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Chancen und Risiken von Franchising

Studienarbeit 2015 41 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Der Begriff Franchise
2.2 Kennzeichen von Franchise
2.3 Formen und Arten von Franchising

3 Existenzgründung mit Franchising
3.1 Der Weg in die Selbstständigkeit
3.2 Die Auswahl des richtigen Konzeptes

4 Sicht des Franchisenehmers
4.1 Chancen
4.1.1 Selbstständigkeit
4.1.2 Konzept
4.1.3 Standortwahl und Gebietsschutz im Vertragsgebiet
4.1.4 Know-how, Schulungen
4.1.5 Betreuung und Unterstützung
4.1.6 Finanzierungshilfen
4.1.7 Image und Markenwert
4.1.8 Sicherheit
4.2 Risiken
4.2.1 Zahlung von Gebühren
4.2.2 Einschränkung der unternehmerischen Freiheit
4.2.3 Imageschaden am Gesamtsystem
4.2.4 Änderung der Geschäftspolitik
4.2.5 Wettbewerbsverbot
4.2.6 Aufgabe des Geschäftsbetriebes

5 Sicht des Franchisegebers
5.1 Chancen
5.1.1 Geringer Kapitaleinsatz in der Expansionspolitik
5.1.2 Hohe Renditen durch gute Geschäftskonzeptvermarktung
5.1.3 Attraktivität bei Lieferanten
5.1.4 Freie Vertragsgestaltung
5.2 Risiken
5.2.1 Hoher Kontrollaufwand
5.2.2 Verpflichtung zur Betriebsförderung
5.2.3 Arbeits- und Sozialgerichte - Scheinselbstständigkeit
5.2.4 Fehlverhalten der Franchisenehmer zu Lasten des Franchisegebers

6 Vergleichende Betrachtung
6.1 Nutzwertanalyse aus Sicht des Existenzgründers
6.2 Praxisfall einer Existenzgründung

7 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Franchise - System

Abbildung 2: Kriterien für die Auswahl von Franchise - Geschäftsideen

Abbildung 3: Einstiegsgebühr für Franchisenehmer

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unternehmensbeispiele

Tabelle 2: Finanzierungshilfen des Franchisegebers

Tabelle 3: Die bekanntesten und größten Franchiseunternehmen Europas

Tabelle 4: Bewertungsmatrix

Tabelle 5: Bewertungsvorgang

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Gründen auf bewährten Pfaden.“ Franchise-Systeme bauen auf bewährte Ideen, Strukturen und Netzwerke auf und sollen so den Eintritt in die Existenzgründung erleichtern.[1]

Die Franchise-Branche in Deutschland ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Mit etwa 1.000 Franchisesystemen zählt Deutschland in Europa zu den führenden Ländern mit den meisten Franchisebetrieben. Zu den häufigsten Branchen zählen Dienstleistungen (ca. 45%), Handel (ca. 25%), Gastronomie (ca. 18%) gefolgt von Handwerkskonzepten (ca. 12%).[2] Aktuell treten in Deutschland rund 76.500 Franchisenehmer auf, die durch das stetige Wachstum und die Erschließung neuer Märkte etwa 525.000 Arbeitsplätze geschaffen haben.[3] Als im Jahr 2003 der Umsatz noch bei rund 25 Mrd. Euro lag, wurden 2013 Umsätze von rund 62,8 Mrd. Euro erzielt.[4] In naher Zukunft kann man davon ausgehen, dass dieser Trend anhält.

Ein Existenzgründer hat die Wahl zwischen der Realisierung seiner eigenen Geschäftsidee oder dem Erwerb eines bereits bestehenden und bewährten Konzeptes. Der Franchisegeber bietet dem Gründer wichtige Faktoren wie regionale Exklusivität, professionelles Marketing, betriebswirtschaftliche Unterstützung und eine Betreuung im Gesamtpaket sowie im Markteinstieg.[5]

Das Ziel der vorliegenden Studienarbeit ist es, die Vorteile sowie die Nachteile von Franchising aus Sicht des Franchisenehmers und des Franchisegebers darzustellen um herauszufinden, ob das System eine Alternative zur klassischen Existenzgründung bietet.

In folgendem Kapitel sollen Grundlagen zum Thema Franchise geschaffen werden.

2 Grundlagen

2.1 Der Begriff Franchise

Franchise ist ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem, wodurch Waren, Dienstleistungen und Technologien vermarktet werden. Dabei arbeiten rechtlich und finanziell selbstständige und unselbstständige Unternehmen eng und fortlaufend zusammen. Als Systempartner bei Franchise treten Franchisegeber und Franchisenehmer auf. Der Franchisegeber gestattet dem Franchisenehmer ein Geschäft entsprechend seinem Konzept zu betreiben. Für dieses Recht verpflichtet sich der Franchisenehmer ein Entgelt bzw. eine Franchisegebühr im Rahmen und für die Dauer des geschlossenen Franchisevertrages zu bezahlen. Der Franchisegeber stellt die Nutzung seines technischen und betriebswirtschaftlichen Geschäftsordnungssystems zur Verfügung und gewährt dem Franchisenehmer die Nutzung der gewerblichen Schutz- und Urheberrechte sowie das Know-how.[6]

Folgende Abbildung soll das Beziehungsverhältnis der Vertragsparteien veranschaulichen:

Abbildung 1: Das Franchise - System [7]

2.2 Kennzeichen von Franchise

Das Franchisesystem weist als kooperatives, arbeitsteiliges und straffes Vertriebssystem besondere Merkmale auf, um sich klar von anderen Vertriebsarten abgrenzen zu können.[8] Diese Kennzeichen sehen wie folgt aus:[9]

I. Das Absatzsystem erfolgt aus dezentralen Vertriebsstellen, d.h. der Franchisenehmer ist vor Ort für den Vertrieb der Produkte oder Dienstleistungen zuständig. Hierdurch obliegt der Absatz dem Franchisenehmer, da dieser über bessere Marktkenntnisse am Standort verfügt und er somit die Marktmasse flexibel steuern kann.
II. Der Franchisegeber stellt dem Franchisenehmer Leistungen, wie die Erstellung von Beschaffungs-, Absatz- und Organisationskonzepten sowie den Betriebsaufbau, Ausbildung, aktive Unterstützung und eine laufende Weiterentwicklung des Franchisesystems zur Verfügung.
III. Der Franchisenehmer stellt dem Franchisegeber Leistungen, wie Arbeits- und Kapitaleinsatz sowie Markt- und Erfolgsinformationen zur Verfügung, welche der Franchisesystemzentrale übermittelt werden und zur Auswertung dienen.
IV. In rechtlicher Sichtweise handeln beide Vertragsparteien auf eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Somit sind beide als selbstständige Unternehmer zu betrachten.
V. Die Organisation von Franchise ist in einer vertikalen Struktur gehalten, indem der Franchisegeber sein Konzept dem Franchisenehmer für den künftigen Erfolg überlässt. Eine optimale Arbeitsteilung erfolgt durch gruppeninterne Spezialisierung, wodurch der größtmögliche Nutzen erwirtschaftet werden soll. Der Franchisegeber hat dabei eine richtlinien-ähnliche Kompetenz, um das System für alle konform zu halten.
VI. Ein einheitliches Auftreten aller Franchisenehmer soll zur Stärkung der Marke und des Namens am Gesamterscheinungsbild des Systems beitragen. Durch den Aufbau dieses Images soll das Vertrauensverhältnis beider Vertragsparteien gestärkt werden.
VII. Franchiseverträge zeichnen sich durch langfristige vertragliche Bindungsfristen aus, damit Franchisegeber und Franchisenehmer eine nachhaltige Planungssicherheit besitzen. Der Franchisenehmer soll während dieser Zeit seine Existenzgründung sichern und das investierte Kapital zurück gewinnen.

2.3 Formen und Arten von Franchising

Franchising lässt sich hinsichtlich der wirtschaftlichen Franchising-Objekte in drei verschiedene Arten einteilen.

Bei dem Produktfranchising übernimmt der Franchisenehmer die Herstellung und den Verkauf eines Produktes. Dabei erhält er eine Herstellungsanleitung mit dem dazugehörigen Know-how vom Franchisegeber. Die hergestellten Produkte werden im Anschluss unter dem Markennamen des Franchisegebers verkauft. Die zweite Art ist das Vertriebsfranchising. Hier werden Waren vermarktet, welche der Franchisenehmer nicht selbst herstellt, sondern vom Franchisegeber oder von anderen selbstständigen Herstellern bezieht. Als letzte Art ist das Dienstleistungsfranchising zu nennen. Hier werden Dienstleistungen vom Franchisenehmer erstellt und vermarktet. Dabei wurde vom Franchisegeber eine klare Vorgabe und Richtlinie geschaffen, wie diese Dienstleistung zu erbringen ist (Serviceversprechen).[10]

In der unteren Tabelle sind dazu einige Beispiele von Unternehmen aufgezeigt:

Tabelle 1: Unternehmensbeispiele [11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben den bereits genannten Arten treten auch des Öfteren Sonderformen von Franchise am Markt auf.

Die erste zu erwähnende Sonderform ist das Master-Franchising. Hier erwirbt ein Master-Franchisenehmer eine Franchiselizenz von einem ausländischen Unternehmen, welches am inländischen Markt tätig werden will. Der Master-Franchisenehmer wird somit zum Franchisegeber und vergibt weitere Lizenzen an Franchisenehmer auf eigne Rechnung. Eine weitere Form ist das Mehrfachfranchising. Bei dieser Art ist der Franchisenehmer mehrfach an einem Franchisesystem beteiligt und betreibt mehrere Standorte gleichzeitig. Eine eher seltene Form des Franchisings ist das Franchise in mehreren Franchisesystemen. Dabei betreibt der Franchisenehmer gleichzeitig verschiedene Franchisesysteme von verschiedenen Branchen. Diese Art von Franchising findet man vermehrt in Frankreich. In Deutschland recht unbekannt sind die Franchiseverträge, welche auf Gebietsentwicklungsverträge greifen. Dabei baut ein selbstständiger Unternehmer in einem bestimmten Gebiet, eine bestimmte Zahl eigener Betriebe auf und schließt im Anschluss einen eigenen Franchisevertrag mit dem Franchisegeber ab.[12]

Nachdem in diesem Kapitel Bezug auf die Grundbausteine von Franchise genommen wurde, befasst sich das folgende Kapitel mit Ansatzpunkten, welche ein Existenzgründer mit Eintritt in die Selbstständigkeit in einem Franchisesystem beachten sollte.

3 Existenzgründung mit Franchising

3.1 Der Weg in die Selbstständigkeit

Der Weg in die Selbstständigkeit stellt für viele Menschen einen Teil der Selbstverwirklichung dar. Doch sind vor diesem Schritt einige Punkte zu beachten.[13] Der Schritt in die Selbstständigkeit bringt erhebliche Veränderungen der gesamten Lebensgewohnheiten mit sich. Unternehmer zu sein, bedeutet den Verzicht auf geregelte Arbeitszeiten, ein festes monatliches Einkommen, geregelte Urlaubszeiten, freie Wochenenden und den pünktlichen Feierabendbeginn. Um erfolgreich ein Unternehmen aufbauen zu können, ist eine Reflektion der eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und der Motivation mit den Anforderungen der Selbstständigkeit zu überprüfen. Sind die Ansprüche erfüllt, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Franchise - Unternehmensgründung gut.[14]

3.2 Die Auswahl des richtigen Konzeptes

Einer der wichtigsten Punkte bei der Existenzgründung im Franchising ist die Auswahl des richtigen Geschäftskonzeptes. Die Konzepte am Markt weisen verschiedene Rahmenbedingungen auf. Diese weichen von den Eckpunkten Konzept, Leistungsumfang und finanzieller Aufwand ab. Da der Markt mit solchen Geschäftskonzepten überschwemmt ist und diese ständigen Veränderungen unterliegen, kann sich die Auswahl des richtigen Konzeptes als schwierig erweisen. Damit der Franchisenehmer das Passende für sich finden kann, ist eine genaue Analyse notwendig.[15]

Die folgende Grafik stellt dabei die drei Bereiche vor, welche unbedingt beachtet werden sollten:

Abbildung 2: Kriterien für die Auswahl von Franchise - Geschäftsideen [16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl der Franchisegeschäftsidee ist die Qualifikation. Viele Franchisegeber fordern vom Franchisenehmer nachweisliche Kenntnisse im jeweiligen Tätigkeitsbereich um geforderte Qualitätsansprüche nachhaltig zu sichern. Beispielsweise ist bei der Friseurladen-Kette „Mod´s Hair“ ein Meisterbrief im Friseurhandwerk oder bei der Firma „Portas“ ein Meisterbrief im Tischlerhandwerk erforderlich. Jedoch spielt nicht nur die fachliche Qualifikation eine Rolle. Viele Franchiseunternehmen fordern die Bereitschaft im Umgang mit Menschen, Engagement, unternehmerisches Talent und Führungspotenzial.[17]

Franchisekonzepte unterscheiden sich bei der Gründung sowohl von den mitzubringenden Qualifikationen, als auch von dem zu investierenden Kapital. So ist bei der Gründung eines „McDonald´s Restaurants“ mit einer Investitionssumme von rund 760.000,- Euro[18] zu rechnen. Vergleichsweise günstig dagegen ist die Eröffnung einer Filiale des Fitnessanbieters „Bodystreet“ für rund 80.000,- Euro.[19] Hier sollte vor einer Entscheidung eine genaue Prüfung der eigenen Kapitalsituation und der vorhandenen Sicherheiten erfolgen.[20]

Ein etwas schwieriger zu betrachtendes Auswahlkriterium ist die Erfolgsaussicht einer Franchise-Geschäftsidee. Hier fließt neben der objektiven Betrachtung auch die subjektive Betrachtung mit hoher Gewichtung ein. Ist das Franchisesystem langfristig am Markt bereits aufgestellt? Gibt es Bedarf für das Produkt oder die Dienstleistung und wie hebt diese sich aus der Masse hervor? Wie hat sich das System entwickelt und gibt es in der Region des Franchisenehmers eine Nachfrage dafür? Stimmen die Umsatz- und Gewinnerwartungen mit bestehenden Unternehmen des Systems überein? Wie viele Partner sind bereits angeschlossen? Bei der Klärung dieser Fragen und bei der Einschätzung des Franchisesystems fängt hier bereits die unternehmerische Entscheidungskompetenz für die Selbstständigkeit des Franchisenehmers an.[21]

Als praktisches Beispiel ist das Franchise-Unternehmen „Hans im Glück“ als Gourmet-Burger-Restaurant-System zu nennen. Dieses eröffnete 2010 in München seine erste Filiale.[22] Das Geschäftskonzept verfolgt ein außergewöhnliches Erlebnis in Richtung Frische und Natürlichkeit für eine ernährungsbewusste Zielgruppe. So wird ein hohes Maß an Qualität an sämtlichen Zutaten gefordert und frische Produkte aus der Region zu einem kreativen und einmaligen Burger-Erlebnis für die Kunden verarbeitet. Die Hans im Glück Franchise GmbH ist ein junges, aufstrebendes und erfolgreiches Unternehmen, das mit Hilfe neuer Franchisepartner den Markt schnell durchdringen will. Dabei unterstützt das Unternehmen die Existenzgründer bei der Planung und der finanziellen Umsetzung. Hans im Glück hat mit Stand Februar 2015 bereits 32 Standorte, wobei sich die südlichste Filiale in Rosenheim und die nördlichste Filiale in Flensburg befindet. Das Franchisesystem hat den Plan im Jahr 2015 weitere 15 - 20 Standorte zu eröffnen und somit Existenzgründern den Weg in die Selbstständigkeit als Partner eines dynamischen Unternehmens zu verhelfen.[23]

4 Sicht des Franchisenehmers

4.1 Chancen

4.1.1 Selbstständigkeit

Einer der größten Vorteile von Franchising ist der Eintritt in die Selbstständigkeit des Franchisenehmers. Hierdurch wird dem Unternehmer ermöglicht, fortan seine Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen und unternehmerisch zu handeln. Der angehende Unternehmer ist nun für die Höhe seines Einkommens selbst verantwortlich und kann dieses durch den gezielten Einsatz von Ressourcen selbst gestalten. Dabei obliegt es dem Franchisenehmer in welchem Maße der Arbeitsmitteleinsatz erfolgt und wie hoch die Eigeninitiative ist. Die Weichen der Zukunftsplanung sind somit auf Eigenverantwortlichkeit gestellt.[24]

4.1.2 Konzept

Einer der wichtigsten Vorteile ist der Erwerb und die Umsetzung eines fertigen, erprobten Geschäftskonzeptes. Durch den Erwerb eines Konzeptes kauft der Franchisenehmer eine bereits etablierte Idee am Markt, welches eine hohe Wachstumsdynamik in einem bestimmten Marktsegment (Region, Format, Standorttyp oder Partnertyp) vorweisen kann.[25]

Hierdurch wird ihm die Entwicklung einer eigenständigen Idee abgenommen und er kann sich auf eine Geschäftsidee verlassen, welche bereits an anderen Standorten für positive Resonanz sorgen konnte. Das Konzept beinhaltet dabei die Ware, das Produkt oder die Dienstleistung sowie die Zielgruppe die angesprochen werden soll. Auch profitiert der Franchisenehmer von der Struktur, der Geschäftsausstattung, der Marktstellung des Franchisegebers, dem Image der Marke und von Werbemaßnahmen die unternommen werden um eine höhere Marktdurchdringung zu generieren.[26] Dieses Konzept wird laufend weiter entwickelt und profitiert von den Einzelerfahrungswerten der Franchisenehmer.

4.1.3 Standortwahl und Gebietsschutz im Vertragsgebiet

Neben dem bereits gekauften Konzept ist die Wahl des richtigen Standortes für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb unumgänglich. Für einen Erfolg ist eines entscheidend: „Lage, Lage, Lage“.

Dabei analysiert der Franchisegeber auf Basis seiner Erfahrungen und anhand der Daten einer vorab durchgeführten Marktanalyse[27], welche Standorte für einen neuen Franchisebetrieb in Betracht kommen. Dabei wird versucht, den optimalen Markteintrittszeitpunkt und Markteintrittsort für das benötigte Produkt bzw. Dienstleistung zu finden.[28] Die Standorte werden vom Franchisegeber in Vertragsgebiete eingeteilt und dienen dem Franchisesystem als Expansionsstrategie. Mit Hilfe dieser Einteilung kann sich der neue Franchisenehmer einen Gebietsschutz für seine neue Filiale verschaffen. Der Gebietsschutz wird zwischen beiden Franchisepartnern vertraglich vereinbart und legt ein festumrissenes Vertragsgebiet fest, das dem Franchisenehmer erlaubt nur innerhalb dieses Bereiches Kunden zu akquirieren. Der Franchisegeber verpflichtet sich innerhalb des zugesagten Vertragsgebietes keine eigenen Lieferungen und Leistungen auszuführen oder weitere Franchiseverträge abzuschließen. Hierdurch soll eine Abwerbung von attraktiven Kunden im Marktgebiet durch andere Franchisenehmer verhindert werden.[29]

Dadurch kann sich der Franchisenehmer auf die Führung seiner Systemfiliale konzentrieren und muss sich nicht überwiegend mit der Konkurrenzsituation auseinander setzen.

4.1.4 Know-how, Schulungen

Eine Unternehmenseröffnung ohne vorhandenes Wissen stellt sich oft als schwierige Situation dar und führt in vielen Fällen nach wenigen Jahren wieder zur Schließung. So lag im Durchschnitt die Rate für Unternehmensgründungen bei ca. 10,8% und die Schließungsrate bei ca. 10,3% im Betrachtungszeitraum 2005 - 2010 in der Bundesrepublik Deutschland.[30] Anders bei Franchise, hier ist die Rate der Geschäftsaufgaben nach kurzer Zeit geringer aufgrund wachstums- und renditestärkerer Partner.[31]

Grund für die bessere Etablierung zu Beginn kann die Betreuung des Franchisenehmers durch den Franchisegeber sein. Am Anfang erhält jeder Franchisenehmer ein Handbuch über das Franchisesystem. Dieses Handbuch soll dem Franchisenehmer als Leitfaden dienen, um in der Anfangsphase einen Wissenstransfer über das System übersichtlich, verständlich und plausibel herzustellen. Dabei beschreibt das Handbuch die Marktsituation, den Geschäftstyp, die Wettbewerbsvorteile, Leistungs- und Informationsströme sowie die Spielregeln für eine reibungslose Zusammenarbeit. Der Leitfaden soll somit ein Grundstein für einen Geschäftserfolg in der Franchisepraxis sein und dem Franchisenehmer Zusammenhänge vom System darstellen.[32]

Ergänzender Baustein zu den Handbüchern vor Eröffnung des Geschäftsbetriebes ist eine Teilnahme an einer Schulung bzw. einem Seminar. Diese Einführungsschulung soll dem startenden Franchisenehmer als praktische Ergänzung zu den bereits ausgehändigten Unterlagen dienen und offene Fragen klären. Dem Existenzgründer soll somit ein Gesamtüberblick verschaffen werden. Als sekundärer Effekt einer solchen Veranstaltung ist die Stärkung des Motivationsgefühls zu erwähnen.[33]

Aber nicht nur zu Beginn ist eine Weitergabe des Wissens wichtig. Franchise erfordert eine anhaltende, kontinuierliche und vertrauensvolle Betreuung, denn nur so kann das System zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Dieser Erfahrungsaustausch zwischen Franchisenehmer und Franchisegeber soll auf partnerschaftlicher Ebene erfolgen, umso eine Win-Win-Situation[34] für das gesamte Franchisesystem zu schaffen.[35]

4.1.5 Betreuung und Unterstützung

Die Betreuung in einem Franchisesystem ist individuell geregelt. Dabei lassen sich keine starren Grundsätze aufstellen. Jedes Franchisesystem bietet dem Franchisenehmer andere Betreuungsmöglichkeiten. So hat der Franchisegeber eine umfassende Beratungs- und Unterstützungspflicht gegenüber dem Franchisenehmer, ihn so auf das System vorzubereiten, dass der Existenzgründer vor geschäftlichen Fehlinvestitionen bewahrt wird.[36]

Im laufenden Geschäftsbetrieb kann die Betreuung so gestaltet werden, dass dem Franchisenehmer eine Hotline zur Verfügung gestellt wird oder auch eine direkte Betreuung vor Ort ermöglicht wird. Durch die direkte Betreuung vor Ort kann ein geschulter Mitarbeiter aus der Franchisezentrale dem Existenzgründer wichtige Hinweise für eine effiziente Betriebsführung geben. Manche Systeme sehen den Einsatz eines Regionalleiters vor. Dies hat den Vorteil, dass der Franchisenehmer einen direkten Ansprechpartner hat, an den er sich bei Problemstellungen wenden kann. Der Regionalleiter kann Regionaltagungen organisieren, um Neuerungen zu kommunizieren und einen Erfahrungsaustausch der Franchisenehmer durchzuführen.[37]

Gerade in der Anlaufphase ist eine helfende Hand ein wichtiges Instrument für den wirtschaftlichen Erfolg. So unterstützt der Franchisegeber den Franchisenehmer bei der Buchführung und beim Aufstellen und Interpretieren von betriebswirtschaftlichen Auswertungen. Diese Auswertung von Umsätzen, Kosten und Deckungsbeiträgen soll dem Franchisenehmer helfen, einen Überblick über die wirtschaftliche Situation zu erhalten. Auch der Franchisegeber erhält eine bessere Übersicht, wie wirtschaftlich die neue Franchisesystemfiliale ist. Somit können frühzeitig Maßnahmen zur Umsatzsteigerung und Gewinnerzielung eingeleitet werden.[38]

4.1.6 Finanzierungshilfen

Die Einrichtung eines Geschäftsbetriebes erfordert meist einen hohen Einsatz an Kapital. Für den Aufbau eines Betriebes muss meist ein Ladenlokal umgebaut, Geschäftsausstattung besorgt, ein Grundwarenstock angeschafft und behördliche Gebühren gezahlt werden. Neben diesen normalen Eröffnungskosten kommen beim Franchise-System noch Eintrittsgebühren zustande. Der Franchisenehmer muss folglich einiges an liquiden Mitteln aufbringen.[39] In vielen Systemen erfolgt daher auch in Richtung der Finanzierungsstruktur eine enge Zusammenarbeit der Franchisepartner. Dabei soll eine Finanzierung des Vorhabens so dargestellt werden, dass die Existenzgründungsfinanzierung auf verschiedene Arten verteilt wird. So hat der Franchisenehmer neben der Kapitalbeschaffung aus Eigenmitteln, Hausbankdarlehen oder öffentlichen Finanzierungsmitteln auch die Option einen Teil der Finanzierung über den Franchisegeber zu erhalten. Diese Finanzierungspolitik schafft eine weitere hohe Vertrauensbasis zwischen den Partnern. Es zeigt, dass der Franchisegeber an den finanziellen Erfolg des Standorts glaubt und sich intensiv mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betriebes sowie der Person des Gründers auseinandergesetzt hat.[40]

Die Finanzierungshilfen kann jeder Franchisegeber nach eigenem Ermessen selbst gestalten und festlegen.

Folgende Darstellung soll einen Überblick der möglichen Finanzierungshilfen vom Franchisegeber verschaffen:

Tabelle 2: Finanzierungshilfen des Franchisegebers [41]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Finanzierungshilfen werden in zwei Arten eingeteilt. Die finanzielle Unterstützung soll dem Franchisenehmer helfen, liquide Mittel direkt beim Franchisegeber in Anspruch zu nehmen und dabei kostenintensivere Beschaffungsmethoden bei Dritten (z.B. Banken) zu vermeiden.

Die Besicherungshilfe dient als Eventualverbindlichkeit. Dabei tritt der Franchisegeber mit in das Vertragsverhältnis ein und verpflichtet sich zusätzlich die Erfüllung von Verbindlichkeiten, bei Nichtleistung des Franchisenehmers, einzustehen.[42]

4.1.7 Image und Markenwert

Einer der wohl wichtigsten Vorteile von Franchise ist der Auftritt des Franchisenehmers unter einem stark geprägten Markennamen des Mutterkonzerns. Für die Schaffung eines positiven Unternehmensimages benötigt der Konzern vor allem Zeit. Das Franchiseunternehmen schafft den Aufbau einer Marke durch nachhaltige Kundenzufriedenheit und durch Einbindung gezielter Werbe- und Marketingkampagnen. Auch der Marktauftritt des Produktes oder der Dienstleistung spielt eine große Rolle. Der Konzern muss es mit Hilfe der Franchisenehmer schaffen, die Kunden von der Marke zu überzeugen, sodass diese auch bereit sind einen höheren Preis dafür zu zahlen und die Marke erneut kaufen.[43]

Diese Franchise-Firmen haben wohl die bekanntesten Marken geschaffen:

Tabelle 3: Die bekanntesten und größten Franchiseunternehmen Europas [44]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit den Markennamen aus der Tabelle kann wohl fast jeder eine Assoziation herleiten.

Der Franchisenehmer kann somit von dem Markenwert des Gesamtkonzerns profitieren und ist nicht gezwungen eine eigene Marke zu schaffen.

[...]


[1] Vgl. VDI Nr. 4 vom 23.01.2015, S. 26.

[2] Vgl. Deutscher Franchise-Verband e.V.(2014): Franchise-Ratgeber 2014/2015, Berlin, S. 10.

[3] Vgl. Deutscher Franchise-Verband e.V.(2014): Franchise-Ratgeber 2014/2015, Berlin, S. 15.

[4] Vgl. Deutscher Franchise-Verband e.V.(2014): Franchise-Ratgeber 2014/2015, Berlin, S. 17.

[5] Vgl. Bleiber, Reinhard (2013): Erfolgreiche Existenzgründung, 3. Auflage, Freiburg und München: Haufe, S. 195f.

[6] Vgl. Flohr, Eckhard (2010): Franchise-Vertrag, 4. Auflage, München: Verlag C.H.Beck, S. 2f.

[7] Eigene Darstellung, in Anlehnung an Schmalen, Helmut u. Pechtl, Hans (2013): Grundlagen

und Probleme der Betriebswirtschaft, 15. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, S. 419.

[8] Vgl. http://www.franchiseverband.com/dfv-services/franchise-fragen/, [22.02.2015].

[9] Vgl. http://www.franchiseverband.com/dfv-services/franchise-fragen/merkmale-franchsing/, [22.02.2015].

[10] Vgl. Schmalen, Helmut u. Pechtl, Hans (2013): Grundlagen und Probleme der Betriebswirt- schaft, 15. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, S. 418f.

[11] Eigene Darstellung, in Anlehnung an Deutscher Franchise-Verband e.V.(2014): Franchise- Ratgeber 2014/2015, Berlin, S. 66 - 102.

[12] Vgl. http://www.franchising.de/ratgeber/informationen/basisinformationen/artikel/arten- unterscheidung-und-einteilung-von-franchising, [23.02.2015].

[13] Vgl. Welt am Sonntag Nr. 47 vom 24.11.2013, S. BY1.

[14] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 47 - 50.

[15] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken,

Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 61.

[16] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 62.

[17] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 62.

[18] Vgl. http://www.franchiseverband.com/deutscher-franchise-verband/dfv-mitgliedschaft /mitgliedsanzeige/detail/mcdonalds/, [10.04.2015].

[19] Vgl. http://www.franchiseverband.com/deutscher-franchise-verband/dfv-mitgliedschaft /mitgliedsanzeige/detail/body-street/, [10.04.2015].

[20] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 63.

[21] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 63 - 65.

[22] Vgl. http://www.franchiseportal.de/franchise-news/Gastronomie-Franchise-System-Hans-im- Glueck-Neues-Gourmet-Burger-Restaurant-eroeffnet.htm, [10.04.2015].

[23] Vgl. http://www.hansimglueck-franchise.de/, [10.04.2015].

[24] Vgl. http://www.gruenderszene.de/allgemein/flexibilitaet-selbststaendigkeit, [24.02.2015].

[25] Vgl. Ahlert, Dieter u. Ahlert, Martin (2010): Handbuch Franchising und Cooperation – Das Management kooperativer Unternehmensnetzwerke, Frankfurt am Main: Deutscher Fachver lag, S. 613 - 615.

[26] Vgl. http://www.deutschland-startet.de/geschaeftsidee/, [24.02.2015].

[27] Unter einer Marktanalyse versteht man die Erhebung von Daten, die allgemeine branchen- bezogene Entwicklungstrends wiederspiegeln. In einer Marktanalyse können Datenerhe- bungen aus Standortanalysen, Absatzanalysen, Zielgruppenanalysen, Konkurrenzanalysen und Personal- / Lohnsituationen einfließen. Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 18.

[28] Vgl. Büchner, Helmut und Kästner, Gunter (1995): Franchising – Modelle, Chancen, Risiken, Verdienstaussichten für die Existenzgründung, München, Landsberg am Lech: mvg-Verlag, S. 18 - 20.

[29] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 64f.

[30] Vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Unternehmen Handwerk/Unternehmensregister/Methoden/Downloads/Unternehmensdemografie_62 013.pdf?__blob=publicationFile, [24.02.2015].

[31] Vgl. Die Welt, Nr. 1, Jg. 54 vom 02.01.2003, S. 15.

[32] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 119 - 121.

[33] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 42f.

[34] Unter einer Win-Win-Situation versteht man die Generierung eines höheren Nutzens bzw.

Vorteils für ein Geschäft, als es Kosten verursacht. Beide Geschäftsseiten generieren daraus einen Vorteil. Vgl. http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/win-win-situation, [25.02.2015].

[35] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 172.

[36] Vgl. Vortmann Isernhagen, Jürgen (1990): Franchiseverträge, 2. Auflage, Planegg, München: WRS Verlag, S. 18f.

[37] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 172.

[38] Vgl. Bleiber, Reinhard (2013): Erfolgreiche Existenzgründung, 3. Auflage, Planegg, München: Haufe Verlag, S. 196.

[39] Vgl. http://www.franchiseverband.com/franchise-nehmer/franchise-finanzierung/, [26.02.2015].

[40] Vgl. Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise- System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 206f.

[41] Eigene Darstellung, in Anlehnung an Nebel, Jürgen, Schulz, Albrecht und Wessels, Andrea Maria (1999): Das Franchise-System, Neuwied, Kriftel: Luchterhand, S. 208.

[42] Vgl. Richard, Willi und Mühlmeyer, Jürgen (2007): Betriebslehre der Banken und Sparkassen,

31. Auflage, Rinteln: Merkur Verlag, S. 450f.

[43] Vgl. Neuss-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 26. vom 31.01.2015, (Wirtschaft und Verbraucher).

[44] Eigene Darstellung, in Anlehnung an http://www.franchisedirekt.com/top500/, [26.02.2015].

Details

Seiten
41
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668030220
ISBN (Buch)
9783668030237
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304605
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
chancen risiken franchising

Autor

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Titel: Chancen und Risiken von Franchising