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Der Sturz Heinrichs des Löwen. Ursachen, Prozessverlauf und Folgen

von Kerstin Köck (Autor)

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung ... Seite 2

2.) Mögliche Ursachen für den Sturz ... Seite 3
a.) Die Ereignisse des Jahres 1172 ... Seite 3
b.) Die Unterredung in Chiavenna ... Seite 4
c.) Die Machtstellung Heinrichs des Löwen ... Seite 5

3.) Der Verlauf des Prozesses gegen Heinrich den Löwen ... Seite 7
a.) Der Reichstag in Speyer ... Seite 7
b.) Die Vorladungen Heinrichs des Löwen durch den Kaiser ... Seite 8
c.) Die Gelnhäuser Urkunde ... Seite 11
d.) Die Zeit des Exils in England ... Seite 13

4.) Die Folgen des Sturzes ... Seite 14
a.) Für das Reich ... Seite 14
b.) Für den Kaiser und die Fürsten ... Seite 15
c.) Für Bayern ... Seite 15

5.) Schlusswort ... Seite 16

6.) Quellen- und Literaturverzeichnis ... Seite 17

1.) Einleitung:

Trotz vielfältiger negativer Charakterisierungen durch verschiedene Historiker, handelt es sich bei der Person Heinrichs des Löwen zweifellos um eine der auffälligsten, aber auch um eine der umstrittensten Herrscherpersönlichkeiten des Mittelalters. Bereits zu seinen Lebzeiten, aber auch nach seinem Tod gab dieser Herzog reichlich Stoff zu Erzählungen, Berichten, sowie zu zahlreichen Beschreibungen. Die folgende Hausarbeit soll nun den Sturz des Welfenherzogs näher beleuchten und dabei drei zentrale Fragestellungen in den Mittelpunkt rücken. Zu allererst soll nach den Ursachen geforscht werden, die zum Sturz geführt haben. Dabei wird versucht in den, dem Jahre 1180, vorangegangenen Ereignissen mögliche Gründe für die Entfremdung zwischen Heinrich dem Löwen und Kaiser Friedrich Barbarossa zu finden. Anschließend richten wir das Augenmerk auf den Verlauf des Prozesses und zuletzt auf die Folgen, beziehungsweise die Auswirkungen des Sturzes auf verschiedene Personengruppen, wie Fürsten, den Herzog selbst und auf das Reich. Meiner Meinung nach drängt sich die Bearbeitung dieser Materie anhand der Fragestellungen beim Thema „Der Sturz Heinrichs des Löwen“ geradezu auf und ist für den geschichtsinteressierten Leser logisch nachvollziehbar und von zentraler Bedeutung. Vorweg muss gesagt werden, dass die Quellenlage zur Person Heinrichs des Löwen sehr vielschichtig und auch widersprüchlich ist. Dies hängt damit zusammen, dass die Handschriften zum Teil von „Welfen“- und zum Teil von „Staufer-freundlichen“ Schreibern verfasst wurden. Es gilt genau zu beurteilen und sorgfältig auszuwählen, wenn Ereignisse oder Geschehnisse der Vergangenheit aus der Sichtweise des Kaisers oder des Herzogs beschrieben werden.

Ferner ist zu beachten, dass Informationen aus unabhängigen Quellen, die mehrfach in ähnlicher Weise auftauchen als fundiertes Wissen für die Hausarbeit herangezogen werden können. Bei der Bearbeitung des Themas „Heinrich der Löwe“ spielen vor allem folgende Quellen eine wichtige Rolle. Zum einen wäre dies, die als „Slawenchronik“ bezeichnete Handschrift von Arnold von Lübeck. Diese wird zum Beispiel vom Autor Scior Volker als eine „bedeutende Quelle für die Geschichte des sächsischen Herzogs, insbesondere“ für „dessen Auseinandersetzungen mit Kaiser Friedrich I. und der Fürstenopposition“1 bezeichnet. Auch Stefan Weinfurter schreibt, dass Arnold von Lübeck darin ausführlich „die Vorgeschichte, die zum Sturz Heinrichs des Löwen geführt hat, und ebenso die Entmachtung selbst“ darstellt. Diese Chronik sei der ausführlichste Bericht, „den wir zu diesen Ereignissen haben“2. Hier muss jedoch beachtet werden, dass der Verfasser die Geschehnisse aus seiner „pro-welfischen Sichtweise“ darstellt. Des Weiteren spielt die „Slawenchronik“ von Helmold von Bosau eine zentrale Rolle, wenn man das Thema Heinrich der Löwe ausreichend bearbeiten möchte. Auch Volker Scior bemerkt, dass aufgrund der Ausführlichkeit, mit der Helmold von Bosau über den Welfen berichtet, dieses Werk eine wichtige Quelle für die Geschichte Heinrichs ist3. Ferner wären noch die „Chronik“ von Otto von St. Blasien, sowie die „Gesta Friderici“ vom Bischof Otto von Freising zu nennen. Für den Sturz und den Prozess ist die sogenannte Gelnhäuser Urkunde aus dem Jahre 1180 die wichtigste Quelle, die wir von diesen Ereignissen besitzen. Meine Hausarbeit stützt sich in erster Linie auf die Aussagen der beiden Autoren Joachim Ehlers, sowie Karl Jordan, welche als die bedeutendsten Historiker für Heinrich den Löwen gelten.

2.) Mögliche Ursachen für den Sturz:

a) Die Ereignisse des Jahres 1172:

Es steht fest, dass sich Heinrich der Löwe im Jahre 1172 auf eine Pilgerfahrt ins Heilige Land begab, was „ganz der Sitte der Zeit“4 entsprach. Laut Jordan hätten sich viele geistliche und weltliche Fürsten, so auch Welf VI. auf eine Fahrt zu den heiligen Stätten der Christenheit, in Palästina, begeben.5 Während der Abwesenheit des Herzogs hatte der Kaiser, so berichtet Paul Bartels, eine „Unterredung“ mit den Befehlshabern, die in dieser Zeit die befestigten Plätze des Welfen innehatten. Diese soll er durch Drohungen und Versprechungen zum Schwur veranlasst haben, ihm alle diese Plätze zu übergeben, falls Heinrich der Löwe nicht mehr zurückkehren würde. „Dies führte nach der Heimkehr des Herzogs zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Kaiser“6 und habe den Zwist zwischen Kaiser und Herzog herbeigeführt. Der Autor Karl Jordan hält diese Behauptung jedoch für wenig glaubwürdig, da sie aus einer Quelle aus dem 15. Jahrhundert stammt und behauptet fest, dies sei ein Gerücht, das von welfischer Seite verbreitet worden war. Man wollte damit das Verhalten Heinrichs in diesen Jahren rechtfertigen.7 Ich schließe mich hier der Meinung des Historikers Karl Jordans an, da er sich jahrelang eingehend mit der Person Heinrichs des Löwen befasst hat.

b) Die Unterredung in Chiavenna:

Zu Anfang des Jahres 1176 hatten sich Kaiser Friedrich Barbarossa und der Welfe Heinrich der Löwe in der Reichsburg Chiavenna nördlich des Comer Sees getroffen. Hier muss erwähnt werden, dass die Quellen über diese Zusammenkunft sehr widersprüchlich sind, da es unterschiedliche Auffassungen gibt. Zum Beispiel, ob die Unterredung überhaupt stattgefunden hat, wo und wann die Zusammenkunft war, bis hin zu Einzelheiten des Beisammenseins der beiden Vettern.8 Nach Jordan kann man an diesem Treffen deshalb nicht zweifeln, da ältere Quellen diesen Berichten zugrunde liegen.9 Im Falle des Treffpunktes gibt es jedoch sehr unterschiedliche Aussagen. Die Unterredung soll nach Otto von St. Blasien in Chiavenna stattgefunden haben, laut einer jüngeren sächsischen Quelle in Partenkirchen und nach Arnold von Lübeck auf einem Reichstag.10

Laut Joachim Ehlers steht fest, dass bei dieser Begegnung der Kaiser den Herzog um militärische Hilfe für den bevorstehenden fünften Italienfeldzug, bei dem er eine Niederlage erleiden sollte, bat11 und zwar „demütiger als der kaiserlichen Majestät gebührt“.12 „[…] plus quam imperialem deceret maiestatem, humiliter efflagitavit“.13 Einige Quellen14 sprechen hier von einem „Fußfall“, andere wiederum erwähnen dies laut Karl Jordan nicht. Nach Johannes Haller wäre der Fußfall deswegen geschehen, weil der Kaiser Friedrich I. die angebliche Verstimmung des Herzogs, vom Jahre 1172, beseitigen wollte.

[...]


1 Zit.: Scior, Volker, Das Eigene und das Fremde. Identität und Fremdheit in den Chroniken Adams von Bremen, Helmolds von Bosau und Arnolds von Lübeck, Berlin 2002, Seite 228.
2
Zit.: Weinfurter, Stefan, Die Entmachtung Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125 – 1235, Ausst. Kat. Herzog-Anton-Ulrich-Museum Braunschweig, hrsg. v. Jochen Luckhardt und Franz Niehoff, Bd. 3, München 1995, Seite 180.
3
Vgl.: Scior, Seite 180.
4
Zit.: Jordan, Karl, Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1995, Seite 175.
5
Vgl.: Jordan, Karl, Seite 175.
6
Zit.: Bartels, Paul, Heinrich der Löwe. Der letzte Sachsenherzog, Hermannsburg 1925, Seite 143.
7
Vgl.: Jordan, Karl, Seite 180.
8
Vgl.: Hiller, Helmut, Heinrich der Löwe. Macht und Rebellion, München 1981, Seite 198.
9
Vgl.: Jordan, Karl, Seite 188.
10
Vgl.: Jordan, Karl, Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1995, Seite 188.
11
Vgl.: Ehlers, Joachim, Heinrich der Löwe. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter, Zürich 1997, Seite 106.
12 Vgl.: Ehlers, Seite 106.
13
Zit.: Ottonis de sancto Blasio Chronica, ed. v. Adolf Hofmeister, (MGH SS rer. Germ. in us. schol. 47), Hannover/Leipzig 1912.
14 Vgl.: Arnoldi chronica Slavorum, ed. v. Georg Heinrich Pertz, (MGH SS rer. Germ. in us. schol. 14), Hannover 1868, ND 1978.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668037069
ISBN (Buch)
9783668037076
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305403
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
1,75
Schlagworte
sturz heinrichs löwen ursachen prozessverlauf folgen Heinrich der Löwe Deutsches Mittelalter Barbarossa Welfen

Autor

  • Kerstin Köck (Autor)

    3 Titel veröffentlicht

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Titel: Der Sturz Heinrichs des Löwen. Ursachen, Prozessverlauf und Folgen