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Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID). Als Lehrender der FernUniversität Hagen einen Video-Chat zu einem Studienbrief durchführen

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis ... 3

Abbildungsverzeichnis ... 3

1 Einleitung ... 4
1.1 Zielsetzung ... 4
1.2 4C/ID-Modell ... 4
1.3 Szenario ... 5
1.4 Überblick ... 5

2 Theoretischer Exkurs ... 6
2.1 Pfadabhängigkeit ... 6
2.2 Unterschied zwischen Didadktik und Instruktionsdesign ... 7
2.3 Bezugstherorie des 4CD/ID-Modells ... 7

3 Hierarchische Kompetenzanalyse... 8
3.1 Hierarchiefunktion ... 8
3.2 Hierarchieerstellung ... 9
3.3 (Non-) Rekurrente Fertigkeiten ... 9

4 Aufgabenklassen ... 11
4.1 Funktion ... 11
4.2 vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen ... 12

5 Entwicklung von Lernaufgaben ... 12
5.1 Lernaufgaben ... 12
5.2 Variabilität ... 13
5.3 Mediale Umsetzung ... 14

6 Prozedurale und unterstützende Informationen ... 14
6.1 Unterstützende Information ... 14
6.2 Prozedurale Information ... 15

7 Part-task Practice ... 16

8 Didaktische Szenarien ... 16
8.1 Fallmethode und Famulatur ... 16
8.2 Fidelity ... 17

9 Fazit ... 17
9.1 Verortung im ADDIE-Phasenmodell ... 18
9.2 Stärken-Schwächung Abschätzung ... 19

Literaturverzeichnis ... 20

[...]

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung:

Interaktivität, Multimedialität und Vernetzung sind Begriffe, die mit Neuen Medien assoziiert werden und auch Didaktische Szenarien entscheidend prägen, dabei jedoch ständigen Innovationsprozessen unterliegen (Sensik, 2015, S. 42-43). Vor dem Hintergrund einer verstärkten Berücksichtigung von virtuellen Betreuungsangeboten sind Medien- und sozial-kommunikative Kompetenzen für Lehrende an Hochschulen mittlerweile unabdingbar. Auch die FernUni Hagen setzt sich seit jeher mit neuen und veränderten Möglichkeiten mentorieller Betreuung auseinander. Für das Fernstudium sehen de Witt, Czerwionka und Mengel diese als einen der zentralen Erfolgs- und Motivationsfaktor für Studenten an (2007, S. 1, 19).

Die vorliegende Arbeit fokussiert im Rahmen multimedialer Lernumgebungen den Videochat. Ziel ist es, einen Instruktionsentwurf gemäß dem 4C/ID-Modell nach van Merriënboer für Modulbetreuer der FernUni Hagen zu entwickeln. Dieser Schulungsentwurf soll den Adressaten auf systematischem Wege die komplexen Fertigkeiten vermitteln, die notwendig sind, um die Zielkompetenz „einen Videochat zu einem Studienbrief durchführen“ zu erlangen.

1.2 4C/ID-Modell:

Die Grundannahme des 4C/ID-Modells besagt, dass Umgebungen für komplexes Lernen immer in Bezug auf vier, in Wechselbeziehung zueinander stehenden, Komponenten (Kapitel 5-7) des Instruktionsentwurfes (Blueprint) beschrieben werden können. Hierbei handelt es sich um Lernaufgaben (Learning Tasks), unterstützende Informationen (Supportive Information), Just-in-time Informationen (JIT) und die Part-task-Practice (van Merriënboer, Clark und de Croock, 2002, S. 43). Fundamentale Voraussetzung für die Übung ganzheitlicher Fertigkeiten ist dabei eine authentische Gestaltung der Lernumgebung. Der zu Schulende soll mit Lernszenarien konfrontiert werden, die auch in der Realität anzutreffen sind und somit einen Praxistransfer ermöglichen (Bastiaens, Deimann, Schrader und Orth, 2015, S. 90).

Da die Zielkompetenz „Durchführung eines Videochats“ sehr viel didaktische und multimediale Expertise erfordert, deren Internalisierung und Koordinierung eine realitätsnahe Ausrichtung des Schulungsentwurfes unabdingbar macht, bilden die Prinzipien des 4C/ID-Modells eine große Schnittmenge zu den Anforderungen an den Lehrgang.

1.3 Szenario:

Die FernUni Hagen stellt zum SS 2016 einen neuen Modulbetreuer für den Studiengang BA Bildungswissenschaft ein. Da in den zu betreuenden Modulen Videochats zu Studienbriefen angeboten werden, wird der Teilnehmer eine zweiwöchige Schulung absolvieren, in der er nach den Prinzipien des 4C/ID dazu befähigt werden soll, diese eigenständig durchzuführen. Der Teilnehmer verfügt bereits über umfassende Berufserfahrung als Betreuer, besitzt Grundkenntnisse der Software Adobe Connect und beherrscht gängige Microsoft Office-Anwendungen, mit leichten Defiziten der PowerPoint-Software. Am Ende der Schulung soll er in der Lage sein, eigenständig einen Impulsvortrag via Videochat mit bis zu 15 Teilnehmern vortragen zu können und sowohl kommunikative als auch technische Interruptionen während eines Chats zu beheben. Vorbereitende Maßnahmen wie Zeitmanagement, Einladung und Koordination der Teilnehmer in moodle sind nicht Bestandteil der Schulung, da diese Aufgaben an assistierende Hilfskräfte delegiert werden. Der Lehrgang wird aus Finanzmitteln der FernUni bestritten und findet am Campus in Hagen statt. Die Räumlichkeiten sind bereits mit der technischen Hard- und Software ausgestattet (internetfähiges Laptop, Headset, Webcam etc.). Da zudem Experten des Fachbereiches Informationstechnik sowie Mitarbeiter des ZMI involviert werden, sind die Schulungskosten sehr moderat. Sollte sich das Lehrgangskonzept in Evaluationen als erfolgreich erweisen, werden in Zukunft alle neuen Modulbetreuer interdisziplinär nach diesem Entwurf geschult. Die Vorlaufzeit zur Implementation des Konzeptes beträgt vier Monate.

1.4 Überblick:

In einem theoretischen Exkurs wird die Dominanz der Allgemeinen Didaktik in Deutschland anhand des Konzeptes der Pfadabhängigkeit aufgezeigt, ein zentraler Unterschied zwischen dieser und dem Instructional Design (ID) skizziert sowie die „Zone der proximalen Entwicklung“ von Lev Vygotsky als Bezugstheorie des 4C/ID vorgestellt. Anschließend folgt die hierarchische Kompetenzanalyse und die Umsetzung der vier Komponenten des Blueprint: der Bildung von Aufgabenklassen (AK), Entwicklung der Lernaufgaben sowie der Einsatz von prozeduralen, unterstützenden Informationen und Part-task Practice im Rahmen der LA. In Anlehnung an Flechsig (1996) wird deren Umsetzbarkeit nach den Didaktischen Szenarien „Fallmethode“ und „Famulatur“ geprüft sowie eine Aussage zum Grad der Fidelity getroffen. Anschließend wird der vorliegende Instruktionsentwurf im ADDIE-Phasenmodell verortet. Eine kritische Reflektion im Hinblick auf eine praktische Umsetzung des 4C/ID-Entwurfes markiert den Schlusspunkt dieser Arbeit.

2 Theoretischer Exkurs

2.1 Pfadabhängigkeit:

Der Begriff wurde durch den Ökonomen W. Brain Arthur sowie den Wirtschaftshistoriker Paul A. David geprägt. Im Hinblick auf die Historizität von Entscheidungen liefert er Erklärungsansätze darüber, wie eingebürgerte Denkweisen und Routinen Einfluss auf gegenwärtige Entscheidungen nehmen. Pfadabhängige Entwicklungen zeichnen sich durch hohe Stabilitätsmechanismen einmal gefundener Lösungen von Technologien respektive Institutionen und einer grundlegend fehlenden Anfälligkeit für Wandel aus. Der Begriff des Locked-in-Zustands hat in diesem Zusammenhang das Verständnis der Pfadabhängigkeit nachhaltig geprägt (Beyer, 2005, S. 6-7, 15). Ausgehend von diesem Konzept soll dem Leser die historische Entwicklung der Allgemeinen Didaktik sowie des Instructional Design verdeutlicht werden:

Im Zuge der Aufklärung stellte Amos Comenius bereits im Jahr 1657 mit seiner Didactica Magna revolutionäre Wege vor, wie Lehren methodisch gestaltet werden kann (Gudjons, 2003, S. 78-79). Historische Eckpfeiler für die pfadstabilisierende Eigendynamik der Allgemeinen Didaktik - deren Schwunghaftigkeit auch als Momentum bezeichnet wird - bilden die Einführung der Schulpflicht in Preußen 1777, der Entwurf der Unterrichtslehre von Herbart sowie die Entwicklung hin zu einer Wissenschaft des Lehrens und Lernens im 20. Jahrhundert (Bastiaens et al., 2015, S. 31; Klebl, 2015, S. 71). Über Generationen hinweg hat sich eine stabile Masse im wissenschaftlichen Zirkel (Scientific Communities) gebildet, die stabilisierend auf diesen Pfad einwirkt, um dessen Fortbestand zu sichern (Klebl, 2015, S. 71).

Das Instructional Design hingegen hat seine historischen Wurzel erst während der Zeit des Zweiten Weltkrieges geschlagen (Bastiaens et al., 2015, S.32) und kann noch nicht auf eine derartige Historie wie die Allgemeine Didaktik zurückblicken, ergo auf deren tradierten Locked-in-Zustand einwirken. Terhart spricht in diesem Zusammenhang kritisch von stabilen Blindstellen, Eigentümlichkeiten und Selbstfixierungen der Allgemeinen Didaktik (2013, S. 63).

2.2 Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign:

Anhand der zuvor skizzierten historischen Entwicklung der Disziplinen soll folgend ein zentraler Unterschied beider verdeutlicht werden. Die Curriculum-Theorie als Ausprägung der Allgemeinen Didaktik legt fest, was gelehrt wird, jedoch nicht wie dies geschehen soll (Bastiaens et al., S. 35). Die Hoffnung in den 70er Jahren, durch diesen didaktischen Ansatz einen wissenschaftlich geplanten, gesellschaftlich begründeten und praktisch umsetzbaren Unterricht zu konzipieren, weist Parallelen zur historischen Entstehung der Allgemeinen Didaktik auf. Bereits Amos Comenius entwickelte mit der Vorstellung „omnes omnia omnino“ eine Art Curriculum von der Geburt bis zum 24. Lebensjahr (Gudjons, 2003, S. 79, 247).

Das Instructional Design entstand hingegen aus dem Bedürfnis nach systematischer Ausbildung von US-amerikanischen Truppen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Möglichst viele Soldaten sollten auf einmal „durchgeschleust“ (Bastiaens et al., 2015, S. 32) werden. Der Planungsprozess war demzufolge bereits in den historischen Kinderschuhen, im Vergleich zur Curriculum-Theorie, darauf ausgerichtet, wie sich der inhaltliche Aspekt der Instruktion am besten lernen und der Erfolg bestimmen lässt (Bastiaens et al., 2015, S. 26).

2.3 Bezugstheorie des 4C/ID-Modells:

Lev Vygotskys „Zone der proximalen Entwicklung“ (ZDP) bezeichnet eine Theorie, die den sozial-konstruktivistischen Ansätzen zuzuordnen ist. (Bliss, 1996, S. 6). Van Merriënboer und Kirschner berufen sich in diesem Kontext explizit auf die Arbeiten von Vygotsky (2013, S.113), der die ZDP in seinem Buch „Mind in Society“ (1978) als “the distance between the actual development level as determined by independent problem solving and the level of potential development as determined through problem solving under adult guidance or in collaboration with more capable peers” (p. 86) charakterisiert. Indem Vygotsky speziell dieser potentiellen Entwicklung einen hohen Stellenwert beimisst, veränderte er die Vorstellungen über den Zusammenhang zwischen Lernen und Entwicklung radikal. Wood, Bruner und Ross benannten diesen Vorgang der Hilfestellung mit dem neuen Begriff des scaffolding (Bliss, 1996, S. 7).

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Titel: Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID). Als Lehrender der FernUniversität Hagen einen Video-Chat zu einem Studienbrief durchführen