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Der Techno-Underground in Berlin. Die Rolle und Bedeutung der Szene für die Stadt

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Berlin nach der Wende

3. Techno-Szene
3.1 Ordnungen und Hierarchien
3.2 Subkulturelle Inszenierung
3.3 Drogen und Genuss:
3.4 Techno- Musik für den Moment
3.5 Arbeiten in der Techno Szene
3.6 Flyer und andere Medien

4. Exkurs: Individualität einer Stadt

5. Bezug zum Film „Berlin Calling“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Techno-Szene umfasst in Europa mehrere Millionen Jugendliche und junge Erwachsene, die regelmäßig an Partys teilnehmen. Hinzu kommt noch in etwa dieselbe Menge, die nur gelegentlich diese Musik hört oder an Veranstaltungen teilnimmt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass diese Szene häufig die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht und viele Menschen alltäglich mit dem Lebensstil oder der Musik der Techno-Szene in Berührung kommen. Dennoch ist das Wissen über die Praktiken dieser Szene nicht besonders umfangreich und häufig mit Vorurteilen behaftet. Viele assoziieren damit lediglich maßlosen Konsum sämtlicher Drogen, lärmende Musik und dauerhafte Partyexzesse. Das ist jedoch zu kurz gegriffen, denn Techno umfasst einen bestimmten „kollektiven Lebensstil, der sich – sozusagen, ‚kultisch‘ – in einer ausdifferenzierten Art von stark repetitiver, elektronisch erzeugter Musik, in besonderen Tanzformen, speziellen Konsumgewohnheiten, auffälligen Attitüden und habituellen Eigenarten und in signifikanten Arten von Geselligkeit äußert“ (vgl. Hitzler/ Pfadenhauer 2001, S. 11).

In dieser Arbeit soll es um die Akteure der Techno-Szene gehen, welche in der Stadt Berlin angesiedelt sind und darum, welche Rolle sie für das Bild und die Entwicklung der Stadt spielen. Die Szene wurde in Berlin stark durch den Mauerfall 1989 und der daraus entstehenden Stadtstruktur geprägt. Viele Häuser und Industriegebäude standen nach der Wende leer, hatten unklare Besitzverhältnisse und boten der Szene viel Raum für neue Ideen. Es herrschte gerade bei vielen Ostberlinern und denen, die neu hinzugezogen waren, eine Stimmung des Aufbruchs, was dazu führte, dass sich der Techno weiterentwickelte. Die Akteure der Szene bewegen sich im Stadtraum umher und funktionieren die Leerstände zu Orten um, an denen sie ihre Feste inszenieren und prägen und verändern damit das Stadtbild. Mit den Jahren entwickelte sich Berlin so zu einem zentralen Treffpunkt der Techno-Szene weltweit, der jedes Wochenende zahlreiche Fans der Musikrichtung anlockt. Mittlerweile genießt die Stadt Berlin den Ruf als Welthauptstadt der Clubkultur.

Grundlage dieser Arbeit stellt die ethnografische Untersuchung von Anja Schwanhäußer dar, die Kommunikationsweisen, Praktiken, Einflüsse sowie den Lebensstil des „Techno-Underground“ durch mehrere Monate Feldforschung genau untersucht hat.

Dabei geht es um die Frage, was die Techno-Szene auszeichnet. Zuerst wird darauf eingegangen, wie sich der „Techno-Underground“ nach der Wende in Berlin entwickelte.

Danach werden verschiedene grundlegende Szenen-Aspekte wie etwa die Raumnutzung, Hierarchien, subkulturelle Inszenierung oder der Konsum von Drogen beschrieben. Dann wird noch dargestellt, was die Musik Techno ausmacht und wie die Arbeitsverhältnisse in der Szene aussehen. Daraufhin folgt ein Exkurs zum Thema Individualität einer Stadt und abschließend gibt es ein Fazit.

2. Berlin nach der Wende

Das Berlin nach der Wende bot dem „Techno-Underground“ (Schwanhäußer 2010) einzigartige räumliche Möglichkeiten und der enorme Leerstand war wie geschaffen, um erforscht zu werden. Es kam zu einer „subkulturellen Umfunktionierung“ der Stadtteile, es entwickelten sich viele alternative Lebensstile und die Räumlichkeiten wurden wie Kleidung oder Musikstile verändert. Berlin erscheint als „Stadt im ewigen Wandel“, die an vielen Stellen unfertig wirkt und immer in Veränderung ist (vgl. Schwanhäußer 2010, S. 19). Dieser Aspekt hängt unter anderem mit der Geschichte Berlins zusammen, welche deutliche Narben hinterlassen hat. Schließlich musste die Stadt zwei Weltkriege und fünf Regime über sich ergehen lassen. Durch Abriss und Aufbau des Deutschen Reiches, der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, der BRD und der DDR wurde eine „Stadt ohne Form“ geschaffen, die viele Lücken und Brüche in sich vereint (vgl. ebd., S. 110). So ist in der Stadt noch überall das Vergangene anwesend, was dazu führt, dass eine gewisse Orientierungslosigkeit vorherrscht. Dies stellt die Stadtplanung und Politik einerseits vor die Aufgabe, Symbole zu finden, die Ordnung stiften, andererseits wird der entstehenden Subkultur so ein bisher nicht vorhandener Freiraum geboten.

Diese vielen leeren Gebäude waren die Folge der in der DDR herrschenden Ideologie, die Altbaugebiete als „Überbleibsel früherer Klassengesellschaften“ (ebd., S.111) anzusehen. So wurde wenig in die Substanzpflege und Instandsetzung gesteckt. Die alten Gebäude galten zudem auch als wenig erhaltenswert und es war kostengünstiger, Neubausiedlungen am Rande der Stadt zu errichten. Die Folge dieser Bauentwicklung war eine Verschlechterung des Wohnwertes. Viele dieser Leerstände waren zudem einst im Besitz von jüdischen Eigentümern, die im Nationalsozialismus enteignet wurden. Auch wegen dieser Prozesse der Rückübertragung an die rechtmäßigen Besitzer, waren die Sanierungen langwierig. Im Sozialismus kam es dann zur Zwangsverwaltung dieser Gebäude.

Als dies 1993 aufgehoben wurde, mussten zahlreiche Eigentümer gefunden werden. Wo dies nicht gelang, kam es zu Notverwaltungen (vgl. ebd., S. 111f).

Es herrschte also ein gewisser Ausnahmezustand, bei dem es zur Normalität wurde, Häuser von einzelnen Personen oder Gruppen zu besetzen. Das Besetzen ist Teil der Strategie, die atmosphärischen Qualitäten der Stadt aufzuwerten. Nach der Wende herrschte in Berlin großes Chaos in der Administration, was die Nutzung der leerstehenden Räume ermöglichte. Die Ämter waren dabei eher unfähig, die Gebäude zu verwalten und hinzu kamen die ungeklärten Zuständigkeiten und Eigentumsverhältnisse. Durch das Besetzen entstand auch gerade unter der Mitwirkung der Techno-Szene eine neue „Stadtteilkultur“ (ebd., S. 112), die eine ganz eigene Infrastruktur mit Bars, Clubs und Kunstgalerien entstehen ließ. Bis Mitte der 1990er Jahre konnten die meisten Verhältnisse schließlich geklärt werden, was die Anzahl der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten minimierte. Heutzutage hat sich das Bewusstsein solcher Brachen in der Gesellschaft verändert und auch viele Unternehmen und Institutionen nutzen sie für ihre Zwecke (vgl. hierzu ebd., S. 112ff).

Die Voraussetzung für die Umfunktionierung dieser Leerstände zu Partylocations des Techno-Undergrounds liegt in der Deindustrialisierung der Städte. Viele Fabriken verloren ihren Nutzen, als sich die Produktionsverhältnisse hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelten. Die Produktion dieser Fabriken war nicht auf Massenkonsum ausgerichtet und so fokussierte man sich ab sofort auf Fabriken, die außerhalb der Stadtgrenzen oder sogar im Ausland lagen und den Bedürfnissen entsprachen. Die sogenannte „Schrumpfung der Städte“ (ebd., S. 168) ist ein weiterer Grund für den hohen urbanen Leerstand. Die Anzahl der Bevölkerung ging einerseits in den westlichen Städten zurück und wanderte andererseits aus der Innenstadt in die Vorstädte (vgl. ebd., S. 167f).

3. Techno-Szene

Das Lebensgefühl, das im Berlin nach dem Mauerfall entsteht, verkörpert kaum einer so gut, wie die Techno-Szene. Die leerstehenden Gebäude und Brachen werden von den umherschweifenden Akteuren dieser Szene zu „Locations“ umfunktioniert. „Mit Umherschweifen ist eine Haltung zur Umwelt gemeint, die in alle Richtungen offen bleibt und bereit ist, sich auf unterschiedlichste Verführungen einzulassen“ (ebd., S. 35).

Alte Kellergebäude, Fabrikhallen oder bauliche Reste der DDR symbolisieren das Transistorische. Hier ist eine alte Zeit vergangen und die neue hat noch nicht eingesetzt. Die Gebäude werden von der Szene zu dieser Zeit temporär angeeignet, um Partys zu veranstalten, die außerhalb legitimer Räume der Gesellschaft liegen. Diese Praxis ist seit 1989 aufgrund von Prozessen der Transformation im Ostberliner Stadtraum gang und gebe, da die alten Industriegebäude nur langsam anderweitig genutzt werden (vgl. ebd., S. 10).

Hakim Bey bezeichnet solche Locations als „Temporäre Autonome Zonen“ (ebd., S.10) und diese sind im Verständnis der Szene-Angehörigen die letzten Räume, die vage und unbestimmt und noch nicht verwertbar sind. „Ihre ursprüngliche Geschichte ist beendet und der Verlauf einer zukünftigen, neuen Geschichte noch offen (ebd., S. 10). Es gibt eine Wechselwirkung zwischen den Räumlichkeiten und dem Befinden der Feiernden. Indem die Szene diese leerstehenden Gebäude in Berlin umfunktioniert, entsteht eine Art zweite Stadt, die als eigentliche Stadt empfunden wird. Diese Stadt ist nicht etwa geprägt durch Museen, Theater und die Kunst oder lediglich durch die Arbeit und die Fabriken. Die Akteure orientieren sich weder an der Hochkultur, noch an der proletarischen Kultur, stattdessen entstammen sie dem „neuen Kleinbürgertum“ (ebd., S. 11). In ihrer Stadt ist alles improvisiert und die Räume sind dem Vergnügen gewidmet. So wie die Räume hier genutzt werden, kann von einer „Verflüssigung räumlicher Grenzen“ (ebd., S. 11) gesprochen werden. Denn sobald die Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt und aus diesem Grund saniert werden, können die Akteure der Szene diese nicht mehr für ihre Zwecke nutzen. Es herrscht somit ein Zustand dauerhaften Wandels, der keiner bestimmten Ordnung der Gesellschaft zugeschrieben werden kann. Denn die Szene möchte sich nicht an einen bestimmten Platz in der Gesellschaft verorten lassen Das Leben wird vornehmlich nach Geschmack, Ästhetik und Gefühlen ausgerichtet. „(…) an die Stellen der Pflicht, tritt die Pflicht zum Genuss (…)“ (ebd., S. 12). Während man Ansehen in der Gesellschaft eigentlich durch den Status im Beruf erlangt, hält die Szene nichts von diesen traditionellen Wertigkeiten (vgl. ebd., S. 11).

3.1 Ordnungen und Hierarchien

Trotz der Fluidität dieser Szenen und ihrer Praktiken, wodurch traditionelle Festschreibungen gelockert werden, löst sich hier die Ordnung in der Gesellschaft dennoch nicht gänzlich auf. Denn trotz allem weist die „soziale Ordnung“ der Gesellschaft den Akteuren der Szene eine bestimmte Position im „sozialen Raum“ zu (ebd., S. 13). Von dieser Position sind wiederum die Möglichkeiten des Handelns jedes Individuums abhängig.

„Der Techno-Underground praktiziert eine Loslösung vom Raummodell des Eigenheims und des Schrebergartens hin zu neuen Palästen, die anders als im Traum ihrer kleinbürgerlichen Stammkultur, nicht in den Vorstädten und wohlhabenden Vierteln angesiedelt sind, sondern Locations für eine Nacht darstellen, die anschließend aufgegeben werden, um neue Locations zu finden“ (ebd., S. 15). Es ist auch festzuhalten, dass sich die Szene mit dem Studierenden-Milieu überschneidet.

Das Studium fungiert als „institutionalisierte Übergangsphase“ (ebd., S.257). Für die Akteure, die sich gerade in der Phase des Studiums befinden, wird ein Austoben und Ausleben gesellschaftlich toleriert. Die Existenz in der Szene wird so gewährt und die freie Einteilung der Zeit macht es möglich, sich intensiv der szene-spezifischen Lebensweise hinzugeben (vgl. hierzu ebd., S. 257). Während die meisten Räumlichkeiten ständig wechseln, gibt es in der Szene auch einige feste Orte wie etwa Plattenläden, Büros oder Verkaufsläden. Solche Orte sind für den kontinuierlichen Austausch unter den Akteuren da und bedeuten einen „Halt in der Flüchtigkeit“ (ebd., S.29). Hier kommt es zur Festigung von Beziehungen, anders als die sonst häufig flüchtigen Partybekanntschaften .Die Aufmerksamkeit der Szene auf Orte, Zeiten und Ereignisse wird durch bestimmte Normen bzw. Gruppen konzentriert. Diese strukturieren die Partys vor Ort und wählen aus der Menge der in Frage kommenden Leerstände aus (vgl. ebd., S. 29f).

Das Empfinden der Akteure der Szene wird hauptsächlich durch die ästhetische Gestaltung der Umwelt dominiert und beeinflusst somit auch allgemeine Prozesse in der Gesellschaft. Dass es schwierig ist mit den Personen, die sich in dieser Szene aufhalten, Kontakt aufzunehmen, verdeutlicht das Geheimnisvolle und Flüchtige, das ihr anhaftet und das von ihr gepflegt wird. Wer dann jedoch die Locations findet und an der Party teilhat, gehört zum Kreis der Auserwählten, der „Happy Few“ (ebd., S. 26). Dieser Kreis empfindet sich selbst als privilegiert und teilt ein geheimes Wissen.

Die Szene ordnet sich trotz aller flüchtigen Bestandteile nach bestimmten Personen, Orten und Gruppenzugehörigkeiten. Diese bewegen sich innerhalb bestimmter Ordnungsmuster und sind als relativ stabil anzusehen. So wird eine gewisse Kontinuität garantiert (vgl. ebd., S 24ff). Die Mitglieder orientieren sich also an subkulturellen Idealen und Traditionen. Dennoch beschreibt sich die Szene selbst nicht als eine geschlossene Gruppe. Es gibt einen permanenten Zuwachs an neuen Gesichtern, so besteht ein gewisses Desinteresse gegenüber diesem Zustrom. Dieser Zustand kann als Blasiertheit bezeichnet werden und meint einen typisch urbanen Zustand der „Reizüberflutung“ (ebd., S. 27).

Dies führt wiederum dazu, dass die Dinge und Personen der städtischen Umgebung allesamt in einem gleichmäßigen Grau wahrgenommen werden.

Die Akteure feiern aber nicht nur in den Brachen, die die Stadt zu bieten hat. Auch die Natur wird für das Feiern von Partys genutzt, was auch fester Bestandteil der Kultur der Hippies ist. Ein Beispiel stellt hier das Festival „Nation of Gondwana“ dar, bei dem man in die Natur ausschwärmt und so jenseits der Zivilisation und Gesellschaft die Romatik der Natur erfahren kann (vgl. ebd., S. 205f).

Bestimmte Gruppen haben die Definitionsmacht über die Szene. Sie legen fest, was als gut und richtig gilt und was legitim ist. Dies wird von Bourdieu als „symbolisches Kapital“ (ebd., S. 31) bezeichnet. „Personen und Gruppen mit hohem symbolischen Kapital vereinen sich in Eigenschaften und Fähigkeiten, die von dem sozialen Feld des neuen Kleinbürgertums, in dem sie verortet sind, insgesamt als besonders relevant angesehen, d.h. als legitime Kultur erachtet werden“ (ebd., S. 31). Diese Gruppen stammen entweder aus der Besetzerkultur oder aus einer Fortführung der Hippie-Kultur, was sich darin äußert, dass sie auch in der Natur umherschweifen und eine romantische Hippie-Ideologie pflegen.

Die Partys der Anhänger von der Hippie-Kultur oder der Besetzer hatten die meisten Besucher, während die Partys von normalen bürgerlichen Gruppen wie Studenten kaum Anklang fanden. Somit bilden Gruppen, die in der Gesellschaft eher eine Randposition innehaben im Kontext der Techno-Szene das Zentrum der Party. Nach ihnen wurde das Geschehen ausgerichtet und sie definierten die Atmosphäre (vgl. ebd., S. 31f).

3.2 Subkulturelle Inszenierung

Die Anhänger der Techno-Szene inszenieren sich allesamt in ähnlicher Art und Weise, indem sie an der Produktion des Spaßes selbst mitwirken, selbst aktiv werden und sich von der Kulturindustrie das Feiern nicht vorgeben lassen. Dabei erwirbt man die Mitgliedschaft in der Szene nur, indem man selbst aktiv wird. Es wird erwartet, nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst etwas zu produzieren. Durch dieses nichtkommerzielle „do-it-yourself Engagement“ (ebd., S. 34) werden dann wiederum Netzwerke geknüpft. Die Szene-Netzwerke erfüllen in der sich sonst stark wandelnden Umgebung Aufgaben der Kontinuität und Stabilität. Es wird sich an den sozialen Strukturen orientiert und so wird Verbindlichkeit und Ordnung geschaffen.

Das Schaffen von Kultur sowie ökonomische Handlungen gelten eigentlich als Ausschlusskriterien, allerdings lassen sich diese Prozesse auch hier nicht vermeiden. Sich in der Szene zu engagieren bedeutet deshalb nicht, ökonomisch motiviert zu handeln, sondern stattdessen gemeinsam kreativ tätig zu sein (vgl. ebd., S 51fff). Die sogenannten „Collectives“ (ebd., S. 54) sind Zusammenschlüsse von Partyorganisatoren, die ihre Arbeit als nicht-kommerziell ansehen und bezeichnen. „Die projektbezogene Netzwerkstruktur ist ein Grundprinzip der Szenesozialisation“ (ebd., S. 59). Durch gemeinsame Projekte entstehen enge Beziehungen, die durch diese Projekte gefestigt und bestätigt werden.

Für viele Mitglieder der Szene ist es nicht möglich, die „antikapitalistische Inszenierung“ dauerhaft aufrechtzuerhalten, woraus ein Austritt aus der Szene resultiert. Gibt es dauerhafte und stabilere Strukturen, so hängen diese zwangsläufig auch immer mit ökonomischen Handlungen zusammen. Schafft es ein Collective 3 Jahre zu bestehen, gilt dies als eine „Stabilisierung“ (ebd., S. 63). Die Pyonen, das angesehenste Party-Collective, etwa haben eine GmbH gegründet, betiteln sich selbst als Unternehmer und gelten trotz dessen als glaubhaft und sind etabliert. Sie sind das Collective mit dem höchsten Ansehen und veranstalten die bestbesuchten Partys. Am Beispiel der Pyonen kann man sehen, wie Normen und Werte kreiert werden, die verbindlich sind (vgl. hierzu ebd., S. 63f). Große Projekte wie die Organisation einer Party bedeuten selbstverständlich immer einen großen Aufwand, der wiederum auch immer ökonomische Aspekte beinhaltet. Trotzdem wird gegen die Pyonen immer auch der Vorwurf erhoben, sie seien Kapitalisten. Doch nur auf diese Weise kann man sich sein Leben in der Szene dauerhaft sichern. Es gelingt allerdings den Wenigsten (vgl. ebd., S. 70f).

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Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668040823
ISBN (Buch)
9783668040830
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305976
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Techno-Szene Techno Techno-Underground Ethnografie Raumsoziologie Stadtsoziologie Berlin Berlin Calling Stadt im Film

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Titel: Der Techno-Underground in Berlin. Die Rolle und Bedeutung der Szene für die Stadt