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Friedemann Schulz von Thun: Miteinander Reden 1 - Eine Analyse des Sachbuches im Hinblick auf den Deutschunterricht

Seminararbeit 2002 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung und Beurteilung des Sachbuchs nach den Arbeitsschritten und Kriterien von Grubert
2.1. Thema und Inhalt
2.2. Darstellung
2.3. Originalität
2.4. Sachliche Richtigkeit
2.5. Nutzwert
2.6. Zielgruppe

3. Anwendungsmöglichkeiten im Deutschunterricht
3.1. Bezug zum Thüringer Lehrplan
a) Kompetenzerweiterung
b) Lernbereiche und Verfahren
3.2. Konkreter Vorschlag für den Unterricht – "Kleiner Kurs zur Kommunikation"

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende kleine Arbeit soll sich mit Friedemann Schulz von Thuns "Miteinander reden 1" beschäftigen, einem Sachbuch das heute als Standardwerk der Kommunikationspsychologie gilt und immer wieder in Kommunikationstrainings-seminaren, in Rhetorikkursen o. ä. als Pflichtlektüre empfohlen wird. Nicht allein diese Tatsache sondern auch, dass ich das Buch auch nach dem dritten Mal lesen für wirklich nützlich, an mancher Stelle sogar für unentbehrlich halte und immer wieder neue Aspekte finde, hat mich dazu bewogen, gerade dieses Buch für eine Sachbuchanalyse im Hinblick auf den Deutschunterricht zu wählen.

2. Vorstellung und Beurteilung des Sachbuchs nach den Arbeitsschritten und Kriterien von Grubert

Bevor ich mit der Beurteilung nach den einzelnen Kriterien beginne, möchte ich "Miteinander reden 1" zunächst einmal in seine Gattung "Sachbuch" einordnen. Es gibt zwar keine festgelegte Definition für das Sachbuch als solches, doch möchte ich mich der in Voigts Artikel genannten Definition anschließen:[1]

Das Sachbuch ist ein Buch, das Fakten und Erkenntnisse eines Wissenschaftsbereichs für interessierte Laien in populärwissen-schaftlicher Form darstellt.[2]

Die Fakten und Erkenntnisse über die Kommunikation im Allgemeinen und die Anatomie der Nachricht im Besonderen stammen im vorliegenden Fall aus dem Bereich der Psychologie. Was die populärwissenschaftliche Form angeht, so finden wir bei Schulz von Thun Abrisse von einzelnen Theorien (z.B. auch der Transaktionsanalyse von Berne) als Beitrag zur Wissenschaft und um die Leser anzusprechen und das Buch "populär" zu machen, hilft zweifellos die ungezwungene Art der Darstellung mit vielen Beispielen und Illustrationen. Der Autor selbst sieht sein Sachbuch "als Brücke zwischen Lebenswelt und Wissenschaft"[3] und definiert damit unbeabsichtigt (als "oberster Experte", was sein eigenes Buch angeht) sein Buch in Anlehnung an Viktor Böhms Verständnis von Sachbüchern als solches:

Ein Sachbuch will zwischen einer Sache und einem erworbenen Wissenszusammenhang eines Adressaten unverschult und popularisierend vermitteln.[4]

2.1. Thema und Inhalt

Schulz von Thun beschäftigt sich in seinem Werk mit den Grundzügen der Kommunikation, einem Thema, das für jeden von Relevanz ist und heute mehr denn je von gesellschaftlicher Aktualität ist.

Das Buch ist im Wesentlichen zweigeteilt. Teil A beschäftigt sich mit den Grundlagen, nämlich der Anatomie der Nachricht mit ihren vier Dimensionen: dem Sachinhalt, der Selbstoffenbarung, dem Beziehungs- und dem Appellaspekt[5]. Hinzu kommen die verschiedenen Möglichkeiten eine Nachricht zu empfangen: mit dem "Sach-Ohr", dem "Beziehungsohr", dem "Selbstoffenbarungs-Ohr" oder dem "Appell-Ohr"[6]. Im Übrigen spricht der Autor Probleme bei der Interaktion an (z.B. das Problem der Interpunktion "Wer hat angefangen?"[7]) und stellt die Metakommunikation als Möglichkeit, verfahrene Kommunikationssituationen zu lösen, dar[8].

Teil B beschäftigt sich dann genauer mit den einzelnen Aspekten und analysiert damit verbundene Probleme, bspw. die Selbstoffenbarungsangst[9], verdeckte Appelle[10], das Ringen um die Beziehungsdefinition[11] oder die Verständlichkeit als Teilziel auf der Sachseite der Nachricht[12]. Dabei geht Schulz von Thun immer wieder auch auf Gründe von Ängsten und daraus resultierenden Schwierigkeiten mit der Kommunikation sowie möglichen Lösungen ein.

Bei der genaueren Beleuchtung der Beziehungsseite entwirft der Autor auch ein kleines verständliches Bild von Bernes Transaktionsanalyse[13] und gibt dem Leser so ein weiteres Instrumentarium in die Hand, das helfen soll, eigene Kommunikationsprobleme zu verstehen und möglicherweise zu überwinden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: "Miteinander reden 1" beinhaltet hauptsächlich die Sender-Empfänger-Thematik der Kommunikation, genauer: wie Kommunikation funktioniert oder – falls sie nicht funktioniert – wo die Ursachen liegen. Dabei geht der Autor auf die vier Seiten der Nachricht sehr intensiv ein und entwirft Beispiele und Hintergründe für bestimmte Kommunikationssituationen, die er analysiert und dabei Lösungsmöglichkeiten für Probleme aufzeigt. Eine Rezensentin bei amazon.de definierte den Inhalt folgendermaßen: "[E]s befaßt sich mit dem grundlegenden Bedürfnis eine Beziehung zum Mitmenschen gelingen zu lassen"[14].

2.2. Darstellung

Schulz von Thun zeichnet sich in seinem Buch auf ca. 270 Seiten durch eine übersichtliche, gut strukturierte Gliederung sowie eine klare und somit verständliche Sprache (unter Vermeidung eines bestimmten wissenschaftlichen "Psycho-Jargon[s]"[15]) aus. Durch die Grobeinteilung des Buches in Teil A und B wird der Leser von den Grundlagen zu vertiefenden Einsichten geführt. So wird erst die Anatomie der Nachricht mit ihren vier Seiten erklärt, bevor auf die vier "Empfangsohren" und die Probleme, wenn das "falsche Ohr" empfängt eingegangen wird. Neues wird immer wieder mit leichtverständlichen und dem Alltag entlehnten Beispielen sowie Rückbezügen untermauert, wodurch der Leser sehr direkt angesprochen wird.

Das Buch enthält auch kleine Illustrationen, Zeichnungen und Skizzen um bestimmte Problematiken noch verständlicher darzustellen, damit wird auch ein großes Maß an Anschaulichkeit gewonnen, was beispielsweise das Verstehen der Transaktionsanalyse ungemein vereinfacht.

Die kleinen eingeschobenen Kapitel über Transaktionsanalyse, Interaktion, Metakommunikation usw. sind in sich so abgeschlossen, dass sie ohne weiteres einzeln gelesen oder auch beim ersten Lesen ausgelassen werden können, ohne dass man dabei den Anschluss an das Wesentliche verpasst, auch das vereinfacht die Situation für den Leser.

[...]


[1] Renate Gruberts Kriterien, die ich als sehr nützlich und zweckmäßig für eine Sachbuchanalyse halte finden sich bei: Grubert, Renate: Immer bei der Sache bleiben. Sachbücher – von zwei Seiten betrachtet. In: Bulletin Jugend & Literatur 6/2001, S. 11 – 18.

[2] Voigt, Gerhard: Anmerkungen zum Sachbuch. In: Praxis Deutsch 78 (1986), S. 18-26, S.18

[3] Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1981, Klappentext

[4] zitiert nach Grubert in: Bulletin Jugend & Literatur 6/2001, S. 13

[5] Schulz von Thun 1981, S. 13f.

[6] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 47ff.

[7] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 85ff.

[8] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 91ff.

[9] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 100ff.

[10] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 221ff.

[11] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 179ff.

[12] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 140ff.

[13] vgl. Schulz von Thun 1981, S. 169ff.

[14] www.amazon.de

[15] Schulz von Thun 1981, S. 261

Details

Seiten
13
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638317641
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30514
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
Note
1-
Schlagworte
Friedemann Schulz Thun Miteinander Reden Eine Analyse Sachbuches Hinblick Deutschunterricht Sachbuch

Autor

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Titel: Friedemann Schulz von Thun: Miteinander Reden 1 - Eine Analyse des Sachbuches im Hinblick auf den Deutschunterricht