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Die Dopingproblematik. Situation, Entwicklung und Lösungsansätze

Facharbeit (Schule) 2015 17 Seiten

Gesundheit - Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Doping und seine Auswirkungen auf den Sport und den Menschen
1.2 Definition des Dopingbegriffs
1.3 Motivation

2 Hauptteil
2.1 Problematik
2.2 Gründe für das Doping
2.3 Entwicklungen
2.4 Lösungsansätze

3 Diskussion
3.1 Zusammenfassung und Fazit
3.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang A - Abbildungen

1 Einleitung

1.1 Doping und seine Auswirkungen auf den Sport und den Menschen

Im Sport geht es um Fair Play, also um das Einhalten von Regeln im Wettkampfsport. Allerdings steht gerade im Leistungs- und Spitzensport eher die erbrachte beziehungsweise nicht erbrachte Leistung im Vordergrund. Je höher die Ambitionen sind, desto weniger Rücksicht wird auf das Fair Play genommen. Hinzu kommt, dass egal ob von Medien, Konkurrenz oder eigenen Ambitionen, ein gewaltiger Leistungsdruck auf die Sportler ausgeübt wird. Um diesen Leistungsdruck zu kompensieren greifen nicht nur Hochleistungssportler zu Doping, der medikamentösen Leistungssteigerung, sondern auch Alltagssportler. Da eine exakte Definition des Dopingbegriffs, aufgrund unklarer Grenzsetzung, nicht möglich ist[1], wird zwischen Doping im engeren sowie im weiteren Sinn unterschieden: Das Dopen im engeren Sinn beschreibt eine illegitime Leistungssteigerung in einem Wettkampfsport. Im weiteren Sinne hingegen, meint Doping die Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit außerhalb des Wettkampsportes, wie zum Beispiel im Breitensport, wo keine Kontrollen stattfinden1. Eine Steigerung der kognitiven Fähigkeiten wird nicht als Doping, sondern als Enhancement bezeichnet [2]. Außer dem Sport schaden sich die Betroffenen zudem selbst, denn mit den meist verschreibungspflichtigen Medikamenten sind oftmals eine Menge gesundheitlicher Risiken verbunden. Ob durch eine Überdosis, eine einfache Überschreitung der Anwendungsdauer oder die zu häufige Einnahme der Medikamente, Nebenwirkungen können auf verschiedene Art und Weisen auftreten. So können beispielsweise Schmerzmittel zu Atemlähmungen oder einem Kreislaufschock führen. Bei falscher Einnahme von anabolen Steroiden hingegen kann es zu Wachstumsstörungen, Akne oder gar zu Krebs kommen[3]. Durch diese und weitere Nebenwirkungen sowie durch die Enthüllung der Dopingpraxis in der DDR, in welcher Doping zum Alltag gehörte, wurde in der Vergangenheit die Sensibilität der Sportler und Funktionäre geschärft. Es entstanden zahlreiche Anti-Doping-Organisationen, welche während des Wettkampfes und des Trainings mit Dopingkontrollen dafür sorgen, dass Sportler, welche sich illegitime Medikamente zu Nutze machen, aus Wettbewerben ausgeschlossen werden und mögliche weitere Strafen erhalten. Einige größere dieser Organisationen sind die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) und die NADA (Nationale-Anti-Doping-Agentur). An diesem Punkt treffen die Anti-Doping-Bewegungen jedoch auf eine Problematik die bislang nicht gelöst werden konnte. Beispielsweise wurde ermittelt, dass in den Jahren von 1960 bis 1990 lediglich 53 von 16872 Sportler positiv auf Doping getestet wurden. Zwischen 1960 und 1990 haben beinahe alle Spitzensportler ihre Ergebnisse unter Einfluss von medikamentöser Leistungssteigerungsmittel erbracht[4]. Diese Erkenntnisse veranschaulichen die Ineffektivität der Dopingkontrollen und die dadurch entstehende Problematik. Im Folgenden werde ich ausführen, was diese Dopingproblematik beinhaltet, wie sie sich entwickelt hat und inwiefern bereits vielversprechende Lösungsansätze existieren. Das Ergebnis wird im Anschluss diskutiert. Zunächst allerdings werde ich den Begriff Doping definieren und anschließend meine Motivation darlegen.

1.2 Definition des Dopingbegriffs

Der Vorgang des Dopens beschreibt die Steigerung der Leistungsfähigkeit durch die Einnahme von im Wettkampfsport verbotenen Substanzen4 .Diese Substanzen erlauben es dem Körper des Sportlers über die Leistungsgrenzen hinauszugehen, indem der Zugang zu den sogenannten autonom geschützten Reserven ermöglicht wird. Diese zusätzlichen Ressourcen sind lediglich für Situationen, in denen sich der Mensch in Lebensgefahr sieht, für ihn zugänglich. Der Bereich der autonom geschützten Reserven ist also nur unter Extrembedingungen nutzbar, weshalb es zu Komplikationen kommt, wenn der Körper regelmäßig auf diese zugreifen muss4. Es ist auch nicht möglich, den Zugriff auf diese Reserven zu trainieren, weshalb aus eigener Kraft diese zusätzliche Leistungsfähigkeit nicht beansprucht werden kann.

1.3 Motivation

Ich habe mich für das Thema „Dopingproblematik - Situation, Entwicklung und Lösungsansätze“ entschieden, da ich bereits durch den Sporttheorieunterricht auf diese Thematik aufmerksam geworden bin. Filme sowie Internetartikel ließen mein Interesse wachsen. In meinen Augen ist es bedauerlich, dass der Sport, bei dem es um natürliche Leistungen geht, durch Medikamente in ein schlechtes Licht gerückt wird, weshalb dieses Thema mein Interesse geweckt hat. Meine Neugier besteht besonders darin, zu ermitteln, ob es in der Zukunft möglich sein wird, den Dopingkonsum mit neuen Regeln oder Vorgehensweisen einzuschränken.

2 Hauptteil

2.1 Problematik

Eines der Hauptprobleme der Dopingproblematik stellt die steige steigende soziale Akzeptanz gegenüber den leistungssteigernden Medikamenten dar. Doping wird oft mit der Medikalisierung in Verbindung gebracht, einem Prozess, bei dem die Medikamente immer mehr Akzeptanz von der Gesellschaft erfahren und deshalb immer mehr zum Alltag gehören. Ein Beispiel, welches die Problematik verdeutlicht, ist der Alkohol: Dadurch, dass er gesellschaftlich akzeptiert wird, ist es schwer ein Alkoholverbot zu erlassen. Die Analogie zum Doping besteht darin, dass sich beides nicht ohne weiteres verbieten lässt, obwohl allgemein bekannt ist, dass es schädlich ist, Doping zu nutzen (bzw. Alkohol zu konsumieren). Die Art und Weise, wie Dopingbefürworter argumentieren, ist zu kritisieren: Sie behaupten, Leistungssport sei ohnehin nicht gesund, da man ununterbrochen unter sowohl psychischer als auch physischer Belastung steht.

Ein weiterer Punkt der Problematik ist, dass Sport sich auf natürlich erbrachte Leistungen stützt: Wird die Leistungsfähigkeit medikamentös gesteigert, so werden nicht nur Chancengleichheit und Fairness missachtet, die Natürlichkeit der Leistungen wird auch verfälscht5. Die Leistung ist somit eher synthetisch erbracht worden. Die Faszination, die sportliche Ergebnisse ausmacht, ist nicht, dass etwas erreicht wurde, sondern, dass dies durch einen natürlichen Menschen erreicht wurde[5]. Sport verliert mit Doping also seinen ursprünglichen Sinn. Des Weiteren werden sportliche Veranstaltungen immer uninteressanter für den Sportliebhaber. Man geht bereits davon aus, dass ein Großteil der Spitzensportler gedopt ist, weshalb der Sport auch finanziell unter der Dopingproblematik leidet. Auch Trainings- sowie Wettkampfkontrollen erweisen sich als wirkungslos. Dies liegt vor allem an dem organisierten Vorgehen der Sportler und der Verantwortlichen[6] sowie an der Abhängigkeit der kontrollierenden Instanzen, denn kein Sportfan erfährt gerne, dass ein Spitzensportler gedopt wurde. Im Gegenteil, die Sport begeisterten interessieren sich eher für die Dopingfälle eher unbekannter Sportler. Nicht nur Leistungssportler greifen auf die illegitime Leistungssteigerung zu: Immer öfter werden Fälle bekannt, in denen sich Breitsportler bei großen Wettbewerben mithilfe von Doping ein vielversprechendes Ergebnis erhoffen.

2.2 Gründe für das Doping

Gründe für das Doping gibt es nicht nur im Leistungsbereich, sondern auch im Breitensport6. Die NADA beschreibt die Ursachen des Dopens wie folgt6: „Doping ist ein systemimmanenter Bestandteil des Sports, insbesondere des Spitzensports. Der nach oben offene Leistungsimperativ und die im Sport eingesetzte Kommerzialisierung beinhalten einen Anreiz, für den Sportler und sein Umfeld, durch unlautere Methoden einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen."

Von Wissenschaftlern wurden zwei Arten von Gründen, die zu Doping anregen, festgelegt: Die sog. internen Gründe, also Beweggründe die der Sportler aus eigenem Antrieb hat, und externe Gründe, die aus fremden Einflüssen hervorgehen. Zu den internen Gründen gehört beispielsweise der Nachahmeffekt: Sportler ahmen ihr Idol nach, um selbst das Leistungsniveau eines potenziellen Idols zu erreichen6. Die nicht Akzeptanz der Leistungsverringerung führt des Weiteren dazu, dass Sportler dopen, um Nachteile auszugleichen, denen sie durch Verletzungen oder dem Altern ausgesetzt sind[7]. Ebenfalls können Minderwertigkeitskomplexe oder mangelnder Ehrgeiz interne Beweggründe sein. Sind Sportler nicht ehrgeizig genug, durch Training ihre eigenen Leistungen zu optimieren, führt es oft dazu, dass sie letztendlich dopen. Auch wenn es bei Leistungssportlern durch den medialen Druck zu depressiven Tendenzen kommt, ist Doping oft ein vermeintliche eine Lösung. Die Sportler erhoffen sich bessere sportliche Leistungen, mit denen sie Erfolge erringen können, welche ihre Depressionen kurzfristig lindern.

Zu den externen Gründen wird der Selektionsdruck gezählt. Um für internationale Meisterschaften nominiert zu werden, müssen die Sportler ihr volles Potenzial abrufen, wenn es sein muss, greifen sie dann auch oft zu Dopingmitteln7. Der Selektionsdruck muss sich aber nicht zwanghaft auf die Teilnahme an Wettbewerben beziehen, denn auch wenn Sportler Sponsorenverträge begehren, benötigen sie eine gewisse Medienpräsenz. Das Problem hierbei ist, dass es die Sponsoren nicht interessiert, ob ihre Sportler dopen oder nicht7. Ganz im Gegenteil, ein gedopter Sportler ist erfolgsversprechender, da er sich einen Vorteil verschafft. Um trotzdem nicht mit gedopten Sportlern in Verbindung gebracht zu werden, mit denen sie einen Vertrag haben, haben die Sponsoren stets eine Klausel in ihren Verträgen, die besagt, dass sie Doping nicht dulden.

Da Leistungsdruck von Vereinen, Verbänden oder Bekannten ausgelöst werden kann, ist es oft ein externer Grund für das Dopen. Gerade der Verein bzw. Verband bei dem der Sportler unter Vertrag steht, verlangt oft für die Investition in den Athleten eine direkte Gegenleistung in Form von Erfolg8. Sowohl die zu große Wettkampfhäufigkeit als auch der große Trainingsumfang sind ebenfalls Beweggründe, welche Sportler zum Dopen verführen, denn für Spitzenleistungen müssen die Wettkämpfer in physischer und psychischer Topform sein. Ein weiterer Beweggrund für die Sportler ist der steigende Leistungsstandard im heutigen Wettkampfsport. Je höher die bereits erbrachten Leistungen, desto höher die Erwartungen an den Sportler und somit ein erhöhter Leistungsdruck. Viele Profisportler haben zudem nach Karriereende keine berufliche Perspektive, weshalb sie ihr Karriere-Aus so lang wie möglich hinauszögern wollen8. Des Weiteren ist auch die bereits angesprochen Medikalisierung für Sportler Grund genug, um zur illegitimen Leistungssteigerung zu greifen. Durch Medikamente werden immerhin bereits unzählige Alltagssituationen, wie z.B. bei Schlaflosigkeit, Übergewicht oder zu blasser Haut, gelöst. Der Wettkampfsport ist für die gedopten Sportler nur eine weitere dieser vielen Situationen, welche medikamentös erleichtert werden8. Oft kommt es auch vor, dass die Sportler gar nicht von den Dopingmitteln wissen, die ihnen verabreicht werden. Sie werden von Nahestehenden gebeten die Medikamente einzunehmen, da sie die Vitamine die sie beinhalten benötigen, jedoch wissen die Sportler nicht, dass dies nur Ausflüchte sind, damit ihre Leistungsfähigkeit für den Wettkampf steigt[8]. In der Abbildung A.1 „Die Treppe der Verführung: Strategien" (s. Anhang) wird eine ähnlicher externer Grund widergespiegelt: Im ersten Schritt gibt ein Verantwortlicher des Sportlers (z.B. der Trainer), dem Betroffenen leistungssteigernde Mittel, welche jedoch nicht auf der Dopingliste stehen. Sobald sich der Sportler an die Medikamente gewöhnt hat, wartet der Verantwortliche auf einen Rückschlag des Sportlers, wie zum Beispiel durch eine Verletzung, die den Leistungsstand des Sportlers zurückwirft8. Während der Sportler sich erholt und versucht sich seiner alten Verfassung zu nähern, verweist der Trainer auf das Dopen anderer Wettkampfteilnehmer8. Er macht deutlich, dass der Sportler einen Nachteil hat, wenn er nicht dopt und betont somit die Notwendigkeit. Als letzten Schritt nimmt der Sportler letztendlich die Dopingmittel freiwillig zu sich, um so einen Chancenausgleich zu forcieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Meidl D./ Busse M./Fikenzer S., 2006, S. 29

In der Tabelle „Abbildung A.2: Doping Dilemma" ist die Beziehung zwischen Gesundheitsrisiko und Siegchancen dopender und nicht dopender Sportler dargestellt. Unterteilt ist zwischen Sportler A und Sportler B. Für beide gibt es je zwei mögliche Szenarien: Entweder stehen sie unter dem Einfluss von Doping oder sie stehen nicht unter dem Einfluss von Doping. Dopen Sportler A und B, so sind die Siegeschancen unverändert, da beide eine Leistungssteigerung erfahren, jedoch müssen beide Gesundheitsrisiken in Kauf nehmen. Dopt nur einer der beiden Sportler, sind dessen Siegchancen zwar höher als die des anderen, jedoch geht der Sportler, der keine Dopingmittel zu sich nimmt auch kein Gesundheitsrisiko ein. Steht keiner der beiden unter Einfluss von Doping, so sind die Siegchancen zwar wie im ersten Szenario unverändert, allerdings gehen beide Sportler hier nicht das Risiko auf Nebenwirkungen ein. Aus diesem Modell lässt sich also ein weiterer externer Grund ableiten: Vorausgesetzt Sportler A geht davon aus, dass Sportler B nicht unter dem Einfluss von medikamentöser Leistungssteigerung steht, so wird er dopen, um sich einen Vorteil im Wettkampf zu verschaffen. Rechnet Sportler A hingegen damit, dass Sportler B dopt, so wird er ebenfalls dopen um einen Chancenausgleich zu schaffen[9]. Daraus lässt sich schließen, dass die Sportler ihre Chancen mithilfe von Dopingmitteln nicht verbessern, die Gesamtleistung aber abhängig von der Stärke des Dopings ist, was keine sportlicher, sondern ein medizinischer Erfolg ist. Würde kein Athlet dopen, wäre allerdings ein Chancenausgleich gegeben, der auch in nicht-medizinischer Hinsicht eine besondere Leistung des Athleten darstellt.

[...]


[1] Sport ohne Doping, Arndt/Singler/Treutlein, 1. Auflage (2004), S.11 und S.9

[2] Sportunterricht, Schorndorf, Michael Krüger61 (2012), Heft 4

[3] Doping: Mittel, Methoden, Wirkungen und Nebenwirkungen, Arndt/ Singler/ Treutlein, Pdn-BioS, Heft 3, 57 (2008)

[4] Sport ohne Doping, Arndt/Singler/Treutlein, 1. Auflage (2004), S.16 und S.11

[5] Sportunterricht, Schorndorf, Michael Krüger, 61 (2012), Heft 4

[6] Sport ohne Doping, Arndt/Singler/Treutlein, 1. Auflage (2004), S.16,17

[7] Sport ohne Doping, Arndt/Singler/Treutlein, 1. Auflage (2004), S.17, 18

[8] ebenda

[9] Ökonomisch orientierte Lösungsansätze zur Dopingproblematik im Hochleistungssport, Meidl D, Busse M, Fikenzer S, 2006

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668066328
ISBN (Buch)
9783668066335
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305009
Note
1,7
Schlagworte
Doping Sport Situation Entwicklung Lösungsansätze

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