung im Sport

3.1 Mentale Voraussetzungen nach Eberspächer

Der im Jahr 2014 verstorbene Psychologe und Diplomsportler Prof. Hans Eberspächer, eine Ikone in der Sportpsychologie, hat im Jahr 2004 publiziert, dass ein erfolgreiches Training zur Leistungssteigerung im Sport zunächst einmal vier mentale Grundvoraus-setzungen verlangt. Eine grundlegende Bedingung für eine gute Performance ist ein zielgerichtetes, kontinuierliches und systematisches Training, welches kontrolliert abläuft. Nur so kann die Fähigkeit entwickelt und stabilisiert werden, das höchste Leistungsniveau genau dann zu erreichen, wenn dies notwendig ist (vgl. Eberspächer 2004 a, S. 68-71).

Die erste mentale Voraussetzung die Eberspächer nennt, ist dass eine Sportlerin oder ein Sportler darüber Klarheit erlangt, was mit dem Training erreicht werden soll und welches persönliche Ziel angestrebt und verfolgt werden soll. Als zweite Voraus-setzung ist die Motivation und der Sinn des Trainings aufgeführt (vgl. Eberspächer 2004 b, S. 71). Nach der Auffassung von Eberspächer ist die Motivationsfähigkeit eine Kunst, die ein Individuum zu einem selbstständigen Handeln veranlasst. Außen-stehende können indes lediglich die Rahmenbedingungen erschaffen und eine Person dabei unterstützen, dass diese eine bestimmte Handlung ausführen kann. „Man kann also andere nicht motivieren, sondern ihnen allenfalls helfen, sich selbst zu moti-vieren.“ (Eberspächer 2004 c, S.132). Die Frage nach der Motivation beinhaltet gleichwohl die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns. Wenn eine Sportlerin oder ein Sportler das Training als sinnhaft erlebt, ist sie oder er vermutlich eher motiviert weiterzutrainieren, als wenn die Frage aufkommt, welchen Sinn das Training (noch) erfüllt (vgl. Eberspächer 2004 d, S. 138).

Die dritte mentale Voraussetzung für den Trainingserfolg ist die Konzentrations-fähigkeit. Im konzentrierten Zustand richten sich die Gedanken nur auf die Handlung und auf das Ziel. Jegliche Störgedanken sind im entscheidenden Moment ausgeblendet und die Situation wird in der absoluten Gegenwart wahrgenommen (vgl. Eberspächer 2004 e, S. 143).

Die vierte und letzte mentale Voraussetzung, ist die eigene Kompetenzüberzeugung. Von herausragender Bedeutung für den Erfolg ist, dass neben der vorhandenden Kompetenz auch die Üeberzeugung besteht, dann kompetent zu handeln, wenn es darauf ankommt. Eberspächer lehnt sich hier an Antonovsky (1979) an, der erklärt, dass die Kompetenzüberzeugung eines Menschen besonders dadurch unterstützt wird, dass er erstens, die Bewältigung seiner Situation als bedeutsam einschätzt, zweitens versteht, was konkret zu bewältigen ist und drittens, die Anforderungen die an ihn gestellt werden als handhabbar bewertet werden (vgl. Eberspächer 2004 f, S. 153-154). Um herauszufiltern, wo genau die Störfaktoren liegen, die den Erfolg negativ beeinflussen, ist eine Bedürfnissanalyse notwendig. Eine Analyse-Möglichkeit wird im nächsten Kapitel beschrieben.

3.2 Ergründung der individuellen Bedürfnisse durch Befragung

Wenn sich eine Sportlerin oder ein Sportler für das Mentale Training entschieden hat und eventuell eine Sportpsychologin oder einen Sportpsychologen in Anspruch nimmt, erfordert es zu Beginn der Zusammenarbeit eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der spezifischen sportpsychologischen Bedürfnisse der Klientin oder des Klienten. Die speziellen Bedürfnisse lassen sich sehr gut mit einer aus der Psychologie in die Sportpsychologie übertragene Fragesystematik ergründen, die aus vier Fragekategorien besteht. Die erste Kategorie besteht aus zielorientierten Fragen, die zweite Kategorie umfasst lösungsfokussierte Fragen, die dritte Kategorie bezieht sich auf Ressourcenreaktivierung zielende Fragen und die vierte Kategorie auf die Unterstützung durch andere zielende Fragen (vgl. Edgette/Rowan 2007 c, S. 46).

Die zielorientierten Fragen werden gestellt, um zu erkunden, welche spezifischen Ziele eine Sportlerin oder ein Sportler erreichen möchte und die lösungsfokussierten Fragen zielen darauf ab, die Details des gesetzten Ergebnisses zu verstehen. Mit der Beantwortung der Fragen aus der ersten Kategorie offenbart eine Sportlerin oder ein Sportler regelrecht Informationen über die persönliche Problematik. Die lösungsorientierten Fragen helfen dabei herauszufinden, wie das angestrebte Ziel erreicht werden kann. Die Fragen der dritten Kategorie richten sich auf die Reaktivierung von Ressourcen und dienen dem Auffinden von psychischen Ressourcen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die zum Erreichen des Ziels bereit stehen. Die vierte Kategorie mit den Fragen zur Identifikation der im jeweiligen Kontext bereit stehenden Unterstützung durch andere analysiert die Ressourcen, die die Familie, ein Team oder andere Personen im Lebensumfeld zur Verfügung stellen, um der Sportlerin oder dem Sportler zu ermöglichen, das eigene Ziel zu erreichen. (Fragen zur Ermittlung der psychischen Bedürfnisse von Sportlerinnen und Sportlern: siehe Edgette, J., Rowan, T. (2007 e): Mental gewinnen. Hypnose im Sport. Carl-Auer-Systeme Verlag: Heidelberg.) (vgl. Edgette/Rowan 2007 d, S. 46). Nun folgen einige wirkungsvolle Verfahren des Mentalen Trainings.

3.3 Verfahren von Mentalem Training

3.3.1 Selbstgesprächsregulation

Jeder Mensch führt Selbstgespräche. Ein Selbstgespräch beginnt immer mit Denkprozessen, die im Kopf ablaufen und kann negativ oder positiv ausgerichtet sein. Der Gründer der Ford Motor Company Henry Ford hat mal formuliert: „ Ob Du glaubst, du schaffst es oder ob Du glaubst, Du schaffst es nicht: Du hast in jedem Fall Recht“ (www.falko-graf.de 2015, WEB (Stand 2015)). Die jeweilige Ausrichtung der Gedanken beeinflusst in der Regel sehr stark das eigene Handeln in einer Situation. Mahone und Avener (1975) haben in einer Untersuchung die Bedeutung von Selbstgesprächen von qualifizierten und nichtqualifizierten Athleten vor, während und nach den Wettkämpfen der US-Olympiaqualifikation im Gerätturnen verglichen. Während die nichtqualifizierten Athleten oft von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt gewesen sind, haben die qualifizierten Athleten eher über zuversichtliche Gedanken berichtet. Im Gegensatz zu den Qualifizierten sind bei den Nicht-Qualifizierten Schwierigkeiten hinsichtlich der Erholung von Wettkampffehlern aufgetreten. Die Nicht-Qualifizierten haben häufig über die Fehlerkonsequenzen nachgedacht und entsprechend ihrer Gedanken weniger erfolgreich abgeschnitten. Die Qualifizierten hingegen, sind in der Lage gewesen, die Gedanken über jegliche Fehler auszublenden und sich auf ihre Aufgabe zu konzen-trieren (vgl. Eberspächer 2007 b, S. 21).

Es existieren mehrere Varianten zur Gedankenlenkung in die positive Richtung. Welche Möglichkeit optimal ist, ist individuell verschieden und von der jeweiligen Situation abhängig. Eine Variante ist in der Selbstgesprächstechnik. Diese besteht darin, sich selbst Mut zuzusprechen, indem in Gedanken Sätze formuliert werden, wie: Halte durch! Du schaffst das. Solche Glaubenssätze stärken auch die Selbstmotivation und die Vorwegnahme des künftigen Erlebens und Verhaltens (Antizipation). Effektiv dabei ist, dass die Sportlerin oder der Sportler sich in Gedanken immer wieder in die gewünschte Erfolgssituation hineinversetzt, wie zum Beispiel in die Situation, nach einem gewonnenen Wettkampf auf dem Siegerpodest zu stehen und bejubelt zu werden, oder eine Medaillie in den Händen zu halten (vgl. Eberspächer 2007 c, S. 21-25).

3.3.2 Rationalisierungstechnik und Aufmerksamkeitsveränderung

Eine weitere Methode, die dabei unterstützen kann, bewusst positiv zu denken, ist die Rationalisierungstechnik. Mit dieser Methode kann die Bedeutung eines als unerwünscht empfundenen Ereignisses reduziert werden. Eine bewehrte Strategie bietet hier die Relativierungstechnik, die darin besteht, dass eine Problemsituation in ein Verhältnis zu einer anderen schwierigen Situation gesetzt wird. Ein Beispiel ist, dass eine Sportlerin oder ein Sportler sich ganz bewusst suggeriert: Wenn der eine Wettkampf verloren wird, ist das nicht so tragisch, denn kurz darauf ist schon der nächste. Oder: Ein zweiter Platz ist auch ein gutes Ergebnis, bei diesen starken Gegnern (vgl. Eberspächer 2007 d, S. 25).

Um die Aufmerksamkeit und die Konzentration einer jeweiligen Situation richtig anzupassen, gibt es die Methode der Aufmerksamkeitsveränderung. Naturgemäß kann die Aufmerksamkeit einer Sportlerin oder eines Sportlers entweder auf eine einzige Handlung, einen Aspekt oder ein Ereignis konzentriert sein oder eben auf mehrere Faktoren, die rund um das eigene Handeln wahrgenommen werden. Eberspächer beschreibt die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit mit dem Lichtkegel einer zweistufig umschalt-baren Taschenlampe. Steht der Schalter der Taschenlampe in der Dunkelheit auf der Stufe eins, ist das Licht gebündelt. In diesem Fall ist richtet sich die Aufmerksamkeit einzig und allein auf das kleine wahrnehmbare Sichtfeld. Soll aber ein größerer Fokus in den Blickwinkel genommen werden, so kann der Schalter der Taschenlampe auf die zweite Stufe umgestellt werden. Für eine Sportlerin und für einen Sportler ist es wichtig, dass der Umschaltmodus gut funktioniert und die Aufmerksamkeit adäquat an die jeweilige Situation angepasst wird (vgl. Eberspächer 2007 e, S. 40-41).

3.3.3 Systematische Knotenpunkte bilden

Am Beispiel einer Konversation zwischen dem Psychologen und Diplomsportler Prof. Eberspächer und einem ratsuchendem Golfspieler wird aufgezeigt, wie bedeutsam es sein kann, das die Systematik der Bewegungsabfolge beim Sport vor dem inneren Auge geprobt und immer wieder ins Bewusstsein gerufen wird, vor dem Training und vor dem Wettkampf.

Der besagte Golfspieler sucht Prof. Eberspächer mit der Problematik auf, dass er im Training sehr gute Leistungen erzielt und diese im Wettkampf nicht umsetzen kann. Daraufhin fragt Prof. Eberspächer den Golfer, was das wichtigste beim Wettkampf ist und erhält die von ihm erwartete Antwort. Der Golfer ist der Meinung, dass es beim Wettkampf hauptsächlich darauf ankommt, den Golfball einzulochen. Die darauffolgende Frage seitens Prof. Eberspächer erfragt die Art und Weise, wie der Golfer beim Training vorgeht, bevor er einen Ball versucht einzulochen. Der Golfer überlegt kurz und erwidert, dass er zunächst einmal den richtigen Stand findet, danach den Schläger ganz in Ruhe einschwingt, anschließend die Konzentration auf den Golfball und auf die Distanz zum Loch lenkt und dann erst den Schlag ausführt. Das bedeutet also, dass er im Training systematische Knotenpunkte abarbeitet, die er im Wettkampf nicht ausgeführt. Denn im Wettkampf fokussiert der Golfer seine Gedanken zunächst auf das Loch, richtet seinen Blick dann auf den Ball und führt anschließend den Schlag aus, ohne auf seinen richtigen Stand zu achten. Schlussendlich wundert er sich darüber, dass die Leistung im Training besser ist als die im Wettkampf (vgl. Eberspächer 2004 g, S. 140-142).

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Details

Seiten
28
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668027756
ISBN (Buch)
9783668027763
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304153
Institution / Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
1,3
Schlagworte
Führungskräfte Führung Psychologie Sportmedizin Mentales Training Chirurgie Tanzen Spitzenleistung Hochleistung Flow Flow-Zustand Eberspächer Draksal Studie

Autor

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Titel: Spitzenleistungen dank Mentalem Training. Was wir von der Sportpsychologie lernen können