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John Stuart Mills Utilitarismus. Kurze Lernzusammenfassung

Zusammenfassung 2010 6 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

1. Kapitel: Allgemeine Rahmenbedingungen

Frage nach der Grundlage der Moral gilt seit Beginn des spekulativen Denkens als Hauptproblem der philosophischen Reflexion.

Bezeichnet sogar Mathematik als Wissenschaft, in der ähnliche Verwirrung und Unsicherheit aufzufinden sind; Lehrsätze, die zu den ersten Prinzipien einer Wissenschaft erklärt werden sind im Grunde die letzten Ergebnisse einer philosophischen Analyse der grundlegenden Annahmen der Wissenschaft -> in Wissenschaft gehen Einzelwahrheiten der allgemeinen Theorie voraus.

Stellt intuitionistische Theorie vor, nach deren Ansicht uns das moralische Vermögen allein die allgemeinen Prinzipien des moralischen Urteils verschafft. Es sei ein Teil der Vernunft und nicht des Wahrnehmungsvermögens. Diese Theorie bedarf ebenso wie die von Mill vorgestellte induktive Theorie allgemeiner Gesetze. Beide erkennen weitgehend dieselben moralischen Gesetze an, unterscheiden und widersprechen sich jedoch in der Frage ihrer Beweisgründe und der Quelle der Verbindlichkeit: Intuitionismus - Grundsätze der Moral liegen von vorneherein klar auf der Hand und erzwingen Zustimmung, sobald Wortbedeutung verstanden ist. Induktive Theorie - Recht und Unrecht, Wahrheit und Falschheit sind Frage von Beobachtung und Erfahrung. Erfahrung sei auch die einzige Quelle von Erkenntnis. Es darf allerdings kein deduktiver Beweis des Nützlichkeitsprinzips erwartet werden, da Fragen nach den letzten Zwecken eines direkten Beweises nicht fähig sind. Erwägungen können angestellt werden, nach denen der Geist entweder der Theorie zustimmen oder diese verwerfen können, was nach Mill einem Beweis gleich kommt. Es bedarf eines grundlegenden Prinzips oder Gesetzes und hier rückt das Prinzip der Nützlichkeit beziehungsweise das Prinzip des größten Glücks in den Vordergrund als Grundprinzip mit bedeutendem Anteil an den Morallehren. Mill zufolge können selbst die Gegner des Utilitarismus, wie etwa Kant, nicht auf utilitaristische Argumente verzichten und bezeugen damit entgegen ihren eigenen Absichten, dass nur die Idee des Gesamtnutzens die Moral zu einer Sache der rationalen Argumentation machen kann.*

2. Kapitel: Was heißt Utilitarismus?

In Mills Werk herrscht ein defensiver Ton vor. Mill verteidigt die utilitaristische Ethik gegen verschiedene Einwände und ist um Klarstellungen und die Behebung von Missverständnissen bemüht. Ein erster Einwand hat seinen Ursprung im Begriff des Nutzens (utility), dem der Utilitarismus seinen Namen verdankt. Unter Nützlichkeit wird nicht etwas der Lust Entgegengesetztes, sondern die Lust selbst und das Freisein von Unlust verstanden. Ebenfalls wird unter dem Nützlichen schon seit jeher (von allen Vertretern der Nützlichkeitstheorie) unter anderem auch das Angenehme und Gefällige verstanden. Nach der Nützlichkeitstheorie sind Handlungen insoweit und in dem Maße moralisch richtig, als sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit moralisch falsch, als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken. Unter Glück wird Lust und Freisein von Unlust verstanden, unter Unglück Unlust und das Freisein von Lust. Letztendlich geht es um die Lebensauffassung, dass Lust und das Freisein von Unlust die einzigen Dinge sind, die als Endzwecke wünschenswert sind und dass alle anderen wünschenswerte Dinge entweder deshalb wünschenswert sind, weil sie selbst lustvoll sind oder weil sie Mittel sind zur Beförderung von Lust und zur Vermeidung von Unlust.

Ein zweiter Einwand gegen die utilitaristische Lehre lautet, diese beziehe sich nur auf niedere, minderwertige Formen der sinnlichen Lust und sei somit eine Ansicht, die nur der Schweine würdig wäre. Diese Anklage unterstellt, dass Menschen keiner anderen Lust fähig sind als der, deren auch Schweine fähig sind. Die Menschen haben jedoch höhere Fähigkeiten als bloß tierische Gelüste und sehen nur in der Ausübung ihrer intellektuellen und sittlichen Tugenden ihr wahres Glück und Erfüllung.

Weiterhin erweitert Mill die hedonistische Werttheorie um eine qualitative Dimension. Er beschreibt die Annahme, dass einige Arten der Freude wünschenswerter und wertvoller sind als andere. Von zwei Freuden sei diejenige wünschenswerter, die von allen oder nahezu allen, die beide erfahren haben, entschieden bevorzugt wird. Und falls deren Urteile auseinandergehen sollten, gilt das Urteil der Mehrheit. Wer mit beiden Freuden bekannt ist, der wird derjenigen den Vorzug geben, an der auch seine höheren Fähigkeiten beteiligt sind. Eine geistige Freude sei stets einem leiblichen Lustempfinden vorzuziehen. Es sei besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein, besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr. Sollten das Schwein oder der Narr anderer Ansicht sein, dann nur, weil sie nur die eine Seite der Angelegenheit kennen. Falls manche Menschen unter dem Einfluss der Versuchung gelegentlich die niederen Güter den höheren vorziehen, dann aus Charakterschwäche und mit dem Wissen, dass es geringeren Wert hat. Sie geben sich etwa zum Schaden ihrer Gesundheit sinnlichen Genüssen hin, obwohl sie wissen, dass Gesundheit das höhere Gut ist.

Auch eine Handlung, die einem selbst einen Vorteil verschafft, ist moralisch, wenn sie auch für die Allgemeinheit nützlich ist. Nach dem Prinzip des größten Glücks ist der letzte Zweck ein Leben, das so weit wie möglich frei von Unlust und in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht so reich wie möglich an Lust ist, was auch die Norm der Moral ist. Definiert werden kann diese als die Gesamtheit der Handlungsvorschriften, durch deren Befolgung ein Leben der angegebenen Art für die gesamte Menschheit und für die gesamte fühlende Natur im größtmöglichen Umfang erreichbar ist.

Gegner behaupten, dass der Mensch auch ohne Glück auskommen könne. Mill sieht einen Glücksverzicht nur dann als gerechtfertigt, wenn er dem eigenen langfristigen Nutzen oder dem Glück anderer dient. Als die Hauptbestandteile eines befriedigenden Lebens führt Mill Ruhe und Erregung an. Diese gehören zusammen und wechseln einander ab, insofern das Fortdauern des einen Zustands die Vorbereitung auf den anderen ist und den Wunsch nach ihm wachruft. Ist dies nicht mehr der Fall, so führen wir ein unbefriedigendes Leben. Weitere Ursachen für ein solches Leben sind der Egoismus und ein Mangel an geistiger Bildung. Nach Mill lassen sich alle wichtigen Ursachen menschlichen Leidens in erheblichem Umfang durch menschliche Mühe und Anstrengung beseitigen, sodass es nahezu jedem Menschen möglich sei, ein befriedigendes Leben zu führen.

Somit stellt Mill seinen Gegnern gegenüber, dass es zwar möglich ist, ohne Glück

auszukommen. Wer durch einen Verzicht am Genuss des Lebens zur Vermehrung des Glücks beitragen kann, der handelt wiederum im Sinne des größten Glücks der größten Zahl. Wer es aber in anderer Absicht tut, der zeigt zwar, was Menschen tun können, jedoch nicht, was sie tun sollten. Ein Opfer, das den Gesamtbetrag an Glück nicht erhöht, wird als vergeudet betrachtet.

Manchmal wird dem Utilitarismus jedoch auch vorgeworfen, dass er den Menschen moralisch überfordere, weil er ihm die Unterordnung aller persönlichen Interessen abverlange. Hierauf entgegnet Mill, dass die meisten guten Taten ihren Zweck nicht im Wohl der Welt, sondern im Wohl einzelner Individuen haben, aus dem sich das Wohl der Welt zusammensetzt. Somit ist der Mensch auch moralisch nicht überfordert, da jeder Mensch seine eigenen Ziele anstreben (und dabei das Wohl der Menschheit zurücksetzen) darf.

[...]


*Sobald er aus seinem kategorischen Imperativ konkrete, moralische Pflichten herleitet, misslingt Kant nach Mill der Nachweis, dass darin, dass alle vernünftigen Wesen nach den denkbar unmoralischsten Verhaltensnormen handeln, irgendein Widerspruch liegt.

Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668054196
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305664
Note
Schlagworte
Ethik Philosophie John Stuart Mill Utilitarismus Zusammenfassung

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Titel: John Stuart Mills Utilitarismus. Kurze Lernzusammenfassung