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Der Bauernkrieg von 1525 - Die Zwölf Artikel als Wiederspiegelung der sozio-ökonomischen Situation der Bauern

Hausarbeit 2003 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. 1. 1 Die Vorläufer des Bauernkrieges
1. 2 Der Verlauf des Bauernkrieges
II. 2. Die Zwölf Artikel
2. 1 Entstehung und Verbreitung der Zwölf Artikel
2. 2 Analyse der Zwölf Artikel
II. 3. Die Ursachen
3. 1 Positionierung in der Frage der Ursachen des Bauernkrieges
3. 2 Die Entwicklung des Agrarraumes
3. 3 Die Ausbildung des frühneuzeitlichen Territorialstaates

III. Fazit- Die historische Bedeutung des Bauernkrieges

IV. Literatur
1 Quellen
2 Sekundärliteratur
3 Nachschlagewerke

V. Anhang
1 Die Zwölf Artikel
2 Karte zum Bauernkrieg

I. Einleitung

Der Bauernkrieg stellt sich als eines der interessantesten Phänomene der frühneuzeitlichen Geschichte dar. Die zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts kann man als ein „Jahrzehnt der Entscheidungen“[1] betrachten, das von krisenhaften Zuständen und insgesamt von einer spannungsreichen Situation gekennzeichnet war.

Um den Charakter des Bauernkrieges zu erfassen, sollen die Vorläufer des Bauernkrieges behandelt werden und somit eine Einordnung in den chronologischen und thematischen Zusammenhang geschaffen werden. Darüber hinaus soll die Ausdehnung und der Verlauf skizziert werden.

Im Folgenden soll die Bedeutung der Zwölf Artikel als die entscheidende und grundlegende Schrift dieser Bewegung herausgestellt werden. Dazu soll die Frage geklärt werden, woher die Zwölf Artikel stammen und wie sie verbreitet wurden. Im folgenden Abschnitt sollen sie analysiert und die Inhalte herausgearbeitet werden.

Gerade weil er sich politisch und ideologisch sehr unterschiedlich interpretiert und behandelt werden kann bietet er sich der Geschichtswissenschaft als Objekt der kontroversen Betrachtung an. In diesem Zusammenhang soll gezeigt werden welche Wege es in der Ursachenforschung gibt.

Darauf folgend sollen die Ursachen möglichst anschaulich und übersichtlich dargestellt werden. So sollen die Gründe für das Verhalten der Bauern herausgearbeitet werden. Ein besonderer Schwerpunkt dabei soll auf den Belastungen der Bauern liegen, die wie in den Zwölf Artikel veranschaulicht wird, die sozio-ökonomische Lage der Bauern repräsentieren.

Die Quellenlage zu dem Themenbereich ist gut. Der massenhafte Druck hatte sich in der frühen Neuzeit durchgesetzt, wodurch sich Schriften weitflächig in vielen Versionen vervielfältigen und verbreiten ließen. So liegen zur Reformationszeit besonders viele Traditionsquellen vor.

Auch der Forschungsstand ist gut. Dies liegt zum einen daran, dass das Themengebiet des Bauernkrieges interdisziplinär behandelt wird und seinen Schwerpunkt in der Theologie sowie in der Geschichtswissenschaft der frühen Neuzeit hat. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von regionalen und kommunalen Untersuchungen, die in vielen Gebieten tiefe und detaillierte Einblicke in die Geschichte des Bauernkrieges geben.

II. 1 Vorläufer des Bauernkrieges

Man kann den deutschen Bauernkrieg nicht als singuläres, völlig isoliertes Ereignis

betrachten. Er stellt vielmehr den Höhepunkt einer Vielzahl und Reihe von Aufständen seit dem 14. Jahrhundert dar[2]. So ist eine starke Zunahme von Bauernunruhen vom Spätmittelalter bis zur Reformationszeit festzustellen[3]. Diese steigende Radikalisierung zeigt sich auch in der Anzahl von Aufständen. War es 14. Jahrhundert noch ein Aufstand je Generation, steigerte sich die Anzahl auf sechs bis acht in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und im Zeitraum von 1500 bis 1525 gipfelte dieser Wert bei etwa 18[4].

Bei der Betrachtung der vorherigen bäuerlichen Unruhen lassen sich immer wieder Parallelen zum Großen Bauernkrieg herstellen[5]. Man kann die Anfänge schon in der Zeit der großen Pest von 1348 suchen, in der Bauernaufstände meistens andere Gründe hatten. Bei den hoch- und spätmittelalterlichen Unruhen kann man jedoch nicht von umfassenden, großflächigen Bewegungen sprechen, weil es sich in der Regel um vereinzelte und vor allem territorial begrenzte Hungerrevolten handelte.

Im Zusammenhang mit dem deutschen Bauernkrieg von 1525 sind jedoch schwerpunktmäßig programmorientierte und zielgerichtete Bewegungen ausschlaggebend. Die wichtigsten Vorläufer sind in dieser Hinsicht der „Bundschuh“ und der „Arme Konrad“[6].

Als bedeutendste Aufstandsbewegung im Vorfeld des Bauernkrieges kann man die Bundschuhbewegung im Gebiet des Oberrheins benennen[7]. Der Name der Bewegung ist sehr zeitgenössisch geprägt: Im Gegensatz zum Stiefel des Ritters wählten die Aufständischen ihren gebundenen Schuh als Fahnensymbol[8]. Kennzeichen sind der stark konspirative Charakter, die überregionale Organisation, das Verlassen des rein herrschaftlichen Bezugrahmens sowie die standesunabhängige Teilnahme[9]. Die Wurzeln dieser Bewegung liegen schon um 1443, als auf einer Bauernhochzeit ein Bundschuh am Haus aufgehängt wurde und in der Folgezeit stärkere Symbolkraft entwickelte. Von einer zunehmenden Radikalisierung kann jedoch erst seit 1493 gesprochen werden, weil hier militärisch agiert werden sollte. Als „Operationsstützpunkt“ sollte Schlettstadt erobert werden, und von dort aus weitere Unternehmungen folgen. Noch bevor die Verschwörungspläne umgesetzt wurden, kam es zu Verrat und somit zum scheitern[10]. Ähnliches ereignete sich bei den Verschwörungen im Bistum Speyer 1502, bei Freiburg im Breisgau und 1517 am Oberrhein.

Die Grundlage und Legitimation sollte das Evangelium sein und „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes“ erreicht werden. Als Obrigkeiten wollten sie nur den Kaiser und den Papst akzeptieren. Schwerpunkte der Forderungen lagen bei Abschaffung der Leibeigenschaft, Stärkung der Gemeindeautonomie, Aufhebung aller Abgaben, Steuern, Zinsen und Zehnten, weil man die gleichen Freiheiten wie die Schweizer erreichen wollte[11].

Auch allgemein dienten die Erfolge der Bauern in der schweizerischen Eidgenossenschaft als Vorbild der Bauernbewegungen. Im so genannten „Saubannerzug“ von 1477 hatten die „Eidgenossen“ innerhalb von 14 Tagen 16 Städte und 43 Burgen zerstört[12], und somit die Stärke der Obrigkeit gebrochen. Weitere Schritte zur Unabhängigkeit waren die Gründung der „Ewige Bund“ der Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden[13], der Abschluss der „Ewigen Richtung“ 1474 mit Österreich, das Stanser Verkommnis von 1481, die Verweigerung der Wormser Reichstagsbeschlüsse im Schwäbischen Krieg 1499 und die Beitritte Basels und Schaffhausens 1513 zum „Bund der 13 alten Orte“[14]. Die endgültige Unabhängigkeit geht jedoch erst auf den Westfälischen Frieden von 1648 zurück. Die Schweizer schafften mit ihrer staatlichen Organisation das Ideal des „genossenschaftlichen Zusammenlebens“.

Ein anderes Beispiel sind die Unruhen, die unter dem Namen des „Armen Konrad“ bekannt sind und 1514 ganz Württemberg ergriffen[15]. Vorausgegangen war die Misswirtschaft der letzten Herzöge, die sich auf die Untertanen auswirkte. Auslöser der Bewegung war eine neue Steuererhöhung, die im Zusammenhang mit der Veränderung von Maßen und Gewichten stand. Gerichtet war die Unzufriedenheit in erster Linie an den „jungen, ungezügelten, fast pathologischen“ Herzog Ulrich. Hier stand bei den Forderungen die Bewahrung des alten Rechts im Mittelpunkt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes mit dem Ausgangsgebiet des Remstals wurden die Rädelsführer hingerichtet. Nur über die städtischen Beschwerden der „Ehrbarkeit“ einigte man sich im Tübinger Vertrag vom 8.7.1514 zu Lasten der bäuerlichen Untertanen[16].

Unter dem Einfluss des ungarischen Bauernaufstands von 1514 kam es auch im östlichen habsburgischen Teil des Reichs 1515 zum innerösterreichischen Bauernkrieg mit dem Ausgangsgebiet Sloweniens. Unter dem Kampfruf „stara pravda“ - dem alten Recht scheiterte jedoch auch dieser Aufstand.

Insgesamt konnten diese Vorläufer keine Erfolge verzeichnen, sondern bewirkten die Restauration und die weitere Expansion der obrigkeitlichen Macht.

II. 2 Der Verlauf des Bauernkrieges

Nach kleineren örtlichen Aufständen im Vorfeld und einer Häufung von Zehntverweigerungen im süddeutschen Raum kam es 1524 in vielen Orten zu größeren Unruhen.

Im Juni 1524 erheben sich die Stühlinger Bauern unter der Führung von Hans Müller gegen den Grafen von Lupfen, der seine Privilegien gegen die Untertanen auszudehnen versuchte. Die Stühlinger Bauern verbinden sich mit den städtischen Anhängern des Predigers Bathasar Hubmaiers aus Waldshut[17]. Innerhalb weniger Wochen breitete sich die Bewegung auf die umliegenden Gebiete des Hegaus, des Klettgaus, der Baar, des Markgräflerlandes sowie auf weite Teile des südlichen Schwarzwaldes aus. Seit Dezember 1524 verstärkte sich die Bezugnahme auf das „Göttliche Recht“[18]. Vom Jahresende an entwickelten sich die einzelnen Aufstände zu einer Massenbewegung die nun das gesamte Gebiet zwischen Donau, Lech und Rhein erfasste. Aus den anfänglich kleineren örtlichen Gruppierungen bildeten sich in dieser Region der Allgäuer Haufen, der Bodenseehaufen und der Baltringer Haufen.

Ulrich Schmid als Anführer des Baltringer Haufens gewinnt den Kürschnergesellen Sebastian Lotzer und den Prediger Christoph Schappeler aus Memmingen, die mit der Formulierung der Zwölf Artikel die programmatische Grundlage für die Bewegung schafften[19]. Zusätzlich wurde als „militärisch-politisches Organisationsprogramm“ die „Bundesordnung beschlossen[20]. Am 7. März schlossen sich die drei oberschwäbischen Haufen in Memmingen zur „Christlichen Vereinigung“ zusammen. . Die Forderungen und die Ziele der Aufständischen bewirkten, dass neben den Bauern auch Vertreter aller Stände, also auch Städter, Ritter, niederer Adel und niedere Geistlichkeit für die Bewegung gewonnen wurden.

In den folgenden Wochen kamen es durch die bewaffneten Bauernhaufen zu umfassenden Zerstörungen und Plünderungen von Klöstern und Adelssitzen[21]. Die Feudalherren im Schwäbischen Bund[22] unter der Führung des Feldherrn Truchsess von Waldenburg trieben indessen ihre Rüstungen voran und bereiteten sich auf die militärische Niederschlagung vor. Im Ulm kamen von beiden Seiten Vertreter zusammen. Die Bedingungen für eine Entscheidung über die bäuerlichen Beschwerden wurden immer weit reichender und endeten bei der strikten Forderung nach sofortiger Waffenniederlegung für die Seite der Bauern.

Diese Bedingungen wurden als Verrat angesehen, jedoch von den gemäßigten Anführern als Kompromisslösung mit der Feudalseite favorisiert. Aus Protest und Ablehnung zu solchen „Kompromissen“ setzten sich die radikalen Kräfte gegenüber den gemäßigten Kräften durch, und verschärfte den Konflikt. Diese Radikalisierung führte zum Sturm auf Kirchen und Schlösser in enormen Umfang[23]. Die Feudalherren wurden getötet, gefangen genommen, vertrieben oder verpflichteten sich den Zwölf Artikeln und schlossen Verträge zugunsten der Aufständischen.

[...]


[1] Schulze, Winfried: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, Frankfurt am Main, 1987, 73

[2] Hamm, Joachim: Servilia bella. Bilder vom deutschen Bauernkrieg in neulateinischen Dichtungen des 16. Jahrhunderts, Wiesbaden, 2001, 21

[3] Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 13

[4] Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 13

[5] Moeller, Bernd: Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen, 1977, 91

[6] Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 52ff

[7] Schulze, Winfried: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, Frankfurt am Main, 1987, 92

[8] Vgl. Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 53

Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 23

[9] Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 23

[10] Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 53

[11] Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 53

[12] Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 22

[13] Reichsunmittelbar seit 1309

[14] Brockhaus- Die Enzyklopädie: in 24 Bänden, Leipzig u.a., 1996, Schweiz

[15] Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 52

[16] Wohlfeil, Rainer (Hg.): Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation, München, 1975, 52ff Schulze, Winfried: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, Frankfurt am Main, 1987, 91

[17] Hamm, Joachim: Servilia bella. Bilder vom deutschen Bauernkrieg in neulateinischen Dichtungen des 16. Jahrhunderts, Wiesbaden, 2001, 21

[18] Hamm, Joachim: Servilia bella. Bilder vom deutschen Bauernkrieg in neulateinischen Dichtungen des 16. Jahrhunderts, Wiesbaden, 2001, 22

[19] Vgl. II. 3. 1 Die Entstehung der Zwölf Artikel

[20] Gall, Lothar (Hg.): Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300-1800, München, 1988, 29

[21] Chronik der Deutschen, Gütersloh, München, 19953, 312

[22] Der Schwäbische Bund war eine 1488 von südwestdeutschen Adligen und Städten gegründete Vereinigung

[23] Hamm, Joachim: Servilia bella. Bilder vom deutschen Bauernkrieg in neulateinischen Dichtungen des 16. Jahrhunderts, Wiesbaden, 2001, 22

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638318136
ISBN (Buch)
9783638676687
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30591
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2
Schlagworte
Bauernkrieg Zwölf Artikel Wiederspiegelung Situation Bauern

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