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Figurenkonstellation in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers"

Seminararbeit 2014 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Werther – ein sensibler Individualist

3. Albert – der besonnene Traditionalist

4. Lotte – im Schatten der Männer

5. Schlussfolgerung

Quellennachweis

1. Einleitung

Der Briefroman Die Leiden des jungen Werther 1774 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst, gehört zur Epoche des Sturm und Drang. Das Thema dieses Romans ist einigermaßen autobiografisch, da der Autor seine platonische Beziehung zu der schon verlobten Frau Charlotte Buff beschreibt. Im Sommer 1772 war Goethe am Reichkammergericht in Wetzlar tätig und bei einem Ball lernte er Charlotte Buff, die schon mit dem hannoverischen Gesandtschaftssekretär Johann Christian Kestner verlobt war, kennen. Noch ein autobiografisches Motiv ist der Selbstmord – Legationssekretär Carl Wilhelm Jerusalem erschoss sich in Wetzlar, wegen der unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau mit der Pistole, die er von Kestner geliehen hat.[1] Die Hauptpersonen in diesem Roman sind Werther, Albert und Lotte, zwischen denen ein Liebesdreieck entstanden ist. In dieser Arbeit werden die Hauptfiguren und Beziehungen, die zu diesem Dreieckkonflikt geführt haben, geschildert.

2. Werther – ein sensibler Individualist

Werther ist ein junger Mann aus einer wohlhabenden Familie, aber das Geld ist ihm keine der wichtigsten Sachen im Leben. Im Roman wird nicht viel über seinem Aussehen, Alter oder Familie gesprochen – es werden nur seine Mutter und Tante erwähnt. Werther verfügt über viele Kenntnisse – das zeigt sich darin, dass er die Kunst mag – er zeichnet, liest viel, zumal Homer und Ossian, den er auch übersetzt. Er ist ein chaotischer Denker, ein Naturmensch, der von der Gesellschaft nicht akzeptiert ist und bleibt immer ein Außenseiter. In der Natur findet Werther die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, die Natur ist für ihn ein Mittel, mit dem er seine Gefühle offenbaren kann.Das er ein gebildeter und sensibler Mensch ist, kann man aus seinem Empfinden erkennen, das auch von seinen Lektüreerlebnissen geprägt ist (Klopstock, Lessing, Homer).[2] Er ist überzeugt von seinen Gefühlen und deshalb denkt er handelt nachdem, was er fühlt. „Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet“[3]

Werthers Probleme fangen erst dann an, als er bei einem „Ball auf dem Lande“[4] Lotte, die Tochter des Amtmanns kennenlernt. Er war von ihr begeistert, aber das Problem war das, dass sie schon mit Albert verlobt war. „´Sie ist schon vergeben´,antwortete jene, ´an einen sehr braven Mann, der weggereist ist, seine Sachen in Ordnung zu bringen, weil sein Vater gestorben ist, und sich um eine ansehnliche Versorgung zu bewerben.´“[5] Im Verlauf des Abends zieht ein Gewitter auf. Werther und Lotte betrachten vom Fenster aus die vom Regen erfrischte Natur. Beide erinnern sich an das gleiche Gedicht – die Ode Frühlingsfeier von Klopstock. Daraus beschließt Werther, dass ihre Seele füreinander geboren sind, und möchte immer mehr Zeit mit Lotte verbringen. „[...]'Klopstock!'—Ich erinnerte mich sogleich der herrlichen Ode, die ihr in Gedanken lag, und versank in dem Strome von Empfindungen, den sie in dieser Losung über mich ausgoß.“[6] Er war völlig begeistert, aber ein Schatten fällt auf sein Glück, als Albert, Lottes Verlobter, zurückkehrt. Allmählich ändert sich Werthers Stimmung und es entsteht ein Dreieckverhältnis. Doch, er befreundet sich mit Albert und sie führen mehrere Diskussionen miteinander, z.B. in einem Gespräch plädiert Werther leidenschaftlich für die Legitimität des Selbstmordes, was Albert für völlig unmoralisch hält. Werther meint, dass die menschliche Natur ihre Grenzen hat und das „Maas seines Leidens“[7] von Natur zugeordnet ist – wenn dies Maß überschritten wird, verwandelt sich das Leiden in eine „Krankheit zum Todte“.[8] Obwohl seine Liebe zu Lotte vom Anfang an rein platonischer Natur war, konnte Werther seine Begierde nicht mehr kontrollieren und er wurde in eine depressive, weltschmerzende Lage getrieben, die ihm auch die wohltuende Wirkung der Natur zerstört hat. „Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich her! Ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer.“[9] „Um seiner unerträglichen Lage ein Ende zu machen, beschließt Werther, Lotte und Albert ohne Abschied zu verlassen.“[10] Eine Zeit lang arbeitet Werther am Hof eines adeligen Gesandten, doch die Arbeit bietet ihm keine Erfüllung und auch die strenge adelige Gesellschaftsordnung wird ihm zu viel. Nach einer „Wallfahrt“[11] nach seiner Heimat kehrt er nach Wahlheim zurück. Sein Gemüt wird immer launischer und Gedanken immer affektiver, er wollte unbedingt seine Liebe zu Lotte ausleben. Doch, er wusste, dass das nicht möglich ist und deshalb nehmen seine Selbstmordgedanken immer mehr ernstere Formen an. Bei seinem letzten Besuch zu Lotte, schon entschlossen „sein Maas auszuleiden“[12], liest er eine längere Passage aus seiner Ossian-Übersetzung und diese Dichtung wird zu einem Medium, das zwei Seelen verbindet. Werther verliert Kontrolle über sich, umarmt und leidenschaftlich küsst Lotte, die verwirrt verlässt ihn. „Sie riß sich auf, und in ängstlicher Verwirrung, bebend zwischen Liebe und Zorn, sagte sie: 'Das ist das letzte Mal! Werther! Sie sehn mich nicht wieder.' “[13] Nach dem Ereignis ist für Werther klar, dass Lotte ihn auch liebt, aber dass sie ihre Gefühle nicht zeigen darf. Um Lotte die Freiheit zu geben, legt er jene Kleider an, die er in der Ballnacht getragen hat und erschießt sich am Schreibtisch sitzend. „Emilia Galotti lag auf dem Pulte aufgeschlagen.“[14] – die Kunst hat ihm bis zum Tod begleitet. „Der Leser ist aufgefordert, Leben und Tod Werthers im Spiegel des bürgerlichen Trauerspiels zu sehen.“[15]

[...]


[1] vgl. Kindlers Neues Literatur Lexikon, S.484

[2] vgl. Kindlers Neues Literatur Lexikon, S.484

[3] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 11, Z. 6-8

[4] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 20, Z. 14

[5] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 20, Z.28

[6] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 28, Z. 19-21

[7] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 50, Z. 34

[8] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 51, Z. 6

[9] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 56, Z. 14-17

[10] Kindlers Neues Literatur Lexikon, S.485

[11] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 77, Z. 1

[12] J.W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 88, Z. 24

[13] J. W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 113, Z. 34, S. 114, Z. 1-2

[14] J. W. von Goethe, Die Leiden des jungen Werther, S. 122, Z. 31-32

[15] Goethe Handbuch, Band 3-Prosaschriften, S. 64

Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668025905
ISBN (Buch)
9783668025912
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304362
Note
2,00
Schlagworte
figurenkonstellation goethes leiden werthers

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Titel: Figurenkonstellation in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers"