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Deutscher Spracherwerb für Migranten als Schlüssel zur Überwindung sozialer Disparität?

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung und Tragweite der sozialen Ungleichheit in der Einwanderungsgesellschaft
2.1 Migration und Integration im historischen Rückblick Deutschlands
2.2 Ursachen und Bedeutungen der sozialen Ungleichheit
2.3 Fortbestehen schichttypischer Ungleichheiten
2.4 Zusammenfassung

3.1 Der Wert der Sprache als kulturelles Kapital (nach Bourdieu)
3.2 Bilinguale Erziehung – Kompromiss von Identität und sprachlicher Adaption?
3.3 These: Bildungs- und Schichtaufstieg durch sprachliche Assimilation
4. Schlussbetrachtung

II. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tabelle 2: Gravierende institutionelle Defizite bei der Sprachförderung für junge Migranten 2009. In: Pielage, P./ Pries, L./ Schultze, G. (Hrsg.): Soziale Ungleichheit in der Einwanderungsgesellschaft. Kategorien, Konzepte, Einflussfaktoren. Bonn.

1. Einleitung

Migration und Integration hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem der zentralen Probleme heutiger Industrienationen entwickelt. Aufgrund von Kriegen, Wirtschaftskrisen, demografischer Umgestaltungen und der Verpflichtung zur Aufnahme von Einwanderern als Folge der Politik internationaler Bündnissysteme, müssen Länder, wie Deutschland ein integratives Bildungs- und Berufssystem bieten, das Chancengleichheit und einen sozialen Aufstieg für Migranten zulässt (vgl. Dirim 2009, S. 17).

In diesem Integrationsprozess kommt der Sprache eine Schlüsselfunktion zu: Der deutsche Spracherwerb ist für eine nachhaltige Integration von Migranten essentiell und eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche schulische Karrieren und Bildungsabschlüsse (vgl. Esser 2006, S. 11).

Diese These möchte Ich in meiner Hausarbeit näher untersuchen und auf die Einwanderergeneration eingehen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, bzw. mit massiven Mängeln in der deutschen Sprache zu kämpfen haben. Hier sind oft berufliche Benachteiligung und Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt trotz ausreichender Qualifikationen und Bildungstitel die Folge. Hier möchte Ich speziell das Problem der Überwindung dieser sozialen Disparität beleuchten und herausarbeiten, inwiefern sich ein Bildungs- bzw. sozialer Aufstieg bestehender und nachfolgender Generationen durch einen vollwertigen deutschen Spracherwerb und ausschließlicher Verwendung dieser im Aufnahmeland, realisieren lässt.

Für die Ausarbeitung der verschiedenen Positionen zu meiner Fragestellung bietet die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität eine Reihe an Werken an, die die Bedeutung der Sprache hinsichtlich des Integrationsprozess thematisieren. Die Korrelation von Sprache und sozialer Aufstiege ist eine weitergehende Analyse von Thesen und Untersuchungen, von der nur wenig Material in der Universitätsbibliothek der HSU zur Verfügung stand. Hier konnte mir Frau Dipl. Päd. Dorothee Schwendowius helfen und schlug mir einen Text mit einer vergleichenden kritischen Position zur österreichischen Sprachenpolitik von Verena Plutzar und einer Fassung zur Rolle der Sprache für die Integration von Familien mit Migrationshintergrund von Anna Schnitzer vor. Diese Vielfalt an Positionen sollte eine differenzierte Ausarbeitung der These sicherstellen und den oft durch mediale Diskurse sehr stark einseitig geprägten Blick auf die Problematik weiten. Für eine Seminararbeit, die sich mit dem Wert und des Einflusses der Sprache als kulturelles Kapital auf eine soziale Ungleichheit in der Einwanderungsgesellschaft befasst, war es wesentlich sich mit Einführungsmaterial zu der Kapitaltheorie Bourdieus und diversen Definitionen, bzw. Schichtungsmodellen zur sozialen Ungleichheit zu beschäftigen.

Zu Beginn der Seminararbeit werde Ich eine kurze Einführung in die Historie der Migration und Integration Deutschlands seit Gründung der Bundesrepublik 1949 geben. Dies soll ein besseres Verständnis für die im folgenden Schritt genannten Ursachen und Hintergründe der sozialen Ungleichheit herstellen. Weiterhin werde Ich in diesem Abschnitt auf die Bedeutung der sozialen Disparität für die Einwandererschicht eingehen.

Für den Aufbau eines differenzierten Meinungsbildes werde Ich in dem nächsten Punkt die Position Geißlers zur Problematik der Ungleichheit als Problem schichttypischer Ungleichheit darstellen und eine erste Bewertung zur These der vertikalen Mobilität durch Bildung vornehmen. Im folgenden Passus spreche Ich den Wert der Sprache als kulturelles Kapital an und leite damit eine Einführung in Bourdieus Kapitaltheorie ein.

Im nächsten Punkt meiner Arbeit werde Ich die bilinguale Erziehung von Kindern aus Einwandererfamilien beleuchten und mich mit der Frage beschäftigen, ob diese Art der sprachlichen Erziehung ein Kompromiss von Identitätswahrung und sprachlicher Adaption im Aufnahmeland ist, oder ob es ein großer Schritt auf dem Weg zum Ziel des Bildungs- bzw. sozialen Aufstiegs durch Spracherwerb ist. Als weitergehende Prüfung dieses Sachverhalts werde Ich im Folgenden den Erziehungsstil der Aneignung und ausschließlichen Verwendung der deutschen Sprache ansprechen, um eine differenzierte Thesenanalyse zu gewähren. Eine abschließende Betrachtung der vorgestellten Positionen beendet meine Seminararbeit.

2. Entstehung und Tragweite der sozialen Ungleichheit in der Einwanderungsgesellschaft

Das Phänomen der „Sozialen Ungleichheit“ beschreibt die ungleiche Verteilung von Lebenschancen. Bezogen auf die Einwanderungsgesellschaft ist hier der Zugang zu gesellschaftlich relevanten Ressourcen gemeint. Diese können beispielsweise der Besuch bestimmter schulischer Ausbildungs-institutionen, die Erlangung von Bildungstiteln, oder der Zugang zu Berufsfeldern sein, die Ihnen aufgrund von mangelnder materieller oder immaterieller Güter, wie Besitz und Macht, verwehrt werden (vgl. Burzan 2005, S. 7).

Um ein tieferes Verständnis für die soziale Ungleichheit in der Einwanderungsgesellschaft in Deutschland entwickeln zu können, bedarf es eines Rückblicks auf die Geschichte der Migration und Integration im kommenden Abschnitt.

2.1 Migration und Integration im historischen Rückblick Deutschlands

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 begann eine Ära des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, der mit dem inländisch zur Verfügung stehendem Arbeitskraftkontingent nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre (vgl. Kühn 2009, S. 49).

Die Folge war eine Massenanwerbung nationaler Unternehmen und Behörden von ausländischen Arbeitskräften, für die nun auf politischer Ebene, Gesetze und Regelungen verfasst werden mussten um die unterschiedlichen Migrationsbewegungen steuern und kontrollieren zu können (vgl. Dr. Butterwegge 2005, 5. Abschnitt).

Der Integrationsprozess von Menschen unterschiedlicher Herkunft in die BRD war demnach teilweise mit erheblichen Problemen verbunden (vgl. Kühn 2009, S. 52):

Ihre nationale, ethnische und soziokulturelle Herkunft, ihre sprachlichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen … beeinflussen … ihre gesellschaftliche Eingliederung (Kühn 2009, S. 53).

Viele der Zuwanderer migrierten als Ausländer nach Deutschland und behielten diesen Status, sofern sie sich nicht entschieden die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen (vgl. Kühn 2009, S. 59). Der Status „Ausländer“ war in den 50er, bzw. 60er Jahre mit einer Nichtbeherrschung der deutschen Sprache verbunden, die im Verlauf des Aufenthalts durch autodidaktische Aneignungen am Arbeitsplatz und durch Konversationen mit der deutschen Bevölkerung nur bedingt verbessert werden konnte. Die Folge waren un- oder lediglich angelernte Arbeitskräfte im unteren Einkommenssegment mit einem niedrigen Sozialstatus. Für einen Teil der nachfolgenden Generationen konnte keine Besserung in der wirtschaftlichen und sozialen Lage erzielt werden, da ihnen ausreichende Deutschkenntnisse, eine qualifizierte Schulbildung und eine Berufsausbildung fehlten. Aufgrund dieses Qualifikationsmangels konnte sowohl eine Eingliederung in das Beschäftigungssystem, als auch in die Gesellschaft nicht sichergestellt werden (vgl. Kühn 2009, S. 60)

Diese Art der Integration ohne Eingliederung in die Gesellschaft, stellt die Anforderung an das präsente politische System, rechtliche Rahmen zu schaffen, die eine Benachteiligung ausschließen und Chancen zum sozialen Aufstieg offenbaren. Ohne die Möglichkeit der sozialen Mobilität sind Faktoren, bzw. Ursachen für soziale Ungleichheit in der Einwanderungs-gesellschaft geschaffen. Dieser im historischen Verlauf anwachsenden Unterschichtung der Einwanderungsgesellschaft konnte die Gastarbeiterpolitik der Regierung Kohls nicht entgegenwirken, da eine Grundlage für eine zukunftsorientierte Migrations- und Integrationspolitik fehlte (vgl. Geißler 2012, S. 15).

2.2 Ursachen und Bedeutungen der sozialen Ungleichheit

Die aktuelle Debatte verlagert die Ursachensuche für die genannten Unterschiede im Bildungserfolg häufig in die Zuständigkeit der (Migrations-) Familien und begründet die gemessenen Kompetenzunterschiede stark defizitorientiert etwa mit fehlendem sozialen und kulturellen Kapital in den „Familien mit Migrationshintergrund“, fehlender Unterstützung der Schullaufbahn in der Familie oder sprachlichen Defiziten. Dabei konnte in neueren Forschungen gezeigt werden, dass weder „Kultur“ oder ethnische Zugehörigkeit noch Sprache als die Ursache des fehlenden Bildungserfolgs gesehen werden können (Schnitzer 2013, S. 126-127).

Mangelnde Kompetenzen in der deutschen Sprache, kulturelle Faktoren, oder ethnische Zugehörigkeit können somit nach neueren Erkenntnissen nicht direkt als eine Ursache für fehlenden Bildungserfolg und die damit einhergehende soziale Ungleichheit verstanden werden. Eine Erklärung von Bildungsmisserfolgen sollte vielmehr durch eine Perspektivenerweiterung von institutionellen und strukturellen Aspekten erfolgen (vgl. Schnitzer, S. 127).

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668030701
ISBN (Buch)
9783668030718
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305081
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Migration Migranten Spracherwerb Soziale Disparitäten Soziale Ungleichheit bilinguale Erziehung sprachliche Assimilation Einwanderungsgesellschaft kulturelles Kapital sozialer Aufstieg sprachliche Adaption Identitätswahrung Kultur Allgemeine Erziehungswissenschaft AEW Erziehungswissenschaft Erziehung Bildung Bildungswissenschaft Pädagogik

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